Dienstag, 4. November 2014

Der AfD-Liebling des Tages – Teil II



Da letzte Woche in Köln an die 5000 brutale fette Glatzköpfe ihrer Gewalttätigkeit freien Lauf ließen, war der braune PI-Schreiberling „Iuvenal“ so begeistert von den Hools, daß seine Homoerotik voll in seine Tasten schoss.

Dieser Tag wird in die Geschichte eingehen als das Wunder von Köln. Als ein Anfang, der den ersten Montags-Demonstrationen entspricht, durch die das Unrechtsregime der DDR niedergerungen wurde. Und es waren nicht die Intellektuellen, es waren echte Männer, die ihr Gesicht für unser deutsches Vaterland gezeigt haben. [….]
Testosteron ist gut. Gegen Salafisten helfen Bonmots nur sehr eingeschränkt, aber physische Präsenz weist sie in ihre Schranken. Ganze Kerle. Kompakte Typen. [….]  Wir sind Deutschland, und wir lassen uns nicht länger wie Lämmer zur Schlachtbank führen. [….] Das klare Bekenntnis zu „Deutschlaaaaaaaaaand!“ war nach langer Zeit endlich einmal außerhalb eines geschlossenen Stadions zu hören, und „Wir sind das Volk!“ hat klargestellt, was schon lange klarzustellen war. Deutschlandfahnen wehten fröhlich und bekannten sich zum Vaterland. [….] Tränen sind geflossen: Tränen von Reizgas, das die Polizei als ihren Beitrag zur Demo mitbrachte, Tränen der Betroffenheit bei den Gegendemonstranten, die ihren Traum vom Multikulti-Paradies untergehen sehen, aber auch Tränen echter Rührung bei den Männern und Frauen, die echte Deutsche sind und die verstehen, worum es hier eigentlich geht.
[….] HoGeSa, wir sind stolz auf Euch! [….] Nächstes Mal werden es mehr sein. Lauter. Stärker. Deutlicher […]  Aber vor allem wieder physische Präsenz, die allen Feinden Deutschlands eines deutlich macht: Die deutschen Männer sind noch da. [….]

So ejakuliert ein rechter PIller.

Die rund 50 verletzten und noch mehr traumatisierten Polizisten dürften sich dieser gewalterotischen Sichtweise kaum anschließen.

Angeheizt von der Rechtsrockband „Kategorie C“ („Heute schächten sie Schafe und Rinder, morgen vielleicht schon Christenkinder“), kübelten die Krawallmacher ihren Hass in die Kölner Innenstadt. Touristen und Passanten flohen vor dem Mob. Die Bilanz des Sonntags: 49 verletzte Polizisten, ein umgestürzter Einsatzbus, zahlreiche Sachschäden. Die Kölner Polizei hat eine Sonderermittlungsgruppe aus 36 Beamten eingesetzt. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurden bis Freitagabend 31 Tatverdächtige identifiziert und 32 Ermittlungsverfahren eingeleitet. […] In Köln grölten Menschenmengen „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ oder „Hier marschiert der nationale Widerstand“. Ein Funke reichte, um die Truppe aus Schlägern und Extremisten zur Explosion zu bringen: Laut einem internen Polizeibericht hatten mehrere Personen in Galatasaray-Trikots um 15.49 Uhr den Pulk mit gestreckten Mittelfingern und Feuerwerkskörper provoziert. Sofort eskalierte die Lage, am Ende griff der Mob wahllos Polizisten an. Gegen einen Vermummten mit Faustmesser wussten sich Einsatzkräfte nur mit erhobener Schusswaffe zu helfen. An der Gesinnung des Mobs lässt der Polizeibericht keinen Zweifel: Bei den Teilnehmern habe es sich „überwiegend um Angehörige der Risikofanszene sowie um Angehörige des rechten Spektrums gehandelt“.
(DER SPIEGEL 03.11.14, s.28f.)

Das neue Amalgam aus Nazis, rechten Skinheads, Hooligans und Islamophoben wurde von weiteren Krawallos unterstützt. Auch AfD-Prolls mischten sich unter den braun-brutalen Mob und berichteten voll Glücksgefühl über ihr SA-artiges Erweckungserlebnis.

Claus Döring, Bernd Luckes Mann in Hamburg, Gründungsmitglied der Landespartei wurde wie PI-„Iuvenal“ ganz feucht im Schritt.

[….] Nachdem vor ein paar Tagen das Hamburger AfD-Mitglied Tatjana Festerling offen für die Hooligans schwärmte, die vor einer Woche Teile der Kölner City verwüstet hatten, kommt es jetzt noch besser: Claus Döring – immerhin Mitbegründer der hiesigen AfD – bekennt bei Facebook, er sei bei der Randale selbst dabei gewesen.
Dass es zur Gewalt kam „im Kölner Kessel dieser linksgrünen Bananendiktatur“ (O-Ton Döring) sei seiner Meinung nach allein Schuld der Polizei: Alles habe ganz friedlich angefangen, schreibt er. Man habe aber gleich gemerkt, „dass die Wasserwerfer zum Einsatz kommen SOLLTEN“. Die Polizei habe die Demonstranten deshalb gezielt provoziert. Döring schließt: „Hätte nicht gedacht, wie ,weit‘ wir politisch in Deutschland – wieder – sind.“
Döring ist laut Hamburger Bündnis gegen Rechts kein unbeschriebenes Blatt. Bevor er zur AfD kam, war er demnach Landesschriftführer der antimuslimischen Partei „Die Freiheit“. Döring hasst die EU und tritt dafür ein, dass der Euro wieder abgeschafft wird. Deshalb trat er auch der Facebook-Gruppe „Raus aus dem Euro“ bei – nicht zufällig eine Kampagne der NPD.
Döring ist sozusagen ein politischer Hooligan, der gerne pöbelt und dafür bekannt ist, dass er den Mund zu voll nimmt: Die EU ist für ihn ein „Dreckshaufen“, muslimische Nationen nennt er „Kameltreiberländer“, und die Grünen vergleicht er mit Hitlers SA.

Nicht, daß das ungewöhnlich wäre für die AfD-Basis.
Gerade in Hamburg handelt es sich da um echten politischen Abschaum.

Aber andere Landesverbände sind nicht viel besser.

Diese Zitate gingen dem AfD-Chef Bernd Lucke zu weit: Das prominente AfD-Mitglied Martin Sichert habe über das Ende des Zweiten Weltkriegs gesagt, es hätten die "zwei größten Massenmörder gesiegt", sagte Lucke bei einem Landesparteitag in Ingolstadt. "Und Sie haben meines Wissens nicht Adolf Hitler gemeint", so Lucke in Richtung Sichert  […] In der bayerischen AfD gibt es interne Querelen. Sichert war im Mai 2013 auf einem Chaos-Parteitag zum Landeschef gewählt worden. Das Ergebnis wurde jedoch unmittelbar danach wegen Fehlern bei der Abstimmung für ungültig erklärt. [….]
Unruhe gibt es in der AfD auch im Norden: Laut den "Lübecker Nachrichten" hielt ein AfD-Mitglied einen Vortrag in Stockelsdorf, bei dem Äußerungen gefallen sind, die sehr nah sind an der Leugnung des Holocausts. Vor rund 20 Gästen sagte der Mann demnach, die Gaskammern im Konzentrationslager Dachau seien erst im Nachhinein von den Alliierten gebaut worden. Dann berichtete das AfD-Mitglied laut "Lübecker Nachrichten" von einem angeblichen KZ-Überlebenden, der Schülern eine ausgedachte Geschichte erzählt habe, jedoch nie ein KZ von innen gesehen habe.
[….] Lucke war selbst Anfang des Jahres durch zweifelhafte Äußerungen über Ex-Fußballer Thomas Hitzlsperger aufgefallen. [….]

Daß sich nun die AfD-Oberen, die eigentlich alle Hände mit ihren mehr als dubiosen Goldgeschäften* zu tun haben, über ihre eigene Basis wundern, stößt selbst dem ehemaligen BILD-Vize Nikolaus Blome im SPIEGEL-Kommentar sauer auf.

Eines der unsterblichen Cover des Magazins Titanic hatte vor mehr als zehn Jahren diese Titelzeile: „Schrecklicher Verdacht: War Hitler Antisemit?“ Daran kann sich erinnert fühlen, wer heute das Spitzenpersonal der Alternative für Deutschland (AfD) über die eigene Partei reden hört. Natürlich nicht, weil die AfD etwa eine rechtsextreme Partei wäre. Sie ist, und das war sie von Anfang an, gleichwohl ein Sammelbecken, das Zulauf aus allen Winkeln der Gesellschaft aufnimmt, auch aus den mehr oder minder dunkel Verschatteten. Der Parteispitze kam das zupass, und es war ihr recht, in der Urne sind ja alle Stimmen gleich. Darum ist die nunmehr fast im Tagestakt öffentlich zur Schau gestellte Empörung über die eigenen Mitglieder und Funktionäre nichts als Heuchelei. […]  „Schrecklicher Verdacht an der Parteispitze“, könnte die Titanic also titeln: „Zieht die AfD schräge Gestalten an?“ […]  „Heulsusen“, so verspottete Peer Steinbrück einst die mittelmäßige Funktionärskaste der SPD. „Heult doch!“, könnte die vergleichbare Gruppe in der Alternative für Deutschland ihrem Spitzentrio zurufen. Und sie hätte ja recht.
(Nikolaus Blome. Der Spiegel 45/14)

 Man erinnert sich als Jammer-Lucke mit vollen Hosen heulend das Fernsehstudio verließ, nachdem ihm Michel Friedmann mit Fragen zusetzte, die er nicht beantworten konnte.


Eins ist nach drei Landtagswahlerfolgen und dem Einzug der AfD ins EU-Parlament jedenfalls sicher: Diese Partei ist für jeden Menschen, der auch nur über rudimentären Anstand verfügt, unwählbar.

Holocaust-Relativierer, Verschwörungstheoretiker, Ausländerfeinde, alte Schill-Kumpel. Und jetzt: Hooligan-Verehrer. […] Da wird gegen Fremde gehetzt, die Polizei bepöbelt, der politische Gegner mit Nazis gleichgesetzt und diese auch noch von der Verantwortung für den zweiten Weltkrieg freigesprochen. […] In der Hoffnung auf das dumpf-rechte Stimmvieh [hat die Parteiführung] die Geister selbst gerufen, deren Spuk sie nun nicht mehr loswerden. Während Parteichef Lucke in Brüssel noch von einer Professoren-Partei voll ökonomischen Sachverstands faselt und einen fragwürdigen Goldhandel aufzieht, nimmt an der deutschen Basis der politische Bodensatz das Heft in die Hand. Das sollte jedem zeigen: Die AfD ist keine „Alternative“ – die AfD ist schlicht unwählbar.
(Mathis Neuburger, MoPo-Leitartikel 04.11.14)

*Allen Ernstes wollte die AfD-Spitze zunächst VIAGRA statt Gold an ihre postpotenten Mitglieder verkaufen, um an Geld zu kommen.
Aber dann fürchtete man den Spott über Luckes „Schlappschwänze“ und stieg ohne Gewerbeschein auf Gold-Mark um.

Montag, 3. November 2014

Völlig normal.


Wer kennt das nicht? Wenn man sich endlich dazu entschlossen hat ein paar Klamotten wegzugeben/wegzuschmeißen, greift man noch einmal erwartungsvoll in alle Sakko-Innentaschen und freut sich dann, wenn man einen Geldschein findet.
In Wahrheit lege ich es sogar ganz gerne drauf an, indem ich gerade in Mäntel, die ich selten trage einen 20€-Schein stecke.
Mit Portemonnaies mache ich das auch so. Aus unerfindlichen Gründen habe ich mehrere davon, obwohl ich natürlich immer nur eins benutze.
Die anderen liegen im Schrank und harren der Dinge, die da kommen mögen, wenn eines Tages das benutze Portemonnaie völlig zerfallen ist.
Das ist dann auch ein herzliches Willkommen an mich, wenn ich das Neue bestücken will und sich schon ein Fünfziger drin befindet.

Wer sehr knapp bei Kasse ist, kann möglicherweise auch auf der Suche nach Kleingeld in Sofaritzen fündig werden. Da sind eigentlich immer ein paar Münzen hineingerutscht.
Leider fällt diese Geldquelle für mich weg, da ich kein Sofa besitze.
Dafür habe ich schon zweimal einen Haushalt geerbt und hoffe immer noch, daß sich darunter irgendwelche ungeheuer wertvollen Dinge finden, die ich versetzen kann und dann zu dem Dolce-Vita-Part meines Lebens übergehen kann.

In einem Fall habe ich sogar einen Antiquar hinzugezogen, weil ich zwei wunderschöne handgeschriebene große Bücher von 1702 (!!) erbte, in denen die Chronik Hamburgs verfasst ist.
Vor meinem geistigen Auge klingelte schon die Kasse. Man kennt ja die Geschichten, daß Omma gestorben ist, man ihren Dachboden ausmistet und darunter ein paar alle Kritzeleien findet, da sie offenbar mal in ihrer Jugend Model gestanden hatte. Der Maler damals war hoffentlich ein gewisser Egon Schiele, der seinerzeit als schmuddelig galt, weswegen die Zeichnungen  schamhaft nie aufgehängt wurden, sondern auf dem Boden vor sich hin moderten. Heute ist Schiele allerdings DER HIT und man bekommt zweistellige Millionenbeträge für jeden echten Schiele; es ist sogar noch besser, wenn bisher unbekannte Werke auftauchen.

So ähnlich wähnte ich mich auch schon mit meinen 1702er Büchern im Antiquariat.
Tja, blöd nur, daß es damals offenbar Mode war solche Chroniken mit der Hand zu schreiben und daß meine beiden Bände zu einer zehnteiligen Reihe gehören, die nur vollständig einen gewissen Wert hat.
Pro Buch könnte ich bei einer Auktion zwischen 30 und 40 Euro erlösen.
Hm, ich befürchte, das reicht doch nicht so ganz für Yacht, Villa und Rolls Royce.

Wie ich Fortuna kenne, hat sie ihre Gründe dafür, daß sie lieber andere mit solchen Millionenüberraschungen beschenkt.
Andere haben es vermutlich auch nötiger. Immerhin leide ich nicht Hunger.
Nein, die Glückgöttin ist weise und wird daher die Bedürftigen vor mir bedenken.
Das ist lieb von ihr.

Fortuna ist da so wie der FC Bayern, der milliardenschwere Verein, der eine Million Euro an den VATIKAN spendete.
Der Vatikan ist bekanntermaßen der Bettler unter den Staaten. Die RKK steht ja überhaupt kurz vorm kollektiven Hungertod. Da haben die Bayern einen wahrhaft Bedürftigen gefunden.

Fortuna beglückte unterdessen das Kloster Neresheim.

Es muss ein bewegender Abschied gewesen sein damals, im April 2013. Ein schlichter Sarg, darauf Mitra und Hirtenstab. 800 Trauergäste in der mit weißen Chrysanthemen geschmückten Abteikirche des schwäbischen Benediktinerklosters Neresheim. Ein Knabenchor, der das Requiem verschönt. Ein Landrat, den Tränen nah, der sich "von meinem lieben Freund und unser aller Vater Abt" verabschiedet. […]
Was war das für ein Mensch, der Abt Norbert Stoffels, seit 1977 Klostervorsteher, Träger des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse und der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg, der am 24. April 2013 im Alter von 77 Jahren starb? Ein verdienter Arbeiter im Weinberg des Herrn? Oder ein Arbeiter im sogenannten Sondervermögen Weinberg - einem über Jahre hinweg gepflegten System der Steuerhinterziehung und der Geldwäsche?
Wie der Spiegel am Montag berichtete, fand sich im Nachlass des toten Abts unverhofft ein Millionenvermögen. Es handelt sich, wie man nun weiß, nicht nur um ein Konto bei der Deutschen Bank in Krefeld, auf dem ein Vermögen im Wert von drei Millionen Euro lagert. […]  Zu dem Finanzkonstrukt, das Abt und Anwalt gebastelt hatten, gehört außerdem ein Verrechnungskonto, auf dem Zinsen und Dividenden ausgeschüttet wurden. Und dann gibt es in Aalen noch ein weiteres Konto, darauf eine Million Euro. […] In welch dubiose Gesellschaft der allseits geachtete Abt sich und damit auch sein Kloster begeben hat, lässt sich anhand der Prozesse in Ellwangen erkennen. […] Für viele Millionen Euro wurde in den Siebzigerjahren die prachtvolle spätbarocke Klosterkirche renoviert, Millionen kostete auch die Sanierung des Konventgebäudes, die erst vor Kurzem abgeschlossen wurde. Die Hauptlast trugen jedes Mal das Land und das Bistum. Das Kloster, seit der Sanierung von Touristenmassen besucht, erwirtschafte pro Jahr rund eine Million Euro aus dem Klostershop, einem Hospiz und aus der Lehrtätigkeit einiger Mönche. […]

Tja, wer kennt das nicht? Wenn man in seinem Kram sucht, findet sich hier mal eine Million, dort noch mal drei Millionen und man weiß gar nicht woher die ganze Kohle kommt.
TVE, ick hör dir trapsen.

Sonntag, 2. November 2014

Altbekanntes.


Als kleiner Hobbyblogger wundere ich mich immer wieder über Erkenntnisse der Profijournalisten.
Was war das für ein Bohei, als der SPIEGEL mit den angeblich so sensationellen Helmut-Kohl-Zitaten aus dem Buch von Heribert Schwan und Tilman Jens titelte.

Dabei wußte doch jeder, der Zeitung lesen kann seit Jahrzehnten, daß sich der Ex-Bundeskanzler einer proletigen Sprache bedient und extrem in Feinbildern denkt. Der Mann war schon immer extrem nachtragend und voller Hass gegenüber „Parteifreunden“, die ihm zu widersprechen wagten.

Kohl verachtet Geißler, Blüm, Süßmuth und Wulff – what else is new?
Genauso sensationell ist die Erkenntnis, daß George W. kein Fan von Saddam Hussein war.

Am Freitag nun entdeckte Holger Schmale von der Berliner Zeitung, daß die Pfarrerstochter, Vorsitzende der CHRISTLICHEN CDU und Kämpferin für den Gottesbezug in der EU-Verfassung Merkel selbst auch Christin ist!
Donnerschlach!
Wer hätte das gedacht?!

 [….] Lange Zeit hat die Kanzlerin wenig Persönliches über sich preisgegeben. Nun kehrt sie in ihre Heimatstadt Templin zurück und erzählt in der Kirche über ihren Glauben, ihre Zweifel und ihre Gebete.
[….] Angela Merkel ist heimgekehrt an diesem Freitagabend, nach Templin in der Uckermark und in die Kirche, in der sie einst konfirmiert wurde. [….] Lange Zeit hat Angela Merkel darauf geachtet, nicht sehr erkennbar zu sein. Nicht als Ostdeutsche, nicht als Frau, nicht als Christin. [….] Und nun steht sie in der Kirche, in der manchmal auch ihr Vater, der Pfarrer und Leiter eines theologischen Seminars in Templin, gepredigt hat. „Das ist Heimat“, sagt sie später auf eine Frage nach ihrem Gefühl an diesem Ort. Es ist Reformationstag, sie soll über das Thema „Christlich leben, politisch handeln“ sprechen. Und so gehört es zu diesem ungewöhnlichen Abend, dass sie über sich als Christin spricht, über ihren Glauben, den sie, wie sie sagt, ja nicht wie eine Monstranz vor sich her trägt. Wäre sie nicht die Vorsitzende der Partei mit dem C im Namen, wüsste man vielleicht gar nichts über ihr Bekenntnis. Sie empfinde das Christsein als „unglaublichen Schutz“, sagt Angela Merkel.
Sie könne in dem beruhigenden Bewusstsein leben, auch Fehler machen zu dürfen, denn sie wisse, dass sie nicht vollkommen sei. Zugleich bewahre sie der Glaube vor jeglichen Allmachtsphantasien und lehre Demut. Und ja, das stille Gebet, die Einkehr gehörten zu ihrem Leben wie die Freude, mit anderen das Vaterunser zu sprechen, sagt sie auf Fragen aus der Gemeinde nach ihrem Vortrag. [….]

Als ich vor Jahren mal auf Merkels persönliche Website klickte, hatte ich allerdings  auch schon einen kryptischen Hinweis darauf gefunden, daß es sich um eine Christin handeln könnte:

Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit - das sind die Grundwerte der CDU, die sich aus dem christlichen Menschenbild ableiten. Sie sind auch Richtschnur meines Handelns. Der Mensch mit seiner unveräußerlichen Würde und Einzigartigkeit muss im Mittelpunkt der Politik stehen.

Merkel lehnt Homorechte ab, agitiert gegen PID, propagiert religiöse Kinderverstümmelung und verurteilt Sterbehilfe. Stets christlich argumentiert.

Hatte Herr Schmale gedacht, das täte sie als Ungläubige?

Wenn Politiker auf ihre religiösen Überzeugungen pochen, kann man getrost davon ausgehen, daß als Nächstes die Ablehnung eines Menschenrechtes kommt.
Wer religiös Politik macht, will anderen etwas vorschreiben oder verbieten und ihnen eben NICHT erlauben frei über das Geschlecht des Ehepartners, PID, Schwangerschaftsabbruch oder Suizid zu entscheiden.

Merkels Christenüberzeugung kommt bei der Solidarität mit den Syrischen Flüchtlingen zum Tragen.
Insgesamt nehmen die 28 EU-Staaten alle zusammen weniger als 1% (weniger als EIN PROZENT!) der vom IS-Terror bedrohten auf.
Gerade ist das Ende der humanitären Mittelmeer-Überwachung „Mare Nostrum“ eingetreten. Ab jetzt wollen die christlichen EU-Regierungschefs lieber wieder mit der Aktion „Triton“ die Grenzen abschotten und die Verzweifelten in den überfüllten Booten absaufen lassen.

Mit einem Budget von monatlich 3 Millionen Euro verfügt «Triton» aber nur über ein Drittel der Mittel von «Mare Nostrum». Zudem konzentriert sich das Mandat von Frontex auf den Grenzschutz, und das Einsatzgebiet beschränkt sich auf die küstennahen Gewässer Italiens. «Mare Nostrum» hingegen war vor der libyschen Küste tätig und hatte die Suche und Rettung von Migranten zum Ziel. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International kritisieren daher, mit dem Ende von «Mare Nostrum» würden die Bootsflüchtlinge ihrem Schicksal überlassen.

Merkel als Apologetin der Nächstenliebe-Religion hat ihre eigene christliche Deutung zu den Menschen in höchster Not, die zu Myriaden auch mit deutschen Waffen abgeschlachtet werden. Es wäre „nicht christlich“ noch mehr von ihnen in Deutschland aufzunehmen. Der Welt-Autor Robin Alexander findet das „mutig und klar!“

Angela Merkel kennt die schlichte Maria-Magdalenen-Kirche im brandenburgischen Templin wie kein anderes Gotteshaus: Hier ist sie als Mädchen allwöchentlich in die Christenlehre gegangen und konfirmiert worden. Heute besucht die Kanzlerin die Gottesdienste in dem Bau nicht mehr, der 1749 auf den Ruinen mittelalterlicher Vorgänger errichtet worden war. […]  Merkel, die nach eigenen Angaben regelmäßig betet, hat einmal erzählt, sie meide Kirchen, da die Menschen auch dort auf sie schauen würden. […]
In der gläubigen Menschen traditionell wichtigen Frage zum Lebensschutz positioniert Merkel sich vorsichtig konservativ: "Ich glaube, dass es richtig ist, dass wir ein sehr strenges Embryonenschutzgesetz haben in Deutschland.[…] Mutig und klar spricht Merkel hingegen über ihre Flüchtlingspolitik: Die Abschiebung in sichere Herkunftsländer sei "auf den ersten Blick vielleicht nicht christlich", aber "es ist vielleicht noch weniger christlich, wenn wir zu viele aufnehmen und dann keinen Platz mehr finden für die, die wirklich verfolgt sind". […]  

Samstag, 1. November 2014

Impudenz des Monats Oktober 2014.



Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.
(1000. Posting in „Tammox-II“ + 1704 in "Tammox-I")

Diesen Monat bettelte die AfD gewissermaßen um den Titel als größter Idiot der politischen Szene weltweit, aber im allerletzten Moment, hat Pastor „von allen liebe ich am meisten mich“-Gauck die Krone weggeschnappt.

Es gab wohl noch keinen Bundespräsidenten, der so ungeniert seine Aufgaben ignorierte, dramatische Missstände mit Schweigen begleitete und stattdessen  seinen persönlichen Vorurteilen frönte.

Wenn man Oberstufenschülern im Gemeinschaftskundeunterricht beibringen möchte was die Aufgaben eines deutschen Bundespräsidenten sind, bräuchte man nur auf das Negativbeispiel Gauck zu verweisen.
Wie er sich verhält, ist genau falsch.

[…………..] Gauck hingegen ist Kleinbürger im schlechtesten Sinne.
Er findet sich selbst so ungeheuer großartig, daß er sich ausschließlich mit dem Gauck-Sein an sich beschäftigt.
Gewaltige Wissenslücken, das völlige Fehlen von Empathie und diplomatische Verwerfungen irritieren ihn kein bißchen.
Gauck wähnt sich Gott-gleich, so daß von ihm Ausgesprochenes; und sei es auch noch so absurd; automatisch Realität werden muß.
Sein Verhältnis zu Presse und Untergebenen ist erratisch-psychotisch.
Im Grunde erwartet er immer Jubelstürme und breite Zustimmung.
Wagen es einzelne Journalisten ihm zu widersprechen, oder fühlen sich Anwesende in seinem Auditorium beleidigt, interpretiert der deutsche Bundespräsident es als Beweis für seinen Mut und fühlt sich nur noch großartiger.

Wie ein politisch Halluzinierender kreiert Gauck aus seinen eigenen Vorurteilen die Welt, in der er wandelt.

Die Gauck-Welt prägt eine neoliberale Kaltherzigkeit.
Wer in ökonomischen Schwierigkeiten steckt, hat selbst Schuld.
Bei internationalen Konflikten sollen die Deutschen sich ihrer militärischen Macht bedienen.
Und wenn es in Europa irgendein Problem gibt, ist der böse Russe Schuld.
Die Russen mag Gauck noch weniger als verhungernde und an Ebola verreckende Schwarze. Letztere ignoriert er einfach.
Seine Russophobie kultiviert Pfarrer Gauck regelrecht.
Verzeihen, Vergebung darf es niemals geben! Schließlich habe in der Gauck-Version der Geschichte des 20. Jahrhunderts die Bolschewiki aus purer Bosheit das arme, friedliche Deutschland überfallen – stets getrieben von der Absicht Gaucks Vater umzubringen.
Und als guter Christ weiß Gauck, daß Sühne für das russische Verbrechen bis ins siebte Glied anhalten muß. Gott strafe Russland.
Besonders verachtenswert sind im Gauckiversum diejenigen Deutschen, die es wie Erhard Eppler wagen Russische Sorgen zu verstehen.
Zuletzt kam noch der üble Renegat Genscher hinzu, der sich erdreistet die antirussischen Sanktionen zu kritisieren.

Da fühlt sich Gauck in seiner Ehre als Präsident persönlich beleidigt und rückt die Dinge zurecht. Diese „Empfindsamkeiten“ kann er absolut nicht verstehen. [………….]

Mit zielsicherem Gespür für den Griff ins Klo, widmete sich Gauck nun einer der ganz wenigen wirklich guten Entwicklungen in Deutschland.
Die überfällige Entkrampfung der Parteienstatik, die Millionen Wähler de facto von der Teilhabe ausschloss, indem eine CDU, die vorher zwei DDR-Blockparteien wegfusioniert hatte, Linke dämonisierte.
Eine moralisch bemerkenswerte Angelegenheit.
Diejenigen, die sich ehrlich zu ihrer Vergangenheit bekennen, werden bestraft, während die Verleugner und Verschweiger gelobt werden.

Die vier DDR-Blockflöten schlossen sich 1990 zwei Westparteien an.
So vereinigten sich LDPD (Liberal-Demokratische Partei Deutschlands) und NDPD (Nationaldemokratische Partei Deutschlands) mit der FDP und die DBD (Demokratische Bauernpartei Deutschlands) und Ost-CDU mit der West-CDU.
Westerwelle und Merkels Parteien haben die Parteien, die sich über Dekaden treu der SED ergeben hatten, zu Mauer und Schießbefehl jubelten und dem Sozialismus frönten, einfach wegfusioniert.
Besonders praktisch war dabei, daß auch die Immobilien, die Hunderttausend Parteimitglieder und die Parteivermögen an die nun gesamtdeutsche CDU und FDP fielen.
FDP, CDU und Linke haben also eine Geschichte engster Verbundenheit zum Stasi-Regime.

Nichts vorwerfen kann man lediglich SPD und Grünen, die 1990 komplett bei Null anfingen und keinerlei Parteimitglieder aus dem DDR-Regime übernahmen.

Aber ausgerechnet den beiden wird vorgeworfen mit der SED zu kungeln.

Gauck treibt es nun auf die Spitze und hetzt auch 25 Jahre nach dem Untergang der DDR gegen die Linke.
Das ist moralisch und politisch ohnehin unsinnig, aber zudem auch noch völlig unverträglich mit der parteipolitischen Neutralität, zu der Bundespräsidenten verpflichtet sind.
Abgesehen davon taugt ausgerechnet Bodo Ramelow aus Sicht des Hass-Pfarrers Gauck eigentlich nicht als Schreckgespenst:
Ramelow ist überzeugter Christ und Wessi.
Er wurde 1956 in Niedersachsen geboren, wuchs in Rheinhessen in einem evangelischen Elternhaus mit drei Geschwistern auf, lernte Kaufmann, wurde  Filialleiter bei der Jöckel Vertriebs GmbH Marburg und in den 1980er Jahren Gewerkschaftssekretär in Mittelhessen.
In die PDS trat er 1994, fünf Jahre nach dem Ende der DDR bei.

Bei Gauck liest sich das so:

Bundespräsident Joachim Gauck äußert Bedenken an einem Landeschef der Linkspartei, der derzeit in Erfurt nicht unwahrscheinlich ist.
Die Wahlentscheidung sei zu respektieren, sagte Gauck in einem Interview für die ARD-Sendung "Bericht aus Berlin". Dennoch bleibe die Frage: "Ist die Partei, die da den Ministerpräsidenten stellen wird, tatsächlich schon so weit weg von den Vorstellungen, die die SED einst hatte bei der Unterdrückung der Menschen hier, dass wir ihr voll vertrauen können?" Es gebe Teile in der Linkspartei, bei denen er Probleme habe, dieses Vertrauen zu entwickeln. Mit seiner Besorgnis sei er nicht allein.
Der Linken-Spitzenkandidat Bodo Ramelow verhandelt in Erfurt mit SPD und Grünen über eine rot-rot-grüne Koalition - er wäre dann der erste Regierungschef aus der Linkspartei. "Menschen, die die DDR erlebt haben und in meinem Alter sind, die müssen sich schon ganz schön anstrengen, um dies zu akzeptieren", sagte der Bundespräsident.

Gewiss, es wäre das Beste, wenn Gauck in Zukunft einfach gar nichts mehr sagte.
Das wird bei einem derart selbstverliebten Pfaff, der sich am allerliebsten selbst reden hört, vermutlich nicht eintreten.
Aber vielleicht könnte ihm irgendjemand in seiner Umgebung empfehlen gelegentlich auch mal kurz nachzudenken, bevor er wieder Unsinn plappert.