Montag, 14. Januar 2019

Lerneffekt für Langsammerker


Eine entfernte Cousine, die heute mit Mitte 70 ein Hundeheim in Spanien betreibt, weil sie Vierbeiner so liebt und sich um all die Straßenhunde kümmern muss, wohnte vor Dekaden nur ein paar Straßen weiter von mir.
Schon damals hatte sie natürlich auch immer Hunde und weil ich ein Kind war, fand ich die natürlich toll.
Dabei erklärte sie, die kinderlose Diplompädagogin immer wie man andere erzieht. Hunde solle man so behandeln wie Kinder. Liebevoll, aber bestimmt. Sie machten ihre Fehler nicht aus böser Absicht und hätten Freude am Lernen.
Sie ging natürlich auch gern feiern, so daß die Hunde immer mal wieder recht lange in der Wohnung eingesperrt waren und es zu dem ein oder anderen Malheur kam.
Das war nicht schön. Aus mehreren Gründen.
Hundekacke stinkt entsetzlich, Hundekacke auf dem Wohnzimmerteppich ist schwer zu entfernen, aber am schlimmsten fand ich das Gewinsel der armen Viecher, wenn meine Großcousine dann den Übeltäter am Schlafittchen packte und mit der Nase voller Wucht mitten in den Scheiße steckte.
Ich war noch zu klein, um einzuschreiten, aber ich wußte, daß Hundenasen verdammt gut riechen können und stellte mir vor wie mies es sein muss mit so einer Nase die ganze Schnauze voll Stinkescheiße zu haben, wenn mein vergleichsweise unempfindlichen Menschensinne schon olfaktorisch auf Alarmstufe Rot hyperventilierten.
Die Methoden stellte ich nicht in Frage. Sie kannte sich doch so gut aus und hatte studiert. Aber ich wollte lieber keinen Hund haben, weil ich nicht dieses Schnauze-in-Scheiße-Stecken durchführen mochte.

Jahrzehnte später habe ich immer noch keinen Hund und auch keinen Kontakt mehr zu selbst ernannten Hundeflüsterin. Ich schätze mal, daß ihre Viecher aber immer noch scheißen und anschließend hingebungsvoll von ihr diszipliniert werden.

Themenwechsel.

Jeder Mensch, der sich auch nur halbwegs für Politik interessiert, kann gar nicht anders als intensiv auf Großbritannien zu gucken. Wie will May das bitte morgen hinbekommen? Sie, die Austrittsbefürworterin ist Brexiteer der ersten Stunden, wurde durch das unsägliche Referendum erst ins Amt gespült und hat ihr Land in eine derartige Sackgasse manövriert, daß es nur noch schlechte Optionen gibt.
Chaos-Brexit, Exit vom Brexit? Bestenfalls wird es nur sehr teuer und ein Börsencrash hält nicht allzu lange an.
Die armen Briten – so eine große stolze Nation und so ein verdammtes Pech mit lauter total unfähigen Premierministern nacheinander.
Und wofür den Mist? Nur weil ein paar Hetzer der Murdoch-Presse und unfähige Tories mit dem Feuer spielten, während die U30-Briten zu dumm und desinteressiert waren am Referendum teilzunehmen?

Nach allen Umfragen käme es bei einem zweiten Referendum nicht noch einmal zu einer Brexitmehrheit. Und die EU wäre froh das leidige Britentheater zu vergessen.

Alternativ gingen auch Neuwahlen. Bekäme Labour die absolute Mehrheit könnten sie einfach den Brexit absagen. Theoretisch.
Praktisch ist aber auch die Opposition von so unfassbarer Unfähigkeit geschlagen, daß SPD und US-Demokraten aufgeweckt und patent wirken.

[….] Neben der unerträglichen Inkompetenz und Verantwortungslosigkeit der Tories ist es nämlich die Labour Party, die sowohl den Zerfall der politischen Kultur als auch die Prinzipienlosigkeit verkörpert.
Corbyn hat das Kunststück vollbracht, dass er zweieinhalb Jahre nach dem Brexit-Votum keine belastbare Aussage über das Ziel seiner Partei vorlegen kann. Labour will einen Brexit, aber keinen unkontrollierten. Eine Mehrheit der Mitglieder würde allerdings auch gerne in der EU bleiben, nicht aber der Vorsitzende. Die Partei will möglicherweise ein neues Referendum, aber auch nur unter bestimmten Bedingungen. Kommt auf die Frage an.
Sicher ist nur: Corbyn will an die Macht, und deswegen will er eine Vertrauensabstimmung und dann Wahlen gewinnen. Brexit? Wird irgendwie gelöst. [….]

Wenn Politik so richtig schiefgeht, spricht man gern von “Neustart“.
Wäre das nicht toll, wenn man die fatalen Entscheidungen der letzten drei Jahre rückgängig machen könnte?
Exit vom Brexit. Sebastian Kurz stürzt, Salvini-Rücktritt, Trump-Impeachment und Ende der Mauerbau-Pläne an der mexikanischen Grenze.

Ganz abwegig ist es nicht, daß Mueller Trump zu Fall bringt oder daß May sich so verspekuliert, daß sie bald ihr Amt los ist und Neuwahlen andere Mehrheiten erbringen.
Ein verlockender Gedanke.

Aber davor muss man sich hüten, denn das würde die tiefsitzenden Probleme nur zukleistern und unweigerlich zu einer späteren noch schlimmeren Eruption führen.
Natürlich wünsche ich mir Trump im Knast zu sehen, oder noch besser: als Pleitier blamiert, der sein Amt verloren hat und dessen winzigen Pilz-Penis dank geleakter Sextapes jeder Amerikaner gesehen hat.
Natürlich wünsche ich mir die dummen Gesichter der Großmäuler Johnson und Farage zu sehen, wenn ihr Lebenstraum Brexit beerdigt wird.

Die viel größeren Probleme blieben aber. Eine starke destruktive rechte Hetzpresse, ein durch Falschinformationen und edukative Mängel schwer verblödetes Volk, welches sich von tumben Radikalen bereitwillig verführen lässt.
62 Millionen Amerikaner haben Trump gewählt, rund 50 Millionen bewundern ihn immer noch rückhaltlos.

Würde Trump vorzeitig stürzen, verschwänden diese 50 Millionen Übelhirne nicht.
Sofort wäre eine Dolchstoßlegende erfunden. Deep State/Linke/Soros/Libtards/Pädophile hätten ihr Idol mit miesen Methoden gestürzt und davon abgehalten die USA stark zu machen.
Das rechte Pack wäre nicht mehr einzufangen. Wenn sie nicht mehr Trump zujubeln können werden sie sich andere Ventile für ihre innerliche rage suchen.
Sie werden destruktiver, aggressiver, gewalttätiger.

Das Gleiche gilt für England. Ohne den Brexit würde eine (knappe) Hälfte der Bevölkerung sich betrogen fühlen, endgültig jedes Vertrauen in den Staat verlieren und erst Recht den Brexit fordern.

[….] Die 52 Pro­zent, die sich beim ers­ten Mal ge­gen die EU ent­schie­den, hat­ten da­für vie­le Grün­de. Zu den wirk­sams­ten zähl­ten die ir­ra­tio­na­le Angst vor Über­frem­dung, die Ver­ach­tung ge­gen­über den so­ge­nann­ten Eli­ten in Lon­don und Brüs­sel und der tief sit­zen­de Ver­dacht, in ei­ner Fas­sa­den-de­mo­kra­tie zu le­ben, in der eine Mehr­heit ge­schröpft und eine Min­der­heit ge­päp­pelt wer­de. Mit an­de­ren Wor­ten: Was den Ita­lie­nern die Lega, den Fran­zo­sen der ehe­ma­li­ge Front Na­tio­nal, den Spa­ni­ern Vox, den Deut­schen die AfD ist, das war vie­len Bri­ten der Brex­it. Wür­de er nun, mehr als zwei­ein­halb Jah­re spä­ter, mit dün­ner Mehr­heit ab­ge­sagt, könn­te das Geis­ter aus der Fla­sche las­sen, die kaum kon­trol­lier­bar wä­ren. [….]  Eine EU-freund­li­che Kon­ser­va­ti­ve wur­de kürz­lich vor dem Par­la­ment als »Nazi« be­schimpft, weil sie an­geb­lich deut­schen In­ter­es­sen dien­te. An­de­re er­hal­ten To­des­dro­hun­gen. Um­fra­gen zei­gen, dass sich im­mer mehr Bri­ten von den eta­blier­ten Par­tei­en ab­wen­den. Nigel Fa­ra­ge, der gro­ße rech­te Ver­füh­rer, hat be­reits sein Come­back an­ge­kün­digt, soll­te der Brex­it, sein Le­bens­werk, an­ge­tas­tet wer­den.
Die Zahl der Hass­ver­bre­chen ist in Groß­bri­tan­ni­en nach dem ers­ten Re­fe­ren­dum in die Höhe ge­schnellt. Und da­mals gin­gen alle da­von aus, dass der Brex­it kom­men wird. Und wenn er nicht kommt? Es ist un­schwer zu er­ah­nen, wen die Wut der Men­schen dann tref­fen wird: »Die da oben« – aber vor al­lem Flücht­lin­ge und Frem­de. Wie über­all sonst auch.
Ja, der Brex­it ist eine Übung in Selbst­ver­stüm­me­lung. Aber wie die Din­ge ste­hen, könn­te es noch ka­ta­stro­pha­ler sein, ihn auf den letz­ten Me­tern ab­zu­wür­gen. [….]
(Jörg Schindler, SPIEGEL Leitartikel, 12.01.2019)

Man sollte Trump und den Brexit nicht abwenden bevor Trumpmerica und die Brexiteers ihre Lektion gelernt haben.

Die vielen Millionen Menschen sind dümmer und amoralischer als alle Hunde Spaniens und Deutschlands zusammen.
Sie müssen wirklich mit voller Kraft ihren Kopf in die von ihnen selbst geschissene Scheiße gerammt bekommen.
Anders lernen sie es nicht.
Wer so heftig in sein Haus kackt, muss auf die harte Tour erzogen werden.

Die Evangelikalen, Hillbillies, Rednecks und sonstigen Trump-Rassisten müssen am eigenen Leib erleben wohin seine isolationistische Hasspolitik führt.
Sie brauchen eine tiefe Wirtschaftskrise, Jobverlust und böse Krankheiten ohne Obamacare.
Sie brauchen durch Trumps environment-feindliche Politik ausgelöste Umweltkatastrophen vor ihrer Haustür und durch von Trump ermächtigte raffgierige Banker herbeigeführte Obdachlosigkeit.

Nur so begreifen sie, daß Trumpismus in die Krise führt und daß man so einen nicht wieder wählen darf.

Und so leid es mir für alle normalen Briten tut – auch ihre Europa-hassenden Landsleute brauchen diese Lektion. Sie müssen einen katastrophalen Wirtschaftszusammenbruch mit Lebensmittelknappheit und geplatzter Immobilienblase erleben. Sie müssen deutlich spüren wie sehr sie auf die anderthalb Millionen in England arbeitenden Europäer anderer Länder angewiesen sind.
Erst wenn jeder das bitter erfahren hat und GB am Boden liegt, sollen sie wieder angekrochen kommen und ein neues EU-Beitrittsgesuch stellen.
Farage und Johnson werden dann nicht noch mal ihr Maul aufreißen.

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