Montag, 9. April 2018

Schwarzbraune Zwergchen, winzige.


Ja, dieses eine einzige mal hatte Angela Merkel etwas gewagt.
Im November 1998 zur CDU-Generalsekretärin gewählt, schrieb sie am 22. Dezember 1999 in der FAZ jene beiden ungeheuerlichen Sätze, die sie später zur CDU-Vorsitzende, zur Fraktionsvorsitzenden, Oppositionsführerin und schließlich zur ewigen Bundeskanzlerin machten:

    „Die Partei muss also laufen lernen, muss sich zutrauen, in Zukunft auch ohne ihr altes Schlachtross, wie Helmut Kohl sich oft selbst gerne genannt hat, den Kampf mit dem politischen Gegner aufzunehmen. Sie muss sich wie jemand in der Pubertät von zu Hause lösen, eigene Wege gehen.“
(A.M.)

So etwas war bis dahin noch nicht einmal vorstellbar.
Keiner in dem großen Kanzlerwahlverein hätte so etwas gewagt.
Merkel wirkte wie die mutige Jeanne d'Arc des Ostens, die mit ihrer Chuzpe die Parteienlandschaft aufrollen könnte.

Deutschland absurd.
In Wahrheit sprach sie eine Petitesse aus: Kohl, der schwer kriminelle Serienlügner, der die CDU in die schwerste Wahlniederlage seit Jahrzehnten geführt hatte, konnte nicht mehr länger der Fixstern des Unionsuniversums sein.
Glück für Merkel, daß Kohls natürlicher Nachfolger, an dem sie normalerweise nie vorbei gekommen wäre, wie sein Jahrzehnte angehimmelter Herr ebenfalls Parlament und Volk so dreist belogen hatte, daß er gegangen werden musste.

Der Rest der Geschichte ist bekannt; die CDU versank in so einem ungeheuerlichen Lügensumpf aus schwarzen Konten und dunklen Koffern voller Geld, die ihr für gefällige Politik zugesteckt wurden, daß niemand der Sumpfpartei vorsitzen wollte.
Nur mangels Alternative gab man „Kohls Mädel“ mit den schlechten Tischmanieren und den unmöglichen Klamotten eine Chance.
Die CDU-Parteispitze galt als toxisch: keiner der damaligen wichtigen Andenpaktler wollte sich die Hände schmutzig machen.
Koch, Wulff, Merz und Müller wollten Merkel die Drecksarbeit machen lassen und/oder sie dabei scheitern sehen, damit dann nach einer Anstandspause einer der ihren CDU-Chef und nächster Bundeskanzler werden könnte.

Das dürfte ja wohl ein Leichtes sein die Ossi-Protestantin ohne eigene Hausmacht und ohne JU-Sozialisation wieder aus dem Amt zu mobben.
Hatte sie nicht schon als Umweltministerin im Kabinett Kohl geheult, weil sie nicht durchsetzungsfähig war?
1995 war das, als sie strengere Fahrverbote bei Ozonalarm durchsetzen wollte und dann von Verkehrsminister Wissmann und Wirtschaftsminister Rexrodt zusammengefaltet wurde. Als Kohl sie auch noch anblaffte und sie ganz allein gegen die Westmänner stand, flennte sie.

[…..] Teilnehmer der Sitzung berichteten, Frau Merkel habe sich "in ihren Standpunkt nach und nach hineingesteigert". Die Ministerin argumentierte: Das Verbot beziehe sich auf Personenkraftwagen, Motorräder und Lastkraftwagen, die nicht unbedingt zur Versorgung der Bevölkerung notwendig seien. Kohl sagte, er erkenne durchaus die ökologische Dimension der Frage und die Ängste in der Bevölkerung. Die Frage sei aber, ob die Koalitionsfraktionen jetzt einer eilig verkündeten Maßnahme zustimmen würden. Frau Merkel insistierte weiter: Die Beschlüsse müßten jetzt fallen, damit im Sommer Maßnahmen getroffen werden könnten. Da reichte es Kohl.
Ihre Parteifreunde haben Frau Merkel in der Kabinettsitzung nicht verteidigt. Ein Minister sagte über die Tränen der stellvertretenden CDU-Vorsitzenden: "Sie ist eben ziemlich sensibel." Angela Merkel gibt aber nicht auf. Jetzt will sie über die Fahrverbote mit den Koalitionsfraktionen sprechen. [….]
(Die Welt, 19.05.1995)

So ein Sensibelchen würde man jederzeit wieder wegräumen können, dachten sich Merz und Koch.
Sobald die bundespolitische Großwetterlage für die CDU wieder besser aussähe und sich den Andenpaktler untereinander geeinigt hätten, wer von ihnen es machen soll, könnte man diese ostzonale Interimschefin wieder zurück ins Glied treten.

Der Rest ist Geschichte. Die gesamte starke Männerriege der West-CDU fiel auf die Nase und während man sich kaum noch an die Namen der maskulinen CDU-Phalanx aus der frühen Nach-Kohl-Ära erinnert, ist Merkel immer noch Kanzlerin und Parteivorsitzende.

Wie hat sie das geschafft?
Wie konnten sich Merz und Co so dramatisch verkalkulieren?

Ganz einfach, aus der öffentlichen Heulerei von 1995 zog Merkel die Konsequenz „nie wieder weinen.“ Nie wieder ließ sie sich öffentlich etwas anmerken.
In dieser Disziplin brachte sie es zur wahren Meisterschaft. Merkel ist heute nahezu unbeleidigbar.
Seehofer kann sie geschlagene zehn Minuten auf der offenen Bühne eins CSU-Parteitags zur Schnecke machen und dem höhnischen Gejohle seiner Basis aussetzen, der Iran kann die Kanzlermaschine einen halben Tag entgegen aller diplomatischen Spielregeln im Luftraum kreisen lassen, Berlusconi kann sich öffentlich über Merkels Hintern auslassen, sie beim EU-Empfang wie bestellt und nicht abgeholt stehen auf offener Bühne stehen lassen, während er in aller Ruhe noch telefoniert – an ich perlt alles ab.
Es ist unbekannt, ob sie sich wirklich nie beleidigt fühlt, oder ob sie lediglich meisterhaft so tut, als ob ihr alles egal wäre.

Bisher hat sie aber noch jeden so lange stoisch auf ihrer Nase rumtanzen lassen, bis derjenige entweder das Interesse verlor, oder aber sich bei seinen Tanzschritten selbst ein Bein stellte.
Daher glaube ich auch nicht daran, daß sie Jens Spahn entlassen wird.
Im Gegenteil, je mehr er mit braun-xenophoben  Gepolter die Medien elektrisiert, desto weniger werden ihr Fragen gestellt, desto ungehinderter kann sie das tun was sie eigentlich will.
Spahn wird entweder eines Tages an ihr verzweifeln und wie die ultrakonservativen Vorgänger Koch und Merz entnervt den Bettel hinwerfen, oder aber er wird sich selbst ein Bein stellen und über eine seiner Affären stolpern, auf daß er fürderhin als U40-Politrentner wie Fipsi Rösler, Ecki von Klaeden oder Daniel Bahr Millionen in der Lobbyindustrie verdienen wird.

Wie albern ist es von der Journaille im Jahr 2018 immer noch über die gelegentlich aufpoppenden konservativen Mitesser in der CDU zu berichten.
Davon kriecht fast jedes Jahr irgendeine Gruppierung an die Medien.
Die heißen mal Lummer, mal Kanther, mal Hohmann. Immer wieder versuchten es angebräunte Hessen-CDUler: Kristina Schröder, Erika Steinbach und natürlich der langjährige Wiesbadener Fraktionsvorsitzende Christean Wagner als Mit-Initiator des Berliner Kreises in der Union.
Es gab den ehemaligen Bundesverteidigungsminister Rupert Scholz, den Brandenburger Innenminister Jörn Schönborn, den Thüringer Landesvorsitzenden Mike Mohring, fast die gesamte AfDNPD-affine Sachse-CDU und natürlich immer wieder der kameraverliebten Lügner Wolfgang Bosbach.
Im Berliner Kreis sind heute insbesondere noch Philipp Lengsfeld, der Sohn der nach Rechtsaußen abgedrifteten Verschwörungstheoretikerin Vera Lengsfeld, die Düsseldorferin Sylvia Pantel, sowie diverse Sachsen (Veronika Bellmann, Arnold Vaatz, Steffen Flath) aktiv.
Und nun haben sie den radikal islamophoben deutschen Leitkulturler Jens Spahn an der Spitze.
Immer wieder kündigen sie einen konservativen Aufbruch an, schaffen es aber meist nicht Manifeste und Programme zu Papier zu bringen.
Ihre Forderungen sind schließlich auch weniger programmatisch, denn tumbes „dagegen sein“.
Gegen Schwule, gegen Ausländer, gegen Atheisten, gegen den Islam, gegen Sozialleistungen.
In schöner Regelmäßigkeit erheben diese traurigen dunklen Gestalten ihr verwesendes Haupt und werden zur echten Gefahr für die Kanzlerin hochstilisiert.

[….]  Ein Manifest gegen Angela Merkel
Ist die CDU noch eine Partei, in der sich Konservative aufgehoben fühlen? Diese Frage ist so alt, wie die Amtszeit von Kanzlerin Merkel lang ist. Am Wochenende versuchten Merkel-kritische Abgeordnete eine Antwort auf diese Frage zu finden. Wer in ihrem "Konservativen Manifest" einen gewagten Aufschlag von Partei-Rebellen erwartet hat, wird enttäuscht. Die Autoren wollen die Rückkehr zur Wehrpflicht, erinnern an den Stellenwert der Ehe und fordern einen entschlossenen Kampf gegen Extremisten. Verwegen konservativ ist das nicht.
Auch wenn es sich mancher Merkel-Kritiker wünscht – dieses Manifest wird Merkel nicht aus dem Tritt bringen. […..]

Da kann ich dem FUNKE-Blatt ausnahmsweise nur Recht geben.
Natürlich ist es Merkel völlig egal, was die drei konservativen Hanseln formulieren.
Leider muss sie das nicht kümmern; denn diese ewiggestrige homophobe Trachtentruppe ist für immer abgemeldet.
So sehr ich mir als Sozialdemokrat wünschen würde, daß die CDU stark nach rechts rutscht (umso leichter kann man sich gegen sie profilieren), so wenig wird das passieren.

Das sind kleine Aufregerchen, um die Braunen an der Basis zu begöschen.
Ebenfalls gut geeignet, um leicht zu hysterisierende „Linksgrünversiffte“ in Wallung zu bringen. Sie springen sofort artig über das Stöcken, das der olle C-Bodensatz ihnen hinhält.

[….] Konservative Gruppen und Mitglieder von CDU und CSU, die sich in den letzten Monaten in der "Werte-Union" bzw. dem "Freiheitlich-Konservativen Aufbruch" zusammengeschlossen haben, wollen mit einem am Samstag beschlossenen Manifest ihrer Partei einen konservativeren Stempel aufdrücken.
[….] Wenige Monate nach Einführung der Ehe für alle betont das Manifest daher u.a., "Ehe und Familie" seien "für uns die wichtigsten Grundlagen unserer Gesellschaft" und "das Leitbild 'Vater, Mutter, Kinder'" ein "elementarer Grundpfeiler". Auch spricht sich die "Werte-Union" gegen eine "staatliche Förderung der ideologisch motivierten sogenannten Genderforschung" aus.
[….] Auch ansonsten sucht das Papier eine Nähe zur AfD, will die doppelte Staatsbürgerschaft abschaffen oder die Wiedereinführung der Wehrpflicht prüfen. Die konservativen Unions-Mitglieder bezeichnen die "Masseneinwanderung seit 2015" als "rechtswidrig"; diese sei "rückgängig" zu machen. Die "Aufnahme von Asylbewerbern und Flüchtlingen" über eine Obergrenze hinaus sei "unvertretbar". […..]

Merkel läßt ihre garstigen Exkrement-farbigen Kinderchen unbehelligt spielen; wir sollten das auch tun.
Sie sind wenige, machtlos und irrelevant.

Die wirklich Gefährlichen sind längst ein paar Stationen weiter zur AfD, den „alternativen Medien“, zu bösartigen Hetzern wie Berger gezogen und träumen von ihren Gewalttaten wider alle nichtblonden Minderheiten.

Sonntag, 8. April 2018

Rechter Hype.

Gestern und heute war Deutschland mal Thema auf CNN.
Es gab nämlich einen „Anschlag“ in Münster und wann immer es irgendwie nach Terror riecht, ist das für die westlichen Medien ein großes Thema.
Sogar die US-Konsulate, sowie die Berliner Botschaft informierten american citizens wie mich über Email und soziale Netzwerke.
Gefährlich, gefährlich.

[…..] Security Alert - U. S. Consulate General Frankfurt, Germany (April 7, 2018)
Location: Downtown Muenster, North Rhein-Westphalia
Event: Media report multiple casualties resulting from a van attack in downtown Muenster.  Local authorities are asking everyone to avoid the area.

Actions to Take:
·         Avoid the area.
·         Monitor local media for updates.
·         Be aware of your surroundings.

Assistance:
·         U.S. Consulate General-Frankfurt, Germany
+49 69 7537 0 (after hours) GermanyACS@state.gov   https://de.usembassy.gov/

·         State Department – Consular Affairs
888-407-4747 or 202-501-4444

·         Germany Country Information
·         Enroll in Smart Traveler Enrollment Program (STEP) to receive security updates
·         Follow us on Facebook and Twitter
         Follow the North Rhein-Westphalia Police on Twitter […..]

Scheinbar ist eine nachrichtenarme Zeit, wenn die gesamte westliche Medienwelt nichts anderes zu berichten hat.
MP Laschet und der Leiter des Heimatmuseums Horst Seehofer trafen am Ort des Geschehens ein und ließen ihre üblichen inhaltsleeren Phrasen ab, beschimpften den Täter als „feige“. Seehofer verurteilte die Attacke als "feiges und brutales Verbrechen".

Die von Max Goldt so beklagten Dekorationsadjektive haben Konjunktur wie eh und je:

15.09.01 Susan Sontag kritisiert neben manch anderem, dass sämtliche Kommentatoren die Anschläge als „feige“ bezeichnen. Da hat sie natürlich Recht. Schon Ladendiebstahl erfordert Mut. Wie viel Mut braucht es da erst, ein Flugzeug zu entführen und es gegen ein Gebäude zu steuern. Man kann froh sein, dass die meisten Menschen zu feige sind, um so etwas zu tun. Sicherlich gibt es für die Attentate bessere Dekorationsadjektive, wie zum Beispiel ruchlos oder schändlich, sogar anmaßend wäre treffender als feige. Es geht den Kommentatoren aber nicht um passende Adjektive, sondern um die Souveränität und Flüssigkeit ihres Vortrags. Um diese zu erlangen, sind in der Mediensprache viele Haupt- und Zeitwörter untrennbar an bestimmte Eigenschafts- und Umstandswörter gekettet. So wie Anschläge immer feige sind, werden Unfälle grundsätzlich als tragisch bezeichnet, obwohl es mit Tragik, also einer Verwicklung ins Schicksal oder in gegensätzliche Wertesysteme, überhaupt nichts zu tun hat, wenn jemand gegen einen Baum fährt. Ein solcher Vorgang ist banal – mithin ganz und gar untragisch. Vielleicht werden die Unfälle deshalb als tragisch bezeichnet, weil das Wort so ähnlich wie traurig klingt, und traurig ist ein Unfall immerhin für die Freunde und Angehörigen des zu Schaden Gekommenen. „Traurig“ ist den Medienleuten aber zu lasch, für sie ist Tragik wohl eine zackigere und grellere Form von Traurigkeit. Genauso unpassend ist das Adjektiv, welches unvermeidbar auftaucht, wenn nach einem Erdbeben oder einem ähnlichen Unglück nach Überlebenden gesucht wird. Wie geht die Suche vor sich? Natürlich „fieberhaft“. Dabei will man doch stark hoffen, dass es Fachleute und besonnene Helfer sind, die einigermaßen kühlen Kopfes und in Kenntnis der bergungslogistischen Notwendigkeiten die Menschen suchen, und nicht, dass da irgendwelche emotional aufgeweichten Gestalten wie im Fieberwahn in den Trümmern herumwühlen. Verzichten können die Medienleute auf Adjektive nicht, denn sie sind zur Erzielung eines vollmundigen Verlautbarungssingsangs notwendig. Könnte man aber nicht mal einen angemessenen Ausdruck benutzen? Ich glaube nicht. Wir werden niemals folgenden Satz im Radio hören: „Nach Überlebenden wird fleißig gesucht.“ Dabei wäre „fleißig“ inhaltlich wie stilistisch ideal. Es ist weder abgedroschen floskelhaft noch zu auserlesen und hat daher nicht den geringsten ironischen Beiklang. Schriebe jedoch ein Journalist diesen Satz, so wäre es vollkommen sicher, dass sein Redakteur das passende Wort „fleißig“ streichen und durch das vollkommen unpassende „fieberhaft“ ersetzen würde.
(Zitiert aus: Süddeutsche Zeitung, 13.07.2002)

In der „Hast Du das aus Münster gehört?“-Phase, wenn überall die „pray for Münster“-Memes in den sozialen Medien aufpoppen, gebe ich mir immer große Mühe mich mit anderen Dingen zu beschäftigen.
Spätestens wenn die elend-dämlichen „Warum????“- Schildchen auftauchen, würde ich ohnehin in Depressionen verfallen. Nicht wegen der Opfer, sondern wegen der unfassbaren Eindimensionalität der Otto Normalbürger.

Die Fakten sind schnell zusammengetragen:

[….] Am Samstagnachmittag fuhr um 15.27 Uhr ein Campingbus in der Innenstadt von Münster in eine Menschengruppe. Die Opfer saßen vor der historischen Gaststätte beim "Großen Kiepenkerl". Zwei Menschen wurden dabei getötet und mehr als 20 zum Teil schwer verletzt. Nachdem das Fahrzeug zum Stehen gekommen war, erschoss sich der Fahrer selbst. [….]

Der „Fahrer“ ist der 48-Jährige Sauerländer Jens R., der einen Abschiedsbrief hinterließ und offenbar psychisch nicht gesund war.

Es wundert wenig, daß nach den jahrelangen Medienhypes um Attentate aller Art, die weltweit in den Medien hysterisch bebildert und beschrieben und beklagt werden, einige wenige der etwa 10.000 jährlichen Selbstmörder in Deutschland die Methode „erweiterter Suizid“ wählen.
Insbesondere die gewaltigen Schlagzeilen, die der Suizid des Co-Piloten Andreas Lubitz am 24. März 2015 verursacht hatte, nachdem er beim Germanwings-Flug 9525 gleich 150 Menschen mit in den Tod riss, dürften noch lange mitwirken.

Das Leiden der 22 Opfer mitsamt deren Freunden und Angehörigen in Münster soll hier nicht kleingeredet werden.


Aber es stößt schon etwas sauer auf, wie indolent Seehofer und Laschet auf die jährlich tausenden Toten reagieren, die durch die von der CDU und CSU geforderte Waffenexport- und Grenzpolitik im Mittelmeer elend ersaufen.
Gar nicht erst zu sprechen von den 20.000 Kindern, die weltweit jeden Tag elend an Marasmus verrecken, weil die EU auf ihre tödliche Landwirtschaftspolitik beharrt und die Krisengebiete der Welt mit Kleinwaffen und Mienen flutet.

Soweit, so ekelerregend.

Richtig übel wurde mir allerdings, weil ich unglücklicherweise gestern mit einem Auge ein paar ultrarechte Medien wie den Hassblogger D. Berger verfolgte, der wie so viele rasende Islamophobe gestern in Hochstimmung geriet.
 Was für ein Glück doch so ein Anschlag für die Rechtsradikalen ist. Da kann man jede Menge neue Follower generieren, indem man im „I told you so“-Ton wider den Islam, die Flüchtlinge, die Asylpolitik und überhaupt alle Linksgrünversifften agitiert.
Seit den ersten Medienmeldungen gestern um kurz vor 16.00 Uhr twitterte der braune Berliner mit erigierten Fingern wider alle Dunkelhäutigen und Ungläubigen.
Seine ultrarechten Gesinnungsgenossen bei AfD und anderen Hetz-Vereinen soffen sich ebenfalls sofort trunken an den Meldungen. Je blutiger und elender die Bilder aus Münster wurden, desto geiler und geiferiger wurden sie.
Deutschlands große Amoralistin Trixi Storch, Enkelin von Hitlers langjährigstem Minister  „Lutz“ Graf Schwerin von Krosigk labte sich an dem Elend der anderen.

[….]  Die AfD-Politikerin Beatrix von Storch hat auf Twitter einen angeblichen Zusammenhang zwischen der Amokfahrt in Münster und der deutschen Flüchtlingspolitik hergestellt - und löst damit große Empörung aus.
Mit neuen fremdenfeindlichen Äußerungen hat die AfD-Politikerin Beatrix von Storch nach der Amokfahrt eines 48-jährigen Deutschen am Samstag in Münster scharfe Kritik auf sich gezogen. SPD-Vizechef Ralf Stegner bezeichnete die auf Twitter verbreiteten Einlassungen dort als "ekelhaft" und "widerlich". Storch hatte unmittelbar nach den ersten Meldungen über die Amokfahrt den Satz "Wir schaffen das" von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Flüchtlingszuzug zitiert und damit nahegelegt, ein Geflüchteter sei für die Tat verantwortlich.
[….] Auch der Parlamentsgeschäftsführer der Linksfraktion im Bundestag, Jan Korte, kritisierte Storch. "Wer nicht einfach mitfühlen und trauern kann, bei dem stimmt der Kompass der menschlichen Anständigkeit nicht", sagte Korte. "Wer solch eine Tragödie politisch instrumentalisiert, ist politisch und moralisch kaputt." [….] Bei Twitter sorgte die Vizechefin der AfD-Fraktion im Bundestag mit ihren Äußerungen für breite Kritik und Empörung. "Es gibt Menschen, die sind nicht integrierbar - und Beatrix von Storch gehört mit Sicherheit dazu", schrieb etwa der Kabarettist Dieter Nuhr. Ein anderer Nutzer fragte ironisch, ob Leichenflederrei als Nebenjob gelte, wenn man Bundestagsabgeordnete sei. [….]

Wer nun annimmt, es könne den rechten Hetzern a posteriori ein wenig peinlich sein, daß sie wieder einmal der Lüge überführt wurden, daß sie gegen “den Islam” hetzten, obwohl die gestrige Tat von Münster nicht das geringste mit Terror oder islamistischen Terror zu tun hatte, unterschätzt immer noch die Bosheit und Perfidie dieser neonazistischen Aufrührer.
Ungerührt platziert Philosophia Phimose Geschehnisse unter seinem Lieblings-tag „Allahu Akbar-Terror“ und sammelt die Gewaltbereiten zusammen.

Nachdem Berger ungeniert das Leiden der Opfer für seine braune Hetze instrumentalisierte und nun mit seinen Lügen aufflog, wirft er in einer völlig irren Volte „den Linken“ das vor, was nur seinesgleichen und er gestern getan hatten.


Noch einmal:
 Islamophobe Rechtsradikale hatten völlig faktenwidrig die Flüchtlingspolitik mit dem Münsteraner Anschlag in Verbindung gebracht.
Da sie jetzt ertappt sind, streuen sie aber nicht etwa Asche auf ihr Haupt, sondern hetzen munter weiter.






Mustergültig zeigt sich hier, wieder einmal, wie viele Lichtjahre große Teile der Gesellschaft der Realität entrückt sind.
Deswegen Horst, Alexander und Andi hat es auch wenig Zweck der AfD mit eigener Islamfeindlichkeit den Rang abzulaufen.


Typen, die PP, AchGut, PI, MM oder Akif hinterherrennen sind demokratisch nicht mehr zu erreichen.

Samstag, 7. April 2018

Geld wie Heu


Die Tellerwäscher-Millionär-Geschichte ist ganz hübsch, um die Tellerwäscher mit ihrem Hungerlohn bei Laune zu halten.
So können sie noch hoffen und denken nicht an Streik.

Es werden aber wenige wirklich reich und diejenigen, die es schaffen, erreichen das eher mit dem Zufall ihrer Geburt.
Donald Trump ist steinreich, weil er von Papa das Millionen-Startkapital geschenkt bekam, als die Börsen sich gerade so entwickelten, daß nach Ansicht von Börsenguru Warren Buffett sogar ein Schimpanse mehr Geld als Trump gemacht hätte.

[…..] Buffett machte sich darüber lustig, dass der republikanische Präsidentschaftskandidat immer wieder bankrottgegangen sei. "Ich habe wirklich nie einen anderen Geschäftsmann kennengelernt, der mit seinen Pleiten angibt", sagte der 85-Jährige. Zudem setzte sich Buffett kritisch mit Trumps Börsengang im Jahr 1995 auseinander. In den damaligen Zeiten hätte ein Affe, "der einen Pfeil auf die Börsenseite geworfen hätte, im Schnitt 150 Prozent erzielt", spottete Buffett. Doch die Investoren, die damals auf Trumps Hotels und Casinos gesetzt hatten, hätten über die Jahre einen Verlust von 90 Prozent gemacht. [….]
(ZEIT, 02.08.2016)

Auch die reichsten Deutschen sind allesamt Erben.
Die Ottos, die Quandts, die Schefflers, die Porsches.

Ähnlich wie Trump, der es fertigbrachte mit Casino-Lizenzen, die gemeinhin als legale Gelddruckmaschinen gelten, mehrfach pleite zu gehen, gibt es auch hierzulande Milliarden-Menschen, die es durch Gier (Anton Schlecker) oder Doofheit (Madeleine Schickedanz) schaffen ihr Vermögen weitgehend loszuwerden.

Das sind aber Ausnahmen. Deutsche Multimillionäre und Milliardäre werden nach allen veröffentlichten Reichenlisten (Manager Magazin, Springer, Forbes) jedes Jahr deutlich reicher.
Ihnen helfen die auf Superreiche zugeschnittenen Steuergesetze (die Aktien- und Spekulationsgewinne wesentlich niedriger besteuern als Erwerbseinkommen), die politische Stabilität, der Rechtsstaat, die Infrastruktur und natürlich auch das für sie kostenlose Bildungssystem, welches ihre Fabriken ständig mit Arbeitskräften versorgt.

So vermögen es Susanne Klatten und ihr Bruder Stefan durch pures auf dem Hintern sitzen und Abwarten jedes Jahr allein durch ihre (von Papi geerbte) BMW-Beteiligung um eine Milliarde Euro reicher zu werden.

[….] Die Geschwister Stefan Quandt und Susanne Klatten erhalten von BMW in Kürze 1,12 Milliarden Euro. Der Autokonzern hat 2017 8,7 Milliarden Euro Gewinn gemacht. Nach dem Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat sollen 30 Prozent davon als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet werden, das entspräche 4 Euro je Aktie. Stefan Quandt besitzt 25,8 Prozent der Stammaktien und erhält nach der Hauptversammlung 622 Millionen Euro Dividende, seine Schwester Susanne Klatten bekommt für ihre 20,9 Prozent der Anteile 504 Millionen Euro. Die Dividendenrendite der BMW-Aktie beträgt derzeit rund 4,5 Prozent. [….]

Bei 1,12 Milliarden Euro Ausschüttung im Jahr scheinen die paar Hunderttausend Euro Spenden an CDU und CSU für ihren Niedrigsteuersatz wirklich gut investiert zu sein.

BMW, die Firma, für die eine ganze Staatsregierung und eine Partei rund um die Uhr freiwillig Werbung macht und Gesetze maaßschneidert, geht es wirklich gut.

[….] BMW Börsen-Chart zeigen bleibt der profitabelste Autokonzern der Welt. Kein anderer Hersteller hat es im vergangenen Jahr geschafft, die Münchener bei der Marge - dem Verhältnis von Umsatz und operativem Ergebnis - zu überflügeln. Das geht aus einer Auswertung der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) hervor.
Daimler Börsen-Chart zeigen musste seinen zweiten Platz aus dem Vorjahr an Suzuki Börsen-Chart zeigen abtreten und wurde Dritter. Volkswagen Börsen-Chart zeigen platzierte sich im Mittelfeld, lag dafür aber bei den Absatzzahlen weltweit an der Spitze.
BMW kam wie schon 2016 auf eine Marge von 10 Prozent. Das heißt, dass von je 100 Euro Umsatz im vergangenen Jahr 10 Euro als operativer Gewinn übrig blieben. [….]

Aber auch die anderen Landesregierungen und natürlich die Bundesregierung, deren ehemalige Mitglieder regelmäßig direkt in Lobbyjobs bei Automobilkonzernen wechseln – von Klaeden, Wissmann,..- tun alles dafür, um die Gewinne bei VW, Daimler und Co zu maximieren.

BMW:

[…..] Der Überschuss kletterte 2017 auf 8,7 Milliarden Euro, das sind 26 Prozent mehr als im Jahr zuvor, wie der Münchner Autobauer am Donnerstag mitteilte. [….]

VW:

[….] Der Autokonzern hat 2017 seinen Nettogewinn verdoppelt: Trotz des Dieselskandals erzielte Volkswagen ein Plus von rund 11,4 Milliarden Euro. […..]

Mercedes:

[….] Die Daimler AG blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurück: Der operative Gewinn (vor Steuern und Zinsen) stieg im vergangenen Jahr auf 14,4 Milliarden Euro – ein Plus von 14 Prozent. Das geht aus den Geschäftszahlen für 2017 hervor, die das Dax-Unternehmen vorstellte. [….]

34,5 Milliarden Euro Gewinn in einem Jahr für die drei Großen.

[….] Wissen Sie, was eine Milliarde ist? Sie haben eine Milliarde, wenn Sie achtzehn Jahre lang Woche für Woche eine Million im Lotto gewinnen. [….]
(Ingrid Matthäus-Maier)

IMM folgend bedeutet also allein der Jahresgewinn 2017 für VW, Daimler und BMW 621 Jahre lang jeden Samstag eine Million im Lotto.

Hinzu kommen natürlich noch all die steinreichen Zulieferbetriebe in Deutschland, die Versicherer, Verleiher und Händler.

Das ist nicht so schlecht für Autobauer mit hoher krimineller Energie, die international den technischen Anschluss verloren haben und keine innovativen Techniken mit Niedrigverbrauch vorweisen können wie inzwischen Italiener, Franzosen Koreaner, Japaner und Amerikaner.

Wie geht es nun weiter mit den drei großen deutschen Autokonzernen, die auf einem unfassbaren Geldberg sitzen, aber ihren Kunden altertümliche Stinkdiesel angedreht haben, die womöglich bald völlig wertlos sind, weil sie die Umwelt so schwer belasten, daß in den großen Städten Fahrverbote erlassen werden?

In Amerika ist das eine klare Sache. Regierung und Justiz knöpften sich die Autobosse vor, zwangen sie zu Nachrüstungen und Milliarden-Entschädigungen an ihre Kunden.

In Deutschland heißen Verkehrsminister Dobrindt oder Scheuer, die einer Kanzlerin dienen, deren Staatsminister ebenfalls als KfZ-Lobbyisten dienen.

Also ein bißchen Nachrüsten wäre schon ganz gut für die halbwegs wertlosen Schummelkarren auf den Straßen.
Soweit überlegt jetzt auch die Groko.

Und wer das bezahlen soll?
Na, der Steuerzahler!
OK; VW, BMW und Daimler könnten auch etwas dazugeben (das ihnen steuermindernd angerechnet wird), aber man kann ja nun nicht verlangen, daß sie allein für den Schaden aufkommen, den sie verursacht haben.
Sie haben doch letztes Jahr nur 621 Jahre lang jeden Samstag eine Million im Lotto „verdient“, gehen also beinahe am Bettelstab.

[…..] Bundesregierung erwägt Milliardenfonds für Diesel-Nachrüstungen
Berlin plant nach einem SPIEGEL-Bericht ein milliardenschweres Nachrüstprogramm für dreckige Dieselautos. Auch die Autokonzerne sollen zahlen. Doch nicht alle betroffenen Pkw-Besitzer kämen in den Genuss. [….]

AUCH die Autokonzerne sollen dazu bezahlen?
Auch.

Na hoffentlich werden die Armen dabei aber nicht zu sehr belastet.
Die neue Sozi-Umweltministerin hat allerdings eine ganz abartige Idee. Sie erwägt, daß die Schummelkonzerne den von ihnen verursachten Schaden SELBST bezahlen soll!
Schock schwere Not, natürlich lehnten VW und Co so eine gemeine linkskommunistische Idee ab.
Bisher galt doch immer noch „Gewinne privatisieren, Schulden sozialisieren“ in Deutschland.

[….] RP:  Frau Schulze, Sie haben von der Autoindustrie technische Nachrüstungen für Diesel gefordert und prompt eine Absage kassiert. Was folgt jetzt?

Schulze:  Diese Art von Antwort ist leider typisch. Das war damals bei der Einführung des Katalysators auch nicht anders. Am Ende ging es dann doch und hat der deutschen Automobilindustrie sicher nicht geschadet. Es mag ja sein, dass Nachrüstungen in einigen Modellen technisch schwieriger sind als in anderen. Aber dann erwarte ich von den Herstellern, dass sie zumindest das möglich machen, was technisch möglich und wirtschaftlich vertretbar ist.

RP: Sie sind also zuversichtlich, dass die Industrie noch einknicken wird?

Schulze: Es geht nicht um einknicken. Die Autobauer haben Diesel als sauber verkauft, die auf der Straße nicht sauber sind. Darum müssen sie auf ihre Kosten nachrüsten. Man stelle sich mal vor, Hersteller anderer Konsumgüter würden sich so verhalten. Die würden doch nie damit durchkommen. Unabhängig davon wären technische Nachrüstungen aber auch für die Hersteller selbst eine gute Strategie, wenn sie den Ruf des Diesels wiederherstellen wollen. [….]

Aber keine Sorge, arme, arme Autobauer, darbende Quandts und hungernde Piëchs, auch Frau Schulz möchte mit Steuergeldern einspringen, wenn durch Eure technische Verschlafenheit und verfehlte Modelpolitik mal die Autoabsätze stagnieren.

[…..] Darum setze ich mich dafür ein, dass der bisherige Zuschuss von 4000 Euro für kleine E-Lieferwagen deutlich erhöht wird. 7000 Euro wäre eine Größenordnung, ab der sich die Flottenumstellung für viele Logistiker und auch Handwerker lohnt. [….]

Genau! Wieso soll die arme Frau Klatten mit ihren gerade mal 25 Milliarden oder erst ihr noch ärmerer Bruder, der nur 18 Milliarden hat, eine Absatzprämie für IHRE Autos zahlen, wenn man das auch dem normalen Steuerzahler aufdrücken kann? Diese Altenpfleger, Krankenschwestern und Hebammen verdienen doch eh viel zu viel.