Samstag, 21. November 2020

Nazis hinter den Kulissen

 Schon als ganz kleines Kind faszinierte es mich meine Oma „von früher“ erzählen zu hören. Ich hatte nur einen von vier Großelternteilen, beide Opas waren lange vor meiner Geburt gestorben.

Anfangs hatte ich Mühe den Unterschied zwischen ersten und zweiten Weltkrieg zu verstehen, aber sobald ich alt genug war, stellte ich dauernd Fragen.

Meine Oma und ihre Schwägerin, meine Großtante, waren beide noch im 19. Jahrhundert geboren und hatten beide Weltkriege miterlebt.

Bei der amerikanischen Hälfte meiner Familie hatte ich logischerweise keine dunklen Geheimnisse aus der Nazi-Zeit zu befürchten; die Männer der Generationen waren Soldaten im Kampf gegen Hitler.

Bei meiner deutschen Familie hingegen hatte ich schlicht und ergreifend Glück, daß sie keine Nazis waren.

Allerdings haben meine Großeltern ihre Kinder, teils aus Sorge, teils aus Hilflosigkeit weitgehend von Politik abgeschirmt.

Die ältere Schwester meiner Mutter, meine Tante nahm es ihren Eltern aber insbesondere sich selbst später übel nicht genauer hingesehen zu haben.

Wie viele, die in den 1920ern geboren waren, fand sie die Nazi-Jugendorganisationen ganz spannend. Sie hat mir oft fassungslos über sich selbst berichtet wie naiv sie damals war und den BDM als einen Pfadfinderspaß betrachtete und fröhlich mit Fackeln umher zog, ohne die Indoktrination zu bemerken.

Erst als der Krieg schon tobte, als ganz junge Erwachsene wurde sie sich wirklich über den Charakter des NSdAP-Regimes klar.

Wie viele aus ihrer Generation zog sie nach dem Krieg daraus die Konsequenz, daß ihr das nie wieder passieren würde und wandelte sich zu einer extrem informierten, engagierten und kämpferischen Frau, die in den 1950ern aktiv gegen die „Wiederbewaffnung“ stritt.

Sie war politisch und historisch umfassend bewandert, saugte alle Informationen über das Geschehen während ihrer Jugend auf; immer weiter staunend, daß sie damals als Zeitzeugin nicht neugieriger war.

Ihre erste Konfrontation mit den schrecklichen Wahrheiten war pures Klischee. Ein befreundeter Fronturlauber erzählte (trotz des strikten Verbots) Ungeheuerlichkeiten über die begangenen Kriegsverbrechen. Sie wollte es erst nicht glauben, aber ihr Freund war sehr glaubwürdig. Der nächste Erkenntnisschritt war also, daß die Berichte offensichtlich der Wahrheit entsprachen, aber „der Führer“ könne davon nichts wissen.

Heute ist „wenn das der Führer wüßte“ ein runnig gag.

Damals bedeutete es, daß man den Führer nach wie vor für eine moralische Lichtgestalt hielt, der die Grausamkeiten an Juden und Zivilisten sicherlich nicht guthieße.

Meine Tante erzählte mir oft, daß sie sich als Kind und ganz junger Teenager „den Führer“ als total asketischen Menschen vorstellte, der keinerlei privaten Vergnügungen nachging und deshalb keine Familie hatte, weil er Tag und Nacht für Deutschland arbeite. Er säße rund um die Uhr in seinem Büro, beschäftige sich mit Akten, arbeite sich durch Details, entwickele Strategien.

Der groteske doppelte Twist an der Geschichte ist, daß erstens die beispiellosen deutschen Verbrechen und genozidalen Grausamkeiten natürlich nicht passierten, obwohl Hitler das nicht wollte, sondern weil er selbst der Grausamste und Skrupelloseste von allen war. Ihm konnte es gar nicht bestialisch genug sein.

Zweitens wußte Hitler aber tatsächlich viele Dinge nicht. Das lag aber nicht daran, daß man ihm die schlimmen Dinge verheimlichte, sondern daran daß er schlicht und ergreifend stinkend faul war.

Speers gigantische Reichkanzlei in der Berliner Voßstraße war an Protz kaum zu übertreffen: Am Ende einer prachtvoll geschmückten 300 Meter langen Raumflucht lag Hitlers 400 m² großes Arbeitszimmer mit einer Deckenhöhe von zehn Metern. Der grotesk überdimensionierte Saal war vollgestopft mit Kunstwerken und den kostbarsten Materialien.

Aber Hitler arbeitete so gut wie niemals dort, sondern nutzte den Bau lediglich, um bei Staatsbesuchen seine Diktatorenkumpel zu beeindrucken.

Nachdem er Reichskanzler wurde, nahm er kaum an Kabinettssitzungen teil, ab 1938 wurden sie sogar völlig eingestellt.

Nachdem Hitler im September 1939 den Zweiten Weltkrieg vom Zaun brach, hatten die Militärs ihre liebe Mühe ihn zu informieren, weil er einfach nicht zuhören wollte, sondern sich lieber in endlosen Unsinns-Monologen erging.

Erst Jahrzehnte nach 1945 wurde auch klar, was es mit Hitlers Lust-Wohnsitz in Berchtesgaden, dem Berghof in Obersalzberg auf sich hatte.

Das 1935 von Roderich Fick fertig gestellte repräsentative Führer-Domizil war sein Lieblingsplatz. Von den 12 Jahren seiner Herrschaft verbrachte er rechnerisch über vier Jahre dort oben.

Aber anders als meine Tante sich es als Kind vorstellte, arbeitete Hitler dort überhaupt nicht. Im Gegenteil, der Berghof diente zum Bacchanalisieren, zum Chillen und vor allem liebte es Hitler dümmliche Revue-Filme zu sehen.

Es gab einen Vorführsaal, in dem er seine Gäste vier, fünf Filme nacheinander sehen ließ – nur unterbrochen von Hitlers Selbstlob-Monologen.

Es faszinierte mich zu ergründen wie effektiv die NS-Propaganda war den absoluten Faulpelz Adolf Hitler als unermüdlich schwer arbeitenden anspruchslosen Menschenfreund darzustellen.

Schließlich war er in jeder Hinsicht das diametrale Gegenteil.

Inzwischen fällt mir auf, daß Nazis, Faschisten, Rechtsextreme; kurzum alle Politiker, die auf Hass setzen und sich nicht für Fakten interessieren ebenso stinkend faul sind.

Ob die deutschen Republikaner, die DVU, NPD und später AfD – wann immer sich diese rechtsextremistischen Parteien aufmachten deutsche Parlamente zu erobern, fielen sie mit extremer Faulheit auf.

Der Hamburger AfD-Fraktionsvorsitzende Kruse hielt sich während seiner Amtszeit gar über Monate in den USA auf.

Der beste aktive AfD-Politiker ist zweifellos der Hamburger Fraktionschef Jörn Kruse, der während seiner Amtszeit für mehrere Monate in die USA zog und einfach von Kalifornien aus seine dreifachen Abgeordnetenbezüge (als Fraktionsvorsitzender) kassierte, ohne sich auch nur auf demselben Kontinent des Parlaments zu befinden, für das er als Volksvertreter gewählt und bezahlt wurde.

(……) Ich weiß nicht was CDU und SPD zu meckern haben wegen der 24.000 Euro, die Kruse kassiert.
Mir ist es lieber, wenn die AfD abkassiert und nicht im Parlament erscheint, als wenn sie das Geld nimmt und auch noch zu den Sitzungen erscheint; da womöglich sogar redet.

„Die Arbeit leidet nicht“, sagt Bernd Baumann, der als stellvertretender Vorsitzender zusammen mit Ex-Schill-Innensenator Dirk Nockemann nun die Fraktion leitet. „Wir sind täglich in Kontakt.“ Auf telefonische Anfragen der taz antwortete der 67-Jährige indes nicht.   Aus Sicht der Bürgerschaftskanzlei gibt es formal kein Problem: „Die Abgeordneten verfügen über ein freies Mandat“, sagt Ulfert Kaphengst, Sprecher von Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit (SPD). Sie seien „nur ihrem Gewissen und ihren Wählern verantwortlich“. Insofern bestehe für Volksvertreter auch keine Anwesenheitspflicht in Plenarsitzungen und Ausschüssen. Ihre vollen Diäten erhielten sie weiterhin. Bei Kruse sind dies gut 8.000 Euro monatlich, da er als Fraktionsvorsitzender die dreifache Diät eines einfachen Parlamentariers erhält. Begründet wird die Höhe dieser Vergütung im Abgeordnetengesetz damit, dass der Posten des Fraktionschefs ein „Vollzeitjob“ sei – zumindest in der Theorie.

Kruse hat Parlamentspräsidentin Veit am 12. November 2015 über seine Auszeit informiert. Die habe das „zur Kenntnis genommen“, sagt ihr Sprecher Kaphengst, zu erlauben oder zu untersagen habe sie nichts. Kruse habe bislang keinen bleibenden Eindruck im Parlament hinterlassen, spottet FDP-Fraktionschefin Katja Suding: „Sein dreimonatiger Auslandsaufenthalt dürfte deshalb wohl kaum auffallen.“ Ähnlich sieht das auch der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Dirk Kienscherf.

(taz 13.01.2015)

Ich wünschte, Höcke, Gauland und Petry nähmen sich ein Beispiel an dem Hamburger Kollegen und verschwänden für Monate aus Deutschland.

Ach was für Monate.

Wenn sie nie wieder kommen, ist das immer noch früh genug.

Das sollte dem Steuerzahler einiges wert sein! (…..)

(Lob der Hamburger AfD 14.01.2016)

Die Hamburger AfD-Fraktionen schwänzt entweder – fast nie sind AfD-Abgeordnete in den  Bürgerschaftssitzungen oder Ausschüssen anwesend. Sie betreiben weitgehend Arbeitsverweigerung.

Oder sie talibanisieren den Parlamentsbetrieb mit Gaga-Anfragen, um ihre politische Untauglichkeit zu demonstrieren.

Wenn Nazis ins Parlament einziehen, kassieren sie ab, machen Unsinn oder stören. Konstruktive Mitarbeit gibt es nicht.

Da sollte man dankbar für all die Zeit sein, in der sie einfach ihrer Faulheit nachgeben.

(….) In Hamburg vollführt die erste westdeutsche AfD-Fraktion die morialogische Wende in Perfektion.   Zuerst bewiesen sie ihre völlige Konzeptionslosigkeit, Unfähigkeit und Faulheit:

Acht Abgeordnete um ihren Chef Jörn Kruse sitzen für die AfD seit Wochen in der Hamburger Bürgerschaft. Seitdem sie im Parlament mitreden dürfen, schweigen sie eisern und machen durch komplette Arbeitsverweigerung auf sich aufmerksam. Zu den Koalitionsverhandlungen, der neuen Regierung, den Plänen für diese Legislatur gibt es nicht nur keine Stellungnahme im Parlament, sondern überhaupt keine Kommentare der acht stummen AfD-Strohpuppen.

Während die CDU allein bei der letzten Bürgerschaftssitzung zehn Anfragen an den Senat stellte, tat die gesamte AfD rein gar nichts. Keine Wortmeldungen, keine Anfragen, keine Kommentare.

Journalisten von der Morgenpost haben sich bemüht die AfD-Parlamentarier zu erreichen, um wenigstens irgendetwas von ihren zu hören, wenn sie schon von allein nichts sagen wollen.

Aber kein Telefon ist besetzt. Es gibt nur Mailbox-Texte: „Zur Zeit ist niemand erreichbar!“

Das ist ein gutes Zeichen. Wenn man sich schon damit abfindet, daß rechtes Pack immer wieder in Landesparlamenten landet, ist es schön zu wissen, daß sie dort wenigstens rein gar nichts bewirken und ihre Ideologie vollständig verpufft.

[….]  Die Hamburger AfD ist – kaum ins Parlament gewählt – wie vom Erdboden verschluckt.   [….]  Kein Lebenszeichen hat die neue Fraktion bislang von sich gegeben, keine Anfragen, keine Initiativen, keine Pressemitteilungen. Bezüge, Gehälter und Zuschüsse werden dagegen gerne kassiert.   Markige Sprüche, aber nichts dahinter: Erstaunlich, wie schnell die Rechtspopulisten sich selbst entlarven – und beweisen, dass sie in unserem Parlament schlicht überflüssig sind.

(Mathis Neuburger 11.04.2015)

(Das Gute an den Schlechten – 12.04.2015)

Inzwischen wurde Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz mit mehreren Oppositionsstimmen gewählt.

Es folgte eine generelle Aussprache, bei der CDU, FDP und Linke sich ordentlich aufplusterten.

Die AfD nicht. Sie schwänzte die komplette Bürgermeisterwahl.

Entweder alle acht Abgeordneten der AfD waren zufällig an dem Tag krank, oder aber sie haben sich auf dem Weg in die Bürgerschaft verlaufen.

Auch das ist angesichts der zweistelligen Intelligenzquotienten der braunen Trottel durchaus denkbar.

Vielen Dank an die AfD-Wähler, daß solche Polit-Simulanten nun vom Steuerzahler alimentiert werden.

Schneller als erwartet, setzten nun bei der Hanseaten-AfD nach der Konzeptionslosigkeits-, Unfähigkeits- und Faulheitsphase bereits Phase IV und V ein:
Dekonstruktion und Lyse.

Dirk Nockemann, der braune Bewunderer des SAT1-Penisschwenkers Schill, pumpte sich erfolgreich zum Anus des Parlaments auf. (…………..)

(Das Gute an den Schlechten – Teil II, 09.05.2015)

Es gab 2019 eine ZDF-Dokumentation über die Arbeit je eines Abgeordnetem im Bundestag; "Die Müllers und das Hohe Haus".

Der AfD-Müller, Hansjörg, war – natürlich – der einzige, der durch Faulheit auffiel.

(….) Die sechs Müllers aus "Die Müllers und das Hohe Haus" sind Sepp Müller (CDU), Stefan Müller (CSU) Detlef Müller (SPD), Hansjörg Müller (AfD), Beate Müller-Gemmecke (Grüne) und Frank Müller-Rosentritt (FDP) dabei - zudem als Ausnahme Amira Mohamed Ali (Linke).

Wer konnte schon ahnen, daß die Hamburgerin Mohamed Ali nach Fertigstellung der Doku im November 2019 neue Fraktionsvorsitzende der Linken sein würde?

Wer konnte wissen, daß Sepp und Stefan genau entsprechend des Parteienklischees langweilige Hinterbänkler bleiben sollten, daß der SPD-Müller zu der nahezu ausgestorbenen Spezies der echten Arbeiter gehörte, daß die Grüne natürlich eine Doppelnamenfrau wie aus dem Buche ist, daß AfD-Hansjörg nicht nur mit weitem Abstand der Unsympathischste ist, sondern auch wie alle Rechtsextremen, die frisch ins Parlament einziehen, sehr bald mit ostentativer Faulheit auffällt. Die Ausschusssitzungen sind ihm viel zu lang. Statt das aber zu bedauern, schaltet er wie ein kleines bockiges Kind in den „Ich bin beleidigt“-Modus und erklärt dummdreist, er lasse sich das nicht bieten und gehe immer früh nach Hause zu seiner Familie, wenn die Kollegen der anderen Fraktionen sich noch stundenlang die Kopfe zerbrechen.

Mehr Rechtsaußen-Klischee geht wirklich nicht. (…..)

(Doof, doofer, FDP, Sachsen-FDP!, 17.01.2020)

Trump und seine Trumpisten passen hervorragend ins Bild.

Moskau-Mitch McConnell begräbt jede Gesetzesinitiative, verhindert die Arbeit des gesamten US-Parlaments.

Während der virtuelle G20-Gipfel in Saudi Arabien stattfindet und die mehr als dringende Frage diskutiert wird, wie man die kommenden Corona-Impfstoffe gerecht und schnell in der Welt verteilt, hat ein Teilnehmer keinen Bock mehr – Trump! Er kappt die Leitung und geht golfen.

Seine Pressesprecher, die etwa 180.000 Dollar vom amerikanischen Steuerzahler erhalten, für ihren Job das Volk über die Regierungsarbeit zu informieren, ließen sich teilweise über Monate nicht blicken.

White House Press Secretary Kayleigh McEnany trat gestern das erste mal seit dem 01.10.2020 wieder vor der Hauptstadtpresse auf, gab einige ungeheuerliche dreiste Lügen von sich und stürmte sobald die erste Frage kam wieder aus dem Raum.

Während Corona schlimmer denn je in den USA wütet; die Intensivstationen sind voll, fast 200.000 neue Infektionen pro Tag und knapp 2.000 neue Todesfälle pro Tag, hat die Trump-Regierung das Regieren eingestellt.

In den 16 Tagen nach der US-Wahl am 03.11.2020 hatte IQ45 nur einen einzigen Termin. Auf dem Friedhof.

Den Rest der Zeit ist er abgetaucht, frisst Fast Food, golft und guckt hauptsächlich TV.

[…..] The President of the United States is absent without leave.   President Donald Trump made his first public appearance in six days Wednesday when he visited Arlington National Cemetery for a somber ceremony commemorating Veterans Day alongside first lady Melania Trump and Vice President Mike Pence. He did not speak at the event.  But as he mounts a fierce battle to remain in office and refuses to concede the election he lost, Trump has shown little interest in the work of being President. Since he vowed to fight the election results in the wee hours after Election Day, Trump, who has spent four years producing television moments showcasing his office, has made few efforts to show the American people he is still governing. [….]

(CNN, 11.11.2020)

In Punkto Arbeitsmoral ist der Vergleich Trump-Hitler also durchaus angemessen.

Freitag, 20. November 2020

Schockwellen bis an die Elbe

Es fällt mir immer noch schwer mir vorzustellen wieso jemand in Deutschland im Jahr 2020 immer noch zahlendes Mitglied der römisch-katholischen Kirche ist, wenn man nicht dazu gezwungen wird, weil man auf einen Kindergarten-, Heim- oder Arbeitsplatz in einer zu 96-100% staatlich finanzierten Einrichtung unter katholischer Trägerschaft ist.

Wer es wissen wollte, konnte schon immer wissen was für ein moralisch verkommener krimineller Verein das ist.

Seit gut zehn Jahren aber wird so öffentlich, so umfassend über den zutiefst bestialischen und sadistischen Kindesmissbrauch in allen Bistümern berichtet, daß nun auch diejenigen, die fest ihre Augen verschließen wollten, informiert sind. Vom Kaplan bis zum Papst haben sich alle Geistlichen, die Hirten und Oberhirten, die Seelsorger aktiv daran beteiligt die Sextäter zu schützen, die Opfer zu hintergehen, die Taten zu vertuschen, die Staatsanwaltschaften zu täuschen und die psychisch schwer gezeichneten Überlebenden der Vergewaltigungen nach Jahren und Jahrzehnten erneut zu demütigen.

In der perfidesten Form zeigt sich die deutsche RKK gerade am Beispiel Köln.

Erzbischof-Eminenz-Metropolit-Kardinal Woelki kündigte vollmundig eine Studie über den sexuellen Missbrauch der Priester seines Erzbistums an, warb damit um Vertrauen bei den Opfer-Vertretern und als ihm die Ergebnisse nicht passten, hinterging er die Opfer auf perfide Weise ein weiteres mal und entschloss sich dazu lieber seine Mitbrüder im Amt, die Täter zu schützen.

Die Presse ist schlecht, die Opfervertreter ziehen sich aus dem Betroffenenrat zurück, nachdem ihnen Woelki so klar zu verstehen gibt, daß ihm ihr Leid völlig egal ist und er lieber die Täter, die sie missbrauchten, psychisch quälten und physisch misshandelten unterstützt.

Selbst die aktivsten und kirchenfreundlichsten Katholischen Laien sind entsetzt.

[…..] "Sexualisierte Gewalt ist seit langem ein strukturelles Problem in der katholischen Kirche", heißt es in der endgültigen Version. "Täter und Täterinnen sind nicht nur diejenigen, die aktiv missbrauchen, sondern auch alle, die vertuschen, verharmlosen und eine offene und transparente Aufdeckung der Taten behindern." Am Freitag hat die Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) diesen Text mit großer Mehrheit beschlossen. Die Debatte um den Umgang der katholischen Kirche mit sexualisierter Gewalt ist mit voller Wucht zurück - und sie hat auch das ZdK durchgerüttelt. […..] In dem beschlossenen Papier des ZdK heißt es entsprechend: "Aktuell sind wir Zeuginnen und Zeugen intransparenter Vorgänge im Erzbistum Köln. Wir fordern, diese vollständig offen zu legen und insbesondere die Ergebnisse aus dem Gutachten der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl zugänglich zu machen." […..]

(Annette Zoch, 20.11.20)

Die Männer, die Kardinal Woelki erneut missbrauchte, können ihre Illusionen von einer lernfähigen RKK begraben.

Ich kann nur staunen wie ruhig die als Kinder vergewaltigen Patrick Bauer und Karl Haucke im Interview mit der Süddeutschen Zeitung argumentieren.

Wieso setzen sie sich überhaupt noch mit der Täterorganisation an einen Tisch?

[…..] Das Erzbistum Köln beauftragte eine unabhängige Untersuchung zur sexualisierten Gewalt, dann verhinderte es deren Veröffentlichung. Ehemalige Mitglieder des Betroffenenbeirates stimmten zu - unter Druck wie sie heute sagen.  […..]  Doch offenbar wurde der Betroffenenbeirat überrumpelt und unter Druck gesetzt. Heute erheben seine ehemaligen Sprecher Patrick Bauer und Karl Haucke schwere Vorwürfe. […..]

Patrick Bauer: […..]. Ich habe dem Kardinal jetzt geschrieben, dass wir offenbar ein unterschiedliches Verständnis von Vertrauen und Augenhöhe haben. […..]

Karl Haucke: Es ist eine Riesenenttäuschung. Ich bin in den Beirat gegangen, um anderen Betroffenen zu helfen. Nach einem Suizidversuch war ich insgesamt 15 Monate in der Psychiatrie, hatte etliche Therapien hinter mir. Danach habe ich gemerkt: Ich will nicht bis zum Lebensende Opfer sein. Ich wollte konstruktiv mit dem Thema umgehen und habe Kardinal Woelki gesagt, ich gebe der Kirche eine zweite Chance. Er hat das offenbar so interpretiert, ich ergreife Partei für ihn. Ich wollte aber parteilich für Betroffene sein. […..]

Haucke: Patrick, mich hast du damals bei der Frühjahrsversammlung der Bischöfe in Mainz erreicht. Ich habe deiner Presseerklärung auch zugestimmt. Ich habe Kardinal Woelki geglaubt. Ich war ganz sicher, der ist an Aufklärung interessiert. Das hat sich dann verändert. Wir hatten den Sommer über mindestens zwei Gespräche mit dem Generalvikar und dem Kardinal. Ich habe gemerkt, wie ich immer häufiger in ihre Augen schaute und mich fragte: Können diese Augen lügen? Und ganz instinktiv wuchsen meine Zweifel. […..]

Bauer: Wir wurden völlig überrannt. […..]

Haucke: Ich halte das heute für eine gezielte Irreführung.[…..]

[SZ:] Was wusste da der Betroffenenbeirat über die Münchner Untersuchung?

Haucke: Nichts. Aber die Erkenntnisse müssen toxisch sein aus Sicht des Erzbistums. Sonst würden sie sich nicht derart der Kritik der Öffentlichkeit und dem Zorn vieler Betroffener aussetzen, um das zu unterdrücken. Deshalb war ihnen auch unsere Unterstützung so wichtig. […..]  Wir wurden in Geiselhaft genommen. Ich quäle mich gar nicht so sehr mit der Frage, wann welcher Jurist was wie bewertet, oder ob Kardinal Woelki etwas versprochen und dann nicht gehalten hat. Mich treibt die Verbindung um zwischen meinem tatsächlichen Missbrauch durch einen Priester vor 50 Jahren und dem, was ich jetzt erlebt habe. Für mich ist das eine Retraumatisierung. Es geht mir sehr schlecht. Das hat jemand mit mir angestellt, der mir vorher Zusammenarbeit auf Augenhöhe angeboten hat. […..] Bauer: Bis vorletzte Nacht habe ich kaum mehr als drei, vier Stunden geschlafen. Ich liege wach und grüble. Es ist eine Katastrophe. Mir ist an diesem Sonntagabend bewusst geworden, was passiert ist. […..]

(SZ, 20.11.20)

Woelki versucht offensichtlich seinen Vorgänger und Großzampano Kardinal Meisner (1933-2017) zu schützen.

Meisner, der Erzkatholische war nicht nur ein enger persönlicher Freund zweier Päpste, wortmächtiger Islamhasser, Misogyner, Homophober, Milliarden-Jongleur und NS-Vergleicher, sondern auch eine Ein-Mann-Kaderschmiede.

Systematisch setzte er die dunkelkatholischen Hardliner seiner Schule in Machtpositionen in ganz Deutschland.

Matthias Heinrich, Weihbischof in Berlin wurde von Meisner zum Priester geweiht.

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch wurde von Meisner zum stellvertretenden Generalvikar in Köln ernannt.

Der Hamburger Erzbischof Heße war Meisners Generalvikar.

Der heutige Kölner Erzbischof Woelki war Meisners Weihbischof in Köln.

Norbert Trelle, emeritierter Bischof von Hildesheim war ebenfalls Meisners Weihbischof in Köln.

Auch Friedhelm Hofmann, emeritierter Bischof von Würzburg ist ein Meisner-Gewächs, wurde 1992 von ihm zum Kölner Weihbischof geweiht.

Die Liste ließe sich fortsetzen; Meisner war derartig gut mit dunkelkatholischen Kreisen des Vatikans vernetzt, daß er all seine Schäfchen zu Bischöfen und Erzbischöfen machen konnte.

Auch der hochumstrittene Hamburger Erzbischof Heße, der sich zwar in der Katholischen Diaspora befindet, dafür aber das flächenmäßig größte deutsche Bistum leitet ist ein Meisner-Schüler und durch dessen Protektion in sein Amt gekommen.

Wie zu erwarten, hat er es sich wie sein ehemaliger Chef, der trotz heftiger Proteste 1987 aus Berlin kommend gegen alle Regeln von Woytila nach Köln geschickt wurde, in Rekordzeit maximal unbeliebt gemacht.

Das ist gewissermaßen der Signature-Move der Meisner-Jünger.

Nun gibt es aber erst einmal einen kleinen Karriereknick. Obschon ihn Kollege Woelki offensichtlich schützen will und den ganz großen Schmutz zurückhält.

[…..] Die Vertuschungsvorwürfe gegen den Hamburger Erzbischof Stefan Heße im Zusammenhang mit Fällen sexualisierter Gewalt haben jetzt erste personelle Konsequenzen: Heße lässt sein Amt als Geistlicher Assistent des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) ruhen. Er nehme nicht an der am Freitag beginnenden Vollversammlung teil und werde "pausieren", sagte Heße laut Teilnehmern am Donnerstagabend bei einer außerordentlichen Online-Sitzung des ZdK.   Der Druck auf den Erzbischof war auch innerhalb des ZdK zuletzt enorm gestiegen: Die mitgliederstarke Arbeitsgemeinschaft der katholischen Organisationen Deutschlands (AGKOD) hatte Heße zuvor aufgefordert, sein Amt ruhen zu lassen. Die AGKOD vertritt 125 katholische Organisationen. […..] Im Erzbistum Köln beschäftigte man sich am Mittwoch auch noch mit anderen Fragen: Laut einem Bericht des Kölner Stadt-Anzeigers hat das Erzbistum zeitweise die Internetseite der Katholischen Hochschulgemeinde Köln (KHG) stillgelegt. Grund ist ein Positionspapier, in dem die KHG unter anderem das Auftreten kirchlicher Amtsträger als "unerträglich" kritisiert und einen konsequenten Umgang mit Missbrauchstätern fordert.   Das Erzbistum teilte mit, es sei an kritischer Auseinandersetzung interessiert, auf Grundlage dieses Papiers sei aber kein sachlicher Dialog möglich. Den KHG-Mitarbeitern drohten arbeitsrechtliche Konsequenzen. Am Donnerstag war die Seite wieder zugänglich, allerdings ohne Positionspapier. [……]

(Annette Zoch, SZ, 19.11.2020)

Donnerstag, 19. November 2020

Wer ist der Zweitschlimmste?

Wer der schlimmste Politiker ist, der einem am meisten auf die Nerven geht, hängt üblicherweise davon ab, wenn man zuletzt häufig gesehen hat.

In den 1980ern schwankte ich bei der Frage üblicherweise zwischen Schäuble, Strauß, Tandler, Erich Riedl, Koch, Lummer. Aber es kam vor, daß meine Mutter zwei Jahre nach dem Ende der Amtszeit von Manfred Kanther anrief und sagte „Gerade habe ich eine Dokumentation über Kanther gesehen… Also nein; ich hatte ja ganz vergessen wie furchtbar der ist; jetzt ist Kanther für mich der Schlimmste überhaupt!“

Entweder es liegt an der nivellierenden glattgelutschten Art Politiker unserer Zeit oder an meinem Alter; aber viele rechte Unions-Vertreter von heute halte ich zwar für gefährlich und extrem schlecht – zB Altmaier, Klöckner, AKK, Merkel – aber die triggern mich nicht mehr so persönlich. Die sind schlimm, bringen aber meinen Blutdruck nicht mehr in Wallung; außer vielleicht Spahn und Merz.

Zudem sind einige schlicht und ergreifend Witzfiguren und durch ihre drastische Unfähigkeit derartig lächerlich, daß man sich auch nicht recht vor ihnen fürchten kann (Pofalla, Scheuer, Dobrindt).

Die Typen, die mich im Jahr 2020 am meisten aufregen, sind überwiegend in der AfD und sitzen daher wenigstens nicht direkt an den Hebeln der Macht.

Die Nackenhaare sträuben sich mir aber durchaus noch bei den schweren Religioten der Parteien – Kerstin Griese, Wolfgang Thierse, Andrea Nahles, Volker Beck, AKK, Schavan, Mechthild Löhr, Christian Hirte, Hubert Hüppe.

In den USA ist die Frage nach dem schlimmsten Politiker müßig, weil niemand in der Disziplin jemals mit Donald Trump mithalten kann.

Spannend ist also höchstens die Frage, wer der Zweitübelste ist.

Matt Gaetz? Jim Jordan? Richard Grenell? Kayleigh McEnany? Steven Miller? Jason Miller? Kellyanne Conway? Corey Lewandowski? Matt Schlapp?

Das sind allesamt zutiefst bösartige und extrem verlogene Fanatiker; echte Amoralisten, die gar keine Hemmungen mehr kennen.

Noch schlimmer sind in gewisser Weise die unfassbar verlogenen Superheuchler an den Schaltstellen der Macht – Mike Pence, Lindsey Graham, Mike Pompeo, Bill Barr, Moscow-Mitch McConnell – weil sie nicht ganz so verblödet wie die Gaetz-McEnay-Schlapp-Kategorie sind.

Die wissen genau wie radikal sie lügen, wie kriminell sie agieren und wie demokratiezersetzend sie arbeiten; sie tun es aber aus Geld- und Machtgier trotzdem.

Ich staune selbst, daß die GOPer, die ich bis ca 2015 für die abstoßendsten und bösartigsten Brechmittel alles Zeiten hielt – Michele Bachmann, Ted Cruz, Rick Santorum, Sarah Palin – im Kampf um Platz Zwei nach Trump gar nicht mehr mitspielen.

Es liegt aber nicht nur daran, daß sie ein wenig in die zweite Reihe traten, sondern auch an der Fähigkeit der Gaetz-Jordan-Grenell-Generation Die Anmaßung, Destruktivität und Debilität eines Santorums noch mal deutlich zu überbieten.

Diejenigen GOPer, die wie Pompeo, Pence oder Nikki Haley davon träumen 2024 als Präsidentschaftskandidat anzutreten und potus No 47 zu werden, mögen immerhin noch ein strategisches Interesse daran haben Donald Trump in den Hintern zu kriechen.

Anders als viele (Demokraten) glauben, wird Trump nämlich am 20.01.2021 nicht von der politischen Landschaft verschwinden.

Der wird sich nicht ins Privatleben zurückziehen und still schmollend seine Niederlage akzeptieren, sondern weiterhin durch seine Tweets für 90 Millionen Follower täglich präsent sein. Sehr wahrscheinlich wird er weiterhin seine Rallys abhalten, weil sie für seine psychotische Seele wichtig sind und insbesondere als Einnahmequelle fungieren. Trumps Hotels und Golfplätze machen alle Minus. Ab 2021 werden über eine Milliarde Dollar Kredite fällig, die er zurückzahlen muss.

Bei 73-75 Millionen fanatischen Trump-Fans kann er am leichtesten Geld verdienen, indem er auf Rally-Tour geht und billigen in China hergestellten MAGA-Tand für Mondpreise verticken lässt.

T-Shirts, Base-caps, Wimpel, Fahnen, Poster, Aufkleber, Münzen, CDs – all das bekommt er über Ivankas Lizenzen für Bruchteile von Cents aus China und knöpft dann seinen Fans 60 oder 70 Dollar dafür ab.

FOX, Breitbart und OAN werden den Quotenbringer Trump auch weiterhin bereitwillig in all ihren Sendungen hofieren, so daß er kontinuierlich weiter behaupten wird die Wahl gewonnen zu haben und überhaupt alles besser als die Biden-Regierung zu machen.

Die Testikel- und Rückgrat-freien Möchtegern-Nachfolger in der GOP werden sich mit der PR-Maschine nicht anlegen, indem sie es wagen Trump zu kritisieren.

Gegen Trump aufstehen können weiterhin nur Ex-Republikaner der Lincoln-Project-Blase oder von der Rentnerbank – John Kasich, Colin Powell, Condoleezza Rice, Jeff Flake, David Frum, Tom Ridge, John Negroponte.

Kein Republikaner, der aktiv in der Politik steht hat den Mumm sich dem kriminellen 20.000-fachen Lügner und Verfassungsfeind entgegen zu stellen.

Entweder wollen sie noch etwas werden, oder sie ticken ebenso fanatisch-irre wie ihr oranges Idol.

 Für den Titel als zweitschlimmster US-Politiker, kommt allerdings der zutiefst debile Rudy Giuliani infrage.

Der Mann ist so offensichtlich verblödet, daß er seinem Mandanten Trump glücklicherweise mit öffentlichen Auftritten mehr schadet als nutzt.

Seine letzten beiden medialen Cameo-Großauftritte waren beide gleichermaßen hochnotpeinlich.

Einmal fummelte er rücklings auf einem Hotelbett liegend vor einer 15-Jährigen in seiner Unterhose rum – heimlich gefilmt von Sascha Baron Cohen.


Kurz darauf stand er wie irre faselnd auf dem Parkplatz eines Gartencenters, das er mit einem Luxushotel verwechselt hatte und prangerte eingerahmt zwischen einem Dildo-Shop und einem Krematorium.

 

Es ist schwer vorstellbar wie sich ein Anwalt noch lächerlicherer machen könnte.

 


Seine Auftritte geraten grundsätzlich zu einer Mischung aus Farce und Gruselshow.

[…..] Donald Trumps Anwalt blamiert sich vor Gericht[…..] Auftritt von Trump-Anwalt Giuliani vor Gericht gerät zur Farce   […..] Giulianis erster Auftritt vor Gericht seit fast dreißig Jahren sorgte vor allem für Spott. […..] Noch trauriger als die juristische Pleite für den Mann im Weißen Haus dürfte allerdings der Auftritt seines Rechtsvertreters am Dienstag vor einem US-Bezirksgericht in Williamsport gewesen sein. Zum ersten Mal seit fast drei Jahrzehnten stand Giuliani wieder als praktizierender Anwalt für einen Klienten im Gerichtssaal und sein Comeback ging gründlich in die Hose. Der 76-Jährige "fummelte an seinem Twitter-Account herum, vergaß, mit welchem Richter er sprach und warf mit unbestätigten Anschuldigungen über eine landesweite Verschwörung von Demokraten zum Diebstahl der Wahl um sich", schreibt der "San Francisco Chronicle".   Und die auf juristische Nachrichten spezialisierte Internetseite "Law & Crime" berichtet, schon in seiner "Eröffnungstirade" habe Giuliani Wahlbetrugsvorwürfe erhoben, die "eher für den rechtsgerichteten Äther geeignet schienen als für einen Bundesgerichtssaal".[…..] Später habe der Anwalt auf die Frage des Richters, welche Prüfungsnorm (standard of scrutiny) bei der Untersuchung des Vorgehens der Regierung von Pennsylvania angewandt werden sollte, entgegnet: "die normale." Die Antwort löste "Law & Crime" zufolge weit verbreiteten Spott unter Juristen aus, da sie offengelegt habe, dass Giuliani nicht mit den drei unterschiedlich strengen Untersuchungsstandards an US-Gerichten – "rational basis review", "intermediate scrutiny" und "strict scrutiny" – vertraut sei. Giuliani räumte demnach später in der Anhörung sogar ein, dass er nicht wisse, was "strict scrutiny" bedeute. 

Und der Republikaner hatte noch mit einem weiteren Begriff Probleme: In den von den Klägern monierten Bezirken "wurde ihnen die Möglichkeit verweigert, [die Stimmenauszählung] ungehindert zu beobachten und Opazität sicherzustellen", behauptete Giuliani. "Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich weiß, was Opazität bedeutet. Es bedeutet wahrscheinlich, dass Sie sehen können, oder?"

"Es bedeutet, dass Sie nicht sehen können", klärte Richter Matthew Brann ihn auf.

Apropos Matthew Brann: Auch mit Namen hatte Giuliani seine Schwierigkeiten. Brann verwechselte er Medienberichten zufolge mit einem Bundesrichter in einem anderen Bezirk von Pennsylvania, der eine andere Trump-Klage abgelehnt hatte. Einen gegnerischen Anwalt bezeichnete er als "den Mann, der sehr wütend auf mich war, ich habe seinen Namen vergessen". Und Wahlsieger Joe Biden nannte er "Bush". […..]

(STERN, 19.11.2020)

Wieso setzt ein US-Präsident also so einen grottenschlechten Anwalt ein, der auch seit der Wahl jede einzelne Klage gegen das Ergebnis vor Gerichten aller Ebenen verlor?

Dafür gibt es Gründe: Trump ist ein Alptraum-Mandant, der sich an keine Absprachen hält, intellektuell juristischen Strategien nicht folgen kann und seine Anwälte in nicht zu gewinnende Schlachten schickt. Es ist für ihn fast unmöglich überhaupt noch Anwaltskanzleien zu finden, die ihn vertreten wollen.

Wieso setzt sich ein ehemaliger New Yorker Bürgermeister und Präsidentschaftskandidaten-Bewerber für so einen Alptraum-Mandanten ein?

Dafür gibt es Gründe. 20.000 Gründe am Tag.

[….] Die „New York Times“ hatte zuvor berichtet, dass Unterstüzer:innen Trumps sich sorgen, Rudy Giuliani würde sich persönlich an den anstehenden Gerichtsprozessen bereichern. Der persönliche Anwalt von Donald Trump sagte der Zeitung, er habe niemals nach besagtem Honorar gefragt. Die 20.000 US-Dollar täglich seien nach Aussage von Rudy Giuliani, „das Ergebnis, welches wir am Ende gemeinsam ausgearbeitet haben“. [….]

(FR, 19.11.2020)

Nun ja, für einen Wochenlohn von 140.000 Dollar, also 600.000 Dollar im Monat, kann man sich auch schon mal lächerlich machen.

Mittwoch, 18. November 2020

Lebensfern

Die Deutsch-Rumänin Birgit Kelle, 45, dunkelkatholische Hass-Aktivistin vom äußersten rechten Rand der CDU, ist überall zur Stelle, wenn es gilt auf Minderheiten einzudreschen und Freiheitsrechte zu kappen.

Sie ist Kreuznets Reinkarnation des Homohasses und posaunt ihre antihumanistischen Botschaften auf allen dubiosen rechtsbraunen Plattformen heraus, die gerade noch nicht von Horst Seehofer verboten wurden:
VERS1, The European, Focus, kath.net, Die Freie Welt, Kopp Verlag, Bayernkurier, eigentümlich frei und Junge Freiheit.

Die großen Talkshowredaktionen von ARD und ZDF mit ihrem deutlich rechten und christlichen Überhang hatten schon quasi im Alleingang Pegida und AfD groß gemacht, indem sie extrem überproportional migrantenfeindliche Themen setzen.

Sie lernen nicht dazu und so luden Plasberg, Maischberger, Illner, Beckmann, aber auch der Presseclub Kelle ein, um ihren extremistischen Thesen eine Plattform zu bieten.

Schande über die Sender!

Kelle ist verheiratet mit dem 16 Jahre älteren ebenso extrem konservativen Medienunternehmer Klaus Kelle, der in der CDU, Werteunion und als Mitglied des OMCT Tempelritterordens aktiv ist und als stellvertretender BILD-Redaktionsleiter für journalistische Qualität steht.

Was diese hochgradig politisch vernetzten, wohlhabenden, privilegierten und medial umschmeichelten Cis-Hetero-Erzkatholiken dazu prädestiniert für, bzw gegen Frauen, Schwule oder Kinder zu sprechen, bleibt Plasbergs und Maischbergers Geheimnis.

 Katholiban Birgit Kelle kennt als klassische Religiotin überhaupt keine Zweifel, sondern hält ihre Ansichten für alleinseligmachend.

Als Qualifikation nennt sie ihre vierfache Uterus-Besetzung.

Zu RECHT, denn bekanntlich ist Geschlechtsverkehr eine intellektuelle Großtat, die nur von Genies durchführbar ist.

Daher ist es in der 6.000-jährigen Geschichte des Homo Sapiens kaum jemals einer Frau gelungen schwanger zu werden.

Kelle ist dementsprechend furchtbar stolz darauf, sich ihrem Klaus schon (mindestens) viermal dargeboten zu haben. Sie wird öffentlich fuchsteufelswild, wenn sie den Eindruck hat, als kopulative Koryphäe geringgeschätzt zu werden.

[….]  Ich habe vier Kinder geboren. Wahrscheinlich sind sie das Beste, was ich je zustande bekommen habe. #Kinder sind Zukunft. Es kotzt mich an, wie Kinder und damit Familien diffamiert werden als Untergang des Planeten. Meine Kinder zahlen eure Rente. […..]

(Birgit Kelle, 17. Nov.2020)

Zunächst einmal bezahle ich als Atheist und Konfessionsloser Kelles Kirche und außerdem bezahle ich als Kinderloser Schule, Uni, Ehegattensplitting und Kindergeld für Kelles Leibesfrüchte.

Ob ihre vier Ableger überhaupt je Steuern zahlen, bleibt abzuwarten. Meine Rente zahlen sie aber schon mal nicht, da ich als Selbstständiger ohnehin keine Leistungen der BfA erhalte.

Aber das ist ein katholisches Tatmuster – sie halten sich generell für alles zuständig; insbesondere für die Dinge, die sie nicht aus eigener Erfahrung kennen.

So bestimmen zölibatäre, kinderlose und sexlose alte Männer, die noch nie eine Nacht mit einer Frau verbrachten, die katholische Sexualmoral, dirigieren Uteri und verbieten Verhütungsmethoden.

Dabei können Messdiener gar nicht schwanger werden.

Die kirchliche Sexualmoral ist das bekannteste religiotische Paradox.

Sex unterliegt grundsätzlich nicht kirchlicher Moral, sondern betrifft – sofern die Beteiligten erwachsen sind und freiwillig partizipieren überhaupt keinen Außenstehenden.

Die katholische Kirche ist aufgrund ihrer 2.000 Jahre währenden exorbitanten Kriminalgeschichte voller unvorstellbarer Grausamkeiten aber generell für alle moralischen Fragen disqualifiziert.

Wer auch im Jahr 2020 noch dafür sorgt, daß weltweit die Kindersextäter in Myriaden Fällen vor der Strafverfolgung geschützt werden und sich damit klar gegen die Opfer auf die Seite der Täter stellt, sollte beim Thema „Moral“ sofort sein praktisches Taschengrab-Set herausholen und anfangen ein tiefes Loch zu buddeln, in das er verschwinden kann.

Die Kirche ist so vieles nicht. Sie ist keine Sex-Autorität, keine Beziehungsexpertin, keine Erziehungsratgeberin, keine Moral-Beraterin.

Sie ist noch nicht mal seelsorgerisch qualifiziert.

[….] Manchmal offenbart sich das ganze Elend in einem einzigen Satz. Manchmal ist es ein Satz, dessen Bedeutung derjenige, der ihn spricht, gar nicht erkennt. Heinrich Mussinghoff, der emeritierte Bischof von Aachen, hat vor wenigen Tagen einen solchen Satz in die Welt gesetzt. Eine Münchner Anwaltskanzlei war von seinem Nachfolger um einen Bericht gebeten worden, wie das Bistum Aachen jahrzehntelang damit umgegangen war, dass etliche Mitglieder seines Klerus sexuelle Gewalt ausgeübt hatten. Mussinghoff sagte den Aachener Nachrichten: "Ich fühlte mich überfordert - vor allem mit Opfergesprächen."

Echt jetzt? Muss man die Vorstellung als naiv beerdigen, für den Priesterberuf entschieden sich doch gewiss jene Menschen, die mit besonders viel Einfühlungsvermögen, Wärme und Zugewandtheit gesegnet sind? Gibt es für diesen Beruf nicht ein schönes Synonym: Seelsorger? Und hier offenbart ein Bischof, dass er mit der Sorge um Seelen überfordert war. Das ist ungefähr so, als würde eine Friseurin sagen: "Ich fühlte mich überfordert - vor allem mit Haareschneiden."

Allein im Bistum Aachen werden 81 Priester des sexuellen Missbrauchs beschuldigt.

Es ist zum Verzweifeln mit der katholischen Kirche. […..]

(Delef Esslinger, 18.11.20)

Klappe, Kelle! Klappe, Kirche!

Dienstag, 17. November 2020

Genau zwei Wochen nach der US-Wahl

Joe Biden wird, wenn alles ausgezählt ist, deutlich über 80 Millionen Stimmen bekommen haben, Trump mit etwa 51% zu 47% geschlagen haben, also sechs Millionen Stimmen vorn liegen. Das entspricht nach dem grotesken amerikanischen Wahlrecht 306 zu 232 Wahlmännern. Biden bekommt also 36 Wahlmänner mehr als er für seine Wahl zum US-Präsidenten braucht; eine deutliche Mehrheit.

Natürlich, wenn in den USA nicht mindestens die Hälfte der Bürger total verblödet wären und sie „nur“ den Verdummungsgrad Deutschland aufwiese, also inklusive all der Lindner- und AfD-Fans, hätte Biden mit 89% statt 51% gewonnen.

Ich grusele mich schon bei den 11% der Menschen, die in Deutschland nicht klar Biden präferieren. Aber 47%? In Wyoming erhielt Trump 70% der Stimmen; in West Virginia 69%, in North Dakota und Oklahoma 65%, in Idaho 64%, in Kentucky, South Dakota, Alabama und Arkansas jeweils 62%.

Aus diesen ländlichen, evangelikalen, religiösen und extrem bildungsfeindlichen Bundesstaaten speisen sich Realitätsverweigerung, Gewalttätigkeit, Verschwörungstheorien, Demokratiefeindlichkeit und die extremste Form der Heuchelei.


Trumps tiefe Bösartigkeit, seine Rücksichtslosigkeit und sein Antiamerikanismus sind dabei keineswegs überraschend.

In Kombination mit der Brutalität seiner bis an die Zähne bewaffneten Anhängern und der absolut ruchlosen republikanischen Partei  steht 14 Tage nach der überraschend ruhigen Wahlnacht und den friedlichen Freudenkundgebungen der Biden-Fans doch zu befürchten, daß Donald Nero seine Nation lieber in einem großen Bürgerkrieg zieht, bevor er seine Niederlage eingesteht.

[….] Trumps Unterstützer haben deutlich gemacht, dass sie bereit sind, für den Präsidenten zu kämpfen, wenn er sie dazu aufruft. Was das in einem Land bedeutet, in dem sich 393 Millionen Schusswaffen in Privatbesitz befinden, kann man sich leicht ausmalen. Und nein, das ist keine Schwarzmalerei. Den USA droht ganz real ein neuer Bürgerkrieg, und es ist jetzt an den Republikanern, das zu verhindern.  Wahlen sind das Herz der Demokratie, und Wahlen funktionieren nur, wenn die unterlegene Seite ihre Niederlage anerkennt. Dass Trump das nicht fertigbringen würde, war abzusehen. Er ist ein pathologischer Narzisst, er ist ein rücksichtsloser, ein dummer Mann. Aber dass die Republikanische Partei ihn in seinem Wahn nicht nur toleriert, sondern unterstützt, ist Verrat an den Idealen des Landes. [……]

(Christian Zaschke, SZ, 17.11.20)

Während der Noch-Präsident Fastfood-fressend schmollend vor dem Fernseher hockt und seine zersetzenden, hochverräterischen Lügen-Tweets in die Welt setzt, hat nur einer gut Lachen: Das Sars-CoV-II.

Schon seit fünf Monaten erschien Trump bei keiner Sitzung seiner Corona-Taskforce und scheint nun proaktiv-neroesk die dritte Pandemiewelle anzuheizen, damit es Biden und sein Volk möglichst mit unlösbaren Problemen zu tun bekommen. Die Situation ist schlimmer denn je; 11 Millionen Infizierte in den USA, eine Viertelmillion Tote, jeden Tag sterben wieder über 1.000 US-Amerikaner, die Notaufnahmen und Intensivstationen sind total überlastet und nun sind es die Red States, die Kühllaster anmieten müssen, um die ganzen Leichen vor den Krankenhäusern zwischenzulagern.

Trump genießt es; wenn er schon untergeht, soll es allen schlecht gehen.

Und eine gesamte Partei macht mit.

[….] In den vergangenen zwei Wochen stiegen die US-Infektionszahlen dramatisch. Der November begann mit 76.771 Neuinfektionen an einem Tag; drei Tage später wurde erstmals die 100.000-Marke überschritten. Am Sonntag waren es dann 166.555 – wohlgemerkt an einem einzigen Tag. [….] Als Wahlverlierer ignoriert [Trump] die Krise jetzt erst recht. [….]  Seit seiner Wahlniederlage zeigt Trump an den Amtsgeschäften kein Interesse mehr. [….] Unterdessen eskaliert die Lage überall. Am bedenklichsten ist aus Sicht der Experten die rasant wachsende Zahl der Krankenhauspatienten mit Covid-19. Zurzeit sind das nach Angaben des unabhängigen Covid Tracking Projects fast 70.000, so viele wie nie zuvor in Amerika – und doppelt so viele wie noch vor fünf Wochen.  [….] »Unsere Krankenhäuser sind voll«, sagte Megan Ranney, eine Professorin für Notfallmedizin an der Brown University in Rhode Island, der »Washington Post«. »Unsere Mitarbeiter werden krank. Und das überwältigt das System einfach.«  [….] Virologen befürchten, dass die Zahl der Corona-Toten in den USA zum Jahreswechsel 400.000 überschreiten könnte. [….] Der Epidemiologe Michael Osterholm, der der neuen Coronavirus-Arbeitsgruppe des designierten US-Präsidenten Joe Biden angehört, prophezeite den Amerikanern für die kommenden Wochen sogar eine »Covid-Hölle«.   »Das ganze Land ist außer Kontrolle«, sagte die Medizinprofessorin Dara Kass der »New York Times«. »Ein humanitäres Desaster«, so CNN-Medizinkorrespondent Sanjay Gupta. »Womöglich die furchtbarste Story, über die ich in meiner Karriere hier bei CNN berichtet habe.«  [….] Nichts davon überrascht. Seit dem Sommer warnen Experten vor dieser Entwicklung. [….] Joe Biden wird es dank Trump auch nicht leicht haben. Da der scheidende Präsident seinem designierten Nachfolger den eigentlich üblichen Zugang zu allen Regierungsstellen verbaut, können Bidens Corona-Berater sich nicht mit der Taskforce koordinieren. Das wiederum könnte die Auslieferung des neuen Impfstoffs verzögern. [….]

 (Mark Pitzke, 16.11.2020)

Kein Feind, nicht Nordkorea, nicht der IS, nicht die Taliban hätten die USA so schwer treffen können wie die Donald Trump und die moralisch bankrotte GOP; die ihm auch 14 Tage nach der Wahl noch bereitwillig zu Füßen liegt.

Osama bin Laden ist ein harmloses Kind verglichen mit Trump, dem Toxischen.

[…..] Es gibt keinerlei Hinweise auf Betrug. Selbst das unter Leitung von Trump-Leuten stehende Heimatschutzministerium nannte die Abstimmung die sicherste Wahl der Geschichte. Doch Trump twittert unermüdlich darüber, dass es nicht mit rechten Dingen zuging, dass ihm die Wahl gestohlen worden sei. Seit dem Wochenende in noch höherer Frequenz, man kann ihm öffentlich dabei zusehen, wie er heiß läuft.   Die Vereinigten Staaten befinden sich in der gefährlichsten Phase ihrer Geschichte seit Ende des Bürgerkriegs im Jahr 1865. Im Weißen Haus sitzt ein Mann mit dem Lebens- und Weltverständnis eines präpubertären Teenagers, der mutmaßlich nicht einmal ansatzweise einen Begriff davon hat, was er da gerade anrichten könnte. [….] Mehr denn je ist nicht auszuschließen, dass die USA einen anderen Weg einschlagen, vielleicht einen Weg der Gewalt. Es ist an der Republikanischen Partei, den Präsidenten jetzt zurück in die Wirklichkeit zu holen. Zu ihrem Wohle, zum Wohle der USA und zum Wohle der Welt. [….]

(Christian Zaschke, SZ, 17.11.20)



Montag, 16. November 2020

Geschäftsmodell kaputt

Zum Glück bin ich „Digital Immigrant“.

So kann ich heute von den Vorteilen der Vernetzung profitieren, das Internet als Recherchequelle anzapfen, hatte aber andererseits eine Social Media-freie Kindheit, in der ich meine eigene Phantasie benutzte, statt passiv vor einem Bildschirm geparkt zu werden. Wir verschlangen sämtliche Enid-Blyten-Bücher, malten und eigene Abenteuer aus, bastelten, malten und natürlich war ich ein Draußen-Kind, das im sumpfigen Teich schwamm, durch Gebüsche kroch, auf Bäume kletterte, Baggermatsch-Skulpturen anfertigte und abends als es zum Abendbrot reingerufen wurde gar nicht verstehen konnte, wieso es schon wieder in Badewanne gestopft wurde.

Meine Mutter war sehr liberal; ich spielte auch eine Zeit lang mit Barbie-Puppen. Aber es gab auch Tabus: Kein Kriegsspielzeug, keine Cola, kein Fastfood und möglichst kein Fernsehen in der Woche. Nur Sonntagsmittags Kinderprogramm, das irgendwie als Bildungs-TV daher kam.

Kinder sollten nicht vor dem Monitor hocken.

Ich war auch kein Kleinkind mehr als ich mich neben Sielmann und Grzimek in ein paar amerikanische Heile-Welt-Serien verliebte: Lassie (1954-1973), Flipper (1964-1967), Unsere kleine Farm (1974-1984) und am tollsten fand ich die Waltons (1972-1981), weil das immer so rührend war und man zum Schluß der Folge, wenn sich das Problem aufgelöst hatte, ergriffen eine Träne verdrückte.

Bei den Familien Walton und Ingalls gab es, ohne das jetzt zu recherchieren, nach meiner kindlichen Erinnerung viele sanft sozialkritische Themen.

Es tauchten Fremde auf, zB Indianer oder Schwarze oder Ausländer, die durch irgendeinen Vorfall in den Verdacht gerieten ein Huhn gestohlen zu haben.

Die Guten in der jeweiligen Serie hatten aber etwas weniger Vorurteile, gingen der Geschichte nach, während die anderen schon zum Lynchen ansetzten.

Am Ende stellte sich alles als Missverständnis heraus und die Fremden wurden am nächsten Sonntag ebenfalls in der Kirche begrüßt.

Denn das war der ultimative Lackmus-Test: Wer fleißig und regelmäßig in die Kirche ging, jeden Sonntag laut mitsang, war gut.

Wer hingegen verdächtig war, hörte sich in Ike Godseys Laden vorwurfsvoll „ich habe sie aber letzten Sonntag nicht in der Kirche gesehen“ an.

Da wußte man schon: Der hat Dreck am Stecken.

Dieses Prinzip der Glückliche-amerikanische-Familie-Serie wird immer wieder erfolgreich vermarktet.

Ein Hauch von Himmel (Touched By An Angel, 1994-2003) oder Eine himmlische Familie (7th Heaven, 1996-2007) führen das Prinzip weiter.

Die glückliche Maincast-Familie besteht aus frommen, fleißigen Kirchgängern, die ganz furchtbar aufgeschlossen sind, wenn etwas Fremdes in ihre heile Welt eindringt.

Nur daß die Probleme extremer als bei den Vorgänger-Serien aus den 1970ern sind. Statt eines Huhns wird mal ein Auto gestohlen, der Fremde ist nicht nur schwarz, sondern womöglich sogar Demokrat und statt eines vorehelichen Kusses wird die sonderbare Neue gleich schwanger.

Aber auch in diesen Fällen gelingt es immer alternierend einem Familienmitglied das schwarze Schaf in die Gemeinde zu integrieren, sich dem Pastor zu offenbaren und schließlich als Climax der Folge am Sonntag zum Gottesdienst zu erscheinen.

Das ist eine der Kernfunktionen der Religion: Die Kontrolle aller aufmüpfigen Bürger. Keiner darf aus der Reihe tanzen und durch den erheblichen Aufwand trotz aller Widrigkeiten im Sonntagsdress jede Woche in der Kirchen zu erscheinen, sich dort stundenlang die Predigten des Pastors anzuhören, zeigt jedes Gemeindemitglied den anderen seine Bereitschaft finanzielle und zeitliche Opfer zu erbringen, um seine Zugehörigkeit und Stromlinienförmigkeit zu beweisen.

Ich bin überzeugt davon, daß dieses Prinzip in kleinen bayerischen Dörfern immer noch so  funktioniert.

Wer nicht regelmäßig in der Kirche, beim Schützenfest und im CSU-Ortsverein erscheint, macht sich verdächtig.

Genau deswegen fliehen kritische Geister, Individualisten, Ungläubige oder LGBTIs auch nachdem sie 18 geworden sind in die Großstadt.

Berlin ist voll von Teens und Twens aus der Provinz, die viel Aufwand betreiben, um ihr verräterisches Idiom aus einem süddeutschen oder rheinischen Kaff zu vertuschen.

Kirche kann keine echte Kontrolle ausüben, wenn sich die Gläubigen sich nicht regelmäßig zu nivellierenden Vollversammlungen treffen, um vom Vorbeter eingenordet zu werden.

Man muss die potentiellen Abweichler stets im Blick haben. Die soziale Kontrolle sorgt dafür, daß niemand auf dumme Ideen kommt.

Insbesondere ist das regelmäßige Erscheinen aller Schäfchen aber wichtig für den Hauptzweck des Christentums: Die Kirche reich zu machen.

Die reichste Organisation der Welt und aller Zeiten ist eine Profi-Geldsammlerin, die weit über das Klingelbeutel-Herumgehenlassen-Stadium hinaus gewachsen ist.

Wenn in Deutschland ein Kirchenmitglied länger nicht zum Gottesdienst erscheint, bedeutet das Alarmstufe Rot für den Pfaff oder die Pfäffin: Das Gemeindemitglied könnte sich nämlich dran gewöhnen und womöglich auf den ketzerischen Gedanken kommen, daß man am Sonntag nicht nur viel bequemer ausschläft, sondern auch enorm viel Geld spart, wenn man aus der Kirche austritt.

Bei meinen katholischen Verwandten in den USA gibt es bekanntlich keine Kirchensteuer, aber das amerikanische Episkopat ist sogar noch reicher als das Deutsche, weil das Geldeinsammeln ganz auf öffentliche Bloßstellung und sozialen Druck setzt.

Man muss nicht nur jeden Sonntag einen Scheck abgeben, sondern die die Spendensumme jedes Spenders wird auch umgehend im Gemeindeblatt veröffentlicht.

Wie steht man da, wenn  man Woche für Woche nur fünf oder zehn Dollar spendet, während die Millers, Smiths und Bushs zuverlässig 300 bis 500 Dollar abgeben?

Der Präsenzgottesdienst, das persönliche Erscheinen ist daher das Kernelement der abrahamitischen Religionen.
So funktionierte es über Jahrtausende.

Bis 2020.

2020 kam die Pandemie und auf einmal sind Treffen aller Gemeindemitglieder hochgefährliche Superspreader-Ereignisse, die sogar gefährlicher als Rudelbumsen im Swingerclub sind, weil in christlichen Gottesdiensten kollektiv gesungen wird und somit ein maximaler Sars-CoV-II-Aerosol-Ausstoß garantiert wird.

Zum Glück für die Kirchenoberen sitzen in der christlichen Bundesregierung und den Landesregierungen lauter christliche Lobbyisten, die im gegenwärtigen Lockdown-light zwar Gyms, Nagelstudios, Kulturveranstaltungen und Restaurants schließen, aber Gottesdienste weiter erlauben.

Ich erspare mir an dieser Stelle den Kommentar welche Bereiche ich für relevanter als Gottesdienste halte.

Aber selbst (einige) Christen sind schlau genug, um zu erkennen, daß man sich während einer Pandemie den Besuch in der Kirche lieber sparen sollte.

Für die Geistlichen ergeben sich daraus drastische Konsequenzen: Ihnen brechen die Einnahmen weg.

[….]  Corona-Krise - Milliardenverlust bei Kirchensteuer

Die Kirchen in Deutschland nehmen in der Corona-Krise deutlich weniger Steuern ein. Laut einer Umfrage fehlen über eine Milliarde Euro - mehr noch als während der Finanzkrise 2009.  Die großen Kirchen in Deutschland rechnen während der Corona-Krise mit deutlich sinkenden Einnahmen. Dies berichtet die "Welt am Sonntag" nach einer Umfrage. Die Einnahmen könnten um mehr als eine Milliarde Euro zurückgehen. Das wäre ein Minus von rund acht Prozent und damit doppelt so viel wie in der Finanzkrise 2009.   Die Kirchensteuereinnahmen lägen demnach 2020 bei 11,69 Milliarden Euro, nach 12,71 Milliarden im Vorjahr. 2019 entfielen 6,76 Milliarden Euro auf die Katholische Kirche und 5,95 Milliarden Euro auf die Evangelische Kirche.  "Derzeit gehen wir für die Evangelische Kirche in Deutschland von einem Rückgang der Kirchensteuereinnahmen in einer Höhe von acht bis elf Prozent aus", sagte Carsten Simmer, Leiter der Finanzabteilung der Evangelischen Kirche in Deutschland, der "Welt am Sonntag". Die katholischen Bistümer sprechen von Rückgängen zwischen vier und 13 Prozent. […..]

(ZDF, 15.11.2020)

Es ist also tatsächlich nicht alles schlecht an Corona.

Sonntag, 15. November 2020

Früher war Kinder zu vergewaltigen einfacher

Der extrem beliebte selige und heilige Superpapst Wojtila, der es nach dem berüchtigtem Antisemiten und Erfinder der päpstlichen Unfehlbarkeit Pio Nono mit 27 Jahren zweitlängste Pontifikat der Kirchengeschichte brachte, faszinierte die Welt.

500 Jahre lang hatten sich italienische, zumeist  adelige Kuriale das Pontifikat durch Simonie gegenseitig zugeschanzt.

Nach einem halben Jahrtausend war 1978 plötzlich eins Ausländer Papst, der auch noch aus einem kommunistischen Staates des Warschauer Paktes stammte.

Damit war der 1920 in Wadowice geborene Karol Józef Wojtyła außerdem der erste Slawe überhaupt auf dem Papstthron. Er blickte auf keine lange klerikale Ahnenreihe zurück und benahm sich ganz anderes als bisherige Päpste des 20.Jahrhunderts.

Im Gegensatz zu allen anderen Kurialen und insbesondere auch im krassen Kontrast zu seiner rechten Hand und Nachfolger Ratzinger, machte sich Wojtyła nichts aus Gold, Perlen, Juwelen oder Hermelin-Stolas. Er kannte wenig Dünkel und interessierte sich ohnehin wenig für die Pracht und Herrlichkeit des Vatikans.

Lieber ging er hinaus in die Welt und sprach mit katholischen Laien.

Dabei halfen ihm sein Kommunikationstalent, seine Theaterausbildung, sein Chrisma und seine extreme Vielsprachigkeit.

Johannes Paul II. sprach fließend neun Sprachen: Polnisch, Latein, Altgriechisch, Italienisch, Französisch, Deutsch, Englisch, Spanisch und Portugiesisch. Außerdem war er mit 12 weiteren Sprachen soweit vertraut, daß er sie lesen und verstehen konnte.

Durch seine Erfahrungen im von den Nazis besetzten Polen und seine jüdische Verlobte war er einer der wenigen nicht antisemitischen und überhaupt an der Ökumene interessierten Päpste. Er pflege freundschaftlichen Umgang mit nicht katholischen Religionsführern, traf jede Woche zum Essen mit Besuchern aus anderen Teilen seiner katholischen Welt zusammen. Diese persönlichen Begegnungen sind nicht zu unterschätzen für sein Weltbild; er soll dabei kaum doziert, sondern vor allem zugehört haben, ein sehr aufmerksamer Gastgeber gewesen sein.

Der Unterschied zu seinem Nachfolger könnte insbesondere in diesem Habitus nicht größer sein; der prachtverliebte Benedikt XVI. speiste ausschließlich mit Gänsi und seine drei Haushaltsnonnen. Dabei wurde geschwiegen. Selbst Kurienkardinäle hatten über Jahre keinen Zugang zu ihm, weil er stets abgekapselt war.

Die nichtkatholische Welt erinnert sich insbesondere an die enorme Reisetätigkeit des Rekordpapstes. Er besuchte 129 verschiedene Länder, trat dabei immer vor gewaltigem Millionen-Publikum auf. Gern wurden diese Mega-Happenings mit Heiligsprechungen garniert. Er führte eine Art Polytheismus light ein, indem er mehr Menschen heilig und selig sprach als alle 263 Päpste vor ihm zusammen. Kein Papst erhob so viele Geistliche zu Kardinälen wie er.

Der Kontrast zwischen dem Wojtyła-Habitus und seiner pontifikalen Vorgänger war so groß, daß man ihn irgendwie mögen mußte.

Während er starb, brüllten seine fanatischen Fans auf dem Petersplatz schon „Santo Subito“ und genau das funktionierte auch im für katholische Verhältnisse blitzartigem Tempo. Sofort fanden sich Wunder, die er als Toter bewirkt haben sollte.

2011 sprach ihn Ratzi in Rom selig. 2014 sprach ihn Franzi heilig. Aber selbst das reicht seinen Fans noch nicht; sie fordern mehr.

[…..] Erzbischof Stanislaw Gadecki bittet Papst Franziskus im Namen der Polnischen Bischofskonferenz, den heiligen Papst Johannes Paul II. zum Kirchenlehrer und zum Schutzpatron Europas auszurufen. Die Bitte des Präsidenten der Bischofskonferenz wird auch von Kardinal Stanisław Dziwisz unterstützt. [….]

(Kathpedia)

Bemerkenswert ist diese positive Sichtweise Wojtyłas nicht wegen seiner erzkonservativen politischen und kirchenpolitischen Haltungen.

Als Papst ließ er die südamerikanischen Befreiungstheologie zerschmettern, setzte die Bischöfe ab, die sich für die Armen stark machten und verortete seine Kirche fest an der Seite der rechtsextremen und faschistischen Diktatoren, die tausende Regimegegner einfach „verschwinden“ ließen.

Frauen sollten an den Herd, Schwule waren Igitt und kirchliche Mitbestimmung durch Laien kam für ihn gar nicht in Frage.

In den Fragen der Familienpolitik, Verhütung, Feminismus und Sozialpolitik stand Wojtyła nicht nur extrem rechts, sondern duldete auch keine andere Meinung.
Theologie-Professoren, Bischöfe, Priester, die es auch nur wagten Fragen zu stellen, wurden vom ewigen Papst gnadenlos verfolgt.

Professor Uta Ranke-Heinemann: Entzug der katholischen Lehrerlaubnis 1987.

Bischof Jacques Gaillot, der sich für AIDS-Infizierte engagierte: 1995 aus dem Amt entfernt.

Eugen Drewermann: 1991 Entzug der katholischen Lehrbefugnis; 1992 Entzug der Predigtbefugnis und Suspension vom Priesteramt.

Prof. Hans Küng: 1979 Entzug seiner kirchlichen Lehrbefugnis.

JP-II duldete nicht nur keinen Widerspruch, sondern griff schon bei vorsichtigen Fragestellern grausam durch, zerstörte theologische Existenzen.

Aber Wojtyła war nicht in jeder Hinsicht so pingelig.

Er hatte ein großes Herz für Kinderficker und förderte auf der ganzen Welt demonstrativ jene Sadisten und Vergewaltiger, die sich massenhaft an kleinen Jungs vergriffen.

Der heilige Papst, der jetzt schon „Johannes-Paul der Große“ genannt wird und bald auch als Kirchenlehrer und Patron Europas gelten soll, liebte die grausamsten Kinderquäler und pädosexuellen Vergewaltiger. Daran ließ er gar keinen Zweifel, indem er sie systematisch förderte und aggressiv deren Opfer mundtot machen ließ.

(….)  Die große Enthüllungs-Welle der Sexualstraftäter-Priester in den USA warf 2002 ihre Schockwellen durch die katholische Welt. Anschließend wurde es nur noch schlimmer. In immer mehr Ländern wurden ungeheuerlichen Zahlen katholischen Klerikern bekannt, die kleine Kinder gequält, geschlagen und vergewaltigt hatten. 2010 erreichte die Welle Deutschland, das Heimatland des nächsten Papstes.

Unglaublich, aber wahr, während der Kindersex-Marathonenthüllungen am 1. Mai 2011 sprach Ratzinger den großen Kinderfickerfreund Wojtyła selig. Bergoglio legte noch einen drauf und sprach Johannes Paul II. am 27. April 2014 heilig.

Damit ist dreifach unfehlbar ex cathedra gesagt „wir ficken kleine Jungs und das ist gut so!“

(…..)  Die Rede ist, mal wieder, von den Legionären Christi, LC, die römisch-katholische Kongregation päpstlichen Rechts und ihrem legendären Gründer Marcial Maciel Degollado.

Kinderfickende Nazis ersetzten auf Geheiß Woytilas und Ratzingers die verhassten südamerikanischen „Befreiungstheologen“, die sich für die Armen einsetzen und den faschistischen Mörder-Diktatoren kritisch gegenüberstanden.

Der Priester Maciel Marcial Degollado, (1920–2008), Chef der LC und Multimillionär war der erklärte Liebling des Papstes Johannes-Paul II.
Da er sagenhafte Summen in die Kasse der RKK spülte, drückte der Wächter der Glaubenslehre Ratzinger alle Augen zu.
Maciel Marcial Degollado hatte mindestens fünf Kinder von zwei Frauen und vergewaltigte darüber hinaus mehrere Dutzend (bis zu 100) Jungs.
Die Vorgehensweise war laut STERN immer gleich:

Vater Maciel rief die ca 12-Jährigen Jungs zu sich, klagte über „schmerzhaften Samenstau in den Hoden“, müsse sich zur Abhilfe masturbieren lassen und dabei auch Kinder penetrieren.
Er erklärte dazu, er habe eine persönliche Erlaubnis von Papst Pius XII „die Schmerzen im uro-genitalen Bereich“ derart zu behandeln.
Hochwürden Samenstau bevorzugte dabei blonde und hellhäutige kleine Jungs, die ihm seine „Legionäre“ weltweit suchten und zuführten.
Seit 1976 wurden Berichte über diese Kindesvergewaltigungen nach Rom geschickt.

Man hielt dort immer die schützende Hand über Maciel.

JP-II ("Maciel ist ein vorbildlicher Priester") würdigte ihn 2004 mit einem Empfang im Petersdom, Ratzinger stellte die Untersuchungen gegen ihn bereits 1999 ein.

Dokumente aus den Vatikan-Archiven belegen laut AP, dass der Heilige Stuhl schon in den fünfziger Jahren Beweise hatte, wonach Maciel drogenabhängig und pädophil gewesen sein soll. Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge ermittelten damals drei sogenannte Visitatoren, das Ergebnis sei jedoch bis heute nicht veröffentlicht worden. 1998 sollen sogar einige seiner Opfer Anzeige erstattet haben.    Doch Papst Johannes Paul II. verband eine enge Freundschaft mit Maciel, die sich seit dem ersten Zusammentreffen im Januar 1978 entwickelt hatte. Der Papst verehrte den Mexikaner, führte ihn gern als Vorbild an und widmete ihm noch 2001 eine Festmesse auf dem Petersplatz.

(Simone Utler 11. Mai 2012)

Der gegenwärtige Papst, der im Bundestag mit standing Ovations bedacht wurde, ist der Beschützer eines der perfidesten pädosexuellen Gewalttäter.

 Die seit Dekaden bekannten Untersuchungsergebnisse über den brutalen Päderastensumpf seiner Legionäre hält Ratzinger bis heute unter Verschluß.

Tatsächlich aber hatten zehn Opfer, die von Marcial Maciel in den 50er-Jahren im römischen Seminar missbraucht worden waren, den Vatikan schon vor 30 Jahren verständigt. Seit 1983 war auch Papst Johannes Paul II. über die Missbräuche informiert. Doch er schätzte den Ordensgründer und lobte noch 1994 öffentlich dessen «effiziente Führung für die Jugend». 1997 sagte die Gruppe der zehn Opfer vor den Medien, Maciel habe Hunderte Knaben missbraucht.
Ein Jahr später erhob die Gruppe Anklage gegen Maciel bei der Glaubenskongregation, die unter Kardinal Ratzinger für alle schwerwiegenden Missbrauchsfälle in der Kirche zuständig war. Ratzinger aber war nie bereit, die Gruppe der Opfer anzuhören und gegen Maciel etwas zu unternehmen. Worauf sich die Gruppe 2002 bei der UNO Gehör verschaffte und im Genfer Palais des Nations die Medien über die Untätigkeit der Glaubenskongregation informierte.
(Tagesanzeiger 02.05.2010)

Ratzinger führt also die Tradition seines Vorgängers fort und ermutigt die Legionäre geradezu weiterhin Kinder zu ficken und zu quälen. Rom weiß schließlich Bescheid und hat noch nie etwas unternommen.

Im Gegenteil, mit der Rapid-Seligsprechung des größten Marcial Maciel Degollado-Fans Woytila, hat Ratzinger noch mal unterstrichen, daß er fest an der Seite der Sextäter steht und nicht an die Opfer zu denken gewillt ist.

 Sein ganzes Mitgefühl gilt nur den LC. Er ernannte nach Maciels Tod 2008 einen neuen Chef und ließ mitteilen Benedikt XVI. werde den Ordensmitgliedern "auf dem Weg der Reinigung" beistehen und sie nicht alleinlassen.

 (Mein Freund, der Papst, 11.05.2012)

Marcial Maciel Degollado ist nur ein Fall; es läßt sich durchaus ein Beförderungsmuster erkennen.

[…..] Der frühere Kardinal und Erzbischof von Washington, Theodore Edgar McCarrick, hat systematisch Priesteranwärter und Seminaristen sexuell missbraucht. […..] Theodore Edgar McCarrick, 90, der trotz Gerüchten über sexuelle Vergehen an jungen Männern eine steile Karriere machen konnte in der katholischen Kirche. […..] "Uncle Ted", wie sich McCarrick in den 80er-Jahren gerne nennen ließ, bahnte immer wieder Kontakte zu Priesterseminaristen an, um sie ins Bett zu bringen. Er lud sie ein in ein Strandhaus in New Jersey, immer nahm er einen jungen Mann mehr mit, als das Haus Betten hatte: Der ohne Bett musste beim Erzbischof übernachten. Auf Dienstreisen nahm er Knaben im Highschool-Alter mit. Er nannte sie "Neffen".  […..]  Zeugen und Gerichtsdokumente belegten, dass McCarrick seit den 1970er-Jahren systematisch seine hohe Position ausgenutzt hatte, um Priesteranwärter und Seminaristen sexuell auszubeuten. Immer wieder habe er Opfer oder Zeugen zum Schweigen gebracht. […..]

(Süddeutsche Zeitung, 10.11.2020)

Während Berichte über Theodore Edgar McCarricks Treiben kontinuierlich nach Rom gemeldet wurden, ernannte ihn Papst Johannes Paul II. 1982 zum ersten Bischof der neu gegründeten Diözese Metuchen, machte ihn 1986 zum Erzbischof von Newark. 2000 ernannte JP-II ihn zum Erzbischof von Washington und erhob ihn schließlich im Februar 2001 zum Kardinalpriester der Titelkirche Santi Nereo e Achilleo.

Ratzi und Franzi kennen Wojtyła sehr gut und segnen seine Kinderficker-Begeisterung demonstrativ ab, indem sie ihn ehren und seine Pädosexuellen-freundliche Linie weiterführen.

Die RKK des Jahres 2020 räumt zwar vereinzelt „Versäumnisse“ ein, wenn wieder einmal in einer Diözese hunderte oder Tausende Opfer sexueller Übergriffe durch Priester bekannt werden, aber das dann wischen sie es auch schon mit einem „Das waren andere Zeiten“ weg – also ob es 1950, 1970 oder 1990 völlig in Ordnung gewesen wäre kleine Jungs zu penetrieren.

Sich von Wojtyła, dem Großen, dem Heiligen zu distanzieren, kommt schon mal gar nicht in Frage für den Vatikan des Jahres 2020.

[…..] Days after his death in 2005, cardinals eager to uphold his conservative policies had already begun discussing putting him on a fast track to sainthood while devotees in Rome and beyond clamored for his immediate canonization, drowning out notes of caution from survivors of sexual abuse and historians that John Paul had persistently turned a blind eye to the crimes in his church.  Now, after more than a decade of doubts, his reputation has fallen under its darkest cloud yet, after the very Vatican that rushed to canonize him released an extraordinary report this week that laid at the saint’s feet the blame for the advancement of the disgraced former prelate Theodore E. McCarrick.  The investigation, commissioned by Pope Francis, who canonized John Paul in 2014, revealed how John Paul chose not to believe longstanding accusations of sexual abuse against Mr. McCarrick, including pedophilia, allowing him to climb the hierarchy’s ladder.

[…..] “Saints make errors of judgment, this was clearly an error of judgment,” said George Weigel, a biographer of Pope John Paul II and an official witness during his beatification process. “McCarrick was a pathological liar. And pathological liars fool people including saints.”  […..] John Paul first met Mr. McCarrick in 1976. Mr. McCarrick, the report says, “was on a fishing trip in the Bahamas with teenagers from some of the Catholic families” when a telegram told him to come back immediately to help translate for Pope John Paul II, then known as Karol Jozef Wojtyla, a rising star in the church. Mr. McCarrick joked that Cardinal Wojtyła had ruined his vacation and they struck up a friendship. […..]

(NEW YORK TIMES, 14.11.2020)

 

Samstag, 14. November 2020

Das rechte Auge – Teil II

Ach ja, eins noch zum Thema „auf dem rechten Auge blöd“ und antimuslimische Sicht auf Gewalttaten.

(…..) Ich werde mich nicht an einem Wettbewerb um die schlimmsten Fanatiker-Terroristen nach Religion beteiligen.

Jeder religiöse Fanatismus ist gleichermaßen zu verachten.

Aber ich befürchte, Herr Kühnert wird sich sehr wundern wie sein antimuslimischer Vorstoß wegkommt, wenn er außer den Alice-Weidelschen „Messermännern“ alle weißen christlichen Attentäter in seine Überlegung einbezieht.

Die stellen nämlich die quantitativ größere Bedrohung dar:

Christchurch 2019, Utøya 2011, El Paso 2019, Parkland 2018, Las Vegas 2017.

Betrachtet mal alle Opfer des Terrorismus weltweit, ist eins klar: Muslime stellen die mit Abstand größte Gruppe unter den Opfern. Herr Kühnert.(….)

(Das rechte Auge, 12.11.2020)

Jacinda Ardern, um die ich Neuseeland zutiefst beneide, weil es bedauerlicherweise in den USA und Deutschland keine Führungsfigur von solchem Format gibt, setzte unter anderem auch dadurch ein extrem starkes Zeichen, daß sie als Regierungschefin erklärte den Namen des Massenmörders von 50 muslimischen Neuseeländern demonstrativ nicht aussprach.

Die meisten Offiziellen folgten ihrem Beispiel und so ist der Name des Killers öffentlich nicht geläufig.

Jacinda Ardern, die (wie Jens Stoltenberg nach dem Massaker von Utøya) im März 2019 mit Kopftuch bei den Angehörigen des schweren Terroranschlages von Christchurch erschien, produzierte weltweit ikonographische Bilder.

Sie machte alles goldrichtig, verließ ihre Rolle als Regierungschefin und erschien als Freundin, als Trösterin, als eine von den um die 50 Toten Trauernde.

 [….]Wie kann man auf Menschen zugehen, die fassungslos, wütend und traurig zurückbleiben? Was können wir ihnen sagen und wie können wir ihnen Trost und Geborgenheit spenden? Auch Politiker*innen stehen vor dieser Herausforderung, gerade die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern. Seit Oktober 2017 hat die 37-Jährige das Amt inne. Am Samstag reiste sie nach Christchurch, ins Canterbury Refugee Center, um dort Menschen aus der muslimischen Gemeinde zu treffen. Dabei trug sie ein schwarzes Kopftuch. Ardern hat viel richtig gemacht in den letzten Tagen.

Von manchen deutschen Politiker*innen kann man dies hingegen nicht behaupten: „Egal gegen wen sich Hass, Gewalt und Terror richten, am Ende sterben Menschen, verlieren Kinder ihre Eltern und Eltern ihre Kinder“, twitterte etwa die CDU-Bundesvorsitzende und mit hoher Wahrscheinlichkeit die nächste Kanzlerkandidatin ihrer Partei Annegret Kramp-Karrenbauer. Nein, es ist nicht egal, gegen wen sich der Hass und Terror richtet. Mucad Ibrahim und Ara Parvin wurden aus einem bestimmten Grund ermordet: Ein 28-jähriger Australier tötete sie, weil er diese Menschen, ganz unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft und mit unterschiedlichen Biografien, die lediglich ihr Glauben vereint, für seine Feind*innen hielt. [….]

(Seyda Kurt, 18.03.2019)

Natürlich könnte ich googeln, wie der Hass-Fanatiker heißt, aber es gefällt mir, anders als im Fall Utøya weder Gesicht noch Namen vor Augen zu haben, wenn das Thema „Christchurch-Attentat“ auftaucht.

Wäre ich Mitarbeiter einer Behörde, die sich mit der Verhinderung und Aufklärung von Kriminalität beschäftigt, könnte ich mir diesen Luxus des Nichtwissens und die Genugtuung darüber, daß der rechtsextreme Terrorist ebenen nicht so berühmt wurde, wie er es sich offensichtlich erhoffte, nicht leisten.

Das ist der Nachteil des Internets; die falschen Leute suchen sich falsche Inspiration für ihre falsche Weltsicht aus dem Netz.

Es ist leider zu spät Arderns Beispiel im Fall des Attentäters von Halle zu folgen – die deutschen Medien berichteten allesamt über Ste­phan Bal­liet, der am 09.10.2019 mit Sprengsätzen und Waffen ein Massaker an betenden Juden in der Synagoge veranstalten wollte, glücklicherweise aber an der massiven Holztür scheiterte und daraufhin aus Frust zwei Passanten ermordete und weitere zwei Menschen schwer verletze.

Balliet ist genauso alt wie der Massenkiller von Christchurch, wurde durch dessen gestreamte Tat inspiriert, beruft sich auch seine „berühmten“ rechtsradikalen Massenmörder-Vorgänger.

Natürlich ist es für „den Staat“ wichtig zu wissen wie so ein eigentlich aus normalen Verhältnissen stammender unscheinbarer Typ – Mutter Lehrerin im Fach „Ethik“, Vater Fernsehmechaniker – vor dem Computer sitzend immer radikaler wird.

Es ist ein klassischer Fall von „Antisemitismus ohne Juden“. Ste­phan Bal­liet kennt keine Juden persönlich, sagte sich sein zutiefst verschwörungstheoretisches antisemitisches Weltbild aus dem Internet.

Er generierte derartigen Hass, daß er auch ein Jahr nach der Tat nicht die geringste Reue empfindet, aber es bedauert nicht in die Synagoge vorgedrungen zu sein, um noch viel mehr Menschen zu töten.

Polizei, Kriminologen, Soziologen, Bildungsexperten, Politiker müssen verstehen, wie so etwas passiert, um das zu verhindern.

Balliet ist offensichtlich einer dieser INCELS und auch Q-Anon-Jünger, begann sein Tatvideo mit den verstörenden Worten…

[…..] "Hi my name is Anon, and I think the holocaust never happened. Feminism is the cause of the decline of the West which acts as a scapegoat for mass immigration. And the root of all these problems is the jew. Would you like to be friends?" [….]

(zitiert nach ADL, 09.10.2019)

Der Strafprozess ist extrem abscheulich, weil die Horrortaten alle in Wort und Bild dokumentiert wurden und nun im Gerichtssaal den Angehörigen der Opfer und den Nebenklägern präsentiert werden. Die Anklage lautet auf zweifachen Mord und 68-fachen Mordversuch, Holocaustleugnung, Körperverletzung, erpresserischen Raub und anderes mehr. Balliet genießt die Medienaufmerksamkeit.

Die Vorsitzende Richterin Ursula Mertens macht offenbar einen sehr guten Job, möchte ebenfalls herausfinden, wie man so wird.

Dafür bestellte sie BKA-Experten als Zeugen, die die Online-Vergangenheit des Killers untersuchten.

Dabei kommt aber ein Skandal im Skandal zum Vorscheinen.

[…..] Auf­trit­te der Be­am­ten des Bun­des­kri­mi­nal­amts füh­ren re­gel­mä­ßig zu Be­frem­den. Die Ne­ben­kla­ge­ver­tre­ter in­ter­es­siert vor al­lem, was die Be­am­ten un­ter­nom­men ha­ben, um et­was über mög­li­che Kon­tak­te Bal­liets her­aus­zu­fin­den. Gab es nicht doch Mit­wis­ser?

Eine Be­am­tin hat sich mit den Spie­len be­schäf­tigt: »Im We­sent­li­chen spiel­te Herr Bal­liet Ego-Shoo­ter und Rol­len­spie­le.« Spiel­part­ner sei­en nicht be­kannt; »Chat­da­ten wer­den nur 14 Tage ge­spei­chert.«

»Wel­che Kennt­nis­se habe Sie dar­über, wie bei Steam Spiel­ver­läu­fe ge­spei­chert wer­den?«, fragt Rechts­an­wäl­tin Kati Lang. »Kei­ne Kennt­nis­se«, sagt die Be­am­tin, »da­für gibt es Ex­per­ten beim BKA.« – »Ha­ben Sie mal auf Steam ein Spiel ge­spielt?« Die Be­am­tin ver­neint: »Ich bin kein Ga­mer.«

Lang hakt nach: »Das BKA hat Sie, die kei­ne Ah­nung von Ga­ming und Steam hat, da­mit be­auf­tragt, die Aus­wer­tung vor­zu­neh­men?« Die Frau zö­gert mit ih­rer Ant­wort: »Ja.« Ein an­de­rer Be­am­ter hat sich das Image­board 4chan an­ge­se­hen. Ob es da eine Mo­dera­to­ren­funk­ti­on gebe? Weiß er nicht. Wer dazu Nä­he­res mit­tei­len könn­te? Weiß er auch nicht.

»Wenn Sie ei­nen in­ter­netaf­fi­nen 18-Jäh­ri­gen dran­ge­setzt hät­ten«, em­pört sich An­walt Da­vid Herr­mann, »hät­te der mehr raus­ge­kriegt. Ich bin maß­los ent­täuscht und ent­setzt über die man­geln­de Kom­pe­tenz beim BKA.« Ober­staats­an­walt Ste­fan Schmidt re­agiert ge­reizt: Für das Straf­maß sei­en die­se Fra­gen egal. [….]

(Beate Lakotta, SPIEGEL 07.11.2020)

Das ist das Ergebnis von Jahrzehnten CDU-geführten Innenministerien und konservativer Polizeiführung.

Offensichtlich wurde seit dem NSU nichts gelernt.

Erbärmlich.

Es wäre schön, wenn sich Kevin Kühnert als aufstrebender Toppolitiker mit dem Totalversagen deutscher Behörden wie des BKAs beschäftigt, statt antimuslimische Ressentiments zu schüren.