Samstag, 20. Juli 2019

Gute Absichten


Die besten Gesetze sind Absichtsgesetze, die langfristige Ziele formulieren.

[….] Die Bundesregierung will die Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2020 um mindestens 40 % gegenüber 1990 senken. Deutschland strebt an, bis zur Mitte des Jahrhunderts weitgehend treibhausgasneutral zu werden. Der Klimaschutzplan 2050 nennt entsprechende Zwischen- und Sektorziele. Ziele für die deutsche Klimapolitik ergeben sich auch aus der UN-Klimarahmenkonvention sowie aus EU-Vereinbarungen. [….]

Das klingt tatkräftig, kompetent, weitsichtig und strukturiert („Sektorziele“).
Kein Schnellschuss.
Angenehmer Nebeneffekt für die verantwortlichen Politiker: Sie müssen nicht handeln und ersparen sich unangenehmen Besuch der betroffenen Lobbyisten.
So kann man so gut wie alles in Gesetzesform versprechen. Flächendeckende KITA-Versorgung bis 2013, Highspeed-Internet für jeden bis 2018, Lohngleichheit für Frauen und Männer bis 2017 oder 40%-Anteil der erneuerbaren Energiegewinnung bis 2025.
Zuständige Minister waren Kristina Schröder, Ursula von der Leyen, Alexander Dobrindt, die nicht nur auf ganzer Linie versagten, sondern die alle längst auf anderen Posten sind.

[…..] Wenn wir Klimaschutzziele vereinbaren, die in zehn, 15 Jahren Entfernung liegen, dann haben wir in der Vergangenheit gesehen, was passiert: Irgendwann werden die Ziele gerissen, aber die, die es mal beschlossen haben und für die Umsetzung verantwortlich gewesen wären, sind nicht mehr im Amt oder tot. Ich kann die dann nicht mal mehr abwählen. Deshalb glaube ich, wenn wir Vereinbarungen treffen, etwa das Klimaschutzgesetz, das dieses Jahr noch verabschiedet werden soll, dann gehören da zwingend überprüfbare Zwischenschritte rein, die ich vor der nächs­ten Wahl checken kann. An der Debatte und dem Inhalt dieses Gesetzes wird man merken, ob die Politik den Knall gehört hat. […..]

Merkel ist die Königin dieser wolkigen weiten Versprechungen. Jeder Gipfel, an dem sie teilnimmt endet mit solchen wunderschönen Erklärungen was man in der Zukunft gemeinsam erreichen wolle. Bei nächsten G7 sind die Bekundungen des vorherigen Gipfels ohnehin längst vergessen.

Manchmal läuft es allerdings blöd bei Absichtsgesetzen, wenn

1.) Diejenige, die eine Absicht feierlich verkündet besonders lange im Amt ist
2.) Das avisierte Ziel zu konkret formuliert ist und
3.) Eine mächtige Nervensäge auftaucht, die einen dauernd an seine einstigen Versprechen erinnert.

So ein Fall ist das „2%-Ziel bei den Rüstungsausgaben“ bis 2024.
Zuletzt festgeschrieben wurde das Ziel 2014 beim Nato-Gipfel in Wales.
Wer konnte da ahnen, daß einmal Trump US-Präsident wird, von so einer alten Kamelle überhaupt erfährt und daß Merkel mutmaßlich 2024 immer noch im Amt ist? (Hallo Oberclown!)

In der Regel formulieren Politiker ihre Forderungen und Absichten daher viel vorsichtiger und schwammiger. Sonst fühlt sich womöglich eines Tages jemand auf den Fuß getreten, weil sich tatsächlich etwas zu ändern droht.

Beispiel Umweltministerin Svenja Schulze.
Sie will das Richtige und bekommt manchmal auch eine günstige Gelegenheit ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.
Noch öfter fällt sie aber mit Schwafelanfällen auf, bei denen sie sich wie ein Aal windet, um sich bloß nicht festlegen zu müssen. Ohnehin traut sie sich nicht tatsächlich etwas abzuverlangen.

Nun ist „Klima“ ein ganz großes Thema geworden, wird in allen Zeitungen prominent diskutiert und bei den „Friday for Future“ auf die Straße gebracht. Es gibt enorme Sympathien für Klimaschutz in der Bevölkerung.
Allein, es bleibt bei den Sympathien. Tatsächlich etwas tun will niemand.
Die Fluggesellschaften melden Rekord-Passagierzahlen, weil die Deutschen eben doch einen Scheiß auf das Klima und zukünftige Generationen geben, wenn sie sich für 39 Euro nach Mallorca fliegen können.

Vorgestern tagte das Klimakabinett – natürlich ergebnislos, weil die CDU-Minister jede Maßnahme blockierten.
Die Umweltministerin hatte nämlich (aus CDU-Sicht) Ungeheuerliches gefordert: Höhere Preise für Flugtickets. EUR 1,50 bis zu maximal 18 EURO auf der Langstrecke! Peter Altmaier gefällt das nicht. Es könnte ja ein Urlauber sauer werden.
Ohne Schamgefühl, der Mann. Die einzig richtige Antwort an Schulze wäre natürlich:
„In die richtige Richtung gedacht, liebe Kollegin, aber Flüge müssen nicht nur überhaupt teurer werden, sondern drastisch teurer als ein Bahnticket sein, wenn man eine Lenkungswirkung erzielen will.“

Manchmal muss man das Volk zu seinem Glück zwingen.

(…..) Der kürzeste Flug in Deutschland geht von München nach Nürnberg. Flugzeit 22 Minuten. Klimapolitischer Irrsinn und ökonomisch unnötig.
Kurzstreckenflüge unter 1000 km (also alle Innerdeutschen) müssen sofort verboten werden. Und zwar gestern. Bahnfahren. Fertig.

Oder die verdammten Einweg-Starbucks-Becher, die in jeder zweiten Talkshow vorkommen.
Die Deutschen werfen jedes Jahr 2,8 Milliarden Einwegbecher für ihren Kaffeekonsum weg, 34 Becher pro Person.
Miniplastikfläschchen für Wasser, Verbundmaterialdosen.
Dafür braucht es einen starken Mann in der Regierung, der das endlich nach Jahrzehnten der Erkenntnis verbietet. Ja, ich schreie nach Verboten.
Wohlwissend, daß Plastik in vielen Bereichen kaum zu ersetzen ist (zB wenn es um Krankenhaushygiene geht), aber verdammt noch mal, da wo es wirklich unnötig ist – Flüssigseifenbehälter, Flüssigwaschmittelbehälter, Kaffeebecher – muss ein Verbot her. (….)


 Funfact am Rande; da sich die hasenfüßige Bundesregierung nicht traut Entscheidungen zu treffen, gibt es immer noch zwei Regierungssitze, Bonn und Berlin, zwischen denen die Mitarbeiter hin und herfliegen.
Eine besondere Umwelt-Pest stellen dabei die Mitarbeiter des Umweltministeriums dar.

[…..]  Minister, Staatssekretäre, Beamte und Angestellte des Bundesumweltministeriums sind in diesem Jahr (Januar – Juli) zwischen den Standorten Bonn und Berlin 1740 mal dienstlich hin und her geflogen. Dies bestätigte das Umweltministerium dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Damit flogen die Mitarbeiter des Umweltressorts hochgerechnet häufiger von Standort zu Standort als noch im vergangenen Jahr. Zwischen den Dienststätten Bonn und Berlin kam es im Jahr 2018 nach Angaben des Ministeriums „zu ungefähr 2755 Flügen“.
Rechnet man alle weiteren angefallenen Inlandsflugreisen dazu, wächst die Anzahl laut Angaben des Ministeriums auf „knapp 3200 dienstliche Flugreisen“. Die hohe Zahl der Flüge ist angefallen, obwohl die Ministerialen angehalten sind, bei gleichem Preis das umweltfreundliche Verkehrsmittel vorzuziehen. Die Zugverbindung zwischen Berlin und Bonn dauert rund fünf Stunden. […..]

Das Bonn-Berlin-Gesetz vom 20.06.1991 macht diesen vollkommenen Irrsinn immer noch möglich.
Die NRWler achten eifersüchtig darauf auch weiterhin diesen teuren und klimapolitisch tödlichen Zustand aufrecht zu erhalten.

[…..] Ein Gespenst geht um in Bonn. Die frühere Bundeshauptstadt warnt, pünktlich zum 25. Jahrestag des Berlin/Bonn-Gesetzes, eindringlich vor dem Umzug jener Bundesministerien nach Berlin, die derzeit noch am Rhein angesiedelt sind. Viele solcher Mahnungen hat es schon gegeben, obwohl sich Bonn nach dem Verlust der Hauptstadtrolle Anfang der neunziger Jahre gut entwickelt hat. Größter Fürsprecher ist Nordrhein-Westfalen, dessen Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) eine Komplettverlagerung der Ministerien in die deutsche Hauptstadt wie seine Vorgänger entschieden ablehnt. [….]

Greta Thunberg sei Dank, wird nur ein Vierteljahrhundert nach dem fatalen Doppelregierungssitz-Beschluss doch darüber nachgedacht einen vollständigen Umzug der Ministerien nach Berlin zu planen.

[….] "Im Haushaltsausschuss gibt es eine große Mehrheit dafür, den Umzug von Bonn nach Berlin zu beschleunigen", sagte SPD-Chefhaushälter Johannes Kahrs dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. "Das Problem sind ja nicht nur die Flüge der Ministerialbeamten, das Problem ist das schlechte Regieren", so Kahrs weiter. "Wer gut regieren will, muss seine Mitarbeiter am Ort haben."
20 Jahre nach der Wiedervereinigung Immer noch sechs Ministerien in Bonn
Andernfalls seien Austausch und Absprachen nur schwer möglich. "Das Bonn-Berlin-Gesetz hat mal einen Zweck gehabt, aber der ist inzwischen erfüllt", so der Hamburger Abgeordnete. "Bonn geht es als Metropole so gut, dass die Stadt den vollständigen Regierungsumzug problemlos verkraften würde", glaubt Kahrs. [….]

Konkrete Planungen gibt es aber nicht.
Bloß nichts übereilen.
Am besten wäre es gesetzlich die Absicht zu bekunden alle Ministerien vollständig von Bonn nach Berlin zu verlegen.
Bis 2090. Oder besser 2095.
Dann ist keiner mehr im Bundestag, der so ein Gesetz persönlich befürwortet hat.

Nach der Hetze

Wer beschäftigt sich schon gern mit rechtextremen Bloggern und ihren Szene-internen Kabalen? Es ist ein ekelhaftes und abstoßendes Thema, das auch ich gern so schnell wie möglich vergessen würde.
Genauso unerfreulich sind jeden Tag auf’s neue die perversen rassistischen Attacken Donald Trumps. Ich könnte mir so viele angenehmere Methoden vorstellen, mit denen ich meine Zeit verbringe.
Der Mann ist aber US-Präsident und daher so mächtig, daß jede seiner Äußerungen weltweit reflektiert wird.
Jenseits der politischen Macht, verfügt der orange Orang aber auch über „Social-Media-Power“ aus 62 Millionen Twitter-Followern und einem News-Corps-Imperium, welches jeden Trump-Satz multipliziert.
Damit bleibt Trumps verbale Hetze nicht bloß abstrakt, sondern findet immer wieder verwirrte und bösartige Einzeltäter, die sich so getriggert fühlen, daß sie Trumps Tiraden in die Tat umsetzen.
Hate Crimes sind seit der Amtsübernahme von IQ45 auf ein Rekord-Niveau angestiegen, es hagelt Morddrohungen und rechtsradikale Attentäter stellen sich a posteriori oft als glühende Trump-Fans heraus.

Der Berliner Demagoge Berger verfügt über keine administrative Macht, über keine Armee. Ebenso ist Bergers politischer Einfluss kaum messbar; er ist bloß eine übelriechende olfaktorische Zutat in gewissen Kreisen am äußersten Rande des politischen Spektrums. Er ist lediglich der Furz in der Luft bei einem kommunalen AfD-Treffen. Zugegeben, in seinem Fall hat der Flatulierende sich vorher ausschließlich von verdorbenen Pansen ernährt.
Der Urinduscher verfügt aber durchaus auch über „Social-Media-Power“.
Selbstverständlich erreicht er nicht so viele wie sein intellektuelles und geistiges Vorbild im Oval Office, aber auch Bergers Blog wird millionenfach geklickt, er wird von allen anderen ultrarechte Organen gelesen. Der Pipi-Blog ist natürlich ein wichtiger Multiplikator der braunen Publizisten-Szene. Dutzende andere Blogger verlinken ihn. Schreiben Gast-Kommentare, sämtliche AfD-Bundesgrößen lassen sich gern mit dem katholischen Hetzer ablichten.
Damit bringt Berger die Saat aus, die es braucht für rechtsterroristische Anschläge, Hass-Kommentare, xenophobe Beleidigungen, Fackelmärsche und alle erdenklichen Attacken auf Flüchtlinge.
Wer anders aussieht, anders glaubt oder auch nur anders denkt, gilt für die extremsten Berger-Follower als vogelfrei.
Das belegen nicht nur tausende fremdenfeindliche Straftaten jedes Jahr, sondern auch die gewalttätige Enthemmung gegenüber Kommunalpolitikern und Journalisten.
Regional-Reporter sächsischer Zeitungen müssen inzwischen mit Bodyguards zu AfD-Veranstaltungen, weil Blogger des Schlages Berger in die Amoralität gehetzt haben.

Die im Münsterländischen Datteln geborene ZDF-Journalistin Dunja Hayali besuchte vorletztes Wochenende das Rechtsrock-Festival in Themar in Thüringen. Dort wollte sie sich einen Einblick in die Welt der Rechtsextremen verschaffen, aber die anwesende Polizei konnte ihre Sicherheit nicht garantieren. Die Rechten reagierten derartig aggressiv auf sie, daß das ZDF-Team fliehen musste.
Ebenfalls in NRW beheimatet ist das TV-Magazin MONITOR, dessen Chef Georg Restle ein profunder Kenner und deutlicher Kritiker der rechtsextremen Szene ist.

Die Berichte gefallen Berger, PP und AfD gar nicht.

[….] Machtkampf in der AfD: Der Durchmarsch des "Flügel"
Seit Wochen tobt in der AfD ein hässlicher Machtkampf. Dabei ist oft von einem Aufstand der "Gemäßigten" in der Partei gegen den rechten "Flügel" um Björn Höcke die Rede. MONITOR-Recherchen zeigen: Längst schon zieht der "Flügel" in der Partei die Fäden. Und die Parteispitze unterstützt ihn seit Jahren tatkräftig. Ganz vorne mit dabei: Alexander Gauland und Jörg Meuthen. Fachleute und Insider sagen, einen "gemäßigten Flügel" gebe es in der Partei praktisch nicht mehr. Die Partei ist längst eingebunden in ein Netzwerk rechter und rechtsextremer Gruppen und Organisationen, die sich jetzt am Ziel sehen: Für sie ist die Partei ihr parlamentarischer Arm, der helfen soll, ihren Traum vom "Umsturz" in Deutschland zu verwirklichen.

Gegen Rechts oder doch nicht? Wie Lokalpolitiker vor einem Shitstorm einknicken
In der kleinen fränkischen Gemeinde Schwarzenbruck zeigt sich zurzeit, wie schwer der Kampf gegen Rechts vor allem auch in den Kommunen ist: Ein ortsansässiger Unternehmer wettert auf YouTube gegen Flüchtlinge, Medien und das politische System. Als sich der Bürgermeister und der Gemeinderat von diesen Äußerungen distanzieren, mobilisiert der Unternehmer seine Anhänger, ein Shitstorm zieht auf. Innerhalb kürzester Zeit knickt der Gemeinderat unter dem rechten Druck ein. MONITOR über die Schwierigkeit, sich nach rechts abzugrenzen. […..]

Restle kommentiert auch für die Tagesthemen.
Sehr zum Ärger der Nazi-Blogger.


Durch die “Arbeit” David Bergers, der AfD, Pegida, Vera Lengsfelds, AchGut, PI und Co bleibt es aber nicht bei verbalem Ärger. Diese Leute bereiten den Boden für Gewalt.

[…..]  Der WDR hat wegen einer Morddrohung gegen den Leiter der Redaktion Monitor, Georg Restle, Strafanzeige gestellt. Restle hatte am 11. Juli in einem Kommentar für die tagesthemen kritisch gegen die AfD Stellung bezogen.
So bezeichnete der Journalist die Partei damals als "parlamentarischen Arm" der "Identitären Bewegung" - die AfD müsse als "rechtsextremistisch" eingestuft werden, forderte er.
"Das Schreiben ist dem Anschein nach dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen", sagte eine WDR-Sprecherin in Köln. […..]  WDR-Intendant Tom Buhrow sagte: "Dass es eine Morddrohung gegen einen unserer Journalisten gibt, entsetzt und erschüttert mich. Georg Restle ist ein ausgezeichneter investigativer Journalist, der die politische Landschaft in Deutschland kritisch begleitet."
 Der nordrhein-westfälische Landesverband des Deutschen Journalisten-Verbandes teilte mit: "Wir verurteilen die widerliche Morddrohung gegen den Journalisten Georg Restle und stehen an seiner Seite." [….]

Die Bergers dieser Welt bekennen sich zwar öffentlich zur Verfassung, lehnen ihren Geist aber zutiefst ab. Sie verfolgen eine obrigkeitshörige Ideologie, in der kein Widerspruch erlaubt ist, in der alles, das ihnen nicht gefällt ausgemerzt wird.

Restle und einige andere sind mutig. Die großartige Maren Kroymann zum Beispiel.


Aber viele auf der kommunalen Ebene knicken vor des bösartigen Gewalt-Gedankenwelt der Bergers ein.

Donnerstag, 18. Juli 2019

Spin as spin can.

Es tut mir Leid; leider muss ich noch einmal das unangenehme Thema „rechtsextreme Berliner Blogger“ ansprechen.

Das faltige Frettchen hatte sich am 26.06.2019 theatralisch als Opfer der Identitären, Höckerianer, Steinbachschen, Kubitschekisten und Linken inszeniert. So könne er nicht weiter machen, er werde bedroht und daher lege sein Blog nun eine Pause bis mindestens 15.07.ein.
Das selbstauferlegte Schweigegelübde währte freilich keine 24 Stunden; da quakte der womöglich gefährlichste Hetzer Deutschlands aus seinem Feriendomizil in Nizza los.
Offensichtlich war ihm recht schnell aufgefallen, daß ein Dasein als Demagoge sich nicht als Eremit leben lässt. Man kann kein Marktschreier ohne Stimme sein.

(…..) Er selbst erklärte zum Entsetzen seiner Fans eine mindestens bis zum 15.07. andauernde Pause – und zwar mit dem ganz großen Mimimimi. Er, der Edle werde verfolgt.
Da hat sich wohl jemand in der Naziszene für so bedeutend gehalten, daß er nicht nur die Meinungsführerschaft beanspruchte, sondern auch diverse Mit-Nazis attackierte.
Nachdem diese nun verbal zurückschlagen, inszeniert sich Berger wieder mal als verfolgte Unschuld. Das arme Opfer.
Da kommt der Katholik in ihm durch. Auch dort werden Täter gerne als Opfer ausgegeben. (….)
(Ein Urinator nässt sich ein, 27.06.2019)

Er ertrug es nicht zu schweigen und so folgten schon ab dem 10.07.2019 wieder Hetztiraden nach allen Seiten.
Einem Mann wie Berger, der nicht nur abgrundtief hasst, sondern auch so Vieles hasst, fiel es nicht schwer eine weitere Gruppe in seine persönliche Todesliste aufzunehmen.

Attackierte, verdammte, dämonisierte er bisher Linke, Grüne, Sozis, herkömmliche Medien, die Kanzlerin und die Bundes-CDU, aber auch Muslime, LGBTI-Engagierte, Schwarze, Immigranten, Atheisten, den Papst, die EU, Fernsehen, Talkshows, Klimaaktivisten, Soros, Kahane, feminine Männer, „Genderisten“ und Araber, so kommen nun noch Höckes „Flügel“, die Identitären  und jener Teil der Rechtsextremen hinzu, die sich an der exzessiv ausgelebten Hypersexualität des Urinduschers auf schwulen Datingplattformen störten.

Seit einigen Tagen schlägt Berger wieder auf seinem PP-Blog um sich, überzieht alle seine früheren Opfer mit bitterböser Hetze, aber es gibt auch täglich einen Seitenhieb auf „Schnellroda“ oder andere Synonyme des rechtsextremen Flügels der AfD, die seiner Ansicht nach seine geliebte Partei übernehmen wollen.

Um das ideologisch zu untermauern betont der Schöneberger Exhibitionist nun seine liberalen Prinzipien, seine Rechtstreue und den Kampf gegen den Antisemitismus.
Einige Phimoseblog-Kenner wundern sich, halten es für eine Kehrtwende. Schließlich konnte es Berger bisher gar nicht rechtsextrem genug sein. Er lobte immer wieder die Identitären, Pegida und sogar die rechts von Lutz Bachmann stehende Nazi-Aktivistin Tatjana Festerling.
All das störte ihn gar nicht, solange er diejenigen in seinem Boot sitzen sah.
Bis heute prahlt der angebliche Kämpfer wider des Antisemitismus mit seinen Kontakten zu den sehr antisemitischen US-Radikalen Bannon und Yiannopoulos.


Wieso nun die Kehrtwende? Aus verletzter Eitelkeit?
Tatsächlich entspringt diese Neuausrichtung seiner Natur.
Der Urinduscher versucht schon seit Jahrzehnten in konspirativen Umgebungen mit demagogischen Methoden die Herrschaft an sich zu reißen.
Er ist ein Intrigant mit der tiefen Bestrebung sich zu einem Führer aufzuschwingen. Er will bewundert werden und benötigt bedingungslos Getreue wie seinen Ehemann oder Patrizia von Berlin (aka „Rolf“).
Geschichte wiederholt sich.
Berger versuchte sich zunächst in der dunkelkatholischen Welt der FSSPX, Kreuznet und rechten Vatikankreisen zum Guru aufzuschwingen. Dort wurde er als „Theologisches“-Herausgeber bewundert; ganz nach seinem Geschmack. Dann aber wurde er immer anmaßender, stellte sich selbst immer mehr in den Vordergrund, bis sich die eigene braune Theo-Blase gegen ihn stellte.
Wie eine Furie ging er dann auf seine alten Mitstreiter los. Schließlich wird niemand so gehasst wie ein Renegat und nichts hasst der Renegat so sehr wie seine früheren Glaubensbrüder.
So wurde er 2010 plötzlich von den Liberalen, Linksliberalen und Schwulen-Aktivisten gefeiert.
Allgemein wurde kaum erkannt, daß Berger sein neues Publikum nur benutzte, um sich erneut zu Guru aufzuschwingen. Er tat das völlig ungeniert, postete seine Tiraden wider die homophobe RKK und homophobe Konservative wie Kuby, Ratzi oder Steinbach begeistert auf allen Facebookseiten der Grünen, Linken und Sozis, die er finden konnte.
Nun war er Religionslehrer in Köln, ließ sich von seinen Schülern anhimmeln, gab Interviews und spielte sich als Derjenige auf, der die katholischen Fürsten mit der Homosexualität versöhnte. Nie konnte er sich auf die Rolle als Lehrer beschränken, suchte manisch die Öffentlichkeit, ging durch die Talkshows bis der für ihn zuständige Kirchenfürst Meisner die Daumen senkte.
Ein drittes Mal erfand er nun sein immer gleiches Selbst. Der homophobe Kardinal feuert ihn? Bitter beklagte sich der Dunkelkatholik, der besser als jeder andere wissen sollte, daß man eben nicht in konservativen katholischen Kreisen offen schwul sein sollte.

Bald schon stieg er zum Chefredakteur des Magazins „Männer“ auf und verfiel sogleich in sein altes Muster: Er wollte Anführer aller Schwulen sein, die gesamte LGB-Gemeinde kommandieren.
Widerspruch empfand er als Blasphemie und teilte bald schon hart aus gegen LSVD, Aidshilfe und andere queere Medien.
Seine Anmaßung war im Verhältnis zu seiner geringen Bedeutung und seines mangelnden Intellekts so gewaltig, daß er auch als „Männer“-Chef, genau wie zuvor bei „Theologisches“ gefeuert wurde.
Direkt anschließend begann er die vierte Runde des ewigen Berger-Kreislaufes „wie klein Fritzchen sich die Weltherrschaft vorstellt“.
Er bloggte zunächst über seine „Ehe zu Dritt“, begann dann das erfolglose Portal „Gaystream“, bis er schließlich mit „Philosophia Perennis“ die Anerkennung erlangte, nach der sich der Komplexbeladene, der von seinen eigenen Eltern abgelehnte, aus der unbedeutenden Provinz stammende und nun schon so oft auf der Karriereleiter Gescheiterte sehnte.
Endlich schien die Macht greifbar.
Er posierte mit anderen Medienschaffenden der rechtsextremen Welt, ließ sich mit jedem greifbaren Politiker ablichten und sprang nicht nur auf den AfD-Zug auf, sondern schien dem Wahn zu verfallen die AfD bald anführen zu können. Der Sprung in die erste politische Reihe schien ihm nah.
Im kruden Wahn der Erste unter den Rechten zu sein, ließ er jede rudimentäre Seriosität endgültig fallen, bediente die abstrusesten Verschwörungstheorien und gefiel sich in der Rolle des ultrakonservativen Revolutionärs, der seine einstigen Fans aus der liberalen und grünen und kirchenkritischen Szene vernichten wollte.
Sie waren jetzt aus seiner Sicht die Renegaten und er der religiöse Führer.
Sein vierter Versuch der Führer einer Bewegung zu sein.
Vor drei Wochen implodierte auch dieser Traum, als er allzu siegessicher über andere Braune an der sublegalen Peripherie des Parteienspektrums urteilte und die alleinige Herrschaft verlangte.
Der Größenwahnsinnige war unvorsichtig geworden.
Offensichtlich kennen viele die Leichen seines ausschweifenden Privatlebens.
Und so kam es wie es immer kommt im Leben des Knitterigen mit dem Meth-Gebiss: Seine eigene Blase spie ihn aus.
Das Tischtuch zu Steinbach, der Desiderius-Erasmus-Stiftung (DES) und weiterer Teile der rechtsextremen Welt wurde zerschnitten.
Seinem Drang nach Geltung und Führerschaft kann auch das nicht bremsen und so geht es nahtlos in Runde Fünf.
Nun also der liberal-Konservative Berger, der gegen Antisemiten und Verfassungsfeinde am rechten Rand steht.

Er ist ein perfektes Studienobjekt für zukünftige Psychologie-Studentengenerationen. Möglicherweise wird einmal eine Persönlichkeitsstörung nach ihm benannt.
Es IST pathologisch wie er sich immer wieder gleichzeitig als Opfer und als Held inszeniert.
Er kann nicht anders.
Seine abgrundtiefe Bosheit treibt ihn immer weiter an.
So spinnt er seine Agenda immer weiter und weiter:
Die Rechten und konservativen Katholiken sind jetzt für ihn die Schwulenschützer, die Grünen die größte Gefahr für Homos.

[…..] (David Berger) Kaum ist das neue EU-Parlament vollständig, zeigt sich, was sich die Europäer dort hingewählt haben. Die Grünen im EU-Parlament (EFA) ließen heute mit Magid Magid einen ihrer Politiker auftreten, der die Anwesenden mit dem arabisch-muslimischen „Salam“ begrüßte und den italienischen Innenminister Salvini aufs Gröbste beleidige. Salvini sei ein Feigling, weil es sich einfach emotionslos wegdrehe, wenn Kinder im Mittelmeer ertränken.
Zunächst grüßte er die Anwesenden in arabischer Sprache, obwohl er selbst aus Somalia kommt. Daher ist davon auszugehen, dass der Gruß eine muslimische Konnotation hat. [….]
Salvini ist dafür bekannt, dass er sich energisch gegen eine Islamisierung und Rechristianisierung Europas einsetzt. [….]




Mittwoch, 17. Juli 2019

Schachern Teil II


Politikerverdrossenheit ist überall. Sie poppt auf und verstärkt sich selbst.
Sie ist common sense weiter Teile der Gesellschaft und macht das Leben leichter, weil sie in der komplizierten Gemengelage des 21. Jahrhunderts Ordnung schafft. 

Der Politikerverdrossene genießt manichäisch: Die Politiker sind ganz schlecht.
Das bringt gleich doppelte Satisfaktion: Wenn andere so furchtbar sind, ist man selbst dementsprechend ziemlich gut. Außerdem bilden schlechte Politiker den perfekten Sündenbock.
Sie absorbieren so viel Groll, daß man nicht umständlich seine eigene Rolle hinterfragen muss. A priori einen Schuldigen zu haben entbindet einen von der aufwändigen Pflicht sich selbst ein Bild von sehr komplizierten Zusammenhängen zu machen.
Politikerverdrossenheit ist wie Riesen-Bärenklau: Wächst und gedeiht durch die idealen Bedingungen hierzulande, hat aber toxische Eigenschaften und ist kaum zurückzudrängen.

Wenn die bundespolitische Szene mit Heracleum giganteum überwuchert ist, haben andere toxische Neophyten wie AfD, Pipi-Blog, Pegida oder Maaßen ideale Bedingungen.


Politikerverdrossenheit sollte also möglichst nicht auch noch aktiv geschürt werden; oder aber um im Bild zu bleiben:
Dünge nie den Riesen-Bärenklau.

Wir wissen doch wie es der SPD erging, nachdem der Vorsitzende und Kanzlerkandidat Martin Schulz monatelang in jeder Mikrophon erklärte, er werde niemals in ein Kabinett Merkel eintreten, um dann en passent per order di mufti dem Parteivolk mitzuteilen, Schulz werde Außenminister unter Kanzlerin Merkel.

Annegret Kramp-Karrenbauer erklärt seit Dezember 2018 mit ähnlich viel Verve, sie ginge keinesfalls in ein Kabinett Merkel.
Die Umstrukturierung der CDU erfordere ich ganze Kraft.


[……] Einen Wechsel ins Kabinett hat Annegret Kramp-Karrenbauer stets zurückgewiesen, bis zuletzt. Vor zwei Wochen noch sagte sie der "Bild"-Zeitung: "Ich habe mich bewusst entschieden, aus einem Staatsamt in ein Parteiamt zu wechseln. Es gibt in der CDU viel zu tun."
Das war bislang die Linie der Parteichefin: CDU - sonst nichts.
Und nun wechselt sie doch ins Kabinett. […..]

Nun wird AKK nicht nur entgegen aller Schwüre doch Ministerin, sondern  ausgerechnet Verteidigungsministerin.
Übernimmt also ein besonders schwieriges Ressort gänzlich ohne irgendwelche Fachkenntnisse. Wie ihre Vorgängerin.

Die mangelnde Qualifikation wird allerdings in der gesamten veröffentlichten Meinung kaum angesprochen. Man betrachtet die Personalie vielmehr rein subjektiv aus der AKK-Perspektive.
 Ende 2018 waren ihre Umfragewerte noch so gut und die Begeisterung für die lebendige CDU so enorm, daß die Saarländerin im lahmen Kabinett nur verlieren konnte. Also ließ sie ihre Finger von der richtigen Arbeit. Es galt Berührungspunkte mit der alternden, schwächelnden Kanzlerin zu vermeiden. Nichts sollte auf die frische junge AKK abfärben.
Ein gutes halbes Jahr später ist ihre persönliche Reputation hingegen derartig im Keller, daß sie volles Risiko gehen muss, um nicht selbst auf dem nächsten Parteitag weggefegt zu werden
Nun hofft sie etwas von Merkels Spätglanz abzubekommen und muss hoffen anders als ihre fünf Vorgänger auf der Hardthöhe zu glänzen. Das wird zwar sehr schwer, aber bleibt ihre letzte Chance auf Größeres, wenn sie nicht ganz aus dem Rennen um Merkels Kanzler-Thron gekickt werden will.

Und so wurde heute eine neue Verteidigungsministerin vereidigt.
AKK ist seit heute also Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt (IBuKG); AKKIBuKG.

  […..] Beim Koalitionspartner SPD und den anderen Parteien ist das Echo keineswegs derart positiv. "Das hat die Bundeswehr nicht verdient", sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs. "Ein Wortbruch ist kein guter Anfang." […..]     Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter spekulierte über die Motive der CDU-Chefin. "Mein Eindruck ist, dass Frau Kramp-Karrenbauer ihre Meinung geändert hat, doch ein Ministeramt anzunehmen, weil sie es als eine ihrer letzten Chancen sieht, doch noch Stärke zu beweisen, nachdem sie bisher als Vorsitzende eher glücklos agiert hat", sagte Hofreiter in München.
    Der FDP-Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff bezeichnete die Benennung als "Zumutung" für die Bundeswehr. FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann kritisierte, die Union würde die "gebeutelte Bundeswehr" für "Personalspielchen missbrauchen". Merkel und die Union "zeigen erneut, dass sie die Belange der Bundeswehr nicht im geringsten interessieren", erklärte die FDP-Politikerin in einer ersten Reaktion. […..]

AKKIBuKG ist hervorragender Riesenbärenklau-Dünger; genau wie das Durchpeitschen von der Leyens zur EU-Chefin.