Sonntag, 29. März 2020

Kassandras


Absolutistische Regierungsformen verachten wir heute zu Recht.
Sie lassen sich nicht mit Demokratie und Menschenrechten vereinbaren.
Aber wenn der absolute Herrscher zufällig kein ganz mieser Typ ist – und das ist selten, weil der unbedingt Wille über andere zu herrschen nun einmal ein unangenehmer Charakterzug ist – kann eine sehr lange Regierungszeit mit umfänglicher Macht auch Vorteile haben.
Ähnliche wie bei einem Familienunternehmer muss ein Imperator nicht nach kurzfristigen Erfolgen schielen, keine Shareholder bei Laune halten und sich nicht mit Konkurrenten oder Wahlen abärgern.
Wir kennen das schon aus der Bibel als Joseph im ägyptischen Exil den Traum des Pharaos von den sieben fetten und den folgenden sieben Hungerjahren deutete.
Sieben Jahre lang ließ der Pharao enorme Nahrungsmittelvorräte einlagern; sehr zum Unmut seines Volkes, das unter den Abgaben litt.
Ihm konnten aber keine Opposition und kein Untersuchungsausschuss hineinreden, so daß er sich voll auf die zukünftigen Gefahren konzentrierte.
Als schließlich die sieben fetten Jahre endeten und die weltweiten Hungersnöte losbrachen, war Ägypten vorbereitet. Niemand musste sterben, weil die Kornspeicher randvoll waren.

Moderne Methusalem-Staatsoberhäupter wie Bhumibol (70 Jahre thailändischer König), Queen Elisabeth II. (68. Amtsjahr) oder Rainier III. (55 Jahre Fürst von Monaco) haben keine absolute Macht mehr, aber Typen wie Friedrich, der Große
(1740–1786 preußischer König), sein verhasster Vater Friedrich Wilhelm I. (1713-1740 preußischer König), Maria Theresia („Kaiserin von Österreich, Königin von Ungarn 1740-1780) konnten ihre Nationen schon gewaltig umkrempeln.
Ludwig XIV., 1643 -1715, also 72 Jahre König von Frankreich oder Franz-Joseph I, 1848 – 1916, also 68 Jahre Kaiser Österreich-Ungarn haben sicher keine so schöne Bilanz, aber die Endlos-Herrscher, Ramses II, 66 Jahre Pharao in Ägypten  1279 v Chr- 1213 v Chr und Queen  Viktoria, 64 Jahre  Königin von England 1837 – 1901, sowie Qabus ibn Said, der nach fast 50-Jähriger Regentschaft im Januar dieses Jahres gestorbene Herrscher vom Oman haben ihr jeweiliges Land mit Sicherheit weit vorangebracht.

Bundeskanzler werden für vier Jahre gewählt, befinden sich aber durch die 16 Landtagswahlen, 16 Kommunalwahlen, die Bundespräsidentenwahl und die Europawahl auch während dieser knappen vier Jahre in einer Art Dauerspannung.
Denn auch Landtagswahlen können so schlecht laufen, daß sie letztlich den Kanzler aus dem Sitz hauen. Zuletzt geschah das 2005 Gerd Schröder nach dem Absturz in NRW.
Noch absurder ist das US-amerikanische System, bei dem sich die Präsidentschaftswahlen anderthalb Jahr hinziehen aber das „House“ alle zwei Jahre vollständig neu gewählt und dabei auch gleich noch jeweils ein Drittel der Senatoren zum Abschuss freigegeben wird.
Dabei sind ausgerechnet dort durch das Mehrheitswahlrecht keine sicheren Listenwahlplätze möglich, so daß jeder einzelne Abgeordnete dazu verdammt ist kontinuierlich für seinen persönlichen Wahlkampf Spenden einzutreiben.
50 Millionen Dollar kostet so ein Senatorensitz-Wahlkampf im Durchschnitt.
Da muss man den größten Teil seiner Arbeitszeit dafür verwenden Lobbyisten den Hintern zu küssen.
Käme ein hellsichtiger Joseph zu einem amerikanischen Senator oder einem Präsident oder einem Bundeskanzler, um ihm zu offenbaren, er müsse jetzt sieben Jahre lang drastisch die erzeugten Waren beschlagnahmen, würden sie ihn aus dem Büro jagen. Sieben Jahre das Volk auspressen? Sie wären längst nicht mehr im Amt, wenn die Hungerjahre anbrächen, weil schon nach 12 Monaten der erste Konkurrent auf die Bühne träte, der dem Volk verspräche sie müssten nichts mehr abgeben.

In einer modernen Gesellschaft könnte man theoretisch dem Wahlvolk erklären was in sieben Jahren droht und wieso daher ab sofort harte Maßnahmen unumgänglich sind.
Aber praktisch funktioniert das leider nicht, weil eben diese Wähler vollkommen verblödet sind. Das zeigte die Bundestagswahl von 1990 als angesichts der de facto annektierten DDR jedem klar sein musste wie teuer es wird ein ganzes marodes Land, das 40 Jahre Rückstand hat zu sanieren. Alle Experten sagten es und auch der SPD-Kanzlerkandidat Lafontaine schenkte den Wählern reinen Wein ein. Allein, es wollte keiner hören. Lieber wählte man den dicken Onkel, der von blühenden Landschaften schwadronierte, behauptete man könne alles „aus der Portokasse“ zahlen und „niemand wird es schlechter gehen“.
Drei Dekaden später wissen auch die meisten Amerikaner, daß Trump lügt, aber sie wählen ihn trotzdem, weil ihnen seine Lügen gefallen.

Die Josephs von heute heißen „Club of Rome“, Greta Thunberg oder Jean Ziegler.
Sie erklären schon seit Jahrzehnten was uns alles um die Ohren fliegen wird. Klimakatastrophe, Massenmigration durch Massenausbeutung. Wir wußten schon lange, daß es kein Atommüllendlager gibt und der Müll noch eine Million Jahre Krebs erregt. Die Endlichkeit der Erdöl- und Kohlevorräte ist ebenso bekannt wie die Tatsache, daß Millionen Deutsche in eine dramatische Altersarmut schlittern werden.
Wir wissen wie wichtig der Regenwaldgürtel für den Abbau des klimaschädlichen Kohlendioxides ist und holzen ihn dennoch immer schneller ab.
Die Warner von heute sind aber keine biblischen Josephs mehr, weil sie keinen Pharao haben, der ihnen zu hört.
Die Josephs sind nun allesamt Kassandras. Jean Ziegler kann sich über die verhungernden Kinder der Welt ebenso den Mund fusselig reden wie Claus Fussek über die unhaltbaren und sich stetig verschlimmernden Zuständen in deutschen Pflegeheimen.
Einige hören ihnen zwar zu, irrelevante Blogger verbreiten ihre Warnungen, aber Regierungschefs und Minister handeln trotz der dramatischen Aussichten nicht.
Man kann es ihnen noch nicht mal übel nehmen. Das Beispiel 1990 zeigt überdeutlich, daß verantwortungsvolle, realistische Politik nicht erwünscht ist.
Peer Steinbrück machte 2013 einen Klartext-Wahlkampf, der sehr konkret benannte was auf die Deutschen zukommen wird.
Das verschreckte die Wähler gar sehr und Frau Merkel, die sich konsequent weigerte überhaupt irgendetwas Konkretes zu sagen und lediglich auf ihr „sie kennen mich!“ setzte, erhielt ein Rekordergebnis.

Bezüglich der Pandemie ist es nicht anders.






Als Konsequenz gibt es jetzt schon 2.500 Corona-Tote in den USA und Trump erfreut sich den größten Beliebtheitswerten seit seiner Amtsübernahme.

Dass den Kliniken die Schutzkleidung ausgeht, weiß Minister Spahn seit Monaten, ignorierte aber die Warnungen. Aus seiner Sicht zu Recht, denn mit diesem Beschwichtigungs- und Vertuschungskurs schießt die CDU gerade in Umfragen nach oben; er selbst ist beliebt wie nie und seinem Traum vom Kanzleramt einen großen Schritt näher.

Die Pandemie-Warnungen kamen in den letzten Jahren sogar von ganz, ganz oben. Die WHO und der UN-Generalsekretär machten Druck.
2005 warnte die UN im Zuge des H5N1-Virus eindringlich vor einer Pandemie; Kofi Annan nahm das sehr ernst, forderte Impfstoffe zu entwickeln und Medikamente aufzustocken. Er setzte den britischen Gesundheitsexperten David Nabarro an die Spitze des neuen UN System Influenza Coordination.
2014, im Angesicht von Ebola schrieb Nabarro einen dramatischen Bericht an die Regierenden. Er verhallte.
Aber sie stießen auch in Berlin nur auf taube Ohren.
Jetzt haben wir den Salat.

[….] Die Mahner und Warner hatten es weiterhin schwer. Als US-Präsident Barack Obama zur Jahreswende 2016/2017 die Macht an seinen Nachfolger Donald Trump übergab, trafen sich die Teams des alten und des neuen Staatschefs zu einer Übung für den Fall einer Pandemie - als Beispiel diente eine imaginäre Influenza-Welle. Allerdings hat Trump bis heute so viele Mitarbeiter vergrault oder gefeuert, dass zwei Drittel der damals Anwesenden jetzt nicht mehr der Regierung angehören.
2018 verlangte auch die Weltbank in einem Bericht Investitionen in die Pandemie-Abwehr
Die Politik-Website Politico berichtet, dass der designierte Wirtschaftsminister Wilbur Ross während der damaligen Übung öfters so wirkte, als schlafe er gerade ein. Im vergangenen Jahr hielten US-Behörden dann eine Übung namens "Crimson Contagion" ab für den Fall einer Pandemie. Das Ergebnis war ernüchternd: Nicht nur fehlten laut New York Times Geld und Kompetenz, sondern die Übung offenbarte auch große Verwirrung im staatlichen Apparat darüber, wer eigentlich wann was zu tun hatte. Entsprechend unvorbereitet wirkte die US-Regierung jüngst zu Beginn der Corona-Krise. [….] Nun ist die seit Langem vorhergesagte Krise da. Sie hat nichts mit Influenza zu tun, vielmehr ist das Virus verwandt mit dem Sars-Erreger. Deutschland gilt in der Corona-Krise noch als relativ gut gerüstet. Anfang des Jahres beschwichtigte Gesundheitsminister Jens Spahn sogar mit den Worten: "Wir sind gut vorbereitet." Aber in vertraulichen Gesprächen räumen die Verantwortlichen auch hier ein, dass vieles fehlt, was man schon vor Jahren hätte einlagern können. Hätte man zum Beispiel den Gegenwert auch nur eines Panzers oder einer Rakete in das investiert, was am wichtigsten ist: Schutzkleidung. Fragt man Mitglieder des Berliner Krisenstabes in diesen Tagen danach, folgt eine lange Pause und ein erstaunlich selbstkritischer Blick. Ja, daraus werde man lernen müssen, heißt es dann. [….]

Mehr Geld für Panzer holten von der Leyen und Kramp-Karrenbauer raus.
Schutzmasken und Desinfektionsmittel haben wir nicht.
Und die CDU steigt in der Sonntagsfrage innerhalb von zwei Wochen von 26% auf 36%!

Urnenpöbel.

Samstag, 28. März 2020

Die Hauptärgernisse


Für alle Medikamente, die ich brauche, lasse ich mir die Rezepte direkt in meine Stamm-Apotheke schicken. Der Laden ist zwar sehr groß mit fünf separaten Countern, aber wegen der gegenwärtigen Lage steht im Eingang ein großer Aufsteller mit der Aufforderung nur maximal zwei Kunden gleichzeitig hineinzulassen.

Die Counter selbst haben eine Plexiglasverkleidung mit lediglich einem kleinen Warenschlitz.
Etwa in Kopfhöhe über jeder Kasse befindet sich ein weiteres großes Plakat mit dem Hinweis, daß sämtliche Desinfektionsartikel sowie Gesichtsmasken auf unbestimmte Zeit nicht lieferbar sind.
What else is new; das Totalversagen Jens Spahns ist ja lange bekannt; er wurde schon im Januar vor genau dieser Situation gewarnt, unternahm nichts und sonnt sich nun in stark gestiegenen demoskopischen Werten.
Natürlich wartete auch ich vor dem Eingang bis nur noch ein Mensch in der Apotheke war; alle anderen verhielten sich ebenso geduldig.
Aber als ich dran war und die Apothekerin gerade meine Bestellungen holte, kam natürlich ein junge Mutter mit einem Blag im Kindergartenalter und einem weiteren in diesem Luxus Kinderwagen-Buggy hineingestürmt, presste sich an mich und wollte wissen, ob sie „Sterilum“ kaufen kann.
Äh? Nein, sonderbare Frau vom Mond. Es wird erstens seit Wochen in allen Medien ventiliert, daß Sterilum komplett vergriffen ist, zweitens steht das noch mal auf dem großen Plakat genau vor ihrer Nase, drittens sollen sie gefälligst draußen warten bis nur noch ein Kunde im Laden ist und viertens halten sie gefälligst zwei Meter Abstand zu mir.

Aber das sind eben die jungen Großstadtmütter des 21. Jahrhunderts. Sie sind so fest davon überzeugt mit der Geburt eines Kindes eine derartige Großtat vollbracht zu haben, daß fürderhin alle anderen minderbemittelten Bürger in Ehrfurcht vor ihnen erstarren sollen.
Ich bin Mutter“ wurde mir schon vor Jahren in der Warteschlange vor der Käsetheke bedeutet, als sich so ein Traumexemplar vordrängelte.
„Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter“ lautet das empfehlenswerte Buch zu der beklagenswerten Spezies der Latte-Macchiato-Mütter.

Man muss dazu natürlich auch die biologische Einzigartigkeit bedenken. Erst Geschlechtsverkehr, dann wird monatelang der Uterus okkupiert und schließlich muss das Wesen mit dem eigentlich viel zu großen Kopf auch noch durch den Geburtskanal gepresst werden.
Eine ganz neue Dimension der Anstrengung, die diese Mütter auf sich nehmen. Sowas gab es früher gar nicht. Bis Ende des 20. Jahrhunderts wurden Babys nämlich ausschließlich vom Storch gebracht.

Da hat sich auf der Corona-Virus mit seinen neuen Abstandsregeln unterzuordnen.

Die kleinen sehr von mir gelobten Niemerszein-Filialen, der örtliche EDEKA, sind ebenfalls von Corona gebeutelt, weil sie von raffgierigen Hamsterern heimgesucht werden, die sich wie im Angesicht der Zombiapokalypse um Klopapier und Trockennudeln prügeln.
Da viele dieser Läden nicht sehr groß sind, ist das 2-Meter-Abstandsgebot schwer einzuhalten wenn die Kunden in Gruppen kommen.
Daher wurde verfügt Kunden nur noch einzeln hineinzulassen.
Eine simple Maßnahme, die von jedem zu Gunsten unser aller Gesundheit und insbesondere des Wohls der armen Angestellten eigentlich jeder verstehen kann.
Nun ja, bis auf Mütter.
Mütter, die nicht nur renitent auf entsprechende Aufforderungen reagieren, sondern sich anschließend immer noch nicht beruhigen können, so daß sie gleich zur nächsten Zeitung rennen, um die Welt über ihr erlittenes grauenvolles Schicksal zu informieren.
Es ist ja schließlich nicht so, daß es im Moment noch irgendwelche anderen Probleme auf der Welt gäbe.

[….] Die Supermärkte in ganz Hamburg haben alle Hände voll zu tun. Regale werden im Akkord aufgefüllt, neue Allgemeinverfügungen umgesetzt. Zum Schutz der Mitarbeiter und Kunden soll der Mindestabstand von 1,50 Meter auch im Markt eingehalten werden. Das klappt nicht immer: Der Edeka Niemerszein in der Langen Reihe soll einer Mutter mit ihrem Kind den Zutritt jetzt verboten haben.
Die alleinerziehende Mutter hatte sich am Dienstag bei Radio Hamburg gemeldet und erzählt, dass sie vor dem Edeka Niemerszein vom Security Personal abgefangen wurde: Ihr Kind dürfe nicht mit in den Laden, sie könne es beim Sicherheitspersonal lassen, so Radio Hamburg. [….]
Seit Sonntag gelten in ganz Deutschland flächendeckend Kontaktverbote. Auch in den Supermärkten soll der Mindestabstand von 1,50 Meter eingehalten werden. „Die Beobachtungen bei Edeka Niemerszein in der Langen Straße haben gezeigt, dass diese Abstandregelungen sowie weitere Hygienemaßnahmen nicht eingehalten werden“, sagte ein Sprecher von Edeka zur MOPO.
„Daher wurde der Schritt notwendig, nur noch einzeln einzukaufen zu lassen, umgesetzt“, sagte der Sprecher weiter. Das bedeutet, dass diese Beschränkung sich nicht explizit gegen Kinder richtet, sondern gegen das Einkaufen mit mehreren Personen. [….] „Wir bedauern, dass diese Maßnahme unumgänglich wurde; glauben aber, an diesem Standort so die Gesundheit unserer Mitarbeiter sowie die unserer Kunden bestmöglich zu schützen“, sagte der Edeka-Sprecher.[…..]

Danke Edeka Niemerszein dafür, daß Ihr alle anderen Kunden vor solchen egoistischen Alptraum-Müttern mit ihren kleinen undisziplinierten Virenschleudern schützt.
Corona krempelt alles um. Nun sind nicht mehr Kleinkinder die Schwächsten, die geschützt werden müssen, sondern sie sind ganz im Gegenteil, die Stärksten. Sie können eine Covid19-Infektion locker wegstecken, verteilen aber rücksichtlos die Viren weiter, weil sie sich nicht an Abstandsgebote oder die Aufforderung in die Ellenbeuge zu husten halten. Kleinkinder sind derzeit eine tödliche Gefahr für die Großelterngeneration.

Das gleiche Bild in einem Hamburger Bauhaus-Baumarkt.
Die Angestellten arbeiten am Limit unter erhöhter Infektionsgefahr. Deswegen sind in anderen Bundesländern Baumärkte schon geschlossen.
In Hamburg noch nicht, weil man auf die Vernunft der Verbraucher spekuliert. Sie halten sich mehrheitlich an das #wirbleibenzuhause-Gebot und gehen nicht armen Verkäufern mit ihren überflüssigen Privatwünschen auf die Nerven.

Versteht jeder. Nur eben nicht Mütter, die auch in diesem Fall fest davon überzeugt sind der Nabel der Welt zu sein und sogleich die Presse informieren.

[….] Im Bauhaus an der Wandsbeker Zollstraße durfte die alleinerziehende Mutter Andrea Abshagen mit ihrer sieben jährigen Tochter jetzt nicht mehr ins Geschäft. [….]
In Hamburg sind die Baumärkte, anders als in anderen Bundesländern, für den privaten Einkauf noch geöffnet. Dies wollte am Donnerstag auch Andrea Abshagen nutzen, um für ihre sieben jährige Tochter Kunstrasen zu besorgen. [….]
Am Serviceschalter wurden sie abgefangen, mit Kind dürfe die alleinerziehende Mutter nicht in den Markt. "Das hätte ich nicht erwartet von einem Laden, zu dem man jahrelang hingeht", sagt Abshagen. [….]
"Ich kann ja verstehen, dass die das Hausrecht haben, aber ich kann die Kleine ja nicht alleine lassen", sagt sie. Derzeit ist keine andere Betreuung möglich. Sind jetzt die Kinder das Problem?
[….] "Nein", sagt ein Sprecher von Bauhaus. "Es geht auf keinen Fall darum, Kinder oder Familien auszuschließen." Es gäbe auch keine konkrete Regel, die Familien nicht reinzulassen. Doch auch Bauhaus hat in diesen Zeiten einige Schutzmaßnahmen für ihre Mitarbeiter und Kunden eingeführt. Es soll nur noch einzeln eingekauft werden, der Mindestabstand von 1,50 Meter ist einzuhalten und auch eine Mindestanzahl an Personen, die gleichzeitig im Markt sein dürfen, wurde festgelegt.
"Wir hatten in der letzten Woche eine hohe Frequenz", sagt der Bauhaus-Sprecher. Viele seien in den Markt gefahren, um sich einfach mal umzuschauen. Das ist momentan natürlich nicht gerade hilfreich und sorgt bei den Verkäufern vor Ort für eine höhere Wachsamkeit. [….]
fragen: Ist der nächste Gang vor die Tür tatsächlich notwendig? (sr) […..]

Mütter, wenn Ihr alleinerziehend seid, habt Ihr das selbst zu verantworten. Das ist keine Rechtfertigung dafür unbeteiligte Mitbürger mit potentiell letalen Krankheiten zu infizieren, weil Ihr leider nicht wisst was Ihr mit Eurem Gör anfangen sollt.
Frau Abshagen, schrauben Sie Ihre Ansprüche zurück; Sie brauchen jetzt keinen Kunstrasen.
Ganz generell aber solltet Ihr bedenken, daß Ihr keineswegs so interessant und wichtig seid, daß Ihr Euch wie Kim Kardashian jedes Mal, wenn Ihr einen Furz lasst, sofort bei MoPo, BILD oder Radio Hamburg anrufen müsst.

Bitte das nächste Mal ein Kondom benutzen!

Freitag, 27. März 2020

Das dümmste Volk der Welt – Teil II


Triage; jeder der amerikanische Kittelsoaps guckt, kennt den Begriff:
Irgendeine Katastrophe bricht herein; gern explodiert auch irgendetwas in der Notaufnahme selbst; es kommt zu einem Massenanfall von Verletzten, es sind nicht genügend Kapazitäten da, um sich um alle zu kümmern.
Nun bellt der Chefarzt den bösen Satz „Du machst die Triage!“
Der Ausgesuchte hat nun die Aufgabe in Sekundenschnelle die Verletzten mit farbigen Wimpeln zu markieren.

In Europa wird das Manchester-Triage-System (MTS) verwendet. Es ist für Extremzustände im Krankenhaus ausgelegt und basiert auf der Annahme, daß alle Kranken behandelt werden können. Aufgrund der begrenzten Kapazitäten muss aber eine Dringlichkeits-Hierarchie erstellt werden. Dafür gibt es einen internationalen Farbcode, der erklärt wie lange der Patient maximal auf die Behandlung warten kann:

·        1        SOFORT       rot      0 Minuten
·        2        SEHR DRINGEND   orange         10 Minuten
·        3        DRINGEND   gelb    30 Minuten
·        4        NORMAL       grün   90 Minuten
·        5        NICHT DRINGEND blau    120 Minuten

In Katastrophen- und Kriegsfällen sieht es etwas anders aus, weil man nicht alle sofort Behandlungsbedürftigen versorgen kann. Derjenige, der die Triage-Einstufung vornimmt, wird damit zu Gott und entscheidet wer lebt und wer stirbt. Die schwarzen Wimpel sind leicht zu verteilen; das sind die Toten.
Aber es gibt de facto zwei Kategorien von Schwerverletzten, die sofort behandelt werden müssten: Rot, für die bei denen man es versucht und blau für Diejenigen, die gleich aufgegeben werden, weil die Chancen zu klein sind oder aber die Behandlung so aufwändig wäre, daß sie zu viele Kapazitäten besetzen würde.


Das Triage-System wird nun aber in Angesicht der Corona-Epidemie sehr real. Die Anzahl der Todesfälle in Italien ist so hoch – in den letzten 24 Stunden starben 1000 Italiener an den Folgen der Covid-19-Lungenkrankheit – daß Ärzte entscheiden müssen wer lebt und wer stirbt. Längst sind die Kapazitäten des italienischen Gesundheitssystems erreicht.

Als nächstes trifft es die USA, die sich das teuerste und gleichzeitig ungerechteste Gesundheitssystem leisten. Pharmafirmen, Krankenhausbetreiber Chefärzte und Medizingerätehersteller werden sagenhaft reich während Millionen Menschen nicht versichert sind und viele Krankenhäuser hoffnungslos unterfinanziert sind.


In New York, dem Sitz der Wall Street, der Stadt voller Milliardäre und den teuersten Mieten der Welt, sehen die Krankenhäuser heute so aus wie in der Dritten Welt. Die Schutzkleidung ist ausgegangen, so daß sich Krankenschwestern und Ärzte des NYC-Krankenhauses inzwischen Virenschutzkleidung aus Plastikmüllsäcken und duct-tape selbst basteln müssen.


 Zum größten Engpass haben sich allerdings die Beatmungsgeräte (ventilators) entwickelt. Fast alle schweren Corona-Fälle müssen beatmet werden.
Wenn aber pro ventilator vier oder fünf Intensivpatienten da sind, muss der Arzt entscheiden, wer von ihnen überlebt und wen er zum Tode verurteilt.
Deswegen ist Triage der größte Alptraum der Mediziner.
Deswegen wütet der populäre New Yorker Gouverneur Cuomo jedes Leben müsse gerettet werden; das Leben seiner Mutter sei nicht verzichtbar – wie von republikanischen Politikern vorgeschlagen.

 
New York und New Jersey, die beiden bisher am härtesten von Corona getroffenen Bundesstaaten flehen seit zwei Wochen verzweifelt das Weiße Haus um Hilfe an. Aber der obsessiv bestätigungssüchtige Trump vergibt Hilfen entlang der Parteilinien und sieht auch so eine Notfallversorgung als Geschäft auf Gegenseitigkeit. Wenn er schon Beatmungsgeräte schickt, sollen die Empfängergouverneure auch vor Dankbarkeit kriechen und Trump öffentlich loben.
Cuomo, der sich um mehre Myriaden Infizierte kümmern muss, ist aber nicht begeistert.

[…..] Gov. Andrew M. Cuomo awoke before dawn on Tuesday, emerging after a few hours’ sleep to board a helicopter to New York City for the coronavirus briefing that has become a daily ritual for him and for the millions of people now watching.
But this event would be different. The outbreak was moving faster than he had expected, with the number of confirmed cases doubling every three days, and he decided he needed to show people — including the White House — how desperate the situation had become.
“You want a pat on the back for sending 400 ventilators?” the governor said, referring to a recent federal government shipment to New York.
“What am I going to do with 400 ventilators when I need 30,000?” he said later. “You pick the 26,000 people who are going to die because you only sent 400 ventilators.” [……]

Welches Spiel hier getrieben wird ist offensichtlich. NY ist ein „deep blue“ state, zwei Drittel stimmen bei Präsidentschaftswahlen für die Demokraten. Damit geht beim amerikanischen Wahlsystem unter keinen Umständen auch nur ein einziger Wahlmann an Trumps Republikaner.
Daher sind Trump sterbende New Yorker herzlich egal; im Gegenteil, sie kommen ihm gerade Recht, denn dadurch kann er umso besser auf den „failing“ demokratischen Bürgermeister de Blasio und den „failing“ demokratischen Gouverneur Cuomo einprügeln. 


[…..] The death toll from coronavirus soared over 500 in New York on Friday as the state scrambled to find more hospital space for expected patients in the coming weeks.
As of Friday, there were 44,635 positive cases in New York state with 519 deaths. More than 6,400 people have been treated in the hospital with 1,583 still in ICU. [….]

Über 500 Tote in seiner Heimatstadt?
Ein Fest für Donald Trump, der nun loszieht und in den ultrarechten Sendern über die Gouverneure lästert, die viel zu viele Beatmungsgeräte verlangten und seine Gutmütigkeit ausnutzten.

[….]Trump to U.S. Governors: Get Your Own Ventilators. President Trump told several governors on a Monday conference call that they are largely on their own in stocking up on gear such as respirators and ventilators to fight the novel coronavirus. “Respirators, ventilators, all of the equipment—try getting it yourselves,” the president said.  […..]

Das miese Schwein geht sogar so weit die Produktion der Geräte erst mal zu stoppen.

[….] Ventilator Production Delayed as Trump Administration Haggles for Better Price, Says Report. On the same day that the United States became the country with the most confirmed cases of the novel coronavirus in the world, it was reported that the Trump administration has pulled back from a deal to build life-saving ventilators because it belatedly decided it’s too expensive. The New York Times reports the White House was this week set to reveal a joint venture between General Motors and Ventec Life Systems that would allow for the production of as many as 80,000 urgently needed ventilators. But the announcement has been postponed indefinitely after the Federal Emergency Management Agency reportedly decided it needed more time to think about whether the $1 billion price tag was too high. […..]


[…..] As Donald Trump spoke to Fox News' Sean Hannity in a telephone interview, the answer became clear: the president doesn't think the ventilators are necessary.
    "I have a feeling that a lot of the numbers that are being said in some areas are just bigger than they're going to be. I don't believe you need 40,000 or 30,000 ventilators. You go into major hospitals sometimes, and they'll have two ventilators. And now all of a sudden they're saying, 'Can we order 30,000 ventilators?'"

Note the fact that Trump drew these ridiculous conclusions based on "a feeling," not a policy assessment. The comments came less than a week after the president pointed to the possible use of malaria drugs with no track record of success in combating COVID-19, telling reporters that he has "a feeling" the medications might be effective.
Earlier in the month, he also rejected the World Health Organization's assessment on fatality rates, telling Sean Hannity on March 4, " This is just my hunch." [……]


Das ist selbst für Trump-Verhältnisse ein starkes Stück.
Ein US-Präsident, der nicht nur lügt wie gedruckt, sondern nun auch aktiv das Überleben der eigenen Bevölkerung sabotiert.

Wie kommt das bei den Wählern an? Stört es sie wenigstens ein bißchen, daß ihr Präsident darum bemüht ist Amerikaner zu töten?
Nein, im Gegenteil, das dümmste Volk der Welt findet IQ45 mache seine Sache besser denn je!


[…..] Here's an indisputable fact: President Donald Trump is as popular today as he has been since his first day in office.
In a new Gallup poll, 49% approve of the job Trump is doing as president while 45% disapprove, matching the highest his approval rating has ever been in Gallup surveys. A Monmouth University poll released on Monday showed Trump at 46% approval, again the best he has done in that poll in more than three years.
What accounts for Trump's rise? Simple: His response to the coronavirus crisis.
In the Gallup poll, 60% of Americans approve of the job Trump is doing in handling the crisis while 38% disapprove of how he has done. Six in 10 independents approve of how Trump has done on the coronavirus as do more than 1 in 4 (27%) of Democrats. In the Monmouth poll, 50% say Trump has done a good job with coronavirus while 45% said he has done a bad job. […..]

Demokratie ist eine feine Sache, aber ganz offensichtlich sind große Teile Amerikas intellektuell hoffnungslos überfordert für rationale Wahlentscheidungen.