Samstag, 4. November 2017

Luxusgüter



Nachdem ein Berliner Freund drei Jahre in Shanghai gelebt hatte, sagte er mir, der große Unterschied zwischen den beiden Städten sei folgender:

Wenn Du in China einen teuren Mercedes parkst, denken die Passanten wohlwollend, „toll, da hat es einer geschafft. Ich kann mir den nicht leisten. Noch nicht. Werde aber alles dafür tun, auch mal so ein Auto zu besitzen.“
Wenn Du in Berlin einen teuren Mercedes parkst, denken die Passanten stinkwütend „ so einen kann ich mir nicht leisten, also soll das Bonzenschwein auch keinen haben“ und dann zerkratzen sie den Lack.

Ich bin sehr links, wenn es um Verteilungsgerechtigkeit und Nachhaltigkeit geht. Ich wünsche mir eine starke Rolle des Staates, möchte öffentliche Versorger nicht der Marktwirtschaft überlassen. Ich finde, Gesundheit darf keine Ware sein, an der Herr Broermann auf Kosten der Kranken Milliarden verdient. Ich sympathisiere mit einem kostenfreien ÖPNV.
Natürlich müssen Superreiche wie die Quandts und Albrechts stärker besteuert werden und nicht wie jetzt weniger als Angestellte. Ich bin für staatliche Konjunkturprogramme und Kulturförderung. Und selbstverständlich sollten die Parlamente die ökonomischen Rahmen so setzen, daß Altenpfleger und Putzfrauen nicht ausgebeutet werden, sondern sich auch Wohnungen in den Städten leisten können und nicht im Alter darben müssen.

Definitiv bin ich aber kein Neid-Linker. Wenn ich auf der Straße einen 300.000,--Ferrari sehe, möchte ich, daß er umweltfreundlich ist, nachhaltig produziert wurde. Überhaupt 300.000,- für ein Auto auszugeben stört mich gar nicht.
Es ist doch prima, wenn eine Lange & Söhne-Armbanduhr für eine halbe Millionen Euro hergestellt und verkauft wird.

[….] 2013 stellte die Glashütter Manufaktur A. Lange & Söhne ihre komplizierteste Armbanduhr namens Grand Complication vor. Die Luxusuhr kostet 1.920.000 Euro. Für diesen Preis haben sie auch einiges zu bieten: Die Schlagwerkfunktion bietet die Wahl zwischen Petite Sonnerie (automatischer Stundenschlag), Grande Sonnerie (automatischer Stunden- und Viertelstundenschlag) und Minutenrepetition (Stunden-, Viertelstunden- und Minutenschlag auf Abruf). Ein Schieber am unteren Gehäuserand ermöglicht einen Wechsel zwischen großem und kleinen Geläut. Der obere Schieber entscheidet zwischen „Schlagen“ oder „Ruhe“. Ein weiteres Ausstattungsmerkmal der Luxusuhr aus Glashütte ist ein ewiger Kalender mit der Anzeige von Datum, Wochentag, Monat, Schaltjahreszyklus und Mondphase. Den Begriff „große Komplikation“ vervollständigt der Chronograph, der in diesem Fall die Sekunden aus der Mitte und die Minuten bei zwölf Uhr zählt. Doch das reicht der sächsischen Marke noch nicht: Die Chronographenfunktion wurde zum einen um einen Schleppzeigermechanismus zum Erfassen von Zwischenzeiten erweitert und zum anderen zeigt eine blitzende Sekunde bei sechs Uhr die gestoppten Sekundenbruchteile in Fünftelschritten an. 876 Einzelteile setzten sich zum komplizierten Manufakturkaliber L1902 mit Handaufzug zusammen. Ihre Montage und Justierung ist so aufwendig, dass die Uhrmachermeister in Glashütte nur eine dieser Luxusuhren pro Jahr fertigen können. [….]

Natürlich ist das nicht notwendig, um die Zeit zu erfahren, aber es schafft Arbeitsplätze, fördert Innovationen, bringt der Allgemeinheit eine Menge Steuern ein, ist nachhaltig, weil so ein kleines mechanisches Wunderwerk prinzipiell ewig hält und es ist auch noch umweltverträglich, weil weder unter giftigen Bedingungen seltene Mineralien geschürft werden müssen, noch zig Liter Benzin für den Betrieb einer Uhr zu Kohlendioxid verwandelt werden.
Luxus an sich begrüße ich. Es verbietet sich dabei generell bei Kunst – und das gilt auch für Handwerkskunst – den absoluten Wert abschätzig zu betrachten, oder Kunst für unnötig zu erklären. Niemand muss verstehen, wieso jemand für ein besonderes Kleid 50.000 Dollar ausgibt, wenn man den gleichen wärmenden Effekt auch mit T-Shirtstoff für 5 Euro erreicht.
Niemand muss für eine besondere Flasche Wein oder Whisky 10.000 Euro ausgeben. Betrunken wird man genauso effektiv mit einem 2,99-Schnaps aus dem Discounter. Ob der Genuss darüber hinaus weitere 9.997,01 Euro wert ist, muss niemand nachvollziehen können. Es sei aber dem Genießer gegönnt.
Immerhin ist zu vermuten, daß die Arbeitsbedingungen auf dem Weingut für die 10.000-Euro-Flaschen, die Vertriebswege, die Rücksichtnahme auf Umweltverträglichkeit, sowie der gesellschaftliche Mehrwert durch Steuereinnahmen und zusätzliche arbeitsintensive Leistungen (Werbung, Önologie-Zeitschriften, Kristallglashersteller…) erheblich größer ist, als bei dem möglichst billig produzierten Fusel.

Selbstverständlich erlauben es meine persönlichen finanziellen Verhältnisse nicht die genannten Luxusgegenstände zu erstehen.
Glücklicherweise interessieren mich einige von ihnen ohnehin nicht. Aber nur weil ich mir so etwas selbst nicht leisten kann, würde ich den Genuss anderen niemals missgönnen oder gar sanktionieren wollen.
Hätte ich unendlich viel Geld, würde ich natürlich Wohltaten verteilen, aber zu meinem persönlichen Vergnügen einige Originale von Francis Bacon, Egon Schiele und Pierre Soulages kaufen.
Insbesondere für die ersten beiden sind inzwischen achtstellige Summen notwendig. Eine leere Wand könnte ich selbstverständlich auch mit einem 10-Euro-Poster verzieren, aber die Originale der drei Maler haben mich in Ausstellungen so ungeheuer fasziniert, daß ich davon überzeugt bin mit einer Reproduktion nicht gleichermaßen glücklich zu sein.

Es ist gut, daß sowas existiert. Von den ökonomischen Auswirkungen profitiert letztendlich die gesamte Gesellschaft.
Nicht nur direkt durch Steuereinnahmen und Arbeitsplätze (Feinuhrmacher, Materialforscher, Galeristen, Logistiker, Farbhersteller, Versicherer, Kunstexperten, Journalisten), sondern auch durch Verbesserungen für Alltagsprodukte, die nur möglich sind, weil im Highprice-Segment viel investiert wurde und große Fertigkeiten erworben wurden – Patente, neue Materialien.

Linke sollten also nicht grundsätzlich Millionäre und Milliardäre verdammen.
Viele extrem Wohlhabende setzen sich für liberale und soziale Ziele ein.
Ich verdamme es aber, wenn Superreiche sich überproportional Einfluss erkaufen und für die maßgeschneiderte Gesetze erkaufen.

Der drittreichste Mensch der USA, Warren Buffett, Vermögen 80 Milliarden Dollar, beklagte immer wieder diese absurden Ungerechtigkeiten.
Warren Buffett zahlt weniger Steuern als seine Sekretärin Debbie Bosanek; geschätztes Jahreseinkommen: 50.000 Dollar, für die sie etwa 36 Prozent Steuern zahlt. Ihr Boss zahlt gute 14%.
Es ist Aufgabe der Gesellschaft nicht so blöd zu sein einen Politiker wie Donald Trump zu wählen, der sich intensiv daran macht die Steuern für die Superreichen noch weiter zu senken.
Es ist Aufgabe der Politik die Steuergesetzgebung so zu gestalten, daß die Multimillionäre nicht durch die Maschen schlüpfen und immer reicher werden, weil sie nichts zum Staatshaushalt beitragen.
Es ist aber nicht die Aufgabe der Politik Multimillionäre grundsätzlich zu bekämpfen.

Es ist nicht unsere Aufgabe die Sinnhaftigkeit von Luxus grundsätzlich zu beurteilen.
Luxus, der anderen schadet muss unterschieden werden von „gutem Luxus“.
Die Uhr und das Gemälde betrachte ich aus den oben genannten Gründen als positiv.
Anders sieht es bei Yachten aus, die tonnenweisen Schweröle verbrauchen, Manatis die Rücken aufschlitzen.
Flugreisen müssten gewaltig besteuert werden, weil sie maßgeblich durch den Kerosinverbrauch ausgerechnet in den sensiblen Luftschichten zur Klimakatastrophe beitragen. Pelzmode ist selbstverständlich aus grundsätzlichen moralischen Erwägungen abzulehnen.
 Großwildjagd, wie sie den Trump-Söhnen gefällt, die zu gern Elefanten, Löwen und Leoparden erschießen sind ganz mieser Luxus.
Schmuck mit Blutdiamanten oder unter brutalen Bedingungen in Myanmar geschürften Rubinen ist schlecht; Schmuck aus fair geschürften und gewonnenen Edelmaterialien aber nicht.
Haute Cuisine mit Michelin-Sternen ist zu begrüßen, weil es eine hohe Kunst ist, die viel Umsatz und Arbeitsplatze schafft.
Nicht zu begrüßen ist es natürlich, wenn dabei brutale Stopfleber oder Kaviar von fast ausgestorbenen Stören verwendet wird.

Freitag, 3. November 2017

Wie dumm ist Trump wirklich?



Ganz sicher ist Trump schlecht gebildet. Er liest nichts, ist erstaunlich rudimentär informiert.
Er ist außerdem borniert; hält es also gar nicht für notwendig sich auf seinen Job vorzubereiten.
Trump ist zudem so ignorant, daß er sich nicht scheut seine gewaltigen Bildungslücken und immer wieder durch abstruse Fehlschlüsse, mangelnde Rechtschreibung und naive Behauptungen offenzulegen. Verschlimmert wird dieser Hang zu „selfinflicted wounds“ und „doubling down“ durch Trumps gut dokumentierte Faulheit.
Er bereitet sich nicht vor, weil er nie fleißig sein musste und immer zu Spaß und Party überging, wenn er keine Lust mehr hatte.

Des Weiteren sind Trumps psychische Störungen offensichtlich; er ist ein gefährlicher Irrer.

Allerdings ist es möglich mit durchschnittlichem IQ und sehr mangelhafter klassischer Bildung erfolgreich zu sein.
Skrupellosigkeit und Selbstbewußtsein können fehlende Klugheit im Geschäftsleben kompensieren.
Es gibt auch die Talente sich selbst zu verkaufen, Schwächen anderer zu erahnen, oder einfach eine gute Show abzuziehen.
Hochintelligente Menschen können finanziell echte Versager sein, während ein halbdebiler Selbstdarsteller alle um seine Finger wickelt.

Verfügt der ignorante Depp Trump also über das, was man „Bauernschläue“ nennt?

„Bauernschläue ist ursprünglich eine redensartliche Umschreibung der Tatsache, dass schulisch wenig ausgebildete Personen 'auf dem Land' durchaus wirksam List, Verschwiegenheit und weitsichtige Planung verbinden können.“
(Wikipedia)

„List, weitsichtige Planung“ – da möchte man gleich abwinken. Trumps unumsetzbare Gaga-Versprechungen – defeat ISIS within 30 days, build the wall, repeal and replace Obamacare – zeigen, daß er gerade nicht weitsichtig ist, nicht weiß was auf ihn zukommt und auch noch ohne Grund Verbündete verprellt.
Viele von Trumps Problemen resultieren daraus, daß er sich eben nicht bauernschlau, sondern impulsiv-tumb verhielt.
Das beste Beispiel ist der Comey-Rausschmiss, mit dem er die Mueller-Untersuchungen quasi selbst einleitete. Seine Streitsucht und seine Unfähigkeit das unablässige prahlen und twittern zu unterlassen sprechen ebenfalls gegen die Bauernschläue-Theorie.

Es ist politisch-strategisch idiotisch immer wieder auf seine engsten Verbündeten wie Sessions und Tillerson zu schießen.

[….] Auf seiner elftägigen Asienreise darf Rex Tillerson den US-Präsidenten begleiten. Dass das aber kein Vertrauensbeweis für seinen Außenminister ist, stellte Donald Trump jetzt in einem Interview klar. Er sei nicht sicher, ob er Tillerson die ganze Amtszeit über auf dem Posten belasse, sagte Trump dem Sender Fox News.
"Wir werden sehen, ich weiß es nicht", antwortete Trump auf eine entsprechende Frage. Er sei nicht glücklich darüber, dass einige im Außenministerium seine Politik nicht unterstützten, beklagte sich der US-Präsident. "Der, der zählt, bin ich", sagte Trump gewohnt selbstbewusst. "Ich bin der einzige, auf den es ankommt, denn am Ende bestimme ich die Politik." [….]

Tatsächlich verhält sich Trump gelegentlich strategisch „bauernschlau“, indem er bei seinen heißgeliebten Rallies all die Knöpfe drückt, die den primitiven Mob im Publikum zum Kochen bringen.
Einiges wird ihm leichtfallen, weil es sich mit seinen tatsächlichen Ansichten deckt: Xenophobie, Rassismus, Islamophobie, Verachtung für intellektuelle Eliten.
Anderes ist ihm persönlich völlig egal und wird vom ihm gezielt behauptet, um die Massen zu mobilisieren. Das Preisen von Südstaatenbürgerkriegshelden, der Affentanz um die Nationalhymne und Flagge bei Sportveranstaltungen, die Lobhudeleien des Soldatischen.
Dazu gehört insbesondere seine Betonung der Religiosität, die stolze Behauptung nur durch ihn können man nun wieder „Merry Christmas“ sagen, nachdem die Liberalen das verboten hätten – was selbstredend von vorn bis hinten erlogen ist.

Es ist natürlich reine Strategie, wenn sich Trump mit religiösen Führern umgibt, sich von dem halbdebilen Plastic-surgery-victim Paula White als frommen Christen preisen lässt.

[….] Der evangelikale Prediger Ralph Drollinger hält wöchentliche Bibelstunden für die US-Regierung ab. [….] Drollinger bestätigte der Zeitung, dass an seinen Runden etwa zwölf Personen teilnehmen würden, darunter der amerikanische Vizepräsident Mike Pence, der CIA-Chef Michael Pompeo, Bildungsministerin Betsy DeVos, Justizminister Jeff Sessions, Landwirtschaftsminister Sonny Perdue, Energieminister Rick Perry und Wohnungsbauminister Ben Carson.
Der evangelikale US-Prediger Ralph Drollinger erteilt dem Kabinett von Donald Trump nach eigener Auskunft seit März Bibelunterricht. [….] Drollinger legt die Bibel wörtlich aus. Er glaubt an die Erschaffung der Welt innerhalb von sechs Tagen, verurteilt Homosexualität als Sünde und befürwortet die Todesstrafe und Militärinterventionen.
[….] Es überrasche ihn nicht, „dass der Herr gerade uns bis ins Weiße Haus geführt hat“, sagte Drollinger [….] Drollinger sagte weiter, ihn verbinde „eine Art Brieffreundschaft“ mit Präsident Trump. „Ich schicke ihm meine Bibelmeditationen, und er schreibt mir persönliche Anmerkungen dazu. Positive Anmerkungen.“ [….] „Der beste Präsident ist derjenige, der seine Regierung am entschiedensten zum Schiedsrichter über falsche Taten macht. Ich war früh davon überzeugt, dass Trump dafür der Beste wäre.“
Präsident Trump sei ein sensibler Mann, „der Gott gefallen möchte“, so Drollinger.[….]

Trumps charakterliche Defizite, seine tiefsitzende Bosheit decken sich natürlich gut mit den destruktiven Ansichten radikaler Evangelikaler.

[….]  Donald Trump schlachtet den Terroranschlag in New York für seine politischen Zwecke aus. Er tobt gegen Einwanderer, den Rechtsstaat, die Spitzenpolitiker der verwundeten Stadt - ohne Scham, doch mit Kalkül.
[….] Nach dem Terroranschlag in New York wartete Trump nur zwei Stunden, um das Geschehen schamlos für seine politischen Zwecke auszuschlachten. Er verzerrte die Hintergründe. Er verhöhnte den US-Rechtsstaat. Er säte Zwietracht. Er attackierte das politische Führungspersonal der verwundeten Stadt.
Dem Bürgermeister, einem Demokraten, kondolierte er erst einen Tag später. Es war typisch Trump: Wie schon bei früheren Katastrophen, ob in Übersee oder daheim, vergriff er sich im Ton, war er plump statt präsidial. Doch diesmal ging er noch einen Schritt weiter - ohne Scham, doch mit Kalkül.
[….]Er erfindet einen neuen Streitpunkt: [….] Er macht aber nicht nur die Visalotterie für den Anschlag verantwortlich, sondern auch - diese Chuzpe muss man haben - den New Yorker Chefsenator Chuck Schumer: Die Lotterie sei dessen Idee gewesen. Dabei wurde das Gesetz 1990 von George Bush senior unterzeichnet, mit dem Segen beider Parteien. Eine Lüge in einer Lüge in einer Lüge, um den Gegner zu diffamieren.
[….] Doch für Trump ist der US-Rechtsstaat, wie er am Mittwoch höhnte, "ein Witz und eine Lachnummer". Er zieht "schnelle Justiz" und "starke Justiz" vor und bleibt sich - und seinen demokratiefeindlichen Idolen - damit treu: Schon im Wahlkampf hatte er die Genfer Menschenrechtskonvention als lästiges "Problem" bezeichnet, das Amerikas Soldaten nur daran hindere, zu foltern und "Köpfe abzuschlagen". […..]

Wie dumm und wenig bauernschlau von Trump immer wieder seine eigene Justiz zu beschimpfen. Glaubt er, das hülfe ihm bei zukünftigen Anklagen?

Und was soll der Killerwahn?


Du sollst nicht töten. -2.Mose 20:13

Der Papst vertritt diesbezüglich auch eine klare Meinung.

[….] Die Todesstrafe ist keine Form der Gerechtigkeit, sondern der Folter - und selbst Verbrecher haben ein Recht auf ihr Leben. Mit diesen klaren Worten wandte sich Papst Franziskus an diesem Dienstagabend in einer Videobotschaft an die Teilnehmer des 6. Weltkongresses gegen die Todesstrafe, der vom 21. bis 23. Juni in Oslo stattfindet. Etwa 140 Organisationen aus aller Welt, Diplomaten sowie Regierungsvertreter nehmen an dem Forum teil, das sich für eine weltweite  Abschaffung der Todesstrafe einsetzt. Ein Vorhaben, das Papst Franziskus teilt. [….]

Das Schöne an der Bibel ist aber, daß man immer auch das diametrale Gegenteil aus ihr raus lesen kann. Die allerlängste Zeit ihrer Geschichte haben Papst und Vatikan selbst eifrig die Todesstrafe verhängt und durchgeführt. Die meisten Christen finden Todesstrafe toll.
Bei Trumps Christenbasis kann er also mit der Kopf-Ab-Forderung punkten.
Es ist also „schlau“ so martialisch und antihumanistisch zu tönen.
                   
[….] Trump will Hinrichtung. Nach dem Anschlag fordert der US-Präsident "viel schnellere und viel härtere Strafen" für Terroristen [….] Trump zitierte derweil einen Fernsehbeitrag des rechtskonservativen Senders Fox News, in dem von "europäischen Terrorproblemen" die Rede war, die dank Demokraten wie Schumer in die USA importiert worden seien; gemeint war die Aufnahme muslimischer Flüchtlinge. [….]  "Die Frage, wie jemand in den USA radikalisiert wird, ohne dass es irgendjemandem auffällt, ist längst nicht beantwortet", sagte New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo, ein Demokrat, der den Präsidenten für seine "pausenlose Einmischung" stark kritisierte. Trump würde sich mit seiner Forderung nach der Todesstrafe in ein laufendes Verfahren einmischen und die Richter unter Druck setzen. [….]

Fragt man sich aber wie es um die Chancen steht, daß in diesem Fall die Todesstrafe verhängt wird, so ist Trump nicht schlau.

Zum einen hat er immer noch nicht begriffen, daß er als Präsident nicht in das DOJ und die Justiz im Allgemeinen einzugreifen hat.
Ein Jahr nach seinem Wahlsieg weiß er immer noch nicht was Gewaltenteilung bedeutet.

Insbesondere verschafft er aber dem Ankläger des Attentäters einen enormen taktischen Nachteil, weil jeder Verteidiger ZU RECHT die Karte „Vorverurteilung“ ziehen wird. Wie sollte man überhaupt noch neutrale Geschworene finden, wenn der US-Präsident sich schon festgelegt hat?

Trumps wütende Killer-Tiraden könnten Sayfullo Saipov womöglich den Kopf retten.

Donnerstag, 2. November 2017

Collusion



Diejenigen, die keine ausgesprochenen Trump-Fans sind, erhoffen sich sehr viel von Sonderermittler Mueller, diesem knallharten 73-Jährigen Republikaner.
Wird er die „russian collusion“ bald nachweisen können?
Wird es einen Beleg dafür geben, daß Trump persönlich involviert war?

In seriösen „panels“ spricht man immer noch von „if there is a there there“.
Das bedeutet; es gibt immer noch keinen zweifelsfreien Beweis.

Aber die Fülle der Indizien, die enthüllten Kontakte von Mitgliedern des Trump-Wahlkampfteams mit russischen Influencern und die Angaben der social-media-Bosse beweisen jetzt schon de facto, daß Trumps hysterische Tweets „NO COLLUSION“ wieder einmal Lügen sind.

Trump im Panik-Modus:


[…..] Die gute alte schlechte Salamitaktik, sie scheint auch in hypervernetzten Zeiten noch das Mittel der Wahl zu sein. Unmittelbar nach der US-Wahl sprach Facebook-Chef Mark Zuckerberg von einer "verrückten Idee", als es um eine mögliche Beeinflussung der Wahl durch Fake News ging.
Dann gab er einige Monate später zu, dass eventuell, vielleicht, wahlbeeinflussende Fake News als Werbeanzeigen auf Facebook gebucht worden sein könnten. Dann sprach Facebook von einer Reichweite dieser Anzeigen von zehn Millionen Nutzern.
Bei der gegenwärtigen Kongress-Anhörung erklärte das soziale Netzwerk schließlich, es seien doch schon mehr gewesen: 126 Millionen. Eine Größenordnung von ungefähr der Hälfte der wahlberechtigten Amerikaner. Auch Google und Twitter stehen unter Beschuss, mit ihren Werbeplattformen die aktive Wahlbeeinflussung durch russische Regierungskräfte zugunsten von Donald Trump ermöglicht zu haben. [….]

Clinton-Wähler sehen sich bestätigt. In demokratischen Kreisen klingt das so:

„He's done. Mueller has his evidence. This entire administration is DONE.“

Dafür daß Trump jetzt langsam echte Probleme bekommt, sprechen auch gleichlautende Meldungen vieler Medien, nach denen Trump vor Wut kocht, sich in seiner WH-Wohnung stundenlang einschließt und manisch Newssender guckt.
Er scheint getroffen zu sein.
Insbesondere die durch George Papadopoulos durchbrochene Omertà könnte sich zum Problem für Top-Trumper wie Jared Kushner, Jeff Sessions und Michael Flynn auswachsen. Wenn die unteren und mittleren Chargen anfangen zu reden, um sich vor dem Knast zu retten, zieht sich die Schlinge um die Hälse der Top-Trumper zu.
Kushner, Sessions und Flynn sind jetzt bereits der Lügen überführt. Was hat Mueller noch über sie in der Hand, falls Papadopoulos, wie man vermutet, auch noch seit dem Sommer verkabelt war?

[….] Als der Name George Papadopoulos fiel, kippte die bis dahin halbwegs entspannte Stimmung im Weißen Haus. Vor Wut schäumend habe der US-Präsident den Fernseher angeschrien, schreibt die "Washington Post", und die Mitarbeiter habe ein Gefühl der Panik beschlichen. [….] Sicher ist, kurz gesagt: Papadopoulos waren von einem in London ansässigen Professor mit "guten Verbindungen" zur Regierung in Moskau Tausende Mails versprochen worden, die Clinton schaden sollten. Papadopoulos, zu dem Zeitpunkt 29 Jahre alt, soll mehrfach versucht haben, Treffen mit dem namentlich nicht bekannten Hochschullehrer und Vertretern des Trump-Teams zu arrangieren. Vergeblich offenbar. Belegt aber ist, dass er darüber mit einigen Wahlkampf-Mitarbeitern gesprochen hat. [….]
Unklar ist, warum jemand wie Papadopoulos überhaupt ins außenpolitische Team von Donald Trump gerückt ist. Laut der "Washington Post" habe er seinen ohnehin eher dünnen Lebenslauf überverkauft und teilweise sogar gefälscht. So habe er behauptet, er sei Stipendiat am Hudson Institut gewesen. Nach Erkenntnissen der Zeitung aber habe er dort nur ein unbezahltes Praktikum absolviert. [….] Für den Berater eines US-Präsidentschaftskandidaten war er reichlich unqualifiziert.
[….] Dass der 29-Jährige dennoch schnell Karriere gemacht hat, lag anscheinend an Ben Carson, jetziger Wohnungsbauminister und früherer Präsidentschaftskandidat. [….] Und es ist auch nicht so, dass Papadopoulos für den jetzigen Präsidenten ein völlig unbeschriebenes Blatt gewesen wäre. Bei der Vorstellung seines Beraterteams Ende März 2016 lobte er den jungen Mitarbeiter mit den Worten: Ein Energie- und Ölberater. Ausgezeichneter Typ", so Trump damals. Wenige Tage später verbreitete der damalige Kandidat ein Foto, das ihn und Papadopoulos an einem gemeinsamen Tisch zeigt.  […..]

Die Opposition wittert also Morgenluft. Wird Trump bald aus dem Amt gefegt?
Ich bin pessimistisch.
„Collusion“ ist kein juristischer Begriff. Sich mit russischen Staatsbürgern zu treffen, um US-Wahlkampfstrategien zu besprechen, gilt als unfein; ist aber nicht verboten.

Wenn klar nachgewiesen würde, daß Russland die US-Wahl entscheidend manipuliert hat, daß Trump nur durch Hilfe aus dem Kreml Präsident wurde,…, ja was dann eigentlich?
Vermutlich nicht viel.
Es gibt Umfragen, nach denen eine überwältigende Mehrheit der Trump-Anhänger weiter unverdrossen zu ihm stehen würde.

[….] Supporters of President Donald Trump don’t seem to care whether his campaign team colluded with Russia during the presidential election: A new poll says a majority of them would want Trump in the White House even if collusion is proved.
A survey from Public Policy Polling released on Tuesday shows Trump’s base is firmly backing him as the probe into Russia’s interference in the U.S. election gains momentum.
Most of his supporters (75 percent) believe the Russia collusion story is just “fake news,” and a larger majority (79 percent) believe the president should remain in office even if it is discovered there was collusion between members of his campaign team and Russia during the election. Just 11 percent of supporters believe the president should step down under those circumstances. [….]

Von den republikanischen Abgeordneten ist ebenfalls kein Aufstand zu erwarten. Bis auf ganz wenige Ausnahmen, die ohnehin aus der Politik aussteigen, halten alle zu ihrem Präsidenten, obwohl dieser dem Rassismus frönt, als „sexual predator“ auffiel, Behinderte nachäffte und inzwischen rund 1.400 mal öffentlich log.

Vorgestern relativierte Trumps Stabschef General Kelly, der eigentlich als „Adult in the Oval Office“ angesehen wird, die Sklaverei und die Ursachen des amerikanischen Bürgerkriegs.

[….] When asked in an interview broadcast on Monday about plans by a Virginia church to remove plaques honoring George Washington and Robert E. Lee, he said it showed “a lack of appreciation of history.”
“Robert E. Lee was an honorable man,” he added. He said that in the Civil War “men and women of good faith on both sides made their stand where their conscience had them make their stand.”
With those remarks, Mr. Kelly revealed that it’s he, like the president, who lacks an appreciation of history — that he has chosen instead to embrace the mythology that white racists methodically created to hide the truth about the causes and course of the Civil War. The truth is, white Southerners went to war to destroy the United States in order to continue enslaving nearly 40 percent of the people in the region. […..] [….]

Sarah Sanders musste sich bei ihrer Pressekonferenz fragen lassen, ob das Weiße Haus Sklaverei ablehne.
So sicher ist das nämlich nicht mehr.

Aber das stört gar nicht mehr. Rassismus, Sklaverei, Übergriffigkeit und Sexismus sind wieder in Ordnung für die GOP von heute.
Was machen da noch ein paar russische Manipulationen aus, wenn man dafür die Teufelin Hillary loswurde?

Republikaner und Trump-Fans sehen gar nicht die Nachrichtensender, die kritisch über ihr Idol berichten.
Zig Millionen Amis werden nach wie vor mit Scheiße gefüttert. Für sie sind die Anschuldigungen alle „Fake“.
Mueller gehört abgesetzt und Hillary Clinton soll eingesperrt werden, tönt es auf FOX.

[….]  Fox News host with close ties to Trump calls for Clinton to be jailed and Mueller to be fired
News that special counsel Robert Mueller will reveal the first indictment associated with his investigation of potential collusion between the Trump campaign and Russia on Monday has some people at Fox News very agitated .
In an angry opening statement on Saturday night, Fox News’ Jeanine Pirro called for Hillary Clinton to be jailed.
“It’s time to shut it down, turn the tables and lock her up,” Pirro said.
Pirro said that the justification for Clinton’s incarceration was the Uranium One “scandal,” a theory introduced by Steve Bannon in July 2016 and repeatedly discredited.
Pirro also called for the immediate firing of special counsel Robert Mueller and Rod Rosenstein, the Deputy Attorney General who appointed Mueller. She cited Mueller role as head of the FBI when the sale of Uranium One to the Russians was approved, as well as his friendship with former FBI Director James Comey. [….]

(Judge Jeanine im Contex:. Wenn du die ersten 10 Minuten dieses lying Sack of Shit ohne Hirnbluten überlebst, is Hulk a Sissy – JAKE)

Was kann Trump schon passieren, wenn Mueller zuschlägt?
Was, wenn Trump einfach alle seine beschuldigten Mitarbeiter begnadigt oder tatsächlich Mueller feuert?
Was, wenn sich diese Trump-Administration nicht mehr an gerichtliche und richterliche Anordnungen hält?
Was wenn Trump sich auch offiziell über das Gesetz hinwegsetzt?

Glaubt irgendeiner, damit käme er nicht durch?
Wer sollte ihn denn hindern?
Seine Mercer-Medien, angeführt von Steve Bannon, würden ihm begeistert applaudieren und die Trump-Voter empfänden es als Stärke und Durchsetzungskraft gegen den Washingtoner „swamp“.
Egal, wie lange Trump noch amtiert; die USA sind jetzt schon komplett korrumpiert.