Mittwoch, 2. September 2015

Radikale Spitzen.

Gestern Nacht hatte ich wieder meine masochistische Phase und sah mir auf BR die „Münchner Runde“ zum Thema „100 Jahre FJS  an.
Gästin Franziska Augstein, eine der intelligentesten Journalisten Deutschlands, brachte mich dazu die glühenden Strauß-Fans Gauweiler, Hohlmeier und Gottlieb zu ertragen. Über die Politikerin Monika Hohlmeier habe ich in meinem ganzen Leben nur Schlechtes gehört, aber als Privatperson tut sie mir irgendwie Leid, weil sie mit ihren inzwischen 53 Jahren ihrem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten aussieht – und das in dem Fall kein Kompliment.
Aber das nur am Rande.

Pseudo-Moderator Gottlieb, der es nach wie vor nicht versteht auch nur den Hauch von Neutralität zu erwecken, sondern immer völlig ungeniert und sabbernd die CSU lobpreist, wollte einmal ganz forsch sein und bat Augstein, die er sichtlich empört als Strauß-Kritikerin empfand, aufzulisten was sie an FJS schätze.

Sie entgegnete, FJS sei es vermutlich zu verdanken, „uns die Nazis vom Hals gehalten zu haben“. Ende der 1960er hätte die NPD kurz vor dem Einzug in den Bundestag gestanden, aber da Strauß dermaßen offensiv selbst rechte Themen ausposaunte, hätten viele NDP-Sympathisanten gleich CDU/CSU gewählt.
Allerdings habe er sich damit gleichzeitig die Kanzlerschaft 1980 versaut. Denn so einer sei bundesweit eben nicht mehrheitsfähig gewesen.

Bis heute gibt es bei CDU/CSUlern den Impetus immer mal wieder etwas nicht nur schwarzes, sondern braunschwarzes zu sagen, weil das den Wählern gefiele.
Das bliebe in Erinnerung, das nähme den ganz Braunen die Themen weg und zahle sich an der Wahlurne aus.

Edmund Stoiber, der angesichts der Asylanten vor einer „durchmischten und durchrassten Gesellschaft“ warnte, mußte nicht etwa sofort zurück treten, sondern erhielt sogar eine Zweidrittel-Mehrheit der Sitze im Bayerischen Landtag.

[…] Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer kann, 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, öffentlich über Lager für bestimmte Volksgruppen auf deutschem Boden nachdenken, ohne sofort zurücktreten zu müssen. […]

Mit einer dezidiert ausländerfeindlichen Politik wurde Roland Koch vier Mal zum Ministerpräsidenten gewählt, obwohl er durch seine schlimmen Lügen (Stichwort „jüdische Vermächtnisse“) bei einem moralisch funktionierendem Volk eigentlich unwählbar gewesen sein müßte.

Ähnliches gilt für die Sachsen-CDU, die immer wieder klar NPD-Positionen übernahm und damit große Mehrheiten errang. Im bräunlichen Sachsen klappt das.

Möglicherweise gibt es aber doch Grenzen dieser strategischen Rechtslastigkeit der Unionisten.
So sind die Anwohner vieler Heimatvertriebenen-Unterkünfte weit freundlicher und hilfsbereiter, als die alarmistischen de Maizière und Co, die immer von den „Grenzen der Aufnahmefähigkeit“ schwadronieren, glauben machen wollen.


Es stößt doch eher ab, wenn Merkel eiskalt ein Flüchtlingsmädchen zum Weinen bringt, indem sie ihr an den Kopf schleudert, Deutschland könne halt nicht alle Flüchtlinge aufnehmen  - als ob das irgendwer vorgeschlagen hätte.

Sogar mitten in Bayern, in der Hauptstadt München, erleben wir gerade eine große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung.

Die Züge aus Ungarn mit Tausenden Flüchtlingen haben in München eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Hunderte Spender brachten Lebensmittel, Kleidung, Zahnbürsten, Windeln und andere Geschenke für die Asylbewerber zum Hauptbahnhof. «Wir danken sehr herzlich dafür, können das alles aber gar nicht mehr verarbeiten», sagte ein Polizeisprecher am Abend. Wer weiter helfen wolle, solle die Sachspenden zu den Erstaufnahmeeinrichtungen bringen.
(STERN 01.09.2015)

Man glaubt es kaum, aber wenn man sich nicht gerade in der Sächsischen Schweiz befindet, sind die Normalo-Deutschen weit weniger antihumanistisch, als es ihre Führer erahnen lassen.

Das gilt sogar für das seit einigen Jahren stramm rechts, antizigan, homophob und antisemitisch tickende Ungarn.

"Infektionsgefahr", "aggressive Belagerer", "Tsunami": So hetzt die ungarische Regierung gegen Flüchtlinge. Staatliche Hilfe? Fehlanzeige. Doch viele Bürger engagieren sich gegen Fremdenhass und für Mitmenschlichkeit.
Es war ein eisiger Abend Ende Januar, als Balázs Szalai heißen Tee in Thermoskannen füllte, Kekspackungen im Dutzend kaufte und zusammen mit Freunden an die Grenze fuhr. Sie verteilten die Lebensmittel an Flüchtlinge, die dort in der Kälte ausharrten, von der Polizei festgehalten. Szalai hatte die Bilder im Internet gesehen, verzweifelte Familien mit frierenden Kindern. "Da dachte ich, dass ich etwas tun muss", sagt Szalai. Seit damals verbringt er einen Großteil seiner Freizeit damit, Flüchtlingen zu helfen.
Der 34-Jährige lebt im südungarischen Szeged, ist Programmierer und hat eine kleine IT-Firma. Von seiner Heimatstadt aus sind es nur wenige Kilometer bis zur serbischen Grenze. Dort kommen seit Monaten immer mehr Flüchtlinge an, ihre nächste Station ist meistens der Bahnhof in Szeged.
Balázs Szalai kauft für sie Fahrkarten, übersetzt Formulare von Behörden oder organisiert medizinische Versorgung - ehrenamtlich. Im Juni gründete er zusammen mit Freunden die Initiative MigSzol, zu Deutsch Migranten-Solidarität, nachdem Szegeds Bahnhofsverwaltung Flüchtlinge abends aus dem Wartesaal des Bahnhofs herausgeworfen hatte. MigSzol betreibt seitdem vor dem Gebäude eine Anlaufstelle für Flüchtlinge. Es gibt Verpflegung, Decken, einen Internetzugang, Rechtsberatung und mobile Toiletten - finanziert großteils aus privaten Spenden.
Das Verhalten der Bahnhofsverwaltung in Szeged sei nur eines von zahlreichen Beispielen dafür, wie Regierung, Behörden und viele öffentliche Einrichtungen in Ungarn mit Flüchtlingen umgingen. "Es ist eine Schande", sagt Balázs Szalai.[…]

Richtig übel verhalten sich gegenüber den Vertriebenen außer den konservativen Politikern vor allem die Kirchen, die mit Abschiebe-Forderungen gegen Menschen agitieren.

Dietmar Metzner bot dem Freistaat Sachsen eine Halle in Großröhrsdorf als Asylbewerberheim an. Doch nach Widerstand aus Rathaus und Kirche machte er einen Rückzieher.
Bis zu 700 Asylbewerber hätten hier nach Auskunft der Landesdirektion unterkommen können: Eine Halle der Firma MB-Portatec im sächsischen Großröhrsdorf sollte in diesen Tagen zur Erstunterkunft umgebaut werden. Viele im Ort wehrten sich dagegen. Für Mittwochabend ist eine Einwohnerversammlung geplant, für Donnerstag eine Demonstration vor der Halle. Selbst der Pfarrer und die Bürgermeisterin waren mit der neuen Unterkunft nicht einverstanden. Nun hat die Firma, der das Gebäude gehört, ihr Angebot zurückgezogen.

In die abscheuliche Ecke stellte sich heute auch Bayerns Sozialministerin, die aus Merkels peinlicher Reem Sahwil-Affäre nichts gelernt hat.

Die Mitglieder der Hamburger Landesregierung – insbesondere  Bürgermeister, Zweite Bürgermeisterin und Sozialsenator – haben schon viele Flüchtlingsunterkünfte besucht.
Sie tun das hier aber grundsätzlich unangekündigt und ohne Presse, weil sie sich wirklich ein Bild verschaffen und helfen wollen; weil sie es mit der Menschenwürde nicht vereinbar finden das Schicksal einzelner auszunutzen, sie vor die Kamera zu zerren, um sich als Politiker zu inszenieren.
BRAVO.
Das Gegenteil in Bayern. Emilia Müller schert sich einen Dreck um den einzelnen Flüchtling, sieht in ihm nicht den Menschen, sondern nutzt den Termin nur zur billigen Eigenwerbung, um den vermeidlich rechten Wählern zu zeigen, wie hart sie rangeht.

"Sie wissen aber, dass Sie zurück müssen?"
Bayerns Sozialministerin Emilia Müller spricht mit einem Mann aus dem Kosovo - mit dem Einfühlungsvermögen eines Eisklotzes. Sie bleibt damit der Parteilinie treu.
Der verbale Ausrutscher des bayerischen Innenministers ist noch keine 24 Stunden her, als eine andere CSU-Ministerin vor die Kameras tritt und mit ihren Äußerungen für Frösteln sorgt. Anders als Joachim Herrmann, dessen Lob für "den wunderbaren Neger" Roberto Blanco man durchaus als Affäre betrachten darf, leistet sich Emilia Müller eigentlich nichts Ungewöhnliches. Eher etwas sehr CSU-Typisches: völlige Empathielosigkeit gegenüber flüchtenden Menschen.  […]
"Sie sind gut untergebracht? Gut. Sie wissen aber, dass Sie zurück müssen?", fragt Müller einen Mann im Abschiebezentrum. Das Gespräch vor laufender Kamera dauert zwar nur wenige Sekunden, aber Müller schafft es, dabei wie ein Eisklotz rüberzukommen. "Die Situation im Kosovo ist schwierig", sagt sie zu ihrem Gegenüber - einem Mann, der aus Kosovo stammt. […]

Die CSU ist und bleibt eine abscheuliche Partei, die völlig herzlos agiert.
Bitte nicht wiederwählen!

[…] 2015 = 1992 + Internet? Die Situation von heute gemahnt an die vor 23 Jahren, an Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen, Mölln und Solingen, als sich die Nachrichten anhörten wie ein Bericht vom Krieg des Mobs gegen Flüchtlinge. Damals wurden in Hoyerswerda die Asylbewerber unter Gejohle aus der Stadt gekarrt. Der Terror gegen Ausländer müsse sein, sagte ein Bewohner dem TV-Reporter, "bis wir frei sind von dem Viehzeug".  […] Die Zahl der Flüchtlinge in Deutschland lag damals bei einem Viertel der Zahl, die für 2015 erwartet wird.
[…] Damals hat die Politik dem Druck der Straße, den sie selbst miterzeugt hatte, nachgegeben: Das alte Asylgrundrecht wurde abgeschaltet; man meinte, man könne so auch das Flüchtlingsproblem ausschalten. Es war der untaugliche Versuch einer paragrafengestützten Aus-den-Augen-aus-dem-Sinn-Politik. Deren Untauglichkeit zeigt sich heute im Mittelmeer und in Lastwagen.
[…] Die überfallenen Flüchtlinge wurden nicht als Opfer, sondern als Störer betrachtet; die Offensive gegen das Asylrecht wurde als Offensive gegen ausländerfeindliche Gewalt ausgegeben. Das ist lange her, muss aber Lehre sein. Damals meinte man, man könne mit einem zerknüllten Grundrechtsartikel den Rechtsextremen den Mund stopfen. Es war der wohl folgenschwerste Irrtum in der politischen Geschichte der Bundesrepublik.
Damals begannen braune Kameradschaften, sich zu radikalisieren. Eine davon ist der NSU, die Bande, die zehn Menschen ermordet hat. Es ist bitter, dass der alltägliche, gewaltbereite Rassismus seit der Aufdeckung dieser Morde kein großes Thema geworden ist. Bürger, die sich Neonazis entgegenstellen, erhalten nach wie vor wenig Hilfe.
[…] Und: Man sollte die Asylpolitik nicht, wie bei den Roma, zur Diskriminierungspolitik machen; die Debatte über sichere Herkunftsländer erinnert ein wenig an die über die Änderung des Asylgrundrechts.
Per Definition werden Probleme nicht bewältigt. Es braucht eine gewaltige Anstrengung, die Humanität und Ökonomie verbindet und die Kraft des Guten weckt. Das ist nicht nur Gutmenschentum, das ist praktische Vernunft. Und das ist zugleich der Aufstand der Anständigen.

Gerade erst entdeckt:

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Dienstag, 1. September 2015

Impudenz des Monats August 2015


Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Es trifft Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU).


Der 58-Jährige Major der Reserve wuchs im mittelfränkischen Erlangen auf, studierte Jura und wurde RCDS- und JU-Aktivist. Zudem trat er der rechtslastigen katholischen Studentenverbindung K.D.St.V. Frankonia (Czernowitz) im CV bei und wurde 2010 Ehrenmitglied der K.A.V. Capitolina Rom.
Nachdem Herrmann 1990 die Bürgermeisterwahl in Erlangen verlor, stieg er in der CSU-Landtagsfraktion auf; brachte es über den Fraktionsvorsitz 2007 zum Innenminister.
In dieser Funktion wurde er mit zahlreichen Orden und Auszeichnungen überschüttet, während er eine groteske Polit-Eselei nach der nächsten anzettelte.

Zunächst einmal schränkte er das Demonstrations- und Versammlungsrecht in Bayern ein.

 "Dieses Gesetz strahlt den Geist obrigkeitsstaatlichen Denkens aus", kritisierte die frühere Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), "man will die Bürger schon im Vorfeld von Versammlungen einschüchtern." Dass Bayern wegen der Föderalismusreform dieses Gesetz erlassen müsse, treffe nicht zu: "Es gilt nach wie vor das Bundesgesetz, und da steht alles drin", sagte Leutheusser-Schnarrenberger.
Das Argument, dass das neue Versammlungsgesetz vor allem gegen die Aufmärsche von Neonazis gerichtet sei, bezeichnete Margarete Bause, Vorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, als "faustdicke Lüge". Wenn Demonstrationen von Rechten rechtzeitig angemeldet würden, dann könnten sie weiterhin stattfinden. "Dieses Gesetz wird gerade die Zivilgesellschaft behindern - jene Menschen, die sich gegen die Nazis wenden wollen. Das darf nicht sein", sagte Bause, "deshalb fordere ich Sie auf: Bleiben Sie im Widerstand."
Alles was Überwachsungs-Fanatiker begeistert, liebt auch Herrmann. Vehement tritt er für Vorratsdatenspeicherung, Trojanereinsatz, Videoüberwachung und Abhörmaßnahmen ein.

Meinungsfreiheit ist nicht die Sache des frommen Erlangers.

Nun hat MTV seine ab Mai geplante Papstsatire "Popetown" in Zeitschriftenanzeigen mit einem vom Kreuz herabgestiegenen Jesus beworben, der freudig vorm Fernseher sitzt: "Lachen statt rumhängen", lautet die Bildunterschrift. Deshalb ist das Verhältnis CSU/MTV ab sofort nur noch ein juristisches. Der bayerische CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann hat Strafanzeige gegen die Verantwortlichen des Senders gestellt.
Bei der Berliner Staatsanwaltschaft ging Herrmanns Anzeige heute früh vorab per Fax ein. Die "Popetown"-Werbung, so das Schreiben des Fraktionschefs, "erfüllt den Straftatbestand des § 166 StGB". Der christliche Glaube werde "beschimpft". Das Leiden, Sterben und Auferstehen von Jesus Christus stehe "für die allermeisten Christen im Zentrum ihres Glaubens". Die MTV-Anzeige gebe somit den christlichen Glauben "in besonders herabsetzender Weise der Lächerlichkeit preis".
Die Aussichten für die Aufnahme eines Strafverfahrens gegen MTV stehen allerdings nicht gut. In einem ähnlichen Fall hatte der heutige stellvertretende bayerische SPD-Vorsitzende Florian Pronold vor zehn Jahren den gekreuzigten Jesus als "Latten-Gustl" bezeichnet. Das damalige Verfahren verlief im Sande. So kündigt Joachim Herrmann schon jetzt Konsequenzen an, falls auch MTV ungeschoren davonkommt: "Sollte die Staatsanwaltschaft das nicht verfolgen, dann ist der gesetzgeberische Handlungsbedarf offenkundig."
Heißt im Klartext: Wenn die Staatsanwälte nicht durchgreifen, muss eben das Gesetz verschärft werden.

Daß auch aus der CSU einige Politiker gegen die wahllosen Abhörmaßnahmen der Amerikaner Stellung bezogen, empört die Impudenz des Monats August 2015.

 „Diese Beschimpfungen unserer amerikanischen Partner sind nicht akzeptabel. So geht man nicht mit Freunden um, die im Kampf gegen den Terrorismus unsere wichtigsten Partner sind. Jeder, der wirklich Verantwortung für die Sicherheit der Bürger in Deutschland und Europa hat, weiß, dass es die US-Geheimdienste sind, die uns immer wieder wichtige und richtige Hinweise gegeben haben. Sie haben dadurch geholfen, mehrere Anschläge bereits in der Vorbereitungsphase zu verhindern und Menschenleben zu retten.“
(Joachim Herrmann 16. Juni 2013)

Sein wahres Steckenpferd ist aber Herrmanns tiefsitzende Xenophobie.

Begeistert stritt er für die widerrechtliche Anti-Ausländermaut und hetzt bei jeder Gelegenheit die Menschen gegen Flüchtlinge auf.

Auch in Bayern, wo viel mehr Menschen gegen Pegida, als für die Xenophoben demonstrieren, hat man sofort ein offenes Ohr für die Forderungen von Ganzrechts.

Bayern kündigt strengere Regeln für Asylbewerber an
Kürzere Verfahren, schnellere Abschiebungen. […]
Die bayerische Landesregierung will einem Zeitungsbericht zufolge strenger gegen abgelehnte Asylbewerber vorgehen. "Mein Ziel ist, die Rückführung deutlich zu verstärken", sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) dem "Münchner Merkur". Das verschärfte Vorgehen des Innenministeriums soll als Zeichen der Entschlossenheit gedeutet werden: "Je stärker der Vollzug ist, desto mehr abgelehnte Asylbewerber gehen auch freiwillig."
Herrmann kündigte an, die Zuständigkeiten neu zu strukturieren. So setzt der Innenminister bei Abschiebungen auf kürzere Dienstwege: Nach seinen Plänen soll es künftig an jeder Erstaufnahmeeinrichtung eine "zentrale Ausländerbehörde" geben, die den Bezirksregierungen untersteht. "Die Beamten vor Ort sollen direkt für Abschiebungen zuständig sein. Wer keinen Asylgrund hat, soll möglichst unmittelbar aus der ersten Unterkunft zurück in sein Heimatland gebracht werden", sagte Herrmann dem Blatt. […]

Man darf annehmen, daß Crazy Horst seinen schwarzen Scheriff derzeit nur zu gerne ins Rennen an die Mikrofone schickt, um Bayern als knallharte Asylanten-Hölle darzustellen.
Unfassbarer Weise schuf Bayern bereits nach Rassen getrennte „Lager“ für Heimatvertriebene.
Das Wort hasst Herrmann in diesem Zusammenhang übrigens wie die Pest. Das stellte er letzte Woche im ZDF klar.

[….] "Nennen wir die Flüchtlinge doch Vertriebene": Dieser Vorschlag brachte die CSU aus der Fassung
Noch eine Talkshow zu Flüchtlingen? Zu Beginn der gestrigen "Maybrit Illner"-Sendung fragte man sich, was in dieser Show noch gesagt werden konnte, was nicht bereits in unzähligen anderen geäußert worden ist. Doch überraschend erhellend brachte diese Sendung auf den Punkt, was mit der deutschen "Willkommenskultur" schief läuft.
Da war zunächst Grünen-Stadträtin Ines Kummer aus Freital in der Nähe von Heidenau. Sie hat einen Jungen aus Ghana bei sich aufgenommen. In wenigen Worten brachte sie auf den Punkt, was zurzeit in Deutschland abläuft: "Vielen fehlt einfach die humanitäre Haltung." Sie meinte diejenigen, die an Weihnachten für "Brot für die Welt" spenden, aber "besorgt" sind, wenn in ihrer Gegend eine Flüchtlingsunterkunft eröffnet.
Beispielhaft für diese Haltung stand in der Sendung der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Anschläge auf Flüchtlingsheime nannte er "unerträglich" - um dann angesichts von "Asylmissbrauch" und der "Völkerwanderung" eine "Kurskorrektur" zu fordern.
Und jetzt wurde es interessant. Zuerst forderte die Grüne Kummer den bayerischen Innenminister Herrmann auf, zu erklären, was denn eigentlich der "Asylmissbrauch" sei, der von der CSU so oft beschworen wird? Schließlich macht jeder, den in Deutschland einen Asylantrag stellt, von einem Grundrecht Gebrauch - ganz egal, ob der Antrag abgelehnt wird, oder nicht.
Den Finger in die Wunde legte dann der Blogger Sascha Lobo, der Mann mit dem Irokesenschnitt. Der folgende Schlagabtausch zwischen Lobo und Herrmann war so erhellend, dass wir ihn hier wortwörtlich wiedergeben wollen:

    Lobo: "Ich habe einen großartigen Vorschlag für sie! Wie wäre es denn, wenn wir ... die Flüchtlinge nicht mehr Flüchtlinge nennen, sondern Vertriebene? Und dann könnten sie sich ganz phantastisch damit anfreunden, alle in Bayern einzugliedern"

    Herrmann: "Das ist allein schon ... ich mein des net so bös' ... das ist eine Beleidigung der Vertriebenen, der wirklich damals vor 70 Jahren Vertriebenen, das in diesen Kontext zu stellen."

    Lobo: "Was? Haben sie sich Syrien mal angeguckt?"

    Herrmann: "Wir reden nicht von Syrien!"

    Lobo: "Wenn sie das als Beleidigung auffassen, dann ist das rassistisch!"

    Herrmann: "Entschuldigung, dass habe ich klipp und klar gesagt und vorhin drei Mal wiederholt: Alle, die aus Syrien kommen, die Bürgerkriegsflüchtlinge, die müssen wir aufnehmen, da brauchen wir eine echte Willkommenskultur."

    Illner: "Aber bei denen, die in Anführungszeichen 'Wirtschaftsflüchtlinge' sind ..."

    Herrmann: "Wer wird denn aus Serbien vertrieben, aus Mazedonien vertrieben? Das ist doch Oberblödsinn!"

Die Frage, warum Herrmann es als Beleidigung ansieht, als "Flüchtling" bezeichnet zu werden, ist berechtigt. Es macht nur Sinn, wenn man Flüchtlingen unterstellt, dass sie nicht aus echter Not in unser Land kommen, sondern "Missbrauch" betreiben, irgendwie kriminell sind, unmoralisch - Schmarotzer, gegen die man sich wehren muss.

Nein, der Herrmann, dessen Sohn schon aus Verzweiflung linker Rapper geworden ist, legt Wert auf Sprache.

Die Flüchtlinge, die 1945 ihre Heimat verließen, nachdem sie einen Weltkrieg und den Holocaust angezettelt hatten, sind die Guten.
Diejenigen, die völlig unschuldig vertrieben wurden aus ihrer Heimat, sind die Schlechten für Herrmann.


Gestern legte Herrmann bei “Hart, aber fair” nach.


Den Vogel der Woche hat Joachim Herrmann, Bayerns Innenminister, am Montagabend in Frank Plasbergs Radautalkshow „Hart aber fair“ abgeschossen, indem er den Schlagerheini als „wunderbaren Neger“ bezeichnet hat.
Wo werden sie nur gezüchtet, mag man sich fragen, jene Bayern, für die viele Flüchtlinge nur Sozialschmarotzer sind, die sich in Bayern mit dem viel zu hohen Taschengeld für Asylsuchende (143 Euro im Monat) eine goldene Nase verdienen wollen? Wo ist das Bergwerk, in dem dieses merkwürdige Genmaterial gewonnen wird, das die Hirne bayerischer CSUler so nachhaltig verknotet? Unter dem Schutt der abgetragenen Nibelungenhalle von Passau? Unter den Bierkellern der bayerischen Großbrauereien? In der Gruft von Rott am Inn, in der sich das Grab von Franz Josef Strauß befindet? Wie sind die Herren Herrmann, Seehofer, Scheuer und Söder zu dem geworden, was sie sind – zu launigen Hetzern?
In ihrer ewigen Mia-san-mia-Besoffenheit träumen sie von einem abgeschotteten Bayern. Sie ziehen mentale Mauern hoch, die kein Flüchtling so schnell wird überwinden können. Und das ist es, was Joachim Herrmanns Äußerung über Roberto Blanco, neben der rassistischen Entgleisung, die sie zweifelsohne darstellt, so geschmacklos macht. Das ist es auch, was die Politik der CSU bisweilen beinahe unappetitlich macht. Für die ist schnell ein Motto gefunden: Das Mia entscheidet. Und wie schwer es ist, von der CSU zum Mia dazugezählt zu werden, das wurde bei Herrmanns Auftritt bei „Hart aber fair“ nur allzu deutlich.


Die grüne Europaabgeordnete Barbara Lochbihler twitterte, »armseliger wird's nicht. Hoffentlich.« Der Berliner SPD-Politiker Tom Schreiber sagte, »jeder hat seinen Horizont. Joachim Herrmann hat ihn gestern gesehen«.
Die grüne Bundestagsabgeordnete Britta Haßelmann twitterte verständnislos: »Der Mann ist Innenminister...« Der Generalsekretär der FDP, Daniel Föst, fragte sich, »braucht's für CSU-Minister eigentlich überhaupt keine Mindestqualifikation? Im Zweifel reicht's, die Welt schwarz und weiß zu sehen«. Der Juso-Politiker Jan-Marco Höppner forderte personelle Konsequenzen: »Solch ein offensichtlich rassistischer Politiker hat nichts in der deutschen Politik zu suchen!«
Am Dienstagmorgen versuchte Herrmann, sich im ZDF zu rechtfertigen. Er habe den Begriff nur in Reaktion auf eine Einspielung des Senders benutzt, in der sich eine Person rassistisch geäußert hatte. Er finde dies »völlig inakzeptabel«. Herrmann wörtlich: »Ich verwende das Wort Neger sonst überhaupt nicht.«
(Agenturen/nd 01.09.15)

Erstaunlich, wie begriffsstutzig ein einzelner Mann sein kann.

Montag, 31. August 2015

Haha, die Presse!



Das sind immer wieder gute und richtige und auch erwartete Neuigkeiten, wenn die deutschen Bistümer nach aktuellen Austrittszahlen befragt werden.
Schon die nackten Zahlen für 2014 waren bei den einzelnen Bistümern sehr erfreulich.

Zum Beispiel bei den Katholischen Bistümern:

Augsburg 12 090 Austritte
Freiburg 18 697 Austritte
Limburg 7 911 Austritte
München und Freising 20 552 Austritte
Münster 11 859 Austritte
Paderborn 10 471 Austritte
Rottenburg-Stuttgart 18 169 Austritte
Trier 10 729 Austritte

Zum Beispiel bei den evangelischen Landeskirchen:

Bayern 20 063 Austritte
Berlin-Brandenburg 12 408 Austritte
Hannover 20 705 Austritte
Hessen und Nassau 13 702 Austritte
Norddeutschland 23 970 Austritte
Rheinland 19 005 Austritte
Westfalen 13 092 Austritte
Württemberg 14 700 Austritte

All das sind Zahlen vor dem „Abgeltungssteuerschock“, der die Menschen 2015 noch schneller aus den Kirchen treibt.
Angesichts der verheerenden finanziellen und moralischen Wirkung der Kirchen ist es eine äußerst erfreuliche Tatsache, daß sich die Menschen mit zunehmender Bildung von den misogynen, homophoben und Kindersex-vertuschenden Multimilliarden-Konzernen abwenden.

Es gibt inzwischen viele Bundesländer, wo die Kirchenmitglieder (Katholiban und Evangeliban zusammenaddiert) deutlich in der Minderheit sind.
Dort dominieren die Konfessionen.

Berlin 27,9 %
Brandenburg 19,8 %
Bremen 50,5 %
Hamburg 39,7 %
Mecklenburg-Vorpommern 20,2 %
Sachsen 23,6 %
Sachsen-Anhalt 17,1 %
Thüringen 31,4 %

Freilich sind Atheisten dennoch in den Landtagen und diversen Gremien wie Rundfunk- oder Ethikräten nicht nur unterrepräsentiert, sondern oft überhaupt nicht vertreten. Da gibt es noch viel zu tun, um der Krake Kirche ihren extrem überproportionalen Einfluss zu entziehen.
Die exorbitante Verankerung der Kirchen im Staat – auch dort, wo 80% Ungläubig sind, liegt an ihrer eigenen ökonomischen Macht, ihren Lobbyisten in den höchsten politischen Etagen und den nahezu kritiklosen Journalisten.
Kirchenferne oder gar kirchenkritische Journalisten gibt es in so gut wie keiner Zeitung. Wie selbstverständlich wird für alle Kirchenthemen bei ZEIT, SZ, Abendblatt, Tagespiegel oder WELT immer ein frommer Gläubiger beauftragt, so daß diese Artikel immer aus einer sehr wohlwollenden Perspektive geschrieben werden.
Werden Kirchenaustritte zwangsläufig zum Thema, geschieht das stets mit einer absurd parteiischen Wertung. Voller Bedauern lamentiert man über die verlorenen Schäfchen, beklagt die „kulturelle Verarmung“ und diagnostiziert einen angeblichen „Werteverlust“.

Ein Beispiel dafür lieferte heute die konservative „Rheinische Post“, deren Autor Lothar Schröder offenbar während des Schreibens mit den Tränen kämpfte.

Eine absurde Form des Journalismus, der in den Hochschulen als Negativbeispiel dafür dienen könnte, wie man als Journalist NICHT arbeiten sollte.

[…]  Der katholischen Kirche in Deutschland gehen jetzt auch die Senioren verloren. So hat sich die Zahl der Austritte von über 60-Jährigen 2014 im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Dies ergab eine Umfrage unserer Zeitung unter allen 27 deutschen Bistümern[…]  Beispielsweise stieg im Erzbistum Hamburg die Zahl der Austritte in der Gruppe der über 60-Jährigen von 330 (2013) auf 886 im vergangenen Jahr. Ähnliche Zahlen vermeldet das Bistum Essen: Traten 2013 insgesamt 341 Senioren aus der katholischen Kirche aus, waren es 2014 bereits 764.
Von dieser bedenklichen Kirchenferne auch älterer Katholiken bleiben sogar vermeintlich glaubensfestere Bistümer in Süddeutschland nicht verschont: In der Erzdiözese Freiburg entschlossen sich 2013 noch 950 Senioren zum Austritt, ein Jahr später schon 2185. Die Daten weiterer Bistümer: Bamberg zählt 1470 Austritte (2013) zu 2074 (2014); Limburg 399 (2013) zu 537 (2014). Sogar in Bistümern wie Münster wächst die Zahl der kirchenfernen Senioren rasant. […]  Ein anderer Grund für den Schritt aus der Kirche dürfte eine für manche Rentner beachtenswerte Änderung im Finanzwesen sein. So leiten seit Anfang dieses Jahres Banken und Sparkassen die Kirchensteuer auf Kapitalerträge oberhalb des Sparerfreibetrages direkt an die Finanzämter weiter. Auch wenn davon nicht alle Senioren betroffen sind, könnte dies in vielen Bistümern zum finanziell vorsorglichen Austritt motiviert haben.
Beruhigend ist das nicht. Vielmehr wird auch dies zum Beleg dafür, wie schwach die Kirchenbindung mittlerweile auch bei älteren Menschen geworden ist, wenn ein vergleichsweise flacher Grund ausreicht, einer Institution den Rücken zu kehren, deren Mitglied man sechs oder sieben Jahrzehnte war. Und von der man sich gerade im Alter Für- und Seelsorge verspricht – bis hin zur Beerdigung. […]  
Spannend für die Gegenwart ist zudem: Die christlichen Kirchen werden nach Zulehner zwar deutlich kleiner und sich somit wieder "dem biblischen Normalfall annähern" – ohne aber an gesellschaftlicher Bedeutung zu verlieren. Die Kirche könne dann eine Art moralische Wächterrolle einnehmen, wie auf anderen Gebieten heute etwa Amnesty International oder auch Greenpeace. […]