Donnerstag, 26. März 2015

Irrationale Irre



Wer weiß was „finning“ ist?

Dabei handelt es sich um eine besonders perfide Grausamkeit des Homo Sapiens. Ob des Irrglaubens Haifischflossen steigerten die Potenz, werden in allen Weltmeeren Haie mit Langleinen gefischt, kurz raufgezogen und dann schneidet man den armen Viechern während sie noch an der Leine hängen bei lebendigem Leibe die Finne (Rückenflosse) und anderen Flossen ab und entsorgt sie im Meer. Der Hai lebt dann immer noch, ist danach jedoch logischerweise schwimmunfähig und sinkt erstickend im Todeskampf zu Boden, wo er qualvoll verendet.
Da ein Kilo Haifischflossen an die 1000 Dollar bringt werden jährlich zwischen 100 und 200 Millionen Haie gefinnt. Fast alle Bestände der größeren Arten sind um mindestens 90% geschrumpft.
Das alles juckt uns nicht, weil Haie nun mal kein süßes Kindchenschema zu bieten haben.
Dank Spielberg hält man Haie immer noch für furchtbar gefährlich und berichtet über jeden Haibiss weltweit.
Pro Jahr werden ungefähr fünf Menschen durch Haie getötet.
Damit sind sie im Vergleich zu Löwen sehr harmlos.
Löwen töten 50-100 Menschen im Jahr.
Aber Löwen haben ein gutes Image.
Bei ihnen akzeptiert jeder Mensch voller Verständnis, daß sie die Top-Prädatoren des Landes sind und geht ihnen aus dem Weg. Nicht einmal der Dümmste würde sich zu einem Löwenrudel fahren lassen und vor ihren Nasen rumhopsen.

Haie sind die Top-Prädatoren des Wassers, aber ihnen springt man vors Maul, plantscht umher und ist zutiefst schockiert, wenn so ein Hai mal zuschnappt.
Homo sapiens hat großes Glück, daß Haie viel vorsichtiger und friedlicher als Löwen sind.
 Noch viel gefährlicher sind Nilpferde, die bei ihren nächtlichen Landausflügen doppelt so viele Menschen killen wie Löwen.
Und selbst Nilpferde sind noch harmlos im Vergleich zu Kokospalmen.
Das sind erst Mistdinger.

 Es werden weltweit im Jahr unter zehn Menschen von Haien getötet, während über hundert Sonnenbadende dadurch sterben, daß ihnen am Strand eine Kokosnuss auf den Kopf fällt.

Wir rotten aber Tierarten aus, während wir die ungemein gefährlicheren Kokospalmen für ungefährlich halten.

Gefahren sortiert der Mensch nicht nur subjektiv, sondern sehr falsch ein.

Größte Sorgen bereitet uns EBOLA.
Da wird Deutschland ganz hysterisch. Letzte Nacht verkündeten die deutschen Nachrichtensender als BREAKING NEWS, daß ein Ebola-Verdächtiger in Ostdeutschland doch kein Ebola hat. Deutschland kann wieder ruhig schlafen.

Ebola.

Eine Millionen Menschen sterben jedes Jahr in Afrika an Malaria.
1,5 Millionen Menschen sterben jedes Jahr an der hochansteckenden Tuberkulose.
Das stört uns aber nicht das geringste bißchen.
Die 5.000 Ebola-Toten halten wir aber für so dramatisch, daß sich Gröhe und von der Leyen auf ganzer Linie blamieren und von Kuba vorführen lassen.

Daß jeden Tag 50.000 – 100.000 Menschen an den Folgen des Hungers sterben, finden wir ohnehin kein bißchen erschreckend. Aber Ebola!
Und Benghazi!

Pispers hat natürlich Recht.
Statt sich vor Ebola zu fürchten, sollten wir lieber Angst davor haben ein deutsches Krankenhaus zu betreten.  Die sind dermaßen mit multiresistenten Superbakterien verkeimt, daß daran jährlich Zigtausende sterben. Also gut 100 Menschen sterben in Deutschland PRO TAG durch Siff im Krankenhaus.

Unser Hirn ist aber offenbar nicht groß genug, um zu verstehen, wo die wahren Gefahren drohen. Obwohl seit vielen Jahren immer wieder auf die nosokomialen Keime hingewiesen wird. Das ist bekannt und man könnte sogar Abhilfe schaffen.
Wir tun es aber nicht, weil wir so weitgehend entklugt sind, daß wir gebannt auf viel viel ungefährlichere Ebola-Keime starren.

150 Tote bei einem Flugzeugunglück sind also nothing to write home about, wenn man nur die Zahlen betrachtet.

Man staunt aber doch wie viele Dauersondersendungen so etwas produziert; wie viele Staats- und Regierungschefs auf einmal alles stehen und liegen lassen, um sich an der Unglücksstelle blicken lassen.
Würden Pastor Gauck oder die fromme christlich geleitete Merkel doch einmal so viel Energie aufwenden, um sich für die täglich verhungernden Kinder einzusetzen!
Aber das sind eben nur Arme in Afrika; noch dazu schwarz.
Die krepieren zwar viel elendiger und auch in viel größerer Zahl, aber dafür würde Gauck nie einen Staatsbesuch absagen.
Da schon Politiker und Regierte irrationalisieren, dürfen ihre begleitenden Journalisten nicht nachstehen und blamieren sich täglich mehr.

Da wird in dem religiotischen ZEIT ungeniert der volle Name des Germanwings-Copiloten verbreitet und munter spekuliert:

Er habe ihn "als sehr netten, lustigen und höflichen Menschen kennengelernt", sagte der Vorsitzende des Segelflugvereins Klaus Radke. Ein Bild auf Lubitz' Facebookseite zeigt ihn 2013, er sitzt lächelnd auf einer Mauer, im Hintergrund die Golden-Gate-Brücke in San Francisco. Allzu viele Aktivitäten sind auf der Seite nicht zu sehen. "Er war kein Einzelgänger, er hatte viele Freunde und war gut integriert", sagt Radke.

Aber schlimmer geht immer; insbesondere bei Merkels persönlichen Freunden Döpfner und Friede Springer.


Soll das noch Journalismus sein, oder ist das schon eher ein schwerer Unfall?

Knabberten die Passagiere Nüsse, tranken sie Cola, guckten sie in die Sonne durch das Kabinenfenster? Nervten die Babys, die quengelten?
Wie war die Stimmung in dem Flugzeug, das in den Tod flog?
Ich hoffe, sie waren glücklich, bevor sie starben.
Nette Stewardessen...
Es ist so furchtbar. Ich will kein Wort mehr darüber schreiben.

Also man WEISS ja, das FJW der übelste aller Gift-Griffel ist, aber wenn man ihn ein paar Wochen vergisst und dann wieder liest, ist man erneut völlig fassungslos.

Wenigstens hat er mit Co-Star Margot K. eine Kot-Kolumnen-Kollegin, die ihm geistig ebenbürtig ist.

Das ist das gleiche Niveau wie TV-Moderatorinnen, die in Live-Schalten umständlich formulieren:
Wie ist denn ihr Eindruck vor Ort? Wie fühlt sich eine Mutter, die gerade ihr Kind bei einer Flugzeugkatastrophe verloren hat??
Ja, wie WOHL?!



Mittwoch, 25. März 2015

Bibi – beliebt wie Biberkacke.


Eigentlich unglaublich, aber Netanjahus außenpolitischer Amok- und Angstwahlkampf hat letztendlich in der zersplitterten Israelischen Parteienlandschaft doch gefruchtet.
Mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit wird Berserk-Bibi in seine vierte Amtszeit als Regierungschef der Atommacht Israel gehen.
Gerade weil er noch kurz vorm Wahltag alle seine internationalen Verbündeten vor den Kopf stieß, indem er sagte mit ihm werde es keinen Palästinenserstaat geben, wurde sein Likud-Block mit 30 Sitzen erneut stärkste Partei in der 120 Sitze starken Knesset.
Zur Regierungsmehrheit fehlen ihm noch weitere 31 Sitze, aber die wird er wohl leicht bekommen, da alle Rechtsradikalen, Ultranationalisten und Ultraorthodoxen schon untertänig ankündigten Netanjahu zu wählen:

Partei Jüdisches Heim (acht Mandate, nationalistisch ultrareligiös)
Schas (sieben Mandate, ultraorthodox)
Tora-Judentum (sechs Mandate, ultraultraorthodox),
Liste Kulanu (zehn Mandate, konservativ)
Unser Haus Israel (Jisra'el Beitenu, sechs Mandate, rechtsextrem-nationalistisch)

Das ergibt zusammen also eine stabile absolute Mehrheit von 67 Mandaten.
Der Parteichef der Jisra'el Beitenu, Außenminister Avigdor Liebermann wird also mit seiner liebenswürdigen Art der Welt erhalten bleiben.

Der Frieden im Nahen Osten dürfte noch ein Stückchen weiter in die Ferne gerückt sein.
Dabei sieht es zwischen Syrien und dem Jemen bekanntlich ohnehin nicht eben nach einer rosigen Zukunft aus.
Bibi gehört zu den Politikern, denen ich nicht abnehme zufällig eine andere Meinung zu vertreten, aber aus seiner Sicht „das Beste für sein Land“ zu wollen.
Ich unterstelle ihm, daß er im Gegenteil gerne Öl ins Feuer gießt, da er persönlich von Krieg, Terror und Angst profitiert. So hält er sich im Amt.
Zündeln hilft – leider.

Man erinnere sich an die verabscheuungswürdige Provokation Ariel Scharons am 28. September 2000, mit der er mit über 1000 bewaffneten Männern in der Jerusalemer Altstadt den unter arabischer Verwaltung stehenden Tempelberg enterte.
Damit löste er die sogenannte „Zweite Intifada“ aus:

460 Angriffe mit Qassam-Raketen,
 20.406 Anschläge,
138 Selbstmordanschläge,
 13.730 Schussüberfälle,
1.036 getötete Israelis ,
3.592 getötete Palästinenser,
208 Palästinenser durch gezielte Tötungen des Israelischen Geheimdienstes.

Aber Scharon wurde am 07.03.2001 Israelischer Ministerpräsident, weil sich seine Wahlchancen in der von ihm selbst ausgelösten Terrorsituation als bekannter harter Hund gewaltig verbessert hatten.

So funktioniert konservative Politik im Nahen Osten.

Eins hat Wild-um-sich-Schläger Bibi bei seinem diplomatischen Amoklauf durch die USA allerdings übersehen: So wichtig und bedeutend er sich selbst halten mag: Obama ist noch mächtiger und verfügt über erheblich mehr Geld und Waffen. Den amerikanischen Präsidenten hat sich Bibi wirklich zum Feind gemacht. Bibi glaubt er sei amerikanischer als Obama. Aber es macht doch noch einen kleinen Unterschied, daß Obama US-Präsident IST – und Bibi nicht.
Ohne Obama geht in Israel aber gar nichts.

Netanjahu ist ein sehr amerikanischer Israeli, der in Pennsylvania aufwuchs und in den USA studierte. Er erhielt Abschlüsse des Massachusetts Institute of Technology (MIT), der MIT Sloan School of Management und studierte an der Harvard University. Bibis größtes Problem ist die Kleinheit des Landes, das er regiert. Er hält sich selbst für so extrem überqualifiziert, daß er immer wieder laut bedauert nicht eine Supermacht wie die USA führen zu dürfen. Entsprechend großspurig tritt er auch unter den Regierungschefs auf und wird ganz offensichtlich von vielen Kollegen leidenschaftlich abgelehnt.
Immer wieder werden Unmutsäußerungen über ihn geleakt.

[…] In einem vertraulichen Gespräch mit US-Präsident Barack Obama hat Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy über den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu hergezogen. "Ich kann ihn nicht mehr sehen, er ist ein Lügner", soll Sarkozy nach übereinstimmenden Angaben von Mithörern des Gesprächs über Netanjahu gesagt haben. Obama habe ihm geantwortet: "Du bist ihn leid, aber ich habe jeden Tag mit ihm zu tun!" […]

Der nicht eben als Choleriker bekannte US-Präsident kann sich kaum noch zügeln.

Obama schäumt vor Wut über Netanjahu
[…] Die Vereinigten Staaten von Amerika und Israel sind strategische Verbündete zur Wahrung ihrer Interessen im Nahen und Mittleren Osten. Angesichts der Tatsache, dass diese vor allem energiepolitisch bedeutende Weltregion von Krieg, Despotien, gefährlichen sozialen Unwuchten, militantem Islamismus und aggressivem Terrorismus gekennzeichnet ist, kommt dieser Allianz eine hohe Bedeutung zu. Umso fataler ist, dass die Regierungen in Washington und Jerusalem alles andere als befreundet sind und gegenwärtig einen Kurs des Frontalzusammenstoßes steuern, wie die israelische Zeitung "Maariv" schrieb. Dieser Streit ist überflüssig und zudem politisch brandgefährlich.
Es ist kein Geheimnis, dass US-Präsident Barack Obama und Israels Premierminister Benjamin Netanjahu nicht nur politische Differenzen haben, sondern sich auch ganz persönlich nicht ausstehen können. Netanjahus Festhalten an einem fortgesetzten Siedlungsbau in Schlüsselregionen der besetzten Gebiete ist geeignet, dem halb toten Nahost-Friedensprozess den Rest zu geben, den Obama gern belebt und als Erfolg seiner Amtszeit vorgewiesen hätte. Mit der Besiedlung zerschneidet Netanjahu das Gebiet eines möglichen Palästinenserstaates bis zur Unregierbarkeit – was wohl beabsichtigt ist.
Ein zweiter Streitpunkt zwischen Washington und Jerusalem hat sich nun zu einem "endgültigen Bruch" zwischen den beiden Staatsmännern zugespitzt, wie US-Kommentatoren meinen. Es geht im Kern um die Bemühungen der fünf Veto-Mächte der Uno – USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien – sowie Deutschlands, den Atomkonflikt mit dem Iran friedlich per Abkommen beizulegen. Israel und der Westen verdächtigen das Mullah-Regime in Teheran, unter dem Deckmantel eines zivilen Programms eine atomare Bewaffnung anzustreben. […]

Willkommen im Kindergarten.

Wie erst jetzt richtig bekannt wird, hatte Netanjahu die Obama-Administration nicht nur mit seinem Besuch bei den GOPern düpiert, sondern er verriet sogar Staatsgeheimnisse an Obamas parteipolitischen Gegner, um ihnen Wahlkampfmunition zu liefern.

Ein mutmaßlicher Spionagefall droht die Beziehungen zwischen den USA und Israel weiter zu belasten. Unter Berufung auf hohe US-Regierungsmitarbeiter berichtet das Wall Street Journal, dass Israel die Atomgespräche mit Iran ausspioniert habe - als Teil einer groß angelegten Kampagne, um die internationalen Verhandlungen zu sabotieren. Die geheimen Informationen seien auch an US-Kongressabgeordnete weitergegeben worden, um ihnen Argumente gegen den Kurs von Präsident Barack Obama zu liefern. [….]
Die Veröffentlichung wirft auch ein neues Licht auf eine deutliche Warnung von US-Außenminister John Kerry an Israels Premierminister Benjamin Netanjahu unmittelbar vor dessen umstrittener Rede im US-Kongress Anfang März. Kerry hatte erklärt, er sei "besorgt über Berichte", wonach Details einer möglichen Vereinbarung mit Iran öffentlich gemacht werden könnten. [….] "Dass sich die USA und Israel gegenseitig ausspionieren, ist eine Sache", wird dazu im Wall Street Journal ein hohes US-Regierungsmitglied zitiert. "Dass Israel US-Geheimnisse stiehlt und damit US-Abgeordnete versorgt, um die US-Diplomatie zu untergraben, ist eine andere Sache." [….]

Tiefer kann man unter befreundeten Nationen wohl wirklich nicht sinken.
Bibi scheint nicht bedacht zu haben, daß Obama noch zwei Jahre im Amt ist.
Er wird ihm also nicht völlig aus dem Weg gehen können.
Politisch schlau ist es sicher nicht, wenn man als Mini-Nation seine bedeutendste Schutzmacht maximal verärgert.

[….] Der Sieg ist im Sack, doch die Feier danach gerät zum Tanz auf dem Scherbenhaufen. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat im Innern wie im Äußeren so viel Porzellan zerschlagen auf dem Weg zu seiner Wiederwahl, dass er nun eine schmerzhafte Erfahrung macht: Nicht jeder ist so wendig wie er, und es gibt immer noch Leute, die ihn beim Wort nehmen. [….]  Die Regierung in Jerusalem soll nicht nur die geheimen Atomgespräche mit Iran ausspioniert, sondern die dabei abgeschöpften Informationen auch noch gezielt an US-Kongressabgeordnete weitergeleitet haben. Das Ziel: Obamas innenpolitische Widersacher zu munitionieren, um ein Atom-Abkommen zu Fall zu bringen. Das Ergebnis: In Obamas Gunst droht Netanjahu bald noch von den Ayatollahs in Teheran überholt zu werden.
Netanjahu hat die US-Regierung tief verärgert - das hat Folgen
Denn Israels Premier steht hier nicht nur als Trickser, sondern auch als Verräter da. Obama wird das zu nutzen wissen, denn wer einen vermeintlichen Freund auf diese Weise öffentlich entlarvt, der verschafft sich eine Menge Handlungsfreiheit. Zuvor schon hatte er wissen lassen, dass er nichts mehr gibt auf Netanjahus Volten in Sachen Palästinenserstaat. Nach dessen Absage an den Friedensprozess im Wahlkampf würden die USA "andere Optionen prüfen", um das Ziel der Zwei-Staaten-Lösung nicht aus den Augen zu verlieren. Andere Optionen haben die USA zum Beispiel im UN-Sicherheitsrat, wo sie bislang mit ihrer Vetomacht einen Schutzschild über Israel hielten. Denkbar ist nun, dass Washington dort eine Resolution zur Zwei-Staaten-Lösung passieren lässt, die Israel in die Isolation treibt.
Bei solchen Perspektiven ist Netanjahus Wahlsieg wahrlich teuer erkauft - und dies ist noch nicht einmal der einzige Preis, der zu zahlen ist. Mit rassistischem Getöse gegenüber der arabischen Minderheit in Israel und Verschwörungsvorwürfen gegen die Linken hat er aus Eigennutz überdies sein Land tief gespalten. [….]




Dienstag, 24. März 2015

Radikaler Westen.


Das Tu Quoque-Argument wird in Diskussionen benutzt, wenn man dem Ausgangsargument, das einem entgegen geschleudert wird, inhaltlich nichts entgegen zu setzen hat.
Dann beleidigt man den Kontrahenten mit einem „Du bist genauso schlecht!“ und hofft durch die Nivellierung des Vorwurfs selbst aus der Angriffslinie zu kommen.
Ein offensichtliches Ausweichen.
Wenn man etwas amoralisches zu verantworten hat, wird es eben nicht dadurch besser, daß jemand anders sich genauso verderblich verhalten hat.

Wenn man aber immer nur auf andere zeigt und dann inverses Tu-Quoque anwendet, also ausdrücklich zum Vergleich auf sich selbst zeigt, wird etwas Positives draus – nämlich das immer wieder eingeforderte „vor der eigenen Haustür kehren.“
Streng genommen ist das eigentlich genauso unsinnig.
Wenn ich mich fortwährend darüber beklage, das der Nachbar mit 120 Dezibel Helene Fischer aufdreht, wird es nicht weniger unerträglich, wenn mir einfällt, daß ich vorletzte Woche mit 121 Dezibel Florian Silbereisen hörte.
Beides bleibt natürlich eine sittenwidrige Straftat.

Übertragen auf den außenpolitischen Diskurs ist es aber umso wichtiger immer wieder seine eigene Position zu erden, um nicht als Heuchler wahrgenommen zu werden.

Natürlich ist es zum Kotzen wie Schwule in Russland behandelt werden.
Aber wir (gemeint ist: „Deutschland als Teil des Westens“) erreichen mit Anti-Putin-Sanktionen natürlich gar nichts, wenn gleichzeitig Heerscharen westlicher Präsidenten katzbuckelnd und ehrfürchtig nach Riad pilgern und da vor einem Regime kriechen, das Homosexualität oder Atheismus mit der Todesstrafe belegt und diese auch massenhaft ausführt.
„Wir“ sind dann bloß unglaubwürdig.

Uns nimmt auch keiner ab, wir würden uns für Menschenrechte im Nahen Osten einsetzen, wenn wir gleichzeitig Bagrahm, Abu Graib und Guantanamo errichten und zudem immer wieder westliche Soldaten freisprechen, die mal eben aus Versehen Massenmord an unschuldigen Zivilisten begangen haben.
Ich erinnere an Oberst Kleins fatalen Einsatzbefehl in Afghanistan.

Interessanterweise hat die Bundesregierung seit dem Tanklaster-Desaster vom September 2009 keinerlei strategische Veränderungen vorgenommen.

Neu ist nur, daß der berüchtigte Oberst Klein, der den Befehl zur Bombardierung des Lasters gab, bei dem 140 Zivilisten starben, inzwischen befördert worden ist!
Deutschlands zweitbeliebtester Politiker, Verteidigungsminister Thomas de Maizière, machte Klein just zum General. 
Der Mann hat sich offenbar verdient gemacht.

Und wie soll man glaubwürdig ein Ende der Korruption verlangen, wenn die korruptesten und skrupellosesten Organisationen der Erde – FIFA und IOC – von einem Schweizer und einem Deutschen geleitet werden?

Wir echauffieren uns ZU RECHT über den religiösen Fanatismus der IS-Kämpfer, aber kein europäischer Politiker findet es irgendwie erwähnenswert, daß große Teile der Republikaner, die in beiden Kammern des US-Kongresses die absolute Mehrheit halten, mit aller Kraft eine allgemeine Krankenversicherung blockieren, weil sie unter anderem Krankheiten als Prüfungen Gottes ansehen, gegen die Beten viel mehr hülfe.


Wir empören uns über den Exodus der Christen aus der Levante und nehmen es gar nicht zur Kenntnis, daß Papa Cruz zur Freude seines Sohnes, des Präsidentschaftskandidaten Ted dazu auffordert alle Atheisten zu internieren.


[…]  Rafael Cruz, father of Texas Senator and Tea-Party favorite Ted Cruz, spoke recently against atheism and secular humanism. […]
“If there is no God, then we are ruled by our instincts,” he said. “Of course, this leads us, when there are no moral absolutes, leads us to sexual immorality, leads us to sexual abuse, leads us to perversion and, of course, no hope. No hope!”
In the past, Cruz, an evangelical preacher and avowed creationist, has claimed that God endorses the Death Penalty, that evolution is a communist trick aimed at converting people to atheism, that legalizing gay marriage will lead to preachers being arrested for hate speech just for reading the Bible, and that President Obama is a tyrant who needs to go back to Kenya. This is, however, the first time he’s laid out his plan on how to save mankind from secular humanism.


[…] He warned that atheists are in danger of corrupting the youth of America and called for action before America was overrun. His solution to what he termed ‘the problem of the Godless’ is the creation of a series of ‘Heathen Zones’- fenced-in camps located mostly in Northern California and Vermont.
“It’s a free country,” he said. “If these people need to practice their holy rites of atheism, they can do so, as long as they are in clearly-marked encampments far away from the rest of us.”
“While they’re in their Heathen Zones, they’re free to dance naked around the fire, brand the mark of the Devil on their flesh or whatever else they want to do,” he added. […]


Präsident Putin hält uns doch völlig zu Recht für Heuchler, wenn wir die Demokratie in Russland scharf kritisieren, aber gleichzeitig achselzuckend die exzessive und bestialischen Anwendung der Todesstrafe in Amerika hinnehmen.
Dort werden auch Minderjährige, psychisch Kranke und Unschuldige hingerichtet und zwar mit zunehmender Brutalität.
In Russland ist die Todesstrafe hingegen lange abgeschafft.


Also wie war das noch mal mit den westlichen Werten?

[…] Utah hat als erster Bundesstaat der USA die Wiedereinführung von Erschießungskommandos beschlossen. Gouverneur Gary Herbert unterzeichnete ein Gesetz, das die Hinrichtung durch Erschießen erlaubt, wenn keine Medikamente für Giftspritzen verfügbar sind.
Die Tötung eines Verurteilten durch ein Erschießungskommando sei zwar "ein kleines bisschen grausam", erklärte Herbert, aber in Utah gelte nun einmal die Todesstrafe und die müsse auch durchgesetzt werden. […] Der Republikaner Paul Ray, der den Gesetzentwurf in Utah eingebracht hatte, argumentierte, der Tod durch ein Erschießungskommando sei schneller und würdevoller als die Tötung mit der Giftspritze. "Das ist ein schnelles Verbluten", sagte der Politiker. […]


Warum fährt Pastor Gauck nicht mal in die USA und beklagt sich dort lautstark über Dinge, die man nicht tut?


Montag, 23. März 2015

Ein guter Tag für die amerikanischen Demokraten.



Zu meinen Lebzeiten hat kein Politiker regiert, den ich noch mehr als George W. Bush gehasst habe.
Gut, Kim Jong Un oder Robert Mugabe sind auch nicht so sympathisch,  daß man sie ununterbrochen herzen und küssen möchte, aber sie haben auch viel weniger Einfluss auf die Welt.
Bei der professionellen Berechnung der Widerlichkeit eines Regenten muß der Faktor „Macht seines Landes“ berücksichtigt werden.
Wäre GWB lettischer Präsident gewesen, hätte ich ihn vermutlich eher ertragen.
Man hätte ihm Folterlager und illegale Angriffskriege auch nicht durchgehen lassen, wenn er das von Riga aus geplant hätte. Die Weltgemeinschaft hätte eingegriffen und ihn zur Raison gebracht.
Als US-Präsident konnte er seine Arroganz und Bösartigkeit allerdings maximal zur Geltung bringen.
Mit der Präsidentschaft des zweiten Bushs wurde der Welt aber erst richtig bewußt, wie dumm die Entscheidungsträger Washingtons sein können.
Ich schließe mich mit ein; ich hatte GWB zwar schon als Todesstrafen-geilen Gouverneur zutiefst verachtet, aber erst als der Harvard- und Yale-Absolvent auf der außenpolitischen Bühne auftauchte, wurde ich seiner unfassbaren Doofheit gewahr. Ohne einen Funken Bildung debakulierte er durch die englische Sprache.
Es ist nur zu verständlich, daß sich selbst in Amerika zum Ende seiner Amtszeit, als er die Welt ins Chaos, sein Land in eine Rezession und das Ansehen Amerikas für immer ruiniert hatte, der Wahlslogan „Anybody but Bush“ durch setzte.
Keiner könnte so bekloppt wie er im Oval Office agieren.
Ein Schimpanse würde bessere Arbeit leisten.

Wie man sich da getäuscht hatte!
Im August 2008 lernten wir durch eine enthirnte Gouverneurin aus Alaska, daß es tatsächlich noch wesentlich dümmer als GWB geht.
Palin ist so unfassbar verblödet, daß sie mühelos die Grenzen zu ihrer eigenen Parodie überschritt.
 In den Folgejahren kämpfte sie mit der fanatisierten Strohpuppe Michele Bachmann um die Krone der Doofen. Ein mit harten Bandagen geführter Fight, der schwer zu bewerten war, weil Doofheit leider Bösartigkeit nicht ausschließt.
Beide, Palin und Bachmann reden nicht nur mangels Kenntnis den größten Schwachsinn, sondern ihr Fanatismus läßt sie zudem auch noch lügen wie gedruckt.
Ob sie im wider besseres Wissens oder aus purer Dummheit ihre morialogischen Paukenschläge raushauen, ist im Einzelfall gar nicht so leicht zu beurteilen.
Eins haben mich die beiden frommen Furien allerdings gelehrt:
Verwende keine negativen Superlative bei GOP-Politikern.
Insbesondere seit sie aus den Teebeutel-Quellen gespeist werden, wird eine katastrophale Knalltüte nach der nächsten aus der Möse der Unterwelt rausgerülpst.

Ob man es glaubt, oder nicht, der erste offizielle Präsidentschaftskandidat ist mit dem GOP-Mann Ted Cruz tatsächlich so ein Teebeutel-Exemplar, das noch dümmer als die Palin ist.
Der 44-Jährige Jurist wurde 2013 texanischer Senator und scheint offensichtlich Obamas Rache an den vielen fanatisierten „Birthern“ zu sein, die bis heute Obama das Recht absprechen US-Präsident zu sein, da er angeblich nicht in den USA geboren wurde. Hartnäckig bezeichnen sie ihn als „Kenianer“, da sein Vater aus Kenia stammte.
Nun, Cruz‘ wurde in Kanada geboren und sein Vater ist Kubaner.
Inhaltlich ist er voll auf Fox-Kurs. Cruz will alle Bundessteuern und Umweltschutzregeln abschaffen. Er glaubt Klimaerwärmung wäre eine Erfindung der Linksradikalen, will Homoehe, Obamacare und Schwangerschaftsabbruch verbieten. Und er sorgt sich um Amerikas Sicherheit, da der IS bekanntlich in Mexiko agiert.

Climate change, as they have defined it, can never be disproved, because whether it gets hotter or whether it gets colder, whatever happens, they’ll say, well, it’s changing, so it proves our theory.
(Ted Cruz)

First and foremost, Washington should resolve to make border security a top priority finally, rather than an afterthought, of this plan in light of concerns about potential ISIS activities on our southern border, cited in a Texas Department of Public Safety bulletin reported by Fox News. As long as our border isn’t secure, the government is making it far too easy for terrorists to infiltrate our nation.
(Ted Cruz)

Wer sich fragt, wie Cruz als im Ausland geborener Hispanic die radikal ausländerfeindlichen Positionen der weißen Teebeutel-Basis vertreten kann, der unterliegt dem Denkfehler, daß GOPer über Rationalität und Anstand verfügten.
Das ist natürlich nicht der Fall. Cruz lügt wirklich wie gedruckt, wenn er nur den Mund aufmacht. Da läßt er sich nicht von der schnöden Realität verwirren.


Cruz ist wie seine Teebeutel-Kollegen eine Freude für die radikalisierte Basis und gleichzeitig ein wundervoller Komiker aus Sicht der Demokraten.
Man sollte nur nicht zu früh lachen – immerhin haben es auch schon Santorum, Quayle und GWB in wichtige Ämter geschafft.


Aber Cruz bietet Angriffsfläche.
Seine mannigfachen Eseleien werden die Teebeutelbasis nicht verschrecken, aber alle Amerikaner, die über Rudimente von Restverstand verfügen, müssen eigentlich ins Grübeln kommen, wenn sie Cruz Statements verfolgen.

"Net Neutrality" is Obamacare for the Internet; the Internet should not operate at the speed of government.
Senator Ted Cruz - 10 Nov 2014

Speaking at a home schooling convention, Cruz said that “we have never seen an administration with such hostility to religious faith. Last year, there was a chaplain in the Air Force up in Alaska who wrote in a blog post the phrase ‘There are no atheists in fox holes.’ He was ordered by his supervising officer to take it down. I guess it was deemed insensitive to atheists. I kind of thought it was the job of a chaplain to be insensitive to atheists.”

After leading the GOP charge to shut down the government, Cruz repeatedly claimed that he had nothing to do with the GOP shutting down the government.

At the 2013 Values Voter Summit, Cruz said Obama was intent on violating the entire Bill of Rights. “You look at our Constitution, you look at our Bill of Rights, this is an administration that seems bound and determined to violate every single one of our Bill or Rights,” he said, adding “I don’t know that they’ve yet violated the Third Amendment, but I expect them to start quartering soldiers in people’s homes soon.”

In an interview with the Christian Broadcasting Network, Cruz said that “if you look at other nations that have gone down the road towards gay marriage, that’s the next step of where it gets enforced. It gets enforced against Christian pastors who decline to perform gay marriages, who speak out and preach biblical truths on marriage, that has been defined elsewhere as hate speech, as inconsistent with the enlightened view of government.”

On Fox News Sunday in 2012, Cruz told host Chris Wallace that, “in my life, I have never once seen an Hispanic panhandler. In our community, it would be viewed as shameful to be out on the street begging.”

At an event in New Hampshire last week, Cruz said “the Obama-Clinton foreign policy of leading from behind — the whole world is on fire.” When a little girl replied, “the world is on fire?” Cruz responded by saying, “Yes! Your world is on fire!”

Ted Cruz – er wird es zukünftig schwer machen zwischen Realität und Satire zu unterscheiden.

A disturbed Canadian man wants to try to get into the White House, according to reports.
The man, who was born in Calgary before drifting to Texas, has been spotted in Washington, D.C. in recent years exhibiting erratic behavior, sources said.
In 2013, he gained entry to the United States Senate and was heard quoting incoherently from a children’s book before he was finally subdued.
More recently, he was heard ranting about a plan to dismantle large components of the federal government, such as the Internal Revenue Service and the nation’s health-care program.
Despite a record of such bizarre episodes and unhinged utterances, observers expressed little concern about his plans to get into the White House, calling them “delusional.”
(Andy Borowitz, 22.03.15)

Spott kann Cruz egal sein, denn er hat Gott auf seiner Seite.

Der Kandidat Gottes
[…] Männer mit einem Programm wie Ted Cruz fahren gemeinhin gern in die Stadt Lynchburg im Süden Virginias. Dort hat die "Liberty University" ihren Sitz, die größte christliche Universität der Welt. Wer in Lynchburg den Klimawandel leugnet, Homosexualität nicht so gut findet und außenpolitisch hartes Schwarz-Weiß-Denken bevorzugt, der kann an der "Liberty" mit wohlwollendem Publikum rechnen.
[…] Bekannt ist er der Nation, seit er im Herbst 2013 mehr als 21 Stunden am Stück gegen Obamas Gesundheitsreform geredet und auch danach allerhand dafür getan hat, das politische System lahmzulegen.
[…] Ein "couragierter Konservativer" will Cruz sein. Heißt: einer, der keine Kompromisse eingeht. […]