Montag, 20. Juni 2016

Homopower



Während früher die schwulen Stadtviertel eher „bähbäh“ waren, gelten sie inzwischen als schick.
Das hängt nicht unbedingt damit zusammen, daß Homosexuelle von allen geliebt würden, sondern weil die Wirtschaft die schwule Kaufkraft entdeckt hat.
Schwule sind nicht nur besser gebildet als heterosexuelle Männer, sondern sie verdienen mehr und geben davon auch noch mehr für Konsumartikel und Reisen aus.
Der Wirtschaftswissenschaftler Richard Florida hat die „kreative Klasse“, zu der LGBTIs gezählt werden, als Standortvorteil definiert.

Kulturwirtschaft? Nein, "Creative Industries" ist doch inzwischen der angesagte Begriff - und auch in Mitteleuropa schon Gegenstand eigener "Kreativwirtschaftsberichte". Warum halten wir uns dann nicht gleich an den immer noch einflussreichen amerikanischen Guru Richard Florida, der seine ökonomischen Theorien zum Beschäftigungswachstum wirkungsvoll als Aufstieg einer neuen, "kreativen Klasse" inszeniert?
[….] Das Kernargument von Florida ist von eher schlichter Natur: Seit es mit traditionellen Industriezweigen bergab geht, sei die "creative economy" mit einer neuen Klasse von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dabei, ihren Platz zu übernehmen. [….] Floridas Konzept enthält - ähnlich wie andere Theorien zur wirtschaftlichen Entwicklung - statistische Indikatoren. Dies hat den Vorteil, dass man das Konzept empirisch "testen" kann, was auch bereits in verschiedenen Regionen geschehen ist. [….]  Manche von Floridas Argumenten werden etwa in einer niederländischen Studie bestätigt, so vor allem die These, dass es zur Stimulierung des Wirtschaftswachstums weniger darum gehe, "welche oder wie viel Bildung Menschen mitbringen, sondern wo sie tatsächlich arbeiten".

Bildung und Wohlstand gehen mit Liberalität und Religionsferne einher.
Das ist auch das große Problem von ultraultraorthodoxen Juden in Israel.
Da sie durchschnittlich zehn Kinder bekommen, müßten sie eigentlich schon die Bevölkerungsmehrheit stellen.
In der Praxis klappt das nicht, da immer wieder Kinder abtrünnig werden.
Ich glaube, dafür gibt es sehr profane Gründe. Ultraultraorthodoxe leben sehr ärmlich und beengt.
Wie sollte es auch anders sein? Die Männer arbeiten nicht, verdienen kein Geld, sondern beschäftigen sich ausschließlich mit Poppen und Thora-Studium. Den Lebensunterhalt müssen die Frauen verdienen, die aber grundsätzlich nur eine mindere Schulbildung bekommen und zudem auch noch ständig ausfallen, weil sie wieder einen Braten in der Röhre haben.
Das sagt natürlich noch nichts darüber aus, ob Kinder in diesem Umfeld nicht doch sehr glücklich und geborgen aufwachsen.
Aber in Israel müssen sie nur ein paar Minuten zu Fuß gehen, um Menschen im Wohlstand und mit ungeahnten Freiheiten zu treffen. Der Gedanke, daß säkulare Israelis offenbar das bessere Leben führen liegt dann nahe.
So können stramm religiöse, konservative Menschen vom Mammon verführt werden.

Ohne Richard Floridas Wirtschaftstheorien genauer auszubreiten, läßt sich doch sagen, daß die neue Homo-Affinität der ökonomischen Elite auf dem gleichen Prinzip beruht.
Die Chefs der DAX-Konzerne sind jetzt nett zu ihren schwulen Mitarbeitern. Nicht weil sie über Nacht links-multikulti ticken, sondern weil sie erkannten, daß LGBTIs nicht nur eine wertvolle Ressource sind, sondern auch ein Machtfaktor.

Karma is a bitch.
Nun müssen sich ausgerechnet die konservativen Parteien, die den Reichen und der Wirtschaft zuarbeiten von ihrem gesellschaftsideologischen Überbau trennen.
Sie tun das nicht aus Einsicht, oder weil sie gute Menschen sind, sondern weil sie dem Mammon frönen.
In diesen Fall werden sie aber durch das Geld in die richtige Richtung gedrückt.

Andere Minderheiten wie Behinderte oder Schwarze verfügen leider nicht über diese ökonomischen Hebel, weswegen Donald Trump auch weiterhin auf sie eindrischt.

Vor den Schwulen aber muß er Angst haben und bemüht sich jetzt ausgerechnet als Ober-GOPer um die queeren Stimmen.
Ob das klappen kann?

Während man nach dem Orlando-Shooting zunächst dachte, Trump schlüge mit seiner antimuslimischen Suada politisches Kapital daraus, scheint sich nun aber Unbill über dem Sohn eines Orangs zusammenzubrauen.
Die US-Schwulen sind aufgerüttelt und besinnen sich ihres Einflusses.
Man kennt das aus dem „Herrn der Ringe“; es ist schwer Ents und Hurons aufzurütteln, aber wenn das einmal geschafft ist, sind sie extrem mächtig.

Donald Trumps Waffenwahn – er versprach immerhin, daß es unter seiner Präsidentschaft keine „Gun-free zones“ mehr geben werden, auch nicht an Schulen – entwickelt sich zum Wahl-Mühlstein um den GOP-Hals.

[….] "Glückwunsch, ihr Mörder. Ihr habt euch mit uns angelegt": Nach dem Blutbad von Orlando stellt sich Amerikas LGBT-Gemeinde gegen die NRA. Die Schwulenlobby hat Geld, ist selbstbewusst - und sehr laut.
[….] Und diesen geballten Widerstand bekommt jetzt ein Feind zu spüren, dem hier über Generationen kaum jemand etwas anhaben konnte - die US-Waffenlobby.
[….] Tausende Tote, verzweifelte Hinterbliebene, frustrierte Politiker: Nichts und niemand war bisher in der Lage, die Macht der National Rifle Association (NRA) zu brechen. Doch nach Orlando, wo Homophobie, islamistischer Terror und laxe US-Waffengesetze zusammenkamen, gibt es einen ganz neuen Gegner. Und der hält sich mit Kampfansagen nicht zurück.
"Ihr habt euch mit uns angelegt", droht der Aktivist und Schauspieler George Takei ("Raumschiff Enterprise") auf der Website "Daily Beast". "Wenn es in diesem Land eine Gruppe gibt, die mehr Willenskraft, Erfahrung und Hartnäckigkeit hat als die NRA, dann ist es die LGBT-Gemeinde." Der Kampf gegen die NRA, so Takei, sei "das nächste Kapitel in der LGBT-Geschichte".
[….] "Die Schwulengemeinde", sagte Dave Garcia, der politische Direktor des Los Angeles LGBT-Centers, der Website "The Wrap", "ist extrem einfallsreich."
Nun nehmen sie sich also die Waffenlobby vor. In einem offenen Brief erklärten mehr als 50 LGBT-Gruppen der NRA den Krieg: Die "Schwelle der Toleranz" sei erreicht. "Die Sicherheit unserer Gemeinschaft hängt davon ab, dass wir sowohl den Hass gegen uns als auch die Epidemie der Waffengewalt beenden, die außer Kontrolle geraten ist", erklärte Chad Griffin, der Chef der großen LGBT-Menschenrechtsorganisation Human Rights Campaign (HRC). [….]

Trumps ist sehr nervös; seine Umfragewerte befinden sich ohnehin im freien Fall, da kommt ein Krieg mit den Schwulen denkbar ungelegen.

Der Apple-Konzern hat dem republikanischen Spitzenkandidaten für den US-Wahlkampf eine deutliche Absage erteilt: Wegen Donald Trump werde der Konzern nicht wie bei den letzten Wahlen üblich technisch und materiell den republikanischen Parteitag unterstützen. [….] Trump hatte im Wahlkampf wiederholt Tim Cook, der seit 2011 den Apple-Konzern anführt und sich 2014 outete, persönlich angegriffen. Kritisiert hatte er insbesondere die Weigerung des Konzerns, für die amerikanischen Sicherheitsbehörden Nutzerdaten zu entschlüsseln. So rief Trump vor einigen Monaten zu einem Apple-Boykott auf.

Trump, der mutmaßliche Milliardär, der sich aber weigert seine Einkommenssteuererklärung zu veröffentlichen, weil er mutmaßlich gar keine Milliarden hat, bekommt dadurch ein Problem.
Anders als behauptet, zahlt er nämlich nicht seinen Wahlkampf selbst, sondern ist auf Spenden angewiesen – und die fließen spärlich.

Many of the major companies that helped fund the 2012 GOP National Convention have declined to sponsor the 2016 event in Cleveland this year.
Bloomberg confirmed yesterday that Wells Fargo & Co., United Parcel Service Inc., Motorola Solutions Inc., JPMorgan Chase & Co., Ford Motor Co., and Walgreens Boots Alliance Inc. will all be pulling their funds for next month’s gathering at Quicken Loans Arena.
[….] The enormous controversy emerging over Trump’s likely nomination in July does, however, provide a clear risk for many companies, who fear that their association with Trump will be potentially harmful to their brand.

Dann mal los, liebe US-LGBTIs: Macht mal ordentlich Druck, droht mit Boykotten, damit weitere Firmen sich von Trump distanzieren.
Facebook unterstützt immer noch die GOPer.

[….] Apple ist nicht die erste Firma aus der amerikanischen Tech- und Medienbranche, die wegen Trump zuletzt die Unterstützung der Republikaner einstellte. Der Schritt ist aber dennoch bemerkenswert, weil das Silicon Valley bislang, auch wenn hier tendenziell linke Vordenker den Ton angeben, Demokraten und Republikaner im gleichen Maße unterstützt hat.
[….] Die Entscheidung des größten Tech-Konzerns hat eine hohe Symbolkraft und dürfte die Spannungen im Silicon Valley im Umgang mit Trump weiter anheizen. Zuletzt hatte das Portal "BuzzFeed" einen Werbedeal mit den Republikanern platzen lassen, auch dies aus Protest gegen Trump.
[….] Trotz der Kritik an Trump planen etwa Google und Facebook weiterhin, den Nominierungsparteitag der Republikaner ebenso zu unterstützen wie jenen der Demokraten, die nach derzeitigem Stand Hillary Clinton ins Rennen schicken werden. [….] Auch bei Facebook sorgt die Frage, wie man es denn nun mit Trump hält, für Konflikte. Verwaltungsratsmitglied Peter Thiel, zugleich einer der mächtigsten Tech-Investoren, ist gar einer der Delegierten Trumps beim Parteitag. [….] (SPON 20.06.16)

Sonntag, 19. Juni 2016

Der Minusmann – Teil XVII



Blickt man auf die dreisten Lügen, die Hetzer wie Donald Trump oder Frauke Petry verbreiten, könnte man fast vergessen, daß die konservativen Normalos, also CDU-Bundesminister auch notorische Lügner sind.
Unionspolitiker verbreiten ebenfalls ungeniert Bösartigkeiten über Minderheiten, um sich Wählerstimmen zu sichern.
Gerade unser Verfassungsminister Thomas de Maizière ist Paradebeispiel eines Amoralikers, der immer wieder Lügen über Flüchtlinge verbreitet.

Dieser Minusmann ist nah dran zum schlechtesten deutschen Minister aller Zeiten zu avancieren.
Wenn der Innenminister in seinen ganzen Unfähigkeit noch unfreiwillig komisch ist, wie bei seiner inzwischen berühmten „Ein Teil der Antwort würde sie nur verunsichern“-Nichtaussage zur Terrorgefahr, hat man wenigstens noch was zu lachen.

Unglaublich, dieser Thomas de Maizière.
Völlig schmerzfrei. Immer und immer wieder der dreistesten Lügen überführt, als ausländerfeindlicher Hetzer peinlich aufgefallen und politisch so unfähig, daß sogar die ihm zu tiefer Dankbarkeit verpflichtete Merkel ihn partiell entmachten mußte, weil er so offensichtlich überfordert ist in seinem Job.

Jeder Politiker mit einem Funken Anstand und Ehrgefühl würde nun zurücktreten, oder aber sich zumindest ganz fürchterlich schämen.
Da ohnehin Peter Altmaier de Maizières Job mitmacht, sollte sich der Innenminister, wenn er schon drei Liter Superkleber auf seinen Ministersessel gegossen hat, still und unauffällig verhalten.
Aber nein, de Maizière denkt sich sofort eine neue perfide Gemeinheit aus.

Der Innenminister verstört nicht nur durch Lügen, Heucheln und Hetzen; nein er generiert auch durch demonstratives Nichtstun Probleme und bekommt zunehmend seine destruktive Ader nicht unter Kontrolle.
Seit Merkel ihn entmachtete, steht ihm offensichtlich der Sinn nach neroesken Handeln. Nun will er auch die Bundesregierung insgesamt schlecht aussehen lassen.

Daß sich aber ausgerechnet der Minusmann de Maizière empört über die zunehmende Radikalisierung zeigt, ist schwer erträglich.
Immerhin ist es der Bundesinnenminister selbst, der seit Monaten bereitwillig Öl ins Feuer gießt.
De Maizière ist genau der Brandstifter, der mit seinen Halb- und Unwahrheiten die Nazis erst ermutigt.
Der Innenminister schlug die Internierungslager für Heimatvertriebene vor, um damit dem rechten Pöbel den Eindruck zu vermitteln, die Syrer wären alle kriminell.
Der Bundesinnenminister steht einem Wahlkreis vor, in dem seine CDU offen undemokratisch und PEGIDA-freundlich auftritt.

De Maizière hat aus seinen fortwährenden öffentlichen Lügen aber eins gelernt:
Obwohl sie in der Regel klar enttarnt werden – so zB seine Mega-Lügen bei der Eurohawk-Affäre, bei der Kundus-Katastrophe oder den angeblichen „Scheinsyrern“ – schadet es ihm politisch überhaupt nicht.
Er sitzt weiterhin fest im Sattel, die CDU ist mit Abstand stärkste Partei in den Umfragen und die Bundeskanzlerin läßt ihn ohne einen Rüffel gewähren.

Vor ein paar Tagen ist der lügende Innenminister mal wieder bei einer demagogischen Falschaussage ertappt worden.

Macht ja nichts.

Merkels Verfassungsminister attackierte deutsche Amtsärzte; diese würden Flüchtlinge mit falschen Attesten vor der Abschiebung bewahren. Sie sollten endlich härter gegen Flüchtlinge durchgreifen, posaunte der Thomas Münchhausen zum Entzücken der AfDler und Pegioten hinaus.
Er unterstrich dies mit Zahlen, die frei erfunden waren.

Sind Ärzte im Umgang mit Flüchtlingen nicht hart genug? Stellen sie zu früh Atteste aus, die Abschiebungen verhindern? Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat jetzt in einem Zeitungsinterview diese Fragen aufgeworfen. Zitat: "Es kann nicht sein, dass 70 Prozent der Männer unter 40 Jahren vor einer Abschiebung für krank und nicht transportfähig erklärt werden." Eine Zahl über Flüchtlinge, ein Vorwurf an Ärzte und viele Fragen. Was ist dran am Vorwurf des Innenministers?
Eines gleich vorweg: Die Zahl "70 Prozent" hat sich der Bundesinnenminister offenbar ausgedacht. Wie sein Ministerium am Donnerstag auf Nachfrage von MDR AKTUELL einräumte, gibt es keine Statistiken, die zeigen, wie viele Flüchtlinge aufgrund von ärztlichen Attesten nicht abgeschoben werden konnten. Der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Tobias Plate, bekräftigte aber: "Wir beobachten, dass es immer noch relativ viele ärztliche Atteste gibt, an denen Abschiebungen scheitern können." [….]

Es gehört zu den ganz großen Erbärmlichkeiten, die in elf Jahren Angela Merkel eingerissen sind, daß Mitglieder ihrer Regierung gegen Flüchtlinge und andere  Minderheiten hetzen und lügen können, ohne daß irgendwelche Konsequenzen gezogen werden.

Wenn die Presse zu sehr nachbohrt, distanziert man sich halt anschließend ein bißchen von sich selbst („Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat einen Fehler eingeräumt.“) und damit hat sich  der Fall erledigt.

Innenminister Thomas de Maizière muss zurücktreten. [….]
Der Minister verkündete Zahlen, die ungeprüft – ach was, nicht einmal ungeprüft: die schlicht erfunden waren. Und machte damit Stimmung gegen Flüchtlinge und gegen eine Berufsgruppe. Nämlich gegen Ärzte, denen er, nicht ausdrücklich, aber dennoch unmissverständlich unterstellte, sie verhinderten mit Gefälligkeitsattesten die Abschiebung von Menschen, die in Deutschland kein Bleiberecht haben.
[….] Es gäbe übrigens auch noch andere Argumente für diese Forderung: seine offenkundige Überforderung als Zuständiger für die Flüchtlingsfrage. Sein seltsamer Plan, kurzfristig ausgebildete „Hilfssheriffs“ auf die Bevölkerung loszulassen, um damit Defizite bei der regulären Polizei auszugleichen. Aber über all das könnte man ja streiten. Über gefälschte Statistiken kann man nicht streiten. Die sind unverzeihlich.

Samstag, 18. Juni 2016

Faschistoides Missverständnis.



Dieser Zusammenhang scheint wohl in allen Ländern zu stimmen.
Lügen, Legenden, Verschwörungstheorien gedeihen im rechten Umfeld aus zwei Gründen besser. Zum einen sind diejenigen, die so etwas verbreiten grundsätzlich amoralischer, sonst wären sie ja keine auf Minderheiten eindreschenden Rechten.
Zum anderen kann man sich in dem Umfeld solche Thesen eher leisten, da die Zuhörer ungebildeter und unkritischer sind.

Rechte sind aber auch ungenierter und können daher viel intensiver als normale Menschen heucheln.

Akif Pirinçci und Eva Herman sind gute Beispiele dafür.
Gerade sie, die jahrelang intensiv dafür stritten, daß anderen Menschen ihre Rechte beschnitten werden, flippen umso heftiger aus, wenn sie ihre eigenen Rechte bedroht sehen.
Mehr noch, die beschreien den Verlust ihrer Rechte, wenn dies gar nicht der Fall ist.
Beide beklagten öffentlich Zensur, Publikationsverbot und Einschränkungen der Meinungsfreiheit.
Sie würden mundtot gemacht und dürften nicht sagen was sie wollten.
Pirinçci, Sarrazin und Herman als Vorkämpfer der Demokratie?
Daß ich nicht lache.

Die Damen und Herren verwechseln Meinungsfreiheit mit Verbreitungspflicht ihrer Meinung.
Sie leben ja sogar davon ihre Meinungen heraus zu posaunen, veröffentlichen laufend Bücher, schreiben Artikel, twittern, treten im Fernsehen auf, werden zu Konferenzen eingeladen, halten Reden auf Kongressen, peitschen Pegida-Demonstranten auf.
Eva Herman war sogar Gesicht eines Verlages und konnte täglich bei KOPP ihre Meinung ausbreiten.
Sarrazins Bücher; allesamt Bestseller werden in unzähligen Blogs und nahezu allen Zeitungen besprochen.

Meinungsfreiheit bedeutet aber nicht, daß jeder, der glaubt etwas zu sagen zu haben, sich dann einen Publizisten aussuchen kann und selbst bestimmt wie oft er damit im Fernsehen auftritt.
99% aller Menschen, die Bücher schreiben, finden nie einen Verlag, der das drucken will.
Sogar J.K. Rowling wurde bekanntlich von sechs Verlagen abgelehnt.
Willkommen in der Wirklichkeit.
Für solche Fälle gibt es Selfpublishing.
Man kann seine Gedanken in ein Blog tippen und so viel veröffentlichen wie man will. Man kann bei großen Online-Versendern ein Ebook generieren.
Oder wer er gerne gedruckt auf Papier hat, kann auf eine Kosten ein BOD.de („Book on Demand“, Ruckzuckbuch.de, top-buch.de,…) drucken lassen.

Meinungsfreiheit bedeutet nicht, daß die Verbreitung der eigenen menschenfeindlichen Meinung im öffentlich finanzierten Rundfunk eingeklagt werden kann.

Es ist glücklicherweise Konsens, daß man nicht von „Negern“ (CSU-Minister Herrmann) spricht oder orakelt, die Juden hätten selbst Schuld an den KZs (CDU-MdB Martin Hohmann).

Antisemitismus, Befürwortung von Sklaverei, also Rassismus und krasse Misogynie sind im deutschen Fernsehen nicht gern gesehen.
Das ist too much.

Eine Eva Herman ist zudem für ihre Relativierungen der Hitlerzeit schon aus einer laufenden TV-Sendung geworfen worden.

Natürlich jammerte sie sich anschließend durch alle rechten Medienportale und beklagte die Abschaffung der Meinungsfreiheit.
Die Komikerin. Die Komikerin spricht unablässig. War rund um die Uhr gebucht, um bei jeder obskuren Christenveranstaltung zu referieren, veröffentlichte ein Dutzend Bücher, ist bis heute Darling diverser neokonservativer Netzwerke und beklagt sie dürfe nicht sprechen.
Herrmann darf ihre Meinung äußern und tut das auch dauernd.
Lediglich in einem Fall, als sie von der angeblich so guten Familienpolitik Hitlers losfaselte, befand Herr Kerner das müsse nun nicht in einer öffentlich finanzierten Sendung passieren.

Nein, wie gesagt, das sind die Dinge, die im öffentlichen TV nicht akzeptiert werden: NS-Verherrlichung, Rassismus, Antisemitismus.

Bei Schwulen vollziehen die öffentlich-rechtlichen Redaktionen diesen Schritt jedoch inkonsequenterweise nicht.
Dabei haben die öffentlichen Auftritte homophober Personen durchaus negative Effekte.

Wozu katholische Schwulenhetze führt, haben wir 2013 in Frankreich erlebt. 
In unserem traditionell eher homophilen Nachbarland hatten sich die homophoben Übergriffe verdreifacht, seit die liebe RKK des allseits so geschätzten Papst Franz sich so massiv in die französische Gesetzgebung einmischte.
Und auch in Hamburg geschah letzte Woche das Unvorstellbare: Mehrere gewalttätige Übergriffe auf Schwule im Zuge des CSDs. Zwei Opfer liegen immer noch im Krankenhaus.

Vom deutschen BND und seinen Schwesterorganisationen ist diesbezüglich allerdings rein gar nichts zu erwarten. Ihre Blindheit auf den rechten Augen stellten sie eindrucksvoll unter Beweis.

Maischberger, Will, Illner, Lanz, Jauch und Plasberg sind auf einer Linie mit Saudi-Arabien, dem Vatikan und Jeb Bush, wenn sie öffentlich das Äußern homophober Ansichten als Teil der Meinungsfreiheit fordern oder fördern.

Meinungsfreiheit ist nämlich dann zu Ende, wenn dadurch Menschen zu Schaden kommen und genau das passiert sehr konkret nachts auf den Straßen, nachdem Christenfundis im TV schwulenfeindlich palavern.

Es ist schon eine besonders bizarre Wendung, daß ausgerechnet derjenige, der vor drei Jahren öffentlichkeitswirksam einen TV-Bann für Homophobe forderte, diese Wochenende lautstark rumjammert, weil er vorrübergehend von Facebook gebannt wurde.

Die Rede ist vom nach ganz ganz rechtsaußen abgedrifteten David Berger.

Erst von ganz rechts nach ganz links und nun wieder zurück nach ganz rechts.
Einen besonderen Twist gibt es dabei, da er sich als Schwulensprecher empfindet, aber wie einst Otto Weininger (* 1880; † 1903) als Schwuler hauptsächlich gegen Schwule agitiert.
Der Superhomosexuelle, der stolze Vielficker, strammschwänzige Muskelfetischist und Sneakerschnüffler, der Promiske und Pornophile mit dem gewaltigen Gemächt sieht seine engsten Alliierten in den bekanntesten klerikalen Homophoben Deutschlands.
Dazu braucht es schon besondere Schaltungen in den Synapsen seiner Großhirnrinde.

David Berger, einst ganz stramm Tradi-katholisch, zwischen Piusbruderschaft und Kreuznet mäandernd, später zum Star der linken antiklerikalen Szene avanciert, der Kreuznet zu Fall brachte, sich dann aber mit seinem schwulen Verlag anlegte und seitdem konsequent immer weiter nach rechts rückte, sich an die fanatisch-katholischen Homohass-Frauen Beverfoerde, Kuby und Kelle heranrobbte, bis er sich für Akif Pirinçci einsetzte, hat inzwischen eine neue Freundin.
Tatjana Festerling, PEGIDA-Ikone, die im Juni 2015 bei der Dresdner Oberbürgermeisterwahl 10% holte.
Eine sehr sympathische Frau.

Dann will sie am liebsten eine noch höhere Mauer durch Deutschland ziehen und alle westdeutschen Gutmenschen von den wirklich guten Menschen und Patrioten im Osten trennen. Oder es geht gegen den „Terror der schwul-lesbisch-queeren intersexuellen Minderheit" oder die „verkrachten Gender-Tanten mit ihrem überzogenen Sexualscheiß".

Dr. Berger besprach Frau Festerlings Besuch im Mai 2015 in einer Dresdner „Boys-Bar“ und betont heute, was für eine nette Person Festerling sei.

David Berger auf Facebook


Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling hat mit ihren neuesten, offen rechtsradikalen Aussagen zum Schusswaffeneinsatz gegen Flüchtlinge für Proteste gesorgt. Das britische Portal "Mail Online" zitierte Festerling nach einem Interview mit dem Satz: "Wenn sie weiter über die Grenze kommen und man sie nicht einsperren kann, erschießt sie!" Das Blatt hatte Festerling als die "mächtigste Frau des rechtsextremen Deutschlands" vorgestellt - und auch einen Videomitschnitt des Gesprächs veröffentlicht.
Darin bezeichnete die 51-Jährige Deutschland als "Freiluft-Psychiatrie mit der Geisteskrankheit 'politische Korrektheit'". "Wir von Pegida sind die einzigen, die sich nicht um politische Korrektheit scheren", sagte Festerling weiter. "Wir haben keine Skrupel und keine Angst. In Zeiten wie diesen: Scheiß auf Anstand!" Der Kampf gegen die Islamisierung sei "die letzte Schlacht", so die zweifache Mutter.


Berger verließ inzwischen offensichtlich die reale Welt und bewegt sich nun in einem von ihm selbst kreierten Phantasie-Fetischkosmos, in dem er selbst als geistlicher und sexueller Führer seine jungen, muskulösen und makellosen Anhänger in einen Krieg gegen Atheisten, Muslime und Linke führt.

Seine islamophobe Hetze ging inzwischen so weit, daß Facebook seinen privaten Account für 30 Tage sperrte.

Tatsächlich ist Facebooks Lösch-Politik äußerst rätselhaft. Satiriker und Journalisten werden immer wieder gesperrt.
Mein Facebook-Account wurde allein im Mai 2016 zweimal gesperrt, weil ich einen satirischen Kommentar zu einem Bild des fülligen Vaduzer Erzbischofs Haas hinterlassen hatte.

Daher unterstütze ich auch Michel Abdollahis Aktion der letzten Woche.


Im Gegensatz zu mir hat Berger aber keinerlei Probleme seine Meinungsäußerung weiterhin auch verbreiten zu lassen.
Der Mann, der inzwischen Dauerschreiber bei rechtsextremen Portalen wie Compact, der JF oder AfD-Kanälen ist, wird heute unter anderem beim evangelischen Medienmagazin PRO oder Roland Tichy veröffentlicht.

Daß Facebook ein reines Privatunternehmen ist und veröffentlichen kann, was es möchte, begreift der selbsternannte Messias Berger nicht.

Er glaubt er habe ein Recht darauf vom multimilliardenschweren US-Konzern verbreitet zu werden.

„Aber so funktioniert eben heute Zensur: ganz untergründig und ohne dass man dafür eine Begründung geben muss – und sich daher auch nicht verteidigen kann“, erklärte Berger, und weiter: „Die Inquisition war im Vergleich zu Facebook ein Hort der Fairness und Gerechtigkeit.“
(Pro 18.06.16)

Ja, Herr Berger, wir haben uns alle schon mal von Facebook ungerecht behandelt gefühlt.
Aber man muß da schließlich nicht mitspielen.

Dieser Mensch ist sich für nichts zu schade - wenn es ihm nur Beachtung und Aufmerksamkeit bringt paktiert er auch mit Evangelikalen.
Die Lüge von der Zensur ist ungeheuerlich. Auf allen Kanälen (jetzt auch bei Tichy) posaunt er mit immer größerer Schamlosigkeit sein Wüten in die Öffentlichkeit.
Er ist kein Islamkritiker - seit Monaten schimpft und zetert er in unverantwortlicher Weise gegen Muslime, die er unter Generalverdacht stellt. Das ist eine Kreuzrittermentalität.
Kein Mensch hat ihn daran gehindert, diese Abscheulichkeiten zu veröffentlichen. Jetzt hat FB kurzfristig die Reißleine gezogen; dabei hat er genug Kanäle sein Zeugs zu präsentieren.
Die Gier nach Aufmerksamkeit ist schamlos. Er exhibitioniert seine Kruditäten wo er nur kann.
Es ist eine Lüge, daß man sein Hetz- und Haßzeug nicht mehr sagen dürfe - er, wie die AfD und die ganze rechte Mischpoke, tun es ja ununterbrochen bis zum Exzess.
(Wolfgang Brosche – auf FACEBOOK ;) )