Dienstag, 10. Mai 2016

Positive Vorurteile



Als kleiner Junge wollte ich natürlich schon gerne zu den richtig coolen Kindern gehören.
In Grundschulklassen gibt es immer diese allseits beliebten Gören, mit denen jeder befreundet sein will.

In meinem Fall gelang das „Dazugehören“ nur bedingt.
Zwar konnte ich mit dem großen Garten meiner Oma punkten, in dem auch ein Swimmingpool war, aber andererseits war ich auch immer mit diesen beiden richtig, richtig unbeliebten Jungs zusammen – der eine hatte einen nervigen Sprachfehler und der andere war extrem arm, hatte immer uralte Klamotten an, die nicht richtig passten.
Da steckte irgendwie in mir, daß ich mich immer hinter die Ausgegrenzten und Minderbemittelten stellte, die bei den richtig coolen Jungs nicht mitspielen durften.

Und nein, ich glaube nicht als Kind so gewesen zu sein, weil ich ein besserer Mensch als andere bin, sondern offensichtlich hat das etwas mit dem Elternhaus zu tun, in das ich reingeboren wurde.
Binationale Ehe, Vater Künstler mit dem entsprechenden Freundeskreis aus „Verrückten“.
Ich war von Anfang an gewöhnt, daß zu Hause Leute unterschiedlicher Hautfarben, Schwule und Typen, die sich in anderen Sprachen unterhielten, rumliefen. Kurz gesagt, rein zufällig waren meine Eltern nicht spießig.

Ziemlich unsinnig erscheinen mir diese Hochglanz-Werbekampagnen mit den kleinen bunten Kindern, die sich glücklich an den Händen halten zu dem Slogan „Niemand wird als Rassist geboren!“
Das gilt in der Tat für Neugeborene, aber der philanthropische Ansatz, alle Kinder sind gut, ist absurd.
Ich glaube, eher ist das Gegenteil der Fall.
Da bin ich bei William Golding und dem Herrn der Fliegen.
Schon Grundschulkinder sind ausgesprochen brutal, grenzen gnadenlos aus, urteilen radikal egoistisch. Beliebt ist, wer die besten Spielzeuge hat. Behinderte, Schwarze, Dicke, Pickelige usw werden niedergemacht.
Deswegen hasse ich auch immer noch Grönemeyers Superhit „Kinder an die Macht“. So ein Schwachsinn, der sich an die Political Correctness, man müsse Kinder lieben, anschleimt.
Kindern mangelt es an Abstraktionsvermögen. Ihnen muß erst noch beigebracht werden nicht mit Fingern auf andere zu zeigen und „Da ein Neger!“ zu brüllen.
Sie müssen noch lernen sich in andere Menschen hineinzuversetzen und ein Gefühl dafür entwickeln wie verletzend sie selbst sein können.
Vermutlich ein natürlicher Prozess. Kleinkinder schreien eben wie am Spieß, wenn ihnen etwas nicht gefällt, oder sie etwas brauchen. Im Treppenhaus trampeln so laut sie können und jede schlammige Pfütze muß auch besprungen werden.
Es dauert Jahre zu begreifen, daß lautes Schreien Oma auf die Nerven geht, daß Getrampel im Treppenhaus eine Zumutung für die Nachbarn ist und daß die schlammigen Klamotten nach dem Pfützensprung von Mutter/Vater auch wieder saubergemacht werden müssen.
Seinen eigenen Geräuschpegel zu drosseln lernen die allermeisten Kinder im Laufe ihres Erwachsenwerdens.
Daß man Rollstuhlfahrer, Obdachlose, Türken oder Schwule nicht auslacht und diskriminiert, lernen einige leider nie, weil sie nicht das entsprechende Umfeld haben.
Ich erinnere an den CDU-Politiker und ehemaligen Berliner Bürgermeisterkandidat Frank Steffel, der scheinbar erst 30 oder 40 werden mußte, um zu begreifen welche Wortwahl angemessen ist.

Frank Steffel, Jahrgang 1966, ist ein wandelndes Klischee.
Keiner verkörpert den Westberliner kleinbürgerlichen Spießer-Klüngel besser als der CDU-Vielfach-Funktionär, der schon mit 16 in die Partei Diepgens und Landowskys eintrat.

Von Papi erbte er eine Teppichverleger-Firma und fühlte sich allein dadurch seinen Mitbürgern überlegen.
Linke, Migranten, Künstler - kurzum die ganze Berliner alternative Szene hasste er schon immer wie die Pest und drückte dies auch in seiner eigenen Sprache aus:

Die Süddeutschen Zeitung vom 23. August 2001 berichtete als Erste darüber, er habe in seiner Zeit bei der Jungen Union Schwarze „Bimbos“ und Türken „Kanaken“ genannt.
Behinderte waren für ihn „Mongos“ und eine Lehrerin, die diese Ausdrücke bemängelte, bezeichnete Jung-Steffel als „Kommunistenschlampe“.

Die Kritik an seinen Manieren konnte er nicht verstehen und erklärte Michel Friedman:
„Einem Jugendlichen rutscht sowas schon mal raus!“

Im Intrigantengestrüpp der Berliner CDU hangelte er sich 2001 zum Bürgermeisterkandidat empor und forderte Klaus Wowereit heraus.

In was für einem Umfeld der nahezu gleichaltrige Steffel aufwuchs kann ich mir nur vorstellen.
Meins war offenbar genau das Gegenteil.
Ich fand immer alle Unangepassten gut.
Nicht ausstehen kann ich hingegen die Steffels meiner Alterskohorte.

Ausländer, Dunkelhäutige, Schwule und Lesben besonders zu mögen ist in dieser Gesellschaft partiell gerechtfertigt.
Denn jemand, der zufällig als Angehöriger einer Minderheit aufwächst, wird frühzeitig sensibilisiert.
Schwule sind also auch toleranter gegenüber anderen Minderheiten, weil sie ja selbst erlebt haben wie sich Diskriminierung anfühlt.

Soweit die Theorie.

Pauschalisieren kann man das nicht.
Offenbar gibt es gerade bei Minderheiten, die als „unbeliebt“ gelten einen psychologischen Impuls eine andere Menschengruppe noch weiter herabzusetzen, so daß man relativ gesehen etwas höher steht.
Laut Umfragen sind in Amerika Schwarze homophober als der Durchschnitt und Latinos verachten Atheisten mehr als gewöhnlich.

Man kann einer Minderheit angehören und trotzdem ein Arschloch sein.

Das sieht man an dem schwulen Theologen David Berger, der sich einst gegen seinen Verein auflehnte und nun in der rechtsradikalen Ecke steckt und gegen Linke und Muslime hetzt.
Ernst Röhm, Michael Kühnen.

Es gibt sogar eine politische Gruppe, die sich „Homosexuelle in der AfD“ nennt und dort Storch und Höcke bejubelt.

Mirko Welsch, der schwule AfD-Sprecher, balanciert auf Pegida-Kurs.

Aus dem US-Fernsehen kenne ich diese nach meinem Geschmack wunderschöne Amy M. Holmes, Jahrgang 1973.
Sie wurde in Lusaka, Zambia geboren, ging aber später in Seattle zur Schule und machte einen Bachelor of Arts.
Später kam sie als Moderatorin zu Glenn Becks TheBlaze TV, verdiente sich weitere Sporen bei FOX.
Inzwischen tritt sie bei Bill Maher und CNN auf und macht massiv Werbung für Donald Trump, den sie über alle Maßen bewundert.
Ja, auch wenn man a) schwarz und b) eine Frau ist, bewahrt einen das nicht davor ein Arschloch zu sein und sich einen Präsidenten Trump zu wünschen.


Montag, 9. Mai 2016

Grube selbst gegraben



Schon ein bißchen lahm, daß jeder Artikel über den türkischen Präsidenten mit den Dekorationsmetaphern „Sultan vom Bosporus“ und „Macho“ aufgehübscht wird.
Das ist so viel Wertung, daß man sich Analysen und konstruktive Gedanken sparen kann.
Wie kommt es, daß der Mann, der einst so offen für Reformen war, seine Familie wegen der Kopftücher nicht in der Öffentlichkeit zeigte, den Kurden die Hand zum Frieden reichte und sich klar und kräftig der EU annäherte, so wandeln konnte?
Erdogan 2016 scheint eher ein Fall für die Couch zu sein, wenn man ihn wie z.B. in der aktuellen VIEW-Titelgeschichte in seinem gewaltigen 1.100-Zimmer-Palast wie Ratzi oder Trump in Gold protzen sieht.

So lebt Erdogan - Sein Palast, seine Macho-Welt und sein dunkles Familiengeheimnis - so tickt der Boss vom Bosporus.

Was ist mit dem türkischen Staatschef los, daß er so sehr den Bezug zur Realität verliert. Er scheint ja nicht mehr zu merken, wie lächerlich er sich im Rest der Welt macht.
In der Mai-Ausgabe der Titanic fiel schon im Zusammenhang mit Staatsoberhauptbeleidigungen das Wort „Genitalbonsai.“
Mit etwas aufgeschnappter Küchenpsychologie aus der Fernsehzeitschrift kommen mir schon Begriffe wie „Überkompensation“ und „Minderwertigkeitskomplex“ in den Sinn.

Ähnlich wie in einem anderen berühmten psychotischen Fall aus Ingolstadt scheinen die psychopathischen Charaktereigenschaften kontinuierlich stärker zu werden.

In immer kleinerer Frequenz haut Merkels Asylpartner einen raus.

Nach Rücktritt von Davutoglu: Türkische Machtspiele
Nach dem erzwungenen Rücktritt des türkischen Premiers sucht Präsident Erdogan nach einem loyalen Nachfolger.

Scharfe Kritik an Verurteilung von "Cumhuriyet"-Journalisten.
Politiker und Journalistenverbände halten die langen Haftstrafen für Can Dündar und Erdem Gül für skandalös. Die Türkei trete die Pressefreiheit mit Füßen.

"Die EU sagt, ihr werdet eure Anti-Terrorgesetze für die Visa ändern. Entschuldigen sie bitte, aber wir gehen unseren Weg und ihr könnt euren gehen“, hatte Erdogan im türkischen Fernsehen verkündet.

Das Verhältnis zwischen Brüssel und Ankara dürfte nach dem Rückzug von Regierungschef Davutoglu erheblich schwieriger werden. Präsident Erdogan lässt kaum einen Tag verstreichen, ohne die EU mit massiver Kritik zu überziehen.

Recep Tayyip Erdoğan hat eine einstweilige Verfügung gegen Springer-Chef Mathias Döpfner beantragt. Das bestätigte der Anwalt des türkischen Präsidenten, Ralf Höcker.  Döpfner hatte Böhmermanns Schmähgedicht in einem offenen Brief gelobt.

Zum Glück bin ich zu klein und unwichtig, um Post von Erdogan zu bekommen.


Es gibt schon die ersten Journalisten, denen Merkel Leid tut, weil die arme Frau nun vom Wohlwollen Erdogans abhängig ist.

Das geht allerdings zu weit.
Diese Zwickmühle baute sich Merkel ganz allein auf.
In mühevoller Kleinarbeit begann sie schon vor ihrem Amtsantritt als Kanzlerin Erdogan maximal zu demütigen, um sich ein echtes Problem am Bosporus zu generieren.

Ähnlich verhält es sich mit dem Türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, der offenbar auch nicht die gleichen Vorstellung von Pressefreiheit wie in Westeuropa hat.
Aber ähnlich wie Putin war er einst viel proeuropäischer ausgerichtet und wurde maßgeblich durch Merkels harte Haltung in den Schmollwinkel geschoben.
Hätte sich nicht vornehmlich die Bundeskanzlerin so massiv gegen die Aufnahme der Türkei in die EU gewehrt – obwohl dies seit 40 Jahren versprochen wurde – wäre es in Ankara womöglich nie zu so extremen Positionen gekommen.
Aber man soll auch die Kirche im Dorf lassen. Was für ein Witz – ausgerechnet die moralische Ikone „BILD“ fragt heute besorgt, ob man mit „Sultan Erdogan“ Geschäfte machen dürfe.
Die Türkei ist eine säkulare Demokratie, die bezüglich der Menschenrechte 1000 mal fortschrittlicher ist, als China oder Saudi-Arabien, die unsere Haupthandelspartner sind.

Naja, OK, mit dem Terminus säkulare Demokratie wäre ich sieben Monate vorsichtiger.
Da läuft etwas exponentiell aus dem Ruder.

Das passiert eben, wenn eine Frau wie Merkel die Regierung leitet: keine Konzeptionen, keine Strategien für die Zukunft, stattdessen lavieren, mäandern, Macht erhalten.

Kann man über Merkels Methoden, mit der sie immer noch ganz oben auf der Beliebtheitsskala steht noch etwas Neues schreiben?
Grundsätzlich eher nicht.

Aber sehr, sehr schön wird Merkels stoisches und daher destruktive Nichtstun im aktuellen SPIEGEL-Kommentar von Christiane Hoffmann beschrieben.

Die Kanzlerin ist wieder die Alte. Machtpolitik statt Überzeugungen. Und sie schweigt.
Jetzt schweigt sie wieder. Das Visier ist wieder runtergeklappt, sie ist wieder die altbekannte Merkel, von der Joachim Gauck sagte, er könne sie nicht richtig erkennen. Die ihre Politik nicht erklärt und nicht begründet, als hätte sie es nicht nötig – wie der Allmächtige. Die sich von nichts leiten lässt als von machtpolitischer Notwendigkeit. Sie denkt wieder vom Ende her, und das heißt: Machterhalt. [………….]

Statt sich nun über Erdogan aufzuregen, sollten die Deutschen erst mal darüber nachdenken wie sie sich eine bessere Bundesregierung zusammenwählen.

Mit einem gewissen Amüsement gucke ich unterdessen auf die juristische Auseinandersetzung Erdogan-Döpfner.

Schwer vorstellbar, daß Merkel ihren monströsen Kardinalfehler im Fall Böhmermann wiederholt, indem sie sich a priori um Kopf und Kragen redet.

Aber die Causa Döpfner könnte sogar noch unangenehmer für sie werden.
Sofern Matthias Döpfner nicht nachgibt, könnte der türkische Präsident endgültig in seine neroeske Phase eintreten und der Kanzlerin den Flüchtlingspakt wutschnaubend vor die Füße werfen.
Damit hätte Merkel maximalen Ärger in der EU und auch in ihrer GroKo.
Womöglich holpert es sogar so heftig, daß ihre Wiederwahl im Herbst 2017 ausfallen muß.
Das aber gefiele ihrer besten Freundin Friede Springer überhaupt nicht, die als Springer-Besitzerin offensichtlich dem mächtigen Springer-Chef Döpfner geradezu hörig zu sein scheint.
Die beiden wohnen quasi zusammen; sie schenkte ihm sogar Springer-Anteile.
Das dürfte spannend werden auf welche Seite sich ihre Zeitungen werfen.

Sonntag, 8. Mai 2016

Jaja, der Papst…



Franziskus bekommt den renommierten Karlspreis der Stadt Aachen verliehen und tout Journaille liegt ihm zu Füßen.
Nicht nur die papaphilen Schreiber huldigen dem Homophoben mal wieder, sondern auch die politische Klasse verneigt sich.

Die beiden Spitzen der EU, Parlamentspräsident Martin Schulz und Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, wollen die Ansprache des Papstes bei der Karlspreis-Verleihung allen Regierungen der EU-Mitgliedstaaten zuleiten. Schulz sagte am Freitag in Rom, er hoffe, dass „die Regierungen der Länder, die der Auffassung sind, sie hätten mit der Flüchtlingsproblematik nichts zu tun, diese Rede aufmerksam lesen“.

Auch die fromme Angela M. greift gern etwas Glanz ab und findet sich zu ihrer xten Privataudienz beim Pontifex ein.

Kurz vor der Verleihung des Karlspreises an Papst Franziskus hat das Kirchenoberhaupt Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einer Privataudienz empfangen. Die protestantische CDU-Vorsitzende und der Argentinier trafen im Vatikan zusammen.
(dpa 06.05.2016)

Franzl mag die Deutsche fast so gern wie Crazy Horst Seehofer, den er ebenfalls schon mehrfach zu privaten Audienzen einlud.
Und der Papst beschenkte die CDU-Chefin sogar.

Die Kanzlerin freute sich auf jeden Fall über ein Geschenk des Papstes: Er gab ihr am Ende des Gesprächs einen Friedensengel. Dazu sagte Angela Merkel: "Den können wir gut gebrauchen in Europa."

Merkel nahm an der Zeremonie teil und lobte anschließend den Pontifex in höchsten Tönen.

Auch das konservative Hamburger Abendblatt von der Funke-Medien-Group verneigt sich vor dem Geronten im weißen Kleid.
Das wäre eine angemessene Standpauke, die Europa guttue.

[….] Was Papst Franziskus bei der Verleihung des Karlspreises den versammelten europäischen Honoratioren ins Stammbuch schrieb, liest sich wie eine Abrechnung mit der politischen Kaste des leidlich vereinten Europa. Die "Kühnheit" der Gründerväter der EU, die einst eine "Solidarität der Tat" in Europa verankerten, sei schnöden "Egoismen" gewichen; die "Idee Europa", so Franziskus, wurde abgelöst durch "gewundene Kompromisse"; "Zäune" versperrten zuvor offene Grenzen. "Was ist mit dir los, Europa?", rief der Pontifex den Schulzes und Junckers, den Merkels und Tusks zu.
Dass die im Vatikan versammelten Adressaten dieser päpstlichen Standpauke dann auch noch applaudierten, war wohl eine Mischung aus Formwahrung und Verlegenheit – und damit ein Abbild der Europäischen Union, wie sie sich aktuell präsentiert.
[….] Europa in Zeiten der Flüchtlingskrise – das ist ein Kontinent, der sich kleinlich um Quoten zankt, während Millionen Flüchtlinge heimatlos geworden sind. Das ist eine Union der Egoisten, die sich einzäunen, während auf dem Mittelmeer fast täglich Menschen ihr Leben verlieren. Das ist eine politische Gemeinschaft der großen Gipfel und kleinkarierten Beschlüsse. Von der von Franziskus angemahnten "Solidarität der Tat" ist nichts zu erkennen. Das vereinte Europa, das ist die traurige Lehre aus der Flüchtlingskrise, hat als Wertegemeinschaft abgedankt. Es hat diesen Anspruch verspielt – auf Lampedusa, auf Lesbos, in Idomeni. [….]

Was für eine Heuchelei auf allen Seiten!
Der Papst beschenkt die Waffenexportkönigin, die hilfesuchende Menschen den schlimmsten Folterregimen überlässt, Menschenrechte über Bord wirft, um Erdogan zu gefallen und Myriaden Frauen und Kinder in Idomeni zusammenpfercht, Tausende Kinder in Gefängnisse werfen läßt und mit der Bundesmarine gegen Heimatvertriebene vorgeht.

Franziskus ist über drei Jahre Papst.
Von seinen IOR-Milliarden will er sich aber genauso wenig trennen wie von den Kinderficker-beschützenden Kardinälen in seiner Kurie.

Würde er irgendetwas von seinen Flüchtlings-freundlichen und Kapitalismus-kritischen Worten ernst nehmen, müßte er einerseits selbst handeln bezüglich der gewaltigen Vermögenswerte der RKK und andererseits aufhören die politischen Führer, die das Flüchtlingselend geschehen lassen auch noch zu umschmeicheln.

Der Papst ist ein Heuchler, dessen Worte völlig wertlos sind.

Ich würde beginnen ihm zu glauben, wenn er damit begänne jene katholischen Politiker, die sich besonders vehement gegen Flüchtlinge aussprechen  - also zum Beispiel CSU-Minister und Ministerpräsidenten oder Beata Szydło – zu exkommunizieren.

Und einige seiner Topkleriker sollte Franzl ebenfalls feuern.

Die österreichische FPÖ beruft sich auf ein „wehrhaftes Christentum.“

László Kiss-Rigó, Bischof von Szeged-Csanád und der Ungar Péter Kardinal Erdő sind die Hauptverbündeten Victor Orbans. Die ungarische Kirche erzwingt gewissermaßen die antiziganistische und antisemitische Politik, forciert Homophobie und Aggressionen gegen Flüchtlinge.
Die radikal menschenfeindliche und antidemokratische Politik des Beata Szydło-Kabinetts wurde im Wesentlichen durch die Propaganda des kirchlichen Senders Radio Maryja ermöglicht.

Solange der Papst aber an diesen Katholiken festhält, sind seine Karlspreis-Sonntagsreden Makulatur.
Bergoglio ist bloß ein Schwätzer.

Samstag, 7. Mai 2016

Stolz empfinden.



Viele Mitglieder der „großen“ Parteien sind genau wie bei den Kirchen im Grunde genommen nur noch Karteileichen.
Man bleibt in dem Verein, weil man zu phlegmatisch ist auszutreten, weil man aus jahrzehntelanger Praxis Treue gelernt hat oder aber weil man, wie in meinem Fall seine Partei immer noch klar als das kleinste Übel identifiziert.

Schöner wäre es natürlich, wenn man gerne, mit voller Überzeugung, oder gar mit Stolz für seinen Verein einträte.

Weil mir persönlicher Stolz so wesensfremd ist, habe ich womöglich ein Bedürfnis die Leistungen eines Assoziierten wohlwollend anzuerkennen; wenn ein Freund etwas Besonderes geleistet hat zum Beispiel.
Seine eigenen Taten innerlich zu bejubeln, kommt mir hingegen falsch vor. Das ist Masturbation vor dem Spiegel.
Und schon gar nicht gelingt es mir stolz auf etwas zu sein, das rein zufällig existiert.

Vorhin grübelte ich wie eigentlich das Antonym zu „Patriotismus“ lautet.
Ich bin nämlich so gar kein Patriot und kann für patriotische oder gar nationale Gefühle (gegenüber Deutschland ODER Amerika) einfach kein Verständnis aufbringen.
Auch das Wort „Stolz“ liegt mir nicht. Insbesondere könnte ich keinen Stolz auf eine Nation empfinden, da ich Stolz immer mit einer eigenen Leistung verbinde.
Was aber ist weniger ein eigener Verdienst als der Zufall wo man geboren wurde?
Wie nennt man aber nun Menschen, die keine Patrioten sind?
Im Zweifelsfall googlen. Eine Internetsuche spuckt folgende Begriffe aus:

Vaterlandsverräter, Fahnenflucht, Verrat, Unzufriedenheit, Untreue, Falschheit, Wankelmut, Unbeständigkeit, Perfidie, Nestbeschmutzer, „Jemand der sich ganz schnell verpissen sollte. Er mag sein Land nämlich nicht“, Landesverräter, Idiot, Zecke,..

Nun bin ich noch unpatriotischer, nachdem ich sehe welche Konnotationen aktiviert  werden, wenn man Menschen nach dem Gegenteil von Patriotismus fragt.
Das Abstoßende am Patriotismus ist also nicht nur das penetrante Sich-mit-fremden-Federn-schmücken, sondern die mehr oder weniger latent damit einhergehende Abwertung anderer Nationen, bzw der Nicht-Patrioten im eigenen Land.
Es stimmt eben, daß die Grenzen vom Patriotismus zum Nationalismus fließend sind und Letzterer ist einer der destruktivsten Ismen, den die Menschheit hervorgebracht hat.

Immer wenn die Patriotismuskarte gespielt wird, folgt etwas Ekelhaftes. (…….)

Es kommt selten vor, aber als Parteimitglied kann man durchaus stolze Momente erleben.
Es war ein erhabenes Gefühl Willy Brandt in Warschau auf die Knie fallen zu sehen, ihn den Friedensnobelpreis empfangen zu sehen, oder Egon Bahr die fanatische Feindschaft zu den Ostblockstaaten aufbrechen zu lassen.
Groß war auch der Moment als 1993 die SPD-Finanzexpertin Heide Simonis zur ersten Ministerpräsidentin in Deutschland gewählt wurde. Bis dahin der klassische Männerjob, den nur Landesväter übernahmen.

Stolze Momente gab es für mich selbstverständlich auch in der Kanzlerschaft Gerhard Schröders. Daß er überhaupt nach 16 endlosen Jahren Helmut Kohl aus dem Amt jagte, daß er sich endlich der Zwangsarbeiterentschädigung annahm, die erste Form der Homoehe gegen den erbitterten Widerstand Merkels einführte und insbesondere seine klare Opposition zum Irakkrieg George W. Bushs.
Begeistert war ich zudem davon wie enge Bande er zu Paris und Moskau knüpfte und so eine mächtige Triangel mit zwei UN-Vetomächten gegen die Kriegstreiber GB/USA schuf.
Großartige Politik!

Ein weltgeschichtliches Highlight war natürlich auch der deutsche Vizekanzler der Jahre 2002/2003. Ja, auch da empfand ich wohl eine Art Stolz, Fischer dabei zu beobachten, wie er in der Weltpolitik bella figura machte.

Während die CDU-Chefin schleimspurziehend auf den Knien nach Washington rutschte und mit ihrem bellizistischen Beraterling Friedberg Pflüger erklärte, daß Deutschland unter ihrer Führung an GWBs Seite in den Irak zöge, verkündete der ebenfalls Irakkriegsbegeisterte Wolfgang Schäuble, daß selbst ein Schröder es nicht wagen könne Deutschland so total zu isolieren, um an Ende im UN-Sicherheitsrat allein mit Syrien gegen 13 andere Nationen zu stehen.
Was für eine Fehleinschätzung.
In den Monaten vor dem März 2003 verließ Joschka Fischer kaum noch den Regierungsairbus und klapperte alle anderen 14 Mitgliedsstaaten des UN Security Councils ab. Er versuchte alles, drohte, warnte, lockte.

Die christlichste aller christlichen Regierungen im Weißen Haus, weigerte sich mit der gewählten deutschen Regierung zu sprechen und empfing stattdessen Angela Merkel und Roland Koch als ihre wahren Freunde.

Schäuble und andere CDU-Außenpolitiker wie Pflüger haben sich bis heute nicht davon distanziert, daß sie das US-Junktim an Saddam – entweder du rückst die Massenvernichtungswaffen raus, oder es gibt Krieg – unterstützten!
Das war mal eine tolle Alternative für jemanden, der schlicht und ergreifend die Wahrheit sagte, daß er nämlich keine Massenvernichtungswaffen hatte!
(„Nun kann sich ein Mann wie Schäuble wohl nicht vorstellen, daß auch mal jemand die Wahrheit sagt“ – Volker Pispers)

Zur Wehrkundetagung in München Januar 2003 kursierte ein George W. Bush-Unterstützerbrief der zehn europäischen USA-Unterstützer, als Außenminister Fischer Donald Rumsfeld entgegen schleuderte „Excuse me Sir I am not convinced“.

Da bebte sie wieder, die in einen Hosenanzug gezwängte uckermärkische Empörung.

Merkel, Christian Schmidt und Pflüger, die ebenfalls im Auditorium anwesend waren, erhoben sich und schleimten Rumsfeld mit Tränen in den Augen an, daß Deutschland selbstverständlich die USA militärisch unterstützen würde, wenn die CDU die Wahl (2002) gewonnen hätte.
(Ich habe die Übertragung auf Phoenix damals live gesehen).

Fischers Erfolg war erstaunlich, denn er zog nicht nur die beiden Vetoländer Russland und Frankreich auf die deutsche Seite, sondern betrieb mit Dominique de Villepin und  Igor Iwanow sogar de facto den Hauptwiderstand gegen Washington.
Sie setzten Amerika mit Memoranden so stark unter Druck, daß Merkels und Schäubles Voraussagen gegenstandslos wurden und GWB schließlich eine geballte Mehrheit der Welt gegenüberstand.
Washington versuchte alles, ging sogar so weit, daß Amerika zu einer der größten Blamagen aller Zeiten hingerissen wurde.
Unter dem persönlichen Vorsitz Joschka Fischers, trat der US-Außenminister Powell am 05.02.2003 im Sicherheitsrat auf und bereitete seiner Nation eine kaum wieder gut zu machende Schmach, indem er log, daß sich die Balken bogen.

Nach sieben Jahren Sigmar Gabriel lechze ich quasi nach einem kleinen Anflug des Stolzes.
Aber die Chancen so etwas zu erleben stehen derzeit schlecht.

Es ist sogar noch schlimmer; immer wieder habe ich Grund mich für Nahles, Gabriel, Oppermann und Co zu schämen.

Oh Darwin, war das peinlich, wie Gabriel in der vorletzten Heute-Show vorgeführt wurde. Thema Subventionen für die steinreiche Automobilindustrie.
Es handelte sich dabei nur um einen Ausschnitt aus seiner PK, in dem er gefragt wurde, was er eigentlich einer Erzieherin, die 2000 Euro brutto verdiene, sage, mit deren Steuergeldern nun der Kauf von 60.000-Euro-Autos mitfinanziert würde.
Gabriel pampte, diese Erzieherin könne mit einem Mann verheiratet sein, der bei einem Autozulieferer wie Bosch arbeite.

Der Mann redet viel, muß viel reden, da kann man nicht alles auf die Goldwaage legen, aber inzwischen ist sein Image so ruiniert, daß sich niemand mehr über so einen Satz wundert.

Stolz auf meine Partei wäre ich vor allem, wenn sie in der Flüchtlingsdebatte klar Position gegen AfD und die C-Parteien bezöge.

Aber auch da habe ich nichts zu erwarten.

Es geht genau in die andere Richtung.

Seit 2008 hat Hamburg keine Afghanen abgeschoben: Eine „Senatorenregelung“ des damaligen Innensenators Christoph Ahlhaus (CDU) gewährte ihnen pauschalen Schutz. Jetzt hat Innensenator Andy Grote (SPD) diese Sonderregel aufgehoben. [….]

Die Bundesregierung, der immerhin ein Sozi-Vizekanzler und ein Sozi-Außenminister angehören, arbeitet zur Menschenabwehr mit Terror- und Folterregimen zusammen.

Und vollends zynisch wird die GroKo im Umgang mit dem zerstörten Talibanland Afghanistan, das auch unter Mithilfe der deutschen Bundeswehr ruiniert wurde.

So sieht sie aus, die deutsche Flüchtlingspolitik. Ist ja auch praktisch, Fluchtursachen müssen so nicht mehr bekämpft werden, sondern werden einfach wegdefiniert, und das selbst in Afghanistan. Ein Land, in dem der Bürgerkrieg schlimmer tobt als je zuvor. Aber was soll’s, Afghanistan sei sicher, sagt der Bundesinnenminister; na gut, vielleicht nicht überall; aber irgendwohin wird man die Flüchtlinge ja schon schicken können.

Da kann mal als SPD-Mitglied froh sein sich nicht zu übergeben.
Aber das Wort „Stolz“ kann aus dem Wortschatz gestrichen werden.