Montag, 6. Mai 2013

Deswegen SPD – Teil VII


Was für ein Glück!
Dieser elend nervtötende Kirchentag in Hamburg ist zu Ende. 

Die stark Beseelten und schwach Denkenden sind wieder in ihren Löchern verschwunden.
Die Profi-Religioten und ihre Speichellecker in den Redaktionstuben überschlugen sich mit Superlativen. Autojubelei ohne Schamgefühl wurde betrieben. Seitenlange Hymnen mußte ich dazu täglich in „Morgenpost“ und „Abendblatt“ lesen.
Ich fühlte mich schwer belästigt und publizistisch missbraucht.
Daß ich als Steuerzahler auch noch für diesen Schwachsinn zur Kasse gebeten wurde, macht es nicht besser.

Wahr ist aber auch, daß ein Popanz aufgeblasen wurde. Der Kirchentag hat genauso wenig Spuren hinterlassen wie jedes andere Megaevent, das von Frühling bis Herbst jedes Wochenende in Hamburg stattfindet. Die Masse rottet sich nun einmal gern zusammen.

Vorletzte Woche war es der Hansemarathon, der Hunderttausende auf die Straße lockte, dann der Kirchentag, nächste Woche ist es der Hafengeburtstag und in der Woche drauf ist es das traditionelle Japanische Kirschblütenfest. Es folgen Alstervergnügen, Dom-Eröffnung mit Feuerwerk, Christopher Street Day, Harleydays, Schlagermove, Loveparade, Motorradgottesdienst, Hansetriathlon, etc pp. 
Hinzu kommt noch ein Vielfaches von Stadtteilfesten jeder Art. 
Daß man am Wochenende ohne schwere Verkehrsbehinderungen durch die Stadt fahren kann, gehört lange der Vergangenheit an.
Es ist immer irgendwas. Die Anlässe sind austauschbar. Hauptsache auf den Straßen und irgendwas in Massen erleben.
Sogar Aktivitäten, die man bis vor wenigen Jahren klassischerweise allein, oder mit wenigen anderen in seiner Wohnung betrieb – wie Fußball gucken – werden nun als Megaevent inszeniert.
 Das nennt sich heute „Public Viewing“ (=Leichenbeschau) und erfordert kollektives Kostümieren, Schminken, Saufen und Grölen.
Der Kirchentag wird also schnell vergessen sein, wenn in ein paar Tagen die Hafengeburtstagssau durchs Dorf getrieben wird.
Die Evangelische Selbstgefälligkeit und das Gutmenschentum ist nur etwas stärker ausgeprägt. Man hält sich für alleinseligmachend und allwissend.
Daher die laute Begleitmusik in der VERöffentlichten Meinung, die wieder einmal im diametralen Gegensatz zu öffentlichen Meinung steht. 
Tatsächlich interessieren den Hanseaten Gottesdienste und Jubelveranstaltungen mit Käßmann und Gauck einen Dreck. 
In den letzten Tagen habe ich gezielt beim Gemüsemann und im Zeitungskiosk gefragt, was man denn vom Kirchentag mitbekommen habe. Die meisten wußten gar nicht, daß der jetzt stattfand. Und fragt man nach Themen oder Veranstaltern oder gar Ergebnissen, beginnt die große Ratlosigkeit.
 Die Bedeutungserhöhung des Gaga-Events findet in den Zeitungen statt.
Die Krönung der publizistisch-begleitenden Doofheit verfasste – wieder einmal – die Tagesspiegel-Chefreligiotin Claudia Keller, die in diesem Blog keine Unbekannte ist.
Wenn Keller zum Griffel greift, schwurbelt sie sich regelmäßig so einen sinnentleerten Text über den grandiosen Protestantismus zusammen, wie es sonst nur Ulf Poschardt über die FDP schafft.
Während aber Poschardt schlicht die Unwahrheit schreibt und man wenigstens versteht, was er will, ist Keller so verwirrt, daß ihre im Auftrage Giovanni di Lorenzos veröffentlichten Texte überhaupt keinen Sinn ergeben und völlig faktenfrei dahinplappern, ohne zu irgendeiner Conclusio zu kommen.
Ein bißchen Gift und Galle war den Evangelioten auch noch der zeitgleich stattfindende Humanistentag wert. Christliche Nächstenliebe klingt dann folgendermaßen:
Im Unterschied zum Deutschen Humanistentag allerdings, der zeitgleich und nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Hamburg stattfand, strahlte der Kirchentag über Messehallen und Kirchen selbstbewusst aus in das Stadtleben. Vor dem organisierten Atheismus in seiner deutschen Spielart, dem es an zugkräftigen intellektuellen Köpfen fehlt, brauchen sich die Kirchen nicht zu fürchten.
Klar, solche geistigen Giganten wie Käßmann und Göring-Kirchentag haben Humanisten nicht zu bieten.
Bloß die gesamte wissenschaftliche Elite der Welt.
 Meine naturwissenschaftlichen Erkenntnisse stehen nicht im Einklang mit den kirchlichen Bekenntnissen. Alles was wir tun, müssen wir vor uns selber verantworten. Das ist menschenwürdiger als vor Heiligenbildern knien und beten.
(Fridtjof Nansen)

Dem Gedanken, daß ein Individuum seinen physischen Tod überleben sollte, kann ich nicht zustimmen; auch möchte ich dieses Weiterleben gar nicht wünschen. Solcher Glaube entstammt der Angst oder dem Egoismus.
(Albert Einstein)

Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.
(Mark Twain)

Wenn man sieht, was der Liebe Gott auf der Welt alles zulässt, hat man das Gefühl, dass er noch experimentiert.
(Peter Ustinov)

Gott ist eine vom Menschen erdachte Hypothese bei dem Versuch, mit dem Problem der Existenz fertigzuwerden.
(Sir Julian Huxley, engl. Biologe, 1887-1975)

Christi Niederlage war nicht die Kreuzigung, sondern der Vatikan.
(Jean Cocteau)

Das Christentum predigt nur Knechtschaft und Unterwerfung. Sein Geist ist der Tyrannei nur zu günstig, als daß sie nicht immer Gewinn daraus geschlagen hätte. Die wahren Christen sind zu Sklaven geschaffen.
(Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag IV, Über die staatsbürgerliche Religion)

Es ist gar viel Dummes in den Satzungen der Kirche. Aber sie will herrschen, und da muß sie eine bornierte Masse haben, die sich duckt und die geneigt ist, sich beherrschen zu lassen. Die hohe, reich dotierte Geistlichkeit fürchtet nichts mehr als die Aufklärung der unteren Massen.
(Goethe, zu Eckermann)

Ich glaube, daß Gott in der Geschichte nicht anwesend ist. Andernfalls müßte ich ihn belasten mit Auschwitz und mit dem Stalinismus. Aber jeder von uns hat den eigenen Engel und den eigenen Teufel. Nur sind die Engel faul und machen oft Urlaub, während die Teufel stets fleißig sind.
(Andrzej Szczypiorski, polnischer Schriftsteller)

Ein Esel stellt sich Gott als Esel vor. Der Papst stellt sich Gott als Mann vor.
(Uta Ranke-Heinemann, deutsche Theologin)

Ich mag mich nicht gern mit der Kirche auseinandersetzen; es hat ja keinen Sinn, mit einer Anschauungsweise zu diskutieren, die sich strafrechtlich hat schützen lassen.
(Kurt Tucholsky, dt. Schriftsteller, 1890-1935)

Religion ist Feigheit vor dem Schicksal. Nichts weiter.
(Rudolf von Delius)

Die Absurdität der religiösen Dogmen macht es zu einer endlosen Aufgabe, gegen sie polemisieren zu wollen.
(Arnulf Överland, Vorsitzender der norwegischen Akademie für Sprache und Literatur, 1889-1968)

Denken ist eine Anstrengung, Glauben ein Komfort.
(Ludwig Marcuse, dt. Philosoph, 1894-1971)

Angewöhnung geistiger Grundsätze ohne Gründe nennt man Glauben.
(Nietzsche, dt. Philosoph, 1844-1900, Menschliches, Allzumenschliches)

Strenge Moralisten sagen: Um glücklich zu sein, muß man alle Leidenschaften aus sich verdammen. Dieser Rat ist ungefähr so gut, als wie wenn man einem, der über enge Stiefel klagt, sagt, er soll sich beide Füß' amputieren lassen, damit er kein Verdruß mehr mit dem Schuster hat.
(Johann Nepomuk Nestroy, österr. Komödiendichter & Schausp., 1801-1862)

Wieviel Haß und Dummheit die Menschen doch - elegant verpackt - Religion nennen können!
(Sri Aurobido, indisch-engl. Philosoph u. Mystiker, 1872-1950)

Die offizielle Kirche hat bei allen aktuellen Fragen der Zeit immer versagt.
(Probst Heinrich Gruber, in 'Die Zeit')

Ich weiß nicht, wohin Gott mich führt; aber wenn er diese Richtung beibehält, schlage ich vor, dass er allein weitergeht.
(Bruno Bettelheim)

Als die Weißen nach Afrika kamen, hatten wir das Land und sie die Bibel. Dann lehrten sie uns, mit geschlossenen Augen zu beten – und als wir die Augen öffneten, hatten sie das Land und wir die Bibel.
(Jomo Kenyatta)
Denker und Intellektuelle sind in der Mehrzahl Atheisten.
Es erfordert Denkfaulheit oder Dummheit sich auf den Glauben zu beschränken.
Viele Doofenpolitiker tummelten sich auf dem Kirchentag. Die Schlaueren waren beim Humanistentag.
Und nicht zu vergessen auch Sozialdemokraten, auf die ich stolz bin.

Ingrid Matthäus-Maier, Rolf Schwanitz und Henning Voscherau zum Beispiel.

Zu Beginn dieser lockeren Pro-SPD-Reihe versuchte ich die Ausgangslage zu schildern. Das publizistische Jaucheloch, in dem die Sozis stecken. 
Auf dem Humanistentag zeigten sich aber auch bedeutenden Hamburger Sozis. Zum Beispiel der große Hamburger Bürgermeister Voscherau.
Altbürgermeister Henning Voscherau (SPD) sprach beispielsweise über den "weltlichen Humanismus in Hamburg". Der frühere Hamburger Pastor Paul Schulz erklärte "warum ich Atheist geworden bin". Seine These: Den Menschen helfe kein Gott. "Den Menschen helfen nur verantwortungsbewusst handelnde Menschen", schreibt Schulz im Begleitheft des Humanistentages.

[…]  Eine Brücke zwischen den Weltanschauungen mit oder ohne Gott schlug auch Henning Voscherau in seinem Vortrag: Das Motto des Humanistentages "Gut ohne Gott" wäre anders besser formuliert gewesen: "Sei gut, handle gut, ob mit oder ohne Gott, auf den Menschen kommt es an."   2006 hatte es in Hamburg schon einmal einen Deutschen Humanistentag - den ersten - gegeben. Damals habe man erkannt, dass es eine bessere Zusammenarbeit der verschiedenen säkularen, also konfessionsfreien Vereinigungen geben müsse - aber erst 2013 nun gab es die Neuauflage.

Sonntag, 5. Mai 2013

Spaßpartei 2.0



Nachdem Angela Merkel die FDP nach der 2010 krachenden NRW-Landtagswahlniederlage von der Einthemenpartei zur Nullthemenpartei degradiert hatte, stellten die einstigen Liberalen die politische Arbeit ein.
Statt Steuersenkungensteuersenkungensteuersenkungen und dem immer wieder gebetsmühlenhaft vorgetragenen „ich werde keinem Koalitionsvertrag zustimmen, der nicht ein einfacheres, niedrigeres und gerechteres Steuersystem vorsieht“, herrschte nun das große Schweigen im Walde.
Selbst begeisterte FDP-Freunde wie der manisch-liberale Ulf Porschardt von der WELT-Gruppe sahen sich außerstande noch irgendwelche positiven Bemerkungen über das hepatitisgelbe Loser-Quintett der Bundesminister zu erfinden.
Die Partei war und ist durch.
In Erwartung der baldigen Lyse hieß es nun mauscheln und raffen so viel es geht.
Philipp Rösler besetzte eifrig Posten im Gesundheits- und Wirtschaftsministerium mit Lobbyisten, Leutheusser-Schnarrenberger und Bahr verfielen in Kataplexie, Guido Westerwelle vollendete seine Metamorphose zur reinen Comedy-Gestalt und Dirk Niebel funktionierte das Ministerium, das er immer abschaffen wollte zur Versorgungsanstalt von in der freien Wirtschaft nutzlosen FDP-Altkadern um.
40 FDP-Parteimitglieder schanzte er gut bezahlte Pöstchen im Entwicklungshilfeministerium zu, statt auf Fachleute zu setzen.

Georg Restle: „Dass so mancher Minister seine Parteifreunde gerne mit Ämtern und Posten versorgt, ist nicht ganz neu. Dass es kurz vor Wahlen hin und wieder sogar zu einem regelrechten Versorgungsfieber kommt, auch darüber haben wir schon berichtet. Der Fall, den wir Ihnen jetzt zeigen, sprengt dann aber doch alles, was wir bisher zu wissen glaubten. Und er betrifft ausgerechnet das Entwicklungshilfe-Ministerium. Schon letztes Jahr wurde bekannt, dass FDP-Mitglieder es offenbar besonders leicht haben, bei ihrem Parteifreund Dirk Niebel Karriere zu machen. Jetzt haben Achim Pollmeier und Matthew D. Rose noch mal recherchiert - und sind auf ein wahrhaftiges Versorgungsparadies gestoßen.“ […]
Wir wollen wissen, wie viele FDP-Leute wirklich im Ministerium gelandet sind. Wir gleichen die Namen aller Neueinstellungen ab - ganz einfach im Internet. Dass Pressesprecher des Ministeriums von der FDP stammen, ist noch keine Überraschung. Doch wir finden mehr, viel mehr. Ortsverbandsvorsitzende, ehemalige Abgeordneten-Mitarbeiter, frühere Wahlkampfmanager und so weiter. Insgesamt finden wir über 40 FDP-nahe Mitarbeiter, die unter Niebel eingestellt wurden. Mit Entwicklungspolitik hatten viele zuvor offenbar wenig am Hut. Jetzt besetzen sie gut dotierte Stellen überall im Ministerium, besonders viele als Referenten, weit unterhalb von Spitzenpositionen.


Der fanatische Linkenhasser Poschardt, der sich angeblich das FDP-Parteilogo auf die rechte Pobacke tätowieren lassen hat, versucht es immerhin doch noch einmal der Rösler-Gang einen Sinn zuzuschreiben.
 Wenn schon nicht durch eigenständige Politik und Konzeptionen, dann wenigstens als letzten Verteidigungsring vor dem linken Durchmarsch.
Poschardt sieht nämlich die Linken unmittelbar vor dem Gewinn der absoluten Mehrheit und nässt sich mehrfach am Tag ein bei der Vorstellung Sahra Wagenknecht werde bald Bundeskanzlerin und nähme ihm all sein schönes Geld weg.

An Hohn und Spott sind Liberale gewöhnt. In den vergangenen vier Jahren hat die Regierungspartei FDP förmlich dazu aufgefordert, antiliberale Ressentiments und gallige Vorurteile zu pflegen. Das Schlimmste scheint vorüber, die obsessive Selbstbeschäftigung gilt als beendet.   […] Der Sturz ins Bodenlose scheint vertagt, mehr aber auch nicht. Angesichts der schweinsteigerartigen Steilvorlagen der Opposition in den Strafraum wirkt die Chancenverwertung der FDP katastrophal.
[…] Die Renaturierung von SPD und Grünen zu Parteien der klassischen Linken und die damit einhergehende autoritäre Entwertung von individueller Freiheit und erarbeitetem Vermögen wird von der koalitionsfreudigen Union kühl registriert und von der FDP erwartbar beklagt.
[….] Sprache und Metaphern der Liberalen wirken verbraucht und ranzig. [….]  Anders als den ins ordnungspolitische Absurdistan übergesiedelten Grünen gelingt es den Liberalen kaum, den Zeitgeist zu verstehen, um ihn zu prägen. [….] Glaubt man dem Deutschlandtrend, wollen fast drei Viertel der Deutschen höhere Steuern, die anderen 25 Prozent müssten eigentlich FDP wählen. Ohne es zu wollen, könnte gerade jene von ihren Steuersenkungsmärchen gezeichnete FDP dazu verdammt werden, wieder einen Steuerwahlkampf zu führen.[….] Gelingt die geistige, ästhetische Neuerfindung mit einem alten Thema, könnte nicht nur die trudelnde Konjunktur in Deutschland profitieren, sondern auch das rezessionsgehemmte Europa. Deutschland steht vor einer Schicksalswahl, und die liberale Stimme krächzt noch, fatal.
(Ulf Poschardt, WELT, 04.05.13)

Es gibt also noch Menschen, die stramm neoliberal denken. 
Sie glauben, daß nur eine totale Entfesselung der Märkte, Steuersenkungen und eine Schrumpfung des Staates die raffgierigen Sozialschmarotzer davon abhalten könnten die Weltwirtschaft abzuwürgen, indem sie die Reichen ausbeuteten.
Klar, mit der Realität hat so eine Weltsicht nichts zu tun, aber tatsächlich sucht die FDP nun offenbar ihr Heil im Phantastischen.
Wie zu Möllemanns Zeiten, als Gaga-Guido im quietschegelben Spaßmobil durch das Land fuhr, im BigBrother-Container bei den gänzlich Unterbelichteten einkehrte und sich mit einer „18“ unter den Schuhsohlen in Talkshows saß, fungieren nun Brüderle und Rösler als Parteicomedians. Mangels eigener Konzepte imitieren sie Mario Barth und plappern so bizarre Sprüche, daß man gar nicht inhaltlich reagieren kann, sondern sich instinktiv an den Kopf fasst, um festzustellen, ob man träumt.

Räuber Hotzenplotz, Graf Dracula, Nessi - die FDP setzt auf ihrem Parteitag bei der Kritik ihrer Gegner auf Bildgewalt. Sie prasst geradezu mit Methaphern und Symbolen.
Grünen-Chef Jürgen Trittin nennt [Brüderle] den "Graf Dracula" der deutschen Politik, welcher der "Mittelschicht an die Gurgel will." Brüderle: "Weg mit der Geisterstunde. Auf in den Kampf." Für Peer Steinbrück bemüht er Goethe, erklärt den Kanzlerkandidaten der SPD zum "sozialistischen Zauberlehrling" – "Die ich rief, die Geister, werd' ich nun nicht los." Wenn Brüderle von Geistern spricht, meint er natürlich die roten Genossen mit ihren "Steuererhöhungsorgien" und ihrer "Schuldenmacherei".
Seine Metaphern toppt ein wahrhaftiges Bild: Auf einem rund zehn Quadratmeter großen Plakat am Eingang der Nürnberger Messe prangt Brüderle mit einem verschmitzen Grinsen – und reckt ausgerechnet seinen hochgestreckten Daumen Richtung Kamera. Eine Geste, die derart aus der Zeit gefallen ist, dass sie selbst beim 67-Jahre alten, leibgewordenem "Herrenwitz" unpassend wirkt.
[…] Patrick Dörings Visualisierungen gehören wie die des Spitzenkandidaten noch zu den konsistenteren. Das Feindbild zeichnet er klar: Es sind die Grünen, die auf ihrem Parteitag vor einer Woche eine gehörige Umverteilung verordnet haben – höherer Spitzensteuersatz, Vermögensabgabe, schrittweise Abschaffung des Ehegattensplittings. Diese Grünen also lässt Döring während einer seiner Reden auf einer Leinwand aufblitzen. Montiert natürlich. Zu sehen ist ein Plakat für ein Theaterstück. Auf dem Programm steht – ziemlich frei nach Schiller – "Die Räuber". In den Hauptrollen: Claudia "Beitragsbemessungsgrenze rauf" Roth, Katrin "Altersvorsorge besteuern" Göring-Eckardt und Jürgen "Gib mir die Hälfte" Trittin. […] Noch verstörender als ein schräges Bild, sind nur zwei schräge Bilder: Jürgen Trittin nennt Rösler kurz nach der Nessi-Metapher "den bösen Räuber Hotzenplotz für alle in Deutschland" – obwohl der ja eigentlich schon Graf Dracula ist.

Während der NTV-Kommentator sich noch freundlicherweise darauf beschränkt das FDP-Dadaismus-Happening rein linguistisch zu analysieren, fragen sich andere Journalisten nach dem SINN dieser ehemaligen Partei.
Poschardts WELT-Kollege Jungholt bemängelt das Fehlen von echten Themen. Daß die beiden FDP-Spitzen so schlechte Redner wären, stelle ich als Vorteil heraus – um die Einfallslosigkeit zu kaschieren.

Auch Randthemen wurden thematisiert.  "Die Grünen sind ja auch gegen Trinken auf öffentlichen Plätzen", erklärte Brüderle. "Also ich sitze da jetzt weniger als in früheren Jahren", aber dennoch sei es für ihn "Ausdruck eines liberalen Lebensgefühls, dass man da was trinken kann". Damit war auch das geklärt. Was fehlte, war ein wirklich zündendes Wahlkampfthema. Das lieferte ausgerechnet die politische Konkurrenz. Wie ein Geschenkpaket mit rot-grüner Schleife empfand mancher Liberale die gerade auf den Parteitagen von SPD und Grünen beschlossenen Steuererhöhungspläne. Die Abgrenzung gegen die "Abkassierer, Fortschrittsgegner, Tugendwächter und Freiheitsfeinde" geriet zum Schwerpunkt der Reden des Vorsitzenden Rösler und des Spitzenkandidaten Brüderle. Rösler hatte dabei den Vorteil, dass er seine Angewohnheit, ganze Silben zu verschlucken, abgelegt hat und deshalb gut zu verstehen war.
Brüderle dagegen, von Tagungspräsidentin Gisela Piltz mit den Worten "Rainer, rock die Hütte" auf die Bühne gerufen, lieferte eine sehr spezielle Kunstform der Parteitagsrede: den Nuschelrock. Insbesondere in den brüllend vorgetragenen Passagen seiner Darbietung war meist nur zu erahnen, was er da gerade zu artikulieren versucht hatte.
(Thorsten Jungholt, WELT, 05.05.13)

Ernst nehmen kann man so eine realitätsentrückte Lobbyistengruppe wie die FDP natürlich nicht. 
Hätten die deutschen Wähler auch nur rudimentären Sachverstand, flögen Röslers Rabulisten hochkant aus dem Bundestag. Allein, mir fehlt der Glaube. Es wird genug Linkenhasser geben, die Schwarzgelb weiter stützen werden.

Nur noch Steuererhöhungsverhinderungspartei: Der FDP fehlt eine gute Begründung, warum sie eigentlich noch einmal in die Regierung gewählt werden soll. Keines ihrer Kernversprechen von 2009 hat sie halten können. Jetzt begnügt sich ihr Spitzenmann Brüderle mit Angriffen auf die Opposition auf Fips-Asmussen-Niveau.
Manchmal scheint es Brüderle selbst völlig wurscht zu sein, was er den Delegierten vor sich da entgegenbrüllt. Die applaudieren, johlen. Er brüllt einfach irgendwas weiter. Hauptsache laut. Verstehen kann das keiner mehr. Nicht weil der Beifall so kräftig wäre. Brüderle gibt sich dann einfach gar keine Mühe mehr, auch nur ein Wort noch halbwegs ordentlich zu artikulieren.[…] Es wäre vielleicht ganz gut, wenn die FDP den Wählern etwas anzubieten hätte, etwas Eigenes. Rösler und Brüderle aber setzen darauf, sich als Steuererhöhungsverhinderungspartei zu profilieren. […] Hier mal eine kleine Kostprobe, wie er gedenkt, die Wähler zu überzeugen: Er spricht vom rot-grünen "Schuldensozialismus", vom "Zinssozialismus" in Europa, vom  "Staatssozialismus" in Frankreich. Der Kanzlerkandidat der SPD, Peer Steinbrück, sei ein "sozialistischer Zauberlehrling". Weil die saarländische CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer sich auch einen Spitzensteuersatz von 53 Prozent vorstellen kann, regiere in dem kleinen Bundesland ein "schwarz lackierter Sozialismus". Die Grünen sind natürlich dem "Ökosozialismus" verfallen.
Es ist die Rhetorik eines kalten Kriegers, der, völlig aus der Zeit gefallen, plötzlich auf einer Parteitagsbühne im Jahr 2013 steht.
Was Brüderle den Delegierten anbietet sind Kalauer auf Fips-Asmussen-Niveau. CDU-Arbeitsministerin Ursula von der Leyen? "Das Röschen hat viele Dornen und tanzt der der Union auf der Nas' herum." Die Union? Die mache die FDP "immer besser. Wir sind das Upgrade der Unionsparteien!" Und nochmal zu Steinbrück: "Kanzlerkandidat der Schmerzen." Oder auch gerne "Der Peer tut weh." Was wohl ein Reim sein soll.
Ein "Meer von Fettnäpfchen" stünde zwischen Steinbrück und Altkanzler Helmut Schmidt. "Pleiten, Peer und Pannen" sei in Berlin eine stehende Redewendung. Kein Bild scheint schwach genug, als dass es Brüderle nicht in seine Rede einbauen könnte.
Das Verrückte ist: Die Delegierten schunkeln bierselig mit, völlig trunken vom klebrig-süßen Wein der Hoffnung, den Brüderle ihnen versucht einzuträufeln. Da kann das, was er da oben macht, noch so absurd erscheinen.
[…] Brüderles Botschaft ist dennoch: Weiter so. Und nicht vom Kurs abweichen. Ohne erkennbar eigenes Angebot bleibt der FDP nur, auf den politischen Gegner einzuprügeln. Damit beschäftigt sich Brüderle in seiner Rede fast zwei Drittel der Zeit.
Die Grünen etwa lieferten mit ihrem Programm eine "Anleitung zum Unglücklichsein". Deren Spitzenkandidat Jürgen Trittin wolle der Mitte "die Gurgel aussaugen". Trittin sei der "Graf Dracula für die deutsche Mitte". Und das sei natürlich, wie gesagt, "ökosozialistische Spinnerei". Das Altherren-Niveau erreicht er spätestens mit diesen Sätzen: Was die Grünen wollten, dass "riecht nach Mittelalter! Ohne Wasserspülung!" Das lassen wir jetzt einfach mal so stehen.
 (Thorsten Denkler, SZ, 05.05.13)

Aber wie ich diese Republik kenne, werden sich am 22.09.2013 wieder ein paar Millionen Enthirnte finden, die ihr Kreuz bei der FDP machen.

Samstag, 4. Mai 2013

Politik ist kein Ponyhof.



Das ist irgendwie mal wieder ein bißchen unfair.
 Angesichts der bayerischen Verhältnisse denkt sich jetzt der Stammtisch „die“ Politiker hätten alle ein lockeres Leben mit vielen Privilegien und stopften sich noch zusätzlich bei jeder Gelegenheit die Taschen voll.
Möglich, daß es unter den besonderen Bedingungen Bayerns etwas gemütlicher zugeht. Schließlich gibt es dort eine Einheitspartei, so daß man nur in die CSU eintreten muß, wenn man ein Amt möchte.

Ich gehöre zu den wenigen Menschen, die sich für HÖHERE Politikerbezahlung einsetzen. Jedenfalls die Regierungspolitiker und vergleichbare Spitzenpositionen (Fraktionsvorsitzende, etc) sollten deutlich besser verdienen, damit sie unabhängiger sind und Ämter attraktiver werden.
Natürlich sollte man auf der anderen Seite die üppigen Pensionsansprüche drastisch zusammenstreichen und die Hälfte Abgeordneten nach Hause schicken.
 Wie lächerlich ist das denn, daß Deutschland mit 80 Millionen Einwohnern an die 770 Volksvertreter im neuen Bundestag haben wird, während das 320 Millionen-Volk der USA mit 535 Abgeordneten auskommt?
Natürlich ist die Arbeitsleistung der Politiker generell unterschiedlich. 
Da gibt es bekannte EU-Abgeordnete wie die FDP-Vorzeigefrau Koch-Mehrin, die jahrelang zu keinen Ausschusssitzungen erscheint, oder den CSU-Bundestagsabgeordneten Gauweiler, der bei kaum einer Abstimmung anwesend ist, weil ihn sein Erstjob als Anwalt so fordert.

Nach allem was ich über die Wahlkreisarbeit hiesiger Politiker weiß, dürften diese Faulpelze eher die Ausnahme sein.
Die Majorität der Politiker will etwas bewegen und tut sich deswegen die Strapazen an. 
Denn ist ja offensichtlich: Merkel, Steinbrück oder Westerwelle könnten „in der Wirtschaft“ ein Vielfaches verdienen – und das bei einem wesentlich geringeren Zeitaufwand.

Spitzenpolitik ist stressig, weil sie nicht nur arbeitsintensiv, sondern auch völlig unberechenbar ist. 
Der Ausnahmezustand ist Normalität. Ständig wird man in andere Fahrwasser geworfen.
So ist es nur natürlich, daß Politikerehen nicht halten. 
Politik als Beruf ist kaum vereinbar mit Familie. Außerdem kommt „man“ viel mehr als die meisten anderen in Versuchung, weil man sehr viel mehr Menschen trifft und die meisten davon ein besonderes Interesse an einem zumindest vorgeben.
Viele zerbrechen auch an dem Stress, werden herzkrank wie Helmut Schmidt, Horst Seehofer, oder Peter Struck.
Es wundert mich überhaupt nicht, daß so viele Piraten, die naiv ins Politikerleben sprangen nach kurzer Zeit wegen der Arbeitsbelastung zurücktraten.
Dutzendfach konnte man in ihren Twitter-Nachrichten lesen, daß sie kaum noch Zeit für ihre Hobbys hätten und daher nicht mehr weitermachen könnten.
So ist das.
Da hat der Nichtpirat was zu lachen.

 Aber in anderen Fällen gehen Politikerkarrieren sehr viel dramatischer zu Ende. Einer der spektakulärsten Politikerselbstmorde, war das Ende in der Badewanne von Uwe Barschel.

Im Oktober 1987 wird der CDU-Ministerpräsident von Schleswig-Holstein tot aufgefunden.
Während die einen überzeugt sind, Barschel sei von Waffenschiebern, Mossad-Agenten oder anderen Unbekannten ermordet worden, und dafür immer neue angebliche "Beweise" vorlegen, sind andere überzeugt, dass der CDU-Mann kurz nach seinem Rücktritt als Ministerpräsident  – in die Enge getrieben durch die Affäre im Kieler Landtag – Selbstmord beging.
Um der Wahrheit näherzukommen, muss man sich die Tage und Wochen vor der Todesnacht zum 11. Oktober noch einmal vor Augen führen:
Der sehr konservative CDU-Politiker ist 43 Jahre alt. Seit fünf Jahren regiert er im nördlichsten Bundesland. Am Samstag vor der Landtagswahl wird bekannt, über was für einen unglaublichen, nie dagewesenen Skandal der Spiegel am Montag, den 14. September 1987, in seiner Titelgeschichte berichten wird: Barschel habe mit Hilfe seines Medienreferenten Reiner Pfeiffer eine Verleumdungsintrige gegen seinen SPD-Herausforderer Björn Engholm gestartet, um ihn von der Macht fernzuhalten.

1992 sah der Bundestagsabgeordnete Gerhard Riege seinen letzten Ausweg im Suizid.

Der Tag war für den Jenaer PDS-Bundestagsabgeordneten Professor Gerhard Riege, 61, gar nicht gut gelaufen. [Schämt euch Spiegelredakteure für den Tonfall! - T.]
[…]  Am Mittag des folgenden Tages verließ Riege seine Jenaer Wohnung im Dornbluthweg. Stunden später fand ihn ein Bekannter im Garten seines Geunitzer Wochenendhauses, wenige Kilometer außerhalb der Stadt. Gerhard Riege hatte sich erhängt.   In einem Abschiedsbrief begründete Riege seinen Selbstmord mit der "Angst vor der Öffentlichkeit, wie sie von Medien geschaffen wird", gegen die er sich "nicht wehren" könne, und vor dem "Haß", der ihm "im Bundestag entgegenschlägt", wo er schon letztes Jahr von Koalitionsabgeordneten niedergeschrien worden war [...]. Der Freitod des stillen PDS-Hinterbänklers, von Politikern aller Lager mit routinierter Betroffenheit kommentiert, schürte neue Emotionen. Im ohnehin hitzig geführten Streit über den rechten Umgang mit der Stasi-Altlast wurde Rieges Schicksal umgehend, Pietät hin, Pietät her, für politische Zwecke instrumentalisiert.

Petra Kelly und Gert Bastian, die Ikonen und Gründer der Grünen, erschossen sich im Oktober 1992.

Am 19. Oktober 1992 war das prominente Politikerpaar tot in seiner Bonner Wohnung aufgefunden worden. Hartmut Otto, der Leiter der Mordkommission, erklärte auf einer Pressekonferenz am Tag danach, Bastian habe Kelly erschossen und dann Selbstmord begangen. Ging Petra Kelly freiwillig mit ihrem Lebensgefährten in den Tod?
"Es ist ein absoluter Nahschuss, ein so genannter aufgesetzter Schuss gewesen und da gibt's einfach nur die Möglichkeit: entweder lag ein Einverständnis vor oder es ist eben im Schlaf geschehen.

Im Jahr 2000 wurde der Stress für den CDU-Geschäftsführer Hüllen zu viel.

Am 20. Januar 2000 wurde auf dem Höhepunkte der CDU-Spendenaffäre Wolfgang Hüllen (49), Leiter des Bundestagsbüros der CDU/CSU- Fraktion für Haushalt und Finanzen, erhängt in seiner Wohnung in Berlin-Steglitz aufgefunden. Die Justiz geht von Selbstmord aus. In einem Abschiedsbrief Hüllens soll es Indizien für Untreue zu Lasten der Fraktionskasse gegeben haben, die aber nichts mit Spendenaffäre als solcher zu tun habe.

Ein Jahr später erschoss sich ebenfalls in Berlin Heinz Kuhrig.

Der ehemalige DDR-Landwirtschaftsminister Heinz Kuhrig ist tot. Die Polizei bestätigte am Samstag einen entsprechenden Bericht des «Tagesspiegel». Die Zeitung hatte berichtet, der 72-Jährige habe sich mit einem Kopfschuss aus einem Gewehr das Leben genommen.  Am Donnerstag fand Kuhrigs Frau ihn im Badezimmer des Hauses im Köpenicker Ortsteil Müggelheim.

Im Jahr 2003 brachte sich der ehemalige Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland und FDP-Vizevorsitzende Möllemann um.

Den Verletzungen nach war Möllemann bei seinem Fallschirmsprung bis zum Aufschlag bei Bewusstsein und absichtlich in der stabilen Freifaller-Position der Fallschirmspringer, bestätigte die Staatsanwaltschaft in Essen. Ein Fremdverschulden hatten die Gerichtsmediziner bereits ausgeschlossen. Hinweise auf technisches Versagen fanden sich ebenfalls nicht.

Im Jahr 2004 tötete sich Andreas Matthae, der Geschäftsführer der Berliner SPD – im Alter von 35 Jahren.

Berliner SPD trauert um Andreas Matthae. Zum Tode von Andreas Matthae erklärt der Landes- und Fraktionsvorsitzende der Berliner SPD, Michael Müller: "Wir haben mit großer Bestürzung erfahren, dass Andreas Matthae aus dem Leben geschieden ist. Die Berliner SPD verliert mit ihm einen sehr engagierten und sehr talentierten jungen Menschen.  Er hat für unsere Partei über Jahre hinweg in vielen  Funktionen sehr verantwortungsbewusst gearbeitet. Wir sind sehr traurig und in Gedanken bei seiner Familie."  

Vor zwei Jahren verübte der niedersächsische Landtagsabgeordnete Briese Selbstmord.

Der Grünen-Politiker Ralf Briese hat sich offenbar das Leben genommen. […] Der verstorbene niedersächsische Landtagsabgeordnete Ralf Briese wird am Montag in Oldenburg mit einer Trauerfeier verabschiedet. […] Nach dem bisherigen Erkenntnisstand der Polizei hat sich der 40-Jährige, der unter schweren Depressionen litt, am vergangenen Sonntag das Leben genommen. Sein Umfeld zweifelt daran nicht. "Es ist fürchterlich und zutiefst traurig, dass Ralf diese Entscheidung getroffen hat", sagt Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel.

Auf der Kommunalebene geht es genauso tödlich zu.

Mit großer Bestürzung haben Freunde auf die Todesnachricht reagiert. Wilfried Arsan, frisch gewählter OB von Traunstein, hat sich erhängt. Die Hintergründe sind völlig unklar.
Es geschah rund vier Wochen vor Wilfried Arsans Amtsantritt. „Wir trauern um einen engagierten Kommunalpolitiker, aber auch um einen stets hilfsbereiten und freundlichen Menschen", sagte der Traunsteiner Landrat Hermann Steinmaßl zur AZ. Niemand hat eine Erklärung für den tragischen Selbstmord. „Wenn ein Zusammenhang mit der hohen Belastung im Beruf eines Kommunalpolitikers besteht, fragt man sich, ob das Ganze solch tragische Folgen wert ist“, betonte Hermann Steinmaßl erschüttert.
Wilfried Arsan hat sich am Montagabend an einem Heizungsrohr im Keller seines Hauses erhängt.
(Abendzeitung 09.04.08)
Heinz Wölfl, der Landrat von Regen, hat sich offenbar selbst getötet. Davon geht die Staatsanwaltschaft aus, die die Ermittlungen zum Unfalltod des 58-Jährigen abgeschlossen hat. Zu einem möglichen Motiv gibt es erste Spekulationen.
Der Landrat von Regen, Heinz Wölfl, hat sich wohl das Leben genommen. Das teilte die Staatsanwaltschaft Deggendorf mit. Der CSU-Politiker war in der vergangenen Woche mit seinem Auto von der Straße abgekommen und gegen einen Baum geprallt. Er erlag noch an der Unfallstelle seinen Verletzungen.
(SZ 22.08.11)
Der Dresdner FDP-Politiker und Unternehmer Eberhard Rink hat sich am vergangenen Wochenende das Leben genommen. Er wurde am Samstag leblos in seinem Haus aufgefunden.
Dresdner FDP-Politiker zeigten sich über die Nachricht geschockt. "Wir sind tief geschockt und in großer Trauer.", sagte der Vorsitzende der Dresdner FDP Johannes Lohmeyer. "Wir sind tief erschüttert und trauern um einen guten Freund und Weggefährten", ergänzt Holger Zastrow, FDP-Bundesvize.

Auch die Partner der Spitzenpolitiker werden in Mitleidenschaft genommen.
Helmut Kohls Frau nahm sich 2001 das Leben.

Hannelore Kohl war fast 42 Jahre lang mit dem ehemaligen Kanzler Helmut Kohl (CDU) verheiratet. Stets gut gelaunt, gepflegt und stark geschminkt, die Haare immer gleich, teuer, aber bieder gekleidet trat sie neben ihm in der Öffentlichkeit auf. In Wirklichkeit war sie kreuzunglücklich, schwer krank und in den letzten Monaten ihres Lebens sehr einsam. Am 5. Juli 2001 wurde sie tot in ihrem Bungalow in Oggersheim bei Ludwigshafen gefunden. Es war Selbstmord, herbeigeführt durch eine Überdosis Tabletten, die sie einnahm, als ihr Mann sich in Berlin aufhielt.
(News.de 30.06.11)

In dieser Woche tötete sich der Ehemann von Guido Westerwelles Staatsministerin und früheren FDP-Bundesvizevorsitzenden Pieper.

Lutz Pieper ist tot. Der Ehemann der Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Cornelia Pieper, hat sich nach MZ-Informationen das Leben genommen. Die 54-Jährige fand ihn am Dienstagmorgen in ihrem Haus in Lieskau bei Halle. Lutz Pieper wurde 55 Jahre alt.
Das Innenministerium von Sachsen-Anhalt bestätigte den Tod, äußerte sich aber nicht zu den Hintergründen. Zuvor hatte Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) die Landesregierung informiert. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Halle, Heike Geyer, erklärte auf Anfrage, dass die Behörde ein Verfahren zur Ermittlung der Todesursache eingeleitet habe und der Leichnam deshalb obduziert werde. Zur Todesursache schwieg sie. Nach MZ-Informationen wird Fremdverschulden ausgeschlossen. Cornelia und Lutz Pieper haben einen Sohn.

Ebenfalls diese Woche beging der Grüne Adi Sprinkart Selbstmord.

Der Allgäuer Grünen-Landtagsabgeordnete Adi Sprinkart hat sich das Leben genommen. Die Gründe sind unklar, ein Zusammenhang zur Amigo-Affäre in Bayern besteht aber offenbar nicht.
Fraktionschefin Margarete Bause bestätigte am Freitag eine Meldung der Münchner „Abendzeitung“. Der Agrarpolitiker und Landwirt wurde demnach tot auf seinem Hof in Niedersonthofen gefunden. Er saß seit 1997 für die Grünen im Landtag.
Nach Angaben des Blattes hatte der Politiker erst am Montag seinen 60. Geburtstag gefeiert.
(Focus 03.05.13)

Ja, es gibt unendlich viel an Politikern zu kritisieren. 

Aber, daß sie alle Faulpelze sind, denen alles egal ist, stimmt nicht.

Die Jungs haben durchaus Stress.