Montag, 23. November 2015

Klerikale Notversorgung.



Oh Mann, da konnte sich Kardinal Marx aber mal richtig drüber aufregen.
Seine Schäfchen engagieren sich für die Flüchtlinge in Not, geben ihnen Unterkunft, sammeln Kleiderspenden und dann nörgeln die bösen linken Atheisten auch noch rum.
Nur weil sich die bayerische katholische Kirche die Flüchtlingsunterkünfte von den kommunalen Behörden bezahlen lässt.
Umsonst ist nur der Tod. In der Kirche zahlt man für Trauungen und Beerdigungen. Wer seinen Mitgliedsbeitrag nicht überweisen will, wird automatisch mit der härtesten denkbaren Kirchenstrafe – dem Ausschluss – gemaßregelt.

Auf die Flüchtlings-freundlichen Sonntagsreden-Appelle Bergoglios reagiert die deutsche katholische Kirche wie sie es immer tut: Sie versucht sich auf Kosten der Allgemeinheit weiter zu bereichern.
Kardinal Marx, der mächtige Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz und noch mächtigere Papst-Berater gibt den Takt vor: Sein Bistum läßt sich fürstlich entlohnen für jedes Engagement.

[….] Die bayerischen Bistümer lassen sich die Kosten für die Unterbringung von Flüchtlingen in kirchlichen Einrichtungen erstatten. Die Mietkosten für Wohnungen und Häuser zahle in der Regel der Landkreis, bestätigte eine Sprecherin des Erzbistums München und Freising unserer Zeitung. „Bei Häusern und Wohnungen, die man sonst auch vermietet hätte, ist das der Regelfall“, sagte die Sprecherin weiter.
[….] Eine kostenfreie Unterbringung sei indes rechtlich schwierig, „weil die Wohnungen meist kirchlichen Stiftungen gehören“. Papst Franziskus hatte Anfang September alle Pfarreien aufgerufen, eine Flüchtlingsfamilie aufzunehmen. Die Unterbringung von Flüchtlingen sei aber in erster Linie eine staatliche Aufgabe, sagte die Bistumssprecherin. „Wir sehen uns in der Verantwortung, dabei zu helfen. Aber zu den üblichen Konditionen.“ [….]


Kardinal Marx, der wegen seines ultraprächtigen Bischofsitzes, dem Rokoko-Palais Holnstein ohnehin schon eine 12 auf der Tebartz-Skala ist, braucht als ranghöchster Bischof in Deutschland eben einen gewissen Standard.

Für Luxus-Marx, der offenbar auf einem gewaltigen Geldspeicher sitzt und die Millionen nur so um sich wirft, kommt ein FIAT Panda jedenfalls nicht in Frage.

Just zum Rücktritt Ratzingers hatte der Münchner Erzbischof noch demonstriert, wie wichtig ihm sein persönliches Wohl ist.

Die Lage ist erstklassig, der Preis auch: Für 9,7 Millionen Euro hat das Erzbistum München-Freising in Rom ein neues Gästehaus gekauft. Böse Zungen haben der Immobilien auch schon einen Spitznamen verpasst: „Palazzo Marx“.  [….] Nach vier Jahren im „Schwabinger Asyl“ kehrt Erzbischof Reinhard Marx in dieser Woche wieder in sein traditionelles Quartier im Palais Holnstein in der Kardinal-Faulhaber-Straße im Stadtzentrum zurück. Das Gebäude, das 1733 bis 1737 im Auftrag des Kurfürsten Karl Albrecht als Rokoko-Adelspalais erbaut wurde, war seit Oktober 2008 vom Staatlichen Bauamt saniert worden. Marx war deshalb vorübergehend ins Schloss Suresnes in Alt-Schwabing gezogen.
[….]  Die Sanierung des Palais kostete 8,1 Millionen Euro, davon trägt die Kirche 1,56 Millionen.

Würden die Bischöfe Franzis bescheidenheits-Demonstrationen ernst nehmen, könnten sie sich nicht für Marx als Vorsitzenden entscheiden.
Daß sie es heute dennoch taten, hat einen Grund:
Sie wissen, daß der Papst Marx toll findet, weil er schon mit neuen Ehrungen und Ämtern aus Rom überhäuft wurde.
 [….]

Ich finde es völlig verständlich, daß Reinhard Kardinal Marx mit seinem mageren fünfstelligen Monatsgehalt (Besoldungsgruppe: B10 = €12.004,68 + mietfrei wohnen, Personal, Versicherungen, …) wenigstens eine Wohnung gestellt bekommen muß.
Wie sollte er sich ein Dach über Kopf leisten, wenn er das auch noch selbst bezahlen müßte?
Als Bischof wohnt man mietfrei. Mietzahlungen sind was für Arme.
Das verlangt die bayerische katholische Kirche von Flüchtlingen.
Äußerst gemein, wenn man das kritisiert, empört sich Kardinal Marx.

Bayerns Bischöfe wehren sich gegen Kritik am Umgang mit Flüchtlingen
[….] Einzelne Medien [hatten] in der vergangenen Woche berichtet, die Kirche verlange für ihre Flüchtlingsunterkünfte Mieten von den zuständigen Landratsämtern. Der kaum verhohlene Vorwurf: Die Kirche verdiene Geld an der Not der Menschen. Markus Söder (CSU), der für Flüchtlingsfragen an sich gar nicht zuständige bayerische Finanzminister, hatte sich am Mittwoch mit dem Satz zitieren lassen: "Barmherzigkeit braucht keine Miete." Die Kirche solle mehr in Hilfe und Unterbringung investieren.
Marx ärgern all diese Vorwürfe. [….]  "Barmherzigkeit braucht keine Miete - da weiß ich gar nicht, was ich davon halten soll. Die Miete dient ja der Barmherzigkeit!", ruft der Kardinal, und schon ist er in Fahrt. Die Mieteinnahmen kämen doch auch der Flüchtlingshilfe zugute, sagt er. Die 60 Immobilien im Erzbistum München und Freising, in denen derzeit etwa 1000 Flüchtlinge leben würden, seien außerdem meistens in Stiftungsbesitz, und Stiftungen müssten sich erhalten. "Man kann doch nicht sagen: Die Kirche hat's ja, und deshalb den Stiftungszweck vernachlässigen!" [….] Er verstehe sowieso nicht, sagt Reinhard Marx weiter, warum man versuche, jene Institutionen, die etwas für Flüchtlinge tun, in ein schlechtes Licht zu rücken: "Dann heißt es, es sei doch unvernünftig, alle willkommen zu heißen. Man müsse doch die Folgen abschätzen. Ja, natürlich! Aber doch nicht nur die Folgen für mich, sondern auch die für die anderen! Was wird denn aus denen, wenn wir ihnen nicht helfen?"

Genau! Bayerns Bischöfe sind verpflichtet auf ihre Einnahmen zu achten.
Die meisten Bistümer haben schließlich nicht mehr als ein einstelliges Milliardenvermögen mit wenigen Immobilien.
In seinem eigenen Bistum München und Freising verfügt der arme Kardinal Marx gerade mal über 7.000 Gebäude und 5.000 Hektar Land, die der Kirche gehören.

Sie dürfen gar nichts umsonst hergeben, denn schließlich müssen sie mit ihrem Geld auch noch die elementarsten Dinge der armen Bedürftigen finanzieren.

Einer dieser Hungerhaken ist Konrad Z., wohnhaft ins Augsburg.
Der bescheidene Mann, der gerade eben noch voller Empörung die unwürdigen Flüchtlingsunterkünfte kritisiert hatte, lebt privat so gut wie bedürfnislos.
Nur einen ganz kleinen Altar gönnte er sich.
Aber das war ein echtes Schnäppchen. Und der alte Altar, aus massiver Bronze, stammte immerhin schon aus dem Jahr 1995. Ein so altes Ding ist doch für Konrad Z. nun wirklich nicht mehr zumutbar. Immerhin ist er ja bayerischer Bischof und für so einen sind 20-Jährige generell zu alt, um noch attraktiv zu wirken.

[….] Die zwei Gebäude könnten unterschiedlicher nicht sein. Hier der Dom mit seinen zwei stattlichen Türmen, die Augsburgs Altstadt überragen. Dort die Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber an einer Ausfallstraße, roter Backsteinbau, eine ehemalige Kaserne, sie gilt als schlimmstes Asylheim Deutschlands und sollte längst zugesperrt ein. [….]
100 Männer aus 20 Nationen hausen hier, die Farbe blättert von den Wänden, kaputte Fensterscheiben sind notdürftig durch Bretter ersetzt. Die Zustände sind menschenunwürdig. Augsburgs Bischof Konrad Zdarsa hat die Unterkunft besucht. Immerhin. Danach sagte er: "Ich bin einigermaßen entsetzt, solche Zustände wie hier vorzufinden." Ein katholischer Geistlicher geht auf die Außenseiter der Gesellschaft zu und steht ihnen verbal bei. [….] Doch auf den zweiten Blick muss man leider von halbherziger Barmherzigkeit sprechen. Denn wenige Tage nach seinem Schock-Besuch ließ Zdarsa gut gelaunt verkünden, im Dom werde nun ein neuer Altar für 300 000 Euro errichtet. [….] 300 000 Euro für repräsentative Zwecke, mit diesem Geld hätte man in der maroden Flüchtlingsunterkunft viele Dinge verbessern können. Es wäre ein vorbildliches Signal gewesen, ein echter Akt der Barmherzigkeit. [….] In seiner ganzen Pracht beweist der Luxus-Altar, dass die viel zitierte "Belastungsgrenze" mancherorts noch lange nicht erreicht ist.

Sonntag, 22. November 2015

Polytheistisches Christentum.



Es liegt in der Natur des von Pharao Echnaton (1353–1336 v. Chr.) ersonnenen Monotheismus, daß er intoleranter als Vielgötterei ist.
Wenn nur ein Gott der Richtige ist, dann sind die Anderen falsch.
Damit ist die Saat der Intoleranz geschaffen. Monotheismus führt zu metaphysischem Konkurrenzverhalten, welches sich in den tausenden Religionskriegen manifestiert, die wir seit seiner Erfindung erlebt haben.

Wenn man als einziger in einer Religionskonkurrenz Recht haben will, dies aber prinzipiell nicht beweisen kann, weil es um Dinge nach dem Tod geht, muß es irrational und potentiell gefährlich zugehen.

Es sind nicht «Gottlose», die Flugzeuge in Hochhäuser fliegen oder Menschen in die Luft sprengen, weil sie meinen, im Jenseits für ihre Taten belohnt zu werden. Wer nicht an ein Leben nach dem Tod glaubt, kann auch nicht mit der Aussicht auf postmortalen Koitus dazu verführt werden, sämtliche Grenzen der Menschlichkeit nieder zu reißen.

Einfacher zu ertragen wäre der monotheistische Gottesglaube allerdings, wenn er nicht ganz so heuchlerisch wäre und sich das Fußvolk auch an die eigenen Regeln hielte, statt die Beachtung der Gebote immer nur öffentlich von anderen zu fordern.
Während Jesus noch die Menschen nach ihrem bedingungslosen Gehorsam bewertete, verlangte, daß sie nur ihm allein folgen dürften, wurde diese Maxime in den nächsten 1000 Jahren ziemlich aufgeweicht.
Wie Pilze schossen Heilige aus dem Boden. Inzwischen gibt es tausende Heilige, Selige und Schutzheilige, so daß sich jeder Christ einen raussuchen kann, dem er huldigen will.
Der Monotheismus ist im Christentum polytheistisch.
Auch der ursprüngliche „eine“ Gott hat sich mittlerweile vervierfacht.

Im Christentum steckt eine Reihe von seltsamen Phänomenen. Das Christentum bildet sich ein, eine monotheistische Religion zu sein, ist es aber gar nicht. Jesus Christus ist viel wichtiger als der liebe Gott. Und außerdem gibt es noch einen Heiligen Geist – den hat Jesus Christus nicht erfunden, den hat ein Konzil erfunden. Und neben dieser heiligen Dreieinigkeit gibt es noch die Gottesmutter Maria, die in Polen viel wichtiger ist als Jesus und als der liebe Gott. Der Monotheismus ist eine Selbsttäuschung. Das glaubt der Ratzinger, aber der auch nicht ganz. Es ist auch eine Selbsttäuschung der Protestanten. Die alten Griechen waren da viel ehrlicher, die haben gleich viele Götter erfunden. Und nicht bloß vier.

Die vier christlichen Gottheiten konkurrieren untereinander.
Jesus, mittlerweile zum „Lord“ geadelt, findet seine Anhänger in Nordamerika.

Der HeiGei ist der Snob im Führungsquartett. Er steht nicht so auf das einfache Volk und läßt sich vorzugsweise in den allerhöchsten klerikalen Kreisen blicken.
So guckt er beispielsweise im Konklave vorbei, wenn nur Kardinäle in ihren allerteuersten Purpur-Ballkleidern anwesend sind.

Gott, der Seniorchef zieht sich offensichtlich schon längere Zeit aus dem Geschäft zurück. Ich glaube, er sitzt in der Himmelsgeriatrie und chillt. Um eine Festigung der Kundenbindung müht er sich kein bißchen mehr.

Last, but not least: Mutter Maria. Die Frau, die ohne Erbsünde geboren wurde, ihrem Ehemann den Koitus verweigerte, schließlich vom HeiGei durch ihr Ohr penetriert wurde, Jesus entband und dieses Kunststück durch ein intaktes Hymen fertigbrachte, ist die Durchstarterin des Himmels.
Sie gewann durch ihre fleißige Reisetätigkeit viele Fans in Ost- und Südeuropa.

Da könnte sich Gott mal eine Scheibe abschneiden.
Maria kommt weiter rum als Angela Merkel mit ihrem Konrad-Adenauer-Airbus.

Über 2.500 Dienstreisen Marias wurden inzwischen registriert.

The earliest known claim was from St. James the Greater who saw the Virgin Mary while he was in preaching on the banks of the Ebro River in Saragossa, Spain in 40 A.D. Today, apparition reports occur more frequently. Some scholars estimate the total number of apparition claims throughout history to be approximately 2,500 (with about 500 of those coming in the 20th century alone). According to the Dictionary of Apparitions of the Virgin Mary, throughout history 308 apparitions are attributed to Saints or Blesseds. They are generally unofficially recognized by Church authorities (or at least the orders and congregations that they have founded or belonged to). Only 7 Popes throughout history have witnessed Marian apparitions.

Scheu und bescheiden, wie Maria nun mal ist, reist sie aber nur in Landstriche, die ohnehin katholisch oder christlich sind. Und natürlich zeigt sie sich nicht mehr, seit Fotoapparate erfunden wurden.

Seeing Mary - Starting in the 16th century, the Roman Catholic Church instituted a strict vetting process for miracles like the 2,000 sightings of the Virgin Mary claimed since A.D. 40. To be worthy of belief and church support, apparitions must be deemed miraculous with a high degree of certainty and in line with church doctrine, and found to have had a positive impact.

Für Europa hier klicken


Samstag, 21. November 2015

Unteres Mittelmaß

Zwei Tage nach den Pariser Terroranschlägen vom 13.11.2015 raisonierte der Mopo-Leitartikler über die großen Ansprachen anderer Regierungschefs an ihre Nationen und ließ in der Überschrift fragen „Wo ist Merkel?“
Der konservative Publizist Wolfram Weimer lobte „François Hollande wächst über sich hinaus“. So sehe entschlossenes Handeln aus.
Welche Überraschung! Während andere Regierungen ihren Bürgern Klartext liefern und Pläne vorstellen, kommt aus Deutschland und dem Kanzleramt mal wieder… nichts.
Man ist sogar froh darüber, denn insbesondere von den Unions-Ministern wird regelmäßig echter Schwachsinn zur maximalen Verunsicherung verbreitet.
Und Merkel? Die ließ sich gestern wie eine unwichtige Statistin auf dem CSU-Parteitag verführen und hatte zuvor das Volk mit einer Dümmlichkeit überrascht, die sogar noch Dobrindt übertraf: Die Attentäter wären „gottlos!“

Nur als vollständig ignorant im Sinne von bildungsresistent kann man es bezeichnen, den Terroristen das Attribut «gottlos» anzuhängen. Die ständig und immer wieder heruntergebetete Leier, islamistisch motivierte Anschläge wie die in Paris hätten nichts mit dem Islam, hätten nichts mit Religion zu tun, ignoriert das Problem in fatalst möglicher Weise.
Religiöse Überzeugungen waren es, welche aus Versagern Mörder machten. Religiöse Überzeugungen trieben die Attentäter in die Arme ihrer Demagogen, religiöse Überzeugungen motivierte sie und trieb sie zum Äussersten. Es war Religion, es war der religiös begründete Glaube an ein Jenseits, an nicht hinterfragbare Glaubenswahrheiten und an die Erfüllung eines göttlichen Auftrages, der sie dazu brachte, sich selbst und andere Menschen zu töten. Es war nicht ein Staat, für den sie die Kugeln abfeuerten, sie mordeten nicht für ihre Familien und nicht, weil sie hungerten. Sie riefen nicht «Freiheit!» und schon gar nicht «Wissenschaft und Menschlichkeit!», als sie sich selbst und alles in ihrer Umgebung in die Luft sprengten, sondern sie schrien dabei, dass ihr Gott der Grösste sei. Sie führten diesen Krieg zur Ehre ihres Götzen, für ihren Irr-, aber eben trotzdem Glauben, und sie führten ihn bis zur allerletzten Konsequenz.

Schlimm genug, dass immer wieder gesagt wird, dass der islamistische Terrorismus nichts mit dem Islam zu tun hat; nun die Vollstrecker auch noch als "gottlos" zu bezeichnen zeigt, dass die Pfarrerstochter Merkel ihrem Denkmuster nicht entfliehen kann: Wer gläubig ist, muss gut sein. Wer also nicht gut ist, kann nicht gläubig sein.
Mit diesem Denken und mit ihrer Aussage diffamiert sie jedoch ein Drittel der deutschen Bevölkerung. Oder sind für Frau Merkel tatsächlich alle Konfessionsfreien und Atheisten Terroristen? So wie in Saudi-Arabien?

Das ist das wahrhaft Schlimme an Merkel – wenn sie ausnahmsweise mal in unbedachten Momenten raushaut was sie wirklich denkt, wünscht an sich sofort, sie wäre wieder abgetaucht im wattig-waberig-wirr-wolkig-Modus.

Im großen Rückblick auf das Zehnjahres-Jubiläum der Kanzlerin, subsummiert die konservative F.A.Z. Merkel als „die Nebelkönigin.“
Abtauchen, abwarten, schleifen lassen und wenn doch mal eine Entscheidung getroffen wird, kann sie jederzeit revidiert und ins Gegenteil verkehrt werden.

Wieso gefällt den Wählern so ein Nicht-Regieren so sehr, daß Merkel tatsächlich machtpolitisch „alternativlos“ ist?
Selbstverständlich ist ihre Politik nicht alternativlos. Sie als Person ist es aber gegenwärtig schon. Sofern sie noch einmal als Kanzlerin kandidieren will, kann sie das nach Gutdünken tun. Es gibt keine nennenswerten Gegner in ihrer Partei.
Und wenn sie CDU-Kandidatin sein sollte, wird sie auch gewählt – da sind alle politischen Umfragen seit Jahren sehr stabil; es gibt keine Chance auf einen Sieg einer Parteikonstellation jenseits der CDU.
Es würde sogar höchstwahrscheinlich noch viel bequemer für Merkel werden. Statt der SPD stünden mit AfD, Grünen und FDP womöglich sogar drei weitere Mehrheitsbeschaffer-Alternativen zur Verfügung, so daß die Kanzlerin gemütlich alle gegeneinander ausspielen könnte.
Der Urnenpöbel will es so: Konservativ und Merkel.
Die frommen Grünen haben sich ohnehin schon zu einem bürgerlichen, kirchenaffinen Merkel-Fanclub verwandelt und die einzige Partei, die nicht Merkel zur Kanzlerin machen würde, die Linke, ist in den aktuellen Umfragen sogar hinter die AfD zurückgefallen.
Byebye R2G.

Wieso stört aber den Urnenpöbel diese Underachiever-Parteienlandschaft gar nicht?
Wieso erwärmen sie sich in allen Umfragen mit großen absoluten Mehrheiten für genau die Pfeifen, die wie Schäuble schon seit 40 Jahren die Bundespolitik dominieren?
Die Öden, die Grauen, die Erfolglosen, die Inhaltslosen, die Bekannten, die Austauschbaren sind die Stars jedes Politrankings: Schäuble, Merkel, Steinmeier, Gauck.

Deutschland ist inzwischen so auf unteres Mittelmaß geprägt, daß die grauhaarigen Denkfaulen auch in den nicht-politischen Vereinen als Idealbesetzung gelten.

Intellektualität, geistige Flexibilität, Witz und Charisma sind hier offensichtlich verdächtig. Die größten deutschen Verbände und Vereine, die völlig frei sind sich einen Präsidenten zu wählen, greifen mit Vorliebe auf Graue-Maus-Geronten mit Vergangenheit als unauffälliger Politikfunktionär zu.
Ein Lebensalter unter 70 gilt als Makel und Extravaganz wird nicht toleriert.

Beispiele:

Der mächtigste Automobil-Lobbyist Europas ist der ehemalige CDU-Minister Matthias Wissmann, 66, langweilig. Aus seiner aktiven Politikerzeit ist absolut NICHTS in Erinnerung, das mit seinem Namen verbunden wäre.

Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer ist der drögeste und ödeste SPD-Minister aller Zeiten: Rudolf Scharping, 67. Vor genau 20 Jahren schaffte er das Kunststück auf dem Mannheimer Parteitag so unfassbar langweilig zu sein, daß er den Parteivorsitz verlor, ohne daß es überhaupt einen Gegenkandidaten gab.

Der Präsident des Deutschen Turner-Bundes DTB (immerhin über 5 Millionen Mitglieder) heißt Rainer Brechtken, 70, und war früher mal Politischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium von Baden-Württemberg.

Der ehemalige CDU-Innenminister Rudolf Seiters, 78, amtiert als Präsident des Deutschen Rotes Kreuzes e.V. DRK und herrscht über 4.460.639 Mitglieder.

Als FDP-Politikerin mäßig erfolgreich brachte es Irmgard Schwätzer, 73, Ende der 1980er Jahre zur Staatsministerin im Auswärtigen Amt unter der Protektion des FDP-Chefs Genscher. Nun ist sie Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland und somit Nachfolgerin von Merkel-Fan Katrin Göring-Kirchentag.

Es gibt auch zwei ganz aktuelle Personalien. Auch hier wünschen sich die Millionen-Mitglieder-Vereine besonders unauffällige konservative Politiker als Chef.

Vor 41 Jahren trat der fromme Thomas Sternberg, 63, in die CDU ein, brachte es bis zum Landtagsabgeordneten in Nordrhein-Westfalen, Gestern wurde er Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Damit steht er an der Spitze von über 20 Millionen katholischen Laien und löst den ehemaligen CSU-Fraktionschef Alois Glück, 75, als ZdK-Chef ab.

Der designierte Nachfolger des zurückgetretenen DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach heißt Reinhard Grindel, sitzt für die CDU im Bundestag und kommt aus Hamburg. Durch sein Parteibuch wurde er 1991 Redakteur im Bonner Studio von Sat.1 und später leitender Redakteur im Studio Bonn des ZDF.
Grindel ist war erst 54, trat aber schon mit 16 in die CDU ein und ist die Inkarnation des langweilig-angepassten Parteifunktionärs.

Der stets grinsende Pykniker wurde als klassischer Apparatschick schon jetzt zu seiner eigenen Karikatur.
So einen wünschen sich also die knapp sieben Millionen Mitglieder als „Retter“ nach den unrühmlichen Mauschel- und Bestechungs-Enthüllungen über die ehemalige Führung.

[….] Reinhard Grindel dürfte aller Voraussicht nach der neue Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) werden. [….]  Ein Mann des Vertrauens, ein Monument gelebten niedersächsischen Anpackens, ein CDU-Bundestagsabgeordneter, der in seinem Wahlkreis Rotenburg und Heidekreis offenbar alles und jeden kennt. Das geht zumindest aus einem Wahl-Werbe-Video hervor, das nun zum herzhaften Beömmeln einlädt.
Zu sehen ist darin Grindel beim Wählerfang und es ist alles so herrlich daneben, dass man fast weinen muss - vor Schadenfreude. Ein bisschen kommt es einem vor wie beim "Praktikantenrap" von Edeka: Warum verhindert niemand so etwas, nun ja, Saupeinliches? Der Plot geht so: Das Ortsschild Scheeßel im Landkreis Rotenburg (Wümme) führt den Zuschauer hinein in eine Welt aus Händeschütteln, wackerem Smalltalk und "Grindel staring at things". Da begrüßt der kommende starke Mann im deutschen Fußball die Freiwillige Feuerwehr, er gibt sich als bürgernaher Tätschelonkel im Kindergarten, als Grinsepeter im Kuhstall, als Mitmacher in verschiedenen Bereichen des Mittelstandes.
Grindel stakst im Anzug auf Volksfesten herum, posiert mit dem örtlichen Schuhmacher und seiner pollunderbehängten Gattin, ehe er beim Bolzen auf dem Fußballplatz (immer noch im Anzug) einen auf Soccer Dad macht. Und natürlich immer wieder Kühe. Kühe im Stall, Kühe auf der Weide, Kühe, Kühe, Kühe. Niedersachsen halt. Dazu trällert ein ohrenpieksendes Hartmut-Engler-Stimmchen einen Song mit der Zeile: "Komm' mit ins Zukunftsland, es liegt in deiner Hand, mit Herz und Verstand - ooooh, Niedersachsen".[….]

So gefällt es dem deutschen Michel offensichtlich. Solche Typen wie Scharping, Wissmann, Schwätzer, Seiters, Sternberg oder Grindel haben sie so lieb, daß sie nach ihrer politischen Karriere derart vermisst werden, daß man sie sich in die größten Vereine und Verbände holt, um sie bis ins Greisenalter weiter walten zu lassen.


Freitag, 20. November 2015

Die Schande Thüringens – Teil II



Unter all den richtig schlimmen Gruppierungen am politisch ganz rechten Rand – AfD, Montagsdemonstranten, CSU, Reichsbürger, Dunkelkatholiban, NPD und was da noch so kreucht und fleucht – sind mir vermutlich die deutschen Burschenschaftler am Unsympathischsten.
Die sind nämlich nicht einfach nur völkisch und rechtsextrem, sondern dazu auch noch die größten Heuchler.
Sie sind so häßlich und dumm, daß sie sich a priori Vitamin B erkaufen, sich also von ihren alten Herren aushalten lassen.
Die grundsätzliche Minderbemittelung sollte sie schamhaft und gebückt auftreten lassen. Aber weit gefehlt, sie halten sich auch noch konsequent für eine Elite, die anderen Studenten überlegen ist.
Damit nicht genug; sie pflegen dazu noch diesen absurden Uniform-Fetisch und praktizieren  SM-Spiele, die regelmäßig zu paraphilen Gelagen führen, bei denen sie ihrer Vorliebe für Erbrochenes frönen.
Schön ist das wirklich nicht.
Dabei werden die rechtsextremen Einstellungen immer extremer.

[….]  Sie diffamieren Flüchtlinge, hetzen gegen den Asta der Uni und laden frühere NPD-Politiker ein: Der Hamburger Verfassungsschutz hat bei Burschenschaften in der Hansestadt rechtsextreme Bestrebungen festgestellt.
Immer mehr liberal-konservative Burschenschaften verlassen den Dachverband Deutsche Burschenschaften (DB). Damit wird den zum Teil rechtsextremistisch beeinflussten Bünden innerhalb der DB das Feld überlassen. [….] Die innerhalb der DB in der Burschenschaftlichen Gemeinschaft (BG) organisierten Bünde sind laut der Verfassungsschützer überwiegend nationalistisch-revisionistisch ausgerichtet und halten am "volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriff" fest. [….]
Im Oktober vergangenen Jahres soll die Burschenschaft laut Verfassungsschutz zudem Gastgeber eines Seminars gewesen sein, bei dem unter den angekündigten Referenten auch ein Politikwissenschaftler aufgeführt wurde, der unter anderem als Autor für mehrere rechtsextremistische Zeitungen aktiv war und früher der NPD und ihrer Jugendorganisation (Junge Nationaldemokraten) angehörte. [….]

Unter den rechtsextremen Burschenschaften tut sich ein Bürschchen besonders hervor.
Es ist ein pickliges Dickerchen, das in einer Petrischale aus der DNS von Martin Bangemann, Darth Vader, Erzbischof Haas, einer Braunalge und Michael Kühnen zusammengerührt wurde.




 Gott hat möglicherweise doch Humor, indem er diesem Bürschchen den Nachnamen eines Orks aus Mordor gab.
Und auch Torben Braga wird vermutlich nie ein weibliches Wesen finden, das freiwillig mit ihm kopulieren will.


[….] Warum die Burschenschaft Germania kein Naziproblem hat, sondern eines ist
[….] Der letzte Burschentag in Eisenach im Juni 2014 hat eine neue Vorsitzende der Deutschen Burschenschaft (DB), die Burschenschaft Germania Marburg hervorgebracht. Damit steht eine mit Neonazis durchsetzte Vereinigung an der Spitze der Deutschen Burschenschaft.   Bereits im April 2014 wurde die Vernetzung Marburger Burschenschafter mit neonazistischen Aktivisten öffentlich gemacht. Vor allem die Nachbarin der Germania Marburg, die Burschenschaft Rheinfranken machte sich als Nazitreff einen Namen. Dieser Trend setzt sich in der Lutherstraße 3 fort: Auch das Personal der zukünftigen Vorsitzenden Burschenschaft Germania besteht zu einem Gutteil aus Neonazi-Aktivisten.
Die Trennung der beiden extrem rechten Spektren Neue Rechte und Kameradschaften scheint in Marburg nicht mehr zu existieren. Kleinere Neonaziaktionen wie Mobilisierungen, rechte Sticker, klandestine Fackelmärsche und Provokationen vor linken Läden sind keine Seltenheit und werden von einer Mischung aus Neonazis und Burschenschaftern getragen.
[….] Torben Braga wird ab 2015 der neue Sprecher der Deutschen Burschenschaft sein. Er repräsentiert damit den völkischen Verband nach außen – verwaltet den Postverkehr der DB und ist für öffentliche Statements erreichbar. Die extrem rechten Positionen des Verbandes hat er für diesen Job schon seit einigen Jahren parat. Torben Braga ist völkischer Blut und Boden-Nationalist, der aus seiner Gesinnung keinen Hehl macht. So bekennt er in einem Interview freimütig: „Wenn jemand sich zu Deutschland bekennt und deutscher Abstammung ist, kann er bei uns aufgenommen werden.“ Ob derjenige dann aus Polen, Estland oder Russland komme, sei dann aber irrelevant (Quelle). ‚Deutsch sein‘ scheint für Braga eine Frage der Abstammung und der völkischen Zugehörigkeit zu sein. Der Ariernachweis könnte vermutlich auch mit der Germania an der Spitze der Deutschen Burschenschaft zu machen sein.
Seit 2013 studiert er den Master Politikwissenschaft nachdem er von Jena nach Marburg zog. Dort war er Aktiver der Burschenschaft Germania Jena. Heute ist er Bursche und eifriger Fechter bei der hiesigen Burschenschaft Germania Marburg. Passend dazu hatte er bis vor kurzem das Amt des Fechtwarts inne.
[….] Die Burschenschaft Germania hat kein Naziproblem, sondern sie ist eines!

Was macht man nun mit solchen Typen; die ja irgendwie tagsüber beschäftigt werden müssen?


Als hilfreich erwies sich für Torben Braga die Schande Thüringens, Björn Höcke.

Daß dieser Mann sich rhetorisch an Adolf Hitler orientiert, konnte man bundesweit spätestens am Abend der Landtagswahl in Thüringen vor über einem Jahr wissen. Wie eine Karikatur des Extra3-Fööhrers jubilierte er vor seiner selbst für AfD-Verhältnisse besonders stramm rechten Truppe.
[….] Auch die weit rechts stehende „WELT“ gruselt sich heute etwas vor Höckes aufgesetzten Patriotismus und lobt den SPD-Justizminister.
Es geschehen noch Zeichen und Wunder.

[…] Björn Höcke wirkt tief bewegt. Seine Gestik verlangsamt sich, die Worte werden getragener. "An diesen historischen Ort in Berlin" wolle er nun Farbe bringen, sagt der Fraktionschef der AfD in Thüringen im Gasometer von Günther Jauch. Wird er vor lauter Ergriffenheit von sich selbst gleich weinen? Nein, die Tränen fließen nicht, als Höcke schließlich aus seinem Anzug eine Deutschlandfahne kramt. "Unsere Nationalflagge", sagt Höcke. "Die werde ich jetzt hier auf meine Lehne hängen."
Beim Ausbreiten der Fahne über Höckes Sessellehne breitet sich Stille im Studio aus. Peinlich berührte Stille. Höcke, 43 Jahre alt und in der unter Frauke Petry noch weiter nach rechts gedrifteten AfD die Stimme des unverhohlenen Rechtspopulismus, hat es tatsächlich geschafft, sich in den ersten Minuten seines Talkshowbesuchs als Witzfigur zu präsentieren. […]

[….] (Ich bin immer versucht eine dämliche NS-Diffamierung, wie „Hitler 2.0“ zu verwenden, aber da die Titanic schon vor Jahren Roland Koch „Hessen-Hitler“ nannte, ist das schon eine zu schwache Diffamierung für Björn Höcke (B.H.) Vermutlich schmeichelt es bei seiner Anhängerschaft eher mit Hitler vergleichen zu werden.) [….]

Was für ein Auftritt – mit Deutschland-Flagge als Ärmelschoner und starrem Blick aufs tausendjährige Reich! Der brave Herr Höcke suchte bei Jauch sein Millionenpublikum und gibt sich am Ende der Lächerlichkeit preis. [….] Hier findet ein biederer Gröfatzke seinen gesellschaftlichen Resonanzboden, der zwar der deutschen Sprache nicht mächtig ist, aber das grunzende Gegröle eines Sportpalast-Publikums schon ganz gut drauf hat. Der Sound ist geklaut – und der Geschichtslehrer Höcke dürfte ziemlich genau wissen, wen er da täglich vor dem Spiegel imitiert. Die Verachtung der Parteiendemokratie, das nationalistisch überhöhte Opferpathos; die Hybris, alleine den Willen eines imaginären Volkes zu repräsentieren, die Drohung vor dem Untergang des deutschen Volkes: Alles schon mal dagewesen. Deshalb gilt: Wer den Anfängen wehren will, muss die Höckes dieser Welt in die Schranken weisen. Nicht mit Schaum vor dem Mund, sondern mit der schärfsten Waffe, die eine Demokratie zur Verfügung hat: Mit Argumenten. [….]
 (Georg Restle, Facebook, 19.10.2015)
[….]

Der ostdeutsche Nazi-Odo von der AfD verliebte ich sofort in das proppere Burschenschaftler-Dickerchen Braga und setzte ihn als Hiwi in seiner Landtagsfraktion ein.
Die anderen Parteien waren begeistert, weil der braune Brummer ausgerechnet im Innenausschuss bei der Thematik „Rechte Umtriebe in Thüringen“ für die AfD auftrat.

Torben Braga, seines Zeichens Bundessprecher der Deutschen Burschenschaft wurde von der AfD als Praktikant in den Innenausschuss geschickt. Ausgerechnet in ein Gremium, das sich auch mit den Machenschaften der Rechten in dem Bundesland beschäftigt.
Seit Jahren sei bekannt, dass die Deutsche Burschenschaft mit ihren Diskussionen um Arierparagrafen und Abstammungsprinzipien immer weiter nach rechts rücke, erklärte die Linke-Abgeordnete Katharina König. Braga sei zugleich Mitglied der Burschenschaft Germania Marburg, deren führende Mitglieder Verbindungen zur Neonazi-Szene aufwiesen. Die Entsendung Bragas in den Innenausschuss kommentiert König als einen Beleg für die „Rechtsaußen-Verbindung der AfD unter Björn Höcke“.
(dpa 20.11.2015)