Sonntag, 27. August 2023

Die Ausrede

Für eine liberalen Hanseaten schrillen schon alle Klischee-Alarmglocken bei dem Gedanken an die Aiwanger-Eltern.

Stramm katholische Milchbauern in Niederbayern, die in den frühen 1970ern ihre Söhne „Helmut“ und „Hubert“ nennen.

Entweder, sie hassen ihre Kinder, oder sie leben in einer so finsteren Blase, daß sie die Namen tatsächlich mögen.

Aiwangers haben auch 50 Zuchtschweine und der kleine Hubert wird als Teenager Vorsitzender der Katholischen Landjugend, während er zu Hause „Mein Kampf“ liest und damit in der Schule prahlt.

Daß dieser Junge in seiner Schule übelste antisemitische Hetzblätter erstellte und verteilte, war nicht nur wegen der gründlichen Recherche der Süddeutschen Zeitung glaubwürdig, sondern weil er gute 30 Jahre später als Regierungspolitiker immer noch regelmäßig weit unterhalb der rechten Gürtellinie hetzt.

Besonders bedauerlich für Aiwangers Leugnung ist natürlich die gesicherte Erkenntnis über die Aiwangerische Schreibmaschine, auf der das abscheuliche antisemitische Pamphlet geschrieben worden sein muss.

[….] "Der Text eines Flugblattes, das auf der damaligen Schule des stellvertretenden bayerischen Ministerpräsidenten zirkulierte und von dessen Bruder erstellt worden sei, ist auch heute nicht minder verwerflich, da er die Millionen Opfer der Schoa auf abscheuliche Weise verunglimpft. Inwiefern Hubert Aiwanger für die Verbreitung zumindest mitverantwortlich ist, wird in Gänze nicht aufzuklären sein. Die Diskussion darüber ist erkennbar politisch. Das Flugblatt darf aber auch nicht einfach als Jugendsünde abgetan werden, da es die für unser Land so wichtige Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus regelrecht mit Füßen tritt. Gerade weil diese Erinnerungskultur heute von rechts außen wieder radikal bekämpft wird, ist mir vor allem wichtig, dass der Inhalt des Flugblattes scharf verurteilt wird." [….]

(Dr. Josef Schuster, Zentralrat der Juden in Deutschland, 27.08.2023)

Um seine politische Karriere, sein Amt, seinen Einfluß und seine Einkünfte zu sichern, brauchte der braune Hubsi schnell einen Sündenbock, der auch die Peinlichkeit erklärt, wieso das „Flugblatt“ auf der Familienschreibmaschine geschrieben wurde.

So kam Bruder Helmut ins Spiel und tickerte sich via AFP in die Wochenend-Redaktionen:

 [….] Aiwanger erklärte dann am Samstagabend in seiner Stellungnahme, er distanziere sich "vollends von dem Papier". Er kenne den Verfasser des Flugblatts, dieser werde sich "selbst erklären". "Weder damals noch heute war und ist es meine Art, andere Menschen zu verpfeifen."

Nach Aiwangers Darstellung waren "ein oder wenige Exemplare" des Flugblatts in seiner Schultasche gefunden worden. Die Schulleitung habe "mit der Polizei gedroht", wenn er den Sachverhalt nicht aufkläre. Als Ausweg habe er eingewilligt, ein Referat zu halten. Er könne sich aber nicht erinnern, ob er damals "eine Erklärung abgegeben oder einzelne Exemplare weitergegeben" habe. [….] Ebenfalls am Samstagabend meldete sich dann Aiwangers älterer Bruder zu Wort und übernahm die Verantwortung. "Ich bin der Verfasser dieses in der Presse wiedergegebenen Flugblatts", zitierte die Mediengruppe Bayern den 53-jährigen Helmut Aiwanger. "Vom Inhalt distanziere ich mich in jeglicher Hinsicht. Ich bedaure die Folgen der Aktion." 

Die beiden Brüder besuchten demnach im Schuljahr 1987/88 gemeinsam die elfte Jahrgangsstufe des Burkhart-Gymnasiums in Mallersdorf-Pfaffenberg in Niederbayern. Das Flugblatt habe Helmut Aiwanger verfasst, nachdem er eine Jahrgangsstufe habe wiederholen müssen, berichtete die Mediengruppe Bayern. "Ich war damals total wütend, weil ich in der Schule durchgefallen bin und aus meinem Kameradenkreis herausgerissen wurde."

Für SPD-Chefin Saskia Esken ist die Affäre damit nicht beendet. "Selbst wenn Aiwanger das Flugblatt nicht selbst verfasst, aber mit sich getragen und verteilt haben sollte, lassen die widerlichen und menschenverachtenden Formulierungen Rückschlüsse auf die Gesinnung zu, die dem zugrunde lag", sagte sie den Funke-Zeitungen. "Wer solche Gedanken denkt, aufschreibt und verbreitet, darf keine politische Verantwortung in Deutschland tragen." [….] 

(STERN, 27.08.2023)

Der 19-Jährige Helmut war es also.
Der heutige stellvertretende Ministerpräsident nahm die antisemitischen Hetzblätter also nur an sich, steckte sie in seine Schultasche, um sie in seinem Gymnasium zu verteilen, wurde dabei erwischt und nahm – aus reiner brüderlicher Liebe – die Strafe auf sich, obwohl er die braune Nazi-Gülle gar nicht verfasst hatte.

Aha. Sehr glaubwürdig.

So macht man es ja mit antijüdischen Hetzschriften, die man „menschenverachtend und geradezu eklig“ (Söder) findet: Man nimmt sie an sich und verteilt sie dann begeistert weiter. Der sonst so redefreudige Söder ziert sich, die neue Situation zu beurteilen. Aber selbst in seiner Partei ist man von der „gefrusteter Bruder“-Erklärung nicht wirklich überzeugt.

[….] Das Flugblatt klinge für ihn "nach einem Plan", sagte dagegen Karl Freller, der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten und CSU-Vizepräsident des Bayerischen Landtags - nicht nach einer Verärgerung wegen Durchfallens. Er wolle nicht den Stab über Aiwanger brechen, aber es seien längst noch nicht alle Fragen geklärt über diese "Verunglimpfung der Opfer des Nationalsozialismus", deren Inhalt "durch nichts entschuldbar" sei. "Verfassen ist das eine", sagte er, "aber Verteilen ist nicht weit davon entfernt."  [….] SPD-Fraktionschef Florian von Brunn hatte zuvor eine Sondersitzung des Landtags zu der Sache erwogen. Nach SZ-Informationen wurde der Antrag vorerst vertagt, offenbar wartet man auf die nächsten Schritte von Ministerpräsident Söder. "Es ist für mich unvorstellbar, dass Markus Söder weiter mit jemandem kooperiert und koaliert, der den Besitz bestätigt und die Verbreitung nicht leugnen kann", teilte von Brunn mit. [….]

(SZ, 27.08.2023)

Der Druck der Opposition, des Zentralrates der Juden, des Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern ist groß. Die Bruder-Erklärung ist zu offensichtlich wackelig. Wieso fällt es Hubert Aiwanger erst, Wochen nachdem er mit den Recherchen konfrontiert wurde, ein, daß sein Bruder den Text schrieb? Wieso nahm er die Schuld auf sich? Wieso verteilte er den Dreck weiter? Wieso sind die Juden schuld, wenn Helmut Aiwanger eine Klasse wiederholen muss? Auch in der CSU glaubt fast niemand den Aiwanger-Brüdern.

[….] Indizien sprechen zudem dafür, dass Aiwanger seit Wochen von den Recherchen mehrerer Medien zum Flugblatt wusste. Auf detaillierte Fragenkataloge der SZ, von denen ihm der erste bereits am 17. August zuging, antwortete er wiederholt nur pauschal: Er habe so etwas nicht verfasst. Erst am Samstag, in höchster Erklärungsnot, präsentierte Aiwanger seinen Bruder, der sich angeblich freiwillig meldete, als Urheber. Man fragt sich auch bei den Freien Wählern, warum Aiwanger den Recherchen nicht schon viel früher mit seiner Version der Geschehnisse entgegengetreten ist.

[….] Was bleibt, ist tiefes Misstrauen und Wut, vor allem beim Koalitionspartner der CSU. Wie wollen Söder und Aiwanger so noch fünf weitere Jahre gemeinsam regieren? Der Prozess der Entfremdung nahm bereits während der Corona-Pandemie seinen Anfang, als Aiwanger beharrlich die Impfung verweigerte und damit die Politik der Staatsregierung konterkarierte. Seine Impfangst wurde ihm zunächst noch als Schrulle ausgelegt. Mei, der Hubert halt - so lautete der leicht herablassende Tonfall, mit dem Aiwangers Eskapaden kommentiert wurden. Nachdem im Laufe der Zeit seine Ausfälle gegenüber politischen Gegnern aber immer bösartiger und häufiger wurden, beschlich die CSU das ungute Gefühl, dass hier ein Gegner heranwächst, der ihr gefährlich werden könnte. All das gipfelte in Aiwangers berüchtigter Rede auf dem Erdinger Volksfestplatz im Juni 2023, als Ministerpräsident Markus Söder selbst miterleben durfte, wie sich Aiwanger als neuer Held der "Normalbürger" feiern ließ.

Es rächt sich nun, dass sich Söder bei der Partnerwahl für die nächste Legislaturperiode ganz und gar den Freien Wählern versprochen und die politischen Brücken zu den Grünen und der FDP abgebrochen hat. [….]

(Sebastian Beck, 27.08.2023)

Der CSU-Chef Markus Söder als kleinlauter Mimimi-Ministerpräsident, der sich nicht traut, einen FW-Mann in die Schranken zu weisen. Ganz Bayern vibriert von den heftigen Rotationen, die Franz-Josef Strauß in seinem Grab vollführt.

Samstag, 26. August 2023

Covid nicht den Schwurblern überlassen.

Nein, Corona ist natürlich nicht vorbei.

Das wird auch in absehbarer Zeit nicht vorbei sein. Im Moment gibt es nur ein sehr geringes Infektionsgeschehen, aber das Virus existiert weiterhin und mutiert natürlich auch.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden in Zukunft weitere Impfkampagnen notwendig werden. Wir sollten auch nicht all unsere Masken und Desinfektionsmittel wegwerfen, sondern bei steigenden Inzidenzen im Herbst und Winter, wieder Vorsorge treiben.

Es gibt aber auch gute Nachrichten: Die Virologen verstehen SARS-CoV2 immer besser, beobachten und entwickeln Impfstoffe.

[….] Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte EG.5 in der zurückliegenden Woche als "Virusvariante von Interesse" hochgestuft. Der Virustyp teilt sich diese Gruppe mit seinen Verwandten XBB.1.5 und XBB.1.16. Die Behörde stellte zugleich klar, dass sie das Gesundheitsrisiko durch die auch Eris genannte Variante für gering halte. Es gebe keine Anzeichen, dass sie schwerere Erkrankungen als die anderen momentan zirkulierenden Subtypen hervorruft. Auch in Deutschland wird EG.5 und vor allem EG.5.1 seit März in sequenzierten Proben gefunden.

Was heißt das nun für den Immunschutz? Da die neue Variante von Omikron abstammt, sollte eine gegen Omikron erworbene Immunität auch einen gewissen Schutz vor EG.5 bieten und die Schwere der Erkrankung senken, sagt Cassandra Berr, Immunologin an der australischen Murdoch University.

Ein noch besseren Schutz dürften jedoch die an XBB angepasste Impfstoffe bieten, sagt Epidemiologe Trauer. Diese Vakzine könnten schon in Kürze auf dem Markt sein. Sowohl Biontech mit seinem Partner Pfizer als auch Moderna haben Vakzine gegen die eng mit EG.5 verwandte Variante XBB.1.5 entwickelt und schon vor Wochen ihre Zulassungsanträge bei der europäischen Arzneimittelagentur EMA gestellt.   […]

(SZ, 14.08.2023)

Wirklich besorgniserregend ist aber die Fähigkeit der rechtsextremen Schwurbler und Verschwörungstheoretiker, sich das Thema zu eigen zu machen.

Sie alle fühlen sich im Recht, verbreiten wider alle Tatsachen, die Corona-Maßnahmen hätten nur Schaden angerichtet.


Die faschistischen Spinner können frei drehen, weil sich ihnen niemand mehr in den Weg stellt, niemand widerspricht und kaum ein Politiker, es noch wagt, das unangenehme Thema anzufassen. Dabei ist es nach wie vor notwendig und richtig, den Kampf um die Deutungshoheit zu führen.

[….] Maßnahmen wie Maskenpflicht und Kontaktbeschränkungen haben laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI) wesentlich zur Bekämpfung der Corona-Pandemie beigetragen. Vor allem die Kombination der verschiedenen Vorkehrungen sei ausschlaggebend dafür gewesen, dass eine mit dem Erreger Sars-CoV-2 infizierte Person deutlich weniger Menschen angesteckt habe als andernfalls, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht. "Wenn man sie einzeln betrachtet, haben sie eine deutlich schwächere Wirkung", sagte eine RKI-Expertin am Donnerstag bei der Vorstellung der Ergebnisse.  [….]

(SZ, 20.07.2023)

Was passiert, wenn man den Covidioten-Lügen eines David Berger folgt und die Schutzmaßnahmen beendet, konnte man in China beobachten.

[….] Zwei Jahre lang kontrollierte China die Coronapandemie mit einer strikten Null-Covid-Politik. Nach landesweiten Protesten sowie einem Einbruch des Außenhandels hatte die Volksrepublik jedoch ihre Strategie geändert und alle Beschränkungen binnen kurzer Zeit aufgehoben. Das könnte zu fast zwei Millionen zusätzlichen Todesfällen in den folgenden zwei Monaten geführt haben, wie eine aktuelle US-Studie des staatlich finanzierten Fred-Hutchinson-Krebszentrums in Seattle besagt. Veröffentlicht wurde sie auf »Jama Network Open« .

Die Studie basiert auf einer Stichprobe von Sterblichkeitsdaten, die von einigen Universitäten in China veröffentlicht wurden, sowie auf Internetrecherchen, bei denen nach Begriffen mit Sterbebezug gesucht wurde – etwa Krematorien oder Bestattungsinstitute. Demnach waren zwischen Dezember 2022 und Januar 2023 schätzungsweise 1,87 Millionen Todesfälle über dem Durchschnitt bei Menschen zu verzeichnen, die älter als 30 Jahre waren, und zwar in allen Provinzen des chinesischen Festlands mit Ausnahme von Tibet.

Ende 2022 wurden landesweit zunächst Quarantäneregeln und Testpflichten gelockert oder sogar abgeschafft und die Massenabriegelungen beendet. Kurz darauf kündigten die Behörden zudem das Ende der staatlichen Corona-App an, die zweieinhalb Jahre lang die Bewegungsfreiheit der Menschen stark eingeschränkt hatte.

In der Folge gab es einen massiven Anstieg von Krankenhausaufenthalten und Todesfällen, die nach Ansicht von Gesundheitsexperten von der chinesischen Regierung weitgehend verschwiegen wurden. Schon frühere Berechnungen internationaler Experten hatten mehr als anderthalb Millionen mögliche Todesfälle ergeben.   [….]

(SPON, 26.08.2023)

Zwei Millionen zusätzliche Tote. Das gefällt den Faschisten!

Dabei weist China eine Impfquote von 92% auf. Die AfD/PP/GOP-Schwurbler sind aber stolz darauf, nicht geimpft zu sein und kämpfen jetzt schon verbissen gegen noch gar nicht vorhandene Impfungen.

Nicht auszudenken, wie viele zusätzliche Tote es in China gäbe, wenn die Bürger nach Berger-Vorstellung alle ungeimpft wären.

Rechtsextremismus bringt den Tod.


Freitag, 25. August 2023

Der trübe Südosten

Die bayerischen Wähler sind sehr sehr rechts.

Zwei Drittel von ihnen würden heute eine Partei weit rechts der Mitte wählen, die Minderheiten dämonisiert und Verschwörungstheorien verbreitet.

40% CSU, 13% AfD, 13% FW.

Das ist in Sachsen zwar nicht anders, aber die haben wenigstens die Ausrede Ossis zu sein, die Jahrzehnte im „Tal der Ahnungslosen“ hockten und daher generell etwas unterbelichtet zu sein.

Welche Ausrede haben die Bayern für ihr Wahlverhalten, das von „Hauptstadt der Bewegung“ über die Ablehnung des Grundgesetzes, Strauß und Schönhuber, Katzbuckeln von dem Apartheid-Regime in Pretoria, Flirts mit den faschistischen Diktatoren Südamerikas, direkt weiter nach Moskau führte, wo drei bayerische Ministerpräsidenten sich die Klinke in die Hand gaben, um Putins Hintern zu küssen, und schließlich zur Söder-Xenophobie und der Scheuer/Dobrindt-Homophobie reicht?

Wieso wählt die bayerische Mehrheit immer wieder so, obwohl die CSU den Bayern insbesondere mit ihrer katastrophalen Energiepolitik die größten Probleme aufhalste?

Als ob die CSU nicht schon schlimm genug wäre, holten sich die Bayerioten 2018 auch noch den Verschwörungstheoretiker und Covidioten Hubert Aiwanger als stellvertretenden Ministerpräsidenten in eine Koalition mit Söder.

[….] Dass er sich weit am rechten Rand bewegt und gelegentlich darüber hinaustritt, wird Aiwanger immer wieder vorgeworfen, seit er in der Landespolitik aktiv ist. 2006 wurde er überraschend zum Landesvorsitzenden der Freien Wähler gewählt, schon da fürchteten manche einen Rechtsruck der Vereinigung. Bestätigt sahen sich jene spätestens im vergangenen Juni, als Aiwanger bei einer Demonstration gegen das Heizungsgesetz in Erding dazu aufrief, die "schweigende Mehrheit" müsse sich "die Demokratie zurückholen". Dafür ist er von Anhängern gefeiert und von anderen - auch aus der eigenen Partei und vom Koalitionspartner CSU - scharf kritisiert worden. Aiwanger selbst sah keinen Fehltritt bei sich. Er zieht seit Monaten mit der Botschaft durch die Bierzelte, dass er sich nicht den Mund verbieten lasse. [….]

(SZ, 25.08.2023)

Wie so oft, bleibt es bei Aiwanger nicht bei rechtsextrem, sondern es kommt sagenhafte Blödheit dazu.

Wie so viele wirklich Doofe, leidet auch der stellvertretenden bayerische Ministerpräsident, der trotz AfD-Erfolge sein Wahlergebnis von 2018 nach derzeitigem Stand sogar verbessern wird, an einer schweren Form von Dunning-Kruger und mischt sich daher gern öffentlich ein, um sich maximal zu blamieren.

[…..] Frage: Wer erklärt Hubsi #Aiwanger mal ganz vorsichtig,

dass es den Herrn Wolf & die 7 Geißlein gar nicht wirklich gegeben hat?

Und dass Mama Geiß ihm nicht die Wunden nähte, sondern Wackersteine in die Wampe? Kommt das durch zu viel #Bild und schlechtes Bildungssystem in Bayern?

#Rumpeldipumpel #MärchenonkelHubsi #LügenWolf #BesseresBeispielRotkäppchen #FragMalDieDreiKleinenSchweinchen [….]

(Oliver Kalkofe, 12.08.2023)

Der Rechtsextremismus der FW-Chefs musste sich nicht erst kontinuierlich entwickeln.

Schon als Teenager war er an seiner Schule, dem Burkhart-Gymnasium in Mallersdorf-Pfaffenberg, als Antisemit und Nazi-Sympathisant auffällig und bekannt.

Als Reaktion auf den "Schülerwettbewerb Deutsche Geschichte um den Preis des Bundespräsidenten" verfasste der 17-Jährige Hubsi ein derartig antisemitisch-extremes Flugblatt, daß er in einer funktionierenden Demokratie sofort in Schimpf und Schande zurücktreten würde.

Der Vize-MP versucht sich aus der Affäre zu lügen, allerdings sind die Recherchen der SZ detailliert und vielfach belegt.

[…..] Seit Wochen steigen die Umfragewerte von Hubert Aiwanger, ein Mann, von sich selbst berauscht. Aber jetzt ist da dieses Flugblatt, das er als Siebzehnjähriger geschrieben haben soll, eine Hetzschrift, in der es um das „Vergnügungsviertel Auschwitz“ geht, um antisemitische Fantasien. [….] Das Papier ist im Schuljahr 1987/88 am Burkhart-Gymnasium in Mallersdorf-Pfaffenberg aufgetaucht, Niederbayern. Hier ist Hubert Aiwanger zur Schule gegangen, hier in der Nähe ist er groß geworden, hier hat die SS jüdische KZ-Häftlinge auf Todesmärsche getrieben. Im Schuljahr 1987/88 nimmt das Gymnasium an einem Erinnerungswettbewerb teil, „Deutsche Geschichte“. Hubert Aiwanger, der Elftklässler, strafmündig, bald volljährig, soll sein eigenes Preisausschreiben erfunden haben, antisemitische Fantasien. Das Flugblatt, ein Papier aus der Vergangenheit, das womöglich eine Linie ins Heute zieht. Die Überschrift liest sich wie ein Boykottaufruf für den echten Wettbewerb: „Wer ist der größte Vaterlandsverräter?“ Bewerber möchten sich im „Konzentrationslager Dachau zu einem Vorstellungsgespräch“ melden, Einsendeschluss: 1.1.88. Das Flugblatt lobt Preise aus. Erster Preis: „Ein Freiflug durch den Schornstein in Auschwitz“. Zweiter Preis: „Ein lebenslänglicher Aufenthalt im Massengrab“. Dritter Preis: „Ein kostenloser Genickschuß“. Vierter Preis: „Einjähriger Aufenthalt in Dachau“. Fünfter Preis: „Eine kostenlose Kopfamputation durch Fallbeil“. Sechster Preis: „Eine Fahrkarte in die ewigen Jagdgründe“, in Klammern: „Erfüllungsort ebenfalls das Vergnügungsviertel Auschwitz und Nebenlager“. Alle Gewinner würden „noch im Laufe des Januars abgeholt“.

Die SZ hat mit rund zwei Dutzend Personen gesprochen, die Hubert Aiwanger aus dessen Schulzeit kennen, mit früheren Lehrkräften, früheren Klassenkameraden. Mehrere dieser Personen sagen, Aiwanger sei als Urheber dieses antisemitischen Pamphlets zur Verantwortung gezogen worden. Ein Lehrer, der damals dem Disziplinarausschuss angehörte, sagte der SZ, dieser habe „Aiwanger als überführt betrachtet, da in seiner Schultasche Kopien des Flugblatts entdeckt worden waren“. Ein anderer sagte, Aiwanger habe seine Urheberschaft nicht bestritten.  […..]

(Katja Auer, Sebastian Beck, Andreas Glas, Johann Osel und Klaus Ott, 25. August 2023)

Es sind nur noch wenige Wochen bis zur Bayerischen Landtagswahl am 08.10.2023.

Gut möglich, daß die Bajuwarioten ihrem stellvertretenden Ministerpräsidenten auch dieses, das abartigste Nazi-Pamphlet, das ich je von einem regierenden Nachkriegspolitiker in Deutschland gesehen habe, verzeihen.

Donnerstag, 24. August 2023

Erzkonservative Rüpel.

Markus Söder ist mit seiner Fotographen-Privatarmee immer unterwegs, um Social media mit Content zu fluten. Er hat schon zu allem alles, und zu dem meisten auch das Gegenteil dessen, gesagt. Das ist auch wichtig, denn mit seiner Dauermedienpräsenz lenkt er von all den Fehlleistungen, Pleiten, Personalproblemen und Pannen ab, die er ebenso zuverlässig produziert.

So hat man seinen Fehlgriff Stephan Mayer, *1973, von Februar 2022 zehn Wochen lang Generalsekretär der CSU, bereits vergessen, obwohl der hochaggressive irre Brüllaffe, der Journalisten bedrohte und log wie gedruckt, natürlich ein Söder-Mann und Schande einer konservativen Partei war. Nach der BAMF-Affäre, Maskenaffäre und der vorgetäuschte Anwesenheit im Bundestag, brachte ihn erst die Erpressung Manfred Otzelbergers zu Fall.

(….) Ausgerechnet am heutigen UNESCO-Welttag der Pressefreiheit, passt eine Personalie aus der CSU gut ins Bild.

Es ist ein absolutes Debakel für Markus Söder; nach nur zwei Monaten muss Generalsekretär Stephan Mayer, seine neue Hoffnung für den CSU-Landtagswahlkampf, hinschmeißen.

[….] "Kurz vor Mayers Rücktritt hatte die »Bild« berichtet, der Politiker habe einen Journalisten bedroht. Demnach soll Mayer einem Reporter des Promi-Magazins »Bunte« mit persönlicher Vernichtung gedroht haben. Wörtlich soll Mayer dem Journalisten am Telefon gesagt haben: »Ich werde Sie vernichten. Ich werde Sie ausfindig machen, ich verfolge Sie bis ans Ende Ihres Lebens. Ich verlange 200.000 Euro Schmerzensgeld, die müssen Sie mir noch heute überweisen.«" [….]

(SPON, 0.05.2022)

Die CSU verlangt traditionell Hofberichterstattung vom BR und dem ZDF. Nach unliebsamen Berichten, gibt es unangenehme Anrufe aus der Söderschen Staatskanzlei.

Wie es General Mayer mit der Pressefreiheit hält, ist also auch klar geworden. (….)

(Bergab in den USA, bergab in Deutschland, 03.02.2022)

Rüpeleien und Handgreiflichkeiten sind bei den CDUCSU-Alphamännern nicht so selten. Immer mal wieder fallen die selbsternannten Bürgerlichen als Schläger auf:

·        Gegen den Vorsitzenden des NSA-Untersuchungsausschusses im Bundestag, Patrick Sensburg (CDU), ermittelte 2015 die Staatsanwaltschaft, nachdem er gegen seine Freundin handgreiflich wurde.

·        Christoph Tölle (36), CDU-Ratsherr in Lünen und ehrenamtlicher Richter, vermöbelte 2016 seine Ehefrau und sah sich anschließend polizeilichen Ermittlungen ausgesetzt.

·        Hans-Josef Bähner, CDU-Mitglied, seit 2014 für seine Partei im Stadtteilparlament Köln-Porz, stand im November 2021 wegen gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und unerlaubten Waffenbesitzes vor dem Kölner Landgericht und wurde zu einer langen Haftstrafe verurteilt.

·        Zwei Mitglieder der Thüringer CDU prügelten sich 2018 um eine Prostituierte und standen darüber hinaus 2019 vor Gericht, weil sie sich gegenseitig des Diebstahls bezichtigten.

·        3750 Euro musste 2021 der Tempelhof-Schöneberger CDU-Bezirksverordnete Harald Sielaff laut Berliner Staatsanwaltschaft an eine Organisation gegen Rechtsextremismus zahlen, nachdem er in Kreuzberg betrunken rassistisch rumpöbelte und dann zwei Imbiss-Angestellte tätlich angriff.

·        Ebenfalls wegen Körperverletzung ermittelte 2021 die Staatsanwaltschaft Stralsund gegen Michael Sack, den Landrat aus Vorpommern Greifswald, der auch CDU-Landeschef und CDU-Spitzenkandidat war.

·        Marcus Steinhart (CDU), Oberbürgermeister von Glauchau, stand im Mai 2023 wegen Körperverletzung vor Gericht, weil er einen Schüler verprügelt hatte.

Es passt zu dem konservativen Selbstverständnis von CDU, AfD und CSU, daß sie nicht nur allgemein krimineller, als Rote, Linke und Grüne sind, sondern insbesondere eine signifikant stärkeren Hang dazu haben, Schwächere zu schlagen – so wie es schließlich auch ihre Bibel verlangt.

Nicht gerade für sein sonniges Gemüt bekannt, ist auch einer der bekanntesten CDU-Stars, der Außenpolitik-Experte Roderich Kiesewetter, 59, Oberst a. D. der Bundeswehr.

Der stets direkt gewählte Abgeordnete des Bundestagswahlkreises Aalen – Heidenheim sitzt seit 2009 im Bundestag und mag es gar nicht, wenn man ihm widerspricht. Als sein Parteikollege Ministerpräsident Kretschmer sich gegen die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern aussprach, platzte Oberst Kiesewetter die Hutschnur.

[….] Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sprach sich in einem Interview mit dem Spiegel vehement gegen die Lieferung aus. „Wollen wir wirklich in Kauf nehmen, dass deutsche Raketen in Russland einschlagen könnten?“, erklärte der CDU-Politiker. Er sei „ganz klar gegen die Lieferung von Marschflugkörpern“. Die Bundesregierung überschreite immer wieder selbst gesetzte rote Linien. Er forderte „neue, intensive diplomatische Initiativen des freien Westens“.

Diese Einstellung brachte nun seinen Parteikollegen Roderich Kiesewetter auf die Palme. „Es sind nach Übergabe ukrainische Raketen!“, schrieb der CDU-Verteidigungsexperte auf Twitter/X als Antwort. Und weiter: „Warum nimmst Du hin, dass Infineon-Chips aus Sachsen in russischen Raketen ukrainische Kinder töten und Familien zerstören? Warum hast Du eine doppelte Moral??? Ich bin enttäuscht wie entsetzt!“ [….]

(FR, 16.08.2023)

Wenig verwunderlich, daß sich der stramm rechte CDU-Mann noch wesentlich aggressiver ausdrückt, wenn es nicht gegen mächtige Parteifreunde, sondern einfache Menschen geht.

[….] Der Außenpolitiker und Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter (CDU) soll auf dem Ellwanger Stadtfest (Ostalbkreis) Ende Juli das Personal einer Sicherheitsfirma beleidigt haben. Der Chef einer Ellwanger Sicherheitsfirma, Peter Odenwälder, bestätigt dem SWR, dass dabei ein KZ-Vergleich gefallen sei - in etwa der Satz: "Ihr seid ja schlimmer als KZ-Wächter". Gemeint war sein Sicherheitspersonal, das unter anderem den CDU-Politiker zu später Stunde aufforderte, einen Weinkeller auf dem Fest zu verlassen. Demnach galt die Aufforderung wegen des Ausschankschlusses um 1:30 Uhr für alle Gäste. Man habe Kiesewetter daraufhin in der Weinstube sitzen lassen, sagte der Chef der Sicherheitsfirma.   [….]

(SWR, 24.08.2023)

Mittwoch, 23. August 2023

Demokratie hat wieder einmal das Nachsehen

In einer großen Industrienation ist nicht nur der Regierungschef sehr mächtig, sondern auch jeder einzelne Minister gebietet über einen großen Apparat mit tausenden Mitarbeitern. Ähnliches gilt für andere Behördenchefs, Militärführer oder regionale Chefs.

Scholz, Biden, Sunak und Macron brauchen also hunderte zuverlässige, kompetente Führungspersönlichkeiten. Jeder einzelne von ihnen verfügt nämlich über genug Einfluß, um dem Regierungschef und dem Land durch schlechte Entscheidungen schwer zu schaden.

Inkompetente Minister wird man schwer wieder los. Entlassungen, wie bei Scharping oder Röttgen, sind äußerst selten. Lieber läßt man es nach freiwilligen Rücktritten aussehen (Schavan, Guttenberg, Glos, Spiegel, Lambrecht), die der Chef offiziell bedauert.

Klar, wenn man jemand aus der eigenen Partei feuert, gibt man zu, sich bei der Berufung desjenigen geirrt zu haben. Entledigt man sich eines Angehörigen einer anderen Partei, gibt es Koalitionskrach. Und in allen Fällen verfügt der Ex über Insiderwissen, welches in Kombination mit Rachegedanken sehr schädlich sein kann. Siehe Oskar Lafontaine.

Donald Trump kann nein Lied davon singen.

Der Depp war auf einen Wahlsieg 2016 überhaupt nicht vorbereitet, log wie üblich „I hire only the best people“, um dann unablässig Regierungsmitglieder zu verlieren.  

Lange Zeit dachte ich, nur Mike Pence, der devote Mann bar jeder Selbstachtung, würde die volle Amtszeit an der Seite seines orangen Herren dienen. Aber selbst ihn wollte Trump auf den letzten Metern hängen sehen.

Die meisten der Ex-Topmitarbeiter der Trump-Administration sind zwar rückgratlose miese Wiesel, die sich nicht trauen, ihrem korrupten Chef öffentlich zu widersprechen, so lange die reale Chance besteht, daß er erneut Präsident werden könnte. Aber für den Mann, der in fünf Jahren 50.000 mal das Volk anlog, sind die Durchstechereien an die Presse und Aussagen gegenüber staatsanwaltschaftlichen Ermittlern, lästig genug.

Noch einmal darf das nicht passieren und deswegen sollen bei einer zweiten Trump-Präsidentschaft, wesentliche Teile der Demokratie und Verfassung lahmgelegt werden, um eine präsidentielle Quasi-Diktatur zu errichten.

[….] Unter dem Namen "Projekt 2025" bereiten Hunderte Konservative die erhoffte zweite Amtszeit von Ex-US-Präsident Trump vor. Experten sprechen von einer "aggressiven Strategie", die dem Präsidenten deutlich mehr Macht geben soll. [….] "Was wir tun ist, uns systematisch vorzubereiten auf den Marsch ins Regierungsamt", so Projektleiter Paul Dans bei einer Podiumsdiskussion der Heritage Foundation. Sie arbeitet für das Projekt mit rund 50 anderen, zum Teil neu entstandenen Organisationen zusammen. "Wir werden eine ganze Armee loyaler, gut vorbereiteter und politisch gut bewaffneter Konservativer zum Einsatz bringen für die Schlacht gegen den 'tiefen Staat'." [….]

(Tagesschau, 01.08.2023)

Es ist völlig verständlich, daß Trump voller Neid und Bewunderung auf die Herrschaftssysteme Salman, Kim, Putin und Xi blickt.

Da muckt keiner öffentlich auf. Da gibt es keine Ex-Mitarbeiter oder Nichten oder Brüder oder Onkel, die einen kritisieren. Die verschwinden einfach.

[….] Kim Jong Nam starb am 13. Februar 2017 in einem Krankenhaus in Kuala Lumpur. Nur wenige Stunden vorher wurde ihm am Flughafen eine Flüssigkeit ins Gesicht gespritzt, wie er dem Flughafenpersonal erklärte. Der Nervenkampfstoff VX, ein tödliches Gift, das schon von Saddam Hussein bei einem Gasangriff 1988 gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt haben soll.   [….]

(FR, 16.02.2021)

Fallen auf einem Flughafen um, werden von einem Flak-Geschütz atomisiert, stolpern aus einem Hochhausfenster. Man kann so viel Pech haben!

[….] Seit Wochen verschwunden – Chinas Außenminister aus Amt entfernt

Über den Verbleib des chinesischen Außenministers Qin Gang wird seit Langem spekuliert. Nun ist er Staatsmedien zufolge seines Amtes enthoben worden.  [….]

(SPON, 25.07.2023)

Lange dachte man, der Ex-Geheimdienstoffizier Wladimir Putin herrsche ungefährdet im Kreml. Bis dann plötzlich Jewgeni Wiktorowitsch Prigoschins Marsch auf Moskau zeigte, wie instabil Russland ist. Die europäischen Russland-Experten staunten, wieso sich Putin das gefallen ließ; weswegen dem Wagner-Chef nicht sofort der Prozess gemacht wurde, wieso er nicht die nächsten 20 Jahre Nawalny Gesellschaft leisten würde. Stattdessen blieb er auf freien Fuß.

Aber auch Prigoschin hatte dann fürchterliches Pech und stürzte heute mit einem Flugzeug nahe Moskau ab.

[….] Der Chef der Söldner-Gruppe Wagner, Prigoschin, ist wahrscheinlich tot. Laut russischer Luftfahrtbehörde befand er sich an Bord eines Flugzeuges, dass in der Region Twer abstürzte. Auch die Nummer zwei der Wagner-Gruppe, Utkin, soll zu den Insassen gezählt haben.

Wenige Stunden nach einem Flugzeugabsturz in der russischen Region Twer hat die Luftfahrtbehörde des Landes offiziell bestätigt, dass sich auch der Chef der Söldnergruppe Wagner an Bord der Maschine befunden hat. Auch dessen Stellvertreter und Mitbegründer der Wagner-Gruppe, Dmitri Utkin, habe zu den Passagieren gezählt. Zuvor hatte die Luftfahrtbehörde lediglich von zehn Passagieren an Bord gesprochen: sieben Fluggäste und drei Crewmitglieder. Vermutlich habe keiner der Insassen den Absturz überlebt. [….]

(Tagesschau, 23.08.2023)

Wenn ihn nicht sein oranges Spray-Tan MakeUp hinderte, würde Trump nun vor Neid erblassen. Stattdessen muss er sich mit den öffentlichen Äußerungen der quicklebendigen Michael Cohens und William Barrs abärgern.

Dienstag, 22. August 2023

Deutschland ökonomisch Letzter. Danke FDP

Daß der Eintritt der FDP in die Bundesregierung eine sozialpolitische Katastrophe nach sich ziehen würde, den Klimaschutz massiv behindert und ungenierte Lobbyarbeit für die Superreichen bedeutet, kann niemand überraschen. Dennoch gab es offensichtlich viele, die ihr Kreuz bei den Hepatitisgelben machten, weil sie sich davon versprachen, die Wirtschaft zu stärken.

Nach primitiven Politikverständnis lautete die Formel: Die Ampel könne sich gut ergänzen, weil alle gemeinsam die CDU-Verkrustungen nach gefühlt 160 Jahren Merkel und Altmaier aufbrechen wollten. Es biete sich eine perfekte Aufgabenteilung an: SPD kümmert sich um sozialen Frieden und Gerechtigkeit, die Grünen machen Klima und Umweltschutz; Lindners Leute bringen Digitalisierung und Wirtschaft in Schwung.

Eine naive Vorstellung, die auf der falschen Prämisse beruhte, daß die FDP über zumindest rudimentäre ökonomische Kompetenz verfügt. Aber weit gefehlt.

Die Gelben sind nicht nur völlig ahnungslos und borniert, wenn es um Wirtschafts-, bzw Finanzpolitik geht, sondern so katastrophal outdatet, daß sie quasi im Alleingang der deutschen Ökonomie den Saft abdrehen.

Wirklich besorgniserregend ist dabei die Kompetenz-Resistenz der Lindneristen, die auch die geballten Anstrengungen aller Fachleute stoisch ignorieren.

[….] 61 Organisationen aus Wissenschaft, Verbraucher- und Kinderschutz appellieren in einem offenen Brief an die FDP-Führung, das geplante Werbeverbot für ungesunde Kinderlebensmittel zu unterstützen. Mit ihrer Ablehnung stelle sich die Partei "gegen den einhelligen Konsens in der Wissenschaft und unter Fachorganisationen", heißt es in dem Schreiben, das der Süddeutschen Zeitung vorab vorlag. Dies bedeute "eine klare Absage an den Gesundheitsschutz von Kindern und Jugendlichen". Zu den Unterzeichnern gehören der AOK-Bundesverband, der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, die Deutsche Diabetes Gesellschaft, das Deutsches Krebsforschungszentrum und das Deutsche Kinderhilfswerk. Die Gruppierungen drücken in dem an FDP-Chef Christian Lindner gerichteten Brief ihre "große Sorge" über jüngste Äußerungen von FDP-Vertretern aus.  [….]

(SZ, 20.08.2023)

Statt auch nur daran zu denken, auf Fachleute zu hören, verfällt der Parteichef lieber in rassistischen Populismus.

Am Wochenende begründete Lindner seine Verweigerung der Kindergrundsicherung damit, es wären doch bloß die Migrantenkinder, die in Armut lebten. Für die sei aber deutsches Steuergeld zu schade.

[….]  Das alles passiert, während vor allem bei der FDP und CDU Rufe laut werden, Sozialleistungen weiter zu kürzen. Kürzungen würden politisch vernachlässigte und von Armut betroffene Gruppen, wie viele Behinderte und Alleinerziehende, besonders treffen.

Als ob das nicht schlimm genug wäre, mischt sich der latente Rassismus, den man von CDU und FDP gewohnt ist, dazu. Christian Lindner zum Beispiel hat beim Tag der offenen Tür seines Ministeriums am vergangenen Wochenende die Kinderarmut auf Migrant*innen geschoben. Prompt wurde er widerlegt.

Marcel Fratzscher, Professor für Makroökonomie an der Berliner Humboldt Universität, hat auf X (Ex-Twitter) klargestellt, dass die „ursprünglich deutschen Familien“, wie Lindner sagt, nicht wegen besseren Lebensstandards aus der Armut gekommen seien, sondern weil noch ärmere Familien hinzugekommen seien, was das mittlere Einkommen in Deutschland insgesamt reduziert habe.

Wenn Politiker*innen wie Lindner die soziale Frage an die Herkunft koppeln, scheint er auch um die Aufmerksamkeit der AfD und ihrer Fans zu buhlen. Dabei müssen politische Entscheidungen so weit weg wie möglich von rechtsextremistischen Ideologien stehen.

Im Nationalsozialsozialismus wurden Behinderte und Armutsbetroffene systematisch geächtet. [….]

(Amina Aziz, 23.08.2023)

Daß Deutschland als einzige der G7-Ökonomien schrumpft, liegt an mehreren Faktoren. Es fehlt an Fachkräften, die Digitalisierung hängt weit zurück und vor allem ist Deutschland sehr Industrie-abhängig und Export-lastig.

Industriegüter zu produzieren kostet aber viel Energie und die ist in Deutschland sehr teuer, weil die Energiewende verschlafen wurde und der Ausbau der von fossilen Energieträgern unabhängigen Versorgung stockt.

Die Industrieriesen China und USA haben massive staatliche Programme aufgelegt, um Solar- und Windenergie auszubauen. Im Gas-abhängigen Deutschland wäre das umso notwendiger und auch umso leichter möglich, weil die Staatsverschuldung im Vergleich mit den anderen Nationen gering ist. Wie sollen Unternehmer ihre Investitionen planen, wenn sie keine Ahnung haben, wie sich der Strompreis entwickelt? Die Bundesregierung müsste Planungssicherheit schaffen.

Allein, es geschieht nicht, weil FDP.

[……]  In dieser Situation sollte die Bundesregierung den Firmen bessere Anreize bieten, langfristig in Deutschland zu produzieren und zu investieren. Dazu gehört ein verlässlicher Ausbau erneuerbarer Energien von Wind und Solar bis zu Wasserstoff, der fossile Kostenschocks wie sie etwa durch den russischen Angriffskrieg entstanden sind, verhindert und auf Dauer günstige Preise schafft. Durch das monatelange friendly fire des Heizungsstreits hat die Ampel-Koalition jedoch Zweifel gesät, dass sie die Energiewende wirklich durchzieht. Die Straßenbau- und Verbrenner-Liebe von Verkehrsminister Volker Wissing erweckt den Eindruck, Klimaschutz sei in dieser Koalition nur Beiwerk. Warum sollen die Firmen dann glauben, dass die Regierung konsequent Genehmigungen vereinfachen und Geld bereitstellen wird, um erneuerbare Energie zu vervielfachen und so dauerhaft ihre Kosten zu senken? […..]

(Alexander Hagelüken, 18.08.2023)

Die Industrie- und Export-lastige deutsche Wirtschaft kann sich zwar auf Habeck verlassen, der versteht, wo der Schuh drückt. Aber der Vizekanzler wird vom gelben Kassenwart blockiert.

[……] Damit Bereiche wie die Chemie erst gar nicht abwandern, sollte die Ampel Strom für die Produktion übergangsweise verbilligen - mit dem Industriestrompreis, den der grüne Wirtschaftsminister Robert Habeck plant, aber die FDP blockiert.

Geld für die Energiewende und Übergangshilfen: Solch staatliche Industriepolitik gilt in der Bundesrepublik ideologisch als verpönt. Es wäre jedoch töricht, den Standort in ordoliberaler Schönheit sterben zu lassen. Es bedarf eines wirtschaftspolitischen Updates an die veränderten Zeiten. Die USA könnten durch die massiven Subventionen des Inflation Reduction Act Wind- und Solarstrom binnen weniger Jahre günstiger machen als sonstwo auf der Welt.  […..]

(Alexander Hagelüken, 18.08.2023)

Die bornierten FDPler blockieren jede sinnvolle Maßnahme, die der Wirtschaft langfristig helfen würde und schieben lieber ihren reichen Gönnern direkt Steuergelder in die Tasche. Zudem ist Lindner von einer naiven schwäbische-Hausfrau-Denke blockiert, die alle anderen Industrieländer längst abgelegt haben. Deswegen wächst ihre Wirtschaft und nur die Deutsche schrumpft.

[……] Doch die Ampel-Koalition ist durch Lindners Bestreben gelähmt, sich als Sparkommissar zu profilieren. Dabei besteht keine ernsthafte Gefahr, dass Deutschland in gefährliche Verbindlichkeiten gerät. Die Staatsschuldenquote pendelt seit der Jahrtausendwende zwischen 60 und 80 Prozent der Wirtschaftsleistung, also auf einem international niedrigen Niveau. Als in der Finanzkrise mal höhere Ausgaben nötig waren, führte die Regierung die Quote anschließend zurück. Die Zinsbelastung erscheint aktuell weiterhin niedriger als in früheren Zeiten.

Ökonomisch gesehen könnte die Ampel-Koalistion also mehr Geld ausgeben. Es wirkt wie ein schlechter Witz, dass die Bundesrepublik 2023 konjunkturell Klassenletzter wird und gleichzeitig das geringste Etatdefizit aufweist: So spart man sich das Wachstum weg. Die übrigen Industriestaaten gehen einen anderen Weg - und beleben in diesen Krisen-Zeiten lieber ihre Wirtschaft, als einen Supersparpreis zu gewinnen. Deutschland sollte sich daran ein Beispiel nehmen.  […..]

(Alexander Hagelüken, 18.08.2023)

Es ist ein Jammer. Die FDP ist nicht nur eine chauvinistische, antiwissenschaftliche, latent rassistische, destruktive Lobby-Partei.

Sie versteht auch leider rein gar nichts von Wirtschaft.

Montag, 21. August 2023

TV-Erkenntnisgewinn

Christine Strobl, *1971, erzkonservative Ehefrau Thomas Strobls, des stellvertretenden CDU-Ministerpräsidenten von Baden Württemberg und langjährigen stellvertretenden Vorsitzenden der CDU Deutschlands, ist auch die Tochter des Geldkoffer-Lügners Wolfgang Schäuble.

Und sie ist ARD-Programmdirektorion, die sich die verschiedenen Talkshowformate zur Brust nimmt.

[….] Die großen Talkshows der ARD, Anne Will, Maischberger und Hart aber fair, müssen sich derzeit bewähren. Denn das oberste Kontrollgremium der ARD, die Gremienvorsitzendenkonferenz (GVK), [….], hat die Talkshows der ARD explizit zum Prüffall erklärt. Das geht aus einem internen Dokument hervor, das der SZ vorliegt. Darin heißt es, die GVK bitte den ARD-Vorsitzenden Kai Gniffke und die ARD-Programmdirektorin Christine Strobl "mit Blick auf die Ende 2023 auslaufenden Verträge der Polit-Talks im Ersten um zeitnahe Information und beratende Einbeziehung hinsichtlich einer künftigen crossmedialen Gesamtkonzeption" von Anne Will, Maischberger und Hart aber fair. Die GVK formulierte dabei, bereits Ende April war das, auch konkrete "Erwartungen".[….] Aus ihnen ist ungewöhnlich deutliche Kritik herauszulesen. "Talkshows müssen sich in ihrer Machart, ihrem Profil und Inhalt deutlich voneinander unterscheiden, um nicht zuletzt unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen. Es genügt nicht, sich nur durch unterschiedliche Moderatoren-Persönlichkeiten zu unterscheiden." [….] Das Branchenmagazin Meedia zählt jährlich, welche Gäste am häufigsten in den fünf großen Talkshows der Öffentlich-Rechtlichen auftauchen, neben den drei im Ersten also auch in den ZDF-Sendungen von Maybrit Illner und Markus Lanz. 2022 gewann das Ranking der CDU-Politiker Norbert Röttgen mit 21 Talkshow-Auftritten, gefolgt vom Welt-Journalisten Robin Alexander (19 Auftritte) und dem SPD-Vorsitzenden Lars Klingbeil (18 Auftritte). Die Wahrscheinlichkeit, einem von ihnen in einer beliebigen Talksendung des vergangenen Jahres zu begegnen, war hoch. [….]

(Aurelie von Blazekovic, 20.08.2023)

Frau Strobel hat Unrecht. Die ARD- und ZDF-Talkshows brauchen keine neuen Konzepte, um relevanter zu werden und Zuschauer zurück zu gewinnen.

Das Format Talkshow – ein Moderator, der zwei, drei oder vier relevante Menschen miteinander diskutieren lässt – ist nach wie vor gut.

Leider sind weder für ARD, noch ZDF, gute Moderatoren im Einsatz, sondern nur sichtlich selbstverliebte und/oder desinteressierte Gecken, die nicht auf den Inhalt der Aussagen achten, sondern tumb eine Reihenfolge abarbeiten, um ganz unabhängig von Qualität der Redeflüsse, ähnliche Quantität zu generieren.

Das zweite Problem ist zeitraubender Schnickschnack, wie Studiopublikum, Zuschauerfragen und Einspielfilmchen.

Drittens leiden alle Formate an wirklich schlechten Redaktionen, die immer nur dieselben Gäste anfragen.

Talkshows können aber auch gut sein, weil einige Folgen des „internationalen Frühschoppens“ oder frühere Highlights mit Volker Panzer, Juliane Bartels, Lea Rosh, Friedrich Küppersbusch, oder Roger Willemsen beweisen.

Lanz, Will und Maischberger sind dazu einfach zu schlecht.

Der Internationale Frühschoppen funktioniert meistens besser, weil statt Selbstdarstellern, tatsächlich kompetente Fachleute eingeladen werden.

Ich bin beispielsweise ein Riesenfan von Cathryn Clüver Ashbrook, die Außen- und geopolitische Zusammenhänge nicht nur bestens versteht, sondern auch hervorragend erklären kann. Die hochgebildete, 47-Jährige, deutschamerikanische Journalisten und Analystin, ist stets auf dem Laufenden und bringt dem Publikum die Dinge nah, die man besser auf einem Primetime-Sendeplatz bei einem Hauptsender verbreiten sollte, statt sie in der morgendlichen Phoenix-Nische zu verstecken. Hier versagt also nicht etwa das Sendeformat „Talkshow“, sondern die CDU-Frau Strobl.

In der aktuellen Sendung über den Ukrainekrieg, der inzwischen 500.000 Tote und Verletzte forderte, verwies Clüver-Ashbrook unter anderem auf eine Studie aus Uppsala, die auf einen mehr als zehnjährigen Abnutzungskrieg hindeutet.

[…..] Die Wahrscheinlichkeit eines langwierigen Krieges ist hoch, wie die Zeitschrift Foreign Affairs Anfang Juni in einem Artikel betonte. Die Autoren beriefen sich auf eine Studie des Zentrums für Strategische und Internationale Studien (CSIS), in der Daten der Universität Uppsala aus den Jahren 1946 bis 2021 ausgewertet wurden.

Demnach endeten 26 Prozent aller zwischenstaatlichen Kriege in weniger als einem Monat. Weitere 25 Prozent fanden innerhalb eines Jahres ihr Ende. Die Studie ergab allerdings auch, dass "zwischenstaatliche Kriege, die länger als ein Jahr dauern, im Durchschnitt über ein Jahrzehnt andauern". Sollte der Ukraine diese Kriegsdauer beschieden sein, wäre es nicht nur eine Katastrophe für die Ukraine, sondern auch für ihre Unterstützer. Der Krieg würde nicht nur das Potenzial einer weiteren Eskalation in sich bergen, sondern würde auch die Kassen der westlichen Staaten überlasten. Schon heute kann die Ukraine kaum einen Schritt ohne westliche Hilfen gehen.  [….]

(Telepolis, 13.08.2023)

Noch zehn  oder 20 Jahre Krieg in Europa mit Millionen Toten und den weiteren direkten Folgen (Weizenkrise, Hunger, Klimapest), ohne daß irgendjemand den Wahnsinn aufhalten kann? Ein Unwinnable War für ewig?

Clüver-Ashbrook verweist auch auf das Ende des Korea-Krieges, bei dem, anders als die Russen und Ukrainer, beide Parteien Waffenstillstand wollten und es dennoch 575 diplomatische Treffen in zwei Jahren bedurfte.

Davon kann in Kiew und Moskau nicht die Rede sein. Außerdem fehlt es an großen internationalen Playern, die Druck machen, weil alle zu viel zu verlieren haben und unter innenpolitischem Druck stehen.

Ohne Joe Biden ist die Ukraine erledigt. Der hat aber zunehmend Schwierigkeiten zu helfen, weil die Militär- und Finanzhilfen in den USA zutiefst unpopulär sind und im nächsten Jahr gewählt wird. US-Amerikaner wissen gar nicht, wo diese Ukraine liegt und verstehen nicht, wieso sich nicht die Europäer darum kümmern.

Die EU kann aber nicht, weil sie zu dysfunktional ist und die nationalen Regierungen unter starkem Druck von ganz Rechts stehen. Rechts sind die Russlandfreunde. Le Pen und AfD – aber auch CDU-Größen, wie der sächsische Ministerpräsident und Putin-Freund Kretschmer stellen sich aus populistischen Gründen gegen Waffenlieferungen.

Idealerweise fänden die vernünftigen Staatschefs der NATO eine gemeinsame Strategie mit einem klaren Ziel, das sie ihrer Bevölkerung erklären können.

Das geht aber nicht, weil es gar kein befriedigendes Szenario gibt.

Die Ukraine lehnt kategorisch Gebietsabtretungen ab, die auch schon deswegen problematisch wären, weil damit Aggressoren signalisiert würde, daß sich Angriffskriege lohnen. Wenn aber keine Kompromisse möglich sind bleiben nur zwei Optionen:
A, der vollständige Sieg Russlands mit einer klaren Botschaft an Saudi Arabien, China, Türkei, etc:  Wir können jetzt auch unsere Nachbarn überfallen und uns etwas aus ihrem Territorium rausschneiden. Byebye Taiwan und Litauen und Georgien und Jemen. Außerdem gäbe es extreme zusätzliche Flüchtlingswellen.

B, der vollständige Sieg der Ukraine über Russland. Das wäre aber für die NATO noch ungemütlicher, zumal Jewgeni Wiktorowitsch Prigoschins Marsch auf Moskau bereits zeigte, wie instabil Russland jetzt schon ist. Ein Kreml ohne Putin, in dem sich War Lords die hochmodernen russischen Atomwaffen unter den Nagel reißen und das größte Land der Erde ins Chaos stürzen, wäre ein Worst Case Szenario.

Tauende russische Nuklear-Sprengköpfe bleiben ein gewaltiges Problem.

Putin setzt sie nicht ein, weil er auf die US-Wahl guckt. Zöge Trump erneut ins Weiße Haus ein - und die Möglichkeit besteht angesichts des zu Gunsten der Republikaner manipulierten US-Wahlsystems und der Dummheit großer Teile der Bevölkerung durchaus – wäre das mit einiger Wahrscheinlichkeit das Ende der NATO. Putin hätte freie Hand.

Gewinnt Biden noch einmal und schafft es womöglich die Waffenlieferungen an die Ukraine so auszubauen, daß Russland an den Rand einer Niederlage gerät, könnte ein untergehende Putin auch selbst das Atomarsenal starten.

Daher spricht einiges dafür, daß viele NATO-Staaten insgeheim sogar einen langen blutigen Abnutzungskrieg bevorzugen. Die Alternativen sind noch risikoreicher.

Sonntag, 20. August 2023

Woelkis Wichser

Da ich aus einer liberalen und säkularen Familie stamme, war ich schon als Kind über die Funktionsweise der Geschlechtsorgane informiert. Wie so ziemlich jedes andere Kind, das in den 1970er und 1980ern zur Schule ging, hatte ich auch phasenweise Kontakt zur primitiv-Zeitschrift „BRAVO“ und interessierte mich parallel zu meiner eigenen Pubertät für die dort bebilderten Sexgeschichten, ohne jedoch aus allen Wolken zu fallen. Ich behaupte, 99% der Pubertierenden interessieren sich für Sex, weil es ein natürlicher Trieb ist und man die Veränderungen am eigenen Körper nicht übersehen kann.

Das ist auch evolutionär notwendig, denn Menschen und Tiere mussten zu jeder Zeit, egal wie kulturell prüde sie war, sexuell aktiv sein. Das war auch immer so. Vor 1.000 Jahren, vor 100.000 Jahren vor 100 Millionen Jahren. Anderenfalls würden wir heute nicht existieren. Sexuelle Aufklärung spielt offenbar für die Vermehrung und das Überleben einer Art keine Rolle. Wenn eine Tierart aber, anders als Bonobos oder Feldhamster, über Zivilisation und Wertekanon verfügt, will man der Grausamkeit der Natur Einhalt gebieten. Evolutionär sinnvolle Wege, wie Massenvergewaltigungen, große Harems, oder das Töten von Kindern anderer Männer, um seine eigenen Gene zu bevorzugen, kollidieren dann mit der Würde des Einzelnen. Daher wird individuelle sexuelle Aufklärung unumgänglich. Man muss die Vorgänge rund um den Geschlechtsverkehr kennen, um selbstbestimmt mit seinen, und den Trieben anderer, umzugehen.

Allgemein zugängliche Videorekorder gab es zu meiner Zeit noch nicht, kein Privatfernsehen und natürlich kein Internet. Eigene Phantasien spielten eine große Rolle, weil rein technisch nicht die Möglichkeit gab, auf die Phantasien anderer zurückzugreifen.

Das erste mal sah ich andere Menschen beim Geschlechtsakt auf der Hamburger Reeperbahn in einem entsprechenden Etablissement. Das erforderte einen gewissen Aufwand. Man muss zufällig in einer Stadt leben, die so ein Rotlichtviertel aufweist und natürlich alt genug sein, um selbstständig dorthin zu fahren.

Wie viele Angehörige meiner Generation, verfalle ich in regelrechten Kulturpessimismus, wenn ich an die Auswirkungen der für jedes Kind zugänglichen Smartphones denke. Wie wirkt es sich auf die eigene sexuelle Entwicklung aus, wenn man schon lange vor der Pubertät mit drastischen Pornos jeder erdenklichen Spielart überfüttert ist? Welche Bilder die eigene sexuelle Erregung triggern, hängt natürlich von der Verfügbarkeit der Reize ab.

In wilhelminischen Zeiten, die Stefan Zweig so meisterhaft in „Die Welt von gestern“ beschreibt, hatten pubertierende Jungs und unverheiratete Männer, keine Möglichkeit, etwas von der weiblichen Anatomie zu sehen und wurden dementsprechend sofort von Erektionen geplagt, wenn eine Dame beim Aussteigen aus der Kutsche, kurz nicht aufpasste und ein Teil ihres Knöchels unter den langen Röcken zum Vorschein kam.

So geht es den Männern heute noch in den Teilen der Welt, wo die Frauen Burka und Niqab tragen.

Da dort viel mehr Kinder geboren werden und Frauen früher Mütter werden, als in Ländern, in denen man, zumindest im Sommer, überall Damen im Bikini sieht, scheinen Verhüllungs- und Verdrängungsstrategien völlig untauglich zu sein, um Sex zu verhindern. Entsprechende Ergebnisse gibt es aus den prüden Red States der USA, wo Kondomautomaten verbannt werden, Sexualaufklärung verhindert wird und Promise-Keepers ihren Vätern bei einer feierlichen Ringübergabe schwören, mit dem ersten Sex bis zur Ehe zu warten: Je weniger Aufklärung, je weniger sexuelle Offenheit, desto früher der erste Sex, desto mehr ungewollte Schwangerschaften. Die Darstellung weiblicher Nippel (USA) oder gar die Sicht auf jede weibliche Form zu tabuisieren, funktioniert nicht.

In Schweden oder Holland hingegen, wird niemand mehr in sexuelle Raserei verfallen, wenn er ein nackten Damen-Unterschenkel sieht, weil dieser Trigger angesichts der moderneren Mode nun weit unter der Toleranzschwelle liegt.

Aber wo liegt eigentlich die sexuelle Reizschwelle für den GenZ, die schon vor der Pubertät en Detail Oral-, Anal und Vaginalverkehr auf dem Klugtelefon studierte?

Das liegt für mich, als Digital Immigrant, außerhalb der Vorstellungskraft.

Aber erstens nützt es nichts, diese Entwicklung zu beklagen, weil das Internet nicht wieder verschwindet. Zweitens zeigen alle Untersuchungen von Sexualwissenshaftlern, daß „die Jugend“ heute deutlich später als in den 1980ern das erste mal Sex hat und auch später Kinder bekommt.

Das Mindset eines Frühpubertierenden aus den 1980er Jahren, kann man offenbar nicht auf die Altersgenossen von heute übertragen. Bei ihnen führt die ständige Verfügbarkeit von Hardcore-Pornos offenbar gerade eben nicht zu einer Zunahme der Sexualkontakte und Frühsexualisierung.

[…..] Jugendliche immer später sexuell aktiv

Das „erste Mal“ findet später statt, als noch vor 10 oder 15 Jahren. Junge Menschen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren haben heute später erste sexuelle Erfahrungen als noch vor zehn oder 15 Jahren. Mädchen wie Jungen geben überwiegend zwei Gründe für die sexuelle Zurückhaltung an.

Auch wenn es scheint, dass Jugendliche in Deutschland vor allem über das Internet immer früher „sexualisiert“ werden, haben junge Menschen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren heute später erste sexuelle Erfahrungen als noch vor zehn oder 15 Jahren. Das geht aus einer Repräsentativbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurde.

Während sexuelle Aktivitäten unter den Vierzehnjährigen mit durchschnittlich vier Prozent (2005: Mädchen zwölf, Jungen zehn Prozent) noch die Ausnahme sind, hat im Alter von 17 Jahren mehr als die Hälfte schon Erfahrung mit Geschlechtsverkehr. Junge Frauen ohne Migrationshintergrund haben im Alter von 17 Jahren demnach zu knapp 70 Prozent (2005: 73 Prozent) schon das „erste Mal“ erlebt, bei den gleichaltrigen Frauen mit ausländischen Wurzeln sind es etwa 37 Prozent (2005: 55 Prozent). Unter den siebzehnjährigen Jungen sind es 64 beziehungsweise 59 Prozent (2005: 66 und 79 Prozent).  [….]

(FAZ, 03.12.2020)

Der Sexualtrieb ist omnipotent und läßt sich nicht unterdrücken. Er lässt sich aber durch individuelle Aufklärung im zivilisatorischen Zusammenhang, so lenken, daß möglichst wenige Menschen gegen ihren Willen zum Sex gezwungen sind.

Die katholische Kirche versteht selbstverständlich, wie stark der Sexualtrieb ist und so ist es einer ihrer genialsten Schachzüge, ausgerechnet so einen elementar notwendigen Trieb als Todsünde zu brandmarken. Da so gut wie jeder gegen das Sexualverbot verstößt, muss jeder Gläubige ein schlechtes Gewissen haben, sich vor der ewigen Hölle fürchten und so auf die Gnade der Geistlichen angewiesen sein.

Es hätte keinen Sinn, etwas zu ächten, das ohnehin niemand gern tut. Dann gäbe es keine Verstöße und keinen Grund sich mit Reliquien oder Ablässen freizukaufen.

Ein Kardinal wie Woelki weiß natürlich auch, das seine zum Zölibat und zur Heterosexualität gezwungenen Geistlichen und Priesteranwärter, von diesen unerfüllbaren Auflagen gequält werden. Daß sie die Enthaltsamkeit nicht aushalten.

Gut so, denn jedes Mal, wenn sie heimlich sündigen oder aber vom Regens dabei beobachtet werden, wie sie sich im Priesterseminar miteinander im Bett vergnügen, werden sie erpressbar und somit zu Gehorsam gezwungen.

Ein reges und erfülltes Sexualleben im Priesterseminar – womöglich sogar für einige Exoten mit so ungewöhnlichen Sexualpartnern wie FRAUEN – wäre also sehr gut für die mentale Verfassung der Geistlichen selbst und eine echte Hilfe für die Messdiener, welche dann entsprechend weniger stark untervögelte und sexuell frustrierte Pfaffen abwehren müssten.

Das Nachsehen hätte aber der konservative Kardinal, der a) mit der Schmach leben müsste, seine bisher als unveränderlich geltende Sexualmoral revidieren zu müssen und b) ein Disziplinierungsmittel verlöre, um junge Priester auf erzkonservativen Kurs zu zwingen.

Um sicher zu gehen, daß keiner seiner Geistlichen nach Dienstschluss eine Mormon-Boys-Pornowebsite aufruft, um sich masturbatorisch zu entspannen, ließ Woelki eine Sex-Kindersicherung in die bischöflichen Server schalten.

[….] Das Erzbistum Köln sieht sich jetzt dem Verdacht ausgesetzt, dass Mitarbeiter zahlreich versucht haben sollen, über Dienstrechner pornografische Internetseiten aufzurufen. Zu klären ist nun, ob das zum Teil auch strafrechtlich relevant ist. [….] Das Erzbistum Köln bestätigte auf Anfrage am Freitag, dass ihm eine Liste mit Zugriffsversuchen von Dienstrechnern auf Internetseiten mit Gewaltdarstellungen, Pornografie oder auch Drogen vorliege. Mitarbeitern des Erzbistums ist es nämlich verboten, solche Seiten aufzurufen. [….] Tatsächlich aufgerufen seien die Porno-Seiten ohnehin nicht, da ein Filter die Seiten automatisch blockiert habe, so das Erzbistum. [….] Nach Angaben von Joachim Frank, Chefkorrespondent des "Kölner Stadt-Anzeigers", stehen auf der Liste "mehr als 1.000 Zugriffsversuche" auf Seiten, die überwiegend unter die "Kategorie Pornografie" fallen. Unter jenen, die die Seiten versucht haben anzusteuern, seien auch "höchstrangige" Kleriker.  [….]

(WDR, 19.08.2023)

Die tauendfache Wichsverhinderung notgeiler Kölner Priester, mag ein Erfolg für die Digitalstrategie des erzkonservativen Kardinals sein.

Je mehr sexueller Frust unter den Soutanen, umso besser für eine strafende Obrigkeit.

Für Kinder, die von diesen Onanie-gebremsten Pfarrern „betreut“ werden, wird es umso gefährlicher.

Zumal die Hochwürden Samenstau offensichtlich nicht die hellsten Kerzen auf der Torte sind, wenn sie nach 999 vergeblichen Aufrufen einer Pornoseite, auch den 1000sten Versuch starten und wieder in der Kindersicherung landen.

Haben des Regens‘ Erregten keine privaten Internetanschlüsse, keine Klugtelefone?

Wieso versuchen sie es immer wieder über das Woelki-Web?

[….]  Woelki teilte dem SPIEGEL mit: »Es hat mich enttäuscht, dass Mitarbeitende versucht haben mithilfe von Geräten, die ihnen unser Erzbistum für ihren Dienst zur Verfügung gestellt hat, auf pornografische Seiten zuzugreifen – auch wenn die Firewalls gegriffen haben.« Als er davon erfahren habe, habe er darum gebeten, die Vorfälle umgehend zu prüfen. Nicht alle Mitarbeitende dürften nun unter Generalverdacht gestellt werden. [….] Der Mainzer Moraltheologe Stephan Goertz sagt: »Dass Kleriker Interesse an pornografischen Inhalten zeigen, überrascht nicht.« Die Geschichte sei auch deshalb skandalträchtig, weil »offenkundig nach wie vor versucht werde, den Schein der sexuellen Reinheit der Priester zu wahren.« Erst durch das Tabu werde Verhalten zum Ärgernis, das in anderen Institutionen keine Wellen schlagen würde. [….]

(SPON, 19.08.2023)

Sich bloß einen runterholen zu wollen, dann in Woelkis Firewall enden und die Staatsanwalt auf dem Buckel haben.

Willkommen in der Priesterwelt des Jahres 2023.

Samstag, 19. August 2023

Menschen verändern sich.

Es ist immer traurig, wenn man einen Freund, Bekannten, Politiker, Star oder Journalisten, den man lange schätzte, oder gar bewunderte, verliert. Nicht weil er gestorben ist, sondern weil er sich das Schwurbel-Virus eingefangen hat, zunehmend in geistig abstruse Sphären abdriftet und damit auch seinen Charakter verändert.

Lange Zeit nahm man an, der Charakter eines Menschen forme sich in seinen Teenager- und frühen Twen-Jahren endgültig aus. Dieser Charakter sei dann gefestigt und präge den Menschen sein Leben lang.

Das stimmt aber nicht; vielmehr können sich Charaktereigenschaften das ganze Leben herausbilden, verstärken, oder verkümmern.

Im besten Fall, wird jemand im Laufe seines Lebens bescheidener, charmanter, ehrlicher, höflicher, kommunikativer, großzügiger, umsichtiger oder respektvoller. Häufiger sind leider charakterliche Veränderungen in die negative Richtung. Menschen werden, arroganter, cholerischer, sturer, gieriger, fauler, eingebildeter, paranoider, rücksichtloser, herablassender, rechthaberischer, unmoralischer, wichtigtuerischer oder gemeiner.

Die Corona-Pandemie war einer dieser Lackmustests, bei denen sich zeigte, wer so denkfaul und rücksichtlos geworden ist, daß man tatsächlich den Kontakt abbrechen musste, wenn man zuvor mit ihm befreundet war. Oder dessen öffentliche Äußerungen man zukünftig ignorieren konnte, wenn es ein zuvor geschätzter Politiker war.

Journalisten, die man mag und respektiert, können selbstverständlich grundsätzlich andere Ansichten, als man selbst vertreten, oder aber bei bestimmten Fragen andere Antworten geben.

Es ist aber ein Unterschied, ob man auf denselben Fakten basierend, verschiedene Schlüsse zieht.
Oder ob jemand beginnt, grundsätzlich Teile der Realität zu negieren, sich auf Gefühle oder Verschwörungstheorien stützt und sachliche Argumente als Aggression umdeutet.

Religiotie ist ein klassisches Beispiel für so ein Verhalten. Weist man einen Gläubigen und Missionierenden auf offensichtliche Paradoxien hin, fühlt er sich angegriffen, beklagt sich, seine Religion werde nicht genügend geschützt.

Willkommen in der Genitalverstümmelungsdebatte. Natürlich lässt es sich nicht mit Kinderschutz und Humanismus vereinbaren, wenn man Säuglinge an Penis oder Schamlippen verstümmelt und dabei auch noch Todesfälle riskiert. Sagt man das aber jemanden, der genau dafür eintritt, sich aber gleichzeitig als Humanist versteht – Volker Beck oder Heribert Prantl zum Beispiel – erntet man Arroganz und Aggressivität.

Mann kann nicht mit „Impfgegnern“, Reichsbürgern, Election-Deniern, Chemtrailern, Flatearthern, Beschneidungsfans, Antisemiten, Religioten, Homöopathen, Trump-Fans, Kreationisten oder Reptiloiden-Gläubigen in Freundschaft koexistieren, weil sie eben nicht nur eine andere Meinung vertreten, sondern aufgrund negativer Charaktereigenschaften, die Welt der Fakten verlassen haben.

Die Sache wird so kompliziert, weil diese Gaga-Ansichten zwar oft geballt auftreten, aber durchaus auch als Inselverarmung existieren können.

Vernünftige normale Menschen, die auf Globuli schwören, Naturwissenschaftler, die an Gott glauben, demokratische Politiker, die dafür eintreten, kleinen Jungs ein Stück vom Penis abzuschneiden.

Heribert Prantl hat sich ganz offensichtlich charakterlich zum Negativen verändert.

[….] Prof. Dr. Heribert Prantl (*1953), Jurist (Promotion Magna Cum Laude), Staatsanwalt, Richter, Autor, Journalist, Publizist war ab 1988 SZ-Redakteur, von 1995 bis 2017 Chef des Ressorts Innenpolitik der Süddeutschen Zeitung, 2018 bis 2019 Leiter des Ressorts Meinung und von 2011 bis 2019 war er Mitglied der Chefredaktion.

Das Abo habe ich nie bereut und schätze inzwischen viele andere SZ-Autoren sehr. Aber da Prantl für mich der erste Anknüpfungspunkt war, achte ich immer noch besonders auf seine Kolumnen am Wochenende und zu den Christlichen Feiertagen.

Umso mehr schmerzt es mich natürlich, bei all der Grundsympathie zu beobachten, daß Heribert Prantl offenbar zunehmend an „Religiotie“ leidet

[….] Der Jurist und Journalist Prantl war aber immer ein liberaler Mann, dessen Ansichten ich stets respektierte.

Umso geschockter war ich, als Prantl 2012 zum inzwischen berüchtigten "Kölner Beschneidungsurteil" den Juristen und Humanisten in sich über Bord warf und sich der Religiot in ihm Bahn brach. Er plädierte deutlich dafür, Kindern und Jugendlichen, medizinisch unsinnige schmerzhafte Genitalverstümmelungen antun zu dürfen.

Zur Ausgießung des Heiligen Geistes, beschäftigt sich Heribert Prantl (es war so sicher wie das Amen in der Kirche) natürlich auch mit Pfingsten und stellt (ebenso sicher vorhersehbar) fest, wie wichtig dieses christliche Fest ist.

Garniert; auch das ist in jedem seiner Texte zu katholischen Riten so; mit einer ordentlich Portion Larmoyanz im Subtext.

„Ach, so ein Jammer, daß der Glaube nachläßt. Wäre es doch bloß wie früher in meiner Kindheit.“

Diese Leier kann ich inzwischen schon singen, lese die Kolumne aber trotzdem, weil ich weiß, wie gebildet Prantl ist und warte gespannt, welche historische Begebenheit oder welche literarische Vorlage er wohl diesmal verwendet, um zu dem erwartbaren Schluß zu kommen, daß es mehr Religion und mehr Rituale brauche. [….]

(Leserbrief an die SZ, 27.05.2023)

Auf diesen Leserbrief bekam ich tatsächlich eine persönliche Antwort von Prof. Prantl, die derartig arrogant und blamabel für ihn war, daß ich sie nicht veröffentlichen kann.

Ich war wirklich traurig und dachte, ihn endgültig als ernstzunehmenden Journalisten verloren zu haben.

Prantl scheint tatsächlich mehrere Inselverarmungen aufzuweisen, aber dennoch in vieler Hinsicht bei scharfen Verstand zu bleiben.

Er schreibt immer wieder Kolumnen, die ich sehr begrüße.

In der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung sogar über ein persönliches Herzensthema, nämlich einem Vorwurf, dem ich mich kontinuierlich ausgesetzt sehe: Der Wählerbeschimpfung.

[….] Es gibt ein Verbot in der Bundesrepublik Deutschland, das nirgendwo niedergeschrieben ist, an das sich aber fast alle halten. Es handelt sich um das Verbot der sogenannten Wählerbeschimpfung. Als Wählerbeschimpfung gilt es dabei schon, wenn man Wähler für ihre Wahlentscheidung kritisiert; das ist, angeblich, die Todsünde der Demokratie. Wähler haben nämlich, das ist der Gehalt des Kritikverbots, immer recht - auch dann, wenn sie rechtsextrem wählen. Wenn sie eine in weiten Teilen neonazistische Partei wie die AfD wählen, wenn sie dieser Partei zu Einfluss und zu Macht verhelfen, wenn sie so dafür sorgen, dass es eine institutionelle Wieder-Gewöhnung an braunes Gedankengut gibt - dann sind daran angeblich alle anderen schuld, nur nicht die Wählerinnen und Wähler. Das aber ist falsch.

Die Schuld an der Wähler-Entscheidung für eine braune Partei wird auf Olaf Scholz, Christian Lindner und Robert Habeck abgeladen, auf die Regierungsampel also und auf ihre andauernden Streitereien; sie wird auch auf Friedrich Merz abgeladen und auf seine täppische Oppositionspolitik. Die Schuld am Aufleben des Neonazismus, der sich in der AfD manifestiert, wird allen anderen und allem anderen zugeschoben - den regierenden Politikern, den Politikern der größten Oppositionspartei, dem Ukraine-Krieg, der Corona-Politik, der Asylpolitik, der Klimapolitik, der Bildungspolitik. Es wird so getan, als gäbe es für das braune Kreuz eine eingebaute Entschuldigung. Es gibt sie nicht. Es gibt genügend Gründe dafür, mit der herrschenden Politik unzufrieden, es gibt auch Gründe, auf sie zornig zu sein. Es gibt aber keinen einzigen Grund dafür, deswegen eine nationalistische und neonazistische Partei zu wählen, eine Partei, die so tut, als wären die Verbrechen der Nazis ein "Vogelschiss". Die rechtsstaatliche Demokratie hat Fehler, und die demokratischen Parteien machen Fehler. Aber: Der rassistische Nationalismus, wie er sich in der AfD ausgebreitet hat, ist ein einziger furchtbarer Fehler. Wer auf den Wahlzettel sein Kreuz bei der AfD malt, der erteilt damit nicht einfach nur den anderen Parteien einen Denkzettel; er ermächtigt eine Partei, die die Menschenwürde verachtet, die giftige und gemeine Reden führt, in der das Nazi-Denken zu Hause ist und in der die NS-Verbrechen verharmlost werden. Das darf man kritisieren, das muss man kritisieren. [….]

(H. Prantl, 19.08.2023)

Recht hat er, der Prantl!