Freitag, 5. Mai 2023

Jesus: Reichtum ist ein Hindernis für das Gottesreich

Wer kennt das nicht; das Geld wird knapp und es ist noch so viel Monat übrig, daß man 40.000 Immobilien aus seinem Bestand verkaufen muss?

[….]  Die beiden großen Kirchen in Deutschland werden sich infolge der sinkenden Mitgliederzahlen in den kommenden Jahrzehnten von fast einem Drittel ihrer Immobilien trennen müssen. Das berichtet die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" und stützt sich dabei auf ein gemeinsames Positionspapier der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und des katholischen Verbands der Diözesen Deutschlands (VDD). Demnach werden die evangelischen Landeskirchen und die katholischen Bistümer in Deutschland bis zum Jahr 2060 etwa 40.000 ihrer Immobilien abgeben müssen. Das betrifft zwar vorrangig Pfarrhäuser und Gemeindezentren. Zunehmend werden dem Papier zufolge aber auch Kirchengebäude betroffen sein, denen dann der Abriss droht. […]

(Tagesschau, 02.05.2023)

Die arme, arme Kirche! Aber was will man machen? Im Jahr 2022 haben die beiden deutschen Kirchen ihren Mitgliedern nur lumpige 13 Milliarden Euro „Kirchensteuer“ abnattern können. Bis 2060 werden sich diese Einnahmen möglicherweise halbieren, heulen die Kirchen schon jetzt.

[….] Kirchensteuer und Kirchengeld machen gerade 43 Prozent der gesamten Einnahmen aus. Wenn man das richtig rechnet, dann geht es nicht um die Halbierung der Kirchensteuereinnahmen, sondern um einen Einnahmeausfall von rund 20 Prozent. Die Relativierung zeigt, dass die Kirchensteuer zwar die wichtigste Einnahmequelle ist, aber sie ist bei weitem nicht die einzige.  [….]

(Carsten Frerk, 08.09.2022)

Zum Glück bleiben die fettesten Einnahmequellen der Kirchen, wie beispielsweise die gewaltigen Dividenden aus den Milliardenvermögen der 27 katholischen bischöflichen Stühle oder die 600 Millionen Euro Staatsdotationen unangetastet. Der säkulare Staat bezahlt auch Kircheninstandsetzungen, Bischofsgehälter, Theologieausbildung – und als allergrößten Batzen – den Unterhalt der sozialen Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft. Schließlich ist der gewaltige Kinderf**kerverein, der seit Kriegsende Hunderttausende kleine Jungs von katholischen Geistlichen sexuell missbrauchen ließ, auch noch als GEMEINNÜTZIG anerkannt und spart dadurch über 20 Milliarden Steuern – zu Lasten der Allgemeinheit.

Aktuelle Zahlen sind allerdings schwer zu finden. Mit Sicherheit ist das Kirchliche Vermögen gewaltig.

[….] Rund 129 Milliarden Euro fließen jedes Jahr durch die Hände der Kirchen. Zum Vergleich: Der Inlandsumsatz der deutschen Automobilindustrie beträgt 127 Milliarden Euro. Die Kirche ist eine wirtschaftliche Macht in Deutschland. In jedem Politikfeld, in dem die Kirche eine Rolle spielt, funktioniert der Staat eins zu eins wie die Kirche es will. Das liegt auch daran, dass die Kirche wie kein anderer Lobbyverband derart mit Wahlempfehlungen drohen kann. Dieses Drohpotenzial macht den Staat zum devoten Deppen.  [….]

(Carsten Frerk, 2015)

Mit diesem dreistelligen Milliardenvermögen frönt die Kirche dem Papst-Ideal von „der armen Kirche“, ganz wie es ein gewisser Jesus Christus einst vorgegeben hatte.

[….] Nach dem babylonischen Exil verändert sich der Armutsbegriff: Armut ist auch Demut und Ergebenheit Gott gegenüber; die Armen sind die Frommen und Gottesfürchtigen, von Gott besonders geliebt und gefördert – können nur Arme wirklich fromm sein? Im Neuen Testament werden die Armen von Gott erhöht (vgl. das Magnificat Lk 1,46-55). Jesus preist die „Armen im Geist“ selig: Sie sind jene, die ganz auf Gott vertrauen (Mt 5,3; 6,25 ff.). In der Synagoge seiner Heimatstadt sieht Jesus die wichtigste Aufgabe seines Messias-Amtes mit Bezug auf Jesaja darin, dass er den Armen das Evangelium bringt, die Gefangenen befreit und die Zerschlagenen aufrichtet (Lk 4,18 f.). Jesus wird noch deutlicher: Reichtum ist ein Hindernis für das Gottesreich (Lk 14,28-33; 18,18-27); die zur Verkündigung ausgesandten Jünger sollen arm sein und von dem leben, was man ihnen schenkt (Lk 10,1-12); der reiche Prasser, der dem armen Lazarus von seinem Tisch nichts abgibt, wird verworfen werden (Lk 16,19-31). Der Apostel Paulus lebt selbst bescheiden und sammelt in reichen Gemeinden Geld für die Armen in Jerusalem. In einigen Gemeinden teilen die Christen ihre Besitztümer und leben Gütergemeinschaft (Apg 2,44 f.). – Das NT beklagt die als Not verstandene Armut und will sie überwinden auf die Gerechtigkeit und Fülle des Reiches Gottes hin. Es kritisiert den Reichtum, der auf Kosten der Armen genießt und vom Gottesreich wegführt. Es kennt die freiwillige, um des Gottesreiches willen übernommene Armut. [….]

(Stefan Kiechle SJ, Stimmen der Zeit 146/2021)

Es gibt sogar Episkopate, in denen katholische Geistliche einigermaßen nach diesen biblischen Vorgaben leben, aber das sind exotische Länder, von denen man noch nie vorher gehört hat. Frankreich zum Beispiel.

[….] Vergleichen Sie mal die Katholische Kirche in Frankreich mit Deutschland. Da hat es auf Arte einen Bericht mit mir gegeben über Deutschland und Frankreich. Ein normaler Priester bekommt 400 Euro im Monat und ein Bischof bekommt 900 Euro plus Dienstwohnung. Eine junge deutsche Journalistin hat den Erzbischof von Lyon interviewt und fragte ihn, ob er manchmal neidisch auf seine deutschen Mitbrüder sei, wenn er sehe, was die an Spenden bekommen und was schon das kleinste Bistum in Deutschland an Kirchensteuer einnimmt. Der hat sich ganz gerade aufgerichtet und gesagt: Ich denke, wir sind der Botschaft unseres Herrn näher als unsere deutschen Mitbrüder.  [….]

(Carsten Frerk, 08.09.2022)

400 Euro? Italienische, US-amerikanische oder gar deutsche Gottesmänner wissen gar nichts von der Existenz derart kleiner Zahlen.

Armut predigen ist das eine. Das ist gut für das Image und klingt sympathisch.
Tatsächlich arm sein, ist etwas ganz anderes, das italienische Prälaten, die wie Bergoglios Ex-Staatssekretär Bertone privat in einer 700-Quadtrameterwohnung im schönsten Vatikan-Palazzo auf Kirchenkosten wohnen, gar nicht mögen.

Daher ist ihnen auch die Italienische Kultursteuer otto per mille ein Dorn im Auge. Pauschal 0,8% von der Einkommensteuer werden den Italienern für kulturelle Zwecke abgezogen. Die Besonderheit daran: Der Steuerpflichtige kann individuell selbst bestimmen, welche speziellen Zwecke das sein sollen. Darunter ist eine Wahlmöglichkeit die katholische Kirche, der immer noch 80% der Italiener angehören. Das ist die gute Nachricht für den raffgierigen katholischen Klerus. Die Schlechte: 60% der Steuerpflichtigen tragen gar keinen Wunschträger ein und von den 40%, die es tun, stimmen nur 70% für Franziskus. Das macht also insgesamt 28% von 0,8% = 0,002% des italienischen Einkommensteueraufkommens. Der italienische Staat rundet auf, indem er von den 60% der Kultursteuerpflichtigen, die keinen  Verwendungszweck angeben, auch einen Teil an Vatikanbank umlenkt. Dennoch ist das Ergebnis ernüchternd für die prachtverliebten Prälaten. Gerade mal eine Milliarde Euro von den insgesamt 51 Millionen Italienern bleiben in den kirchlichen Netzen hängen.

The pope is not amused – denn die deutsche katholische Kirche greift von insgesamt 21 Millionen Katholiken fast sieben Milliarden Euro jährlich ab.

Das kann Bergoglio als Bischof von Rom nicht akzeptieren und will mehr Geld.

[…] In Italien wirbt die katholische Kirche mit einer teuren Kampagne um die Unterstützung der Steuerzahler - obwohl sie doch immer behauptet, dass ihre Akzeptanz ungebrochen sei. […] "Tue eine Tat der Liebe" - diese Botschaft hat sich die italienische Bischofskonferenz gerade eine Million Euro kosten lassen. Professionell aufbereitet von einer erfahrenen Werbeagentur und aktuell zu sehen in Presse, Funk und Fernsehen. Se fare un gesto d'amore: Die Initiative zielt auf die Einkommensteuer. Otto per mille, acht von tausend, hätte die italienische katholische Kirche gerne, das waren zuletzt rund eine Milliarde Euro im Jahr. Das Ganze ist bitte nicht zu verwechseln mit dem Haushalt des Vatikans, der sich unter anderem aus Zahlungen der nationalen Kirchen speist. […] 70 Prozent von 40 Prozent, damit kann die Bischofskonferenz in einem Land mit 80 Prozent Katholiken nicht zufrieden sein, weshalb sie so dringend bittet: "Tue eine Tat der Liebe." Und bitte eine, die der katholischen Kirche zugutekommen möge. [….]

(Marc Beise, 04.05.2023)

Donnerstag, 4. Mai 2023

Ordenswahn

Wenn Toppolitiker der westlichen Demokratien endgültig ausrangiert werden, wird es für sie Zeit, ihre Pfründe einzusammeln. Im Gegensatz zu der Ansicht der meisten Wähler, werden Regierungschef schlecht bezahlt. Manager der freien Wirtschaft lachen über die albernen Summen. Ex-Kanzler oder Ex-Premiers oder Ex-MPs können dafür nach der politischen Karriere die finanziellen Früchte  genießen. Vorträge, Buch-Deals, Lobby-Engagements oder Berater-Jobs machen a posteriori  reich.

Außer Geld werden aber auch Orden, Ehrungen, Titel und Preise eingesammelt, die für manchen als sehr wichtiger Penisersatz fungieren.

(….) Orden sind nicht nur grundsätzlich aus der Zeit gefallene Albernheiten, sondern werden auch inflationär verteilt. Neben den 1.500 – 2.000 Verdienstorden in acht Stufen und verschiedenen Ausführungen, die der Bundespräsident durch Deutschland klekst, vergeben auch Bundesländer, Städte und Gemeinden, sowie Vereine, Kirchen und Militär Orden. Vorzugsweise bedenken sich Politiker und Kleriker und Soldaten gegenseitig mit den bunten Broschen.

Wer einen beliebigen Ministerpräsidenten, Bundesminister oder Bischof googelt, wird bei Wikipedia immer einen ganze Liste von Orden finden. Es gibt so viele dieser emaillierten Blech-Plomben, daß längst niemand mehr registriert, wer gerade welche von wem verliehen bekommt. (…)

(Steinmeiers Anachronismus, 23.04.2023)

Während Merkel Tand, wie das "Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland in besonderer Ausführung", den zweithöchstmöglichen deutschen Orden, gern einsammelt, nutzt auch der Ordensverleiher den Glanz für aktuelle politische Zwecke aus. Frank-Walter Steinmeier wusch mit den Großkreuz-Firlefanz auch seine eigene verfehlte Russland-Politik rein.

In zwei Wochen gibt es schon das nächste Blech-Gedöns für die Exkanzlerische Brust: Ministerpräsident Hendrik Wüst verleiht Merkel feierlich den Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen.

Der Hintergedanke ist offensichtlich, wenn der CDU-Regierungschef der ehemaligen CDU-Regierungschefin den Preis dafür verleiht, Deutschland 16 Jahre lang aufs Abstellgleis geführt zu haben: Wüst will zukünftiger CDU-Regierungschef im Bund werden und muss dazu seinen Gegenspieler, den CDU-Chef Merz aus dem Weg räumen. Der aufbrausende Merz leidet nicht nur an schweren Bildungslücken, sondern kann sich insbesondere nicht selbst kontrollieren. Daher entfährt ihm immer wieder irgendein unausgegorener Unsinn, der ihn anschließend dumm dastehen lässt. Ein besonders wunder Punkt ist für ihn Angela Merkel, die er a) hasst wie die Pest und auf die er, noch schwerwiegender, b) rasend eifersüchtig ist.

Jeder vernünftige CDU-Bundesvorsitzender hätte der ewigen CDU-Vorsitzenden Merkel zur Verleihung des "Großkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland in besonderer Ausführung" gratuliert, wäre zur Verleihung erschienen, egal wie sehr er sie nicht ausstehen kann.

[….] Wer hörte, wie der stellvertretende CDU-Vorsitzende Carsten Linnemann, ohne der Geehrten mit einem Wort zu gratulieren, davon sprach, die Kanzlerin habe "große Verdienste", nur um im selben Atemzug zu betonen, sie habe "eklatante Fehler" gemacht - der musste sich über Friedrich Merz' gesammeltes Schweigen nicht weiter wundern. Die traurigsten Unterstellungen kamen allerdings von einem Mann, der als Vorsitzender der CDU-Kommission "Wertefundament und Grundlagen" gehalten ist, über die Grundwerte der Union nachzudenken: Wenn Steinmeier seiner "alten Chefin" einen Orden verleihe, so der Historiker Andreas Rödder, sei das nicht nur Selbstbeweihräucherung, sondern auch ein "Akt der verantwortungslosen Ignoranz".  [….]

(Norbert Frei, SZ, 27.04.2023)

Merz verhielt sich aber wie ein schmollendes Sandkastenkind und gönnt seiner Vorgängerin nicht das Schwarze unter den Fingernägeln.

Das ist charakterlich verkommen und politisch dämlich. Insbesondere eröffnet das aber eine Flanke für seinen Rivalen Wüst, der sofort die Chance ergriff, um zu demonstrieren, daß er das kann, was Merz nicht fertigbringt: Den Schulterschluss mit der breiten Merkel-Wählerbasis und ausreichend Selbstbeherrschung, um so eine Schauveranstaltung durchzuziehen. Außerdem zeigt er, daß er als Regierungschef ein Amt hat, in dem er hoinorige Preise vergeben kann, um Merz damit Salz in seine Wunden zu streuen. Der alternde Sauerländer hat gar nichts zu vergeben.

Merz, *1955, zeigt einmal mehr, wieso er in über 67 Jahre noch nie ein Regierungsamt innehatte und fast jede Wahl, zu der er antrat, verlor. Sogar in verzweifelten Situationen zweitklassigen Alternativen wie Kramp-Karrenbauer oder Laschet unterlag. Seine intellektuellen Mängel sind gar nicht das Problem, sondern seine persönliche Unausstehlichkeit. Selbst in der eigenen Partei mag man ihn nicht, weil er nicht netzwerkt und unfähig ist, Freundlichkeit oder Empathie wenigstens zu simulieren.

So muss der NRW-Mann Merz als Bundesvorsitzender hilflos zusehen, wie ihm sein eigener Landesverband abhandenkommt und sich an den 20 Jahre jüngeren Wüst ranwirft, weil der es vermag, die in der Bundespartei so extrem dominierenden NRW-Delegierten zu umgarnen.

Darin ist er seinem ehemaligen Chef Armin Laschet nicht unähnlich. Pannen-Armin war zwar ein sagenhaft schlechter Wahlkämpfer, dem ich ewig dankbar sein werde, Olaf Scholz zur Kanzlerschaft verholfen zu haben, aber er ist wenigstens so nett, daß man ihn in CDU-Kreisen mag. So konnte er sich nach der desaströsen Bundestagswahl Ende 2021 nur drei Monate später auf den Prestige-Posten des Vizepräsidenten der Parlamentarischen Versammlung des Europarates retten. Natürlich sammelt der Trottel-Politiker fleißig Orden und Auszeichnungen.

Im Februar 2020 erhielt er den Orden wider den tierischen Ernst. Er war der erste Aachener, der den Orden erhielt.

    Im März 2020 zeichnete die Union progressiver Juden in Deutschland (UpJ) ihn mit dem Israel-Jacobson-Preis aus und würdigte damit seine Verdienste für das liberale Judentum sowie die Stärkung des jüdischen Lebens in Nordrhein-Westfalen.

    10. Mai 2021: Europäischer Handwerkspreis.

    Im Juni 2021 wurde Laschet mit dem Großkreuz des Verdienstordens Pro Merito Melitensi ausgezeichnet. Der Souveräne Malteserorden ehrte ihn für seine Flüchtlings- und Migrationspolitik.

Die Anekdote mit den Examensklausuren veranlasste den Ehemann der ehemaligen französischen Lehrerin Brigitte Macron zu einem außergewöhnlichen Schritt. Wir erinnern uns:

(….) Ein noch unglücklicheres Bild gibt Armin Laschet ab, der schon immer zur Tölpelei neigte, ebenfalls in seinem Buch plagiierte, während eines Telefoninterviews in den Swimmingpool stolperte und bekanntlich die Klausuren seiner Studenten verbummelte.

Ungeschicklichkeit allein ist noch nicht so problematisch. Hinzu kommt bei Laschet aber die unangenehme Eigenschaft, furchtbar viel zu lügen und sich mit Hingabe selbst zu widersprechen.

Es passt ins Bild, daß er seine Studenten, nachdem er ihre Klausuren verloren hatte, nicht etwa die Wahrheit sagte, sondern sich aus der Situation schummelte, indem er sich Lügenzensuren aus den Fingern saugte. (….)

(Politisierende Fluten, 18.07.2021)

Laschet wird sein Leben lang für zwei Eigenschaften bekannt sein: Stümpern und Lügen.

[….] Nordrhein-Westfalens ehemaliger Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) erhält die höchste Auszeichnung Frankreichs: Staatspräsident Emmanuel Macron ernennt Laschet nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur zum Kommandeur im Nationalen Orden der französische Ehrenlegion. Laschet soll den Orden am kommenden Dienstag vom französischen Botschafter François Delattre in Berlin überreicht bekommen. Laschet war deutsch-französischer Kulturbevollmächtigter. Während der Pandemie nahm das Land NRW französische Patienten auf - was man Laschet im Elysee-Palast hoch anrechnete. Macron und er duzen sich. [….]  Der Orden wurde 1802 von Napoleon gestiftet. Bis heute ist mit ihm ein Ehrensold verbunden. Für den Rang des Kommandeurs sind das rund zwölf Euro pro Jahr. [….]

(dpa, 03.05.2023)

Die höflichen Franzosen nehmen Laschet aber nicht nur als Kommandeur in die Ehrenlegion, sondern ehrten ihn gleichzeig auch noch, indem sie sein Verhalten mit Prüfungsklausuren adaptierten. Das nenne ich französisch-deutsche Synergie!

[….] Bewerberinnen und Bewerber für die französische Eliteuniversität École Normale Supérieure (ENS) in Lyon müssen erneut einen Aufsatz schreiben. Denn: Die Uni hat Unterlagen einer Zulassungsprüfung verschlampt, 4400 junge Leute sind davon betroffen. Ein Briefumschlag mit den Aufsätzen habe die Hochschulverwaltung nicht erreicht, teilte die Uni mit.   Nach ergebnisloser Suche der Uni sowie des Postdienstleisters habe man sich zum Nachschreiben der Prüfung entschieden, alle Bewerber seien informiert worden.   [….]

(SPON, 04.05.2023)

Laschet passt besser zu Frankreich, als ich dachte.

Mittwoch, 3. Mai 2023

Baerbock erneut auf Abwegen.

Es regt mich wahnsinnig auf, wie viele Deutsche sich wahnsinnig über die Rundfunkgebühren aufregen.

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen ist eine echte Stärke Deutschlands und wir sollten verdammt froh sein, daß hierzulange nicht wie in Italien, Ungarn, Russland oder Polen rechte Autokraten allein die Nachrichtensendungen bestimmen.

Donald Trump wäre ohne das unverantwortliche Verhalten der privaten Medien im Jahr 2015/2016 niemals Präsident geworden. Rassistische Lügennetzwerke wie FOX sorgen dafür, daß in den USA Republikaner die Mehrheit im „House“ erobern, stimulieren Gewalt gegen Minderheiten wie Migranten und Queere. Sie fördern antidemokratische Ressentiments und werben für den Waffenwahn, dem in den USA jedes Jahr Myriaden Menschen zum Opfer fallen.

John Malone, ultrarechter Republikaner, Trump-Fan und 10-Milliarden-schwerer Hauptaktionär an Warner Bros.Discovery, News Corporation (FOX) und Charter Communications, treibt seit 2022 als CNN-Besitzer den wichtigsten Newssender der Welt ebenfalls auf Rechtsaußen-Kurs. Linksliberale Anchors wie Don Lemon wurden von Malones neuem CNN-CEO Chris Licht gefeuert. Der Sender soll in eine rechte Lügenmaschine umfunktioniert werden.

Am 10. Mai 2023 vollzieht CNN den Kotau vor dem rassistischen Antidemokraten Donald Trump, der einen blutigen Putschversuch auf das US-Capitol anzettelte, indem der Sender exklusiv eine Trump-Wahlveranstaltung überträgt. Stundenlange kostenlose Werbezeit für den multikriminellen Doppeltimpeachten.

Das passiert, wenn man nur private Konzerne die Medien kontrollieren lässt.

Was für ein Glück, wenn man dagegen auf ARD, ZDF, Deutschlandfunk, Arte, 3Sat, Phoenix und die Dritten zählen kann!

Ich meine, die 18,36 Euro monatlich pro Haushalt sind ein sehr kleiner Preis für unabhängige und seriöse Berichterstattung.

Deutsche können Dokumentationen, Hintergrundrecherchen und Nachrichtensendungen. Andere Dinge sind dem deutschen Fernsehen genetisch unmöglich. Dazu gehören Musiksendungen oder Dramaserien. Dafür gibt es hierzulande kein Knowhow und kein Talent. Aber das macht nichts. Deutschland muss nicht alles können und kann leicht hervorragende Serien in GB, FRA und USA einkaufen. Ich halte auch die meisten Talkshows à la Lanz und Will für extrem schlecht. Das liegt aber nicht unbedingt am Format selbst, sondern an unfähig-behäbigen Redaktionen, die ohnehin immer nur dieselben Lindner/Söder-Plapperanten einladen und den hoffnungslos überforderten Moderatoren.

Aber das ist zu verschmerzen, weil der finanzielle Aufwand pro Sendeminute gering ist. Vielleicht findet sich auch irgendwann mal wieder eine Lea Rosh, ein Roger Willemsen oder eine Juliane Bartel, die hervorragende Talkshow-Moderatoren waren.

Die gewaltigen Kostentreiber sind die Sportübertragungsrechte. Weltmeisterschaften, Bundesliga, Olympische Spiele, Formel 1, Tour de Farce etc.

(…..) Wie viel Geld genau in die Taschen der FIFA floss, kann man nicht leicht ergoogeln. Gemunkelt wird, daß allein die Sub-Rechte der ARD und ZDF eine Viertelmilliarde Euro kosten. Für die Übertragungsrechte der Putin-WM 2018 zahlten die Fernsehsender bereits 218 Millionen Euro.

Die Telekom gehört immer noch zu 32% dem deutschen Staat. Da würde ich schon gern genau wissen wie viele hundert Millionen für Katarische WM-Übertragungsrechte verprasst wurden. Und auch Tom Buhrow und sonstigen halbpopulistischen Kritikern des öffentlich-rechtlichen Rundfunks möchte ich ins Stammbuch schreiben, daß eine Viertelmilliarde Euro ein absurd hoher Preis sind für ein bißchen Bällchentreten-Übertragungsrechte, die 77% der Deutschen ohnehin nicht interessieren.

Da bleiben nämlich unsere Rundfunkgebühren hängen und nicht beim Gehalt einzelner Regionalintendanten.  (….)

(Wie hältst Du es mit Katar? 18.11.2022)

Absolut hanebüchen, wofür Milliarden verprasst werden.

Von Sportübertragungsrechten hängen sicher nicht Demokratie und Bildung ab. Wer exzessiv Biathlon, Bällchentreten oder Deppen auf Brettern, die von einem Kunstschnee-Hügel fallen, gucken will, soll das natürlich gern tun. Aber bitte, ohne daß dafür hunderte Millionen vom „Bildungsauftrag“ der Öffentlich-Rechtlichen abgezwackt werden.

So eine Farce wie die Korruptions-Weltmeisterschaften von Katar gehören entweder ins Pay-TV oder ins mit Verdummungswerbung vollgepackte Privatfernsehen.

Kein öffentliches Geld für Funktionär-Korruptions-Meister wie Infantino oder Bach.

Annalena Baerbock sollte sich wirklich schämen, für die Maximalkorruptis von FiFa zu agitieren!

[….]  Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hat sich besorgt wegen eines möglichen TV-Blackouts bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2023 gezeigt »Das Eine ist die Fifa, an die wir hier eindringlich appellieren können, das Andere sind öffentlich-rechtliche Sender. Letztes Jahr war das Endspiel der Frauen-EM das Spiel mit der höchsten Einschaltquote im gesamten Jahr. Das lohnt sich dann auch wieder im ökonomischen Bereich«, sagte die Grünenpolitikerin am Mittwoch bei einer WM-Veranstaltung im Auswärtigen Amt in Berlin. Daher formulierte Baerbock einen »eindringlichen Appell, dass wir das alle auf unseren Fernsehern gucken können.« Ähnlich äußerte sich auch Präsident Bernd Neuendorf vom Deutschen Fußball-Bund (DFB).  [….]

(SPON, 03.05.2023)

Ich formuliere den eindringlichen Appell an ARD und ZDF keinen einzigen Euro Korruptions-Subvention für die FIFA-Autokratengang zu zahlen.

Aktive Fußballspieler sollen bekanntlich häufig an längerfristigen mentalen Schäden leiden.

[…] Kopfbälle könnten bleibende Schäden verursachen: Profifußballer haben eine höheres Demenz-Risiko - sagt eine neue schwedische Studie. Wie gefährdet sind Kinder und Jugendliche?

Die Debatte ist nicht neu: Führen Kopfbälle beim Fußball zu bleibenden Schäden im Gehirn? Jetzt gibt es dazu neue Erkenntnisse einer schwedischen Studie: Verglichen mit der Normalbevölkerung haben Profifußballer ein etwa 1,5-faches höheres Risiko an Alzheimer oder an einer vergleichbaren Krankheit zu erkranken.

Von den männlichen Profi-Fußballern, die zwischen 1924 und 2019 in Schwedens höchster Liga spielten, entwickelten neun Prozent im Verlauf ihres bisherigen Lebens neurodegenerative Krankheiten und damit eineinhalb Mal so viele wie in der Vergleichsgruppe, wo es sechs Prozent waren. Das besagt die schwedische Studie, die Gesundheitsdaten von 6.000 Top-Fußballern ausgewertet hat und kürzlich vom Fachblatt Lancet Public Health veröffentlicht wurde.  [….]

(WDR, 18.03.2023)

Die in Wahrheit eigentlich sehr niedrigen Rundfunkgebühren, die durch Baerbocks Fußball so katastrophal aufgebläht werden, sind durch diese Kosten zu einem der Lieblings-Hassobjekte der Querdenker, Covidioten, Reichsbürger und Rechtsextremen geworden.

Rundfunkgebühren sind insbesondere in Ostdeutschland zu echten Triggerworten avanciert; ähnlich verhasst wie Corona-Impfungen, Schulbildung oder Körperhygiene.

Um die Sorosphobiker, Aluhüte und Chemtrailer an der Wahlurne abzuholen, sind längst auch andere rechte Parteien wie die CDU ins das Anti-Gebührenboot der AfD gesprungen.

Annalena Baerbock sollte den gefährlichen Wahnsinn wirklich nicht noch anheizen, indem sie auch neunstelligen Ausgaben für FIFA-Funktionäre drängt.

(…..) Im Oktober 2020 veröffentlichte Infratest-Dimap die Ergebnisse eine Umfrage nach dem Medienvertrauen in Deutschland.

[….] Besonders hohe Vertrauenswerte von mehr als 80 Prozent kann der öffentlich-rechtliche Rundfunk verzeichnen. Auch deutsche Tageszeitungen werden von 74 Prozent der Befragten als glaubwürdig eingeschätzt, während Boulevard- und soziale Medien deutlich als wenig glaubwürdig bewertet werden.  Ähnlich sieht es bei der Berichterstattung zur Covid-19-Pandemie aus. Vier von fünf Befragten bewerten diese im öffentlich-rechtlichen Rundfunk als "gut" oder "sehr gut". Auch die Berichterstattung in den deutschen Tageszeitungen trifft bei 68 Prozent der Befragten auf Zustimmung. Als mehrheitlich schlecht wird hingegen die Pandemie-Berichterstattung in den Boulevardmedien beurteilt, nur elf Prozent der Befragten finden diese gut oder sehr gut. [….]

(SZ, 12.10.2020)

Ein seriöser öffentlich-rechtlicher Rundfunk muss unabhängig von Quoten und Werbeeinnahmen funktionieren können. Sonst kann er seinen Informationsauftrag nicht leisten.

Alle Bürger in Deutschland sollten jeden Tag Darwin auf Knien dafür danken im Sendegebiet einer Fülle von politisch und kommerziell relativ unabhängigen regionalen und überregionalen Radio- und TV-Sendern zu leben, die ihnen nahezu kostenlose hochqualitative Informationen bieten.

Der monatliche Beitrag pro Haushalt ist mit 17,50 Euro geradezu lächerlich, wenn man bedenkt, daß mit den insgesamt acht Milliarden Euro im Jahr 22 Fernseh-, 67 Radiosender, eine Unzahl von Mediatheken und Online-Plattformen, sowie insgesamt mehr als 25.000 festen Mitarbeitern finanziert werden.

Allein zur „Rettung“ der Lufthansa ließen wir Steuerzahler mal eben neun Milliarden Euro klaglos springen, also eine Milliarde mehr als alle öffentlich-rechtlichen Sender im Jahr kosten.

Nach elf Jahren ohne Gebührenerhöhung empfahl die Politik-unabhängige Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) nun die Erhöhung um 86 Cent.

Eine sehr moderate und eher zu geringe Erhöhung, wie ich meine.

Aber wie auch Corona selbst ist die Rundfunkgebühr ein heißes Thema bei Rechtsextremen, Verschwörungstheoretikern und Aluhüten jeder Art. Die GEZ (Gebühreneinzugszentrale), die es seit 2012 gar nicht mehr gibt, ist eins der Hauptfeindbilder der Schwurbler/Impfgegner/Reptiloiden/Reichsbürger.

Also setzt sich auch die chronische Heulsusen-Partei AfD auf das Thema.

Die Gauland-Höcke-Bande, die erst durch die Öffentliche-Rechtlichen richtig groß gemacht wurde, indem die ARD- und ZDF-Talkshow extrem überproportional AfD-Themen diskutierten, versinkt nun wie ihr Idol Trump im Selbstmitleid. Sie fühlen sich nicht ausreichend gewürdigt und vermissen ihre kostenlose Werbezeit.

Also setzen sie sich populistisch an die Spitze der Gebühren-Gegner, zumal sie als Corona-Leugner ohnehin von seriösen Informationen benachteiligt werden. Bis hierhin wäre die Geschichte eine typisch traurige Episode aus dem faschistoiden AfD-Kosmos. Aber da ist noch die Sachsen-Anhaltinische CDU, die es nicht nur wie die Kollegen in Thüringen und Brandenburg mit einer extrem rechtsaußen stehenden vom Verfassungsschutz beobachteten AfD zu tun haben, sondern ebenso wie die Möhring-Fraktion in Erfurt immer mal wieder selbst braun blinkt und den Faschisten fröhlich die Hand reicht.

Den Empfehlungen der KEF müssen alle 16 Ministerpräsidenten und alle 16 Landesparlamente zustimmen.

Alle Regierungschefs haben es schon getan; es fehlt aber noch das Parlamentsvotum aus Magdeburg.

Die extrem rechts stehende Landes-CDU möchte nun ein Kemmerich 2.0-Drama inszenieren und ohne Not statt mit den Grünen und Sozi-Koalitionspartnern mit der AfD stimmen, um die Gebührenerhöhung in der ganzen BRD zu kippen. MP Haseloff gelingt es nicht seine eigenen Leute einzufangen.

[….] "Der Ministerpräsident hat das Thema und die eigene Fraktion unterschätzt", urteilt Katja Pähle, Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten. "Es gibt eine Gruppe innerhalb der CDU, die keine Berührungsängste mit der AfD hat." Die Sozialdemokraten drohen mit einem Sonderparteitag zum Fortbestand der Koalition, sollte die CDU bei ihrem Nein bleiben. [….] Da gebe es eine pyromane Landtagsfraktion, deren Vertreter aus Überzeugung oder mindestens strategischem Eigeninteresse die Nähe zur AfD suchen, selbst wenn dafür das Heiligste zu opfern ist, der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Das klingt auch deswegen zunächst plausibel, weil die CDU in Sachsen-Anhalt mit so vielen Sonderbarkeiten aufgefallen ist, dass sich ein ganzes Vorgeschichtsbuch schreiben ließe. Es gab den Fall des CDU-Kreisvorstands Robert Möritz, dessen rechtsextreme Vergangenheit in Form eines Tattoos zutage trat. Da ist der CDU-Fraktionsvize Lars-Jörn Zimmer, der in einer "Denkschrift" das "Soziale mit dem Nationalen versöhnen" wollte. Kurz nachdem in Thüringen der FDP-Mann Thomas Kemmerich mit Stimmen von CDU und AfD kurzzeitig zum Ministerpräsidenten gekürt wurde, sagte Zimmer in die Kameras des ZDF, dass er eine CDU-Minderheitsregierung mit Tolerierung der AfD generell für "absolut denkbar" halte. [….]

(SZ, 28.11.2020)

Wie schon bei der faschistoiden Katastrophe von Erfurt, als sich FDP und CDU mit dem Flügel-Führer Bernd Höckler zusammentaten und damit die eigene Bundespartei derartig beschädigten, daß Kramp-Karrenbauer den Bundesvorsitz und die Kanzlerkandidatur in die Tonne trat, sind die Nazi-Freunde in der Sachsen-anhaltinischen CDU nicht zur Raison zu bringen.[…..] (….)

(Mehr schwarzbraune CDU-Nüsse, 30.11.2020)

Dienstag, 2. Mai 2023

Der Christ des Tages – Teil XCVI

Der laizistische Staat Frankreich wird immer noch von 32 Millionen Katholiken bevölkert. Das sind knapp über 50%. Die absolute Mehrheit bröselt vor unseren Augen dahin.

Nicht hilfreich für die vatikanischen Bemühungen der Neumissionierung ist insbesondere eine Zahl: 330.000.

[….] In der katholischen Kirche in Frankreich sind seit den 1950er Jahren nach Hochrechnungen einer Untersuchungskommission 216.000 Kinder und Jugendliche Opfer von sexuellem Missbrauch geworden.

Unter Einbeziehung der von der Kirche betriebenen Einrichtungen werde von 330.000 Opfern ausgegangen, sagte der Präsident der Unabhängigen Missbrauchskommission in der Kirche (CIASE), Jean-Marc Sauvé, am Dienstag in Paris. 80 Prozent der Opfer seien Jungen im Alter zwischen 10 und 13 Jahren gewesen, 20 Prozent Mädchen unterschiedlicher Altersgruppen. Bei den Taten habe es sich in fast einem Drittel der Fälle um Vergewaltigungen gehandelt. [….]  Für knapp zwei Drittel der Missbrauchsfälle waren nach der Studie Geistliche und für die übrigen Beschäftigte der Kirche verantwortlich. 2900 bis 3200 Geistliche wurden seit 1950 als Täter identifiziert. [….]

(dpa, 05.10.2021)

Frankreichs oberster Katholik, Philippe Xavier Christian Ignace Marie Kardinal Barbarin (*1950), emeritierter Erzbischof von Lyon und früherer Primas von Gallien, fand das alles nicht weiter der Rede wert.

In seine Zuständigkeit fiel der Priester Bernard Preynat, einer der schlimmsten Sexualstraftäter, der hunderte kleine Jungs vergewaltigt hatte. Kardinal Barbarin wußte das, meldete ihn aber nicht der Staatsanwaltschaft, weil er das nach französischem Recht nicht muss. Hunderten empörten Opfern lachte er 2016 nach seinem ersten Prozess „Gott sei Dank sind die meisten Fälle verjährt“ entgegen. Ätschi. Schwamm drüber.

Zehn ehemalige Pfadfinder und mutmaßliche Missbrauchsopfer des Priesters Bernard Preynat traten als Nebenkläger im Prozess gegen Barbarin auf. Der Kardinal würdigte die Opfer aber keines einzigen Wortes und wiederholte nur, daß sein Anwalt für ihn sprechen werde.

Nach endloser Zauderei nahm Papst Franz im März 2020 den angebotenen Rückzug des französischen Woelkis an.

Schade eigentlich. Wäre der Alptraum-Kardinal weiter in Amt und Würden geblieben, hätte es sicher geholfen, den Katholiken-Prozentsatz in Frankreich schneller unter 50% zu drücken.

Kurzum, das Image der katholischen Kirche Frankreichs liegt zwischen suboptimal und multimorbid.

In dieser angespannten Lage zwischen dem Vatikan und Frankreich, wurde die Rolle des päpstlichen Nuntius Luigi Ventura extrem wichtig; denn er sprach in Frankreich für den Papst. Der römisch-katholische Erzbischof Ventura (*1944) wurde am 22. September 2009 von Papst Benedikt XVI. zum Apostolischen Nuntius in Frankreich ernannt. Luigi Ventura ist mein Christ des Tages Nr. 96.

Auf dem Höhepunkt der Preynat/Barbarin-Skandale wurde er gemeinsam mit Staatspräsident Macron zum Neujahrsempfang 2019 der Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo eingeladen.

Da sich alle Augen auf ihn richteten, tat er instinktiv das, was er am besten kann: Er begrabschte mehrere junge Männer, fasste ihnen zwischen die Beine, befummelte ihre Hintern. Man kennt das im Vatikan. So verhielt sich Ventura schon seit Jahrzehnten, war schon in seinen beiden vorherigen Nuntiaturen Chile (1999-2001) und Kanada (2001-2009) entsprechend aufgefallen. Für Ratzinger also genau der richtige Mann, um ihn zu befördern und nach Frankreich zu schicken. Zu blöd für den apostolischen Nuntius, daß die begrabbelten Jungs, insbesondere im aufgeklärten Frankenreich, nicht mehr ehrfürchtig die erzbischöflichen Sexattacken über sich ergehen lassen, sondern der Staatsanwaltschaft berichten.

Der Fall schlug so große Wellen, daß sich Franz im Juni 2019 gezwungen sah, Venturas Immunität aufzuheben.

[….] Der frühere päpstliche Gesandte in Frankreich steht ab Dienstag (10. November) in Paris vor Gericht: Der 75-jährige emeritierte Erzbischof Luigi Ventura muss sich wegen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung verantworten. Mehrere Männer werfen ihm vor, sie unsittlich berührt zu haben. Der italienische Geistliche bestreitet dies.  Ein dritter Mann habe Anzeige erstattet, hieß es seitens der französischen Ermittler. Er wirft dem Nuntius wie auch die anderen Kläger vor, ihn unsittlich am Gesäß angefasst zu haben. Gegen den päpstlichen Gesandten ermittelt deshalb bereits seit Ende Januar die Pariser Staatsanwaltschaft.

Ventura ist bereits mehrfach des sexuellen Fehlverhaltens beschuldigt worden. Sowohl in Kanada – wo er von 2001 bis 2009 Vatikan-Gesandter war – als auch in Paris soll der frühere Botschafter des Papstes volljährige Männer sexuell belästigt haben.

Ventura wird unter anderem sexuell übergriffiges Verhalten gegenüber einem erwachsenen Mann auf einem Neujahrsempfang in Paris im Januar 2019 vorgeworfen. Allein im Jahr 2018 soll er fünf Männer unsittlich berührt und sexuell belästigt haben, lautet die Anklage. [….]

(Stuttgarter Zeitung, 10.11.2020)

Luigi Ventura wurde tatsächlich verurteilt.

[…..] Der 76-jährige Erzbischof Luigi Ventura, von 2009 bis 2019 Apostolischer Nuntius in Frankreich, wurde am Mittwoch vom Pariser Strafgericht wegen sexueller Übergriffe auf mehrere Männer zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Darüber hinaus muss er 13.000 Euro an die Opfer und 9.000 Euro an Prozesskosten zahlen.  [….]

(Vatican News, 16.12.2020)

Aber keine Sorge, der Christ des Tages Nr. XCVI musste nicht wirklich befürchten im Knast zu landen. Das Urteil wurde in Abwesenheit gefällt, weil Ventura bei Franzi im Vatikan untergeschlüpft ist.

Fette übergriffige Lustgreise im Kleid sind die Lieblinge der Päpste und werden, im Gegensatz zu ihren Opfern, unter allen Umständen beschützt.

Gerade seine persönlichen Gesandten in den Apostolischen Nuntiaturen entziehen sich gern der örtlichen Justiz, indem sie in den Vatikan fliehen, wenn ihre sexuellen Übergriffe bemerkt werden.

[…..] Die katholische Kirche in Polen wird von einem Missbrauchs-Skandal erschüttert: Erzbischof Wesołowski soll in der Dominikanischen Republik minderjährige Jungen zum Oralsex gezwungen haben. Papst Franziskus hat ihn deshalb abberufen. Doch der Bischof ist längst nicht der einzige polnische Geistliche, der sich mit solchen Vorwürfen konfrontiert sieht. Der Mann des Anstoßes schweigt, und wo er steckt, wird geheimgehalten. Doch ist anzunehmen, dass der polnische Erzbischof Józef Wesołowski sich schon seit Monaten hinter den dicken Mauern des Vatikans aufhält. Papst Franziskus hatte ihn im August von seinem Amt als Apostolischer Nuntius in der Dominikanischen Republik abberufen. Der 65-jährige Gesandte steht nämlich unter dem Verdacht des Kindesmissbrauchs. Er soll in der Karibik minderjährige Jungen zum Oralsex veranlasst und sie beim Masturbieren fotografiert haben.  [….]

(SZ, 15.01.2014)

Bergoglio beehrt natürlich auch Kardinal Philippe Barbarin mit Privataudienzen. Man hält zusammen.

Auch George Kardinal Pell, der mehrfach wegen der Vergewaltigung minderjähriger Jungs vor Gericht stand und verurteilt wurde, zog sich in im Jahr 2020 in den diplomatischen Schutz der römischen Vatikanmauern zurück. Ein Mann nach dem Geschmack des Papstes. Und so konzelebrierte Kardinal Pell bei Ratzingers  Beerdigung am 5. Januar 2023. Das wurde dann aber offenbar selbst Jesus zu schräg und so wurde Pell nur wenige Tage später am 10. Januar 2023 final in die Hölle abberufen.

Montag, 1. Mai 2023

Impudenz des Monats April 2023

Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Die heutige „Ehre“ wird posthum vergeben, mit der kleinen Verspätung von 75 Jahren. Aber es wird ein katholischer Priester gewürdigt und die Kirche denkt bekanntlich in ganz anderen zeitlichen Rahmen.

Die Impudenz des Monats April Robert Alesch wurde am 06.03.1906 in Aspelt, einem 1000-Seelenort im äußersten Süden des Großherzogtums Luxemburg geboren. Der fromme Robert studierte in der Schweiz Theologie, wurde 1933 in Fribourg zum Priester geweiht und zunächst in eine Pariser Pfarrei beim Gare de l'Est geschickt. 1935 erfolgte die Ernennung zum Vikar der Pfarrei La Varenne-Saint-Hilaire im Bistum Saint-Maur, nahe der Hauptstadt.

Im Juni 1940 besetzte die deutsche Wehrmacht Paris. Im zunächst geteilten Frankreich gab es in den ersten beiden Jahren Besetzung nur sehr vereinzelten Widerstand gegen die Nazis. Die später so berühmte Résistance bestand aus winzigen, sich gegenseitig misstrauenden Splittergruppen, die fast ohne Waffen und Strategie improvisierte. Da der Vater von Robert Alesch im Ersten Weltkrieg gefangen und 1917 von den Deutschen schwer gefoltert wurde, kann man sich denken, wie Alesch Junior auf die antisemitischen Besatzer reagierte, die nur 20 Jahre nach den Verheerungen des Ersten Weltkrieges wieder einen Weltkrieg anzettelten, die Beneluxstaaten und Frankreich handstreichartig niederwarfen. Er tat aber das diametrale Gegenteil.

Priester Alesch schmiedete einen perfiden Plan. 1941 wandte er sich an die Gestapo und erklärte, er könne aufgrund seiner Stellung die Widerstandgrüppchen infiltrieren und dann an die Nazis verraten.

Die SS willigte ein, führte den Gottesmann als „V-Mann Alex“ und zahlte ihm monatlich 30.000 Francs. Geld, das Alesch, der gleichzeitig mit zwei Frauen sexuelle Verhältnisse unterhielt, gut zum Prassen und Saufen gebrauchen konnte. Es gelang ihm tatsächlich die Widerstandszelle Réseau Gloria (Gloria SMH, später WOL) zu unterwandern.

[….] The Gloria network was co-founded by Jeannine Gabrielle Cécile Martinez Picabia (1913-1977) and Jacques Legrand (1906-1944), a French chemical engineer. Jeannine was the daughter of surrealist artist, Francis Picabia (1879-1953) and Gabrièle Buffet-Picabia (1881-1985). Jeannine and her team worked closely with SOE and British military intelligence (MI9) The networks intelligence information was highly regarded by London. They gathered critical information about the German army and navy including defensive positions on the northern coast of France. Creating false documentation was another specialty of réseau Gloria. Members of the Gloria network included Alfred Péron (1904-1945), a teacher at Lycée Buffon. The future Nobel laureate, Samuel Beckett (1906-1986), met Péron while attending Trinity College Dublin during the interwar period. After the Germans occupied Paris, Péron recruited Beckett to join réseau Gloria.  [….]

(Stew Ross)

Die frühen französischen Widerstandszellen waren zwar noch nicht zu Sabotage und militärischen Aktionen fähig, aber für die französische Exilregierung in London und die alliierten Geheimdienste extrem wichtig, um über Wehrmachtsstellungen Auskunft zu geben. Der katholische Priester Alesch natterte sich erfolgreich in die Gloria SMH-Strukturen ein und verriet alles und jeden an die Gestapo.

Mutmaßlich an die 100 Angehörige der Résistance wurden durch Hochwürden Robert Aleschs Verrat von den Nazis verhaftet und hingerichtet.

[….] During his sermons, Father Alesch passed himself off as anti-Nazi and pro-Charles de Gaulle and the congregation grew to trust him at one point, two teenage parishioners confided in him about their resistance activities and he turned the boys over to the Nazis. By 1941, Alesch had become a naturalized German citizen and approached the Abwehr with an offer to work for them as an agent. He became “Agent Axel” with code number GV7162. Alesch settled into a luxurious Paris apartment at 46, rue Spontini (16e) where he kept his two mistresses and the stolen artwork he purchased from the Nazis.  [….]

(Stew Ross)

Alesch erschien den Widerständlern, der in seinen Predigten kritisch über die Nazis sprach, stets unverdächtig. Er bot sich als Kurier für verschiedene Zellen an, bekam die Klarnamen aller Résistance-Verschwörer und wurde daher immer wertvoller für die Deutschen, die ihn üppig bezahlten. Der Priester, der den Hals nicht voll genug bekommen konnte, nahm aber gleichzeitig auf die Gloria-Zelle selbst aus, indem er für seine Kurierdienste 200.000 Francs verlangte.

[….] Du By mid-August, the Nazis decided it was time to bring the hammer down on WOL. Alesch led the Gestapo to a bistro in central Paris where he was to meet with Germaine Tillion and another high ranking WOL agent. Shortly after the meeting, Tillion and the other agent were taken into Gestapo custody. For several weeks, Alesch directed the Gestapo to other members of WOL. Next up for the priest was Virginia Hall and the Heckler circuit. Virginia was rocked by the news that WOL agents were being arrested by the Gestapo and that Legrand and Tillion were both in the hands of the Gestapo. [….]

(Stew Ross)

Priester Alesch entkam nach dem Ende des Krieges nach Belgien, ausgestattet mit einem Empfehlungsschreiben des Pariser Erzbischofs. Aber durch sein Leben in Saus und Braus während der Nazi-Besatzung war er zu bekannt geworden, wurde immer wieder erkannt und ergab sich im Sommer 1945 der US-Armee. Drei Jahre später wurde ihm in Paris der Prozess gemacht. Er wurde zum Tode verurteilt und am 25.02.1949 von einem Erschießungskommando hingerichtet.

Sonntag, 30. April 2023

Der amerikanische Alptraum

Es gibt keine verschwörungstheoretisch-rechtsradikale und aufhetzerische Lüge, die Cro Magnon Green nicht in die Kameras plappert.

Sie vergleicht ihr Idol Donald Trump mit Jesus und setzt sich mit fanatischer Überzeugung dafür ein, daß möglichst viele US-amerikanische Kinder bei Mass Shootings abgeknallt werden

Wenn schreckliche alte Männer, wie McConnell oder Graham für Trump und AR15s werben, empfinde ich Verblüffung über ihre Heuchelei. Denn sie wissen es ja besser und müssen ihr Rückgrat komplett entfernen, um sich derart anzubiedern. Aber so wenig ich es billige, so sehr verstehe ich die Motive. Von der NRA kommt das Wahlkampf-Geld. Trumps Einfluß auf die GOP-Basis ist so enorm, daß er missliebige Abgeordnete fast nach Belieben aus der Politik entfernen lassen kann. Liz Cheney und Adam Kinzinger haben es erlebt. Das war insbesondere in Cheneys Fall beeindruckend. Stammt sie doch aus einer der prominentesten erzkonservativ-ikonischen Familien, vertritt ultrarechte Positionen, stimmte fast immer mit Trump, hatte den drittmächtigsten Posten der GOP inne und trat auch noch in dem absolut sicheren erzkonservativen Wyoming-Wahlkreis an. Dennoch konnte Trump sie wegen ihrer Jan6-Kritik mit Leichtigkeit aus dem US-Parlament kegeln und politisch kaltstellen.

Bei den QTrumpliKKKans heißt es; entweder raus aus der Politik, oder Kotau vor dem orangen Chefrassisten.

Marjorie Taylor Greene (MTG) verfügt über den großen Vorteil gegenüber der alten GOP-Garde, daß sie sich nicht verbiegen muss und keine verleumderische Hetze verbreiten muss, an die sie eigentlich nicht glaubt. Denn sie ist wirklich so beschränkt, zutiefst ungebildet und von Hass zerfressen, daß sie den Schwachsinn, den sie von sich gibt, wirklich glaubt.

Klan Mum sind moralische Skrupel völlig unbekannt, so daß sie stolz zur Gewalt aufruft und immer wieder versucht Mord-Mobs auf unbeteiligte Unschuldige zu hetzen.

[…..] As twice-impeached Donald Trump became the first former president to ever be criminally indicted and arrested, his sons and Marjorie Taylor Greene were busy circulating stories from right-wing outlets drawing attention to the daughter of the New York judge presiding over Trump’s hush-money payment case. This is sure to become a future line of attack for Republicans seeking to dismiss the entire case against Trump. In seeking to discredit Judge Juan Merchan, the far-right Republicans argue there is conspiracy given that Merchan’s daughter previously worked for Kamala Harris’s presidential campaign. […..] Given the heightened anger by some on the right as Trump confronts legal consequences, and given the precedent of conservative figures whipping up political violence, the fear is incitement against not only Merchan but his daughter as well—who has no involvement in the case at hand.   […..]

(New Republic, 04.04.2023)

So avancierte MTG in der wahrlich nicht an gefährlichen Fanatikern armen GOP zur Chef-Strohköpfin, der sich sogar US-Präsident Joe Biden annahm, indem er beim WHCD erklärte: if you're disoriented or confused, you're either drunk or Marjorie Taylor Greene.

MTG etablierte sich als Apotheose all dessen, was jemals in der US-Politik schief lief.

Weltweit als Symbol für die radikalste und gefährlichste Form der Dummheit zu stehen, bleibt für Nazi-Barbie allerdings nicht ohne Konsequenzen.

Ihr droht die US-Vizepräsidentschaft! Nur einen Herzschlag von der mächtigsten Position der Erde entfernt.

[…..] Marjorie Taylor Greene, R-Ga., is angling to be Donald Trump's running mate in 2024, according to two people who have spoken to the firebrand second-term congresswoman about her ambitions. "This is no shrinking violet. She's ambitious — she's not shy about that, nor should she be," said Steve Bannon, the former top Trump aide who hosts the "Bannon's War Room" podcast, on which Greene has been a guest.

"She sees herself on the short list for Trump's VP. Paraphrasing Cokie Roberts, when MTG looks in the mirror she sees a potential president smiling back," he added in an interview, referring to Roberts, the late political reporter who worked for NPR, ABC News and other outlets.

A second source who has advised Greene said her "whole vision is to be vice president." The source, who has ties to Trump and spoke on the condition of anonymity to describe private conversations, said he also believes Greene would be on Trump's short list.  [….]

(NBC, 25.01.2023)


 

Samstag, 29. April 2023

Wie Söder und Merz Putins Hintern küssen

Natürlich ist Söders Geschrei nach Atomkraft ein reines Wahlkampfmanöver und hat nicht das geringste mit lösungsorientierter Politik zu tun. Söder selbst war bis vor kurzem der engagierteste Vertreter des Atomausstiegs, drohte gar mit Rücktritt, wenn der Atomausstieg nicht vorgezogen würde. Der Bayerische Möchtegern-König hat jetzt aber zur Kenntnis genommen, wie populär eine Weiterführung der Kernenergiegewinnung ist. Also kann der Mann, der alle drei Tage seine Meinung ändert, mit seiner aktuellsten 180°-Wende im Landtagswahljahr die Schlagzeilen dominieren, davon ablenken, daß es seine CSU ist, die Bayern in eine katastrophale Putin-Abhängigkeit steuerte, dabei versagte Stromtrassen zu legen, verschlief Windräder aufzustellen und noch nicht mal eigene Gasspeicher baute.

Die Atomfreunde in Redaktionen und Parteizentralen leisten ganze Arbeit. Das Ende der Atomkraft sollte ein Grund zum Feiern sein. Durchgesetzt wurde der Beschluß im Jahr 2011 von CDU, CSU und FDP.

Weil Fakten aber gerade nicht opportun sind, haben es Schwarze und Gelbe fertiggebracht, das gegenwärtig unpopuläre Atom-Aus wahrheitswidrig Rot und Grün in die Schuhe zu schieben. Das von Söder und Merz angezettelte Theater lenkt auch so gut davon ab, daß wir noch eine Million Jahre mit supergiftigen Atommüll umzugehen haben, es dafür keine Lagermöglichkeit gibt und mit dem Abschalten der letzten drei AKWs nicht etwa das Thema erledigt ist, sondern daß der Rückbau der Uralt-Anlagen noch rund 50 Jahre dauern und mutmaßlich über 100 Milliarden Euro aus Steuermitteln verschlingen wird.

Söder ist sich natürlich der finanziellen, rechtlichen und technischen Unmöglichkeit, AKWs in Bayern weiter zu betreiben, bewußt. Aber er belügt ungeniert weiterhin den Wähler und wird dafür als „führungsstark“ wahrgenommen, während der Urnenpöbel Scholz als Zauderer empfindet.

Der reine Hohn, denn die Führungsstärke des Bundeskanzlers besteht gerade darin, dem Medienanspruch, jeden Tag populistische Thesen rauszuhauen, zu widerstehen.

Scholz hat es nicht nötig, um der Presseaufmerksamkeit jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf zu treiben. Säue, die Söder immer binnen kurzer Zeit einfangen müsste, weil er es sich wieder mal anders überlegt hat, aber statt das ehrlich zu gestehen, ein neues Geschreie anzettelt, um seine jüngsten Pleiten zu übertönen.

Scholz hingegen will verlässlich sein und verfolgt seine Pläne langfristig und konsequent.

Zur Orchestrierung der Post-Atomdebatte gehört auch, täglich höhnische Memes auf Social Media vorzufinden, in denen die angebliche Inkonsequenz der Ampel angeprangert wird; eigene AKWs abzuschalten und dafür Atomstrom aus Frankreich zu beziehen. Das wäre in der Tat wenig glaubwürdig, ist allerdings auch eine glatte Lüge.

Das diametrale Gegenteil ist der Fall. Deutschland exportiert Rekordmengen aus erneuerbaren Quellen generierten Strom nach Frankreich, weil Macrons Atomreaktoren Schrott sind.

[….] Die Statistik bildet die Entwicklung der Menge des exportierten Stroms von Deutschland nach Frankreich in den Jahren von 2003 bis 2022 ab. Im Jahr 2022 erreichte die Stromexportmenge aus Deutschland nach Frankreich mit rund neun Terawattstunden einen neuen Höchstwert.

Ein Hintergrund für die seit 2021 erfolgte starke Zunahme des Exports von Strom aus Deutschland nach Frankreich sind zahlreiche coronabedingte Verzögerungen von Wartungsarbeiten an den französischen Atommeilern, die ein gehäuftes Abschalten von einzelnen AKWs erforderten. Hierdurch entstand in Frankreich eine Versorgungslücke, die über Stromexporte geschlossen wurde. Frankreich erzeugt gut 70 Prozent seines Stroms über das Betreiben von Kernkraftwerken. [….]

(Statista Research Department, 14.04.2023)

Deutschland war und ist Stromexporteur.

Auf Atomstrom zu setzen, ist nicht nur technisch, ökonomisch und sicherheitspolitisch ein Desaster, wie das Beispiel Frankreich zeigt.

Söder und Merz und Lindner und Macron pampern damit auch Putin. Denn ohne russisches Uran, kann man keinen Kernreaktor kommerziell betreiben.

Söder und Merz und Lindner und Macron wollen also auch noch Putins Krieg gegen die Ukraine weiterfinanzieren. Laut Euratom liefern Russland, sowie seine Satelliten Usbekistan und Kasachstan, mehr als zwei Drittel des Urans für die europäischen Atomreaktoren.

Die Putin-Abhängigkeit ist also noch deutlich höher als bei Erdgas und Erdöl.

Kernkraft einzusetzen, um sich von der Putin-Abhängigkeit zu lösen, ist blanker Unsinn, Söder und Merz und Lindner und Macron!

[….] "Frankreich fördert indirekt Russlands Strategie"

Noch ist Uran aus Russland nicht Teil der EU-Sanktionspakete. Deutschland würde das gerne ändern, Frankreich bremst. Denn solche Handelsbeschränkungen würden einen ganzen Industriezweig empfindlich treffen. [….] [Frankreich]  bezieht angereichertes und Natururan aus Russland. [….] Agnes Pannier-Runacher, Frankreichs Ministerin für die Energiewende, leugnet nicht, dass Russland Frankreich beliefert. [….] Enge Verbindungen mit dem russischen Staatskonzern Rosatom gibt es dennoch, unter anderem beim Turbinenbau. Der französische Konzern GEAST produziert seine Turbinen auch und vor allem für Rosatom, einen der größten Exporteure von Kernreaktoren weltweit. Das kritisiert der Atomenergie-Experte Marignac:

    Frankreich hängt nicht nur von der Dynamik der russischen Nuklearbranche ab, um sein eigenes Turbinenwerk rentabel zu halten, sondern es fördert auch indirekt die geopolitische Strategie Russlands. Denn Moskau sichert mit dem Export und Betrieb von Reaktoren seinen Einfluss in anderen Ländern. [….]

Sehr aktuell [….]  ist die Zusammenarbeit bei der Herstellung von Brennelementen. Die EDF-Kraftwerkssparte Framatome hat mit Rosatom ein Joint-Venture gegründet, mit 25 Prozent russischer Beteiligung. Ausgerechnet in Deutschland, im niedersächsischen Lingen, wollen die beiden Konzerne Brennstäbe für Reaktoren russischen Bautyps produzieren - sofern die Bundesregierung doch noch grünes Licht ge

Der Herausgeber des World Nuklear Industry Status Reports Mycle Schneider verweist zur Begründung darauf, dass es in der Europäischen Union 19 Reaktoren russischer Bauart gebe, die mit solchen Brennelementen betrieben werden. Dazu kämen theoretisch noch 15 Reaktoren in der Ukraine, die mit solchen Brennelementen betrieben werden. [….]

(Tagesschau, 26.04.2023)

Freitag, 28. April 2023

Linke Ossis

Gregor Gysi (*1948) liebe ich natürlich. Ein absoluter Glücksfall für die Linke und die Ostdeutschen insgesamt. Neben der leider viel zu früh gestorbenen Regine Hildebrandt (1941-2001) lange die einzige bundesweit bekannte, beliebte und authentische Stimme aus der Ex-DDR. Merkel ist natürlich noch sehr viel bekannter, aber weder wirkte sie authentisch ostdeutsch, noch ist sie unterhaltsam oder talkshowkompatibel. In 95% der Aussagen stimme ich mit Gysi überein, empfinde ihn recht geistreich und schlagfertig.

Aber in der Causa seiner faschistoid-völkischen Noch-Parteifreundin Sahra Sarrazin hat er sich vollkommen verrannt.

(….) Sehr viel problematischer ist aber Wagenknechts eiskalte Mitleidslosigkeit, die schon seit ihren Tagen als Sprecherin der „kommunistischen Plattform“ sichtbar wird.

So konnte sich nicht in die Opfer hineindenken. Für sie war die DDR ein politisches System mit Stärken und Schwächen. Tatsächlich war schon die jugendliche Wagenknecht so unangepasst, daß sie anders als viele bekannte Ost-CDU-Größen (wie Angela Merkel) früh den Konflikt mit „dem Regime“ suchte, nicht zur FDJ ging, bestraft wurde, indem sie nicht zum Studium zugelassen wurde, während sich die gesamte CDU-Promiklasse widerspruchslos mit Mauer und Schießbefehl arrangierte. Wagenknecht dachte in Blöcken; in ideologischen Großauseinandersetzung. Nicht in humanistischen Kategorien. Sie fühlte nie, daß die DDR auch etwas war, das Dschungelkönigin Djamila Rowe widerfuhr. Rowe, geb. 1967, wuchs in Berlin Lichtenberg auf, ihre Mutter war „Republikflüchtling“. Die Stasi rächte sich an der 13-Jährigen Djamila, die in Umerziehungsheime gesteckt wurde, so gefoltert wurde, daß sie mehrere Suizidversuche unternahm und ihre Teenagerzeit in einer Isolationszelle verbrachte. Sippenhaft für ihre Mutter, die nicht in der DDR bleiben wollte. Aber Wagenknecht kann offenbar nichts empfinden für solche persönlichen Leidenswege. Ihr fehlt jegliche Empathie. Das muss man wissen, um zu verstehen, wieso sie bei ihrem weiteren Eindringen in die Verschwörungstheorien, niemals Empathie für die jeweilige Opfer aufbringen konnte.

Die Juden waren ihr egal, als sie sich mit den antisemitischen Gelbwesten einließ, die Queeren waren ihr egal, als sie gegen die „skurrilen Minderheiten“ wetterte, die bei Dürren und Missernten verhungernden Menschen sieht sie gar nicht, wenn sie die Maßnahmen gegen den Klimawandel ablehnt und die in Pflegeheimen sterbenden Senioren waren ihr egal, als sie gegen Corona-Impfungen Position bezog.  (….)

(Die Wagenknecht-Sackgasse, 06.03.2023)

Zusammen mit dem Wagenknecht-Alliierten Dietmar Bartsch, der als Noch-Bundestagsfraktionsvorsitzender einer der Hauptverantwortlichen für den beispiellosen Niedergang und Bedeutungsverlust der Linken ist, versucht Gysi die homophobe AfD-Heldin in der Partei zu halten. Versucht das faktisch längst vollzogene Partei-Schisma plump zu übertünchen.

[….]  Die Linken-Politiker Dietmar Bartsch und Gregor Gysi haben ihre Partei dringend vor einer Spaltung gewarnt. „Schluss mit permanentem öffentlichen Streit, mit gegenseitiger Denunziation, mit Egotrips“, heißt es in einem gemeinsamen Appell, der der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt. „Die Bildung einer zweiten linken Partei ist völlig überflüssig.“ Auch Ausschlussverfahren seien schädlich. [….]

(FR, 15.04.2023)

Gysi, der außenpolitische Sprecher der Fraktion Die Linke im Bundestag, ist offenbar verwirrt. Glaubt er, die 2%-Partei für die die 5%-Hürde bei allen Wahlen 2022 (außer in Berlin) unerreichbar war, könnte sich noch mal in einen Kuschelclub mit der braunen Eminenz aus dem Saarland, die exorbitante Nebenverdienste einstreicht, aber nicht mehr im Bundestag erscheinen mag, zurückverwandeln?

Sahra Sarrazins anti-linke und anti-woke und anti-Grüne und anti-humanistische Verschwörungstheoretiker-Videos, werden 1:1 auf den antisemitischen rechtsextremen und hardcore-Schwurbler-Blogs, wie beispielsweise David Berger eingebettet und vom braun-putinesken Bodensatz bejubelt.

Natürlich sammelt sie dort Applaus und Zustimmung unter den Springerbestiefelten bomberjackigen Glatzköpfen. Es ist schließlich nicht schwer, den Soros-besessenen Covidioten-Mob zu enthusiasmieren. Wer bereits Aluhut trägt und sich vor Chemtrails fürchtet, ist leicht für Sahra Braun zu erreichen. Kein Kunststück.

Aber das ist erstens ungefähr so ethisch wie der Kapitän eines sinkenden Passagierdampfers, der sich als selbst rettet, indem er Frauen und Kinder aus den Rettungsbooten tritt und zweitens natürlich der Grund, weswegen die Linke für klassische linke Wähler unwählbar geworden ist.

Ich habe 30 Jahre lang nach 1989 für Rotrotgrün plädiert, verstehe mich durchaus im Pirinçci-Sinne als „linksgrünversifft“, aber so wie man keine Partei wählen kann, in der eine völkische Putin-Populistin als Aushängeschild fungiert, verbietet es sich mit ihr zu koalieren.

Ich will mit einer Partei, deren prominenteste Figur begeistert auf Nazi-Websites eingepflegt wird, nichts zu tun haben.

Wagenknecht entzückt mit ihrem Parforceritt durch die TopTen-Schwurbelthemen gerade in der Ex-DDR die Querfront.

[….] Die Nato habe Putin provoziert, Sanktionen schadeten dem Westen mehr als Russland und die Ukraine solle ihre "Maximalziele" im Krieg aufgeben. Ein "Maximalziel" ist für Wagenknecht die Befreiung der seit 2014 von Russland besetzten Krim. Die Frage, ob es nicht anmaßend sei, der Ukraine Bedingungen für einen Frieden zu diktieren, verkehrt Wagenknecht geschickt ins Gegenteil. Der Westen sei längst Teil des Krieges und dürfe der Ukraine nicht vorschreiben, dass sie bis zum letzten Mann zu kämpfen habe. Das kommt gut an beim Chemnitzer Publikum, mehrheitlich jenseits der 50. Ähnlich gut kommen an: antiamerikanische Töne, Attacken auf Vizekanzler Habeck, Augenrollen über "den Schwachsinn mit den Wärmepumpen", Sehnsucht nach Volksabstimmungen nach Schweizer Vorbild und die Behauptung, Gesundheitsminister Karl Lauterbach habe wider besseres Wissen falsche Dinge über die Corona-Impfungen erzählt.

Das ist ungefähr die Themenmischung, die Wagenknecht die Querfront-Fantasien auf der äußersten Rechten eingebracht hat. Der rechtsextreme Publizist Jürgen Elsässer träumt schon lange von einer Allianz mit der Ostdeutschen. Für ihn ist Wagenknecht der lebende Beweis, dass es sogar bei den Linken Vernünftige gebe. "Ich freue mich, dass Sahra Wagenknecht in die Offensive geht und wünsche mir mehr davon", sagte Elsässer im November 2022 in Leipzig unter dem Jubel rechtsradikaler Anhänger. Elsässer hat Wagenknecht als "Die beste Kanzlerin" auf das Cover seines Compact-Magazins gehoben, "eine Kandidatin für Links und Rechts", und kam zu ihrer großen Demo nach Berlin.  [….]

(Iris Mayer, SZ, 20.04.2023)

Ich verstehe nicht, wieso Gysi nicht versteht, daß generell Links-affine Typen wie ich, niemals eine Frau wählen werden, die für Trump und Putin schwärmt.

Ich verstehe sehr gut, wieso die Linke reihenweise prominente Parteimitglieder verloren hat, die nur noch mit Austritt auf die langjährige Wagenknecht-Duldung reagieren konnten. Der frühere Europa- und Bundestagsabgeordnete Fabio de Masi trat aus, der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider verließ die Partei, Hennig-Wellsow warf hin, die Rheinland-Pfälzische Landeschefin Melanie Wery-Sims trat aus.

[….]  Wer Gregor Gysi ein wenig kennt, der weiß, dass er recht stur sein kann. Und vermutlich ist es nur mit dieser Sturheit zu erklären, dass er immer noch daran glaubt, die Linkspartei in ihrer gegenwärtigen Form retten zu können. Also unter weiterer Beteiligung von Sahra Wagenknecht, der innerparteilichen Oppositionsführerin. Ein Versuch ist es noch wert, findet Gysi. Er sitzt in seinem Bundestagsbüro im Jakob-Kaiser-Haus und sagt: "Ich arbeite daran, dass keine Abspaltung stattfindet und keine neue Partei gegründet wird. Und dieses Ziel habe ich noch nicht aufgegeben." [….]

(Boris Herrmann, SZ, 23.04.2023)

Gysi hat ganz offensichtlich den Kontakt zur Realität verloren.

Ich verstehe auch nicht, wieso sich die noch verbliebenen, nicht AfD-freundlichen Linken so passiv erdulden, wie parteischädigend sich Wagenknecht sich verhält. Natürlich wäre die wackelige Fraktionsstellung mit ein paar Weidelknechten weniger Geschichte. Man wäre nur noch ein Bundestagsgruppe mit weniger Privilegien. Aber sie wären weiter Bundestagsabgeordnete. Das sollte doch besser sein, als eine derart erpressbare zukünftige 2%-APO.

[….] Die Führung der Linken sitzt seit Monaten wie das Kaninchen vor der Schlange. Alle in der Parteispitze um Janine Wissler und Martin Schirdewan ahnen: Spaltet sich die frühere Fraktionschefin tatsächlich mit einer eigenen politischen Kraft ab, dürfte es rundgehen bei den Linken. Zukunft? Offen. Demoskopen bezifferten das Potenzial einer neuen Wagenknecht-Partei aktuell auf 24 Prozent. Ihre Parolen zum Ukrainekrieg und zur Migrationspolitik finden bis ins rechtspopulistische Spektrum hinein Zuspruch, Wagenknecht selbst dürfte mit ihrer Bekanntheit ziehen. Läuft es gut, könnte sie noch ganz andere Parteien herausfordern als jene, die ihr Mann Oskar Lafontaine einst mit gründete. […..]

(SPON, 28.04.2023)

Daß Wissler, Gysi und Schirdewan große Angst haben, verstehe ich. Aber erstens haben sie sich die desaströse Situation durch jahrelange Untätigkeit selbst eingebrockt und zweitens wählt man keine Partei, deren Chefs so damit beschäftigt sind, sich in die Hosen zu scheißen, daß sie sich nicht trauen den Mund aufzumachen.

Keine Stimme für die Partei der vollen Hosen.