Wenn man
so wie ich in den letzten Tagen und Wochen intensiv nachts auf CNN US-Politik
geguckt hat, ist man zwar in Versuchung zu glauben, es ginge nicht mehr
unsympathischer als der Soziopath Trump und seine menschenhassenden GOPer
Kumpanen, aber das stimmt nicht so ganz.
Bernd
Höcke spielt in der 1A-Liga der weltweiten Top-Widerlinge.
Erst diese abscheuliche antisemitische revanchistische Hetzrede
im Landtag, für die der braune Bernd angezeigt wurde; seine ekelhafte
Dreistigkeit am Holocaustgedenktag in die KZ-Gedenkstelle Buchenwald zu
marschieren, dann die förmliche Ausladung….
[….]
Die Stiftung der KZ-Gedenkstätten in
Thüringen hat den AfD-Landes- und Fraktionschef Björn Höcke vom
Holocaustgedenktag ausgeladen. An dem bundesweiten Gedenktag für die Opfer des
Nationalsozialismus am Freitag in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald sei er nicht
willkommen, teilte ihm die Stiftungsleitung mit.
"Nach seiner Rede
in Dresden ist eine Teilnahme von Herrn Höcke an der Kranzniederlegung im
ehemaligen KZ Buchenwald nicht akzeptabel", sagte der stellvertretende
Direktor der Stiftung Rikola-Gunnar Lüttgenau. [….]
… und
schließlich Höckes Unverschämtheit, obwohl er ausdrücklich unerwünscht war,
dennoch nach Buchenwald zu fahren.
[…..]
Die KZ-Gedenkstätte Buchenwald hat dem
umstrittenen Chef der Thüringer AfD-Landtagsfraktion, Björn Höcke, Hausverbot
erteilt. Höcke wurde von einem Mitarbeiter bei der Zufahrt zur
Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus gestoppt. Er händigte
ihm das schriftliche Verbot aus. [….]
(dpa,
27.01.17)
Der
Thüringer Moder-Faschist benimmt sich in dieser austabuisierten Zeit voller
rechter Provokationen, Mordanschläge und brutalen braunen Banden so
abscheulich, daß er heraussticht und man darüber nicht schweigen kann.
Es ist
moralisch unmöglich sich ihm nicht entgegen zu stellen.
Das
Dilemma bleibt aber, daß man somit Teil seines Planes wird.
So kam
die AfD auf kontinuierlich zweistellige Zustimmungsraten; sie hält sich ganz
wie ihr Idol Trump mit dauernden Lügen und rassistischen Ausfällen
kontinuierlich im Gespräch.
Immer
dasselbe Muster bei den ewig-gestrigen Rassisten mit Grammatikschwäche und
small-penis-syndrome im Endstadium:
Einer provoziert mit einer alles zuvor übertreffenden Perfidie und wartet auf
das Anschwellen der medialen Empörungsmaschine. Die braunen Kollegen raffen
anschließend ebenfalls Sendezeit an sich, indem sie sich schwach und halbherzig
distanzieren, oder aber das eben gesagte zu Missverständnissen umdeuten.
Schließlich
folgen ein scheinbar zerknitterter Mea-culpa-Satz des Delinquenten, der sich
gleichzeitig umso mehr über die linksgrün-versiffte Meinungsdiktatur empört und
schließlich die Selbstglorifizierung als mutiger Tabu-Brecher.
So
dominiert man billig die Schlagzeilen, steigert den Wert der Marke AfD und holt
auch noch zusätzliche Ewiggestrige an die Wahlurnen.
Es
funktioniert.
Höcke
auf allen Titelbildern. AfD-Werbung total, AfD immer im Gespräch.
Ein
Dilemma für die AfD-Gegner.
Wie soll
man sich zu der NPD-Nachfolgepartei verhalten, wenn deren Fans so auf Krawall
gebürstet sind, daß jede AfD-Kritik wie Werbung wirkt?
Der einzige
Ausweg scheint mir zu sein, die AfD zwar nicht in Ruhe zu lassen, sie also
kontinuierlich sachlich kritisiert und ihre Lügen entlarvt – aber das Thema
auch schnell wieder fallen zu lassen. Es gibt keinen Grund die Partei zu
hofieren und sie wie die ARD- und ZDF-Talkshows weit überproportional zu
thematisieren.
Im Jahr
2016 waren mehr als die Hälfte aller ARD/ZDF-Polittalkshows mit AfD-Themen
beschäftigt, boten Vertretern der braunen Bande Woche um Woche stundenlang
kostenlose Sendezeit zur Selbstdarstellung an.
[….]
Worüber wurde in den größten deutschen
Politik-Talkshows im letzten Jahr gesprochen? Wir haben alle Sendungen des
letzten Jahres von ARD und ZDF ausgewertet, insgesamt 141 Sendungen. Davon ging
es in 40 Talkshows um das Thema Flüchtlinge und Flüchtlingspolitik, 15-mal
wurde über das Thema Islam, Gewalt und Terrorismus gesprochen. 21-mal über
Populismus, vor allem Rechtspopulismus. Insgesamt machten diese Themen 54
Prozent aller Talkshows aus.
Prof. Claus Leggewie,
Politikwissenschaftler: „Ich glaube, es gibt erheblich interessantere Themen in
der politischen Öffentlichkeit, die durch diese vermeintlich aktuellen und
dramatischen Themen immer wieder in den Hintergrund gerückt werden. Dadurch
fokussiert sich Politik auf die Themen der Rechtspopulisten. Das sind nämlich
ihre Themen, der Islam, die Flüchtlinge, der Terror.“
Andere Themen hatten
keine Chance: Über Energie-Themen, wie die Zukunft der Kohle oder den
Atomausstieg wurde nicht gesprochen. Auch das Thema Bildungspolitik war kein
Thema. Und selbst der viel diskutierte Abgasskandal war keiner der Talkshows
eine Sendung wert. Klar, die Flüchtlingspolitik war das Megathema des letzten
Jahres. Aber stimmt das Verhältnis noch? [….]
Wie soll
man eigentlich bei der noch nie dagewesenen Lügen- und Skandal-Kaskade aus dem
Weißen Haus noch nachkommen?
"Ich liebe
Chicago", sagte Donald Trump, "tolle Stadt." Nur all diese
Morde, "ein schreckliches Gemetzel", "die Leute werden links und
rechts erschossen". Dabei sei das Problem doch so einfach zu lösen. Und
wenn Chicago das nicht alleine schaffe, werde er das eben selbst in die Hand
nehmen müssen.
Es ist eine kurze und
doch bezeichnende Passage: Übertreibung, Unwahrheit, Drohung sind Trumps
bevorzugte Mittel. Auchin seinem ersten TV-Interview als US-Präsident, das er
dem Sender ABC gab, griff er darauf zurück.
Trump wiederholte
falsche, haltlose und gefährliche Behauptungen der vergangenen Tage: Das
"größte Publikum aller Zeiten" habe seiner Vereidigung beigewohnt.
Seine Wahl sei "einer der größten Siege überhaupt" gewesen, trotz
millionenfachen Wahlbetrugs. Folter funktioniere - und sei ein probates Mittel
im Kampf gegen den Terror.
Die fast schon
alltäglichen Aufreger vernebeln den Blick auf die wahren Skandale der noch
jungen Ära Trump. Und da gibt es einige. Die vier brisantesten Komplexe im
Überblick: [….] 1., [….]
2., [….]
3., [….]
4. [….]
Es gab
in der deutschen Politik wirklich prominente Vertreter, die offensichtlich die
letzten 18 Monate US-Wahlkampf ignorierten und wie Angela Merkel erst mal zum
Abwarten rieten. So schlimm werde es schon nicht werden mit Trump.
Er habe
eine Chance verdient.
Vorgestern
gab CDU-Rechtsaußen und Finanzstaatssekretär Jens Spahn der CNN-Starmoderatorin
Christiane Amanpour ein Interview, in dem er die Trump-Präsidentschaft
wiederholt als große Chance bezeichnete und darlegte durch „America-First“
profitiere auch Deutschland.
'America First' can be a win-win
German Deputy Finance Minister Jens Spahn tells Christiane Amanpour he
thinks President Trump's "America First" slogan should also mean
working together.
Spahn
spricht also English, sogar recht fließend, ohne zu stocken. Allerdings mit
starkem Akzent und ohne allzu komplizierte Worte.
Das ist
aber schon das einzig Positive.
Trump
ist nicht nur ein pathologischer Lügner, Soziopath und Sadist, der gerade
wieder die Folter einführen will, sondern er
überzog schon mehrfach Angela Merkel mit abstrusen, erlogenen Vorwürfen.
Zuletzt vor ein paar Tagen, in dem BILD-Interview, als er faktenwidrig
behauptete Merkel habe England dazu gezwungen massenhaft kriminelle Flüchtlinge
aufzunehmen und dadurch den Brexit ausgelöst.
Die
Kanzlerin bleibt aber eine begnadete Kontorsionistin.
Nach
diesen amerikanischen Tritten mitten in ihr Gesicht, verbiegt sie sich genau
wie gegenüber Recep Tayyip Erdoğan bis zur Unkenntlichkeit, um devot vor Trump
zu kriechen; läßt ihren Finanzstaatssekretär erklären, hier handele es sich um
eine „Win-Win-Situation“.
Es erleichtert
Merkel natürlich den politischen Alltag, daß sie nicht zu beleidigen ist und
auch die größten Demütigungen ungerührt hinnimmt.
Allerdings
repräsentiert sie auch ihr Land und fügt Deutschland Schaden zu, wenn sie durch
ihr Nichtreagieren signalisiert „Los Amis – hört mich ab, setzt die größten
Lügen über die Berliner Regierung in die Welt – uns stört es nicht!“
Trump
rangiert am anderen Ende der aktiven und passiven Beleidigungsfähigkeit.
Er gerät
allerdings schon durch das gelegentliche Aufblitzen von Fakten derart in Rage,
daß man schon nach wenigen Tagen im Amt weiß wer ihn beurteilen sollte:
Politologen und Analysten sind nicht mehr gefragt. Trump ist ein klarer Fall für Psychiater, Zwangsjacke und Gummizelle.
Sein Kampf wider die Realitätkann nur noch mit
einer extremen Persönlichkeitsstörung erklärt werden.
Lustig,
nachdem es keinerlei Hinweis auf die von Trump behauptete Millionenfache
Wahlfälschung zugunsten Clinton gibt, wurde inzwischen bekannt, daß doch einige
wenige Wähler illegal in mehreren Staaten gleichzeitig als Wähler registriert
sind.
Nämlich
sein Chefberater und Schwiegersohn Jared Kushner, seine Tochter Tiffany Trump
und sein Wahlkampfmanager Bannon.
[….] Jared Kushner, President Trump's son-in-law
and one of his closest White House advisers, is registered to vote in both New
Jersey and New York, according to elections officials and voting registration
records, another high-profile example of how common it is for voters to hold
dual registrations.
With Kushner, The Washington Post has now identified four Trump family
members or top administration appointees who were registered in two states
during the fall election. The others are chief White House strategist Stephen
K. Bannon; Tiffany Trump, the president's youngest daughter; and Treasury
Secretary nominee Steven Mnuchin, as first reported by CNN. […..[
Tiffany Trump on voter rolls in 2 states, despite claims otherwise by
Kellyanne Conway
Just one day after President Donald Trump said he would ask for a
"major investigation" into his unsubstantiated allegations of voter
fraud, White House counselor Kellyanne Conway pushed back on proof that shows
the president's youngest daughter on voter registration rolls in two states.
Tiffany Trump is currently registered in both New York City and
Philadelphia, according to state election records in New York and Pennsylvania.
Trump was a student at the University of Pennsylvania until her graduation last
May.
Trump says he doesn’t need facts as long as ‘very smart’ Fox News
viewers agree with him
Trump’s first interview as president illustrated how Fox News is
becoming Trump propaganda.
During his first interview as president of the United States, Donald
Trump was challenged by ABC News’ David Muir about his baseless claim that up
to five million illegal votes were cast in the 2016 presidential election.
Trump could muster no actual evidence to support the oft-debunked voter
fraud allegation he’s repeatedly made since November. So instead, he cited
opinions espoused by Fox News hosts and shared by the network’s “very smart”
viewers.
“Let me just tell you, you know what’s important, millions of people
agree with me when I say that if you would’ve looked on one of the other
networks and all of the people that were calling in they’re saying, ‘We agree
with Mr. Trump. We agree.’ They’re very smart
people,” Trump said.
[…..] [….]
Unterdessen
feuert Trump seine Ungeheuerlichkeiten schneller ab, als man sie bewußt
wahrnehmen kann.
Das
illustriert diese kleine Liste der ersten vier Tage im Amt.
* On January 19th, 2017, DT said that he would cut funding for the DOJ’s
Violence Against Women programs.
* On January 19th, 2017, DT said that he would cut funding for the
National Endowment for the Arts.
* On January 19th, 2017, DT said that he would cut funding for the
National Endowment for the Humanities.
* On January 19th, 2017, DT said that he would cut funding for the
Corporation for Public Broadcasting.
* On January 19th, 2017, DT said that he would cut funding for the
Minority Business Development Agency.
* On January 19th, 2017, DT said that he would cut funding for the
Economic Development Administration.
* On January 19th, 2017, DT said that he would cut funding for the
International Trade Administration.
* On January 19th, 2017, DT said that he would cut funding for the
Manufacturing Extension Partnership.
* On January 19th, 2017, DT said that he would cut funding for the
Office of Community Oriented Policing Services.
* On January 19th, 2017, DT said that he would cut funding for the Legal
Services Corporation.
* On January 19th, 2017, DT said that he would cut funding for the Civil
Rights Division of the DOJ.
* On January 19th, 2017, DT said that he would cut funding for the
Environmental and Natural Resources Division of the DOJ.
* On January 19th, 2017, DT said that he would cut funding for the
Overseas Private Investment Corporation.
* On January 19th, 2017, DT said that he would cut funding for the UN
Intergovernmental Panel on Climate Change.
* On January 19th, 2017, DT said that he would cut funding for the
Office of Electricity Deliverability and Energy Reliability.
* On January 19th, 2017, DT said that he would cut funding for the
Office of Energy Efficiency and Renewable Energy.
* On January 19th, 2017, DT said that he would cut funding for the
Office of Fossil Energy.
* On January 20th, 2017, DT ordered all regulatory powers of all federal
agencies frozen.
* On January 20th, 2017, DT ordered the National Parks Service to stop
using social media after RTing factual, side by side photos of the crowds for
the 2009 and 2017 inaugurations.
* On January 20th, 2017, roughly 230 protestors were arrested in DC and
face unprecedented felony riot charges. Among them were legal observers,
journalists, and medics.
* On January 20th, 2017, a member of the International Workers of the
World was shot in the stomach at an anti-fascist protest in Seattle. He remains
in critical condition.
* On January 21st, 2017, DT brought a group of 40 cheerleaders to a
meeting with the CIA to cheer for him during a speech that consisted almost
entirely of framing himself as the victim of dishonest press.
* On January 21st, 2017, White House Press Secretary Sean Spicer held a
press conference largely to attack the press for accurately reporting the size
of attendance at the inaugural festivities, saying that the inauguration had
the largest audience of any in history, “period.”
* On January 22nd, 2017, White House advisor Kellyann Conway defended
Spicer’s lies as “alternative facts” on national television news.
* On January 22nd, 2017, DT appeared to blow a kiss to director James
Comey during a meeting with the FBI, and then opened his arms in a gesture of
strange, paternal affection, before hugging him with a pat on the back.
* On January 23rd, 2017, DT reinstated the global gag order, which
defunds international organizations that even mention abortion as a medical
option.
* On January 23rd, 2017, Spicer said that the US will not tolerate
China’s expansion onto islands in the South China Sea, essentially threatening
war with China.
* On January 23rd, 2017, DT repeated the lie that 3-5 million people
voted “illegally” thus costing him the popular vote.
* On January 23rd, 2017, it was announced that the man who shot the
anti-fascist protester in Seattle was released without charges, despite turning
himself in.
* On January 24th, 2017, Spicer reiterated the lie that 3-5 million
people voted “illegally” thus costing DT the popular vote.
* On January 24th, 2017, DT tweeted a picture from his personal Twitter
account of a photo he says depicts the crowd at his inauguration and will hang
in the White House press room. The photo is curiously dated January 21st, 2017,
the day AFTER the inauguration and the day of the Women’s March, the largest
inauguration related protest in history.
* On January 24th, 2017, the EPA was ordered to stop communicating with
the public through social media or the press and to freeze all grants and
contracts.
* On January 24th, 2017, the USDA was ordered to stop communicating with
the public through social media or the press and to stop publishing any papers
or research. All communication with the press would also have to be authorized
and vetted by the White House.
* On January 24th, 2017, HR7, a bill that would prohibit federal funding
not only to abortion service providers, but to any insurance coverage,
including Medicaid, that provides abortion coverage, went to the floor of the
House for a vote.
* On January 24th, 2017, Director of the Department of Health and Human
Service nominee Tom Price characterized federal guidelines on transgender
equality as “absurd.”
* On January 24th, 2017, DT ordered the resumption of construction on
the Dakota Access Pipeline, while the North Dakota state congress considers a
bill that would legalize hitting and killing protestors with cars if they are
on roadways.
* On January 24th, 2017, it was discovered that police officers had used
confiscated cell phones to search the emails and messages of the 230
demonstrators now facing felony riot charges for protesting on January 20th,
including lawyers and journalists whose email accounts contain privileged
information of clients and sources.
Bezüglich der Bildung funktioniert Fernsehen wie Internet.
Es macht
Kluge klüger und Dumme dümmer.
(….)
95% der ausgestrahlten Programme halte ich zumindest für Zeitverschwendung, wenn
nicht gar für Volksverdummung.
Zu
einem willkürlichen Zeitpunkt willkürlich einen Sender einzuschalten, birgt
also ein enormes Risiko sich selbst dümmer zu machen.
Der
GONG druckt das Programm von 56 Sendern ab. Das sind also 1.344 Stunden
Programm pro Tag. Selbst wenn 95% davon aus meiner Sicht mindestens überflüssig
sind, bleiben mit gut 67 Stunden weit mehr Programm als ein Mensch sich ansehen
kann.
Ich
muß also genau auswählen und abwägen welche Sendungen ich so priorisiere, daß
ich sie tatsächlich angucke. (….)
Unglücklicherweise
verhalten sich Programmqualität und Einschaltquote in der Regel umgekehrt
proportional zueinander.
Richtig
schlimmer Mist wie Volksmusikhitparaden oder Fußball erreicht ein zweistelliges
Millionenpublikum, während hochinteressante Dokumentationen auf arte gerade mal ein paar Tausend Zuschauer haben.
Bei
anderen Medien sieht es genauso aus.
Die
BILD-Zeitung hat eine Reichweite von täglich über zehn Millionen Menschen,
während die auf ungleich höherem Niveau angesiedelten Berliner Kollegen von der
taz 50.000 Exemplare am Tag verkaufen.
Ich bin
sicher, daß ähnliche Klickzahlen-Korrelationen für die Online-Medien gefunden
werden.
Qualität
und Popularität treffen sich üblicherweise nicht.
Allerdings
gibt es Ausnahmen im künstlerischen Bereich.
Adeles Hello-Video von Xavier Dolan wurde auf Youtube 1,9 Milliarden mal
aufgerufen und die Frau kann zweifellos tatsächlich singen – egal ob man das
Musikgenre mag oder nicht.
Auch
Unterhaltungsserien wie „House Of Cards“, die brillant gemacht sind, können gleichzeitig
ein kommerzieller Erfolg sein.
Menschen
mit Geschmack und Anspruch können also in ihren Vorlieben durchaus ab und zu
eine Schnittmenge mit dem Massengeschmack bilden.
Kluge
Menschen können sich aber auch mal in die Niederungen begeben, um unterhalten
zu werden.
Das wird
bei Proll-Sport oder Dumm-Talkshows durchaus akzeptiert.
Nach 11
Staffeln RTL-Dschungelcamp gibt es aber immer noch Menschen, die sich empört
über die Sendung erheben, ihre Zuschauer verdammen und zum Boykott aufrufen.
Warum eigentlich?
Es
handelt sich dabei um ein Show-Format, bei dem wie in 100 anderen
Unterhaltungsshows sogenannte C-Promis vorgeführt werden.
„Ich bin
ein Star – holt mich hier raus“ (#IBES) fällt allerdings gleichzeitig aus dem
Rahmen:
1.)Statt der üblichen Sinnlos-Plappereien
der üblichen Quizz-Moderatoren, werden hier mit STERN-Kolumnist Micky Beisenherz und Star-Autor
Jens Oliver Haas zwei der besten deutschen Texter eingesetzt.
2.)Anders als bei anderen RTL-Shows
ist #IBES ein fester Bestandteil des seriösen Feuilletons – SZ, SPIEGEL und Co –
alle analysieren täglich die Dschungelgeschehnisse.
3.)#IBES spielt in einer deutlich
höheren Quotendimension.
4.)Autoren und Moderatoren bedienen
mehrere Meta-Ebenen. Man kann die Sendung als reine Unterhaltungsshow sehen,
oder auch zwischen den Zeilen der Moderationen die mit politischen Anspielungen
gespickten Nebentöne auffangen.
5.)Die Show ist fair; es gibt zwar eine
enorme Fallhöhe; die Teilnehmer können sich entsetzlich blamieren, aber es sind
alles Medienprofis, die das Spiel kennen. Immer wieder gelingt es einigen die
Chance zu nutzen und durch die Dschungelpopularität wieder ins Geschäft zu
kommen.
6.)Die Teilnahme am Dschungelcamp wird
sehr gut bezahlt und erfolgt selbstverständlich freiwillig. Jeder Kandidat kann
jederzeit aussteigen und jeder Zuschauer ist frei den Aus-Knopf zu drücken, bzw
gar nicht erst einzuschalten.
7.)Der Haussender RTL, sonst eher nicht
für Showqualität bekannt, wird durch das enorme Interesse der großen Zeitungen
zu Höchstleistungen auch auf Nebenkriegsschauplätzen animiert. Allein schon auf
die kurz im Hintergrund angespielte Musikauswahl zu achten, beweist wie
akribisch die Macher vorgehen.
[….] „Auch auf die Gefahr hin, jetzt wie
einer dieser schlimmen Presser zu klingen, die in der Großraumdisco den ganzen
Abend wie schlechtgeschmackliche Übergriffler an der DJ-Kanzel kleben, um sich
"It's Raining Men" zu wünschen: Es wäre doch wirklich sehr schön,
wenn in den nächsten Tagen zur musikalischen Honeyhintermalung einmal "The
People Who Grinned Themselves to Death" von den Housemartins eingespielt
werden könnte - ein geradezu prophetischer Song, in dem nicht nur dessen
Bleckstörung thematisiert wird, sondern auch seine Bronchialproblematik:
"The people who grinned themselves to death / smiled so much, they failed
to take a breath". Wobei die RTLsche Musikabteilung auch in diesem Jahr
ohnehin schon feine Arbeit leistet und Jarle Skavhellens "The ghost in
your smile" einspielte, als Honey sich mal wieder bei der Lagerfeuerwache
durch die Nacht feixte und, kaum egoman, ein "H" in die Sitzbank
schnitzte - mit der schönen Zeile: "I'll be the black tooth / In your
Hollywood grin". Und ein Extralob natürlich für den Einsatz von
"Being boring" beim nicoleschen Camp-Auszug.“
(Anja Rützel, 24.01.2017)
8.)#IBES bietet derart viel
feuilletonistisch verwendbares Material, daß ein enormer texterischer Mehrwehrt
entsteht. Die spöttisch-psychologisierenden Analysen in vielen Zeitungen zeigen
Humor als ganz hohe Kunst.
Aus dem
Rahmen fällt das erzkonservative FUNKE-Erzeugnis „Hamburger Abendblatt“,
welches natürlich auch ein Stück vom Kuchen abhaben möchte und dementsprechend
täglich aus dem Dschungel berichtet – allerdings gleichzeitig um ihre tumbe,
konservative Leserschaft zu beruhigen einen empörten Professor das Wort
erteilt.
Der
Hamburger Psychiater Michael Schulte-Markwort zeigt dabei eine bemerkenswerte
Unwissenschaftlichkeit.
[….]
Einen Moment sieht Otto Kernberg
überrascht aus, dann legt sich ein nachsichtiges Lächeln um seine Lippen, und
er sagt, sein Berufsethos verbiete ihm, über Personen, die er nicht selbst untersucht
habe, Diagnosen zu stellen; und habe er sie untersucht, dann dürfe er
selbstverständlich nichts sagen. Damit entfallen alle nachfolgenden notierten
Fragen [….]
Prof.
Dr. med. Michael Schulte-Markwort, *1956, Leitender Arzt der Abteilung für
Psychosomatik und UKE-Klinikdirektor in Hamburg frönt offenbar einem völlig
anderen Berufsverständnis.
Es
drängt ihn nicht nur öffentlich zu diagnostizieren, sondern er brüstet sich bei
der Diagnose sogar damit den Patient nie gesehen zu haben.
Wissenschaft
geht anders.
Schulte-Markwort
ist sichtlich stolz darauf noch keine einzige Minute des RTL-Dschungelcamps
gesehen zu haben, wendet sich aber an das Hamburger Abendblatt, um doch zu
erklären, wie durch und durch übel die Angelegenheit wäre, weswegen man dieses
Treiben unterbinden solle.
Das
FUNKE-Blatt druckt den Artikel natürlich.
[….]
Gerade war zu lesen, wie Thomas Häßler
mit unüberwindbarem Brechreiz daran gescheitert ist, einen Cocktail aus
pürierten Fischabfällen zu sich zu nehmen.
Ich kenne niemanden,
der diese Sendung schaut (!). Eine Einschaltquote von über 40 Prozent belehrt
mich, dass ich Menschen kennen müsste, die dem Dschungelcamp zu diesem Erfolg
verhelfen, haben doch rund 7 Millionen Menschen im Alter von 14 bis 49 Jahren
zugeschaut. Ich selber habe sie noch nie gesehen. Der Bericht über Thomas
Häßler und sein "Scheitern" ruft mich dazu auf, mich zu Wort zu
melden.
Sadismus ist eine
Verhaltensweise, die ihren Lustgewinn daraus erzielt, andere Menschen zu
quälen. Das Erleben, wie jemand anderes durch mein Zutun leidet, führt zu
unmittelbarer Aggressionsabfuhr und Lustgewinn. [….] Im Erfolg des Dschungelcamp bildet sich der voyeuristische Sadismus von
Millionen deutscher Zuschauer ab. Ein Mensch, der seelisch nicht darauf
angewiesen ist, andere Menschen zu quälen, wird sich von dieser Sendung
angewidert abwenden. Ein Mensch, der diesen Sadismus nicht unterstützen möchte,
wird nicht als Kandidat antreten, sei er noch so geldabhängig. Wenn Millionen
Deutsche ihren mehr oder weniger heimlichen Sadismus wiederkehrend vor dem
Fernseher ausleben, indem sie zuschauen, wie in diesem Fall Thomas Häßler
scheitert, dann müssen sie sich der Zuschreibung ihres Sadismus stellen.
[….]
Ich erwarte von meinen Mitmenschen, dass sie
ihren täglichen – auch den kleinen und geheimen – Sadismus unter Kontrolle
haben und lieber an sich selbst ausleben. Viele Fitnessklubs bieten hierfür
beispielsweise eine Menge Möglichkeiten. Meine Bitte: Schalten Sie ab und
beweisen Sie den Fernsehmachern, dass sie mit ihrem ausgelebten und
inszenierten Sadismus allein sind!
Sie
haben sich gerade erfolgreich blamiert. Es steht mir nicht zu #IBES zu
verteidigen; das will ich gar nicht.
Aber aus
Ihrer Analyse ergibt sich ganz klar, was Sie selbst im ersten Satz einräumen:
Sie wissen nicht worüber Sie reden; dozieren dann aber doch umso deftiger als
Blinder über die Dschungelfarben.
Zuschauer
einer Fernsehsendung des Sadismus‘ zu bezichtigen ist kühn; vor allem aber
sinnlos, wenn man so offensichtlich gar nicht das Konzept verstanden hat.
Schreiben
Sie doch nächstes Mal über den Zuschauer-Sadismus beim Boxen oder K1.
Da gibt
es wenigstens keine Meta-Ebenen und Texte, die man verstehen muß.