Mittwoch, 9. Oktober 2013

Neues von TVE - Teil IV


Das nennt man wohl „Opfer der eigenen Erfolgs werden.“
Da ich immer ein Kamphaus-Fan war; sofern man überhaupt einen katholischen Pfaff nett finden kann – aber immerhin hat er sich hart gegen Ratzinger gewehrt – beobachtete ich seinen Nachfolger TVE natürlich sehr genau.
Ratzinger erhob während seines Pontifikats ohnehin nur erzkonservative Fundis in höhere Positionen. Daß er aber in Limburg nach dem renitenten Franz Kamphaus, der sich hartnäckig weigerte schwangere Frauen, die Hilfe suchten, wie vom Vatikan gewünscht mit einem Fußtritt vor die Tür zu setzen, ein Exempel statuieren würde, erwartete ich von Anfang an.
Der Papst mit den Panzerknackeraugenringen, der Palpatine-Optik, dem scharfen Verstand („Kondome verschlimmern das Aidsproblem“), dem Herz für Kinderficker und Holocaustleugner ernannte einen Bischof, der schon bald auf Limburger Ebene ebenso viele Christen aus der Kirche treiben sollte, wie Ratzi auf europäischem Niveau.

Der schönste und bescheidenste Bischof Deutschlands ist natürlich mein Lieblingsbischof; der hier schon viel zitierte Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst.
Er liebt Prunk und Protz, er hat keine Skrupel zu lügen oder gar falsche Eidesstattliche Erklärungen abzugeben und ist zudem auch noch stramm konservativ.
Das Bistum Limburg brachte er wieder auf strammen Vatikankurs.

Einsam, einsamer, Franz-Peter Tebartz-van Elst: Erst distanzierten sich ranghohe Kirchenleute von dem Bischof. Jetzt laufen ihm auch noch seine Schäfchen davon: Nach Informationen des SPIEGEL hat die Zahl der Kirchenaustritte im Bistum Limburg angesichts des anhaltenden Skandals um den Bischof erheblich zugenommen; das zeigen die Zahlen mehrerer Amtsgerichte. Insgesamt haben seit seinem Amtsantritt zum Jahresbeginn 2008 bis Ende vergangenen Jahres rund 25.000 Katholiken die Limburger Kirche verlassen.  So war die Zahl der Austritte beim Amtsgericht Limburg im Jahr 2012 mehr als doppelt so hoch wie 2004, als Tebartz-van Elst noch nicht im Amt war. Eigentlich müssen Katholiken ihren Austritt aus der Kirche nicht begründen und dennoch tun es manche: Sie stören sich demnach am "Protzbau" des Bischofs, an seinem autoritären Führungsstil, an seinem Erste-Klasse-Flug nach Indien. […]

Während für Normalsterbliche ein Flug in der Business Class schon wie der pure Luxus erscheint und man über die enorme Beinfreiheit und den Service staunt, ist dieser um ein vielfaches als die Holzklasse teurere Flug noch lange nicht gut genug für TVE. Exzellenz fliegt First Class in die Indischen Elendsviertel zu den hungernden Kinderchen und kann das auch sehr gut begründen.


Es ist doch schön, daß nach dem politischen Aus der Bundes-FDP wenigstens noch einer Futter für die Satiriker liefert.

Stellt man die Ironiemodus mal kurz aus, ist TVE tatsächlich ein Glücksfall für die Atheisten. Selbstherrliche völlig abgehobene Lebensweise, kombiniert mit absolut nicht mehr zeitgemäßen Ansichten und einer geradezu abstoßenden Physionomie.
Natürlich kann TVE nichts dafür wie er aussieht und seine Häßlichkeit hat auch keinerlei Relevanz für seinen Charakter.
Aber in der Metaphysik des Glaubens spielt Sympathie zwischen Gläubigen und ihrem Hirten eine enorme Rolle. Welche Religion ein Führer propagiert ist geradezu nachrangig, wenn er nur gemocht und adoriert wird.
Ich behaupte, daß einem schönen Bischof wie Gänswein, dem „George Clooney des Vatikans“ (ungerechterweise) die Herzen leichter zufliegen als den phänotypisch zumindest stark benachteiligten Gestalten wie Bischof Haas, Krenn oder TVE.

Ein TVE, der fest auf dem Bischofsthron verankert ist und kontinuierlich sein katholisches Unwesen treibt, während man von satirischer und atheistischer Perspektive über seine Machenschaften aufklärt, ist ideal. Schon im kleinen Limburg trieb er 25.000 zahlenden Kirchenmitglieder aus der RKK! Was hätte Er erst als Erzbischof, Kardinal und Apostolischer Legat von Köln erreichen können?
Es war eine ideale Symbiose .
TVE lieferte Vorlage um Vorlage und die atheistische Gemeinde hatte beständig etwas zu lachen. Es gibt atheistische TVE-Fangruppen auf YouTube und auch der Postillion entdeckt die Witzfigur des deutschen Episkopats.
Ein TVE im Bistum wirkt wie eine Buttersäuregranate, die man in eine Hochzeitsgesellschaft wirft.
Was haben wir schon über IHN  gelacht.
Unglücklicherweise haben die TVE-Witze ihre Nische verlassen und breiten sich im Mainstreambereich aus. Oliver Welkes Heute Show berichtet ebenso zuverlässig über TVE wie der Postillon, das Titanic-Magazin oder Boulevardmagazine.


Ähnlich sieht es im seriösen Fach aus. Die liberaleren Journalisten der SZ senken ebenso die Daumen über TVE, wie die stramm konservativen Kollegen von WELT und FAZ.

Autoritätsverlust eines überforderten Bischofs […]
Seit Monaten steht Tebartz wegen eines umstrittenen Neubaus in der Kritik. Auf dem Limburger Domberg ließ er ein "Diözesanes Zentrum" mit Bischofswohnung, einem Schwesternhaus und weiteren Räumen bauen. Ursprünglich sollte der Komplex, der 2010 begonnen und im vergangenen Juni fertig gestellt wurde, 5,5 Millionen Euro kosten.
Nachdem schon länger absehbar war, dass die Summe in Wahrheit viel höher liegen würde, teilte das Bistum nun am Montagabend mit, das Ganze werde insgesamt rund 31 Millionen Euro teuer.
Das ist mehr als fünf Mal so viel wie ursprünglich veranschlagt. Damit steht Tebartz einmal mehr als überforderter Behördenleiter da, der ein Großprojekt nicht überblicken kann. Als Liebhaber von Protz und Pomp , der sich ein millionenschweres Luxusanwesen genehmigt hat. Als Problembischof, der nicht einmal mehr einen öffentlichen Auftritt in der hessischen Landeszentrale für politische Bildung wagen kann, aus Angst vor der Empörung der Menschen.   […]   Der Autoritätsverlust des Franz-Peter Tebartz-van Elst setzt sich damit fort. Gläubige unterschreiben Protestbriefe gegen ihn, Priester begehren öffentlich gegen ihn auf, Amtsbrüder wie die Kardinäle Reinhard Marx und Karl Lehmann gingen öffentlich auf Distanz. Der Sprecher des Limburger Priesterrats, Reinhold Kalteier, sagte der "Welt": "Ich kann mir nicht vorstellen, wie der Bischof in dieser Situation sein Amt noch ausfüllen kann." Werner Otto, Frankfurter Pfarrer und Sprecher des bischofskritischen "Hofheimer Kreises", forderte den Rücktritt des Oberhirten.

Bischof Tebartz-van Elst „Er ist entweder ein Betrüger oder krank“
[…] Der Priesterrat in Limburg befürwortet den Rücktritt von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Der Sprecher des Priesterrates, Reinhold Kalteier, sagte am Dienstag im Hessischen Rundfunk: „Den Rücktritt zu fordern, das ist Sache des Papstes. Ich persönlich wüsste, was ich zu tun habe.“
Zuvor war bekanntgeworden, dass sich die Kosten für die Errichtung des Bischofshauses auf dem Limburger Domberg auf mindestens 31 Millionen Euro belaufen – das ist mehr als das Fünfzehnfache des ursprünglich vorgesehenen Betrags. Aus welchen Quellen das Geld stammt, ist bislang nicht bekannt. […] In der F.A.Z. ließen sich die drei Mitglieder des Rates, darunter der vormalige Chef der hessischen Staatskanzlei Riebel (CDU) und der Vorstandsprecher der in Köln ansässigen Josefs-Gesellschaft, einem der bundesweit größten kirchlichen Träger von Sozialeinrichtungen, daraufhin mit den Worten zitieren, sie seien  „durch den Bischof von Limburg hinter das Licht geführt worden“. Riebel sagte der F.A.Z. am Dienstagabend über das Verhalten des Bischofs: „Ich kann es mir nur so erklären, dass der Bischof von Limburg entweder ein raffinierter Betrüger oder krank ist.“
Auf die Frage nach den Konsequenzen, die der Bischof ziehen solle, sagte der frühere Politiker, das müssten der Bischof und der Heilige Vater in Rom entscheiden. „Wenn der Bischof ein Ehrenmann wäre, wäre die Entscheidung klar.“   […]

Die Kritik an Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst wegen der Kostenexplosion beim Bau des Limburger Bischofssitzes reißt nicht ab. Der Kirchenrechtler Thomas Schüller forderte jetzt den Papst auf, eine Amtsenthebung gegen Tebartz-van Elst einzuleiten. "Der Bischof wird vermutlich an seinem Stuhl kleben, da gibt es nur noch einen Weg: die Amtsenthebung durch den Papst. Das ist eindeutig", sagte der Münsteraner Professor dem Kölner Stadt-Anzeiger. Den Bischof bezeichnete Schüller als "unfähig, uneinsichtig und offensichtlich krank".
[….]   Auch Jochen Riebel, Mitglied im Vermögensverwaltungsrat des Bischöflichen Stuhls in Limburg, sagte: "Ich kann es mir nur so erklären, dass der Bischof von Limburg entweder ein raffinierter Betrüger oder krank ist." Auf die Frage, welche Konsequenzen Tebartz-van Elst ziehen sollte, antwortete Riebel: "Wenn der Bischof ein Ehrenmann wäre, wäre die Entscheidung klar." Obwohl er mehrfach dazu aufgefordert worden sei, habe der Bischof weder Haushalte für 2012 und 2013 noch Einzelprojekte zur Genehmigung vorgelegt, wie es seine Pflicht gewesen wäre, sagte Riebel, ehemals Leiter der Hessischen Staatskanzlei, der Mittwochsausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. [….]  In Anspielung auf die Zehn Gebote projizierte der Lichtkünstler Oliver Bienkowski am Dienstagabend die Worte "Du sollst nicht stehlen" auf das Domportal. Er habe in der Zeitung von den hohen Mehrkosten für den neuen Bischofssitz gelesen und angesichts der Ungerechtigkeit ein Zeichen setzen wollen, sagte Bienkowski. In Afrika hungerten die Menschen - in Limburg hingegen würden 31 Millionen Euro für einen Privatbau ausgegeben.

Dies sind alles wunderbare Artikel für einen Atheisten! Denn welcher halbwegs anständige Christ würde jetzt nicht den Austritt aus der RKK erwägen?
Allerdings ist der Bogen langsam überspannt. Die Vorwürfe sind so massiv, daß ich jetzt ernsthaft befürchte der Bischof von Limburg könnte TATSÄCHLICH zurück treten!
Auch konservative Religioten müssen zugeben sich bei dem Satz zu gruseln:

„Er selbst traut sich nicht mehr vors Publikum."

Na, das sind ja ideale Voraussetzungen für das Amt eines Oberhirten!
Da werden Marx und Zollitsch bald ein Köpferollen wie damals mit Mixa veranstalten.
Und dann ist es am R4-fahrenden Zehenlutscher einen TVE-Nachfolger zu benennen.
Der römische Einlunger wird womöglich einen sehr bescheidenen und sympathischen Mann als Post-TVE aussuchen.
VERDAMMT!
So einer würde womöglich wieder  Gläubige zurück in die Kirche holen.

Dienstag, 8. Oktober 2013

Von der Gnade der augenblicklichen Geburt




 Wieso sind wir eigentlich da, wo wir sind, im glücksseligen Kontinent Europa? Weil wir da zufällig geboren sind. Sich etwas auf den eigenen Geburtsort einzubilden, ist allerdings grotesk, weil man das noch weniger als seine Größe oder Augenfarbe beeinflussen kann.
Der Geburtsort hängt nur damit zusammen, wo sich die Mutter zufällig gerade aufhielt. Und das kann gerade bei unseren Vorfahren sehr unterschiedlich sein.
Seit die Kimbern, Teutonen und Ambronen vor 2200 Jahren von Island oder Jütland südlich zogen, um die Römer zu vertreiben, wandern Europas Völker unablässig umher.
Man ist heute in Polen, Russland und Norddeutschland nicht vom Anbeginn der Zeit so arisch blond, sondern weil Gustav-Adolfs schwedische Soldaten im Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 so ziemlich alles poppten, das nicht bei drei auf dem Baum war.
Auch die Namen Buschkowski oder Sarrazin zeigen, daß deren Vorfahren Einwanderer waren.
Und die ach so stolzen „Mir-san-mir“-Bayern entstammen einem wilden Gemisch aus umherwandernden Merowingern, Franken, Kelten, Goten, Germanen und Romanen.

Was bildet sich eigentlich der widerlich-xenophobe Innenminister Friedrich ein Flüchtlinge grundsätzlich zu kriminalisieren und es dabei zu belassen „Schleuser“ zu bekämpfen?
Als ob die Fluchtursachen dadurch verändert würden. Es ist aber gerade Deutschland, das auf EU-Ebene auf eine Militarisierung der Grenzschutzes besteht und das Wohl der Flüchtlinge blockiert.
Den Notleidenden, die wirklich Schutz brauchen, zeigt die an Christlichen Werten orientierten Kanzlerin den Stinkefinger.

Nicht das Boot ist voll, sondern das Maß, Herr Friedrich!
Zu den Äußerungen von Bundesinnenminister Friedrich und zur Flüchtlingspolitik der EU erklärt Renate Künast, Fraktionsvorsitzende:
Wenn ein Innenminister, der immer auch Verfassungsminister ist, über einen angeblichen Missbrauch von Grundrechten schwadroniert, dann müssen bei allen Verfassungspatrioten die Alarmglocken schrillen. Herr Friedrich glaubt offenbar, er könne das Recht auf Freizügigkeit innerhalb der EU auf Wohlhabende beschränken. Das ist kein demokratisches Verständnis von Grundrechten, sondern allertiefstes Stammtischniveau.
Angesichts der Tragödie von Lampedusa ist es beschämend, dass der deutsche Innenminister seine "Das Boot ist voll"-Rhetorik pflegt, statt darüber nachzudenken, was unser Land mehr tun kann, um Flüchtlingen zu helfen.
Wir erwarten von der Sitzung der EU-Innenminister heute Taten: Die Rettung von Flüchtlingen aus Seenot muss unverzüglich verbessert werden. Flüchtlingsboote dürfen nicht mehr zur Umkehr gezwungen werden. Besatzungen, die Flüchtlingen in Seenot helfen, dürfen nicht mehr mit Strafe bedroht werden. Darüber hinaus muss den Flüchtlingen ein effektiver Zugang zum europäischen Asylsystem gewährleistet werden.

"Der Bundesinnenminister wirft Nebelkerzen, statt Flüchtlingen konkret zu helfen und das Sterben an Europas Grenzen zu beenden", so Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, mit Blick auf das EU-Innenministertreffen. Jelpke weiter:
"Friedrich erteilt jeder konkreten Verbesserung der Situation für die Flüchtlinge in und an den Grenzen der EU eine Absage. Er lehnt eine solidarische Lastenteilung innerhalb der EU ab und ist so mitverantwortlich für die miserablen Zustände in den Aufnahmelagern in Griechenland und Italien. Zur angeblichen Rettung von Bootsflüchtlingen will er ausgerechnet Frontex weiter aufrüsten und verweist auf das neue Überwachungssystem EUROSUR. Doch diese Einrichtungen dienen nicht der Hilfe für Flüchtlinge, sondern ihrem Fernhalten von den europäischen Grenzen. Den Vorschlag des Europäischen Parlaments, die Aufgaben von EUROSUR auf die Seenotrettung auszuweiten, haben die europäischen Innenminister geschlossen abgelehnt.
Auch die Forderung nach einer Verbesserung der Lage in den Herkunftsländern von Flüchtlingen verstellt den Blick auf die eigentlichen Probleme. Es ist die aggressive Freihandelspolitik der EU, die die lokalen Märkte in Afrika zerstört. Es ist die Fischereipolitik, die den afrikanischen Fischern ihre Lebensgrundlage raubt. Doch den schwarzen Peter für die Folgen der neokolonialen Ausbeutung Afrikas will Friedrich den betroffenen Staaten selbst zuschieben"

Bevor die Grünen überhaupt in Koalitionsverhandlungen mit der CDU/CSU gehen, verlangen sie ZU RECHT erst einmal eine Entschuldigung für Dobrindts widerliche Angriffe unter der Gürtellinie.

Roth forderte eine Entschuldigung von CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt, der im Wahlkampf von einem "Pädophilen-Kartell" bei den Grünen gesprochen hatte. "Nach all den Entgleisungen Dobrindts wäre eine Entschuldigung des Generalsekretärs als vertrauensbildende Maßnahme notwendig", sagte sie. "Er hat wirklich unter die Gürtellinie gegriffen."
Der Co-Vorsitzende Cem Özdemir betonte, für die Union sei es leichter, eine Koalition mit der SPD einzugehen als mit den Grünen.

Aber abgesehen vom Entschuldigen:
Kann man es überhaupt moralisch vertreten mit so einer inhumanen, fremdenfeindlichen Union ins K.O.alitionsbett zu steigen?
Ich meine nein. Politisch  vielleicht schon.

Die CSU’ler, die gegen Minderheiten und Ausländer hetzten sind jedenfalls nicht diejenigen, die ich mir als Regierungspartner meiner Partei wünsche.

Als Konsequenz aus der jüngsten Flüchtlingstragödie vor Lampedusa fordert die CSU die Einführung einer Maut für illegale Mittelmeer­über­querungen. […] Innenminister Hans-Peter Friedrich und Verkehrsminister Peter Ramsauer erklärten heute bei einer Pressekonferenz, warum die CSU die Maut schnellstmöglich im EU-Parlament beschließen lassen will.
"Es kann nicht sein, dass diese Ausländer unser schönes Mittelmeer mit Leichen zumüllen und nichts für die Bergung bezahlen", wetterte Ramsauer, während Friedrich zu bedenken gab: "Was für Sattelschlepper auf deutschen Autobahnen gilt, muss auch für Menschenschlepper auf dem Mittelmeer gelten."
Sobald die Mittelmeerüberquerungsmaut beschlossen ist, kann in allen größeren nordafrikanischen Städten eine Vignette erworben werden, die gut sichtbar am Boot befestigt werden muss. Wochen- (25 Euro), Monats- (50 Euro) und Jahresvignetten (200 Euro) sollen dabei jeweils günstiger sein als Vignetten für eine einmalige Überfahrt (10 Euro). Booten in Seenot wird nur dann von der Küstenwache geholfen, wenn sie über eine gültige Vignette verfügen und diese noch gut sichtbar aus dem Wasser ragt.

Dem Verfassungsminister aus Bayern ist die Würde der Menschen einerlei. Er will sie nur wegschicken. Nur ein toter Flüchtling ist ein guter Flüchtling in seinen Augen

Der Bundesinnenminister heizt die Stimmung gegen Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien an. Auch einer gerechten Verteilung von Flüchtlingen steht er im Weg.
Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) verlangt von Brüssel grünes Licht für ein härteres Vorgehen gegen sogenannte Armutseinwanderer aus Ländern der Union. EU-Justizkommissarin Viviane Reding dürfe nicht „länger um den heißen Brei herum reden“, ob Wiedereinreiseverbote bei Missbrauch des Sozialsystems möglich seien, sagte Friedrich am Dienstag bei einem Treffen der EU-Innenminister in Luxemburg. Die EU-Kommission bezeichnete Klagen über steigende Armutseinwanderung aus Bulgarien und Rumänien als vielfach „hoch übertrieben“.
[….]  Die harte Haltung Deutschlands in der Flüchtlingspolitik zeigt sich auch im Streit um eine gerechtere Verteilung von Flüchtlingen, die nach dem Schiffsunglück von Lampedusa mit über 230 Toten entstanden ist. Eine geforderte Neuausrichtung der EU-Politik scheitert am Widerstand mehrerer Staaten, darunter der Bundesrepublik. Beim Treffen der EU-Innenminister am Dienstag in Luxemburg zeichnete sich keine Mehrheit für eine Änderung der umstrittenen Regeln ab, wonach in Europa das Land, in dem ein Flüchtling die EU erreicht, für das Asylverfahren und die Unterbringung verantwortlich ist.

So hart es klingt:
Die Möglichkeit den Ausländer-verachtenden Friedrich aus dem Kabinett zu werfen, macht eine Große Koalition schon wieder attraktiv.

Montag, 7. Oktober 2013

Wie sich die Zeiten ändern – Teil III



Die Erregungspotentiale sind generell sehr unterschiedlich.
Sigmar Gabriels allgemeine Aussage, Steuererhöhungen wären kein Selbstzweck, sondern dienten bestimmten Zwecken, regte die notorisch aufgeregten Linken auf.
War das nicht ein Umfaller? Darauf warten die Anti-Agenda-Adepten sehnsüchtig und stimmen schon mal ihre lautstarkes „I told you so!“ an.
Daß es der Wahlgewinner Schäuble, von der Steuererhöhungen-nie-und-nimmer-CDU war, der 36 Stunden nach der Wahl  in den Raum warf man könne ruhig mal die Steuern erhöhen, führte hingegen zu keinerlei Aufruhr in der CDU. Einige der Unions-freundlichen  Journalisten beschrieben sogar Schäubles taktisches Geschick. Elegant versuche er die ohnehin notwendigen Einnahmeverbesserungen dem künftigen K.O.alitionspartner in die Schuhe zu schieben.
Parteien stehen ohnehin nicht mehr für feste Grundüberzeugungen. Merkel hatte schon so gut wie alle CDU-Überzeugungen auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen. Würde Merkel morgen das Ende der Heteroehe verkünden, wären Kauder und Pofalla binnen einer Woche mit Männern verheiratet.
Parteien eben.

Im Unterschied dazu wird in jeder Sonntagsrede die Unverzichtbarkeit der kirchlichen Moral damit begründet, daß sie eben nicht Zeitgeist-abhängig  sei, sondern seit 2000 Jahren unverändert gemäß der Worte des Gottes und Gottessohnes gelte.

Dafür hat sich extra die Wissenschaft der „Dogmatik“ entwickelt. In der Kirche herrschen nämlich unveränderliche Dogmen.

Unter einem Dogma (altgr. δόγμα, dógma, „Meinung, Lehrsatz; Beschluss, Verordnung“) versteht man eine feststehende Definition oder eine grundlegende, normative (Lehr-) Meinung, deren Wahrheitsanspruch als unumstößlich festgestellt wird.
Insbesondere in der christlichen Theologie wird der Begriff Dogma wertneutral für einen Lehrsatz gebraucht, der, unter Berufung auf göttliche Offenbarung, die Autorität der kirchlichen Gemeinschaft bzw. des kirchlichen Lehramts oder auf besondere Erkenntnisse als wahr und relevant gilt. Die systematische Entfaltung und Interpretation der Dogmen wird Dogmatik genannt.


Zu den Glaubensinhalten der RKK gehören viele "unfehlbare" und damit "irrtumslose" Lehrsätze, die laut katholischem Glauben für alle Zeit gelten und nicht geändert werden dürfen.

"Maßgebend für die bindende Kraft einer Lehrentscheidung ist immer der Wille der Kirche, soweit er in der Urkunde ausgedrückt ist. Nicht immer lässt sich daher die Frage nach dem dogmatischen Wert ganz eindeutig beantworten. Es gilt hier der Grundsatz des kirchlichen Rechtsbuches: Wo die Absicht der Kirche, endgültig zu binden, nicht klar ausgesprochen ist, da hat man auch kein Recht, von einer unfehlbaren Entscheidung zu sprechen.“ - zitiert nach Neuner Josef, Heinrich Roos, Karl Rahner, Karl-Heinz Weger.

Unabänderliche, für alle Zeiten feststehende Lehrsätze, nennt man „Dogma“.
Insbesondere die drei jüngsten Dogmen sind weltbekannt:

1854 - die Lehre von der angeblich "unbefleckten" "Empfängnis" Marias im Leib ihrer Mutter Anna [also zum Zeitpunkt, als Anna beim Sex mit ihrem Mann mit Maria schwanger wurde]. Dies bedeutet, dass Maria bei ihrem Gezeugt-Werden nicht mit der "Erbsünde" behaftet worden sein soll - im Gegensatz zu allen anderen Menschen.
1870 - die angebliche Unfehlbarkeit des päpstlichen Lehramtes, wenn eine Entscheidung als "ex cathedra" (= "vom Lehrstuhl aus" = unfehlbar) definiert wird
1950 - die angebliche leibliche Himmelfahrt Marias.

Die Sinnhaftigkeit dessen, einen Mann wie Ratzinger, der erklärt, Kondome VERSCHLIMMERTEN das AIDS-Problem mit Unfehlbarkeitsgarantie auszustatten, erschließt sich Konfessionslosen nicht.
Aber Nahles, Thierse, Matussek, Andrea Fischer und Co finden das vermutlich einleuchtend.
Auch Franziskus repräsentiert weitere gültige Glaubenswahrheiten der Kirche zur ewigen Verdammnis (nummeriert nach dem römisch-katholischen Standardwerk Der Glaube der Kirche):

56 Wer sagt, die menschlichen Wissenschaften müssten mit solcher Freiheit behandelt werden, dass ihre Behauptungen als wahr festgehalten und von der Kirche nicht verworfen werden könnten, auch wenn sie der geoffenbarten Lehre widersprächen, der sei ausgeschlossen.

195 - Wer nicht mit den heiligen Vätern im eigentlichen und wahren Sinne die heilige und immer jungfräuliche und unbefleckte Maria als Gottesgebärerin bekennt, da sie eigentlich und wahrhaft das göttliche Wort selbst, das vom Vater vor aller Zeit gezeugte, in den letzten Zeiten, ohne Samen, vom Heiligen Geiste empfangen und unversehrt geboren hat, indem unverletzt blieb ihrer Jungfrauschaft auch nach der Geburt: der sei verworfen.

Mit dem Hinweis auf die Dogmatik können Kirchisten erklären, weswegen Frauen niemals Priester werden dürfen, weswegen praktizierende Schwule in die Hölle kommen und warum Geschiedene Todsünder sind, die keine Kommunion mehr erhalten dürfen.
Wegen der unabänderlichen Werte Jesu verdammt die Kirche auch Zinsen und Banken, die sie erheben.

Die Apotheose der Dogmen sind gewissermaßen die sieben Sakramente (Taufe, Firmung, Eucharistie, Beichte, Krankensalbung, Priesterweihe, Ehe), also katholische Riten, bei denen Jesus direkt anwesend ist.
Wenn Gott einen Vertrag besiegelt, darf man logischerweise nicht irgendwann sagen „ist mir doch egal. Scheiß drauf“. Sakramente sind heilig und unauflösbar. Enttaufungen, Plaudereien aus dem Beichtstuhl oder Ehescheidungen kennt die RKK nicht. Wer geschieden ist, wird als Angestellter des Diakonischen Werkes gefeuert, weil man eine derartige Sittenlosigkeit als kirchlicher Arbeitgeber nicht dulden kann.

In den Sakramenten wirkt Jesus Christus selbst und handelt durch seine Kirche, so dass das Zweite Vatikanische Konzil auch die Kirche als Ganzes in analoger Weise als „das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit“ bezeichnet hat. Das Verständnis der Sakramente setzt den Glauben voraus, die Sakramente fördern und stärken aber zugleich auch den Glauben.

Die Kirche kann also Mord und Kinderficken ohne Probleme verzeihen, aber Ehebruch eben nicht. Die Ehe ist nämlich ein heiliges Sakrament. Sie zu brechen ist eine Sünde, von der man sich nicht reinwaschen kann.

Nur wer sich vorher von der Sünde gereinigt hat, darf die hohe Päpstliche Ehre der Kommunion empfangen.
Dabei wird nicht etwa nur eine Oblate in den Mund gestopft, sondern es handelt sich um einen extrem wichtigen Ritus, bei dem gemäß der Vatikanischen Transsubstantationslehre eine zuvor geweihte Hostie mit den Worten „HOC EST CORPUS MEUM“ (dt: das ist mein Leib, vulgo: Hokuspokus) das Fleisch von Jesus in eine Oblate umgewandelt wird, die man dann verspeisen soll.
Da man buchstäblich Jesus isst, kann natürlich nicht irgendein Sünder an einer Päpstlichen Kommunion teilnehmen.
Daher wurde am 22.September 2011 der deutsche Bundespräsident Christian Wulff, der so böse war sein Ehegelübde zu brechen vom Papst ausgeschlossen.
Er erhielt in der Hauptstadt Berlin keine Kommunion und Thierse fand es auch gut so.
Ratzinger muß da klar unterscheiden und gibt deswegen nur Staatschefs, die ihm nicht als so üble Sünder wie Wulff erscheinen, die Hostie.

Wulff hatte sich immerhin in eine andere Frau verliebt und das noch nicht mal heimlich, sondern er steht auch noch öffentlich zu der Kebse.

Moralisch nicht zu beanstanden ist für den Papst hingegen ein anderer Staatschef, nämlich der Präsident Simbabwes, Robert Mugabe, dem er am 01. Mai 2011 in Rom die Kommunion gewährte.
Mugabe, 87, Ministerpräsident 1980-1987 und seit 1987 Präsident des Landes ist natürlich nicht so sündig wie Christian Wulff.
Nun mögen die nörgelnden Gutmenschen darauf hinweisen, daß Mugabe ein grausamer Diktator ist, der so abartige Menschenrechtsverbrechen beging, daß sein Land aus dem Commonwealth ausgeschlossen wurde und ihm die Einreise in die EU verboten wurde.
Naja, er frönt einer gewissen Mordlust und hat Zehntausende Regierungsgegner umbringen lassen.
OK, er hat das Land völlig verelenden lassen, während er selbst in unfassbaren Luxus schwelgt.

Aber das ist doch Pipifax, denn für den Papst zählen die echten moralischen Werte und die sprechen eindeutig FÜR Mugabe und GEGEN Wulff.

Mugabe ist strenger Katholik, Jesuitenzögling und steht treu zu seiner Frau Grace, die schon mal an einem Tag 500.000 Dollar für Kaviar und Champagner ausgibt.

Nicht zu vergessen Mugabes Vatikan-gemäßer Umgang mit den Schwulen.
Würde Wulff je so klar handeln?

1991 eröffnete er eine Kampagne gegen Homosexualität, die „unnatürlich“ und „unafrikanisch“ sei. Homosexuelle – für Mugabe „minderwertiger als Schweine“ – können seitdem mit 10 Jahren Gefängnis bestraft werden. Mugabe begründete sein Vorgehen u. a. mit der Absicht, gegen Aids vorzugehen. Mugabes Vorgänger im Amt des Präsidenten Canaan Banana wurde wegen Homosexualität verurteilt und floh nach Südafrika, weil er um sein Leben fürchtete.
(Wikipedia)

Daher also ganz klar Kommunion für Mugabe JA, für Wulff NEIN.

Nun ist es aber so, daß wir einen neuen Papst haben, dem die gesamte Weltpresse jubilierend zu Füßen liegt. Man hält ihn hartnäckig für aufgeschlossen und liberal.
Begeistert applaudiert man seinen bahnbrechenden Personalentscheidungen, die man nur dann als progressiv ansehen kann, wenn man vorher sein Gehirn in eine Moulinette gesteckt hat.
Zur vielbeachteten achtköpfigen „Kardinalskommission“, die Franzi einsetzte, um die Kurie zu reformieren, gehören der prunkvolle und im Luxus schwelgende Kardinal Marx aus München und der intensive Vertuscher von Kinderfickereien australischer Priester, Kardinal Pell.
Zu seinen beiden persönlichen Stellvertretern in bestimmten Angelegenheiten ernannte der aktuelle Papst die beiden erzkonservativsten Kardinäle Meisner und Brandmüller.

Papst Franziskus hat zwei deutsche Kardinäle zu Sondergesandten für bevorstehende große Kirchenereignisse ernannt.
Den Kölner Kardinal Joachim Meisner (79) beauftragte er, ihn am 13. Oktober bei den 750-Jahrfeiern der Grundsteinlegung des Doms in Xanten zu vertreten.
Den in Rom lebenden Kurienkardinal Walter Brandmüller (84) ernannte Franziskus zum Päpstlichen Sondergesandten für die 450-Jahrfeiern des Abschlusses des Konzils von Trient.

Aber auch ganz ohne Belege für einen neuen Kurs reicht für die RKK schon ein bißchen „Stimmung“, um von den unverrückbarsten 2000 Jahre alten Sakramenten abzurücken.

[…] Auch als Papst blieb sich Ratzinger bekanntlich treu: Die Kommunion für Menschen, die in schwerer Sünde leben, lehnte er ab. Da änderte es auch nichts daran, dass er bei seinem Deutschland-Besuch vom damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff willkommen geheißen wurde, Katholik, geschieden, in zweiter Ehe lebend.
[…] Nun wagt man in Freiburg den nächsten Vorstoß, dieses Mal allerdings unter anderen Vorzeichen. Ein Papst hat das sagen, der seine Kirche davor warnt, seinen Gläubigen "ohne Unterscheidung eine Menge von Lehren aufzudrängen". Unter Franziskus schöpfen in Deutschland jene, die sich von alten Hemmnissen befreien wollen, neues Selbstbewusstsein.
Der Freiburger Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hatte sich mehrmals offen für einen neuen Weg gezeigt, zuletzt Ende September. […]  "In der Folge einer verantwortlich getroffenen Gewissensentscheidung kann in der konkreten Situation aber auch die Möglichkeit gegeben sein, die Sakramente der Taufe, der Heiligen Kommunion, der Firmung, der Versöhnung und der Krankensalbung zu empfangen, insofern die erforderliche konkrete Glaubensdisposition vorhanden ist."
"Im Kontakt mit Geschiedenen und zivilrechtlich Wiederverheirateten geht es darum, dass die menschenfreundliche und respektvolle Grundhaltung Jesu erfahrbar wird", sagt der Leiter des Seelsorgeamtes in Freiburg, Domdekan Andreas Möhrle. "Die Treue und Barmherzigkeit Gottes gilt auch für diejenigen, deren Lebensentwurf gescheitert ist."