Montag, 16. Juni 2014

Ich bin alt und konservativ – Teil III



Zum Glück bin ich jetzt in einem Alter, in dem meine weiblichen Schulfreunde langsam die biologische Fruchtbarkeitsgrenze erreichen und meine anderen Freunde sind eher älter.
Das bedeutet, daß die Kinderkriegerei in meinem Umfeld erst mal vorbei sein dürfte.
Ohnehin trennen sich ja die Sphären von Eltern und Vernünftigen ziemlich vollständig, weil 90% der Menschen, die Kinder bekommen ganz ganz seltsam werden. Monothematisch und ermüdend.
Wer hat noch nicht diesen Alptraum erlebt, wenn man Besuch von einer alten Freundin, bzw einem alten Freund bekommt, der es für eine gute Idee hielt sind kleines Balg mitzubringen.
Den Abend kann man dann getrost vergessen, weil das Gör 99,5% der Aufmerksam absorbiert und man keine Chance mehr auf eine richtiges Gespräch hat.
Nachdem ich die ersten Male schwer von diesen monothematisch auf ihr Blag fixierten Eltern genervt wurde, fragte ich natürlich meine Mutter, wie sie das damals mit mir gemacht hat.
Es gibt ja Photos von mir, die beweisen, daß ich auch zu anderen Menschen mitgeschleppt wurde.
Aber meine beiden Eltern schworen; und zwar unabhängig voneinander; daß es das Problem damals nicht gab, weil ich ein angenehmes Kind war.
Ich quengelte nicht in der Öffentlichkeit rum und verlangte nicht ununterbrochen nach Aufmerksamkeit.
Ich konnte mich schon immer wunderbar allein beschäftigen; gewissermaßen die Inkarnation der Kontemplation.
Es gibt davon viele Geschichten; auch solche, die später meine Mutter erschaudern ließen.
So besuchten wir zu unserer New Yorker Zeit sehr oft am Wochenende die besten Freunde meiner Eltern. Ein schwules Paar in Clinton, New Jersey.
Da gibt es die Geschichte, wie Tammox Nüsse isst.
In Jacks Arbeitszimmer stand eine große Schale Wal- und Paranüsse. Ich konnte gerade laufen, taperte alle fünf Minuten in sein Zimmer und holte genau eine Nuss.
So ging es den ganzen Tag, bis ich wohlgesättigt war.
Meine Eltern, die draußen saßen, nahmen natürlich an, daß Jack die Nüsse für mich öffnete. Das tat er aber nicht wie sich später herausstellte und man wunderte sich wie ich das wohl stattdessen angestellt hatte. Also spionierte mein Vater mir nach und sah mich mit jeweils einer Nuss durchs ganze Haus bis in die Küche laufen, wo der große Bernhardiner von Jacks Mann rumlag. Dem Köter stopfte ich immer eine Nuss ins Maul, ließ ihn zubeißen und dann teilten wir uns die Krümel.
Mein Vater schwitzte Blut und Wasser, daß meine Mutter das nicht rausbekam. Sie hatte offenbar ganz andere Vorstellung von der Hygiene der Nahrung ihres Erstgeborenen als Nüsse in Dreck und Hundespeichel.
Es gibt viele dieser Geschichten; offenbar wußte ich in jeder Umgebung irgendwas mit mir anzufangen, ohne Erwachsenen auf die Nerven zu gehen.
Laut meiner Eltern waren Kinder zwar auch immer dabei, aber da sie damals noch ganz ADHS-frei vom Storch geliefert wurden, mußte man sich in der Öffentlichkeit auch nicht für sie schämen.
Als ich in das Alter kam, daß die ersten Freunde selbst Kinder hatten, begann aber der Telefonalptraum. Es war immerhin noch die Zeit vor Internet und Simsen. Um zu kommunizieren, telephonierte man. Bei denen, die kleine Kinder hatten, mußte man aber befürchten, daß dieselben abnahmen. Gerne in dem Alter bevor sich richtig sprechen konnten und dann minutenlang sinnfrei in den Hörer glucksten, während man Mama und Papa im Hintergrund kichern hörte.
Oder noch schlimmer: Man sprach gerade am Telephon und urplötzlich wurde man an den zweijährigen Max oder die dreijährige Lena weitergereicht, weil die ja sooooooooooooooo gerne telephonierten.
Selbst wenn man fremde Kinder dieses Alters gemocht hätte, wäre allerdings kein Gespräch möglich gewesen, weil die Gören üblicherweise am Hörer schwiegen und offenbar debil vor sich hin grinsten – wie man dem jauchzenden Entzücken ihrer Erzeuger im Hintergrund entnehmen konnte.
Als ich einmal ein ernstes Gespräch mit einer Freundin führen wollte, war ich so genervt, weil sie gleichzeitig immer mit ihren vier Kindern sprach, daß ich irgendwann einfach auflegte. Sie wurde ganz furchtbar böse und fragte mich später, wie ich dazu käme einfach aufzuknallen.
Aber ich wußte ja gar nicht, mit wem sie eigentlich redete, weil im Minutentakt die Gören in ihr Zimmer platzen und irgendwas rausposaunten, worauf die Mutter auch sofort antwortete.
Alles rennet, redet, flucht.
Erst da, ich war sicher schon über 30, fiel mir wieder ein, wie es mir als Kind ging, wenn meine Mutter telephonierte.
Immer wieder rannte ich zur Wohnzimmertür, lugte hinein, um zu sehen, ob sie schon aufgehängt hatte, wenn ich sie um irgendeine Erlaubnis fragen wollte.
Man unterbrach nämlich Erwachsene nicht am Telephon und wartete, bis sie fertig waren, bevor man sie störte.
Ich kann mich nicht an entsprechende Maßregelungen erinnern und fragte später meine Mutter wieso ich mich eigentlich „so brav“ verhalten hätte, oder ob ich mich einfach nicht an entsprechende Sanktionen bei Nichtbefolgung der Regeln erinnerte.
Sie sagte, das sei alles eine Frage des „Vorlebens“.
Wenn sich die Erwachsenen entsprechend verhielten, machten die Kinder das automatisch auch so.

Damit sind wir bei der Bitte-und-Danke-Frage. Wieso können so viele Kinder das heute nicht mehr? Bringen ihre Eltern ihnen das nicht mehr bei?
Nein, sie tun es eben selbst nicht.
Das sind die Wichtig-Mütter, jene unerträgliche Latte-Macchiato-Spezies, die sich an der Käsetheke vordrängt und bei Missfallensäußerungen schnippisch einwirft „Sie sehen doch, daß ich ein Kleinkind dabei habe!“
Gerne verlangen die dann auch noch am Käsestand (sic!) ein „Wienerwürstchen auf die Hand“ – das sei ja wohl üblich, wenn man ein Kind hätte.
So erzogene Gören tun mir Leid.
Wenn die seit dem Schlüpfen nur Hoppla-jetzt-komm-ich vorgelebt bekommen, die niemals Rücksichtnahme und Höflichkeitsformeln kennengelernt haben, dann lernen sie es auch später kaum noch.
Wenn solche Blagen in der Grundschule durch schlechtes Benehmen und Konzentrationsunfähigkeit auffallen, sind natürlich die Lehrer Schuld.
Das Problem an Kinderhirnen ist, daß sie einerseits moralisch völlig verlottert sind und erst noch langsam lernen müssen was Empathie bedeutet, aber andererseits diese beneidenswerte Lernfähigkeit haben.
Für Kleinkinder ist es nicht das geringste Problem trilingual aufzuwachsen. Im Nachbarhaus wohnt ein Vierjähriger, dessen japanische Mutter und der amerikanische Vater es ohne große Anstrengung bewirkt haben, daß es völlig fließend zwischen deutsch, japanisch und englisch switchen kann.
Das ist der Normalfall bei binationalen Elternhäusern.

Ich bin der Meinung, man sollte diese besondere Lernfähigkeit der Kinder nutzen und ihnen soziales Verhalten vermitteln.
Das ist erheblich sinnvoller, als all die Latte-Macchiato-Mütter, die jeden Nachmittag ihrer Dreijährigen durchgeplant haben, damit die Kleine schon vor der Einschulung Mandarin, das Violinspiel und Makramee beherrscht.
Natürlich, Mandarin lernt man leichter im Krabbelalter.
Aber auch weniger offensichtlich beeindruckende „Skills“ sind wertvoll.
Wir denken da an die erschreckenden Ergebnisse der Nürnberger Bildungsforscherin Stephanie Müller.

Der Verfall der kindlichen Fertigkeiten ist allerdings schon erheblich weiter fortgeschritten, als man angesichts der Pläne ZUKÜNFTIG auf Handschrift zu verzichten, vermuten mag.
Das tumbe Konsumieren im frühen Kindesalter – also indem durch Fernsehen und Co ständig das Gehör und die Augen gereizt werden, ohne daß das Kind REagiert oder etwa körperlich INTERagiert, führt zur Verkümmerung vieler feinmotorischer Fähigkeiten. Simpelste Anforderungen wie eine Schleife zu binden, auf einem Bein zu stehen oder gar mit der Hand schreiben zu können, werden vermutlich aussterben.

Kleine Kinder in Deutschland lernen einerseits nicht mehr feinmotorische Fertigkeiten wie Schreibschrift.
Andererseits wird auch die Rechtschreibung immer schlechter, weil die richtige Schreibweise durch verblödete Kultusminister auf „immer später“ verschoben wird.
Neuerdings meinen viele Bundesländer, man solle die Kinder erst mal „irgendwie“ schreiben lassen, damit sich ihre Kreativität entwickeln kann und sie nicht durch orthographische Sanktionen behindert werden.

„Lesen durch Schreiben“ heißt der bahnbrechende Schwachsinn, den die ohnehin schwachsinnige KMK ausgebrütet hat. Grundschulexperte Günter Jansen gruselte sich schon letztes Jahr bei SPON.

SPIEGEL: Sehr viele Grundschüler in Deutschland lernen inzwischen mit Methoden und Lehrgängen schreiben, die Elemente des Konzepts "Lesen durch Schreiben" des Schweizer Reformpädagogen Jürgen Reichen übernommen haben. Das sind zum Beispiel die "Rechtschreibwerkstatt", "Tinto", die "ABC-Lernlandschaft" oder "Konfetti". Was halten Sie von diesen Verfahren?

Jansen: Nichts, die Grundannahme dieser Methoden ist falsch. Reichen ging davon aus, dass Kinder sich die Schriftsprache selbst erarbeiten könnten. Dafür sollen sie zunächst so schreiben, wie sie sprechen. Ein Unding! Zahllose Fehlschreibungen - die von Lehrern über ein oder sogar drei Jahre hinweg nicht oder kaum korrigiert werden - sind vorprogrammiert. Die Kinder dann in der zweiten oder dritten Klasse wieder umzupolen und ihnen statt der antrainierten chaotischen Rechtschreibung die richtigen Schreibweisen beizubringen, ist meist unglaublich schwer. Hirnforscher wissen: Richtig Schreiben lernen wir ähnlich wie Geigespielen oder Hochsprung. Man weiß: Wenn sich dabei gewisse falsche Routinen einmal entwickelt haben, sind sie kaum wieder abzutrainieren.

SPIEGEL: Kernstück aller der von Reichen inspirierten Verfahren ist die sogenannte Anlauttabelle. Darin ist jedem Buchstaben ein Tier oder Gegenstand zugeordnet, der mit diesem Buchstaben beginnt. Mit Hilfe dieser Bildchen sollen sich die Kinder die Buchstaben für die Wörter, die sie schreiben wollen, selbst zusammensuchen. Wenn sie zum Beispiel "Mama" schreiben wollen, finden sie das "M" neben der Maus, das "A" neben dem Affen. Geht das?

Jansen: Die Arbeit mit der Anlauttabelle kann nicht funktionieren. Im Deutschen soll es etwa 4000 unterschiedliche Laute geben, die alle mit den Buchstaben des Alphabets in Schrift umgesetzt werden müssen. Das sollte man selber einmal versuchen. Schon bei "Tomate" hört es auf! Das "e" am Ende, der sogenannte Schwa-Laut - übrigens einer der häufigsten Laute der deutschen Sprache - kommt zum Beispiel in Reichens Anlauttabelle gar nicht vor. Mit der Anlauttabelle kann nur der effektiv arbeiten, der bereits richtig schreiben kann.

SPIEGEL: Ein weiteres gemeinsames Merkmal vieler der von Jürgen Reichen inspirierten Verfahren ist, dass sich jedes Kind aussuchen darf, in welcher Reihenfolge es die Buchstaben lernen will.

Jansen: Das ist völliger Unsinn. Es gibt doch strategisch wichtige und weniger wichtige Buchstaben. Allen diesen Methoden gemeinsam ist die maßlose Überschätzung der Kinder! Gerade in den ersten Schuljahren sind Kinder noch auf ein hohes Maß an Unterrichtsführung durch den Lehrer angewiesen.  [….]

Ich verstehe zwar den zugrunde liegenden Gedanken, aber da ich alt und konservativ bin, halte ich das ganz wie Jansen für ziemlichen Unsinn.
Man sollte, im Gegenteil, gleich von Anfang lehren RICHTIG zu schreiben. Denn umso leichter lernt man es.
Aufgeschoben und ist sonst aufgehoben. Das Konzept ist übrigens auch in Bayern erfolglos umgesetzt worden.

Die Gymnasiallehrer beklagen nachlassende Leistungen in der Rechtschreibung. „Das ist deutlich schlechter geworden, auch in Bayern“, sagt der Präsident des Bayerischen Philologenverbands (bpv), Max Schmidt.
Einige häufige Fehler: lib statt lieb, unt statt und, fiele statt viele. Und manche Buben lieben „Fusball“, während manche Mädchen ihre „Pupe“ bevorzugen.
An diesem Donnerstag beginnt für 1,7 Millionen bayerische Schüler das neue Schuljahr, darunter knapp 417.000 Grundschüler. Eine Hauptaufgabe des neuen Schuljahrs im Ministerium: die geplante Neufassung des Grundschullehrplans, in dem auch die Lehrmethode für die Rechtschreibung festgelegt wird.
Die Rechtschreibprobleme haben eine Ursache mutmaßlich in der seit einigen Jahren praktizierten Lehrmethode „Lesen durch Schreiben“: Erst- und Zweitklässler sollen keine Angst vorm Schreiben haben und in ihrer Kreativität gefördert werden.
Deswegen korrigieren viele Grundschullehrer Rechtschreibfehler in den ersten beiden Jahren nur noch sehr spärlich. Das Ergebnis: Viele Kinder gewöhnen sich Falschschreibungen an, die sie sich in späteren Jahren nur mit großen Mühen oder gar nicht mehr abgewöhnen können.
„Das schadet vor allem den Kindern von Migranten und aus bildungsfernen Familien“, kritisiert Philologenpräsident Schmidt. „Kinder aus bildungsnahen Familien werden nicht so sehr benachteiligt, denn da helfen ja die Eltern mit. Die achten darauf, dass ihre Kinder richtig schreiben lernen.“ [….]

Sonntag, 15. Juni 2014

Städter - Teil III


Das Leben im Dorf, in der Vorstadt hat eine Menge Vorteile, aber ich bin mit Leib und Seele Städter und will für’s Erste nicht außerhalb der Innenstadt leben.

Das Umfeld ist einfach liberaler und anonymer. 
Grundsätzlich ist ein höherer Anteil der Menschen gebildet und tolerant.

Das kann man unter anderem an den Wahlergebnissen ablesen, welche sich fundamental von den gesamtbundesrepublikanischen Trends unterscheiden.
 Merkel ist die beliebteste Politikerin und die CDU führt in allen Bundestags-Umfragen meilenweit vor der nächstgrößten Partei (gegenwärtig noch die SPD).

Der Blick auf die größten Städte Deutschlands, welche allesamt im Vergleich zu echten Weltstädten wie Rom, Paris, London oder gar New York und Shanghai winzig sind, zeigt aber eine erstaunliche CDU-Schwäche!

Seitdem sind auch noch Hannover und Düsseldorf an die SPD übergegangen. Nun stellt sich das Bild folgendermaßen dar.

1. Berlin  3,5 Millionen Einwohner. Wowereit SPD

2. Hamburg 1,8 Millionen Einwohner. Scholz SPD

3. München 1,4 Millionen Einwohner. Reiter SPD

4. Köln 1 Million Einwohner. Roters SPD

5. Frankfurt am Main 680.000 Einwohner. Feldmann SPD

6. Stuttgart 610.000 Einwohner. Kuhn Grüne

7. Düsseldorf 590.00 Einwohner. Geisel SPD

8. Dortmund 580.000 Einwohner. Sierau SPD

9. Essen 570.00 Einwohner. Paß SPD

10. Bremen 550.000 Einwohner. Böhrnsen SPD

11. Dresden 520.000 Einwohner. Orosz CDU

12. Leipzig 520.000 Einwohner. Jung SPD

13. Hannover 520.000 Einwohner. Schostok SPD

14. Nürnberg 510.000 Einwohner. Maly SPD

15. Duisburg 490.00 Einwohner. Link SPD

16. Bochum 370.000 Einwohner. Scholz SPD

17. Wuppertal 350.000 Einwohner. Jung CDU

18. Bonn 320.000 Einwohner. Nimptsch SPD

19. Bielefeld  320.000 Einwohner. Clausen SPD

20. Mannheim 310.000 Einwohner. Kurtz SPD

Die letzten Kommunalwahlen gingen für die Konservativen in den Großstädten allesamt desaströs aus.
Im März 2014 gab es für die CSU eine heftige Klatsche; insbesondere bei den Stichwahlen in den größten Städten.

Die CSU hat bei der zweiten Runde der bayerischen Kommunalwahlen in München und anderen Großstädten deutlich Stimmen verloren. Nach den Trendmeldungen konnte die CSU vier von fünf Oberbürgemeister-Stichwahlen nicht gewinnen – in München, Regensburg, Erlangen und Ansbach.
In München ist der SPD-Politiker Dieter Reiter zum neuen Oberbürgermeister gewählt worden. [….]
Auch in Regensburg hat ein SPD-Politiker gewonnen. Dem SPD-Kandidaten Joachim Wolbergs hatten vor zwei Wochen 18 Stimmen zum Wahlsieg gefehlt. In der Stichwahl gegen den Unionspolitiker Christian Schlegl (CSU) erreicht Wolberg über 70 Prozent der Stimmen und wird somit neuer Regensburger Bürgermeister.
Nach 18 Jahren wurde in Erlangen Oberbürgermeister Siegfried Balleis abgewählt, der SPD-Kandidat Florian Janik gewann deutlich. In Ansbach verlor ein CSU-Kandidat ebenfalls deutlich. Thomas Deffner unterlag der parteilosen Politikerin Carda Seidel deutlich, die die Wahl mit 60 Prozent der Stimmen deutlich gewann und so für sechs weitere Jahre im Amt bleibt.  

Und heute folgen noch ein paar angenehme Ergebnisse aus den NRW-Großstädten.

# Düsseldorf: Geisel (59,2 %, SPD) gewinnt OB-Stichwahl gegen Elbers (40,8 %, CDU)
# Dortmund • Sierau (51,6 %, SPD) gewinnt die Stichwahl gegen Littmann (48,4 %, CDU)
# Bielefeld • Clausen (55,9 %, SPD) gewinnt die Stichwahl gegen Rüther (44,1 %, CDU)
(Wahlrecht.de 15.06.14)

Mit Düsseldorf ist die letzte CDU-Stadt der deutschen Top Ten gefallen.

Überraschender Machtwechsel in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf: Der SPD-Politiker Thomas Geisel hat am Sonntag die Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters klar gegen Amtsinhaber Dirk Elbers von der CDU gewonnen. […] Einen Wechsel gab es auch im Kreis Siegen-Wittgenstein. Dort löst SPD-Kandidat Andreas Müller Amtsinhaber Paul Breuer von der CDU als Landrat ab. Insgesamt wurden am Sonntag in sechs Großstädten die Oberbürgermeister und in sieben Kreisen die Landräte bestimmt.
[….]  Die SPD verteidigte die Landratssessel in Minden-Lübbecke (Ralf Niermann), Recklinghausen (Cay Süberkrüb) und Wesel (Ansgar Müller).
(SZ 15.06.14)


PS:

Braunschweig, die zweitgrößte Stadt Niedersachsens ging gestern auch an die SPD!

Samstag, 14. Juni 2014

Ich bin alt und konservativ – Teil II



Und schon wieder einmal Anlass mich mit Abscheu und Empörung von der Jugend- und Bildungspolitik Deutschlands abzuwenden.
Dabei ist es für Kinder ohnehin nicht sehr spaßig in Deutschland aufzuwachsen.

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat die polizeiliche Kriminalstatistik im Hinblick auf Straftaten gegen Minderjährige ausgewertet und in Berlin seine Ergebnisse präsentiert. Demnach starben im vergangenen Jahr 153 Kinder in Deutschland durch Gewalt und Vernachlässigung. Mehr als drei Viertel von ihnen waren jünger als sechs Jahre, 84 von ihnen höchstens zwei Jahre alt.
Insgesamt wurden 4016 Kindesmisshandlungen polizeilich registriert - die Dunkelziffer ist aber bekanntermaßen groß. Noch immer droht Schutzbefohlenen die größte Gefahr aus dem direkten Umfeld: Bei der Hälfte der Todesfälle bestand zwischen Täter und Opfer ein Erziehungs- und Betreuungsverhältnis. "Diese Kinder wurden also in ihrem sozialen Nahraum getötet durch Personen, deren Aufgabe es gewesen wäre, für das Wohlbefinden und die Sicherheit dieser Kinder Sorge zu tragen", sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke.
 13.647 Minderjährige wurden Opfer sexuellen Missbrauchs […]

Ich nehme mal an, daß diese „Ereignisse“ nicht unbedingt politisch gewollt sind, aber die Jugendämter personell besser ausstatten will man auch nicht.

Mir läge aber auch daran, Kindern in den Bildungseinrichtungen eine bessere Erziehung mitzugeben.

In diesem Zusammenhang wende ich mich auch entschieden gegen Projekte, die Schüler von Anfang an nur auf dem Laptop lernen lassen.
Ich befürchte, daß viele Fertigkeiten, die nur mit gewisser Mühe zu erlernen sind, dadurch verkümmern und letztendlich das ganze Denken simplifiziert wird.
Sich gegen Computer in der Schule zu positionieren ist ein aussichtsloser Kampf, aber das entsprechende Hamburger Pilotprojekt widerstrebt mir in extremer Weise.

Der Verfall der kindlichen Fertigkeiten ist allerdings schon erheblich weiter fortgeschritten, als man angesichts der Pläne ZUKÜNFTIG auf Handschrift zu verzichten, vermuten mag.
Das tumbe Konsumieren im frühen Kindesalter – also indem durch Fernsehen und Co ständig das Gehör und die Augen gereizt werden, ohne daß das Kind REagiert oder etwa körperlich INTERagiert, führt zur Verkümmerung vieler feinmotorischer Fähigkeiten. Simpelste Anforderungen wie eine Schleife zu binden, auf einem Bein zu stehen oder gar mit der Hand schreiben zu können, werden vermutlich aussterben.

Das erinnert mich an eine sehr interessante SPIEGEL-TV-Reportage von Markus Grün, die 2008 einen 90-minütigen Blick auf die zweitägige Eignungsprüfung der Sporthochschule Köln warf.

Fazit:
Ja, es gibt sie noch, die sportlichen Abiturienten, aber das sind wenige. Viele sind „sehr schlecht“, weil ihnen die Grundsportlichkeit fehlt. Sie haben nie gelernt Körperspannung zu halten, gerade zu sitzen, ihre Muskeln zu koordinieren.
(Da ich selbst unsportlich bin, sei an dieser Stelle festgehalten, daß es um Jugendliche geht, die SPORT STUDIEREN wollen und nicht nur die Durchschnitts-Abiturienten!)

Von den über 2000 Bewerbern, die sich für das kommende Wintersemester angemeldet haben, wird etwa die Hälfte durchfallen.
Eine Versagerquote mit steigender Tendenz. Denn in den letzten zehn Jahren hat die Sportlichkeit der angehenden Studenten arg gelitten. Übergewicht, zu wenig Breitensportförderung und mangelnde Vorbereitungen zählen zu den Hauptursachen für den schlechten Allgemeinzustand der Bewerber.
Beim Hochsprung fällt die Trägheit der Masse besonders schwer ins Gewicht. 1,40 Meter müssen die Männer in dieser Disziplin mindestens überspringen - für viele der über 1,80 großen Bewerber eine schier unlösbare Aufgabe. Bei den Frauen liegt die Latte sogar nur bei 1,20 Meter.
"Das ist doch nur ein geschicktes Sich-Fallen-Lassen, was die hier bringen!", schimpft der Prüfer angesichts der zahlreichen Tiefflieger. Und legt nach: "Dabei ist die Prüfung nicht schwerer als ein normales Sportabzeichen."

Besonders gefürchtet beim Eignungstest: Schwimmen.
Bei kaum einer Teilprüfung gehen so viele Kandidaten baden. Manche plumpsen beim Kopfsprung eleganzfrei ins Wasser, andere tauchen wie ein nasser Sack. Zudem bewegt sich nicht jeder, der sich über Wasser hält, den Regeln entsprechend - und ist obendrein schnell genug.
(Jochen Leffers 08.10.2008)

"War gut", kommentiert Dozentin Karin Martin lakonisch - "kindgemäß. Wie ein Kleinkind." Die Prüferin hat in ihren Jahren an der Deutschen Sporthochschule in Köln die Kandidaten schon zu Tausenden straucheln gesehen und dabei offenbar einen etwas verschrobenen Humor entwickelt. Freundlich, aber streng kontrolliert sie den korrekten Bewegungsablauf - und fiebert durchaus mit.
Zum Beispiel bei Christina, die erkennbar kein Turngenie ist und zudem bei der Kleiderwahl daneben lag: Kurzes grünes Shirt, lange schwarze Hose - das macht optisch was her, aber beim Pferdsprung Probleme, weil die Hose über den Boden wischt. "Hochkrempeln, du kannst dich so böse verletzten", rät Martin. Trotzdem kracht Christina gegen das 1,20 Meter hohe Pferd, zwei Helfer fangen sie auf.
"Lag an der Hose", sagt Karin Martin vor dem Sprung und grinst. Danach: "Lag nicht an der Hose." Den einen oder anderen Lapsus von Christina beim Bodenturnen verbucht sie sarkastisch unter "Körpererfahrung". Die Kandidatin erhält noch eine letzte Chance, sie muss die Übung wiederholen.

Die hier portraitierten Jugendlichen, die sich an Deutschlands bester Sport-Uni bewarben, sich also immerhin selbst für besonders sportlich hielten, müssen +/- Jahrgang 1988 sein.
Die Extrapolation auf Abiturienten, die heute in Deutschland geboren werden, ist gruselig.

Ein Großteil der Erstklässler kann heute laut einer Forscherin nicht mehr richtig mit der Hand schreiben. Etwa 70 Prozent der Schüler brächten nach dem Kindergarten nicht mehr die nötigen motorischen Voraussetzungen für das sogenannte Kritzel-Alphabet mit, sagte die Nürnberger Bildungsforscherin Stephanie Müller. Diese zeichnerischen Elemente wie kleine Schleifen, Schlangen- oder Zickzacklinien seien die Grundlage für verbundene Schriften mit Buchstaben, die ineinander übergehen wie bei der Schreibschrift. Die Gründe seien unter anderem: Zu wenig Bewegung, fehlende Fingerfertigkeit, keine Eltern als Vorbilder und moderne Geräte wie Smartphones und Tablet-Computer.
„Die Kindheit heute ist nicht mehr so bewegt“, sagt Müller. Früher habe man viel draußen gespielt, sei rumgehüpft und auf Bäume geklettert. „Heute können Kinder in der dritten Klasse nicht mal mehr gerade rückwärtsgehen oder freihändig auf einem Bein stehen.“ Auch Aufgaben, die Fingerfertigkeit erfordern, wie etwa einen Faden einfädeln oder eine Schleife am Schuh binden, seien meist nicht mehr nötig durch Klettverschlüsse und Druckknöpfe. Grob- und Feinmotorik prägten sich dadurch nicht mehr gut aus.
[……]  Zudem seien bei Smartphones und Tabletcomputern ganz andere Handbewegungen und Muskeln nötig als beim Halten eines Stiftes. „Dafür braucht man nur den Zeigefinger oder beide Daumen zum Tippen, oder das Handgelenk, wenn man über das Pad wischt.“
Die 46-jährige Kunst- und Medienpädagogin plädiert dafür, schon in der Lehrerausbildung mehr Wert auf das Schreiben-Lehren zu legen. „Die meisten Lehrer sind hilflos. Sie wissen nicht, wie man den Kindern das Schreiben beibringt.“ Und sie hätten wegen des vielen Unterrichtsstoffs in den höheren Klassen auch gar keine Zeit dafür. „Seit zwei Jahren kommen selbst im Lehrer-Seminar junge Anwärter zu mir, die nicht mehr schreiben können. Und wenn schon die Lehrerin den Stift falsch hält, wie soll es dann der Schüler lernen?“, sagt die gelernte Grundschullehrerin. [….]