Samstag, 28. Oktober 2017

Fly-over-nation



Immer wenn ich mit meinen Ami-Verwandten telefoniere, fragen sie mich sehnsüchtig wann ich sie denn mal besuchen komme.
Möglicherweise liegt das nicht speziell an mir, sondern daran, daß Amerikaner generell freundliche, lockere Menschen sind.
Diesen herzlichen unverbindlichen Plauderton können sie wesentlich besser als Deutsche. Nach meinem Eindruck sind sie dabei auch geübter im Humor, machen mehr selbstironische Bemerkungen.
Als Reisemuffel mit ganz ganz leichten Vorbehalten gegenüber der amerikanischen Politik und Religiosität, zeige ich mich natürlich immer begeistert und dankbar für die Einladung, habe aber stets einen handfesten Grund zur Hand, weswegen das im Moment gerade nicht geht.
In dieser Beziehung ist Trump ein Glücksfall, denn nun habe ich eine perfekte Ausrede; sorry, aber ich will eine „America first“-Administration unter Trump nicht unterstützen, indem ich die Tourismusindustrie ankurbele und in den USA Geld ausgebe.
Für meine Urlaubsplanung gilt „America last!“ Das sind meine privaten Wirtschaftssanktionen, die zwar auch die Majorität der Amerikaner treffen, die Trump nicht gewählt hat, aber ich glaube, es hilft letztendlich der ganzen Nation, wenn die Trumponomics sich als gewaltiger Fehlgriff erweisen und es zu einer tiefen Rezession kommt.
Denn nur so lernen die Hillbillies und Rednecks, daß man keine nationalistischen Rassisten wählen darf.
Na gut, allzu hart sind meine Privatsanktionen nicht, da ich ohnehin nicht nach Amerika geflogen wäre. Aber mein nächstes Notebook kommt nicht noch einmal von hp.

[…..] Eine Umfrage für das Tourismus-Fachmagazin FVW bestätigt diesen Trend. Danach verspürt jeder zweite Deutsche, der grundsätzlich an einer USA-Reise interessiert ist, wegen der Politik von US-Präsident Trump derzeit keine „sonderlich ausgeprägte Lust“ auf Nordamerika.
Das Magazin hat bei der GfK eine repräsentative Befragung in Auftrag gegeben: Bei 46 Prozent der USA-Reiseinteressierten hat sich demzufolge der Blick auf die Vereinigten Staaten durch die ersten Wochen der Präsidentschaft Trumps verändert. Sie würden derzeit nicht Urlaub in den USA machen, da sie sich unwillkommen fühlen oder die Politik von Donald Trump nicht durch Urlaubsreisen unterstützen wollen. [….]

[….] Die fetten Jahre für die US-Reisebranche scheinen erst einmal vorbei. Als Auslöser gilt nicht nur der starke Dollar, sondern auch die aggressive Politik. [….] Im vergangenen Jahr setzte die amerikanische Tourismusbranche mehr als 250 Milliarden Dollar mit Gästen aus anderen Ländern um. Die fetten Jahre sind jedoch, das prognostizieren mehrere Studien, erst einmal vorbei. Trump Slump nennen sie diese Entwicklung, den Trump-Durchhänger.
Das staatliche Bureau of Economic Analysis, das regelmäßig Daten zur volkswirtschaftlichen Entwicklung herausgibt, hat Anfang April errechnet, dass die Einnahmen durch ausländische Touristen in den drei Monaten nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten gegenüber den drei Monaten davor um 10,2 Prozent gesunken sind. Und das Marktforschungsinstitut Tourism Economics schätzt, dass in diesem Jahr 4,3 Millionen weniger Gäste in die USA reisen werden, im kommenden Jahr gar 6,3 Millionen. […]

 […..]  Im Land dieses Präsidenten? Seit Donald Trump vor fast einem Jahr die Wahl gewonnen hat, haben die Vereinigten Staaten für viele Bundesbürger dramatisch an Faszination verloren. Noch 2015 war die Zahl der deutschen USA-Besucher mit 2,3 Millionen auf einen neuen Rekordstand geklettert. Heute dagegen erscheint das einstige Traumziel manch Reisewilligem plötzlich als Heimstatt der Sonderlinge, der Hitzköpfe und Hinterwäldler.
[….] Schon 2016 war die Zahl der ausländischen Besucher wegen des anziehenden Dollar-Kurses merklich zurückgegangen. Mittlerweile scheint der Höhenflug der Währung gestoppt, der negative Tourismustrend aber hat sich in den ersten fünf Monaten dieses Jahres ungebremst fortgesetzt: Allein zwischen Januar und Mai kamen fast 840 000 ausländische Touristen weniger ins Land als im gleichen Vorjahreszeitraum. Rechnet man die Kanadier heraus, die sich als direkte Nachbarn gern vom Welttrend abkoppeln, liegt das Minus gar bei 1,2 Millionen oder 5,6 Prozent.
[….] Besonders dramatisch sind die Einbrüche bei Besuchern aus Russland, Brasilien, der Schweiz und Mexiko. Der Tourismus aus Afrika und Vorderasien ist wegen Trumps Einreisestopp und seiner Dauerkritik am Islam mit Rückgängen von bis zu 40 Prozent gar regelrecht kollabiert. [….] Verunsichert sind auch viele große Unternehmen, die in den USA Fabriken betreiben oder das Land als unersetzlichen Absatzmarkt betrachten. Ihre Direktinvestitionen lagen im ersten Vierteljahr um 44 Prozent, im zweiten gar um 54 Prozent unter den jeweiligen Vorjahreswerten.[…..]

Freitag, 27. Oktober 2017

Der Souverän


Was nützen eigentlich Programm-Debatten und Koalitionstaktiken, wenn selbst "Promis", die sich ständig mit der Medienwelt auseinandersetzen, nicht den geringsten Schimmer haben wer die deutschen Politiker sind; geschweige denn zu welchen Parteien sie gehören?

Wir müssen uns damit abfinden, daß zwar alle Leute das Wahlrecht haben, aber viele davon de facto VIEL ZU DOOF sind, um es auszuüben!



Soziologische Analysen und das geballte Politikexpertenwissen sind vermutlich völlig untauglich, um zu erklären weshalb 62 Millionen Amerikaner vor einem Jahr ihr Kreuz bei Donald Trump gemacht haben.
Trump als den bösartigen Volltrottel zu sehen, der er ist, schließt nur scheinbar aus ihn zu wählen.
Trump wegen seiner tausendfachen Lügerei, seiner offensichtlichen Geisteskrankheit und der klar erkennbaren Unfähigkeit nicht zu wählen, setzt voraus, daß der Wähler zumindest über Rudimente von Verstand oder Interesse verfügt.
Dem ist aber nicht so.
Auch und gerade Amerikaner sind ignorant und so sagenhaft ungebildet, daß es sie eigentlich von der Partizipation an demokratischen Wahlen ausschließen müsste.


[….] Are tens of millions of Americans really this stupid? If the findings from a new ABC News poll are any indication, then the answer is yes:

    There's no honeymoon for Donald Trump in a new ABC News/Washington Post poll but also no regrets: He approaches his 100th day in office with the lowest approval rating at this point of any other president in polls since 1945 — yet 96 percent of those who supported him in November say they'd do so again today. .
    Among those who report having voted for [Trump] in November, 96 percent today say it was the right thing to do; a mere 2 percent regret it. And if a rerun of the election were held today, the poll indicates even the possibility of a Trump victory in the popular vote among 2016 voters.

This is despite all the lies Donald Trump has told and all the campaign promises he has betrayed: He has not "drained the swamp" of lobbyists and corporate fat cats, has not built his "huge" and "amazing" wall along the Mexican-American border, has not returned jobs to the United States and has not repealed the Affordable Care Act. Indeed, as of Day 100 of his presidency Trump has fulfilled few of his main campaign promises.
Moreover, the fact that 96 percent of Trump's voters would make the same decision again despite overwhelming evidence that President Vladimir Putin interfered in the 2016 presidential election with the goal of installing Trump as a puppet candidate raises many troubling questions about how tens of millions of American voters were "flipped" by a foreign power to act against their own country. [….]

Wir diskutieren in Facebook-Gruppen über den Einfluss von Seeheimern bei der Bestellung des parlamentarischen Geschäftsführers einer Oppositionsfraktion im Bundestag.
 Ein großer Teil der Wähler weiß gar nicht worüber wir da reden.
Wie soll man Strömungen und Strippenzieher innerhalb einer Partei kennen, wenn man generell Parteien und Spitzenkandidaten nicht unterscheiden kann; keine Ahnung hat wofür die stehen?

Daher müssen wir das demokratische Wahlsystem so modifizieren, daß die Untergebildeten und Mikro-Interessierten weniger stark berücksichtigt werden.
Zum Beispiel nach den Vorschlägen Jason Brennans:

"Brennans Lösung ist, sehr vereinfacht in meinen Worten ausgedrückt, daß man bei der Stimmenabgabe ein Multiple-Choice-Kompetenztest ausfüllen muß.
Je nach Ergebnis werden die Stimmen gewichtet. Wer alle Fragen korrekt beantworten kann, bekommt vielleicht drei Stimmen, während die Stimme des Blödmanns, der nichts über Parteien weiß nur mit 50% gewichtet wird.
Das ist ein Modell, über das ich schon seit Jahren nachdenke. Es erscheint mir praktisch kompatibel, weil so ein Multiple-choice-Test so viele Fragen haben könnte, daß man ihn nicht ohne weiteres auswendig lernen kann.
Es könnten 100 allgemeine politische Fragen erstellt werden, von denen jeder Wähler nach dem Zufallsprinzip bei der Stimmenabgabe 10 beantworten muß. Solche Tests sind leicht von Computern auszuwerten und würden keine großen Auszählungsprobleme mit sich bringen.
Jede Stimme könnte dann mit der Anzahl der richtigen Antworten multipliziert werden, so daß je nach Wissensstand zwischen Null und zehn Stimmen ins Wahlergebnis eingehen."

Donnerstag, 26. Oktober 2017

Klimawandel



Trump konnte noch kein einziges Gesetz durchbringen; alle seine Versprechen; von „defeat ISIS within 30 days“ über „taxreform“ und „build a wall“ bis „repeal and replace Obamacare“ blieben unerfüllt.

Seine Anhänger finden ihn trotzdem toll, weil er ihren rassistischen Hass auf Obama bedient und geradezu manisch alles zerstört, das Obama schuf.

Auch die jüngsten Kabale in der republikanischen Partei scheinen Trump bei seiner Basis eher zu nutzen.
Die Attacken GW Bushs, McCains, Corkers und Flakes kommen alle von ehemaligen oder demnächst ehemaligen GOP-Größen.
 In der Bannon-Trump-Welt bedeutet das den Durchmarsch seiner aggressiven White-supremacy-Linie. Der Rücktritt sogenannter „Establishment-Republikaner“ ist hilfreich für die radikalen Fanatiker an der Basis.

Nachdem sich Trumps Wahlsiegt bald einmal jährt, lassen sich aber auch erhebliche kulturelle Veränderungen feststellen. Bullying ist wieder auf dem Vormarsch.
Trumps Aufstieg war nämlich nicht nur ein Aufbäumen gegen übertriebene political correctness, sondern auch ein Plädoyer für rücksichtsloses Durchsetzen des Stärkeren.
Reiche und mächtige Weiße trauen sich wieder was.
Man kann „Jews will not replace us“-skandierend durch die Straßen ziehen und anschließend vom Präsidenten „finest people“ genannt werden.
Feuer frei auf Juden, Schwarze, Dicke, Alte, Kinder, Schwule, Frauen, Latinos, Transgenders, Immigranten und natürlich auch auf Behinderte – das hatte Trump selbst schon am Anfang seines Wahlkampfes bewiesen, als er die Behinderung des an Arthropryposis leidenden NYT-Reporters und Pulitzerpreisträgers Serge F. Kovaleski nachäffte.

Weiße Hillbillies, die gern auch Schwächeren rumtrampeln haben nun Oberwasser.

[…..] Die Zahl der "Hate Crimes" in den USA ist nach dem 8. November sprunghaft angestiegen. Mehr als 700 Berichte über Belästigung und mögliche Hassverbrechen zählte das Southern Poverty Law Center der Zeitung zufolge nach der Wahl. Offizielle Statistiken liegen zwar noch nicht vor, aber die Zahlen, die das FBI kürzlich präsentierte, deuten einen Trend an. Hassverbrechen haben demnach im vergangenen Jahr um sechs Prozent zugenommen. Die Übergriffe auf Muslime sollen im Vergleich zu 2014 sogar um 67 Prozent gestiegen sein.
Es gebe hunderte Berichte, unter anderem über Schmierereien von Hakenkreuzen an Autos und Häusern, beklagte Soros. Trumps Fremdenfeindlichkeit würde sich in der Bevölkerung immer mehr ausbreiten. Opfer seien nicht nur Migranten, sondern auch Schwarze, Homosexuelle, Muslime sowie andere Minderheiten. "Direkt verantwortlich" für diese Exzesse sei die "hetzerische Rhetorik" Trumps und seiner Anhänger während des Wahlkampfs. "Dunkle Mächte sind erwacht", sagte er. "Wir müssen etwas tun, um dagegen anzugehen." [….]

[….] "Dieser Hass": Das sind sogenannte Hate Crimes, rassistisch motivierte Übergriffe. Die Statistik ist alarmierend und der Zusammenhang - zumindest für die New Yorker Behörden - überdeutlich. Seit dem Wahlabend, an dem Donald Trump siegte, ist die Zahl rassistisch motivierter Übergriffe in New York City um 115 Prozent gestiegen. "Mir ist schlecht geworden, als ich hörte, dass eine unserer Polizistinnen nur wegen ihres Glaubens attackiert und beschimpft wurde", sagt de Blasio.
New Yorks Bürgermeister zeigt mit dem Finger auf Donald Trump. Dessen Hassreden aus dem Wahlkampf hätten diese Stimmung in der Stadt aber auch im ganzen Land erzeugt. Die New Yorker Polizei verzeichnet immer mehr Hakenkreuzschmierereien. In zwei Metrostationen wurden Ku-Klux-Clan-Flugblätter verteilt, Werbebroschüren der rassistischen Organisation, die Donald Trump zur Wahl empfohlen hatte. [….]

Trump und seine Regierung enablen die niedersten Instinkte der Amerikaner.
Was sich schon unmittelbar nach Trumps Wahlsieg als Gewaltexzess zeigte, hat sich inzwischen auf allen Ebenen manifestiert.

[….]  Since the election of President Donald Trump, news outlets and social media accounts have swelled with reports of swastikas at schools, racist taunts, and other hate-fueled attacks and acts of intimidation. The Southern Poverty Law Center, which has aggregated media reports and gathered submissions from its website, catalogued 1064 such incidents, 13 of which were later debunked as false reports, in the first month after Trump won the presidency. (Twenty-six of those incidents were perpetrated against Trump supporters.) The SPLC has presented that data in aggregate, creating an invaluable record of the scope of post-election hate crimes. […..]

[…..]  Bürgerrechtler warnen Schwarze vor American Airlines
[…..] Die Bürgerrechtsorganisation NAACP, die sich für Schwarze einsetzt, hat vor Reisen mit American Airlines gewarnt. Afroamerikaner könnten bei der Fluglinie respektlosen, diskriminierenden oder unsicheren Umständen ausgesetzt sein, schreibtNAACP in einer Mitteilung.
Afroamerikanische Passagiere hätten in den vergangenen Monaten verstörende Zwischenfälle auf American-Airlines-Flügen gemeldet, heißt es. Die NAACP (National Association for the Advancement of Colored People) nannte vier Fälle, in denen schwarze Passagiere dazu aufgefordert worden seien, ihren Sitzplatz aufzugeben oder das Flugzeug zu verlassen. […..] Bei einem weiteren Vorfall soll eine schwarze Frau gemeinsam mit einem weißen Passagier gereist sein, beide flogen eigentlich erster Klasse. Am Schalter habe sie in eine günstigere Flugkategorie wechseln müssen, während ihr Mitreisender in der ersten Klasse habe bleiben dürfen. […..]

[….]  Hate Crimes Against Muslims in US Continue to Rise in 2016
Trump Needs to be More Forceful – and Public – in Condemning Hate Crimes [….]

[….]  Hat Präsident Donald Trump ein Antisemitismus-Problem?
Warum tut sich Trump so schwer damit, die grassierenden Attacken gegen jüdische Einrichtungen (seit Amtsantritt hat es 70 Bombendrohungen in 27 Bundesstaaten gegeben) von sich aus anzusprechen und eindeutig zu verurteilen?   Nach der jüngsten Eskalation konnte Trump nicht mehr länger schweigen. Auf einem jüdischen Friedhof in St. Louis im Bundesstaat Missouri waren 170 Grabsteine umgeworfen und Gräber verwüstet worden. Beim Rundgang durch das neue Museum für afro-amerikanische Geschichte und Kultur in Washington wurde der Präsident von einem Reporter dazu gefragt. […..] Es waren die allerersten Worte des Präsidenten Trump zu einer Entwicklung, die nach Angaben der „Anti-Defamation-League“ schon seit Monaten im Gang ist. Antisemitische Vorfälle, so die jüdische Organisation mit Verweis auf Polizeistatistiken, hätten in den USA eine Dimension erreicht, die man seit den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhundert nicht mehr gesehen habe. [….]

[….] Fox News arbeitet fleißig an der Produktion der rechten Parallelwelt mit, man findet auf der Website aber auch noch echte Nachrichten. Über Portale wie Breitbart oder Infowars hingegen betritt man eine andere Welt. Das wohl wichtigste Merkmal dieser Medien ist, dass sie ausschließlich Themen präsentieren, die für den Gefühlshaushalt der Trump-Anhänger relevant sind. In dieser Parallelwelt existieren nur gewalttätige Muslime und Migranten, fremde Länder, die die USA betrügen, männerhassende Feminazis, kriminelle und intrigante Demokraten, die Trump etwas anhängen wollen, und Finanziers, die das alles bezahlen und die als Juden zu kennzeichnen man noch ­vermeidet.
Faschistische Gruppen und rechtsesoterische Sekten, die in einer solchen selbstgebastelten Parallelwelt leben, gibt es schon lange. Nun aber ist der rechtsextreme Wahn zu einer Massenbewegung geworden – und sein höchster Repräsentant sitzt im Weißen Haus. Für ihn sind fake news unerlässlich, anders kann er sich etwa der mittler­weile erdrückenden Beweise, die Mitarbeiter seiner Wahlkampagne mit Russland in Verbindung bringen, nicht erwehren. [….]

 [….] NRA ruft zum Bürgerkrieg auf
So sorgen Videos der mächtigen Waffenlobbyorganisation NRA in liberalen Medien für starke Kritik. Sie werfen der NRA vor, damit auf ihren Bürgerkrieg gegen Trump-Gegner vorzubereiten. In den kurzen Videos ist die bekannte Radiomoderatorin Dana Loesch in ihrer Funktion als NRA-Sprecherin zu sehen. Sie spielt eine Fernsehansagerin, die die rechte Sicht auf die aktuellen Zustände in den USA wiedergibt. Ihre Stimme klingt dringlich und soll den Ernst der Situation verdeutlichen: Über die Trump-Gegner behauptet Loesch:
   „ Sie nutzen ihre Medien, um die wahren Nachrichten abzutöten. Sie nutzen ihre Schulen dazu, den Kindern beizubringen, dass ihr Präsident ein neuer Hitler ist. Sie setzen ihre Filmschauspieler, ihre Sänger, ihre Comedy-Shows und Preisverleihungen dazu ein, um dieselbe Leier permanent zu wiederholen“.
    Dana Loesch [….]

[….] Hate crimes have jumped by nearly 20 percent in major U.S. cities through much of this year, after increasing nationally by 5 percent last year, according to police data compiled by the Center for the Study of Hate and Extremism at California State University at San Bernardino.
The number of hate crimes in 13 cities with a population of over 250,000 rose to 827 incidents, up 19.9 percent from 690 reported during the same period last year, according to the study. Only two cities - Columbus, Ohio, and Riverside, California - posted declines.
Among the nation’s six largest cities, including New York City, Los Angeles and Chicago, the number of hate incidents increased to 526 from 431 last year, up 22.4 percent, according to the study. [….]

[…..]  Hetze, Pöbeleien, Anfeindungen: Das politische Klima in den USA hat sich seit Donald Trumps Wahl zum US-Präsidenten verändert. Das kommt auch in den Klassenzimmern an, zeigt eine aktuelle Studie.
Seit rund 25 Jahren unterrichtet Nicole Morris aus Utah bereits Sozialkunde. Doch ihre Schüler seien nie so aufgeregt gewesen wie in den ersten Monaten der Trump-Regierung, sagt die US-Lehrerin laut einer Studie der University of California in Los Angeles (UCLA).
Seit der Wahl von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten im November 2016 sei das Lernklima in ihrer Klasse von Ängsten, Unhöflichkeiten und Feindseligkeiten geprägt, sagt Morris .  Diese Erfahrung teilen Lehrerinnen und Lehrer überall in den Vereinigten Staaten. Das geht aus der Studie "Teaching and Learning in the Age of Trump: Increasing Stress and Hostility in America's High Schools" (auf Deutsch: "Lehren und Lernen in Zeiten von Trump: Zunehmender Stress und Feindseligkeit in Amerikas Highschools") hervor. [….]


[….]  By appearing at the Values Voter Summit, President Trump is lending the legitimacy of his office to a hate group that relentlessly demonizes LGBT people and works to deny them of their equal rights.
His appearance puts the lie to his campaign promise to be a friend to the LGBT community. Bigotry is not an American value, and our president should speak out against it. [….]

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Jammerei



Was machen die da gegenüber bloß den ganzen Tag? Seit zwei Monaten geht das so; jeden Morgen um sieben rollen LKWs mit Sand, anschließend wird gebuddelt und am Ende des Tages sieht man wieder einen fünf Meter hohen Sandberg an einer anderen Stelle des Geländes.
Am Bauzaun klärt die Stadt auf; der betreute öffentliche Spielplatz wird saniert. In diesem Fall mit EUR 170.000,-.
Bei anderen Hamburger Kinderspielplätzen nimmt die Stadt Hamburg sogar noch mehr Geld in die Hand.

Vor drei Jahren listete allein der Bezirk Hamburg-Nord folgende Spielplatz-Sanierungskosten auf:

Immenhöven (40.000 Euro nötig) und Timmerloh (350.000 Euro) in Langenhorn, Alsterberg (200.000 Euro) und Alsterberg/Höhentwiete (150.000 Euro) in Alsterdorf, Iseplatz (120.000 Euro) und Frickestraße (165.00 Euro) in Eppendorf, Graumannsweg (210.000 Euro) in Hohenfelde, Ratsmühlendamm (150.000 Euro) und Wellingsbütteler Landstraße (300.000 Euro) in Ohlsdorf, Probsteier Straße (350.000 Euro), Tiroler Straße (155.000) und Oberschlesische Straße (70.000 Euro) in Dulsberg, Höltystraße (155.000 Euro) auf der Uhlenhorst.

Waren Spielplätze früher nicht mal eine Fläche Sand mit ein paar Rutschen und Schaukeln?
Wie kann sowas denn 350.000 Euro kosten?

Nachdem ich allerdings sehe, wie der Bezirk diese Projekte umsetzt, daß also über Monate Sandberge von links nach rechts geschaufelt werden, wundere ich mich schon weniger.
Tatsächlich arbeitet Olaf Scholz immer noch den Sanierungsstau ab, der sich aus 10 Jahren völliger Untätigkeit der CDU-Regierung (2001-2011) ergeben hatte.
Ole von Beust hatte den Wohnungsbau komplett eingestellt, kein Geld mehr für Straßen und Grünflächen ausgegeben.
Rot, bzw Rot-Grün riss das Steuer um 180° herum. Nun wird geklotzt.
Daher leben wir jetzt in einer gigantischen Dauerbaustelle. Überall schießen neue Gebäude in die Höhe, Straßen werden asphaltiert, überall werden Leihräderstationen und Radwege eingerichtet. Spielplätze und Parks werden wieder hübsch gemacht und Hamburg boomt. Sogar die „Elphi“ ist fertig.
Um 30.000 Menschen jährlich wächst Hamburgs Bevölkerungszahl gegenwärtig.
Olaf Scholz scheint einiges richtig zu machen, denn ökonomisch geht es den Hanseaten laut des brandaktuellen „Vermögensbarometers 2017“ besser als allen anderen Bundesländern.

[….]  Hamburger Wirtschaft brummt: Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von rund 61.000 Euro pro Einwohner wird der bundesweite Durchschnitt sogar um 64 Prozent übertroffen! Deutlich dahinter auf den Plätzen: Bremen und Hessen.

Die höchsten Löhne und Gehälter: Die Bruttolöhne in Hamburg liegen ebenfalls deutlich über dem Schnitt: Verdient der Durchschnittsdeutsche im Jahr 41.000 Euro, so bringt es der Hamburger in der gleichen Zeit auf 48.000 Euro!

Die höchste Kaufkraft: Dementsprechend können die Hamburger auch deutlich mehr konsumieren als die Menschen in anderen Bundesländern: 24.000 Euro stehen zur Verfügung, zehn Prozent mehr als der Bundesschnitt.

Die meisten Aktionäre: Weil die Hamburger so reich sind, legen sie ihr Vermögen gerne an der Börse an. Überdurchschnittlich viele Hanseaten investieren in Aktien und Gold! [….]

Mich nervt der Baulärm natürlich.
Jeder ist genervt von den ewigen Baustellen, Umleitungen und dadurch resultierenden Staus.
Aber der Senat ist in einer No-Win-Situation.
Täte er nichts und es würden gar keine Wohnungen gebaut, die Straßen verwandelten sich wieder in Schlaglochpisten wie zu CDU-Zeiten, wäre es den Wählern auch nicht recht.
Also lieber Augen zu und durch.

Zu meckern haben die Konservativen immer noch genug. Das muss ja auch extrem frustrieren, wie Scholz all das gelingt, woran der von ihnen hochgeschriebene Beust-Schill-Senat scheiterte.
Sogar die Kriminalität sank unter Scholz auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahrzehnten.
Der Abla-Chef persönlich blies gestern zum Angriff.

[….]  Hamburg fehlen Kinder
[….]  Ja, die Stadt tut viel für Familien. Aber am Ende zählen oft nur die Immobilienpreise. Was jetzt getan werden muss.
Wenn Sie bei einem Gespräch mit Freunden, Verwandten oder Kollegen für eine Überraschung sorgen wollen, müssen Sie nur diese Frage stellen: "Was glaubt ihr, in wie vielen Hamburger Haushalten Kinder leben?" Die Antworten sind in der Regel nicht nur falsch, sondern liegen weit von der richtigen Zahl entfernt. Und wenn Sie diese dann nennen – "es sind 18 Prozent" – werden die Befragten so etwas sagen wie: "Das glaube ich nicht." Oder: "Das kann doch nicht wahr sein."
Ist es aber, und wir werden uns wohl daran gewöhnen müssen, dass es so bleibt. Hamburg ist zwar in den vergangenen Jahren deutlich familienfreundlicher geworden. In keinem anderen Bundesland sind Kita-Plätze (zumindest die ersten fünf Stunden) kostenlos, in keinem anderen Bundesland ist der Ausbau der Ganztagsschulen so stark vorangeschritten.
Aber diese vorausschauenden Maßnahmen, die der Senat um Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) schon bei dessen erster Wahl angekündigt hatte, reichen offenbar nicht, um aus Hamburg eine Familienstadt zu machen. [….]  Wer die Entwicklung der vergangenen knapp 50 Jahre hoch- und die Verteuerungen bei Immobilien mit einrechnet, kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: Hamburg ist und wird noch stärker eine Stadt für Alleinlebende sein, für Menschen, die nicht viel (Wohn-)Raum benötigen, dafür aber Wert auf kulturelle und andere anspruchsvolle Freizeitmöglichkeiten legen. [….]  Die Lebensläufe vieler Hamburger dürften künftig wie folgt aussehen: Als Student zieht man in die Stadt, begnügt sich hier mit einem WG-Zimmer oder einer Einzimmerwohnung. Mit der Familie zieht man raus, ins zum Glück meist sehr schöne Umland. Um schließlich, wenn die Kinder aus dem Haus sind und der oben genannte Platzbedarf wieder sinkt, zurückzukommen. […]

Es droht offenbar der Untergang des Abendlandes; denn Hamburg entwickele sich zur Single-Stadt; so raunen Haiders Untergebene.

[….] Zwei Millionen Menschen werden 2035 in Hamburg leben. Das hat das Institut der deutschen Wirtschaft jüngst prognostiziert. Doch wie wird die Bevölkerung dann aussehen? Werden noch viele Familien in der Stadt leben? Oder wird Hamburg fast nur noch aus Singlehaushalten bestehen?
Fest steht: Die Zahl der Haushalte, in denen nur eine Person lebt, ist rasant gestiegen. War dies 1970 laut Statistikamt Nord noch bei lediglich 35 Prozent aller Hamburger Haushalte der Fall, lag der Anteil 1980 schon bei 41 Prozent, zehn Jahre später bei 46 Prozent – und heute bei 54 Prozent. Das heißt, dass mehr als jeder zweite Haushalt ein Singlehaushalt ist. Rechnet man den Anteil der Alleinlebenden um, heißt das: Mehr als 500.000 Hamburger leben bereits allein. Folgt man einer Prognose des Statistischen Bundesamtes für Stadtstaaten wie Hamburg, so wird es im Jahr 2035 bereits 640.000 Hamburger geben, die alleine leben. [….]

Gegenüber des Spielplatzes steht der große Häuserkomplex, in dem ich wohne. Ein ganzer Straßenzug, der einem Vermieter gehört. Alles kleine Wohnungen. Alles Singles oder Paare. Kein einziges Kind.
Da nützen der beste Luxusspielplatz und flächendeckend kostenfreie Kitas nichts.

Der Platz wird dennoch bespielt, weil eine Armada Helikopter-Eltern hier jeden Morgen mit ihren SUVs einfällt und mit einer offenbar sadistischen Freude ihrem kleinen MAXIMILIAN-ALEXANDER oder ihrer SOPHIA-BERNADETTE hinterher grölt. Es könnte ja sein, daß einer der Anwohner noch schläft. Mütter sind heute nicht mehr Mütter gegenüber ihren eigenen Kindern, sondern offenbar hauptsächlich damit beschäftigt anderen unter die Nase zu reiben, daß sie diese in der Geschichte der Menschheit noch nie vorgekommene Großtat Elternschaft wagen.

In Hamburg gibt es viele reiche Menschen; siehe oben. Diese residieren auch bei explodierenden Immobilienpreisen in Villen an der Alster oder den 300 qm-Penthäusern in Eppendorf.
Es spricht nichts dagegen unter solchen Umständen Kinder zu bekommen.
Aber selbst hier gibt es Städter, die nicht zwei oder drei Millionen Euro aus der Portokasse für eine Wohnung auf den Tisch legen können.
Also zieht man entweder etwas weiter weg aus der Stadtmitte, oder man schränkt sich mit dem Platz ein; bewohnt sehr kleine Apartments.
In der Konsequenz kommt es zu den von Haider beklagten Pendelbewegungen; jüngere Leute, Singles, Studenten wohnen in kleinen Innenstadtwohnungen, verlassen diese aber, wenn sie beginnen sich zu vermehren, weil man sich mehr Quadratmeter eher in Farmsen oder Niendorf leisten kann. Dort bleibt man dann 20 Jahre, bis die Blagen die Schule hinter sich haben und zieht sobald man wieder zu zweit oder allein ist, zurück in die Innenstadt. In eine viel kleinere, aber auch praktischere und zentralere Wohnung.

Anders als Haider beklage ich diesen Zustand nicht, sondern halte das für glückliche Fügung.

Erstens fürchte ich mich nicht vor dem Aussterben der Hamburger, wenn unsere Stadt jährlich um 30.000 Menschen wächst.

Zweitens möchte ich Herrn „Hamburg-fehlen-die-Kinder“-Haider daran erinnern, daß unter anderem seine eigene Zeitung dieses Jahr stolze Rekordgeburtenzahlen vermeldete.

[….] Geburten-Rekord. So viele Geburten in Hamburg wie nie zuvor [….] Das neue Jahr beginnt mit tollen Meldezahlen aus dem alten Jahr: Bei 25.063 Geburten kamen 2016 in den Hamburger Geburtskliniken und dem Geburtshaus 25.602 Kinder zur Welt. Damit ist erneut ein Rekordwert zu verzeichnen. [….] Die Zahl von 25.063 Geburten ist der höchste Wert seit dem Jahr 2000 (18.707 Geburten), seit die Statistik in vergleichbarer Weise durch die Gesundheitsbehörde geführt wird. […..]

Drittens halte ich Singles in kleinen engen Wohnungen und Familien mit schreienden Säuglingen für natürliche Feinde.
Kinder machen ohnehin Lärm, aber die auf ihre Smartphone starrenden Latte-Macchiato-Mütter verstärken diesen Effekt auch noch, indem sie ihre Blagen zu aufdringlichen Kreischmaschinen erziehen.

Und ja, in der Innenstadt gibt es auch sowas wie Bordelle und Spielhallen, die von Papas Trieben leben und von modernen Übermüttern mit Hasskampagnen überzogen werden.
Wenn Gegenden mit vielen Kindern und urbane Single-Areale räumlich getrennt werden ist das eine zu begrüßende Entwicklung.

Viertens ist es auch dem Wohl der Kinder förderlich, wenn sie in Gegenden aufwachsen, die viel Grün, Garten, geräumige Wohnverhältnisse und jede Menge anderer Kinder bieten.

Fünftens betrachte ich das Single-Dasein als Luxus. Hamburger Singlehaushalte bilden inzwischen eine Mehrheit, weil wir es uns leisten können und nicht aus Kostengründen gezwungen sind wie vor 100 oder 200 Jahren zu sechst in einem Zimmer ohne fließendes Wasser zu hocken.
Mensch verbraucht mehr Ressourcen, wenn jeder einen eigenen Haushalt führt.
Das ist ökonomisch gut, ökologisch schlecht.
Aber unter dem rein ökologischen Aspekt würden wir besser Großfamilien mit mehreren hundert Köpfen wie die kanadischen Hutterer leben. Ohne persönlichen Besitz, dafür mit einheitlicher Kleidung und normiertem Verhalten.

Glücklicherweise haben wir aber die Freiheit uns für das Single-Dasein zu entscheiden, wenn wir uns nicht so stark an andere anpassen wollen. Es ist nur zu begrüßen, daß Geschiedene und Alleinerziehende nicht mehr wie in den 1950ern und 1960ern so stigmatisiert sind, daß man ihnen die Kinder wegnimmt und in kirchliche Heime steckt, wo sie dann versklavt, verprügelt und vergewaltigt werden.
Es ist für alle Beteiligten von Vorteil, daß eine Ehefrau, die von ihrem Mann misshandelt wird nicht mehr aus purer Not und Alternativlosigkeit für immer bei ihm bleiben muss, sondern sich scheiden lassen kann.
Mit anderen zusammen zu leben ist ethisch betrachtet grundsätzlich genauso gut oder schlecht wie allein zu hausen.
Schlimm ist aber gegen seinen Willen mit einer anderen Person zusammen leben zu müssen.
Je mehr diese gesellschaftlichen und ökonomischen Zwänge entfallen, desto mehr Menschen können auch allein leben. Dadurch werden sie selbstständiger und können sich viel mehr entfalten.
Das sind positive Eigenschaften.
Alleinsein und Einsamkeit werden nie sauber unterschieden.
Letzteres ist aber ein anderes Problem, das nur individuell „gelöst“ werden kann.
Der Staat ist dafür nicht zuständig.

Also sehr geehrter Herr Chefredakteur, jammern Sie nicht, sondern begrüßen Sie die erfreuliche Entwicklung Hamburgs zur Single-Stadt.