Freitag, 6. Januar 2023

Ukraine-Fatigue  Teil II

Etwa 1,1 Millionen Ukrainer leben derzeit in Deutschland. 200.000 Ukrainische Kinder gehen hier zur Schule.

Ich unterstütze das ausdrücklich und vorbehaltslos.

Deutschland sollte alle Ukrainer aufnehmen, die kommen möchten.

Deutschland sollte auch alle russischen Flüchtlinge, Deserteure, Oppositionelle aufnehmen.

Voller Entsetzen fühle ich mit, wenn ich Berichte/Bilder/Videos aus dem Kriegsgebiet sehe. Es gruselt mich bei der Vorstellung, es in umkämpften Dörfern und Städten ohne Heizung und ohne Strom auszuhalten. Ein unerträglicher Alptraum. Dabei ist es nur meine Phantasie, die leidet. Ich bin mir dessen bewußt, wie unzulänglich das ist und wie viel schlimme es sein muss, den Krieg real zu erleben.

Ich verstehe jeden, der da weg will und meine, die Bundesregierung sollte alles unternehmen, um diese Menschen aufzunehmen.

Es schmerzt mich, mitzuverfolgen, wie Deutschland partiell an dieser Aufgabe scheitert und wie die Stimmung kippt. Im Russland-freundlichen und AfD-affinen Ostdeutschland werden Ukrainer bereits gemobbt und beschimpft. Teile der CDU, beispielsweise der CDU-Landrat Udo Witschas in Bauzen, macht mit der Unterstützung seines CDU-Landesvaters Kretschmer xenophobe Stimmung.

Die unverhohlene Parteinahme für Putin aus der AfD und Teilen von Linken und CDU/CSU ist widerlich.

Es entsetzt mich, zu hören, unter welchen erbärmlichen Bedingungen viele Ukrainer immer noch leben müssen. In Hamburg werden ukrainische Kinder beispielsweise in Stundenhotels am Paulinenplatz unweit der Reeperbahn untergebracht.

Google Earth

[…..] Polizeisprecher Daniel Ritterkamp dagegen ordnet den Bereich als »zentralen Anlaufpunkt für Partygäste« ein, als gelegentlichen Treffpunkt von »Randständigen« und Drogenabhängigen. Viele Häuserfassaden rundherum sind mit Graffiti besprüht, die Türen oft mit zusätzlichen Gittern gesichert. Die Bordelle, Spielcasinos, Kneipen und Klubs rund um die Reeperbahn liegen nur ein paar Hundert Meter entfernt; das Stadion des Fußball-Zweitligisten FC St. Pauli ist direkt gegenüber.

Tatjana, eine kleine Frau in dunklen Freizeitklamotten, ist mit ihren kleineren Kindern jeden Tag hier auf dem Spielplatz. »Ich weiß nicht, wo ich sonst hingehen soll«, sagt sie. Mit ihren acht Kindern bewohnt sie im »Budapester Hof« ein Zimmer. Und während der Nachwuchs auf den Klettergerüsten herumturnt oder schaukelt, bespricht sie mit anderen ukrainischen Müttern ihre Situation. Die, sagt sie, sei schwer erträglich. Ihr Mann, ein Waldarbeiter, sei mit 37 Jahren gestorben, das Herz. Und jetzt, alleinerziehend in einem fremden Land, wisse sie nicht, wie es weitergehen solle. […..] In dem Raum, den die Familie bewohnt, stehen ein riesiges Bett und ein Etagenbett, für andere Möbel ist kein Platz. Drei Jungs zwischen 11 und 14, die keine Lust auf den Spielplatz haben, liegen nachmittags um 15.30 Uhr auf dem Bett und daddeln auf ihren Handys. Die 16-jährige Cristina, Tatjanas älteste Tochter, guckt ihnen dabei zu. Das Mädchen mit den langen dunklen Haaren und dem rosa Kapuzenpulli besucht keine Schule und hat nichts zu tun.

Google Streetview 2008
t stickig, die Heizung voll aufgedreht, obwohl es draußen an diesem Tag noch 19 Grad warm ist. »Sonst kriege ich die Wäsche nicht trocken«, sagt Tatjana. Weil es im Hotel keine Waschmaschine gibt, schrubbt sie die Wäsche mit der Hand, legt sie dann auf die Heizkörper. »Uns wurde schon vor Wochen eine größere Wohnung versprochen«, erzählt sie, passiert sei bisher nichts. […..] Ihre Eltern sind derzeit auf die staatliche Unterstützung angewiesen. Sie bekommen jeder 404 Euro, für jedes Kind zwischen 14 und 17 Jahren werden zusätzlich 376 Euro im Monat gezahlt. […..] Die 2,50 Euro, die Dimitri und Tanja täglich von den Eltern bekommen, reichen nicht für große Sprünge. Ihre Kleidung kommt von der Kleiderkammer eines Wohlfahrtsverbandes, erzählt Dimitri. […..] Ausflüge in die Innenstadt, zum Beispiel zum feinen Jungfernstieg, seien dagegen frustrierend, berichtet Dimitri. Mit anderen ukrainischen Jugendlichen habe er die teuren Läden dort bestaunt. Und nicht genug Geld gehabt, sich irgendetwas zu kaufen. Auch ein Schwimmbadbesuch sei gescheitert. Weil er und seine Kumpels den Eintritt nicht bezahlen konnten. [….]

(DER SPIEGEL, 18.11.2022, Heft 47/2022)

Besser als Bombenhagel. Aber dennoch erbärmlich. All dieser Geschichten bin ich nicht müde. Sie verdienen unsere volle Aufmerksamkeit.

Aber einiges kann ich nach gut 10 Monaten nicht mehr hören. Da ist zum Beispiel die geradezu geifernde Begeisterung einiger Grüner und Gelber für Waffensysteme.

Verrückte Zeiten: Die größten Bundeswehrfreunde, Waffenexport-Befürworter und Selenskyj-Fans sind heute die Grünen, bzw die Olivgrünen.

[….] Wie die Grünen zur Hoffnung der Rüstungsindustrie werden

Strengere Kontrolle, mehr Rücksicht auf Menschenrechte – das war das Ziel der Ampel. Nun stellen geplante Millionendeals eines deutschen Rüstungskonzerns mit autoritären Golfstaaten die Regierung auf die Probe. […..]

(DER SPIEGEL 2/2023)

Typen wie der Mopo-Chefkommentator Christian Burmeister nerven mich. Manisch drischt er auf Putin ein, als ob es irgendwie helfe, ihn zu beschimpfen.
   

In einem Webblog kann ich flapsig das Verb „faseln“ verwenden. In einer gedruckten Zeitung nicht.

Burmeister blickt verächtlich auf Scholz und die Bundesregierung. Sie wären zu feige, um Panzer zu liefern, während er, aus der sicheren Redaktionsstübchen erkannt hat, wie der Krieg zu gewinnen ist. Putin verstünde nur Stärke und bei mehr Ukrainischen Panzern werde er schon einknicken, irgendwann mit einem „Tut mir so leid“ abziehen und seine Niederlage akzeptieren.

Woher Burmeister die Sicherheit nimmt, sagt er nicht. Er erwähnt auch nicht die entscheidende Tatsache, daß Putin nun einmal über ein riesiges Atomwaffenarsenal verfügt, das sicherlich nicht mit deutschen Panzern zu bezwingen ist.

Ich bin es weiterhin Leid, daß mir Marie-Agnes Strack-Zimmermann und Anton Hofreiter mit großer Selbstverständlichkeit als Militärexperten präsentiert werden.

Hofreiter ist bekanntlich promovierter Biologe und zur frommen Katholikin Strack-Zimmermann ergoogele ich bei Wikipedia:

[….] studierte sie bis 1983 Publizistik, Politikwissenschaft und Germanistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und schloss ihr Studium mit dem Magister Artium ab. 1986 wurde sie an der LMU mit der dort eingereichten Arbeit Bilder aus Amerika: Eine zeitungswissenschaftliche Studie über die USA-Berichterstattung im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) zum Dr. phil. promoviert. Danach war Strack-Zimmermann von 1989 bis 2008 als selbstständige Verlagsrepräsentantin für den mittelständischen Nürnberger Jugendbuchverlag Tessloff tätig […]

Magister Artium und Jugendbuchverlag halte ich im Gegensatz zu Herrn Burmeister nicht für eine ausreichende Qualifizierung als Militär- und Waffenstrategie-Expertin.

Es nervt mich, wenn Dobrindt, Merz und Söder den Bundeskanzler piesacken, er solle a) Lambrecht entlassen und b) schnellstens Leopardpanzer in die Ukraine schicken.

Lambrecht ist die Buhfrau der deutschen Politik, weil sie ein doofes Fotos ihres Sohnes gemacht hat, doofe Schuhe in Mali trug und nun auch noch ein doofes Privatvideo am 31.12.2022 aufnahm. Ja, das ist alles peinlich und ungeschickt, hat aber wenig mit ihrer fachlichen Qualifikation zu tun. Daß die Bundeswehr in einem derart erbärmlichen Zustand ist, daß kaum ein Waffensystem einsatzfähig ist, hat aber im Gegensatz zu den Unkenrufen der CDUCSU-Herren nichts mit der SPD-Politikerin zu tun, sondern liegt an 16 Jahren ununterbrochenem CDUCSU-Totalversagen auf der Hardthöhe und 16 Jahren Total-Desinteresse im CDU-Kanzleramt.

Und noch etwas macht mich wütendmüde: Der ukrainische Vizeaußenminister und glühende Nazi-Fan (Stepan Bandera) Andrij Melnyk! 12 Milliarden Euro Direkthilfen aus Deutschland erhielt die Ukraine seit dem 24.02.2022. Deutschland nahm über eine Million Ukrainische Flüchtlinge auf, stellt seine komplette Energie- und Militärpolitik auf den Kopf und liefert zu dem Waffen und Munition im Wert von Milliarden Euro. Nun auch noch Marder-Panzer.

Wäre da nicht wenigstens mal ein kleiner Halbsatz, der das Wort „Danke“ enthält möglich? Stattdessen weiterhin nur überhebliches Gemecker.

[….]  Der ukrainische Vizeaußenminister Andrij Melnyk sieht in der angekündigte Lieferung von deutschen Marder-Schützenpanzern an die Ukraine »eine richtige, aber sehr verspätete Entscheidung«. Sie habe einen »bitteren Beigeschmack«, sagte der frühere ukrainische Botschafter in Deutschland dem Nachrichtenportal »t-online«. Die Ukraine habe »316, sehr lange blutige Kriegstage« warten müssen.

Melnyk äußerte Zweifel, dass seine »deutschen Freunde auf dieses zögerliche Handeln der Ampel heute stolz« seien. »Ob man dieses Vorgehen als Führungskraft bezeichnen kann, ist ebenso fraglich.« Der Diplomat sieht dabei vor allem Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in der Pflicht. Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) sagte Melnyk, die Lieferung der Schützenpanzer solle der »erste Tabubruch« sein, um die Armee unverzüglich mit sämtlichen Waffensystemen auszustatten. »Es geht um all die sofort lieferbaren schweren Waffen wie Kampfpanzer, Kampfflugzeuge, Kampfdrohnen, Kriegsschiffe, U-Boote, ballistische Raketen.« [….]

(SPON, 06.01.2023)

Um es vorsichtig auszudrücken: Mit dieser mauligen Undankbarkeit hilft er seinen Landsleuten nicht, wenn es darum geht, Sympathien in den Ländern zu sammeln, von deren Finanz- und Militärhilfe die Ukraine vollständig abhängig ist.

Donnerstag, 5. Januar 2023

Katholischer Charakter  

Ratzis Beerdigung heute war natürlich nicht so der Hit, wenn man das mit der letzten Papst-Beerdigung 2005 vergleicht. 

Karol Woytila war zwar ebenfalls Kinderfic**erfreund, Frauen- und Homo-Hasser, aber er war dennoch über die katholische Welt hinaus beliebt, weil er nicht nur über mehr Charisma als sein Nachfolger verfügte, sondern weit weniger borniert war. Er lud wöchentlich Menschen aus allen Teilen der Welt ein, um mit ihnen zu essen. Darunter auch Nichtkatholiken. Ich war selbstverständlich nie bei so einem Privat-Essen mit dem Papst dabei, aber nach allen was man hört, soll Woytila dabei offen und sehr interessiert an den anderen gewesen sein; man kam so ins Plaudern, daß man vergas, es mit dem Oberhaupt der Katholischen Kirche zu tun zu haben. Er war nahbar und witzig.

Ratzinger ist all das nicht. Ihn interessieren andere Menschen überhaupt gar nicht. Nicht-Katholiken verachtet er geradezu – Extra Ecclesiam Nulla Salus! Seine kostbare Zeit mit irgendwelche unwichtigen Laien zu verbringen, kam ihm ohnehin nie in den Sinn. Er pflegte seinen Status, seine Prachtgewänder, den Goldschmuck, Hermelin und roten Samt. Kurzum, Ratzinger war, genau wie sein Bruder Georg, einfach ein unangenehmer Charakter.

Natürlich fällt bei so einem die allgemeine Trauer recht schwach aus.

Zwar ist Ratzi der erste Papst, dessen Trauergottesdienst von einem Papst abgehalten wird, aber beliebt war er nicht.

Faeser, Söder, Tschentscher, Scholz, Bas und Steinmeier erschienen heute zur Beisetzung in Rom, aber das war der ehemaligen Staatsbürgerschaft Benedikts geschuldet.

[….] Das Grau lag jedenfalls kalt über dem nur knapp vollen Petersplatz und hüllte die Kuppel der Basilika ein. Es wurde nie warm bei diesem Abschied, so historisch er auch war, so symbolisch beladen.  Ein amtierender Papst trägt einen emeritierten Papst zu Grabe, das hat es schließlich noch nie gegeben, in mehr als zweitausend Jahren nicht. Franziskus sollte das aber recht unpersönlich und ohne Pathos tun, fast ein bisschen funktional, streng nach Liturgie. Das Persönlichste war dieser Satz in der Predigt, ganz zum Schluss: "Benedikt, du treuer Freund des Bräutigams, möge deine Freude vollkommen sein, wenn du seine Stimme endgültig und für immer hörst." Mit dem Bräutigam meinte er den Religionsstifter Jesus Christus. Mehr war da nicht. Franziskus nannte Benedikt während der Zeremonie immer den "emeritierten Papst", nicht einfach Papst, damit die Dinge auch im Moment des Todes klar sind.  [….] Generös gezählt waren etwa 50 000 Menschen gekommen, es waren viele Priester mit dem Messgewand auf den Armen dabei und Nonnen, Personal der Kirche. Und Sicherheitsleute des italienischen Staats überall, Carabinieri in Paradeuniformen mit Degen, weißen Handschuhen, schwarzen Mäntelchen. Volk? Wenig. Die Römer hatten mit mehr als 100 000 gerechnet, einem vollen Petersplatz und einer vollen Via della Conciliazione. Nicht wie bei Johannes Paul II. 2005 natürlich, der war im Amt gestorben, nach langem Pontifikat - das war etwas anderes, damals kamen auch 200 Staats- und Regierungschefs aus aller Welt. Für Benedikt waren nur zwei Delegationen offiziell geladen, die deutsche und die italienische, die restlichen Staatsgäste waren privat angereist. [….]

(Oliver Meiler, SZ, 05.01.2023)

50.000 Trauergäste heute zu Ratzis Ehren versus 3,5 Millionen Pilger, die am 8. April 2005 auf dem Petersplatz erschienen.

Civey

Die kirchliche Lehre beider Toter war genau gleich abstoßend. Aber in den 17 vergangenen Jahren sind die Europäer anständiger und moralischer geworden. Sie sehen nicht mehr so großzügig über die Widerlichkeiten der Kurie, die Raffgier, den Sadismus, den sexuellen Missbrauch, die Homophobie, die Misogynie hinweg.

Wenn heute ein Priester in Westeuropa genau das predigt, wofür Ratzinger und Woytila standen, bekommt er keinen Applaus von 3,5 Millionen Pilgern, sondern einen wohlverdienten Shitstorm.

Das erlebte des saarländische Pfaff Joachim Wernersbach zu Heiligabend im sächsischen Wittichenau, dem schon legendär rechtsradikalen Kreis Bauzen.

[….] Die Region um Wittichenau gilt als besonders intolerant gegenüber Minderheiten. Der Bautzener Landrat Udo Witschas sorgte etwa erst kurz vor Weihnachten mit einer als rassistisch kritisierten Rede für bundeweite Aufregung. In einer Weihnachtsbotschaft warf er Geflüchteten pauschal eine "Gefährdung des sozialen Friedens" in seinem Landkreis vor. Das führte sogar zu Kritik innerhalb der CDU. Im Kreistag paktierte seine Partei in Ausländerfragen allerdings inzwischen offen mit der AfD. […]

(Queer.de, 03.01.2023)

Der 62-Jährige Wernersbach erzählte seinen Aushilfsschäfchen zum „Fest der Liebe“ genau das, was Ratzinger und sein größter Fanboy David Berger auch sagen:

[….] Es gibt so viele seltsame moderne Strömungen, man hört von Gender und Transgender, von Transhumanismus und reproduktiver Gesundheit, von Wokeness und LGBTIQ, von Diversität und Identität, von multiplen Geschlechtern und Geschlechtsumwandlungen. Dazu noch von diesem verheerenden neuen Offenbarungsverständnis des Synodalen Weges.  Schon die Begriffe, meine Lieben, sind absolut befremdlich. Sie haben alle eines gemeinsam: Es fehlt ihnen an Schönheit, es fehlt ihnen an Stimmigkeit und es fehlt ihnen an Natürlichkeit. Es fehlt einfach der Wohlklang. Sie sind sperrig und bringen unsere Seele, unser Innerstes einfach nicht zum Schwingen. Sie sind nicht im Einklang, nicht in Harmonie mit der unvorstellbar schönen göttlichen Ordnung. Eine große Dissonanz ist über unser Land hereingebrochen. Doch es gibt Hilfe: Um diese Dissonanz aufzulösen, genau dafür ist Christus in die Welt gekommen.  [….]

(Pater Wernersbach, 24.12.2022)

Aber selbst in Sachsen drehen sich die Uhren weiter. Statt sofort zu Forken und Mistgabeln zu greifen, um Schwule und Transen zu jagen, waren einige der Zuhörer gar nicht begeistert. 500 Menschen unterschrieben eine Petition gegen den Gottesmann.

[….] Theresia Kliemank hat die Predigt – ausgerechnet am Fest der Familie – verärgert zurückgelassen: "Ich fand die Worte des Pateres diskutabel und hätte mir gewünscht, dass so kontroverse Äußerungen in einer Runde geäußert werden, wo es Platz für Diskussionen gibt – statt sie an einer Messe in der Christnacht zu äußern", so Kliemank, die daraufhin mit der Wittichenauerin Antonia Lippitsch eine Online-Petition verfasste, um ihrem Ärger Luft zu machen.  [….]

(T-Online.de, 03.01.2023)

Der Homohass-Pfaff selbst sagt nichts. Der zuständige Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt sagt nichts. Wie sollte er auch? Schließlich kommen Antisemitismus, Homophobie und Misogynie direkt aus der Bibel. Auch Papst Franziskus hält Frauen für zu minderwertig, um Priester zu werden. Auch Papst Franziskus verbietet kategorisch die Segnung queerer Menschen.

Aber Wernersbachs Heimatkloster St. Mauritius im saarländischen Tholey knickt bereits ein.

[….] Die Benediktinerabtei stellte klar, dass die Botschaft Gottes für alle – auch für queere Menschen – gelte: "Die von unserem Mitbruder getroffenen Wertungen und fehlendes pastorales Einfühlungsvermögen widersprechen nicht nur der gesellschaftlichen Realität, sondern diskriminieren in vielfacher Hinsicht große Teile der Gesellschaft, etwa im Bild der Frauen, im Verständnis von Familie und auch gegenüber den queeren Mitmenschen sowie der LGBT-Gemeinde." [….]

(Queer.de, 05.01.2023)

Mittwoch, 4. Januar 2023

  Freizeitfeministin Baerbock  

Annalena Baerbock hat durchaus ihre Momente, wenn sie beispielsweise den alten Macho Friedrich Merz bei einer seiner eklatanten Wissenslücken zurechtweist.

(….) Aus seiner Sicht ist es unerhört, daß sie so viel beliebter als er selbst ist. Wie kann das eigentlich angehen? Sie ist fast 30 Jahre jünger und hat noch nicht mal einen Penis. Einen Erzkonservativen wie Merz, der seine besten Tage im letzten Jahrtausend hatte, triggert das enorm und so wollte er das Mädchen gleich mal mal als großer Pascha einnorden.

[…] Friedrich Merz forderte als Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Fraktion und Oppositionsführer, dass das von Bundeskanzler Olaf Scholz angekündigte Sondervermögen von 100 Milliarden Euro ausschließlich für die Bundeswehr verwendet würde und nicht für eine "feministische Außenpolitik".  [….]

(STERN, 24.03.2022)

Man sieht es regelrecht vor sich, wie im staubigen Merz-Gehirn die Begriffe einsortiert werden. Feminismus, Frau, Grün kommt in die Ablage „Schlecht, mag ich nicht!“.  In die Schublade „Gut, mag ich!“ konnotiert er hingegen Bundeswehr, Soldaten, Mann, Rüstung ein.

Und so sollte es auch maximal herabwürdigend wirken, wenn Merz Baerbock erst gar nicht persönlich anspricht, sondern direkt zu ihrem (männlichen) Boss geht. Der möge bitte dafür sorgen, daß Annalenas Kindereien ignoriert werden, wenn es um echte Kerl-Politik gehe.

[….] Baerbock will das so nicht stehen lassen. Sie sagt Bundeswehr und eine feministische Außenpolitik - da gibt es gar keine Gegensätze: "Mir bricht es das Herz und wissen Sie warum? Weil ich vor einer Woche bei den Müttern von Srebrenica war und die mir beschrieben haben, wie die Spuren dieses Krieges in ihnen drin sind. Und diese Mütter haben gesagt, Frau Baerbock, damals wurde nicht gehandelt, Anfang der 90er-Jahre, als sie, als ihre Töchter, als ihre Freundinnen vergewaltigt worden sind, Vergewaltigung als Kriegswaffe nicht anerkannt war, nicht vom internationalen Strafgerichtshof verfolgt wurde. Und deshalb gehört zu einer Sicherheitspolitik des 21. Jahrhunderts auch eine feministische Sichtweise. Das ist kein Gedöns, sondern das ist auf der Höhe dieser Zeit."

Zum Hintergrund: Diese Frauen wurden 1995, also zurzeit der Balkankriege, von serbisch-bosnischen Truppen vergewaltigt. Und für dieses Statement wird Annalena Baerbock gerade im Netz gefeiert. Denn mit ihrer Meinung, dass es heutzutage eine feministische Außenpolitik braucht, steht sie nicht alleine da.  […..]

(NDR, 24.03.2022)

Vergewaltigung als Kriegswaffe? Fritze Merz, der 1997 gegen die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe stimmte, weil er offenbar glaubte, es wäre das natürliche Recht eines Mannes, seine Gattin nach Belieben zu vergewaltigen, versteht offensichtlich nicht wovon Baerbock spricht. Was soll denn schlecht daran sein, wenn bosnische Soldaten Frauen vergewaltigen? (….)

(Die Sauerländer Blitzbirne, 25.03.2022)

Die Merzsche Missachtung für alles, das nicht reich, weiß, hetero, christlich und männlich ist, überrascht niemanden mehr. Der Mann ist nicht nur erzkonservativ, sondern auch borniert-phlegmatisch. Er informiert sich nicht, weiß nichts.

Daß er laut Umfragen der Lieblingsbundeskanzler der Deutschen wäre und seine CDUCSU weit vor allen anderen Parteien liegt, wirft wahrlich kein gutes Licht auf den Urnenpöbel.

Nun sind deutliche Gegenreden im Bundestag das Eine.  Als Merz-Gegner und ausgesprochener Befürworter feministischer Außenpolitik, sähe ich es gern, wenn Baerbock auch danach handelte. Die Außenministerin belässt es in der praktischen Politik allerdings bei kostenloser Symbolik. Sie trifft sich mit oppositionellen Frauen, wenn es nicht wehtut. Sie gibt weiche Erklärungen für die Iranerinnen ab, die sich gegen ihr autoritäres Mullah-Regime wenden. Selbst konservative Journalistinnen mahnen an, sie solle mehr feministische Außenpolitik wagen.

[….] Außenministerin Baerbock will feministische Außenpolitik machen – gegenüber Iran aber vermeidet sie eindeutige Botschaften. Das ist ein Fehler. Über Außenministerin Baerbock wurde viel gespottet, weil sie sich für eine feministische Außenpolitik einsetzen will. Menschenrechte meinten immer auch Frauenrechte, sagen die Kritiker. In der Theorie mag das stimmen, in der praktischen Politik ist es durchaus berechtigt, dem Umgang mit Frauen besondere Bedeutung beizumessen. Aber dann muss eine Außenministerin auch danach handeln.  Im Falle Irans, wo eine Frau in Polizeigewahrsam starb, kam von der feministischen Außenministerin mehrere Tage lang nichts. Dann sagte sie, dass die iranischen Frauen „gehört“ werden müssten. Die Bundesregierung verlangte vom Regime eine Untersuchung des Todes. Das ist ziemlich naiv. Geht es Berlin darum, Teheran nicht zu verärgern, um eine etwaige Annäherung beim Atomabkommen nicht zu gefährden? Jetzt bereiten Deutschland und weitere EU-Staaten offenbar Sanktionen vor. Das ist das richtige Signal. Aber Baerbocks Botschaft ist leider nicht eindeutig. Im Bundestag sagte sie kürzlich, wenn die Polizei eine Frau zu Tode prügele, weil sie aus Sicht der Sittenwärter ihr Kopftuch nicht richtig trage, dann habe das nichts mit Religion oder Kultur zu tun.

Hier macht es sich Baerbock zu leicht.  [….]

(FAZ, 03.10.2022)

Schon klar, wenn man dringend Erdgas braucht, weil man nicht mehr bei Wladimir Putin einkaufen möchte, braucht man die ultrakonservativen radikal-misogynen Golf-Emirate. Hier gilt es, den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben. Wer da konsequent auf Menschenrechte besteht, keine Schwulen gesteinigt und keine Frauen entrechtet sehen will, bekommt keine fossilen Schätze.

Aber das befürchtet Baerbock eigentlich aus Teheran? Eine Pistazien-Krise in deutschen Nusskuchen?

[….] Weltweit setzt sich die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock für eine feministische Außenpolitik ein. Doch ausgerechnet bei den Frauenprotesten im Iran kommt Kritik: Berlin habe zu leise und zu langsam reagiert. [….] Marie-Agnes Strack-Zimmermann[….] gestand ein, die Bundesregierung habe möglicherweise etwas spät reagiert, aber man könne ausgerechnet der deutschen Außenministerin, die sich für Frauen weltweit einsetze, kaum den Vorwurf machen, dass sie zu wenig tue. "Wir sollten uns nicht aufhalten, sondern nach vorne schauen und klarmachen, dass wir das Regime im Iran in seine Grenzen verweisen", sagt Strack-Zimmermann. 

Doch Exil-Iraner und -Iranerinnen sehen es kritisch, wie die deutsche Regierung auf den Tod der 22jährigen Jina Mahsa Amini reagiert hat. Hohe Erwartungen haben sie vor allem an Annalena Baerbock von den Grünen. "Sie haben von feministischer Außenpolitik geredet, aber wo ist der Beweis dafür, dass sie es ernst meinen?", fragt Parisa Khayamdar, eine 35jährige Exil-Iranerin. Seit Tagen harrt sie mit einem Dutzend weiterer Protestierenden vor der Grünen-Parteizentrale in Berlin aus, also vor der Partei von Annalena Baerbock.    Sie halte die Außenministerin für eine "starke, hartnäckige Frau, eine Kämpferin", sagt die iranische Aktivistin. Sie sei beeindruckt und fasziniert gewesen, aber nun sei sie doch enttäuscht. Sie fordert, dass Baerbock die feministische Außenpolitik, über die sie "schöne Reden hält", jetzt auch umsetzt.  [….]

(Deutsche Welle, 14.10.2022)

Schöne Reden halten und weiter keinen Wirbel veranstalten; bloß keine Veränderungen; sind ein erfolgreiches Konzept für hohe Beliebtheitswerte.

Richtige Politik ist das noch lange nicht.

Das größte moralische Versagen der Annalena Baerbock findet dabei fast vollständig ohne Medienaufmerksamkeit statt.

Die Rede ist von Afghanistan, wo seit der zweiten Machtübernahme der Taliban Frauen und Mädchen wieder komplett entrechtet wurden. Sie dürfen nicht mehr in die Schulen, in Universitäten, nicht mehr arbeiten, nicht allein auf die Straße, müssen sich vollständig verschleiern. Wer sich für ihre Belange einsetzt – und das gilt auch für afghanische Männer – wird ermordet. Oder verschwindet einfach.

In dieser Angelegenheit befindet sich Deutschland nach 20 Jahren Militärpräsenz in ausgesprochener Bringschuld gegenüber den Afghaninnen und Afghanen, die nun, a posteriori, mit dem Leben bezahlen, wenn sie den Deutschen glaubten und ihnen halfen. Von Baerbock kommt ein Tweet. Das war’s.

[….] Das Verbot von Universitätsbesuchen für Frauen kommentiert Baerbock bei Twitter so: "Indem sie die Zukunft von Mädchen und Frauen in Afghanistan zerstören, haben die Taliban beschlossen, die Zukunft ihres eigenen Landes zu zerstören". Sie werde das Thema beim G-7-Treffen auf die Tagesordnung setzen. Den Taliban werde es nicht gelingen, Frauen unsichtbar zu machen - "die Welt wird hinschauen". Das ist nicht unbedingt die Antwort, die man im 21. Jahrhundert erwartet, in dem das Proaktivsein und Lästigfallen das wirksamste Mittel zur Veränderung geworden ist. Es klingt auch nicht gerade nach einer überzeugten feministischen Außenpolitik.  [….]

(Antonia Rados, 24.12.2022)

Deutschland hält sich nicht an seine Versprechen und insbesondere Baerbocks Außenamt lässt diese Frauen eiskalt im Stich.

Antonia Rados, die großartige Kriegsreporterin, die Afghanistan wie ihre Westentasche kennt, schämt sich für Baerbock.  Schließlich sind die Deutschen in diesem Fall nicht nur ferne Beobachter der Situation, sondern auch Mit-Verursacher der Probleme.

Umgebracht werden oder Flucht – das sind die beiden Wahlmöglichkeiten für afghanische Frauen, die von Deutschen Truppen ermutigt zu Aktivistinnen wurden. Ausreisen kann man aber nur mit einem Visum, das es in Afghanistan nicht gibt, weil alle westlichen Botschaften geschlossen sind. Baerbock gibt keinerlei Hilfestellung.

[….] Einige gejagte Frauen sind samt Familien nach Pakistan gezogen, dorthin, wo es eine deutsche Botschaft gibt. Sie warten in billigen Gästehäusern auf einen Termin. Ich habe es nicht übers Herz gebracht, ihnen zu sagen, was mir ein deutscher Beamter im Außenamt mitteilte: Jede muss den Dienstweg einhalten. Jede muss um einen Termin bei einer privaten Servicefirma in Pakistan ersuchen, dort Dokumente vorlegen, beweisen, wie bedroht sie sei. Danach würde die deutsche Botschaft die Akte bearbeiten. Erfahrungsgemäß würde das ein Jahr dauern. Worte eines deutschen Beamten.

Seither ermutige ich die Frauen nicht mehr, nach Pakistan zu reisen, obwohl sich Außenministerin Baerbock rühmte, sie hätte mit ihrem "Aktionsplan Afghanistan" bei den Taliban dafür gesorgt, dass Afghanen ausreisen dürften. Das war übrigens nie verboten. Die Taliban sind vielmehr froh, Leute, die gegen sie sind, Frauen eingeschlossen, loszuwerden. Frau Baerbocks Beamte müssten das wissen. Umso mehr, als Afghanistan kein weißer Fleck auf der Landkarte der Deutschen ist. Zwei Jahrzehnte lang stand es im Fokus der deutschen Außenpolitik. Nicht zu vergessen, der Kampf um mehr Frauenrechte gehörte dazu. [….]

Ich bin nicht die Einzige, die sich fragt: Wozu haben wir eine Frau als Außenministerin, wenn sie diesem zynischen Rat nicht eine andere Antwort entgegensetzt? Eine Antwort aus unserer Gegenwart, die sich als Zeit der Menschenrechte versteht, als Zeit der Front aller Demokraten gegen Terrorregime, egal wo?

Worauf wartet sie noch? Soll das so gehen, bis die Taliban alle aktiven Frauen in Afghanistan hinter Gitter sperren oder vertreiben? Warum spricht sie nicht ein ernstes Wort mit den Katarern, die keine der Praktiken der Taliban ernsthaft verurteilen? Warum verteilt sie nicht unbürokratisch Visa, damit bedrohte Frauen zumindest vorübergehend in Sicherheit gebracht werden? Warum gibt es keine groß promoteten Fotos von Baerbock mit afghanischen Frauen, wo wir doch wissen, ein Bild sagt mehr als tausend Worte? [….]

(Antonia Rados, 24.12.2022)

Dienstag, 3. Januar 2023

Gesundheitsgeschäft  

Seit ihm die Hamburger CDU im Jahr 2004; insbesondere wegen seines zum CDU-Finanzsenator aufgestiegenen Spezies Wolfgang Peiner; gegen den ausdrücklichen Willen der Hamburger; die meisten Hamburger Krankenhäuser geschenkt hatte, plagt sich Bernd Broermann mit einem riesigen Problem: Er zieht derartig viel Geld aus dem Solidarsystem in seine Privattasche ab, daß er gar nicht mehr weiß wohin mit dem Vermögen. In seiner Not kauft er seit einigen Jahren die größten und teuersten Luxushotels auf, die zu haben sind.

(…..) Bernd Broermanns Vermögen wuchs in den letzten 12 Monaten von 2,95 Milliarden auf 3,10 Milliarden Euro (BILANZ Magazin September 2016).

150 Millionen Euro Zuwachs in einem Jahr beutet, daß der Mann alle zwei bis drei Tage eine Million Euro mehr hat, die er aus seinen Patienten herauspresst. (…..)
(Staatsverachtung, 26.11.2016)

Mit diesem Superdeal schwoll Bernd Broermanns Privatvermögen binnen weniger Jahre von nichts auf mittlerweile fast drei Milliarden Euro.  Die von seinen Mitarbeitern erwirtschafteten und den Patienten bezahlten Milliarden fließen nämlich nach der Wahnsinnstat des CDU-Bürgermeisters und des CDU-Finanzsenators nicht mehr in die Krankenhäuser, sondern in die Taschen des Peiner-Freundes Broermann.

Auch das noble Kempinski Hotel Falkenstein und das Villa Rothschild Kempinski – beide in Broemanns Wohnort Königstein im Taunus – gehörten dem Asklepios-Besitzer, während das 5-Sterne-Hotel „St. Wolfgang“ im bayerischen Bad Griesbach sogar direkt in den Asklepios-Konzern eingegliedert ist. Da wissen die Mitarbeiter von Asklepios wenigstens, wofür sie die unzähligen Überstunden leisten und wofür sie sich physisch wie psychisch kaputtmachen lassen. Anstatt die Gewinne dazu zu nutzen, die Qualität der Krankenhäuser zu steigern, indem er dafür sorgt, dass zumindest im Ansatz genügend Personal vorhanden ist, kauft Bernard gr. Broermann sich lieber ein Luxushotel nach dem anderen. Das ist nicht nur eine schallende Ohrfeige für die Mitarbeiter, denen alles abverlangt wird, um die Kosten zu drücken, sondern auch für die Patienten der Asklepios-Krankenhäuser. […] Die gesellschaftliche Bilanz von Broermanns unternehmerischen Tätigkeiten fällt indessen verheerend aus: Die Mitarbeiter der übernommenen Kliniken sind die Verlierer, die nicht nur schlechter bezahlt werden, sondern auch unter dem Stress und der Überbelastung physisch wie psychisch leiden. Die Patienten sind ebenfalls die Verlierer, da sie von Pflegekräften und Ärzten, die chronisch überarbeitet sind, nicht bestmöglich versorgt werden können. Die Kommunen sind ebenfalls die Verlierer, da sie sich ihr Tafelsilber unter Wert haben abnehmen lassen. Die einzigen Gewinner dieses Spiels sind Bernd große Broermann, der mittlerweile Milliardär ist und sich zwei Luxushotels im noblen Taunus angeschafft hat, und seine Geldgeber.

(Jens Berger 12.12.2014)

[….] Asklepios-Eigentümer kauft Hotel Atlantic

Der Klinikkonzern Asklepios und sein Eigentümer Bernhard große Broermann kaufen eines der bekanntesten Hotels in Deutschland. Das Luxushotel Atlantic Kempinski in Hamburg soll mit weiteren Hotels zu einer Gruppe verschmelzen. […..]

(mm, 09.12.2014)

Die Personalnot bei Asklepios ist größer denn je, da der Broermann-Konzern mit allerlei perfiden Tricks die ohnehin mickrigen Mitarbeiter-Gehälter weiter drückt. Wer es wagt, sich zu beklagen, wird sofort mundtot gemacht.

[….]  Asklepios-Servicekräfte streiken. Beschäftigte in Hamburg wehren sich gegen ungleiche Bezahlung. Seit der Ausgliederung vor vier Jahren keine Lohnerhöhung und Schlechterstellung von Neueingestellten.  Mit drei Warnstreiktagen haben sich die Beschäftigten der Asklepios-Tochter Facility Services Hamburg GmbH im November für eine bessere Bezahlung eingesetzt. Seit der Ausgliederung vor vier Jahren haben die Altbeschäftigten keine Lohnerhöhung mehr erhalten. Die Bezahlung der seither Neueingestellten – etwa 70 Prozent der Belegschaft – liegt mit 10,23 bis 10,84 Euro pro Stunde noch unter dem Mindestlohn von zwölf Euro, der in Hamburg in städtischen Betrieben gezahlt werden muss. Sie verdienen auch deutlich weniger als die Servicebeschäftigten im nahegelegenen Uniklinikum Eppendorf, die mindestens 12,24 Euro pro Stunde verdienen. »Gerade vor dem Hintergrund der Pandemie ist die Ignoranz des Arbeitgebers, die die Beschäftigten zu weiteren Streiks zwingt, skandalös«, kritisierte ver.di-Verhandlungsführerin Hilke Stein.  […]

(verdi, 2022)

Woran könnte es bloß liegen, daß der Asklepios-Konzern Probleme hat, genügend Personal zu finden?

[….] Hamburgs Rettungsdienst vor dem Kollaps

Die Lage in den Hamburger Kliniken ist dramatisch: Besonders Kinderstationen und Notaufnahmen sind überfüllt, das Personal am Limit. Und es wird noch bedrohlicher: Viele Pflegekräfte sind am Ende ihrer Kräfte und kündigen. Die Lage wird sich dabei wohl noch verschärfen: Schon jetzt werden Kinder teils Hunderte Kilometer weit weg in andere Krankenhäuser gebracht, der Rettungsdienst ist völlig überlastet, ganze Stadtteile sind zeitweise nicht versorgt – und dann wandern auch noch immer mehr Feuerwehrleute ab. Man fühle sich „gedemütigt und missbraucht“, schimpft ein Insider.  Nach MOPO-Informationen sollen 16 Fachpfleger einer Klinik im Hamburger Westen zum Jahresende gekündigt haben. Auch andere Kliniken haben mit Abwanderungen zu kämpfen. Ein Sprecher der Asklepios Kliniken Hamburg bestätigt, dass im Krankenhaus Altona eine Gruppe Fachpflegekräfte gekündigt hat: „Man wird das aber kompensieren können“.  [….]

(Mopo, 13.12.2022)

Andererseits; mehr Personal ist auch nicht überall wünschenswert. Kinderstationen beispielsweise sind aus kapitalistischer Sicht großer Mist: Mit viel Personalaufwand verdient man vergleichsweise wenig.

[…..] Ende der Neunzigerjahre gab es noch 25 000 Betten auf Intensiv- wie Normalstationen in deutschen Kinderkliniken, jetzt sind es noch 18 000 – bei wieder leicht steigender Geburtenrate. Um den Profit zu steigern, wurde besonders am Personal gespart. Das heißt: mehr Arbeit für weniger Menschen. Und die Fallpauschalen, die gezahlt werden, also die Vergütung nach Krankheiten, bilden den Alltag in der Kindermedizin überhaupt nicht ab. Schließlich kann es schon mal eine halbe Stunde dauern und zwei Pflegekräfte und einen Arzt beanspruchen, bis einem wütenden Dreijährigen Blut abgenommen ist. Oder bis ein venöser Zugang bei einem tobenden Fünfjährigen gelegt ist oder Nervenwasser punktiert wird bei einer Dreijährigen. Bezahlt wird das nicht.  [….]

(Werner Bartens, SZ, 27.12.2022)

Wieso sollte sich Bernd Broermann also mit den lästigen kleinen Rackern abärgern, wenn man Geronten auf der Intensivstation und Apparatemedizin viel mehr Geld machen kann? Also lieber weg mit den lästigen Kinderkliniken.

[….] Personalmangel: Asklepios-Klinik Parchim schließt Kinderstation

Ein Jahr nach ihrer Wiedereröffnung muss die Kinderstation des Asklepios-Krankenhauses in Parchim Ende des Monats erneut schließen. Der Grund laut Asklepios: Man habe keine Nachfolge für die ausscheidende Chefärztin der Station gefunden. Diese allerdings widerspricht. [….] Die ehemalige Chefärztin hat jedoch eine andere Sicht auf die Entwicklungen. Sie habe gekündigt, weil die Klinik nicht ausreichend Pflegepersonal zur Verfügung gestellt habe. Dadurch musste die Station an Wochenenden bereits häufig geschlossen werden, eine durchgehende Versorgung konnte nicht gewährleistet werden und Patienten wurden nach Schwerin geschickt, sagte sie NDR 1 Radio MV. [….]

(NDR Nordmagazin, 23.09.2022)

Der Konzern drückt seinen Pflegern den Hals sogar noch mehr zu, indem er den ohnehin schon völlig überlasteten Pflegern nun auch noch die Krankentransporte innerhalb der riesigen Kliniken aufbürdet.

[….] Die Pflege-Profis bei Asklepios sind in Sorge: Ab Januar sollen die Patiententransporte von Station zu Station nicht mehr von Hilfskräften aus den Dienstleistungsgesellschaften ausgeführt werden, sondern von qualifizierten Pflegeassistenten oder Pflegehelfern. Examinierte Krankenpfleger befürchten, dass die Transporte angesichts des Personalnotstands am Ende auf sie zurückfallen – zu Lasten der Patienten. „Wir wissen nicht, wie das noch zu schaffen sein soll“, erklärt Claudia Nest, Pflegekraft mit mehrjähriger Erfahrung in Notaufnahmen.. „Wie sollen wir dann die Leute noch auf die Stationen transportieren? Oder zu speziellen Untersuchungen?“ [….]

(Mopo, 01.01.2023)

Wie kann auf seine irre und menschenfeindliche Idee, zu Lasten von Krankenschwestern und Patienten kommen?

Die Antwort ist wenig überraschend und beinhaltet mal wieder die Stichworte „Geldgier“ und „CDU-Politiker“.

Jens Spahns „Pflegepersonal-Stärkungsgesetz“ erlaubt es, pflegerische Leistungen in bestimmten Fällen aus der Fallpauschalen-Abrechnung zu nehmen und darüber hinaus von den Krankenkassen, bzw Privatzahlern finanziert zu werden. Aber nur Leistungen der Pfleger. Nicht die der Reinigungskräfte, der Küchenmannschaft oder eben der besonders schlecht von Subunternehmern bezahlten Patiententransporteure. Indem Asklepios all diese Aufgaben nun auch noch den Pflegern aufhalst, kann Broermann mehr abkassieren. Pfleger und Krankenschwestern zahlen die Zeche.

[….] Nina Geier, Pflegefachkraft im Springerpool: "Die Kolleg*innen vom Transport sollen dann in die Pflege. Das können sie aber nicht. Nicht alle sind in der Lage sich umschulen zu lassen, manche - besonders ältere - wollen es wohl auch nicht.."

Axel Hopfmann, Sprecher des Bündnisses: "Hintergrund ist die Herausnahme des Pflegebudgets aus den Fallpauschalen. Ab 2024 wird alles was qualifizierte Pflege am Bett ist (und nur das), unabhängig von ihnen finanziert. Daher schieben die Krankenhausleitungen alles in die Pflege, was nicht bei 'drei' auf den Bäumen ist. Die Pflegekräfte haben nichts davon außer höherer Belastung. Die Krankenhausträger hingegen eine sprudelnde Geldquelle. Die Lösung kann nur sein: Alle Personalkosten gleichermaßen raus aus den Fallpauschalen. Dann gibt es diesen Fehlanreiz nicht mehr.  [….]

(Pflegenotstand Hamburg, 28.12.2022)

Es ist und bleibt eine moralische Perversion, Kranke und kapitalistischen Maßstäben zu betrachten, sie als Geldquelle für Superreiche einzusetzen. Krankenhäuser dürfen nicht in erster Linie profitorientiert arbeiten und gehören allesamt verstaatlicht.

Leider muss man bei dem eklatanten Personalmangel in Deutschland auch auf die grenzenlose Gier der Superreichen und ihrer Epigonen in CDU, CSU und FDP verweisen. Sicher, es gibt zahllose kleine Gastro-Betriebe, Geschäfte und Dienstleister, deren magerer Umsatz nicht ermöglicht, die Gehälter drastisch zu erhöhen, um Jobs attraktiver zu machen.

Das gilt aber offenkundig nicht für die Superreichen, die in der Krise immer superreicher werden. Bei ihnen konzentriert sich das Vermögen schließlich genau deswegen: Sie mögen nichts abgeben, ziehen das Geld der Ärmeren an sich und werden dafür auch noch mit besonders mickrigen Steuersätzen belohnt. Megamilliardär Warren Buffett kam 2021 auf einen Einkommensteuersatz von 0,1%.

FDP-Bundesfinanzminister Lindner stellte Neujahr 2023 seine neue Idee vor: Steuersenkungen für Superreiche! Kann man sich nicht ausdenken.

So kommt es, daß unter der Herrschaft von Multimilliardären wie Broermann das Personal am meisten ausgebeutet wird. Aber der Urnenpöbel wählt Parteien, die sich für Milliardäre und gegen Vermögenssteuern einsetzen.

So kommt es, daß im reichen Bayern, ausgerechnet in der reichsten Gegend Bayerns, ebenfalls eklatante Not in den Kinderkliniken herrscht. Krankenschwestern in Starnberg sind verzweifelt, entwickeln psychische Schäden durch ihre Überarbeitung und dennoch müssen todkranke Kinder abgewiesen werden. Danke CSU, Danke Söder.

[…..] Doch wie lange wird das noch so gehen? Wie lange werden Kinderärzte und Pflegekräfte ihren herausragenden Job noch machen können?

Von der Anhöhe, auf der die Starnberger Klinik liegt, schaut man hinunter auf den reichsten Landkreis Deutschlands. Am See werden Grundstücke für viele Millionen Euro angeboten. Die Stadt ist voller Porsche Cayennes, Aston Martins und SUVs. Manche kosten mehr, als vier Kinderkrankenschwestern zusammen an Jahresgehalt bekommen. Und oben in der Klinik fehlt das Geld für Personal, manchmal auch für Gerät, wie das Überwachungssystem, mit dem die Monitore in den Krankenzimmern vom Stationszimmer aus eingesehen werden könnten und für das jetzt Spenden gesammelt werden.  Sind Kinder wirklich die Zukunft? Und wenn ja, wie viel sind sie diesem Land wert?  Thomas Lang, Chefarzt der Kinderklinik in Starnberg, muss gleich die Spendenaktion vorstellen. Aber erst will er noch erklären, wie dramatisch die Situation ist.

Er sitzt in seinem Büro, er weiß, dass die Pädiatrie schon lange das Stiefkind der Medizin ist. Der Personalmangel. „Deswegen können in Bayern 60 Prozent der Intensivbetten für Neugeborene derzeit nicht belegt werden“, sagt er. Das Problem sei seit Jahren bekannt, doch während der aktuellen RSV-Welle „fliegt uns das System um die Ohren“. Lang muss noch mal auf Station, vorbei an der Ambulanz. Wieder sitzen dort mehr als ein Dutzend Kinder. „Heute Abend werden es 25 oder 30 sein, und wieder werden wir einige wegschicken, die eigentlich in der Klinik bleiben sollten, und für andere müssen wir dringend Platz woanders suchen.“  [….]

(Werner Bartens, SZ, 27.12.2022)

  Kabale, Kurie, Kirche.  

Ich kann es ja nicht lassen. Heute habe ich schon wieder einige Dokumentationen über Ratzi gesehen, sowie diverse Nachrufe gelesen.

Mit Joseph Ratzinger beschäftige ich mich schon seit er in den frühen 1980ern als Panzerkardinal als die Inquisitionsbehörde in Rom leitete.

Mein Kurienfimmel hatte sich 1984 mit dem frisch erschienen „Im Namen Gottes? Der mysteriöse Tod des Papstes Johannes Paul I“ von David A. Yallop entzündet.

Ich war begeistert. Als atheistischer Teenager aus dem säkularen Norddeutschland, tat sich mir eine neue Welt auf in den geheimnisvollen Präfekturen der dubiosen Kurie. Damals las ich auch enthusiastisch JJR Tolkien, weil mich diese Phantasie-Universen seit Michael Endes „Die unendliche Geschichte“ (1979) faszinierten. Aber Yallop bot den besonderen Kick, daß es sich um Realität handelte. Kurienkardinäle, die in bunten Kleidern durch uralte Gemäuer, hochgeheime Archive, riesige Schatzkammern und geschichtsträchtige Säle wandelten, gab es wirklich.

Unglaublich, diese grotesken misogynen Gestalten, die keine Frauen duldeten und gegen Menschenrechte wetterten, wurden ernst genommen. Und als Krönung, war der Mächtigste von allen auch noch ein Deutscher mit hoher Stimme und bayerischem Akzent.

Wenn das nicht pures Comedy-Gold war!

Mein amerikanischer Familienzweig ist polnisch-stämmig und daher natürlich streng katholisch. Das wurde mir aber auch erst in den 1980er Jahren klar, da mein Vater, nachdem was ihm Priester ans Kind angetan hatten, radikal mit der Kirche brach und fürderhin als schwarzes Schafe der Familie Atheist war, dann eine Atheisten heiratete. Natürlich nicht kirchlich und seine Kinder wurden nicht getauft. Als Kind erschien mir das ganz normal; ich vermisste nichts, weil ich es gar nicht erst kennengelernt hatte. Nach der Yallop-Lektüre tauchte ich aber genauer in die Familiengeschichte ein und lernte, daß meine US-Onkel und Tanten mit ihren Familien nicht nur streng katholisch waren, sondern noch einmal zusätzlich national euphorisiert wurden, nachdem sensationell 1978, das erste mal in 2.000 Jahren, einer der ihren, ein Pole, Papst wurde. Ehrensache, daß sich die US-Polen nun noch enger an die RKK banden. Ich lernte weiterhin, daß der Zwillingsbruder meines Vater, nicht mit Hass oder Verachtung auf uns blickte, sondern voller Sorge. Er war wirklich ein guter Mensch, den man nur mögen konnte. Aber er war so verhaftet in sein religiöses Weltbild, daß ihn die Vorstellung von seinem Bruder und den Neffen in der Hölle, bis zu seinem Tod umtrieb. Er mochte uns schließlich und daher wünschte er sich, wir würden uns irgendwann doch taufen lassen.

Die Möglichkeit, im Unrecht zu sein, bestand für ich nicht, because „we do things right!“ Die Hamburger waren hingegen die Irrenden, die vom Glauben abgefallen waren und sich an ihren Kindern versündigten, indem sie ihnen Gott nicht nahe brachten.

Am 02.04.2005 telefonierte ich mit meiner US-Tante, die furchtbar unglücklich über den Tod ihres geliebten polnisches Papstes war. Wie sollte es nur weiter gehen?

Zu ihrer größten Verblüffung warf ich sofort mit den Namen einiger Papabili um mich. Wieso ich das denn wisse, you arn’t even religious, right?

Sie wußte noch nicht einmal wie ein Konklave funktioniert, geschweige denn, daß es selbstverständlich bei einem alten und im Sterben liegenden Papst, hinter den Kulissen heftige Machtkämpfe gab, um Stimmen zu sammeln. 2005 trat eine Rekordzahl von 115 wahlberechtigten Kardinälen unter 80 Jahren an. Die wichtigsten Strippenzieher neben Joseph Kardinal Ratzinger, die ich meiner Tante erklärte, waren der Camerlengo Eduardo Kardinal Martínez Somalo und der Subdekan des Kardinalskollegiums: Angelo Kardinal Sodano.

Es war schwerer, denn je einzuschätzen, was passieren würde, da die meisten Kardinäle aus dem letzten Konklave 1978 inzwischen über 80 und/oder tot waren. Zudem hatte Woytila so viele Nicht-Italiener, wie nie zuvor zu Purpurträgern erhoben. Umso wilder schossen die Spekulationen in den Himmel.

Ratzinger hatte ich ausgerechnet nicht auf dem Zettel, weil er als Glaubenspräfekt, Kardinaldekan und engster Vertrauter des Polen, der mit Abstand Mächtigste war und somit der natürliche Nachfolger. Aber die Regel lautete, daß der der als Papst-Favorit ins Konklave geht, als Kardinal wieder rauskommt.

Am 19.04.2005 rief meine Tante wieder an.

Ein Deutscher als Papst? Kennst Du den etwa?

Nach einem Vierteljahrhundert als Vatikanischer Glaubenswächter, war Ratzinger den US-Katholiken immer noch völlig unbekannt.

Da begriff ich, wie man glauben konnte: Indem man nicht zu viel weiß und sich insbesondere von den Interna seiner eigenen Religion fern hält.