Freitag, 18. Mai 2018

Feine Unterschiede


Trump ist ein Genie.
Er ist zu beachtlichen kognitiven Leistungen fähig.

(….) Nach einem Jahr im Amt bestätigte Ronny Jackson, der offizielle Arzt des Weißen Hauses sogar Trumps mentale Fitness.
Das golfende Genie hatte soeben den MoCa fehlerfrei absolviert. Eine ungeheure Leistung. Er konnte also ein Uhrenziffernblatt (zehn nach elf!) zeichnen und ist zu weiteren geistigen Höchstleistungen fähig.

Test zur geistigen Gesundheit: Trump kann Löwe und Nashorn benennen.

Natürlich prahlte er sofort mit diesem Sensationsergebnis.(….)
(Comedytime, 02.05.2018)

That said:

Es gibt sogenannte Schurkennationen, die sich mit dem Westen mit komplizierten Abkommen darauf einigten auf Massenvernichtungswaffen zu verzichten, sich dabei kontrollieren zu lassen und dafür wirtschaftlich sukzessive weniger sanktioniert zu werden.
Beispiele sind

1.) Libyen 2003.
 Nach langen Sanktionen erklärte Gaddafi im Dezember 2003 den Verzicht Libyens auf Massenvernichtungswaffen und ließ anschließend die Komponenten der Waffen vernichten. Ab März 2004 kooperierte Gaddafi vollständig mit der IAEO, ließ sich auf umfassende Kontrollmöglichkeiten der Nuklearanlagen des Landes ein.
2.) Irak 1995
Nach schwersten Sanktionen in deren Folge etwa 1,5 Millionen irakische Kinder unter 14 Jahren starben, drückte die US-Administration im Jahr 2002 die inzwischen tragisch legendäre 19. Irak-Resolution 1441 durch. Der Irak kooperierte vollkommen und gewährte dem UN-Waffeninspekteur Hans Blix mit einem gewaltigen Team vollen Zugang. Es wurden keinerlei Massenvernichtungswaffen gefunden.
Das Atomprogramm des Iraks war bereits 1991 durch die UN-Resolution 687 beendet worden. Die IAEA führte in den folgenden 16 Jahren umfangreiche Inspektionen durch.

Diese Kooperation mit dem Westen ist nicht unbedingt bekömmlich.

Saddam Husseins Land wurde 2003 von den USA, GB und Co angegriffen und zerstört. Er wurde im Dezember 2003 verhaftet, dann langer verhört und gefoltert. 2006 wurde er unter Gelächter und Demütigungen gehenkt.

Muammar al-Gaddafis Land wurde 2011 von den USA, GB und Co angegriffen. Er floh am 25.Oktober 2011 aus Tripolis, aber sein Konvoi wurde von NATO-Flugzeugen beschossen. Bei dem Versuch sich in einer Betonröhre zu verstecken, wurde Gaddafi aufgegriffen, schwerstens misshandelt und schließlich mit seinem Sohn Mutassim und seinem Sicherheitschef Mansur Dao zu Tode gepfählt.

John Bolten, radikal kriegerischer Sicherheitsberater Trump erinnerte Kim Jong Un an das Modell Libyen 2003 und meinte damit, Nordkorea könne bei voller Kooperation beim Abbau seiner Atomwaffen Stück für Stück wieder Teil der Weltgemeinschaft werden und von den Sanktionen befreit werden.

Nun ist Trump allerdings ein Mann, der grundsätzlich gar nicht liest, ein miserabler Schüler war, sich nie briefen lässt und zudem auch nur eine 30-Sekunden-Aufmerksamkeitsspanne hat.
Er „informiert“ sich nur durch FOX-News, während er Fast Food in sich hereinstopft.
Offenbar hatte er gehört, was 2011 mit Gaddafi geschehen war, weil ihn sicher beeindruckt hat, wie ein über Jahrzehnte allmächtiger Staatschef im Dreck liegend zu Tode penetriert wurde.
Von der Vorgeschichte, den Verhandlungen mit der UN über das Lybische Atomprogramm, die Aufhebung der Sanktionen und Gaddafis Kooperation mit Waffeninspektoren weiß Trump nichts.

Daher blamierte er sich mal wieder coram publico, als er erst von Kim Jong Un ausgetrickst wurde, indem dieser mit einer Absage des Gipfels drohte, während Trump schon mit dem verdienten Friedensnobelpreis prahlte und anschließend zu allem Übel auch noch die Pläne seines eigenen Sicherheitsberaters Bolton ad absurdum führte, weil er den Unterschied von „Libyen 2003“ und „Libyen 2011“ gar nicht kannte.


Es stimmt schon, Trump kann Löwe und Nashorn auf Kinderzeichnungen unterscheiden, aber die Unterschiede von internationalen Großkrisen kennt und begreift er nicht.

[….] Trump Tries to Clarify Bolton’s “Libya Model” Comments, Clearly Doesn’t Understand Them [….]
It’s a little hard to figure out what the president is talking about here. It may be, as New York Times White House correspondent Peter Baker surmises, that Trump thinks the “Libya model” in question was not the 2003 agreement in which Libya’s government renounced its weapons-of-mass-destruction programs and allowed international inspectors, but the 2011 military intervention itself. “If you look at that model with Qaddafi, that was a total decimation,” Trump said.
Trump also said, “When John Bolton made that statement, he was talking about if we’re going to be having a problem because we cannot let that country have nukes. We just can’t do it.”  This is definitely not what Bolton was talking about. [….]

Schade, wenn man doof UND US-Präsident ist.
Dann reicht der MoCa-Test als Qualifikation nicht aus.
Außer Nashorn und Löwe muss man noch andere Dinge auseinander halten können.

[….] Treffen mit Bill Gates
Donald Trump kennt nicht den Unterschied zwischen HIV und HPV
Gebärmutterhalskrebs oder Aids - gibt es da eigentlich einen Unterschied? Dem US-Präsidenten ist das nicht klar, wie Bill Gates berichtet. Er traf Trump - und wunderte sich noch über andere Dinge.
Die persönliche Begegnung mit Donald Trump hat auf Microsoft-Gründer Bill Gates nachhaltig Eindruck gemacht - und zwar einen ziemlich schlechten. Zum einen, weil der US-Präsident bei einem Treffen mit Gates' Tochter kurz verschwand, um danach per Hubschrauber zurückzukehren. Bei einer späteren Begegnung mit Gates selbst sei dann das Aussehen der Tochter das wichtigste Thema des US-Präsidenten gewesen.
Zum anderen, weil Trump den Unterschied zwischen HIV (Virus, das unbehandelt zur Immunschwächekrankheit Aids führen kann) und HPV (Viren, die unter anderem Gebärmutterhalskrebs auslösen können) nicht kannte und mehrfach danach fragte. Gates süffisant: "Diese beiden Abkürzungen werden eigentlich nur sehr selten verwechselt."  [….]

Trump muss das aber auch nicht wissen, weil seine Wähler das auch nicht wissen.
Mit Bildungen haben es die Amis nicht so. Insbesondere wenn es um das Ausland geht.

Donnerstag, 17. Mai 2018

Söders winzige Testikel


Eigentlich sind Kleinmut und Weinerlichkeit eher Eigenschaften, die man mit der SPD verbindet.
Legendär ist die Angst der SPD-Spitzenvertreter als „vaterlandsloser Geselle“ dargestellt zu werden. Hatte doch die Union den SPD-Vorsitzenden Willy Brandt jahrelang in Anspielung auf seine uneheliche Geburt als „dieser Frahm!“ verunglimpft und nie versäumt zu erzählen, daß Brandt vor den Nazis floh, nicht in der Wehrmacht für Deutschland kämpfte, sondern von Norwegen aus gegen die Nazis.
Ganz fürchterlich sorgt man sich um die zugebilligte Wirtschaftskompetenz, zittert davor womöglich in der Innenpolitik als „zu weich“ zu gelten oder in der Verteidigungspolitik als zu duckmäuserisch aufzutreten.
All das potenziert sich in dem Spruch „Die Sozis können nicht mit Geld umgehen“.
Natürlich ist das alles völlig absurd.
 Es sind eigentlich immer die Unions-Regierungen, die in Hamburg und Schleswig-Holstein gigantische Summen bei der HSH-Nordbank verzockten, bei Versorger-Verkäufen verloren oder beim Verscherbeln der Hamburger Krankenhäuser fahrlässig verdaddeln. Die CDU-Berlin hat mehrere Milliarden beim Berliner Bankenskandal verpuffen lassen, genau wie die CSU bei der Bayerischen Landesbank und der Hypo Alp. Baden Württembergs MP Mappus versenkte in seiner kurzen einjährigen Amtszeit mal eben sechs Milliarden Euro mit dem halblegalen heimlichen Kauf des Atomkonzerns EnBW. Mit den katastrophalen Folgen musste sich dann ausgerechnet eine Grün-Rote Landesregierung abplagen.
Helmut Kohl richtete ein ähnliches Desaster an, nach 16 Jahren war der Staat erlahmt, verschuldet und hatte die höchsten Steuersätze aller Zeiten.
Immer ist es dann die SPD, die den Schlamassel wieder aufräumen muss.
 Scholz in Hamburg, Wowereit in Berlin, Schröder im Bund.

Aber dennoch sind die Sozis derart hasenfüßig, daß sie sich stets bemühen noch härter und konservativer aufzutreten, als es Unionsminister täten.
Otto Schily wurde als schwarzer Sheriff eingesetzt, um bloß der Union keine Angriffsfläche bei der Inneren Sicherheit zu bieten.

Dieter Hildebrandt brachte es auf die wunderbare Formel „Die SPD scheißt in jede Hose, die man ihr hinhält!“
Besser kann man es nicht ausdrücken.
Zitternd vor dem angeblich so mächtigen Wähler in der Mitte traut sich die SPD kaum mal zu ihren eigentlichen linken Werten zu stehen.

Das trifft übrigens auch alles auf die US-Demokraten zu, die vor lauter Angst als sicherheitspolitisch unzuverlässig dazustehen, jede Sauerei mitmachen, Drohnenangriffe fliegen lassen, Wallstreatler ins Finanzministerium setzen, die US-Army pampern und natürlich patriotisch allesamt kleine US-Flagge am Revers tragen, sowie mit großer Inbrunst nach jeder Rede ein schwülstiges „Amerika ist die größte und tollste Nation der Welt! Gott segne Amerika!“ anstimmen.
 Sogar die jungen linken Hoffnungsträger wie Joe Kennedy III tun das.

Die rechten Parteien haben hingegen Nation, Sicherheit, außenpolitische Härte und Liebe für das Militär gepachtet.
Das sind schließlich ihre angeblichen Werte.
Das Publikum interessiert es gar nicht, daß es gerade die rechten Präsidenten sind – GWB und Trump – die das Ansehen der USA ruinieren.
Verrückt, auch die Wirtschaftskompetenz liegt in Umfragen immer noch bei den GOPern, obwohl es nur Bill Clinton und Barack Obama waren, die in den letzten 40 Jahren gute Ergebnisse lieferten, während alle republikanischen Präsidenten Arbeitslosigkeit, Schulden, Krisen und Defizite hinterließen.

Rechte Parteien haben einfach mehr Chuzpe.
Die trauen sich ganz unabhängig von der Realität alles zu, weil sie einfach dreist sind.

Die CSU erhob diese Anmaßung zu ihrem Markenzeichen. Die Amigowirtschaft von CSU-Politikern wurde als „clever“ vermarktet.
Wen stören schon lästige Dinge wie Rechtsstaatlichkeit und Gesetzestreue?
Das verlangt man in Sonntagsreden nur allzu gern von anderen, aber für die CSU-Spezeln selbst gilt das nicht. Sie scheißen sich nämlich anders als die SPD kaum jemals in die Hose, weil sie sich selbst einfach großartig finden.
CSUler sind stolz auf ihre Kriminalität.

[…..] Wer betrügt, der bleibt.
Nach diesem, von ihm selbst aufgestellten Diktum bleibt Andreas Scheuer auch weiterhin in Amt und Ehren, obwohl er einen erschummelten Doktor-Titel trug.
Man kennt das aus der CSU; beide Kinder Edmund Stoibers verloren aufgrund aufgeflogener Betrügereien ihre Dr.-Titel; genau wie CSU-Superstar Karl-Theodor Baron von und zu Guttenberg und Jakob Kreidl, der Ex-Landrat von Miesbach.


Wen soll das verwundern in einer Partei, die dem kontinuierlich kriminellen Übervater Franz-Josef Strauß huldigt?

[….] Die jüngsten Enthüllungen, wonach er sich von Firmen wie Daimler-Benz, Bertelsmann, BMW und Dornier Geld auf das Konto einer Briefkastenfirma hat überweisen lassen, zeichnen das Bild weiter, das von Strauß längst existiert – das eines durch und durch korrupten Politikers. […..]

Wieso sollten sich auch CSUler an Recht und Gesetz halten, nachdem sie schon das Grundgesetz abgelehnt hatten und mit Anti-Ausländermaut und Herdprämie gesetzeswidrige Politik einfordern?

Für den Verfassungstaliban aus Ingolstadt kein Problem – um Gesetze schert man sich in der CSU traditionell wenig.

Beide Gesetze, welche die CSU in die Bundesregierung einbrachte, wurden als verfassungswidrig verworfen.

Die einzige Bundestagspartei, die, nach meiner Kenntnis und auch vielfach dokumentiert, das Grundgesetz tatsächlich abgelehnt hat ist die CSU. Wann also wird sie endlich verboten?
Zum Hintergrund: Vier Parteien lehnten im Parlamentarischen Rat das Grundgesetz ab. „Die Gegenstimmen kamen von Abgeordneten der CSU, der Deutschen Partei, der Zentrumspartei und der KPD“.
Und die CSU beließ es nicht dabei:
„Als einziger der westdeutschen Landtage lehnte das 1949 von der CSU dominierte bayerische Parlament das Grundgesetz ab. Nach 15-stündiger Debatte, die von Tumulten begleitet wurde, gab Landtagspräsident Michael Horlacher in den frühen Morgenstunden des 20. Mai unter Pfui-Rufen der Grundgesetz-Befürworter das Ergebnis bekannt. Legendär wurde Horlachers Reaktion auf die Empörung: "Man soll die Dinge nicht so tragisch nehmen, wie sie sind."

Vorgestern erst schob sich der Erfinder der Parole „wer betrügt, der fliegt“, der aber selbst nicht flog, als sein Dr.-Titel-Betrug bekannt wurde, wieder einmal mit einem verfassungswidrigen Vorschlag in die Öffentlichkeit.
CSU-Rechtsaußen und Generalsekretär Scheuer meinte auf Rechtsstaatlichkeit verzichten zu können.

Scheuer will Flüchtlinge, die eine Straftat begangen haben, auch ohne Prozess abschieben. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) konterte: „Wer verdächtige Flüchtlinge ohne Prozess abschieben will, hat offensichtlich nicht verstanden, dass wir in einem Rechtsstaat leben.“ Ähnlich äußerten sich auch die Grünen.

Egal, die CSU pfeift auf das Grundgesetz.  […..]

Mit dem Grundgesetz  haben die CSU-Bayern also traditionell ihre Probleme.
Da wundert es nicht, daß CSU-Chef Seehofer immer wieder ungeniert Obergrenzen beim Asylrecht einfordert, obwohl das klar grundgesetzwidrig ist.

Ebenfalls nur konsequent ist das Eintreten der CSU für ein „Burkaverbot“, obwohl auch das illegal wäre.

[….] Warum ein Verbot von Burka und Niqab verfassungsrechtlich fragwürdig wäre. […..]

Für die CSU gilt ihr altes Motto: Legal, illegal, scheißegal.

Auch der grundgesetzlich garantierte Schutz der Familie steht zur Disposition, wenn es nach der CSU geht.

[…..]
Gerda Hasselfeldt, die im Mai 1997 für die Straffreiheit von Vergewaltigung in der Ehe stimmte, amtiert seit März 2011 als mächtige Landesgruppenchefin und beeindruckt auch in dieser Funktion mit ihrer Doofheit. […..]
(Die Bayern und die Rechtstreue. , 5. September 2016)

Umso erstaunlicher, daß die CDU bei rechter Konkurrenz sogar noch viel kleinmütiger als die SPD wird.
Egal ob Landesgruppe in Berlin oder Landtagsfraktion in München; alle starren sie nur starr vor Schreck auf die Landtagswahl am 14.10.2018 und nässen sich kollektiv ob der Umfragewerte ein.

[…..] Alles für die Macht. Für Markus Söder und Horst Seehofer zählt nur eins: Das CSU-Ergebnis bei der Landtagswahl am 14. Oktober - koste es, was es wolle. Steuergeld wird rausgehauen, Religion instrumentalisiert. [….]

Der ängstlichste Hasenfuß ist Ministerpräsident Söder.
Seine Hoden sind derartig geschrumpft, daß man sie nur noch unter dem Rasterelektronenmikroskop finden kann.

Er hat so grauenvolle Angst davor die absolute Mehrheit zu verlieren, daß er bisher keine einzige Minute damit verschwendete zu regieren oder gar seinem Amtseid zu folgen.

„Ich schwöre Treue der Verfassung des Freistaates Bayern, Gehorsam den Gesetzen und gewissenhafte Erfüllung meiner Amtspflichten, so wahr mir Gott helfe.“

Nachts träumt er davon wie ihm Alice Weidel den Hintern versohlt oder wie ihn Alexander Gauland höhnisch auslacht, weil der kleine Markus am 15.10.2018 nackt in eine geschrumpfte Landtagsfraktion geht.
Ihm graust es vor zweistelligen AfD-Ergebnissen und seine Mikrotestikel werden jedes Mal noch kleiner wenn er Höcke, Storch und Poggenpohl von den stolzen Blonden in der bayerischen Ariernation faseln hört.
Es herrscht nur noch Heulen und Zähneklappern in Söders Staatskanzlei.
Eine selbstbewußte und mutige Landesregierung könnte jetzt stolz auf tolerante Werte, Mitmenschlichkeit, gesellschaftliche Errungenschaften, Säkularismus, Feminismus und LGBTI-Freundlichkeit verweisen und voller Überzeugung für diesen Rechtsstaat eintreten.
Nicht so der furchtsame Markus, der im Mimimimimi-Modus sein Rückgrat abgeworfen hat und nur noch das nachplappert was ihm die Braunen und Schäbigen diktieren.

[….]  Neues Polizeigesetz für Bayern, immer schärfere Töne in der Flüchtlingspolitik: Im Wahljahr dreht die CSU-Führung mächtig auf - und verstört selbst eigene Leute. Geht die Rechnung auf?
Die Methode Alexander Dobrindt hat über das Wochenende einmal mehr prächtig funktioniert: maximale Provokation - maximale Aufregung. Die Äußerungen des CSU-Politikers zu "Abschiebe-Saboteuren", die deutsche Gerichte überrennen würden, um damit den Rechtsstaat "durch eine bewusst herbeigeführte Überlastung von innen heraus zu bekämpfen", wurden von Grünen-, FDP- und Linke-Politikern heftig kritisiert. Der Deutsche Anwaltsverein warnte vor dem Bruch herrschender Rechtsprinzipien.
Und täglich grüßt das Murmeltier, könnte man im Fall Dobrindt meinen: Schon eine Woche zuvor hatte der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag mit dem Bild der "Anti-Abschiebe-Industrie" harsche Reaktionen geerntet. Läuft für Dobrindt.
[…..] Längst richtet sich alles Denken und Handeln in der CSU auf die Landtagswahl im Herbst. Wenn am 14. Oktober in Bayern gewählt wird, geht es für die Christsozialen um die Verteidigung der absoluten Mehrheit. Dafür werden alle Machtkämpfe ausgesetzt, alle Eifersüchteleien dem großen Ziel untergeordnet. Und mit Blick auf das starke Ergebnis der AfD im Freistaat bei der Bundestagswahl vergangenen Herbst ist sich die Führungsspitze einig: je härter, desto besser. […..] Den Rest der politischen Konkurrenz wiederum hat die CSU gerade selbst wiedererweckt, so scheint es: Das von Söders Regierung geplante Polizeiaufgabengesetz, abgekürzt PAG, steht für vieles, was die CSU in Augen ihrer Gegner schon immer verkörpert hat: Arroganz und Machtgehabe. Bei bestem Biergartenwetter mobilisierte das PAG am Vatertag in München über 30.000 Menschen - so viele gingen seit Jahren in der Landeshauptstadt nicht mehr demonstrieren.
[…..] Innenminister Joachim Herrmann, ein sonst sehr beherrschter CSU-Politiker, warf den PAG-Gegnern zuletzt "Lügenpropaganda" vor, was diese erst recht erbost hat. […..]

Es erfordert Haltung, Anstand und Mut gegen die rechten Schreihälse aufzustehen, ihnen entgegenzutreten und sich für Mitgefühl auszusprechen.
Ja, man muss Eier haben, um dem braunen Mob wie Heiko Maas die Stirn zu bieten und die Anwürfe aus der AfD-Ecke mit Fakten zu kontern.
Die Kriminalität sinkt kontinuierlich seit wir Flüchtlinge ins Land lassen, die Wirtschaft wächst seit wir Flüchtlinge ins Land lassen und die Arbeitslosigkeit geht zurück seit wir Flüchtlinge ins Land lassen.
Es ist eben nicht bequem für Multikulti zu werben, aber unumgänglich, da wir seit Jahrzehnten eine Einwanderernation sind, da Multikulturalismus in einer globalisierten Welt der Normalzustand ist; erst Recht in einer Exportnation wie Deutschland, die mitten in Europa liegt und neun Außengrenzen hat.
Die Eier hat Söder nicht. Er scheißt nicht nur in jede Hose, die ihm die AfD und CSU-Granden hinhalten, er scheißt sich auch ganz grundlos ein.

 […..]  Es ist fast tragisch, dass die CSU aus Angst vor der AfD auf dem bayerischen Wahlkampfaltar die Freiheit zu Gunsten einer vermeintlich höheren Sicherheit opfert. […..]
Ohne Not hat die CSU den Gefahrenbegriff geändert. Bisher konnte die Polizei Maßnahmen ergreifen, wenn eine „konkrete Gefahr“ bestand. Nach dem PAG reicht jetzt bereits eine „drohende Gefahr“ für eine Vielzahl polizeilicher Maßnahmen. Die Schwelle, ab der die Polizei eingreifen darf, um Straftaten zu verhindern, wird gesenkt. Gleichzeitig werden ihre Befugnisse erweitert.
[…..] Besonders unverschämt ist, dass sich die bayerische Regierung auf das Bundesverfassungsgericht beruft. Das zeugt von einer Missachtung des Gerichts und der Verfassung. […..] Es kann nicht richtig sein, dass die Polizei in Zukunft härter gegen Menschen vorgehen darf, die noch gar keine Straftaten begangen haben, als gegen Straftäter. Genau diesen Weg beschreitet Bayern aber mit dem Gesetz. […..] Die CSU wird mit dieser Art Politik für den Rechtsstaat selbst zur drohenden Gefahr. […..]

Mittwoch, 16. Mai 2018

Problem ohne naheliegende Lösung.


Das ist schon symptomatisch.
Während die SPD immer mehr in Umfragen wegsackt und sich das gesamte politische Feld nach rechts verschiebt – denn die enttäuschten ehemaligen SPD-Wähler wenden sich ja ganz offensichtlich NICHT linkeren Parteien zu, sondern Rechteren – werden die Reichen Deutschlands in atemberaubenden Tempo immer reicher und die Armen ärmer.
Auch unter der aktuellen Groko sind die politischen Weichen so gestellt.
Offensichtlich ist es gewollt – denn das hat der Wähler mit Mehrheit entschieden – daß Arbeitseinkommen stärker besteuert werden als Spekulationsgewinne.
Vermögenssteuer möchte niemand einführen, die Erbschaftssteuer ist zwar nicht gerade bescheiden für diejenigen, die das sprichwörtliche Häuschen erben, aber die Gesetze sind so gestaltet, daß sich Superreiche wie die Quandts und Albrechts bequem mit Doppelstiftungsmodellen drum herum mogeln können. So verschieben sich zweistelligen Milliarden-Erbschaften ganz ohne Abgaben.
Reiche werden also nicht nur immer reicher auf Kosten der Armen, weil die regierenden Parteien das freundlicherweise so zulassen, sondern sie werden insbesondere immer einflussreicher.
Sie sind so mächtig, daß sie noch nicht mal direkt über Parteispenden und Lobbyorganisationen Macht auf Politiker ausüben, sondern es reichen Drohungen.

Wenn Du Bezirksamtschef/Finanzsenator/Bürgermeister/Landesminister nicht genau das tust was ich will, gehe ich eben mit meinen Millionen weg.

Und sofort springt Henriette Reker und tut was Immobilienhai Christoph Gröner von ihr will.


Einfach mal weniger CDU und FDP wählen – und schon könnte man solche Zustände ändern. Aber der Urnenpöbel will es ja so.

Die Allerreichsten Deutschlands haben Häuser auf der Insel der Multimillionäre – Sylt. Hier ist es dermaßen teuer, daß 99% der Bevölkerung niemals dort leben könnten.

[….] Mitten auf der Insel Sylt, zwischen Dünen und Fischrestaurants, liegt das Reich der Reichen. Klaus-John Weber zeigt auf einen geschwungenen Pfad, gesäumt von hohen Hecken. "Das ist der Hobookenweg", sagt er, "die teuerste Straße Deutschlands." Ein Quadratmeter Land kostet hier mindestens 35.000 Euro.
Weber hat 41 Jahre als Butler auf Sylt gearbeitet. Deshalb weiß er, wie es hinter den Hecken aussieht, die die Bewohner in zwei soziale Klassen aufteilen: Menschen, die zig Millionen Euro für ein Ferienhaus ausgeben, um darin ein paar Wochen im Jahr Urlaub zu machen. Und dann sind da all die Menschen, die morgens vom Festland über den Hindenburgdamm zum Arbeiten auf die Insel pendeln, weil sie sich eine Mietwohnung auf Sylt nicht mehr leisten können.
Jahrhundertelang hat der Abstand zwischen Arm und Reich politische Ideologien geprägt, Kriege und Revolutionen ausgelöst. Gleichzeitig fasziniert das Leben der "Reichen" die Leute. Millionen Menschen sehen sich im Fernsehen Krönungen und Dokumentationen über Champagnerpartys an. [.....]
Deutschland ist laut OECD das Land mit der dritthöchsten Vermögensungleichheit aller Industrienationen. Während laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) die Hälfte der Deutschen praktisch gar kein nennenswertes Vermögen besitzt und mancher sogar Schulden hat, gehören den oberen zehn Prozent geschätzt zwei Drittel des gesamten Eigentums. Ein einziges Prozent besitzt demnach sogar ein Drittel aller Immobilien, Sparanlagen, Aktien und Unternehmen.
[….] An einem Aprilmorgen dieses Jahres wartet Klaus-John Weber am Bahnhof in Westerland. Wenn Sylt das Klischee des reichen deutschen Urlaubsortes ist, dann erfüllt Weber das Klischee des Dieners: Er trägt Melone und einen langen schwarzen Mantel. Zur Begrüßung lüpft er den Hut, nimmt den Koffer ab, öffnet die Beifahrertür seines Kleinwagens und ruft: "Willkommen auf der Insel, Mylady!"  [….]

Der Reichtum boomt, also boomt auch Sylt.
Nur ein paar Tage Urlaub dort zu machen, gilt schon als großer Luxus.
Kein Wunder, beginnen doch die Hotelpreise in der Saison mit 300 Euro pro Nacht.
Zwei Wochen mit Frau und Kind kosten dann leicht 10.000 Euro für die Übernachtung. Mal ganz abgesehen von den unfassbar hohen Preisen für das Leben dort.

Es gab einst auch normale Menschen auf Sylt. Mit Durchschnittseinkommen.
Jeder Hamburger kennt Geschichten von ganz bescheidenen Durchschnittsverdienern, wie zB Beispiel Lehrerehepaaren, die sich in den 1960ern ein kleines ganz bescheidenes Ferienhaus auf Sylt zulegten, dort über Jahrzehnte immer mal die Wochenenden verbrachten (Hamburgs Di,Mi,Do-Bürgermeister Beust verbrachte immer Freitag bis Montag auf Sylt), dann aber mit dem Erreichen des achten Lebensjahrzehnts weniger aktiv wurden, sich daher entschlossen die kleine Bude auf Sylt zu verkaufen und dann feststellten, das Ding ist drei Millionen oder fünf Millionen Euro wert.
Zumindest wenn es dort eine Baugenehmigung gibt und man dort ein paar Ferienwohnungen oder gar ein kleines Hotel errichten darf.

Ein Hotel auf Sylt ist wie die Lizenz zum Gelddrucken. Kein Wunder, denn die nordfriesische Insel mit gerade mal 16.000 Einwohnern ist klein, gerade mal fünf Kilometer breit. Fast kein neues Bauland, aber umso begehrter als Statussymbol der Megareichen.

[….] Auf Sylt wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche große neue Häuser im Vier- und Fünfsternesegment eröffnet: 2007 das TUI Dorfhotel in Rantum mit 159 Appartements, 2009 das Hotel Budersand in Hörnum mit 77 Zimmern und Suiten, 2010 das A-Rosa in List mit 177 Zimmern und Suiten. Im Dezember 2014 folgte das Luxushotel Severin's mit 62 Zimmern und Suiten sowie 27 Appartements in Keitum. Im Sommer 2017 begrüßte das Easy Living Hotel in List die ersten Gäste in den 38 Doppelzimmern. In List soll 2020 auch der Lanserhof mit 67 Zimmern eröffnen. [….]

Aber nun droht Ungemach beim Geldscheffeln.
Die Luxusboutiquen, Edelrestaurants und Sternehotels finden kein Personal mehr.
Nicht unbedingt, weil keiner den Job machen möchte, sondern weil keiner sich den Job leisten kann.
Der Verdienst als Zimmermädchen, Butler oder Putzfrau reicht nicht aus, um sich eine Unterkunft auf Sylt zu leisten.
Die Domestiken sind also gezwungen vom Festland aus zu pendeln. Und auch dort werden die Unterkünfte teurer.
Die Multimillionäre schlagen Alarm! Was sollen sie tun? Etwa selbst niedere Dienste verrichten?
Geschickt spielen sie den Ball weiter und beklagen, der Personalmangel ginge zu Lasten der Feriengäste.
Wie uneigennützig und edel von ihnen.
Altruistisch denken sie nur an das Wohl ihrer Gäste und Kunden.
Dem Hamburger Abendblatt kommen fast die Tränen.

[…..] Personalmangel wird auf Sylt immer problematischer [….] Die Sommersaison auf Sylt hat begonnen, zahlreiche Hotels sind im Juli und August bereits ausgebucht. In den Buchungsportalen im Internet sind nur noch wenige freie Zimmer zu finden – und wenn, dann meist zu horrenden Preisen. Es ist durchaus üblich, dass in der Hochsaison Viersternehäuser um die 300 Euro pro Nacht für ein Doppelzimmer aufrufen.
[….] Sylt ist wohl die teuerste deutsche Insel, doch es kommen immer mehr Gäste: Die Zahl der Übernachtungen ist im vergangenen Jahr auf 7,093 Millionen gestiegen. Das waren rund 166.000 mehr als noch im Jahr 2016.
Aber es gibt ein Problem auf der Lieblingsinsel der Schönen und Reichen: Es fehlt das Personal. "Die Lage wird immer dramatischer. Nach unseren Schätzungen gibt es auf der Insel Sylt in der Hotellerie und Gastronomie zurzeit etwa 300 freie Arbeitsstellen", sagte der Vorsitzende des Dehoga Sylt, Claas-Erik Johannsen, dem Abendblatt. "Das stellt unsere Branche, besonders aufgrund der bevorstehenden Sommersaison, vor große Herausforderungen. Die Leidtragenden sind unsere Gäste."
[….] Seit Jahren gebe es auf Sylt zu wenige Arbeitskräfte, doch in diesem Jahr habe sich die Situation noch einmal verschärft. Gründe dafür gebe es viele, ein Hauptgrund sei aber weiterhin, dass bezahlbarer Wohnraum für die Mitarbeiter fehle, so Johannsen weiter. Und das Pendeln vom Festland auf die Insel sei aufgrund der Unzuverlässigkeit der Deutschen Bahn für die Arbeitskräfte immer weniger eine Option. […..]

Arbeitskräfte importieren?
Visaerteilung für Billiglöhner aus Übersee?
Wohngeldzuschüsse für die Putzfrauen vom Land? Oder vom Bund?
Werbekampagnen, um gezielt Hotelangestellte aus Rumänien und Griechenland anzulocken?

Es gibt viele Ideen.

Nur eine Möglichkeit wird gescheut und noch nicht mal ausgesprochen, weil das viel zu frevelhaft wäre:
Die Concierges, Kellner, Gärtner und Reinigungskräfte so anständig zu bezahlen, daß sie sich selbst eine Wohnung irgendwo leisten können und womöglich – jetzt wird es aber linksradikal von mir: sogar noch ein paar Euro für ihr eigenes Leben übrig haben.