Montag, 10. Oktober 2016

Finanzielle Weichenstellungen.


Milliardär sein ist eine tolle Sache.
Da kann man im Jahr fast eine Milliarde Dollar verlieren, weil man einfach zu dumm ist sein Unternehmen zu führen und bekommt dafür 18 Jahre lang Steuergeschenke vom Staat.


In Deutschland gibt es das gleiche Prinzip.

Wenn man relativ arm ist, keine gewaltigen Kapitalanlagen oder Immobilienvermögen vorweisen kann, wenn man nicht durch Rumsitzen und Nichtstun immer reicher wird, sondern wie der gemeine Plebs einer täglichen Erwerbsarbeit nachgehen muß, greift einem Herr Schäuble automatisch in Tasche, zieht was er will vom Gehalt ab, bevor es auf dem eigenen Konto landet.

Wer nicht von seiner eigenen Hände Arbeit lebt, sondern bequem im Schaukelstuhl chillend von ererbten Vermögenserträgen lebt, wird vom Bundesfinanzminister viel zuvorkommender behandelt.
Die Kapitalertragssteuer ist viel niedriger als Einkommenssteuer, sie wird auch nicht sofort eingezogen und vor allem kann man das wofür man aus Faulheit andere arbeiten läßt auch noch von der Steuer absetzen. Werbungskosten, haushaltsnahe Dienstleistungen, das Auto oder auch den neuen Computer.
Wer so arm ist, daß er keine Immobilien oder Firmen besitzt, bleibt auf diesen Kosten sitzen.
Schäuble gibt nur genau dann etwas dazu, wenn man so reich ist, daß man es nicht nötig hätte vom Staat einen taxcut zu bekommen.

Wenn man den Ärmeren immer etwas abzieht und den Reichen etwas dazu gibt, passiert etwas wenig Überraschendes:

[….] Die Einkommen in Deutschland sind nach einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung so ungleich verteilt wie nie zuvor. Auch schaffen es heute weniger Arme aus ihrer Schicht heraus als noch in den 1990er-Jahren. [….] Die Wirtschaft brummt, Deutschland vermeldet Export-Rekorde, so viele Menschen wie selten zuvor haben einen Job. Man könnte meinen, dass die Chancen auf Wohlstand entsprechend sehr gut sind. Doch das ist weit gefehlt, sagt die Sozialwissenschaftlerin Dorothee Spannagel: "Seit den 90er-Jahren ist auch die Chance für arme Menschen - insbesondere in Ostdeutschland - aufzusteigen, zurückgegangen."
[….] Der Generalsekretär der Caritas, Georg Cremer, widerspricht dem nicht. [….]

Die Einkommensverteilung in Deutschland wird zunehmend  undurchlässiger.  Armut  und  Reichtum werden  immer  dauerhafter.  Das  zeigt  der  diesjährige  Verteilungsbericht  des  WSI.  Der  Bericht  analysiert, wie sich die Einkommensmobilität in West- und  Ostdeutschland  seit  Anfang  der  1990er  Jahre entwickelt  hat.  Dabei  wird  deutlich:  Die  Einkommensverteilung hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verfestigt. Vor allem in Ostdeutschland ist die Durchlässigkeit zwischen Einkommensklassen seit der  Wiedervereinigung  stark  rückläufig.  Die  Einkommensreichen können sich ihrer gehobenen sozialen Lage immer sicherer sein. Wer hingegen einmal arm ist, für den wird es immer schwieriger, diese defizitäre Situation zu überwinden. Immer mehr Menschen  werden so dauerhaft  an  den  Rand  der Gesellschaft gedrängt. Um diese Entwicklungen zu beenden und soziale Mobilität zu fördern, ist neben einer stärkeren Umverteilung über Steuern und der Verringerung von Langzeitarbeitslosigkeit vor allem der Abbau von Ungleichheiten  im  Bildungssystem dringend geboten.

Wir kennen den Effekt, wir kennen die Ursachen, wir kennen die Therapie.
Allein, Wolfgang Schäuble, der Arbeitsverweigerer will es so.
Vor genau sechs Jahren, am 10.10.2010 beklagte ich schon Schäubles demonstrative Untätigkeit. Am 10.10.2016 ist er keinen Schritt weiter.

Schäuble verschlimmert damit die bestehenden verkrusteten Verhältnisse, indem er das Finanz- und Steuersystem so eingestellt läßt, daß Milliarden zu der Vermögenden geschaufelt werden, während zwei Millionen Kinder in Armut leben und die untere Hälfte der Bevölkerung immer mehr absteigt.
Schäuble verteilt eifrig weiter nach oben um.

Schäubles Steuerrabatt für Neubauten stößt auf Kritik
[…..] Das geplante Gesetz über die steuerliche Förderung von Neubauwohnungen stößt in Politik und Wirtschaft zunehmend auf Widerstand. Kritik kam unter anderem vom Deutschen Mieterbund, der die Pläne der Bundesregierung als Milliardengeschenk an Bauherren und Investoren bezeichnete. „Niedrigere, weil steuerlich geförderte Baukosten bedeuten nicht automatisch niedrigere Mieten“, sagte Mieterbund-Direktor Lukas Siebenkotten. „Ohne eindeutige Mietobergrenzen für diese Wohnungen bleibt das Ziel, bezahlbare Wohnungen für mittlere und untere Einkommensgruppen zu errichten, ein frommer Wunsch.“

Das MIT-Konzept [der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung] sieht vor, die Bürger in der Endstufe ab 2020 um jährlich über 33 Milliarden Euro zu entlasten. Im ersten Schritt soll schon 2018 der Arbeitnehmer-Pauschbetrag, mit dem Werbungskosten pauschal abgegolten sind, von 1000 auf 2000 Euro steigen. Dadurch würden die Bürger um 7,5 Milliarden Euro entlastet. Im zweiten Schritt soll der Spitzensteuersatz von 42 Prozent erst bei 60.000 Euro Jahreseinkommen greifen. Das soll die Bürger um weitere 25,8 Milliarden Euro entlasten. Im dritten Schritt sollen 2020 Kinderfreibetrag und Kindergeld angehoben werden.

Klare Fälle von Steuergeschenken für die vermögendere Hälfte der Bevölkerung.
Die ärmeren 50% zahlen ohnehin keinen Einkommensteuer und können daher auch nicht von den Unions-Steuergeschenken profitieren.

Der pathologische Lügner Wolfgang Schäuble kennt kein Schamgefühl und betrachtet seine Steuerpolitik, die einseitig nur den vermögenden Deutschen hilft als ausgewogene Politik.

Und so flunkert sich der angesehenste CDU-Mann weiter ins Herz des Urnenpöbels.
Dabei ist seine öffentliche Schwindelei längst zum internationalen Ärgernis geworden.

Schäubles Schwindel
Europa muss die Griechen alleine retten. Der IWF macht da - anders als vom Finanzminister behauptet - nicht mehr mit.
Es erscheint bizarr, wie vehement Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble behauptet, der Internationale Währungsfonds (IWF) habe sich verpflichtet, ab Ende des Jahres dem dritten Kreditprogramm für Griechenland beizutreten. Und es ist befremdlich, wie Schäuble die Dementis aus den Chefetagen des Fonds in Washington ignoriert und sich auf eine Erklärung der Euro-Finanzminister vom Mai beruft, in der diese die Erwartung äußern, dass der IWF ab Jahresende wieder mitmacht.
Tatsächlich ist es an der Zeit, dass Schäuble die Wahrheit sagt. Der Währungsfonds vergibt seit drei Jahren keine Kredite mehr nach Athen, die zuvor gewährten Milliarden hat das Land so gut wie zurückgezahlt. [….]

Sonntag, 9. Oktober 2016

Gute Ossis

Gregor Gysi kann doch nicht so recht vom politischen Einfluss lassen.
Nach gefühlten 27 Rückzügen auf’s Altenteil und drei Dutzend Abschieds-Auftritten in Talkshows entschloss er sich für den Bundestag 2017 zu kandidieren.
Ich hatte tatsächlich geglaubt, Gysi leide nicht am Kohl’schen Unersetzlichkeitswahn.
Zu seiner Entschuldigung sei gesagt, daß er den Vorsitz der Bundestagsfraktion längst abgegeben hatte und seine Nachfolger tatsächlich unfähig sind.
Frau Wagenknecht, die ich lange sehr schätzte, blinkte nun schon mehrfach völkisch und trifft sich demonstrativ mit Frauke Petry.
Bei der Bundestagswahl 2013 wurde Linke unter Gysi stärker als Grüne und FDP und somit zur Oppositionsführerin im Bundestag.
Eine Paraderolle gegen eine übermächtige GroKo, die nur mit sich selbst zankt.
Herr Bartsch und Frau Wagenknecht haben nun das Kunststück vollbracht auf dieser Bühne so zu debakulieren, daß sie wohl im nächsten Bundestag hinter Grünen und AfD zurückschrumpfen werden.

Warum ist also der Osten so rechts, so affin für chauvinistisches und reaktionäres Gedankengut? Wieso rennen da die „kleinen Leute“ hinter den Furz Bachmanns und Blöd Höckes her, zünden fast täglich Asylunterkünfte an und benehmen sich wie ein abscheulicher kotbrauner Mob, den offensichtlich die Möse der Unterwelt ausgerülpst hat?


Gibt es dazu von Kipping, Riexinger oder Bartsch irgendwelche sinnigen Analysen und Vorschläge, wie man das ändern könnte?
Oder ist es nur Wagenknecht, die à la Scheuer ein bißchen an den Mob heranrobbt?

Gregor Gysi sagt immerhin etwas zu dem unangenehmen Thema.

Rassismus und die Ablehnung von Ausländern sind in den neuen Bundesländern stärker ausgeprägt. Eine Erklärung ist, dass beispielsweise die Älteren aus einer geschlossenen Gesellschaft kamen. Die sollten dann plötzlich Deutsche werden, danach Europäer und dann Weltbürger – und das kann überfordern.
Das Zweite ist: Im Osten gab es 1990 einen richtigen sozialen Zusammenbruch. Eine Massenarbeitslosigkeit von einem Tag zum anderen, viele Ältere waren ohne jede Hoffnung. So einen katastrophalen Umschwung gab es zum Glück im Westen nie. Deshalb glauben Menschen im Osten eher daran, dass es zum Beispiel durch Flüchtlinge wieder zu einem solchen Umschwung kommen könnte. Diese Überlegung ist zwar falsch, aber wir alle müssen uns vorwerfen, völlig ungenügend Aufklärungsarbeit geleistet zu haben.
Außerdem: Dort wo Menschen muslimischen Glaubens leben und wohnen, wird kaum rechtsextrem oder rechtspopulistisch gewählt und dort, wo sie fast nicht existent sind, wird so gewählt, also eine abstrakte Angst. [….] Wenn ein Polizist auf der Pegida-Demo in Dresden den Anhängern dort noch einen „erfolgreichen Tag“ wünscht, wenn Versammlungen verboten werden und trotzdem stattfinden, dann merkt man, dass es leider in der sächsischen Polizei eine Orientierung nach rechts gibt. Schon öfter haben wir in Sachsen erlebt, dass die Polizei dort einseitig orientiert ist. Auch da muss etwas geändert werden, vielleicht mal kein Innenminister von der CDU. [….]

Alles richtig, was der gute Ossi sagt.
Aber kann man nach 26 Jahren Einheit immer noch sagen, daß die Ossis von der Plötzlichkeit des Umbruchs so überrascht sind, daß sie sich dagegen wehren?
Und wieso bedeutet Protest gegen die herrschende Politik und die Regierungen im Osten so oft, daß auf Schwache und Kinder eingeprügelt wird?
Ich bin sehr dafür gegen die GroKo zu argumentieren, zu demonstrieren und zu organisieren.

Das hat aber rein gar nichts damit zu tun auf kleine Kinder einzuprügeln, weil sie die falsche Hautfarbe haben.

Jugendliche haben im sächsischen Sebnitz drei syrische Flüchtlingskinder mit einem Messer bedroht und geschlagen. Die fünf, acht und elf Jahre alten Brüder wurden nach Angaben der Polizei am Donnerstagabend angegriffen, als sie aus einem Bus stiegen.
Wie die Kinder berichteten, riefen die Angreifer auch rechte Parolen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE sollen sie "Sieg, Heil" gebrüllt haben. Der Vater der Jungen verständigte die Polizei.
Die Beamten stellten in der Nähe der Bushaltestelle mehrere Jugendliche im Alter zwischen 15 und 20 Jahren fest. [….]


In Sachsen-Anhalt ist ein Mann aus Liberia in seinem Haus attackiert worden. Zwei Männer, bewaffnet mit einem Schlagstock und einem Schlagring, griffen den 44-Jährigen am Donnerstag in Merseburg an. Sie hatten zuvor an der Haustür geklingelt, wie ein Polizeisprecher sagte.
Die 47-jährige deutsche Lebensgefährtin des Afrikaners und ihr fünfjähriger Enkel wurden bei der Attacke ebenfalls verletzt. Alle drei Opfer kamen ins Krankenhaus. [….]


Eine Woche nachdem Rechtsradikale und Flüchtlinge aufeinander losgingen, ist es in der sächsischen Kleinstadt Bautzen wieder zu einem Übergriff gekommen. Wie die Polizei meldet, haben zwei Unbekannte einen 72 Jahre alten Mann angegriffen. Er wurde demnach von den beiden jugendlichen Tätern zu Boden geworfen; sie sollen dazu "Ausländer raus!" gerufen haben.
Das Opfer ist Deutscher, hat algerische Wurzeln und lebt den Angaben zufolge seit rund 40 Jahren in Deutschland. [….]


So liegen die im Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2015 dokumentierten, rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten bezogen auf eine Million Einwohner in Mecklenburg-Vorpommern (58,7), Brandenburg (51,9), Sachsen (49,6), Sachsen-Anhalt (42,6), Berlin (37,9) und Thüringen (33,9) deutlich über dem Durchschnitt der westdeutschen Länder (10,5).

Die Realität dürfte weit schlimmer sein, da die mit den rechten offen sympathisierende ostdeutsche Polizei oft den fremdenfeindlichen Hintergrund einer Straftat gar nicht erfasst.

Wo sind die netten Ossis, die sich dagegen stellen?
Wo ist Gauck eigentlich?
Göring-Kirchentag?

Samstag, 8. Oktober 2016

Zum Mitschämen?



Die Hamburger Morgenpost erscheint heute unter der Überschrift „Hamburg schämt sich fremd“ mit einem ganzseitigen Nacktbild von  Ronald Schill, der in der RTL-Kuppelshow „Adam such Eva“ seine Nudel in die Kamera hält und 30 Jahre jüngere Frauen befummelt.

Für Menschen, die eine RTL-Reality-Show mit Nackten sehen, ist das Auftreten Ronald Schills keine Überraschung; er hatte schon zuvor stolz seine Penis in Reality-Shows vorgezeigt.

Noch vor dem ersten Kontakt zu den anderen Bewohnern haut Schill dann auch schon einen raus: „Die Merkmale einer Traumfrau – es sind nur vier. Erstens: Sie hat immer Lust auf Sex. Zweitens: Sie liebt Fellatio. Drittens: Sie kann ein Stöhnen/Schreien beim Sex nicht unterdrücken. Und viertens: Sie gibt dem Mann das Gefühl, dass sie gerade auf ihn besonders abfährt.“ [….]


Die Mopo spricht über den „gnadenlos peinlichen Auftritt“ des früheren Hamburger Bürgermeisters, als ob es eine totale Überraschung wäre; fühlt mit seinen früheren Wählern mit.

Mit baumelnder Skandalnudel schreitet er den Strand entlang, hochbeinig, die Schultern straff zurückgezogen, den Kopf seltsam vorgereckt. Das Gesicht scheint immer echsenartiger zu werden.
Was haben die Damen der Hamburger High Society für ihn geschwärmt, 2001, als der Richter so schneidig ins Rathaus einzog. Ob die jetzt in ihrer Blankeneser Villa sitzen und zugucken? Heimlich, damit der Gatte nicht meckert ("Du hast damals gesagt, dass wir dem spenden sollen! Das war deine Idee!"). [….]

Nein, man muß sich nicht für Schill schämen.
Ronald Schill war schon vor 2001 genauso schrill, genauso unwählbar und politisch sogar noch schlimmer, weil er damals rechtsextrem plapperte, während er heute nur ein erbärmlicher Sexist ist.

Wer sich schämen sollte, sind die 19,1%-Schill-Wähler von 2001, die SPRINGER-Presse, die ihn auf den Schild hob und insbesondere Ole von Beust, der aus purer Machtgeilheit so eine grauenvolle Flitzpiepe zum Bürgermeister der ehrwürdigen alten Hansestadt Hamburg machte.


Ich schäme mich auch nicht mit für das neue Sextape Donald Trumps, der 2005 darüber fabulierte, wie er Frauen sexuell belästigt.




Schämen müssen sich in diesem Fall die Republikanische Partei, die Trump zu ihrem Kandidaten gemacht haben und die Medien, die ihn mit einer nie dagewesenen kostenlosen Aufmerksamkeitskampagne beinahe bis ins Weiße Haus geschoben haben.

Jetzt ist es ihnen auf einmal peinlich, jetzt, gerade mal einen Monat vor der Wahl sprechen sie sich alle für Hillary Clinton aus.


Too litte, too late.

Und noch immer lassen die TV-Anstalten Trumps Bewunderer rund um die Uhr auftreten und für ihn werben.


Trump, der nicht nur so über Frauen redet, sondern sie auch so behandelt, ist für seine Surrogates immer noch der ideale Präsident, wegen….. weil…. Äh, wegen…., ach ja: BENGHAZI!

Scottie Nell Hughes tried to spin to blaming Hillary Clinton for Benghazi instead of talking about Trump’s words and the way he has historically treated women.

Es bleibt an den wenigen ohnehin Trump-kritischen Republikanern wie Ana Navarro, massiv zu fordern, daß er sofort aus dem Rennen aussteigen sollte, weil es eben keine neue Erkenntnis ist, wie Trump 2005 redete, sondern weil er immer so redet.
Die unfassbar dämliche Kayleigh McEnany beruft sich darauf eine gute Christin zu sein und Gott vergebe schließlich alles. Also ist Trump reingewaschen.


Nein, es ist nicht die Zeit für Scham; es ist Zeit für alle auch nur halbwegs zurechnungsfähigen Köpfe Amerikas ihre Mitbürger zur Raison zu bringen und den irren Trump, wenn schon nicht aus dem Rennen zu nehmen, so doch wenigstens nicht zu wählen.





Freitag, 7. Oktober 2016

US-Update



Heute entspann sich in meinem Zeitungskiosk ein kleiner Disput über die Wahlen in Amerika.
Bei solchen Gelegenheiten haue ich meine Ansichten immer gern möglichst zugespitzt auf den Tisch, weil ich es hochinteressant finde wie „normale Menschen“ über die politische Welt denken.

Eigentlich weiß man eher wie seine Freunde und Bekannten denken und das ist natürlich nicht repräsentativ, weil glühende Seehofer-Fans oder AfD-Wähler auch nicht meine Freunde werden.

Meine heutige Beobachtung unter einer zufälligen Ansammlung von Hamburgern: Obama ist immer noch über alle Maßen beliebt und offenbar wünschen sich alle eine US-Präsidentin Clinton.

US-Präsidentschaftswahlen: Klare Präferenzen und Erwartungen der Deutschen
Weiterhin sehr einhellig wünschen sich 87 Prozent aller Befragten Hillary Clinton als nächste US-Präsidentin, Donald Trump wollen nur 5 Prozent. Einen Wahlsieg Clintons erwarten 72 Prozent, 17 Prozent setzen da auf Trump.

Bemerkenswert war aber, daß die Leute hier Hillary Clinton scheinbar richtig mögen, sie für kompetent und fähig halten.
Es wird positiv argumentiert.

Das ist der große Unterschied zur Stimmung in Amerika, wo Hillary Clinton von der Hälfte der Bevölkerung leidenschaftlich gehasst wird, von 2/3 als zutiefst unehrlich angesehen wird.
Warum eigentlich?
Was hat sie eigentlich verbrochen?
Wurde sie dabei erwischt silberne Löffel im Weißen Haus mitgehen zu lassen?
Hat sie die Botenjungen im Außenministerium zum Cunnilingus gezwungen?

In Amerika argumentieren die Wohlmeinenden negativ:
Vergiss Hillary; die muß man eben für vier Jahre im Oval Office ertragen, wenn man Schlimmeres verhindern will.
Und darum kreißt doch alles: Donald Trump ist das Allerschlimmste.
Da hätte man lieber einen netten Serienmörder oder Bankräuber als US-Präsident.

Das ist Hillary Clintons Glück; sie hat das Totschlagargument „Trump“ auf ihrer Seite.

Die Rolle als ultimativer Buhman spielt er allerdings bemerkenswert gut.

Offener Rassismus, manisches Dauerlügen, schwerste Beleidigung von Frauen, öffentliches Lustigmachen über Behinderte und immer wieder beeindruckende Beweise seiner radikalen Inkompetenz und seines sagenhaften Unwissens.

Innerhalb einer Woche legte Trump jetzt so viel „Ich-bin-unwählbar“-Material auf die Waagschale, daß es reichen sollte 100 GOP-Präsidentschaftskandidaten die Wahlchancen zu versauen.

Clinton sei nicht fähig, schlechte Handelsabkommen zu bekämpfen oder dem russischen Präsidenten Wladimir Putin Paroli zu bieten, denn "sie kann nicht mal die 15 Fuß (gut 4,50 Meter) zu ihrem Auto schaffen", sagte Trump am Samstag vor Tausenden Zuschauern in Manheim (US-Staat Pennsylvania).
Er imitierte dann Clinton, indem er zu schwanken begann und seine Arme bewegte, als wäre er dabei, sein Gleichgewicht zu verlieren. Er bewegte sich sogar scheinbar unsicher auf den Beinen vom Mikrofon weg und sagte: "Leute, wir brauchen Stehvermögen. Wir brauchen Energie."
In seiner Rede schrieb er sich nach Angaben der "Washington Post" auch ein "gewinnendes Temperament" zu, während Clintons "schlecht sei. Trump fügte dann hinzu: "Sie könnte verrückt sein. Sie könnte wirklich verrückt sein." [….]

Man muß schon extrem tief gesunken sein, um sich so über jemand mit Lungenentzündung lustig zu machen.


Äußerst beeindruckend auch, was das angebliche Finanzgenie Trump mit einer Casino-Lizenz erreichte; üblicherweise ist das die Erlaubnis Geld zu drucken. Mit einer Casino-Lizenz wird auch ein Schimpanse Multimillionär.
Trump hingegen schaffte es damit fast eine Milliarde Dollar zu verlieren und in Folge dessen fast 20 Jahre keinen einzigen Cent Steuern mehr zu bezahlen.

Donald J. Trump declared a $916 million loss on his 1995 income tax returns, a tax deduction so substantial it could have allowed him to legally avoid paying any federal income taxes for up to 18 years, records obtained by The New York Times show. [….]

Das freut die Bluecollar-Worker sicherlich, daß nur sie so doof waren Steuern zu zahlen und nun für einen Multimilliardär stimmen sollen, der seit zwei Jahrzehnten keine Steuern zahlt und nun dazu aufruft die Steuern für Multimillionäre radikal zu senken und dafür den einfachen Leuten die Krankenversicherung zu streichen.

Es ist schwierig genaueres über Trumps Steuermachenschaften zu erfahren, da er so ein pathologischer Lügner ist, daß selbst seine eigenen Anwälte das Sechsaugenprinzip einführen mußten.

Trump’s own bankruptcy lawyers say he lies so much they could only meet with him in pairs
[….] Donald Trump’s own bankruptcy lawyers testified that they had a policy of not meeting with the real estate mogul alone because he had a “problem” of constantly lying. [….] In one document, bankruptcy attorney George Miller reveals that when meeting with Trump, “it’s always been our practice to make sure that two people are present, and we don’t have a problem with people lying.”
[….] “We tried to [meet in pairs] with Donald always if we could because Donald says certain things and then has a lack of memory,” he says in the deposition. [….]

Trump ist auch noch stolz drauf und verkündet bei der Gelegenheit auch noch, er glaube nicht, daß Hillary ihm Mann treu sei – and why should she be?


Beeindruckend, daß ein alter Lustmolch, der selbst das dritte Mal verheiratet ist, und immer wieder Andeutungen darüber macht wie sexy er seine eigene Tochter findet, sich über den angeblichen Ehebruchs Clintons amüsiert.

Der vorbildliche Christ und Vorzeige-Ehemann Donald Trump rühmt sich selbst im Büro mit Playboy-Titelbildern und spielte 2000 sogar in einem Softporno mit.

"Playboy Video Centerfold: Playmate 2000 Bernaola Twins" heißt der Film, der seit seiner Produktion vor rund 16 Jahren auch in der weltgrößten Bewegtbild-Datenbank von IMDB zu finden ist. Dass der Softporno den umtriebigen Multimilliardär im US-Präsidentschaftswahlkampf in Schwierigkeiten bringen wird, ist unwahrscheinlich - dazu hat sich Trump schon ganz andere Dinge geleistet, die ihm auch nicht geschadet haben. [….]

Das ist also der Kandidat auf den die stramm religiösen Moralinsauren Amerikas setzen.


Nicht daß Mitwirkung in Softpornos etwas über die präsentiellen Fähigkeiten aussagt, aber es zeigt schon ein erstaunliches Maß an Doppelmoral, daß sich die religiösen Rechten hinter den mehrfach geschiedenen Pornomann stellen, statt die Frau mit der erfolgreichen Ehe zu unterstützen.

Wesentlich schlimmer ist hingegen, daß Trump nun auch noch der aktiven Bestechung überführt ist.
Er bestach Richter und Staatsanwälte, wenn sie gegen ihn ermittelten. Offenbar mit Erfolg.

Wie das "Wall Street Journal" (WSJ) berichtet, soll der republikanische Präsidentschaftsanwärter in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach Spenden an Generalstaatsanwälte gezahlt haben. Das ist insofern besonders brisant, da laut der Zeitung gehäuft dann politische Spenden Trumps geflossen sein sollen, wenn sich die Justizvertreter mit Entscheidungen befassten, die seine Unternehmen direkt betrafen.
In den USA werden Generalstaatsanwälte anders als hierzulande nicht ernannt, sondern in ihr Amt gewählt. Das heißt: Auch sie führen Wahlkampf und brauchen dafür Spenden. Die Aufzeichnungen des WSJ sollen nun zeigen, dass Trump selbst sowie Mitglieder seiner Familie und seines engen Umfelds immer wieder Staatsanwälte aus Kalifornien, Florida und vor allem New York finanziell unterstützt haben. Zu Teilen bezieht sich das Blatt dabei auf Vorgänge aus den 80er Jahren, doch auch aktuelle Fälle sorgen für Aufsehen.
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Erst vor kurzem war bekannt geworden, dass Trump Floridas Staatsanwältin Pam Bondi in ihrem Wahlkampf 2013 über seine Stiftung mit 25.000 Dollar unterstützt hatte. Ob es Zufall war, dass sich Bondi damals entscheiden musste, ob sich der Bundesstaat Florida an den Ermittlungen wegen Betrugs gegen die Trump-Universität beteiligte? Sie entschied sich jedenfalls letztlich dagegen. [….]
(NTV 06.101.2016)

Die hier geschilderten Dinge betreffen nur eine Woche Trump.
Der Mann disqualifiziert sich jeden Tag dramatischer.

Welche Rolle spielen da die Fähigkeiten und der Charakter der Gegenkandidatin?
Verglichen mit dem GOPer wären auch Verona Pooth oder Lothar Matthäus brillante US-Präsidenten.