Samstag, 25. März 2017

Bittersweet.



Natürlich begrüße ich es, wenn die proeuropäischen und liberalen Kräfte sich zeigen, zum 60. Jubiläum der Römischen Verträge auf die Straße gehen, um FÜR etwas zu demonstrieren.

Tausende Menschen haben während des EU-Sondergipfels für die Europäische Union demonstriert. Allein in Rom gab es zwei Märsche von EU-Unterstützern. Dabei forderten viele einen Neustart der EU. "Europa kann nicht so weiter machen wie bisher. Wir wollen ein Zeichen setzen, dass Europa sich fundamental verändern muss", sagte die deutsche Demonstrantin Marie Naas in der italienischen Hauptstadt.
Demonstranten trugen die Flaggen der EU. Migranten trugen Transparente mit der Aufschrift "Europa für alle".[…..] Auch in London gingen nach Medienangaben etwa 25.000 Menschen unter dem Motto "Unite for Europe" ("Vereint euch für Europa") auf die Straße. […..] Neben Protesten in weiteren europäischen Ländern demonstrierten auch in Berlin rund 6000 Menschen für eine gemeinsame europäische Zukunft. Auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor wurde symbolisch eine "Mauer der Intoleranz und des Fremdenhasses" eingerissen. Veranstalter war die proeuropäische Bewegung "March for Europe".
[…..] Während Ministerpräsidentin Beata Szydlo beim EU-Gipfel in Rom erst nach Drohungen und ostentativem Zögern die gemeinsame Schlusserklärung unterschrieb, sangen im Stadtzentrum der polnischen Hauptstadt Warschau Tausende Demonstranten die Europahymne "Ode an die Freude" und schwenkten polnische und Europa-Fahnen. […..]

Natürlich begrüße ich es, wenn braun-nationale Demagogen Zuspruch verlieren, wenn Geert Wilders, Norbert Hofer, sowie hoffentlich bald auch Petry und Le Pen in ihre Schranken verwiesen werden.

Es sind aber nicht nur die dumpf-nationalistischen Parasiten von AfD, FPÖ, FN oder UKIP, welche die Axt an den Frieden legen.
Es sind willfährige Konservative aus CDU und insbesondere CSU, die jede Moral fahren lassen und xenophobe, antieuropäische Stimmungen anheizen, wenn sie sich davon einen wahltaktischen Vorteil versprechen. Anti-Ausländer-Maut, Hetze wider die „faulen Griechen“, Pöbeleien gegen angebliche Sozialschmarotzer, die aus Rumänien und Bulgarien nach Deutschland strömten.
Seehofer, Scheuer, Dobrindt und Söder befinden sich auf präzivilisatorischen sozio-suizidalem Kurs.

Es wird Zeit, daß die Menschen nachdenken und nicht dumpfen Stimmungen folgen.
So langsam scheint sich auch bei Mays Mannen herumzusprechen, daß der Brexit ein Desaster wird.
Allerdings hätte man es früher wissen können.
Das Nicht-Wissen-Wollen und das Phlegma insbesondere der jungen Wähler ist eine Schande.
Aber eine noch größere Schande lastet auf den Mächtigen, die wie Cameron, Rutte und Seehofer mit solchen Stimmungen spielen.
Eine solche Schade lastet auch auf den Medientreibenden, die Pegioten, Hasenfüßen und rudimentär Sozialisierten Futter geben, indem sie weit überproportional auf EU-kritische Themen setzen.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Marco Bülow wertete die Themen der deutschen Talkshows aus. Das Ergebnis ist erschreckend. Schande über die Talkshows, Schande über Will, Illner, Plasberg und Maischberger.

Natürlich darf man der AfD nicht wie die verkommenen Dampfplauderer aus CDU und CSU nach dem Mund reden.

Aber was hilft gegen die AfD?

Da sehe ich vier Möglichkeiten.

1.   Aufklären über die wahren Zusammenhänge und niemals die verdrehte xenophoben Darstellungen von AfD-Sympathisanten im Raum stehen lassen.

2.   Sich nicht thematisch von der AfD treiben lassen. SPD, CDU, FDP, Grüne und Linke sollten in den kommenden Wahlkämpfen konsequent ihre eigenen Themen und Konzepte vorstellen, sich als potente Gestalter präsentieren.

3.   Medien müssen aufhören aus Quotengier zu jedem Thema einer verlogenen AFD-Größe devot den roten Teppich auszurollen.
         
[….] Wenn so schamlos und kalkuliert gelogen wird, könnte man auch über die beliebten "Er-sagt-Sie-sagt"-Formate im Fernsehen noch einmal nachdenken. Es ist nicht die Aufgabe von Journalismus, zu allem ausgewogen zwei Seiten zu präsentieren. Die Wahrheit liegt nicht immer in der Mitte. Lüge und Wahrheit, Fälschung und Original, Bullshit und Information, Sachaussagen und Beleidigungen dürfen nicht gleich behandelt werden. Nachrichtliche und kommentierende Formen, Unterhaltung und Ernsthaftes müssen in gefährlichen Zeiten wieder deutlich unterscheidbar gemacht, Quellen sorgfältig benannt werden. "Das Netz sagt" ist das Gegenteil einer Quellenangabe.
Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung - aber nicht auf eigene Fakten
Und dann, und natürlich und überhaupt, die Begrifflichkeit. Ein Politiker, der lügt oder Falsches behauptet, ist kein Populist. Er ist ein Lügner. Es gibt auch keine Altparteien, keine Traditionsmedien, keine liberale Umerziehungselite, keine Diktatur der Toleranz, was bitte sollte das alles sein? [….]

4.   Den letzten Punkt verdeutlichte Jan Böhmermann in seiner vorletzten Sendung. Man solle doch mal ganz ohne Häme von der politischen „Arbeit“ der AfD-Fraktionen der Landtage berichten, um zu zeigen wie vollkommen verdummt, irrational und sinnlos diese Volksvertreter den anderen die Luft wegatmen. (…..)

Ich möchte mich als überzeugter Pro-Europäer heute über das möglicherweise neu erwachende Engagement der Jungen für unsere kontinentale Staatengemeinschaft freuen.

Ich wünsche mir ausdrücklich, daß die Nationalstaaten weitere Souveränität nach Brüssel abgeben. Natürlich müssen dafür die vielfach beschriebenen Reformen verabschiedet werden, so daß Brüssel tatsächlich zügig handeln und entscheiden kann. Das wird schwer bis extrem schwer, aber muß das Ziel aller guten Europäer sein.
Natürlich ist es schwachsinnig 25 verschiedene nationale Armeen zu unterhalten, die im Bedarfsfall (ich denke dabei insbesondere auch an Hilfseinsätze bei Katastrophen aller Art) nicht zu koordinieren sind.
Natürlich muß Europa gegenüber China und der USA mit einer gemeinsamen außenpolitischen Stimme sprechen. Europa braucht endlich „eine Telefonnummer“.
Natürlich ist es widersinnig auf diesem Kleinkontinent Dutzende verschiedene Steuersysteme installiert zu haben, die sich im Kampf um die großen Konzerne einen Dumping-Wettbewerb liefern.

Insbesondere wünsche ich mir von Europa aber eine 180°-Wende im Umgang mit Flüchtlingen.
Nicht nur führt die Verrammelung der EU-Außengrenzen zu humanitären Grausamkeiten, sondern die EU-Politik befördert wie hier vielfach beschrieben (Waffenexporte, EU-Agrarpolitik,..) die Migrationsbewegungen in der Welt.

Es sind doch ziemlich ekelige Dinge, die Europa treibt.

De Maizière eröffnet Abschiebezentrum
„Dieses Zentrum ist ein Schritt hin zu einem zentralen Abschiebeapparat unter de Maizières Führung. Die föderalen Strukturen werden geschwächt, um humanitäre Handlungsspielräume der Länder bei Abschiebungen zu beseitigen. Das ist inakzeptabel, wir brauchen keine Bundesabschiebebehörde, die nur noch auf Vollzug ausgerichtet ist“, kommentiert die innenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Ulla Jelpke, die Eröffnung eines „Zentrums zur Unterstützung der Rückkehr“ in Berlin. [……][……]

[……] „Die Bilanz nach einem Jahr Merkel-Erdogan-Pakt ist düster – für die syrischen Flüchtlinge, für die Bevölkerung in der Türkei, aber auch für die EU und Bundesregierung. Angela Merkel hat durch ihren Pakt mit Erdogan Deutschland und die EU zur Geisel des Despoten in Ankara gemacht, der als Türsteher Europas die europäischen Länder fast grenzenlos erpresst. Der Pakt ist keine Lösung, sondern eine moralische Bankrotterklärung“, erklärt Sevim Dagdelen, Sprecherin der Fraktion DIE LINKE für Internationale Beziehungen. Dagdelen weiter:

„Es war von Anfang an absurd, sich zur Bewältigung der Flüchtlingskrise ausgerechnet mit Erdogan zu verbünden, der die Türkei zur zentralen Aktionsplattform für den islamistischen Terrorismus gemacht hat und als personifizierte Fluchtursache anzusehen ist. Zudem hat seine Kriegführung gegen die Kurden im Südosten der Türkei einem gerade veröffentlichen Bericht der UNO zufolge 500.000 Menschen zu Vertriebenen im eigenen Land gemacht, mehr als 1.200 Menschen wurden getötet. Die Zahl von Asylanträgen türkischer Bürger in Deutschland hat sich vervierfacht. Weder ist die Türkei ein sicherer Drittstaat, noch werden dort die Menschenrechte eingehalten. [……] Statt sich weiter von Erdogan erpressen zu lassen, muss Merkel ihren miesen Pakt aufkündigen und endlich die Fluchtursachen bekämpfen. Dazu gehört ein Stopp der Rüstungsexporte und die Überwindung der ungerechten kapitalistischen Wirtschaftsbeziehungen, die Millionen Menschen erst zu Flüchtlingen machen. Das ist die einzige menschenfreundliche Perspektive.“

[……] Während die Wirtschaft die EU feiert, nimmt die Armut in der Union zu und liegt mittlerweile weit über Vergleichswerten in China. Laut der
EU-Statistikbehörde eurostat waren im Jahr 2015 mehr als 118
Millionen EU-Bürger von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht -
23,7 Prozent der Bevölkerung. In manchen Mitgliedstaaten leiden
Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren zu einem hohen Anteil an
Proteinmangel, weil sie respektive ihre Eltern angemessene Nahrung
nicht bezahlen können. Von 1990 bis 1995 haben 5,5 Prozent der
Bevölkerung Ost- und Südosteuropas ihre Heimat verlassen und sind
ausgewandert - zumeist, um der grassierenden Armut zu entkommen. […..]

[……] „Das tödliche Grenzregime steuert von einem Rekord des Schreckens auf den nächsten zu. Das neuerliche Unglück im Mittelmeer macht mich wütend – wütend vor allem auf Regierungen, denen Abschottung wichtiger ist als Menschenleben. Die Krokodilstränen der Bundesregierung ändern daran nichts. Gerade die Bundesregierung mit ihrer treibenden Rolle in der Abschottungspolitik trägt eine Mitverantwortung für diese Toten“, kommentiert die innenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Ulla Jelpke, den Tod von bis zu 250 Flüchtlingen, die gestern ertrunken sind. Jelpke weiter:
„Dieses Unglück vor der Küste Libyens wäre vermeidbar gewesen. Denn die EU setzt darauf, die libyschen Seegrenzen dichtzumachen und zwingt die Flüchtlinge dadurch, sich der Hilfsdienste skrupelloser Schleuser zu bedienen. Es müssen endlich legale, sichere Wege nach Europa geschaffen werden, um das Sterben zu beenden.“

Freitag, 24. März 2017

Repeal and replace Obamacare



Natürlich versteht das kein Mensch in Deutschland, aber in Amerika ist es so populär die allgemeine Krankenversicherung abzuschaffen, daß die Republikaner mit dem Spruch Repeal and replace Obamacare erst die Mehrheit im Repräsentantenhaus gewannen, mit Repeal and replace Obamacare die Majorität der Senatssitze errangen und schließlich auch mit Repeal and replace Obamacare ins Weiße Haus zogen.

Mit ganz viel rechter Propaganda, mit evangelikalem Furor und gezielter Desinformation gelang es den Menschen mehrheitlich einzureden, man könne die Vorteile des Patient Protection and Affordable Care Act (PPACA) haben und das gemeingefährliche Obamacare abschaffen.
Daß es sich hierbei nur um zwei unterschiedliche Namen für dasselbe Gesetz handelt, ist den verblödeten Ami-Wählern nicht klar.

Statt sich inhaltlich mit dem Gesundheitssystem zu beschäftigen, wurde Obamacare zu einem Trigger, um alle rassistischen Gefühle der Rechten freizulassen.
Bei der Erwähnung des Wortes im Wahlkampf setzte der pawlowsche Speichelfluss ein: Das Gesetz von dem „Neger“, das „sozialistische“ Gesetz.

Kein Republikaner äußert sich im Wahlkampf ohne zu versprechen die Steuern zu senken und Obamacare zu vernichten.
Steuern sind schlecht und Versicherungen sind schlecht.

Wer zahlt schon gern Krankenversicherungsbeiträge? Wer zahlt schon gern Einkommenssteuer? So ein Teufelszeug!

Ryan Koronowski, Research Director at ThinkProgress, stellte heute eine Liste ins Netz, die 68fach Trumps Schwüre Obamacare sofort abzuschaffen, dokumentiert.

“So, just to sum up, I would do various things very quickly. I would repeal and replace the big lie, Obamacare.” [New York, NY, 6/15/15]
[….]
“We’re going to end, terminate, repeal Obamacare and replace it with something really, really great that works. That works.” [New Hampshire, 9/17/15]
[….]
 “We are going to repeal and replace Obamacare which is a disaster.” [Norcross, GA, 10/10/15]
[….]
 “Someone said what’s the first thing you’re going to do? Well we’re going to work immediately on repealing Obamacare.” [Sioux City, IA, 10/27/15]
[….]
 “Our health care is a horror show. Obamacare, we’re going to repeal it and replace it.” [North Charleston, SC, 1/14/16]
 “Everybody in here, many of you know me, from day one I’ve been talking about we’re going to repeal and replace Obamacare from day one, we’re going to do it. If you remember, so important, from day one I’ve been saying, repeal and replace Obamacare.” [Milford, NH, 2/2/16]
[….]
 “Look, I wantwere going towere going to repeal andand replace Obamacare. Obamacare is a total and complete disaster. Its going to be gone. Were going to come up with a great health care plan, whether it’s health care savings accounts, we have a lot of different things.” [West Palm Beach, FL, 2/21/16]
“We’re going to win with Obamacarewere getting rid of it, were repealing, it replacing it. [Columbus, OH, 3/1/16]
[….]
 “We can’t have good health care. Obamacare is a disaster. Got to be repealed and replaced.” [Fox News, 3/11/16]
[….]
 “Obamacare is a disaster. It will be repealed and replaced as sure as you’re sitting there. Repealed and replaced. Thank you. And we will have alternatives that will be so good, that’s so much less expensive. So much better. You will actually be able to keep your doctor and to have your plan.” [Tampa, FL, 3/14/16]
[….]
 “We are going to repeal and replace Obamacare which is a total catastrophe. You are going to have great health insurance.” [Milwaukee, WI, 4/4/16]
[….]
 “And by the way, we are going to repeal and replace Obamacare. Just remember that.” [New York, NY, 5/29/16]
“A lot of part timers because of Obamacare, which is a disaster, which we’re going to repeal and replace with something much better, and much less money.” [Fox News, 6/21/16] [….]
[….]
[….]
[….]
[….]

Da Trump aber ein fauler Depp ist, der seinen Job nicht begreift und dementsprechend auch nicht in den vergangenen Wochen die Beteiligten an einen Tisch brachte, nicht mit Ärztevertretern, Versicherern und Patientenorganisationen sprach, sondern lieber Golf spielte und das Gesetz zur Abschaffung von Obamas Krankenversicherungen den Typen im Kongress überließ, denen sieben Jahre nichts die geringste Alternative eingefallen war, scheiterte Trumps Versprechen heute krachend.
Die Republikaner waren so sicher die Abstimmung (trotz einer breiten absoluten Mehrheit) zu verlieren, daß sie es erst gar nicht versuchten.

The Laziest, Most Ignorant President in History scheiterte heute also wieder einmal auf ganzer Linie.
Weder der Travelban, noch der Plan, um den IS zu eliminieren, noch das Obamacare-Versprechen konnte der selbsternannte beste Negotiator umsetzen.

Nun müssen die armen Amerikaner also weiter für eine Krankenversicherung zahlen.

Eine erstaunliche Erkenntnis scheint aber immerhin bei einigen Wählern einzusetzen. Auch wenn man ungern Prämien und Steuern bezahlt, so sind sie dennoch nicht völlig überflüssig.
Potzblitz, aber es soll vorkommen, daß wirklich mal jemand krank wird und dann ist es gar nicht sooooo schlecht eine Krankenversicherung zu haben.

Es mag Paul Ryan, den mächtige Kongress-Chef verblüffen, aber die 24 Millionen Amerikaner, die nach seinem Gesetzesvorschlag ihre Krankenversicherung verloren hätten, fanden das gar nicht so gut, wie erwartet.
Es geschehen noch Zeichen und Wunder; einige wollen sogar versichert sein! Wie im Kommunismus!

[…..] Wie immer hat Donald Trump laut herumgetönt. Wie immer hat er geschwätzt und gedroht und getwittert. Nur genutzt hat es dieses Mal nichts, und das allein ist schon bemerkenswert. Trump hat zu spüren bekommen, dass seine Macht Grenzen hat, dass er dem Parlament nicht diktieren kann, wann es über welche Gesundheitspolitik abzustimmen hat. Und es war die republikanische Fraktion im Abgeordnetenhaus, die dem republikanischen Präsidenten diese Grenze aufgezeigt hat. Wie nennt man das? Mann beißt Hund.
Die zweite bemerkenswerte Nachricht ist: Gegen Trumps Willen wurde - zumindest vorerst - ein schlechtes Gesetz gestoppt. Die Republikaner hatten ihrer zusammengeschusterten Vorlage den ebenso großspurigen wie vermessenen Titel American Health Care Act gegeben. Das war absurd, denn dieses Gesetz sollte Millionen Menschen ihre Krankenversicherungen rauben. Man muss wohl ein so großer Denker wie Donald Trump sein, um zu verstehen, was das mit Gesundheitsvorsorge zu tun hat. [….]

Donnerstag, 23. März 2017

Wie wird man Trump wieder los?



Unter FBI-investigations zu stehen, ist natürlich außerordentlich lästig für einen US-Präsidenten, da das viel Zeit und Aufmerksamkeit bindet.
Es hängt wie ein Damoklesschwert über Trump, denn es scheint immer noch möglich so gravierende Dinge aufzudecken, daß auch GOPer im Kongress an ein Impeachment denken müssen.
Warum darf man nicht mit den Russen sprechen, fragen nun scheinheilig empört viele Republikaner. Das hatte doch Trump im Wahlkampf versprochen; wieder bessere Beziehungen zu Moskau aufzubauen.
Natürlich darf und soll man mit Russen sprechen.
Aber ein president-elect darf nicht dem amtierenden Präsidenten außenpolitisch ins Handwerk pfuschen.
Zudem ist es ungeheuer verdächtig, wenn Trumps engste Berater wie Sessions und Flynn auf entsprechende Fragen dreist den Kongress anlügen, statt zuzugeben mit Moskau gesprochen zu haben.
Zudem ist es ungeheuer verdächtig, wenn Trump gegen alle Gepflogenheiten hartnäckig seine Steuerunterlagen verweigert, die beweisen könnten, wenn Trump keine geschäftlichen Verbindungen zu Russland unterhalten sollte.

Ich schätze die politische Lage Amerikas allerdings als so derartig verhärtet ein, daß Republikaner mit ihren deutlichen Mehrheiten und den Schlüsselpositionen in Justiz und Exekutive es verhindern werden ihren Präsidenten stürzen zu lassen.
Die Machtfülle der Republikaner ist 2017 so gewaltig wie seit vielen Jahrzehnten nicht.

(…..) Die Republikaner stellen 33 und die Demokraten 16 Gouverneure. Trumps GOPer haben als mehr als doppelt so viele Regierungschefs in den Ländern. Eine Zweidrittelmehrheit.
Die Landkarte nach politischen Farben sieht verdammt rot aus.

Im US-Senat (100 Sitze) verfügen die Republikaner mit 52 Senatoren über die absolute Mehrheit (Demokraten 46)

Auch im wichtigen US-Repräsentantenhaus stellt Trumps Partei mit 237 von insgesamt 435 Sitzen eine sichere absolute Mehrheit. Die Demokraten dümpeln bei 193 Abgeordneten weit dahinter.

Darüber hinaus baut Trumps Administration gerade die gesamte Justiz um und wird in Kürze überall ultrakonservative Juristen installiert haben.

[…..] Alle 46 US-Bundesanwälte, die während der Amtszeit Barack Obamas ernannt worden waren, sollten zurücktreten. So hat es die Regierung Donald Trumps gefordert. Preet Bharara, prominenter Bundesanwalt in Manhatten, weigerte sich offenbar und wurde jetzt nach eigener Aussage bei Twitter gefeuert. [….]

Wesentlich dramatischer könnten Trumps Ernennungen für den Supreme Court sein, da auch zukünftige Präsidenten diese nicht rückgängig machen können. Die obersten Richter amtieren auf Lebenszeit und so könnten die Weichen für Dekaden auf ultrakonservativ gestellt werden. (…..)
Außerdem darf man nicht den Fehler begehen den Trump-Anhängern auch nur Rudimente von Verstand anzudichten.
Das sind von der Realität völlig entkoppelte Fanatiker.


Das Wahlvolk kümmert sich nicht um die klassischen Medien und glaubt nicht an die kontinuierliche Aufdeckung von Trumps Lügen.

Der Präsident bestärkt sie nicht nur mit seinen pausenlosen Tweets, sondern er befindet sich immer noch auf Wahlkampftour.

Warum?

Das hat zwei Gründe. Zum einen müssen seine Berater ihn mit diesen Fan-Bädern beruhigen. Würde Trump zu viel Realität in Washington miterleben, könnte er noch mehr ausrasten.
Zum anderen spülen diese Auftritte immer noch viel Geld in Trumps Kassen, weil sie gesponsert werden und die Merchandising-Maschine weiterläuft.


Diese fortgesetzten Trump-Rallys sind gewissermaßen das Ritalin, welches das dreijährige jähzornige Kind in ihm in Schach halten.

Trumps gaslighing* der Öffentlichkeit stabilisiert seine Macht.
Dadurch wird er immun gegen die Aufdeckung seiner Lügen, demoralisiert die Demokraten und hält seine Fans bei der Stange.

*Gaslighting is a form of manipulation that seeks to sow seeds of doubt in a targeted individual or members of a group, hoping to make targets question their own memory, perception, and sanity. Using persistent denial, misdirection, contradiction, and lying, it attempts to destabilize the target and delegitimize the target's belief.
Instances may range from the denial by an abuser that previous abusive incidents ever occurred up to the staging of bizarre events by the abuser with the intention of disorienting the victim.[…..]

Es ist sehr nett und richtig, daß Medien wie Jeff Bezos‘ Washington Post (Leitspruch des Headers: „Democracy Dies in Darkness“) mehr recherchieren und FACT-CHECK-Apps anbieten, so daß jeder, der es wissen will darüber informiert wird, wie dreist das Weiße Haus „alternative facts“ produziert.

Beindruckend ist das schon.

Trump has been in office for 63 days. As of our latest update on day 56, we’ve counted 247 false or misleading claims.

Das wird Trump aber nicht gefährlich, weil es nur eine Minderheit interessiert.
85% der Republikaner misstrauen grundsätzlich den Medien, ergab eine neue Umfrage.

Durch den kontinuierlichen moralischen und qualitativen Verfall der Republikaner und der rechten Medien in den letzten 20 Jahren, ist Trump also immun gegen die Wahrheit.
Ein Impeachment wird es eher nicht geben.

Etwas anderes könnte aber Trumps Präsidentschaft doch vorzeitig beenden; seine Faulheit.
Der Mann hat nie die Jobbeschreibung gelesen und wundert sich nun, daß Dinge wie der US-Etat oder Gesundheitssystem nicht mit einer simplen Anweisung von ihm zu regeln sind.
Er hatte keine Ahnung was dabei zu beachten ist und wer mitredet.

Woher sollte er das auch wissen?
Trump ist außerordentlich ungebildet. Er kann nur rudimentär lesen.
Er hat noch nie ein Buch gelesen und ist schon bei den 140 Zeichen eines Tweets grammatikalisch und orthographisch völlig überfordert.

Trump wurde als Multimillionär geboren und war es stets gewöhnt das zu bekommen, was er wollte. Mit Geld kann man sich auch in eine Ivy League-Schule einkaufen.
Zudem fehlt Trump als Soziopath jede Empathie für seine Opfer; er handelt als Amoralist und kann damit gewisse geschäftliche Vorteile erringen.
So kam er auch zum „southern White House“ Mar A Lago.
Die Vorbesitzer wollten nicht an ihn verkaufen. Also kaufte er einen schmalen Streifen des Nachbargrundstücks und drohte eine so hohe Mauer zu errichten, daß keiner mehr das Meer sehen könne.

[…..] "Louis XIV. auf einem Acid-Trip"
[…..] In Palm Beach offenbart sich wie unter einem Brennglas, wie isoliert Trump lebt - und warum ihn Amerikas Society geächtet hat. Klagen, Drohungen, krumme Deals: Seit er 1985 auf dem schmalen Inselstreifen einfiel, schlug er um sich - "die menschliche Schockwelle aus New York", so beschreibt ihn Lokalkolumnist Frank Cerabino.
"Die alte Garde ist schockiert über seine schlechten Manieren", sagt ein Insider. "Er ist ein Rüpel." […..]
 "Er galt als Barbar vor unseren Toren", erinnert sich Kolumnist Cerabino. "Als Abzocker, der allzu erpicht darauf war zu beeindrucken."
Am meisten gierte Trump nach Mar-a-Lago, erbaut 1927 für die Cornflakes-Erbin Marjorie Merriweather Post, damals die reichste Frau Amerikas. Trump schnappte sich das Anwesen mit 128 Zimmern für acht Millionen Dollar - weit unter dem Marktwert, der heute auf mehr als 70 Millionen Dollar geschätzt wird. Er drückte den Preis, indem er drohte, Mar-a-Lagos Meerblick zu verbauen. […..]

Nun, mit 70 Jahren, ist Trump zum ersten Mal in einer Situation, in der er nicht mit Druck und Geld durchkommt.
Zudem kann er auch nicht wegrennen, wie er es die letzten 50 Jahre gewöhnt war. Er hatte immer nur kurze polternde Auftritte, überließ dann alles den Unterhändlern und verschwand zum Chillen auf eins seiner Luxusanwesen.

Lange andauernde Sitzungen, die akribische Vorbereitungen, Aktenstudium und stundenlange Konzentration notwendig machen, überfordern ihn in jeder Hinsicht.

Die für heute Abend angesetzte Abstimmung zur Abschaffung von „Obamacare“ ist ein Paradebeispiel.
Ultrakonservativen Republikaner geht „Trumpcare“ nicht weit genug, moderatere GOPer fürchten den Zorn der 24 Millionen Menschen, die ihre Krankenversicherung verlieren werden.
Ein klassisches Problem, daß alle demokratischen Regierungschefs kennen. Hier sind Taktik, Geduld und viele intelligente Hintergrundgespräche notwendig.
Also Dinge, die Trump nicht kann.
Er versuchte es wie gewöhnlich mit Druck auf die republikanischen Abgeordneten, herrschte sie mit 'I'm president, and you're not' an.
Aber anders als seine Angestellten, die er feuern kann, ließen sich nicht alle Lawmaker einschüchtern.
Was im Trumptower geht, muß nicht unbedingt im Weißen Haus funktionieren.
Die Republikaner sagten die Abstimmung ab.
Besonders die Ultrakonservativen um Mark Meadows vom teebeutlerischen Freedom Caucus sind pissed.

"Anger at the Freedom Caucus: Frustration is mounting.
"This bill is collapsing," one House Republican, who declined to speak on the record, told CNN Thursday morning.
The challenge for leaders as they count their votes is daunting: Give conservatives too much of what they want and risk losing the moderates, but keep the moderates on board and conservatives could walk.
Trump defends wild claims: 'I'm president, and you're not'
Trump is now seeing and feeling firsthand what it is like to work with the Freedom Caucus, a top GOP source said, that they are incredibly frustrating because they don't really want to get to yes -- and keep moving the goalposts.[….]

Trump hat ganz offensichtlich schon in den ersten acht Wochen die Lust auf das Amt verloren.
Dauernd flieht er zum Golfen nach Mar A Lago.
Es wird ihn sehr frustrieren seine Ankündigungen (Repeal and replace Obamacare the first day, the first hour in office, defeat ISIS within 30 days) nicht umsetzen  zu können.
Und schon gar nicht kann der Narziss ertragen, wenn sich Meldungen wie „Approval ratings down the toilet“ häufen.

Sich durch etwas durchbeißen, das ihm keinen Spaß macht und weder Bewunderung noch Geld einbringt ist Trumps Sache absolut nicht.

Ich glaube nicht, daß der Kongress ich des Amtes entheben wird, aber er könnte entnervt selbst hinwerfen und die Schuld den Medien und „Washington“ in die Schuhe schieben.

Gegen einen vorzeitigen Amtsverzicht spricht allerdings seine Parasiten-Natur.
Trump nutzt für sich, seine Firma und seine Familie schamlos den Steuerzahler aus.
Donald Trump bereichert sich als Präsident und die Gelegenheit wird er weiterhin ausnutzen wollen.

Ausländische Staatsgäste und Wirtschafsdelegationen wissen wie geldgierig Trump ist und trauen sich daher nicht bei Washington-Besuchen andere Hotels als das Trump-Hotel zu buchen.
Sein Mar A Lago-Golfclub erhöhte schnell die Aufnahmegebühr von $100.000 auf $200.000 – schließlich will jeder mit dem mächtigsten Mann der Welt golfen. Das nutzt Trump aus, um zu verdienen.

Die schönen Geldströme wären dahin, wenn er sein Amt abgibt.