Mittwoch, 13. Juli 2016

Es soll halt nicht sein.



Vielleicht hat es der ein oder andere schon gelegentlich anhand meiner zarten Andeutungen zwischen den Zeilen erahnt: Ich bin gar nicht religiös. Kirchenmitglied bin ich auch nicht.

Gläubige haben mich schon gefragt, ob ich eigentlich persönlich schlechte Erfahrungen gemacht hätte.
Nein, ich bin kein Opfer. Das wurde bereits eine Generation zuvor erledigt.
Mein Vater wuchs katholisch auf. Mein Opa starb, als mein Vater sieben Jahre alt war. Daraufhin mußte meine Oma arbeiten, den Lebensunterhalt verdienen und die Priester achtete auch das Gedeihen ihrer kleinen Kinder.
Offensichtlich traute man damals Witwen nicht zu, Kinder „zu erziehen“ - das Wort „Alleinerziehende“ war vermutlich noch nicht erfunden.
Die Fürsorge des Pfarrers bestand in Prügeln, seelischen Misshandlungen und einem geradezu manischen Interesse an Masturbation. Lange bevor mein Vater wußte was das eigentlich ist, mußte er sich in der Beichte darüber ausfragen lassen.
An seinem 18. Geburtstag trat er aus der Kirche aus und war zeitlebens Atheist.
Das war eine eigenartige Übereinstimmung mit meiner Mutter, die auf einem anderen Kontinent in einer anderen Konfession aufwuchs und ebenfalls an ihrem 18. Geburtstag aus der Kirche austrat.
Sie glaubte damals allerdings schlicht nicht an Gott, während mein Vater durch ein langes Kindheits-Martyrium regelrecht aus der Kirche getrieben wurde.

In der Folge der Lebensgeschichten meiner Eltern wuchs ich natürlich konfessionslos auf und bin ihnen dankbar, daß ich nie getauft wurde, also nie in irgendeinem Kirchenbuch auftauchte.
Als Kind kam ich nach Deutschland. Wir zogen zu meiner Oma, die ebenfalls nicht besonders religiös war. Es wurde nicht gebetet, nicht in der Bibel gelesen, nicht in die Kirche gegangen.
Allerdings waren meine Großeltern, beide im 19. Jahrhundert geboren, Kirchenmitglieder.
Das gehörte sich damals so und bei besonderen Anlässen; Hochzeiten oder Beerdigungen; ging man in die Kirche.
Meine Oma erklärte mir, als ich ein kleines Kind war, daß sie durchaus an Gott glaube, sich aber nur bei wirklich existenziellen Fragen und riesigen Problemen an ihn wendete. Man könne nicht mit jeder Kleinigkeit zu Gott laufen und von ihm erwarten die Dinge zu regeln, während man abwartete.
Oma, die als Erwachsene zwei Weltkriege durchlebt hatte, die erlebte wie die Heimat komplett zerstört wurde, die Kinder im Krieg verloren hatte und Hunger kannte, wußte im Übrigen was „echte Probleme“ sind.

Meine Großeltern fühlten sich ihrer Gemeinde aber so verpflichtet, daß sie der Kirche die Kanzel stifteten. Opa war damals Unternehmer und hatte ein sehr soziales Gewissen. Er freute sich, wenn er für die Nachbarn und Kollegen etwas tun konnte, auch wenn Oma die Suppe mit Wasser strecken mußte.

Daß in der Kirche um die Ecke eine Kanzel mit unserem Familiennamen drauf steht, erfuhr ich um 1980 herum.
Ich war nie bei einem Gottesdienst gewesen, aber meine Mitschüler waren auf einmal alle bei diesem geheimnisvollen „Konfer“.
Da gingen sie nachmittags hin und am Ende des Jahres bekam man einen Anzug, schicke neue Schuhe und jede Menge Geld.
Man sprach begeistert davon, was man sich alles mit seinen zukünftigen „Konfer“-Reichtümern kaufen könne.
 Fahrräder, Spiele, Rollschuhe – sogar an Ponys oder Mofas wurde gedacht.
Was hatte es bloß mit diesem „Konfer“ auf sich?
Irgendwas mit Kirche, aber was eigentlich?
Unter einer „feierlichen Segenshandlung der evangelischen Kirchen, die den Übertritt ins kirchliche Erwachsenenalter markiert“ konnte ich mir wirklich gar nichts vorstellen.
Ich fragte meine Mutter, ob ich auch zum Konfirmationsunterricht gehen könne.
Sie war wie vom Donner gerührt, freute sich aber auch, daß ich mich aus eigenem Antrieb dafür interessierte und versprach mich beim Pastor anzumelden.
Sie schärfte mir allerdings ein, mich nicht wegen des Geldes konfirmieren zu lassen und versprach, ich bekäme am Ende der Unterrichtszeit auch Geschenke, wenn ich mich gegen die Kirche entschiede.
Deal.
Die Kirchenleitung willigte ein auch ungetaufte Kinder zu unterrichten; die Taufe könne dann bei der Konfirmation nachgeholt werden.
Umso besser. Im Gegensatz zu den anderen Kindern, die zwangsgetauft wurden, könnte ich mich also selbst entscheiden und den Schritt bewußt gehen.

So kam ich in die kleine Luther-Kirche „Up de Worth“, die am 1. Advent 1937 mit der von meinen Großeltern gestifteten Kanzel eingeweiht wurde.
Es ist ein kleines, rustikales, gepflegtes Gebäude aus Hamburger Backsteinen mit Fachwerkfassaden, auch „Kaffeemühle“ genannt.


Heute ist die Kirche wie so viele Evangelische weiblich. Frau Pastorin Tröstler und Pastorin Zanda Ohff werden im Gemeindebüro von Doris Rebentisch und Carolin Waschkeit unterstützt. Die Jugendarbeit leitet Diplom-Theologin Anja Pasche.
Zu meiner Zeit war der Chef natürlich ein Mann, Pastor M.
Er selbst habe aber keine Zeit sich um Kinder  zu kümmern.
Den Konfirmandenunterricht führte ein Gemeindehelfer im Nebengebäude durch.
In der Kirche hätten wir nichts zu suchen.
Ich wollte wissen was es mit der Bibel und dem Glauben auf sich hatte, konnte mir aber kein Gehör verschaffen, weil allen anderen Konfirmanden schon ab der ersten Stunde ausschließliche diskutierten wie sie ihre zukünftigen Reichtümer, die es zur Konfirmation hageln würde, zu verprassen gedächten.
Der Lehrer war desinteressiert, die Schüler waren desinteressiert.
Der einzige, der sich tatsächlich für die Kirche und ihre Bedeutung interessierte war ich.
Und ich fragte.
Das gefiel dem Gemeindehelfer gar nicht. Ich solle an Gott glauben und ihn nicht hinterfragen.
Einige Wochen später erhielt meine Mutter einen Anruf von Pfarrer M. Ihr Sohn sei für den Konfirmandenunterricht ungeeignet, weil er alles hinterfrage.
So schnell kam also das „Aus“ für meine Kirchenkarriere.
Immerhin hatte der Pastor damals eine richtige Eingebung.
Ich tauge wirklich nicht dazu blind Dogmen zu folgen.

Nur wenige Jahre später sah ich Pastor M. wieder. Meine Oma war gestorben und er besuchte uns anschließend, um zu erfahren, was sie eigentlich für ein Mensch gewesen wäre. Schließlich sollte er die Trauerrede in der Kirche halten.
Tatsächlich fand die Trauerrede dann in der kleinen Wellingsbüttler Kirche unter der von ihr gestifteten Kanzlei statt.
Ich war am Boden zerstört und weinte bitterlich.
Pastor M. war sauer, weil seine Rede davon gestört wurde. So herrschte er währenddessen meine Mutter an, sie möge ihr Kind zur Raison bringen.


So erlebte ich es kurze Zeit später bei der Beerdigung meines Freundes wieder.
  Pfarrer hören sich gern selbst reden und reagieren aggressiv bei Störungen von weinenden Angehörigen.

Die meisten Jungs haben in der Grundschule einen besten Freund.
Meiner hieß Mark und a posteriori bin ich der Meinung, daß wir uns wirklich sehr gern mochten.
Ich jedenfalls wollte immer möglichst viel Zeit mit ihm verbringen.
Obwohl, oder vermutlich eher „weil“ wir so unterschiedlich waren, ergänzten wir uns perfekt.
Ich war 1 ½ Jahre jünger, aber besser in der Schule und der kontemplative Typ.
Er war mehr der klassische „Rabauke“, der sich immer selbstlos vor mich stellte, wenn irgendjemand gemein zu mir war.
Marks Elternhaus war…. nun ja, das würde zu persönlich werden.
De facto wohnte Mark teilweise bei mir.
Kurzfristig verloren wir uns etwas aus den Augen, nachdem ich mit neun Jahren die Schule wechselte.
Es würde mich brennend interessieren, was aus ihm geworden wäre - wenn er nicht mit 14 bei einem Verkehrsunfall gestorben wäre.

Am Tag der Beerdigung hatte ich eine prägende Erfahrung mit der Kirche.
Von der Bibel hatte ich schon im Konfirmandenunterricht gehört, aber den Kurs hatte ich bereits abgebrochen - trotz der Drohung des Pfarrers dann keine Geschenke zu bekommen.
Da meine Eltern aber beide schon lange aus der Kirche ausgetreten waren, schreckte mich das wenig.
Mark hingegen wollte sich unbedingt konfirmieren lassen - WEGEN der Geschenke. Ob er an Gott geglaubt hat, weiß ich nicht. Die Beerdigung war jedenfalls kirchlich.

Man setzte mich neben Marks Mutter, die nicht gerade überraschend die ganze Zeit heulte und immer wieder stammelte, daß ihr Sohn genauso groß wie ich wäre.
Dem Pfarrer, der bei seiner Rede soeben Marks tiefe Gläubigkeit anhand des Konfirmationsspruchs „bewiesen“ hatte, missfiel es außerordentlich gestört zu werden.
Daher herrschte er die weinende Mutter während der Trauerrede an, sie solle sich gefälligst zusammenreißen - schließlich bewiese der frühe Tod ihres Sohnes, daß Gott ihn besonders geliebt habe.

„Whom the gods love, die young“ - das ist ja das was man in der Situation am liebsten hört.

Im Jahr 2014 sah sich sogar Helmut Schmidt veranlasst auf der Trauerfeier des Hamburger Ehrenbürgers Siegfried Lenz, der sein enger Freund war, Partei für ihn zu ergreifen, nachdem Michel-Pastor Alexander Röder den Atheisten Lenz auf unverschämte Weise vereinnahmt hatte.

Die Beerdigung meiner Oma war das letzte mal, daß ich die Kleine Kirche in Welllingsbüttel betrat.
Ich wohne längst ganz woanders, aber im Abstand von 5 bis 10 Jahren fahre ich noch durch die Straße „Up de Worth“ und halte an der Kirche, weil ich mir die Kanzel gerne noch einmal ansehen möchte.

Es funktionierte nur nie, weil die Kirchentüren immer verschlossen sind.

Heute dann die Überraschung. Schon von weitem konnte ich von meinem Auto aus sehen, daß die Kirchentüren aufstanden, als ich nachmittags vorbei tuckerte.

Natürlich hielt ich an, atmete durch und ging auf Zehenspitzen in das Gebäude.
Nach den unangenehmen Erfahrungen gruselt es mich immer noch ein wenig.
In den vorderen Bänken spielten fünf, sechs Kinder, die von einigen Frauen mit Kostümen und Dekorationen versorgt wurden.
Offensichtlich plante man irgendeine Art „Event“ für das draußen mit einem großen Banner angekündigte Sommerfest.


Ich schlich zu einer der Damen, die ganz rechts damit beschäftigt war ein Plakat zu falten und fragte flüsternd, ob ich mich kurz umgucken und den Altar ansehen dürfe.
Das gehe nur wirklich nicht, herrschte sie mich an, „sehen sie denn nicht, daß wir hier gerade proben?“.

Und so flog ich, wieder einmal, aus der Wellingsbüttler Kirche.
Ich werde dort offensichtlich in jedem Lebensalter als Störung empfunden.
Für Gebete, Zwiesprache mit Gott oder Stille Andacht im Kirchenschiff hat man keine Chance „Up de Worth.“ Dort ist man wohlhabend und bleibt unter sich. Fragen unerwünscht.

Das verrückte an der Geschichte ist, daß ich schon viele Jahre vor meiner „Konfer-Erfahrung“ längst ohne es zu wissen mit der Kirchengemeinde in Kontakt gekommen war, weil ich wöchentlich das zugehörige Altersheim am Rabenhorst besuchte, Kuchen buk, das ganze Jahr Geld sammelte, weil ich mir vorgenommen hatte, daß nicht nur Kinder, sondern alle alten Leute ein Geschenk zu Weihnachten bekommen sollten.
Alte Menschen lebten im Altersheim, also war ich als kleines Gör eines Tages einfach mit dem Fahrrad dahin gefahren und hielt mich dort gern auf.
Natürlich wußte ich nicht, daß die Kirchengemeinde das Heim betrieb, hatte dort auch nie einen Pfarrer gesehen.

Wer etwas für seine Gemeinde tun will, sich sozial engagiert, der trete sofort aus der Kirche aus.
Kirchen geben um die fünf Prozent ihres Etats für soziale Zwecke aus. Wer also seine Mitgliedsbeiträge bezahlt (vulgo Kirchensteuer), verschwendet 95% davon.
Das sieht auch eine Mehrheit der Hamburger so. Inzwischen sind unter 28% Mitglieder der evangelischen Kirche.

Hamburg ist auf gutem Wege.

Glückwunsch, Kirche!
Das muß erst mal jemand nachmachen: Eine Organisation, die dermaßen vom Staat mit Geld zugeschissen und privilegiert wird, dennoch kontinuierlich zu schrumpfen, ist eine echte Leistung!
37.000 Menschen traten 2014 aus der Nordkirche aus.
Bitte weiter so.
2% der Hamburger Protestanten, entsprechend 0,5% aller Hamburger gehen sonntags in die Kirche. Und das in einem Bundesland, in dem ohnehin nur 27,9% Mitglied der evangelischen Kirchen sind.
Für meinen Geschmack sind einer von 200 immer noch viel zu viele Gottesdienstbesucher, aber auch wenn man es religionspolitisch neutral betrachtet, muß man sich schon fragen, woher die hanseatischen Kirchen die Chuzpe nehmen sonntagsmorgens mit ihrem grausam lauten Gebimmel die Stadt aufzuwecken, wenn 99,5% offensichtlich nicht geweckt werden wollen.





Dienstag, 12. Juli 2016

Zu viel des Schlechten



Daß Sahra Wagenknecht sich hat hinreißen lassen aus Angst vor der AfD ebenfalls alarmistisch nach einem Ende des Flüchtlingszuzuges zu rufen, werde ich ihr nicht verzeihen.
Ohne daß ich es belegen kann, vermute ich natürlich, daß sie die xenophoben Töne von ihrem katholischen Ehemann aufgegriffen hat.
Schon vor elf Jahren war er mit rechtspopulistischen Tönen aufgefallen.

Vor rund 1.500 Zuhörern hatte der frühere SPD-Vorsitzende gesagt, weil der Staat verpflichtet sei, seine Bürger zu schützen, müsse er verhindern, „daß Familienväter und Frauen arbeitslos werden, weil Fremdarbeiter zu niedrigen Löhnen ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen“.
Der Begriff Fremdarbeiter stammt laut Brockhaus-Lexikon ursprünglich aus dem nationalsozialistischen Sprachgebrauch und steht für ausländische Zwangsarbeiter, die aus den besetzen Gebieten nach Deutschland deportiert worden waren.

Schon ganz schön widerlich in welche Richtung sich das Ehepaar Wagenknecht-Lafontaine entwickelt hat.

Das Lob der Rechtspopulisten hat gerade noch gefehlt. „Frau Wagenknecht hat die Situation sehr schön auf den Punkt gebracht“, findet AfD-Vize Alexander Gauland. „Wer freiwillig zu uns kommt, hat sich wie ein Gast zu benehmen. Möchte oder kann er das nicht, indem er gewalttätig und respektlos seinen Gastgebern gegenübertritt, dann muss er sofort Deutschland verlassen.“
Er freue sich darüber, so Gauland, „dass die Linke dies nun genauso wie die AfD sieht“.
Einen Tag vorher hatte Sahra Wagenknecht ganz anderes zu hören bekommen – aus ihrer eigenen Truppe. Mit Vehemenz und nahezu geschlossen stellte sich die Linksfraktion gegen ihre Vorsitzende.
Deren Äußerung nach den Silvesterübergriffen in Köln („Wer sein Gastrecht missbraucht, der hat sein Gastrecht eben auch verwirkt“) sei nicht hinnehmbar, donnerten die Abgeordneten. Weil das Recht auf Asyl nicht verwirkbar sei. Weil man als Linke Solidarität und Menschenrechte gefälligst nicht in Frage zu stellen habe. Und weil ja wohl auch keiner ernsthaft daran denken könne, syrische Flüchtlinge zurück in die Folterkeller des Assad-Regimes zu schicken.

Noch immer ist es Lafontaines grenzenloser Hass auf die SPD, der maßgeblich dafür verantwortlich ist, daß die CDU regiert und es nicht zu RRG kommen kann.

Hillary Clinton - Die vermutlich nächste Terroristin im Weißen Haus
Nach deutschem Recht ist diejenige eine Terroristin, die rechtswidrig Gewalt anwendet, um politische Ziele durchzusetzen. Das trifft auf Hillary Clinton, die auch „Killary“ genannt wird, in vollem Umfang zu.
[….] Um ihre imperialen Ziele durchzusetzen führen die USA rücksichtslos Krieg und morden weiter. Und Europa soll die Kriegs-Flüchtlinge aufnehmen. Wann verweigert Europa endlich dem zerstörerischen US-Imperialismus die Gefolgschaft und wahrt seine eigenen Interessen?

Es gibt wahrlich genügend Gründe Hillary Clinton zu kritisieren, aber in der realen Welt ist es natürlich so, daß keine Partei, die den Bundeskanzler und/oder Außenminister stellen will, mit jemand koalieren kann, der die (mutmaßlich zukünftige) Präsidentin der USA öffentlich als „Terroristin“ und Mörderin geißelt.

„Man kann nicht sonntags von Rot-Grün-Rot schwärmen und alltags den historischen Irrtum der Sozialfaschismusthese als saarländische Farce wiederaufführen“, sagte Trittin dem Handelsblatt. [….]

Was will Lafontaine damit erreichen Clinton so nieder zu machen?
Offenbar bevorzugt er also Trump als US-Präsidenten. Dieser pathologische Lügner, der „die Scheiße aus dem IS rausbomben“ will, sich brüstet noch viel grausamere Foltermethoden als Waterboarding einzusetzen?

Bei dem destruktiven Oskar hat es leider Tradition sich mich rechten Hetzern zusammen zu tun, um seinem privaten Rachedurst an der SPD zu frönen.

So heuerte er von 1999 bis 2006 für monatlich EUR 6.000,- bei der BILD-Zeitung an, um die rotgrüne Regierung zur Strecke zu bringen und Angela Merkel zur Kanzlerin zu machen.
Die BILD ist die Zeitung, die beispielsweise wahrheitswidrig von „den faulen Griechen“ schrieb und vehement Austeritätspolitik einforderte – „IHR GRIECHT NIX!“ – lautete eine ihrer Schlagzeilen.

Wagenknecht, immerhin Fraktionsvorsitzende ihrer Partei im Bundestag, tutet ins gleiche rechtspopulistische Horn.

Der EU warf [Sahra Wagenknecht] vor antidemokratisch und unsozial zu sein.
SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann konterte Wagenknechts Attacke auf die EU-Kommission umgehend mit scharfer Kritik. „Dass Sie eben von den Antidemokraten in Brüssel gesprochen haben, das ist, dass erstmals hier im Bundestag jemand den Sprachgebrauch der AfD eingeführt hat“, sagte er.
Scharfe Kritik kam auch von Frank Schwabe, einem der Sprecher der „Denkfabrik“ in der SPD-Bundestagsfraktion. Die „Denkfabrik“ lotet gemeinsam mit Politikern von Linkspartei und Grünen Möglichkeiten für ein rot-rot-grünes (kurz: R2G) Regierungsbündnis auf Bundesebene aus. „Solche Kraftmeierei von Lafontaine und Wagenknecht sind natürlich in der Sache unangemessen und sicher auch Störmanöver für Rot-Rot-Grün.

Lafontaine war bisher der Grund dafür, daß im Bund keine rot-rot-grüne Mehrheit zustande kam. Er schürt den Hass zwischen SPD und Linke so leidenschaftlich, daß niemals eine Kanzlermehrheit zusammen kommen konnte.
Es ist bedauerlich, daß Wagenknecht, immerhin Oppositionsführerin in Berlin, nach all den Jahren, in denen sie ihre Kompetenz bewies und zuletzt auch von Konservativen ernstgenommen wurde, im letzten Jahr das populistische Fach abgerutscht ist und als Marionette ihres schmollend im Saarland hockenden Ehemannes Furore macht.
So wird das jedenfalls nichts mit einer bundesweiten Mehrheit links der CDU.
Bei den drei Landtagswahlen am 13.03.2016, konnte man den Absturz der Linkspartei schon eindrucksvoll beobachten.

Montag, 11. Juli 2016

Libertärer Sex

AfDler wie Trixi Storch schaffen es gelegentlich noch mich zu verblüffen.

Nach der jüngsten gesetzlichen Regelung von sexueller Grapscherei twitterte die Parteivizevorsitzende mit dem Hang auf Frauen zu schießen, eine Warnung an ihre männlichen Parteifreunde.
Sie stünden nun quasi mit einem Bein im Knast.


Offensichtlich ist das alte Denken, nach dem eine Frau „Ja“ meine, wenn sie „Nein“ sage noch verbreitet.
Das sind offensichtlich noch nicht einmal nur sehr extreme und randständige Positionen. Auch aktuelle Koalitionspolitiker stimmten noch 1997 gegen das Verbot von Vergewaltigung in der Ehe, weil sie offensichtlich der Ansicht waren, es wäre das natürliche Recht eines Mannes die Frau sexuell zu penetrieren, auch wenn sie sich dagegen wehre.
25 Jahre sperrten sich CDU und CSU erfolgreich gegen die Strafbarkeit von Ehefrauen-Vergewaltigung. Erst 17 Jahre nach einer entsprechenden UN-Konvention folgte das deutsche Parlament.

Am 15. Mai 1997 stimmten von den anwesenden 644 Abgeordneten 471 für den Gruppenantrag und 138 dagegen, 35 enthielten sich der Stimme.

Alle Abgeordneten der Linken, der Grünen und der SPD stimmten für Ulla Schmidts Gruppenantrag.

CDU/CSU
Brigitte Baumeister, Meinrad Belle, Dr. Joseph-Theodor Blank, Dr. Norbert  Blüm, Dr. Wolfgang Bötsch, Klaus Brähmig, Rudolf Braun (Auerbach), Georg Brunnhuber, Manfred Carstens (Emstek), Hubert  Deittert, Albert  Deß, Wilhelm Dietzel, Hansjürgen Doss, Maria Eichhorn, Wolfgang Engelmann, Heinz Dieter Eßmann, Anke Eymer, Klaus Francke (Hamburg), Dr. Gerhard Friedrich, Hans-Joachim Fuchtel, Norbert Geis, Dr. Reinhard Göhner, Dr. Wolfgang Götzer, Joachim Gres, Kurt-Dieter Grill, Wolfgang Gröbl, Manfred Grund, Carl-Detlev Freiherr von Hammerstein, Gottfried Haschke (Großhennersdorf), Gerda Hasselfeldt, Otto Hauser (Esslingen), Hansgeorg Hauser (Rednitzhembach), Klaus-Jürgen Hedrich, Helmut Heiderich, Detlef Helling, Ernst Hinsken, Josef Hollerith, Dr. Karl-Heinz Hornhues, Siegfried Hornung, Joachim Hörster, Georg Janovsky, Helmut Jawurek, Dr. Dionys Jobst, Dr.-Ing. Rainer Jork, Bartholomäus Kalb, Volker Kauder, Hans-Ulrich Köhler, (Hainspitz), Manfred Kolbe, Rudolf Kraus, Wolfgang Krause (Dessau), Reiner Krziskewitz, Dr. Hermann Kues, Dr. Karl A. Lamers (Heidelberg), Helmut Lamp, Dr. Paul Laufs, Karl-Josef Laumann, Dr. Klaus W. Lippold (Offenbach), Heinrich Lummer, Dr. Michael Luther, Erwin Marschewski, Dr. Martin Mayer (Siegertsbrunn), Dr. Michael Meister, Friedrich Merz, Elmar Müller (Kirchheim), Engelbert Nelle, Bernd Neumann (Bremen), Friedhelm Ost, Eduard Oswald, Dr. Peter Paziorek, Angelika Pfeiffer, Dr. Gero Pfennig, Dr. Winfried Pinger, Dr. Hermann Pohler, Dr. Bernd Protzner, Dieter Pützhofen, Hans Raidel, Dr. Peter Ramsauer, Peter Rauen, Otto Regenspurger, Klaus Dieter Reichardt (Mannheim), Hans-Peter Repnik, Roland Richter, Roland Richwien, Dr. Erich Riedl (München), Klaus Riegert, Franz Romer, Hannelore Rönsch (Wiesbaden), Dr. Klaus Rose, Kurt  J. Rossmanith, Adolf Roth (Gießen), Dr. Christian Ruck, Roland Sauer (Stuttgart) , Hartmut Schauerte, Karl-Heinz Scherhag, Gerhard Scheu, Norbert Schindler, Dietmar Schlee, Bernd Schmidbauer, Christian Schmidt (Fürth), Hans-Otto Schmiedeberg, Hans Peter Schmitz (Baesweiler), Michael von Schmude, Wolfgang Schulhoff, Dr. Dieter Schulte, (Schwäbisch Gmünd), Clemens Schwalbe, Wilhelm Josef Sebastian, Horst Seehofer, Heinz-Georg Seiffert, Johannes Selle, Jürgen Sikora, Johannes Singhammer, Wolfgang Steiger, Erika Steinbach, Dr. Wolfgang Freiherr von Stetten, Dr. Gerhard Stoltenberg, Max Straubinger, Matthäus Strebl, Michael Stübgen, Egon Susset, Michael Teiser, Dr. Klaus-Dieter Uelhoff, Gunnar Uldall, Dr. Theodor Waigel, Dr. Jürgen Warnke, Hans-Otto Wilhelm (Mainz), Dr. Fritz Wittmann, Dagmar Wöhrl, Peter Kurt Würzbach, Wolfgang Zeitlmann, Benno Zierer, Wolfgang Zöller.

F.D.P.
Hildebrecht Braun (Augsburg), Dr. Karlheinz Guttmacher, Dr. Burkhard Hirsch, Roland Kohn, Uwe Lühr, Günther Friedrich Nolting, Dr. Rainer Ortleb.

Auch die „Liberalen“ Wolfgang Gerhardt, Otto Graf Lambsdorff, Hermann Otto Solms und Guido Westerwelle konnten sich nicht zu einer Strafbewährung durchringen und enthielten sich.

Deswegen können die Schamlosen der AfD auch so leicht Anschluss an das deutsche Parteienspektrum finden.
Sie haben durchaus Schnittmengen mit Merkels und Seehofers Union.

[…] Denn die rechtspopulistischen Bewegungen stehen den bürgerlichen Parteien näher, als diese zugeben mögen.
[…] Widersprüchlich ist die populistische Kritik am Populismus: Sie argumentiert nicht. Vielmehr setzt sie allgemeine Zustimmung voraus, ein Einverständnis, das sich in einem Wort erschöpft, worauf die Verhältnisse geklärt sein sollen. Sie tut so, als erübrige sich jede weitere Auseinandersetzung, wenn man jemanden einen "Populisten" nennt. Sie beruft sich auf eine Volksmeinung, um sich eines Gegners zu erwehren, der sich seinerseits für eine Verkörperung der Volksmeinung hält. […]

Die historisch bedingte Kompliziertheit der juristischen Bewertung von Sexualität ist absurd.
Dafür sind die 150 Sonderregelungen zur Anpassung der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft nur ein Beispiel.
In vielen amerikanischen Bundesstaaten werden sogar Sexualpraktiken innerhalb der Ehe differenziert betrachtet und partiell verboten.

Liebende aufgepasst - außer dem Missionar ist in Florida keine andere sexuelle Stellung erlaubt. Darüber hinaus ist es verboten, die Brüste seiner Frau zu küssen oder Oralverkehr auszuüben.

Was soll der Unsinn im 21. Jahrhundert?

Beim Sex sollte schlicht und ergreifend alles erlaubt sein, das auf freiwilliger Basis zwischen Erwachsenen geschieht.
Punkt.

(Das Jugendstrafrecht mag sich mit dem Übergangsalter beschäftigen und zusätzlich regeln, daß Geschlechtsverkehr zwischen einer 18-Jährigen und einem 17-Jährigen juristisch nicht so betrachtet wird wie die gleiche Handlung zwischen einem 40-Jährigen und einer 13-Jährigen.
Ich beziehe mich aber ausdrücklich nur auf Sex zwischen Erwachsenen.)

Das deutsche Recht hat da durchaus noch Nachhilfebedarf.
Zum Beispiel dürfen Brüder in Deutschland Sex miteinander haben. Es dürfen Schwestern miteinander Sex haben. Verboten ist aber Sex zwischen Bruder und Schwester.
Hier ist tatsächlich heterosexueller Verkehr juristisch schlechter als Homosexueller gestellt. Absurd. Das Inzest-Tabu gehört abgeschafft.

Alle Regelungen, die das Sexualleben erwachsener Menschen von einer vorgeblich höheren moralischen Position aus reglementieren, gehören abgeschafft.

Es ist mir ein Rätsel wie im Jahr 2016 eine Organisation wie die RKK mit ihrem Drang in die Betten hinein zu bestimmen, überhaupt noch ernst genommen werden kann.
Wer sich scheiden läßt, darf nie wieder Sex haben.
Und solche Meinungen unterstützen wir mit staatlichen Milliarden?

Der Erzbischof von Philadelphia erlaubt wiederverheirateten Geschiedenen den Empfang der Kommunion in seiner Diözese nur, wenn sie keinen Sex miteinander haben.
"Für Geschiedene und in einer Zivilehe Wiederverheiratete ist notwendig, wie Bruder und Schwester zusammenzuleben, um im Sakrament der Beichte Versöhnung mit Gott zu erlangen – was in der Folge den Weg zur Eucharistie eröffnen könnte", ließ Erzbischof Charles Chaput in einem pastoralen Leitfaden verlauten, der seit Anfang Juli in der Diözese Philadelphia Gültigkeit hat.[….]



Sonntag, 10. Juli 2016

Russlandversteher - Teil II



Die Nato versündigt sich gerade an ihrer Ostseite.
Seit dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes hat die immer blutiger immer terrorhaltigere Welt gezeigt wie notwendig internationale Zusammenarbeit ist.
Die großen Konflikte und Krisen Afrikas, des Nahen Ostens, des Hindukuschs  lassen sich nicht im Alleingang einzelner Staaten befrieden.
Als sagenhaft kontraproduktiv, als millionenfach tödlich erwies sich insbesondere die Strategie der großen NATO-Staaten militärisch für Ordnung sorgen zu wollen.

Es ist eine bittere Kontinuität der Geschichte, daß Russland in den letzten 200 Jahren immer wieder aus dem Westen mit Krieg überzogen wurde; 1812, 1914-1918, 1941-1945; nie aber selbst den Westen angriff.
Dennoch streckte Russland immer wieder die Hand aus, wollte sich mit Westeuropa versöhnen.
Insbesondere Deutschland schlug dabei immer wieder die Türen zu.

Russland ist der Schlüssel zu den Lösungen vieler weltweiter Probleme.
Russland hat diplomatische Kontakte und Einflusssphären, die kein NATO-Staat aufweist,
 Russland ist groß, ist asiatisch, ist schlagkräftig, ist engagiert.

Die NATO setzt bei ihrem Gipfel voll auf Abschreckung. Sie will mit den Mitteln des 20. Jahrhunderts die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts bewältigen. […]  Die Kanzlerin kündigt an, den Verteidigungshaushalt aufzublähen, statt endlich die Zusagen an die Entwicklungspolitik zu erfüllen. Die Bundesregierung hält an den amerikanischen Atomwaffen in Deutschland und an den Modernisierungsplänen fest. Die amerikanische Raketenabwehr wird in eine NATO-Raketenabwehr überführt. Das wird nicht für mehr Sicherheit sorgen, sondern das Verhältnis zu Russland weiter verschlechtern. Stattdessen brauchen wir Entspannungspolitik. Das hat nichts mit Naivität zu tun. Gerade in schwierigen Zeiten ist Dialogfähigkeit die Grundvoraussetzung für eine kluge Interessenvertretung. Deshalb müssen wir bei allen notwendigen Rückversicherungsmaßnahmen an der NATO-Russland-Grundakte festhalten. Wir müssen den Raketenschild stoppen. Und wir müssen die Abrüstung und Rüstungskontrollen wiederbeleben. Nur auf der Basis und im Bündnis der NATO kann man Frieden und Sicherheit in Europa sichern. Alles andere ist Nostalgie. […]

[…] „Der NATO Gipfel in Warschau übertrifft selbst die schlimmsten Erwartungen der Friedensbewegung. Im Zentrum zwischen den Mitgliedsstaaten und geladenen Gästen die unter der Führung der USA gestaltet werden, steht die enge militärische Vernetzung der NATO mit der EU. Russland ist das Feindbild in den verschiedensten Varianten, die von der Bundesregierung angekündigte Dialogbereitschaft erweist sich als Bluff. […] „Als Schlussfolgerung aus dem Brexit, wird nicht Abrüstung und Friedfertigkeit der EU präsentiert, sondern die Beteiligung der EU an den Machtdemonstrationen der NATO. […]

Ausgerechnet in Warschau, der namensgebenden Stadt der zusammengebrochenen Gegenallianz zur NATO, beschließen die Nordatlantiker nun dem gerupften Russland weiter auf die Pelle zu rücken. Aufrüstung und Vorrücken an Russlands Grenzen lautet der neue NATO-Plan.
Nicht nur ein Friedensnobelpreisträger ist entsetzt.

Russland hat die Aufrüstungsbeschlüsse des NATO-Gipfels scharf kritisiert. "Die Allianz konzentriert ihre Kräfte darauf, eine nicht existierende Gefahr aus dem Osten einzudämmen", erklärte das Außenministerium in Moskau. Es hielt der NATO eine "Dämonisierung" Russlands vor. Der russische Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow warf dem Militärbündnis Kriegstreiberei vor.

Die Geschichtsvergessenheit der heutigen NATO ist gefährlich und konflikt-eskalierend.

[….] Heute ist die Bundeswehr Teil der Nato-Übungen in den osteuropäischen Mitgliedstaaten; zur Abschreckung gegen Russland. Selbstredend verbietet sich jeder Vergleich zwischen damals und heute, die Deutschen sind nun Teil eines Bündnisses freier Nationen und auf Wunsch der osteuropäischen Partner dort, die sich vor dem neuen russischen Nationalismus fürchten. Und doch ist der Mangel an historischer Sensibilität erstaunlich, dass ausgerechnet das Land der Invasoren von einst, statt Soldaten zu schicken, seine Rolle nicht deutlicher als Mittler zwischen dem Westen und Moskau versteht.
Vielleicht hat das noch immer damit zu tun, dass der Krieg des Deutschen Reiches gegen die Sowjetunion 1941 hierzulande in seinen apokalyptischen Dimensionen bis heute vielfach nicht ganz begriffen wurde. Mindestens 27 Millionen Menschen wurden auf sowjetischer Seite Opfer dieses Krieges. […]