Mittwoch, 20. April 2022

Wenn Putinversteher-Hasser, Putin verstehen.

Es ist seit 1998 Tradition der liberalen Hamburger wöchentlichen Periodika kampagnenartig gegen SPD-Kanzler anzuschreiben. Gabor Steingart, die vor 20 Jahren treibende neoliberale Kraft beim SPIEGEL, ging zwar den üblichen Broder/Tichy/Matussek-Weg nach ganz rechts und wirkt nun als scharfrechter Podcaster und Blogger. Aber seit Olaf Scholz vor anderthalb Jahren Kanzlerkandidat wurde, ist kein auch nur halbwegs neutraler oder gar lobender Artikel mehr über ihn erschienen. Sie wollen ihn ganz offensichtlich loswerden, so wie sie Rot-Grün im Jahr 2002 durch ihre Traumkoalition Merkel-Westerwelle zu ersetzen trachteten, wie sie versuchten Ministerpräsident Stolpe zu stürzen oder Gregor Gysi zu vertreiben.

Nun ist es selbstverständlich das gute Recht eines politischen Magazins gegen SPD-Politiker Stellung zu beziehen und taktisch für die CDU zu arbeiten. Das gehört zum Presse-Pluralismus, der in Deutschland glücklicherweise existiert. Hier wird eben nicht wie in Warschau, Budapest oder Moskau, der private Journalismus eingeschränkt. Hier darf jeder so regierungskritisch sein, wie er möchte. Gut so!

Wenn es mir zu einseitig wird, kann ich aufhören, den SPIEGEL zu bezahlen. Niemand zwingt mich, die unablässigen Anti-Scholz-Tiraden zu lesen.

[…] Zaudern, bremsen, patzen

Waffenstreit, Schwesig-Skandal, Ärger um Gabriel – und der jüngste Auftritt von Kanzler Scholz hat nicht überzeugt: Die SPD steht massiv unter Druck. [….]

(Kevin Hagen, 20.04.2022)

[….] Der deutsche Lumpen-Pazifismus

Ein substanzieller Teil der Friedensbewegung ist in seiner Selbstgerechtigkeit das Beste, was Putin passieren kann. Leider hat er in der Politik und besonders in der SPD mächtige Partner.   [….]

(Sascha Lobo, 20.04.2022)

[….]  Wagt die Union das Projekt Kanzler-Sturz?

Zu zögerlich, zu zaudernd – das sind die Vorwürfe an Kanzler Scholz in der Ukrainekrise, auch aus der eigenen Koalition. Oppositionschef Merz könnte den Kanzler nun mit einer Initiative im Bundestag schwer in die Bredouille bringen. [….]

(Sophie Garbe und Florian Gathmann, 20.04.2022)

Ich versuche, es sportlich zu nehmen und amüsiere mich über die Annahme, Serienlügner Merz würde zusammen mit Dobrindt, Scheuer und Spahn eine bessere Regierungsmannschaft stellen.

Die gestrige Rede des Bundeskanzlers war anders, als in der Darstellung vieler Zeitungen, klar und nachvollziehbar.  In dieser Rede schwurbelt Scholz rein gar nicht.

Es leuchtet mir ein, daß es keinen Sinn macht, jetzt sofort Leopard-Panzer zu schicken, wenn die Ukrainer damit nicht sofort umgehen können und die entsprechenden Ersatzteile nicht da sind. Zumal laut Militärexperten gar nichts zur Verfügung steht. Nach 16 Jahren CDU-Verteidigungsminister, sind die Lager leer und unbrauchbar.

[…] Laut Vize-Generalinspekteur: Laubenthal Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine würde Bundeswehr beeinträchtigen

Der stellvertretende Generalinspekteur der Bundeswehr weist die Behauptung zurück, Deutschland könne sofort schwere Waffen an die Ukraine liefern. Das deutsche Militär brauche sie aktuell selbst.   […]

(Spon, 20.04.2022)

Daher ist es sehr sinnig, so wie von Scholz vorgeschlagen, wenn osteuropäische Länder, die noch Waffen haben, die die Ukrainische Armee kennt und sofort einsetzen kann, rüberschicken und Deutschland die Lieferung und Finanzierung modernerer Waffensystem an Polen, Estland und Co übernimmt. Ich bin froh, daß Scholz nicht dampfplaudernd, wie Merz oder Hofreiter willkürlich, Forderungen der BILD aufgreift, sondern genau die Konsequenzen abwägt und in enger Rücksprache mit den anderen G7-, EU- und NATO-Ländern handelt.

Die politisch-strategische Weltlage 2022 ist nicht so simpel, wie beim „Risiko-Brettspiel“, sondern erfordert extrem komplexe Überlegungen.

Russisches Gas oder Öl zu boykottieren, ist angesichts des Krieges in der Ukraine nicht abwegig. Aber es ist ganz sicher auch nicht so simpel, daß es Deutschland einfach ein paar Milliarden kostet. Elisabeth Dostert, Silvia Liebrich, Lisa Nguyen und Hannah Wilhelm erklären die dramatischen Konsequenzen an wenigen Beispielen. Und wieder bin ich sehr froh, einen Bundeskanzler zu haben, der die Konsequenzen genau abwägt und nicht einfach mit halb ausgegorenen Handlungen losprescht, auch wenn das seinen demoskopischen Werten viel helfen würde.

Richtig ärgerlich werde ich aber bei Boulevardpresse-Journalisten, die so tun, als ob sie alles schon immer ganz genau durchschaut hätten und nun in Bausch und Bogen, die Regierung als „naiv“ brandmarken.

Christian Burmeisters Leitartikel in der heutigen Morgenpost (auch ein eher liberales Blatt) ist so ein Negativbeispiel.

[….]  DIESE NAIVITÄT IST ATEMBERAUBEND Im Osten der Ukraine hat Russland eine Großoffensive begonnen. Wochenlang hatte Kiew besonders für diesen Fall um schwere Waffen gebeten. In der Bundesregierung und speziell in der SPD stieß dies allerdings auf taube Ohren. [….]  

(Christian Burmeister, Mopo, 20.04.2022)

Das ist eine glatte Lüge.

Deutschland hat bisher geliefert:
56 PbV-501 IFVs, 1,000 anti-tank weapons and 500 Stinger anti-aircraft defense system, plus permission for select other countries to send weapons controlled by Germany. (Quelle)

[…] Nach einer Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft liegt Deutschland bei den Regierungshilfen für die Ukraine an vierter Stelle nach den USA, Polen und Großbritannien.  [….]

(WAZ, 20.04.2022)

Wesentlich ärgerlicher ist aber, daß diejenigen, die mit Verve auf die „Putin-Versteher“ eindreschen, als ob es nicht dringend nötig wäre, Putin zu verstehen, nun auf die Scholz-Regierung einprügeln, weil sie auf einmal meinen, Putin genau zu verstehen. Burmeister ist offenbar Putinversteher.

[….]  die Natur von Putins (Vernichtungs-)Krieg: Verhandeln wird er nur, wenn er militärisch nicht mehr weiterkommt. Und: Wird Putin nicht in der Ukraine gestoppt, wird er sich auch NATOLändern „zuwenden“. Der Sturz der bisherigen Sicherheitsordnung ist sein erklärtes Ziel! Das Zögern der Bundesregierung, die Ukraine jetzt mit wirklich allen Mitteln zu unterstützen, könnte sich bald rächen. Es drohen – im besten Fall – lange Jahre der politischen Instabilität mit verheerenden Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft auch in Deutschland. [….]

(Christian Burmeister, Mopo, 20.04.2022)

Putin wird also plötzlich ganz mild gestimmt sein, wenn er mit schweren (deutschen?) Waffen zurückgeschlagen wird? Dann wird Putin also einlenken, sich denken „Huch, da habe ich mich wohl verkalkuliert und werde ab jetzt nur noch höflich und friedlich und ehrlich sein!“

Woher weiß Burmeister das?
Wieso versteht er Putin offenbar besser als alle anderen?

Woher weiß Burmeister so genau, daß nicht das genaue Gegenteil eintritt, daß nämlich ein zurückgedrängter Putin, noch dazu mit deutschen Waffen, also aus dem Land, das im zweiten Weltkrieg 25 Millionen Sowjetbürger ermordete, dann nicht endgültig rot sieht und Chemiewaffen einsetzt? Oder Atombomben abschießt?

Im Gegensatz zu Burmeister, weiß ich nicht ganz sicher, was Putin dann tut. Daher möchte ich auch nicht in Olaf Scholz‘ Haut stecken, bin aber froh, einen besonnenen Kanzler zu haben.

NACHTRAG: Die Tagesschau berichtet "Melnyk kritisiert Scholz" und verlangt schwere Anriffswaffen aus Deutschland. Das kommt nicht gut an beim Wahlvolk - auch wenn SPIEGEL und MOPO das nicht wahrhaben wollen.


Dienstag, 19. April 2022

Gut sein und kassieren

Meine Hamburger Nemesis, der ewig grinsende fromme fanatische Fahrradfahrer-Senator Anjes Tjarks, kommt mal wieder nicht aus den Schlagzeilen.

Sein geradezu wahnhafter Eifer, Velorouten kreuz und quer durch die Stadt zu ziehen, wirkt auf Radfahrer sicherlich positiver, als auf Autofahrer wie mich.

Hamburg zur Stauhauptstadt zu machen, ärgert mich, weil es unbequem ist, aber ich verstehe natürlich die Absicht: Individualverkehr mit dem Verbrenner-Auto ist unökologisch; die Natur freut sich über Radfahrer.

Allerdings werden bei der gewollten Verdrängung von Autos aus der Stadt, ökologische Varianten wie Elektroautos oder die völlig sauberen Wasserstoff-betriebenen Vehikel gleich mit blockiert, obwohl die doch eigentlich gefördert werden sollten. Schließlich gibt es Menschen, die entweder nicht so sportlich sind, wie der unablässig radelnde, schwimmende und laufende junge Herr Tjarks. Schließlich gibt es Menschen, die Waren  - oder so wie ich: andere Menschen im Rollstuhl – transportieren müssen.

Daß ein Autofahrer wie ich, die Grüne Fahrrad-affine Politik beklagt, könnte Tjarks als Beleg für die Richtigkeit seiner Maßnahmen ansehen.

Problematisch an der Tjarks-Politik ist aber nicht die versuchte Verdrängung von Autos zu Gunsten des Rades, sondern daß sie einfach nicht funktioniert. Durch die Car-Sharing-Angebote, die Radwege und die elenden Elektroroller, die überall rumliegen, gibt es viel mehr Stau, weil sich mehr Verkehrsteilnehmer auf weniger Fläche drängen. Zusätzlich werden die privaten PKWs aber immer mehr. Die Leute steigen nicht auf das Rad, um das Auto abzuschaffen, sondern benutzen nun alle Möglichkeiten gleichzeitig.

Die Lenkungswirkung funktioniert nicht.

Demensprechend ist die Öko-Bilanz negativ.

Vollends absurd wird die Tjarkssche Verkehrspolitik aber dadurch, daß der Grüne Mann sich so sehr auf Radwege fixiert und damit erheblich größere ökologische Schäden anrichtet, indem er immer wieder geradezu manisch Straßenbäume abhacken lässt. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich schon von Grünen Baumfäll-Aktionen gebloggt habe.

Über Radfahrer ärgere ich mich als Autofahrer ziemlich augenzwinkernd. Es ist  klar, daß hier unvereinbare Partikularinteressen aufeinanderprallen und Fahrräder klimatisch besser verträglich sind.

Aber über das ständige Baumfällen ärgere ich mich bitterernst.

Diese Woche trifft es den Stadtteil Bramfeld.

[….] Viele Anwohner – und auch Fahrradfahrer – sind empört: In Bramfeld könnten 58 Bäume gefällt werden, um einen 3,6 Kilometer langen Radweg anzulegen. Der soll breiter werden als der alte, aber nicht mehr wie dieser hinter einem baumbewachsenen Grünstreifen verlaufen, sondern, durch einen Kantstein getrennt, neben der Fahrbahn. [….] Alleine auf einem 200 Meter langen Streckenabschnitt entlang der Karlshöhe, zwischen den Straßen Grootmoor und Carsten-Reimers-Ring, sind 15 jahrzehntealte Buchen und Eichen bedroht. Sie wachsen dort in einer Art Knick, der Geh- und Radweg von der Fahrbahn trennt. Dieser „Wall“ soll 2,25 Meter breiten Radfahrstreifen weichen, die rechts und links der Fahrbahn angelegt werden sollen.  Das wollen Anwohner aus der Siedlergemeinschaft Carlshöhe e. V. und zahlreiche Nachbarn mit der Petition „Gefahr für 100 Jahre alte Bäume an der Karlshöhe“ verhindern. Sie wurde innerhalb eines Monats mehr als 6000-mal unterzeichnet. [….]

(HH Abla, 11.04.2022)

Dieser Fall ist besonders empörend, weil dort bereits ein funktionierender Radweg vorhanden ist, mit dem alle glücklich sind.

Anjes Tjarks will ihn aber noch um ein paar Zentimeter verbreitern und die Radspur direkt an die Straße verlegen. Dafür müssen 58 mehr als 150 Jahre alte Bäume und mit ihnen jeweils ein ganzes Ökosystem für Vögel, Insekten und Eichhörnchen sterben. Dieser Verkehrssenator ist eine Schande für seine Partei und sollte sich schämen.

Er schämt sich aber nicht, sondern findet sich so großartig, daß er bereits vor sechs Jahren den Plan ersann, sich als Vorzeige-Radfahrer-Politiker, der stolz in jede Kamera verkündet, er verzichte auf seinen Dienstwagen und fahre nur Rad, sein Hobby versilbern zu lassen.

50.000 Euro bekommt Tjarks im Jahr dafür, daß er keinen Dienstwagen benutzt.

In sechs Jahren radelte er sich also bereits 300.000 Euro Bonus vom Steuerzahler zusammen.

Willkommen in Schilda.

Dieses 300.000-Euro-Tjarksprivileg erinnert an den (verfassungswidrigen!) CSU-Unsinn von der Bildungsfernhalte-, bzw Herdprämie, die Seehofers Wirrköpfe an die Bürger auszahlen lassen wollten, die das Angebot einer Kita nicht annehmen.

Nach der Logik könnte jeder Bürger eine Prämie verlangen, der eine städtische Bibliothek oder ein kommunales Freibad nicht besucht.

Bei den Grünen, Linken und der AfD – dem Abkassierer-Trio Infernal von Hamburg – wurde der Scheuer-Seehofersche Fiebertraum Wirklichkeit: 300.000 Euro buchstäblich für NICHTS. Für das Nicht-Autofahren.

Ein Paradebeispiel für die Förderung von Politikerverdrossenheit. Es ist richtig schwer, sich die primitive populistische Bemerkung „für 300.000 bar auf die Kralle würde ich auch mein Auto stehenlassen“ zu verkneifen.

Montag, 18. April 2022

Frage des Überlebens

Es gibt einen extrem breiten Konsens von Linkspartei bis CSU, also außer der AfD. In nahezu der gesamten veröffentlichten Meinung, also außer den rechtsextrem Blogs.  Dieser Konsens lautet: Russland darf nicht gewinnen; die Ukraine darf nicht verlieren.

Warum eigentlich?

Selbstverständlich wünsche ich mir aus moralischen und humanistischen Gründen auch keinen Sieg des Aggressors Putin.  Aber wie viele Menschenleben ist mir die Erfüllung dieses Wunsches wert?  Sollen dafür nicht nur wie bisher hunderte und tausende Ukrainer sterben, sondern vielleicht auch Myriaden? Hunderttausend?

Was soll ein Kampf bis zum bitteren Ende, wie es die auf einmal so waffenverliebten Grünen fordern, wenn der Gegner durch seine atomare Übermacht nicht zu besiegen ist?

[….] Der Philosoph Richard David Precht erntete dagegen einen Shitstorm für die Aussage: "Natürlich hat die Ukraine ein Recht auf Selbstverteidigung, aber auch die Pflicht zur Klugheit, wenn man sich ergeben muss." [….] Precht aber, wie es in den sozialen Medien vielfach geschah, "Appeasement" vorzuwerfen, so als habe man es bei Putin mit einem neuen Hitler zu tun, ist geschichtsvergessen. Viele meiner linken Freunde bringen dagegen den Kampf gegen die Faschisten im Spanischen Bürgerkrieg vor, der doch nichts anderes gewesen sei als Verteidigung. Nicht eingepreist in dieses Argument ist die Tatsache, dass wir nicht mehr in den 1930er-Jahren leben, sondern im Atomwaffenzeitalter, in dem es nur Minuten braucht, um ganze Städte dem Erdboden gleich zu machen. […..]

(Christian Baron, 14.04.2022)

Der Schriftsteller Christian Baron hat da einen validen Punkt. Denn gerade diejenigen, die sich so vehement dafür einsetzen, die Ukraine mit allen militärischen Mitteln zu unterstützen, da man Putins Expansionspläne unbedingt ernst nehmen müsse, nehmen russische Atomwaffendrohungen paradoxerweise gar nicht ernst.

[….] Nun besagt ein beliebtes Argument für ein militärisches Eingreifen der Nato, Putins offene Drohung mit Atomwaffen sei nicht ernst zu nehmen, weil er niemals so weit gehen würde. Solche Sätze höre ich von Menschen, die unter anderem mir vorwerfen, ich hätte Putin schon immer verharmlost. Was denn nun? Ich jedenfalls traue dem russischen Präsidenten nach dem Überfall auf die Ukraine alles zu, und ich möchte nicht, dass irgendwer in meinem Namen das Risiko eines Dritten Weltkriegs eingeht.  […..]

(Christian Baron, 14.04.2022)

Auf einmal finde ich mich in den Totschlagargumentationen meiner frühen Teenagerzeit aus dem Politik und Gemeinschaftskunde-Unterricht wieder.

Die Konfrontationslinien verliefen zwischen den Pershing-II-affinen Typen, die in der JU aktiv waren und „lieber tot als rot“ proklamierten und den Friedensbewegten, die nicht noch mehr Atomraketen wollten und sich zwar nicht begeistert, aber doch im Sinne des kleineren Übels für „lieber rot als tot“ einsetzten.

Die programmatische Unterstützung holten wir uns aus den damals sehr populären Schriften des norwegischen Mathematikers und Friedensforschers Johann Galtung. Frieden schaffen mit friedlichen Mitteln. Der einrückenden roten Armee der Sowjetunion würde man nicht mit atomaren Pershing-Sprengköpfen gen Moskau antworten. Man würde sich auch nicht den Rotarmisten mit einem Maschinengewehr in den Weg stellen. Stattdessen würde man passiv Widerstand leisten, indem niemand mit den Besatzern zusammenarbeitet.  Aber das ist scheinbar alles vergessen

[….] Sind Freiheit, Demokratie, Rechtsstaat es wert, für sie zu sterben? Gibt es für das Individuum etwas Größeres, dessen „Verteidigung“ wichtiger sein kann als das eigene Leben? Ist der Tod nicht die größte Katastrophe für einen Menschen, die nicht dadurch kleiner wird, dass man tatsächlich oder vermeintlich „für“ andere stirbt? Oder, wie es im Kalten Krieg polemisch verkürzt wurde: Ist es nicht besser, rot als tot zu sein? Die Frage, ob man sich zu Ungunsten des Individuums, aber zu Gunsten des großen Ganzen wehren sollte, auch in scheinbar aussichtslosen Situationen, wird mit „ja“ beantwortet, wenn es den Glauben an ein großes Ganzes gibt. Das mag die Nation sein, ein Gott oder höhere Wesen, etwas Politisch-Metaphysisches wie eine Ideologie sowie eine Mischung aus mehreren dieser Gefühls- und Gedankenkonstrukte. [….]

(Kurt Kister, 25.03.2022)

Da ich weder nationalistisch, noch religiös denke, liegt mir in der Tat das individuelle Überleben näher. Für ein Land oder einen Gott will ich jedenfalls nicht sterben. Dabei ist mein eigenes Weiterleben noch vergleichsweise irrelevant. Ich bin schon älter, habe keine Kinder. Aber ich sehe es einfach nicht gern, wenn in Charkiw oder Mariupol Tausende Menschen sterben. Ich bin zwar Antinatalist und halte die Erde für hoffnungslos überbevölkert, aber eben gerade nicht, weil ich das einzelne Individuum verachte, sondern weil ich eben nicht akzeptieren kann, daß jeden Tag Myriaden Kinder elend verhungern oder in Verteilungskriegen umgebracht werden.  Ich bin sehr dafür, sich nicht zu vermehren, aber sehr dagegen, sich aktiv zu dezimieren.

Natürlich wäre es naiv, vollkommen auf NATO und Bundeswehr zu verzichten, weil die Jesiden vor dem IS oder die Bosniaken vor Ratko Mladićs serbischer Armee nur mit Waffengewalt gerettet werden konnten.

UN-Blauhelm-Einsätze müssen bewaffnet sein und retten Leben. Aber eine Atommacht, die gewillt ist ihr Arsenal zu verwenden, ist nicht, oder nur um den Preis der totalen Vernichtung der Menschheit aufzuhalten.

Joe Biden und Olaf Scholz haben vollkommen Recht, das zu erkennen und aus diesem Grund eben nicht die NATO der russischen Armee entgegen zu stellen.

Wir sollten uns den Krieg in der Ukraine nicht pathetisch so hinschwurbeln, als wäre er ein Konflikt zwischen zwei konventionellen Mittelmächten, in dem die uns Sympathischere schon gewinnen wird, wenn sie sich nur ordentlich anstrengt und wir ordentlich mithelfen, indem wir alle Panzer rüber schicken, die noch in Bundeswehrdepots lagern.

[….] „Unsere Wehrhaftigkeit entscheidet unsere Sicherheit.“ Zwar fehlt in diesem Satz das Wörtchen „über“, aber trotz der eigenwilligen Grammatik stammt er nicht von Franz Josef Strauß aus den Sechzigerjahren. Es hat ihn auch kein kinnkantiger Heeresgeneral mit goldener Fallschirmjägerschwinge an der Uniform gesprochen. Nein, gesagt hat ihn Außenministerin Annalena Baerbock, [….] Wehrhaftigkeit also. Nicht erst seitdem Baerbock Außenministerin geworden ist, gehört sie zu den herausragenden Vertreterinnen der Rhetorik der empathischen Entschiedenheit, die ein Kennzeichen der mittleren Politikgeneration gerade bei Grün und SPD-Rot ist. Die Rhetorik der empathischen Entschiedenheit soll zweierlei vermitteln:

1) Ich weiß, was ich will.

2) Ich spreche für euch (häufigere Erwähnung von Kindern und ihren Fragen, immer wieder Verwendung der Personal- und Possessivpronomina der ersten Person Plural, also „wir“ und „unsere“). Wehrhaftigkeit, sagte Baerbock, sei für sie der Wille und die Fähigkeit zur Verteidigung. [….]

(Kurt Kister, 25.03.2022)

In Deutschland sind amerikanische Atomwaffen stationiert. Unser Nachbar Frankreich ist Atommacht.  Die NATO-Strategie der „flexible Response“ behält sich den westlichen Ersteinsatz von Atomwaffen für den Fall eines übermächtigen Russischen Angriffs mit einer konventionellen Armee vor. Konventionell bedeutet, daß Putin zwar thermobarische und Hyperschall-Horrorwaffen mit enormer Vernichtungskraft einsetzte, aber atomare, biologische und chemische Waffen zu Hause ließe.

Die Strategie der atomaren Abschreckung funktioniert natürlich nur, wenn beide Seiten ernsthaft einkalkulieren, der Gegner würde seine Atomwaffen im Zweifelsfall tatsächlich einsetzen.

Annalena Baerbock folgend mit empathischen Entschiedenheit die eigene Wehrhaftigkeit zu preisen oder wie der altlinke Anton Hofreiter gegen den Bundeskanzler zu poltern, da dieser nicht schnell genug schwere Waffen in die Ukraine genehmige, bedeutet auch die atomare Abschreckung zu sabotieren, weil damit suggeriert wird, ein großer konventioneller Krieg zwischen den alten Blöcken wäre in irgendeiner Form möglich und würde nicht zur totalen Vernichtung der Menschheit führen.

Ist das so schlau, a) durchblicken zu lassen, daß die NATO ohnehin keine Atomwaffen einsetze und b) zu glauben, Russland täte das ebenfalls nicht?

In dem Fall können wir die Strategie der atomaren Abschreckung gleich vergessen.

Und was heißt das im Folgeschluss? Ein europaweiter Krieg wie der WKII, aber mit noch viel tödlicheren Waffen ist wieder möglich?  Will man das? Mit dann nicht 60 Millionen Toten wie 1945, sondern 160 oder 260 Millionen Toten?

Da grabe ich lieber meine Galtung-Bücher wieder aus.

Sonntag, 17. April 2022

Britische Abstumpfung

Es ist faszinierend, wie auch bei Boris Johnson, die schiere Anzahl der Skandale, Lügen und moralischen Ungeheuerlichkeiten, nicht etwa das Fass zum Überlaufen bringt, sondern im Gegenteil, eine gewisse Immunität generiert.

Der (sehr falsche) Begriff „Kinderschänder“ bezeichnet eigentlich eine so abscheuliche Tat, daß sie selbst unter Verbrechern verachtet wird.

Werden mehrere Kinder sexuell missbraucht, wie im Fall Marc Dutroux, ist der Skandal so groß, daß wie nach dem „Weißen Marsch“ von 1996, als 300.000 Belgier in Brüssel gegen das Vorgehen der Behörden demonstrierten, eine Regierung ins Wanken gebracht werden kann.

Reden wir aber nicht mehr von acht oder einem Dutzend Opfer, sondern gleich von 10.000en, die teilweise zu Hunderten in Kanadischen Massengräbern gleich hinter dem Haus der Täter verscharrt wurden, ist eine nicht mehr vorstellbare Dimension erreicht. Die Täterin, die Römisch-katholische Kirche, bleibt daher ungeschoren, sitzt in den Ethikräten der Regierungen und verliert noch nicht einmal ihre Gemeinnützigkeit.

Hätten die Herren Ratzinger, Müller, Woytila, Woelki, Wetter, Marx, Lehmann und Co stattdessen nur ein Prozent oder ein Promille der Sextäter immer wieder auf Kinder losgelassen, säßen sie vielleicht alle da, wo sie hingehören: Lebenslang im Gefängnis.

Aber bei Myriaden Opfern weltweit? Wo sollte man da anfangen? In Deutschland werden diese systematischen Verbrechen noch nicht einmal staatlich untersucht.

Als Donald Trump bei seinen ersten Wahlkampfinterviews 2015 log, daß sich die Balken bogen, merkte man sich die einzelnen Lügen noch, weil sie so drastisch waren, daß man sicher war, er müsse dafür büßen.  Als das nicht geschah, begannen Journalisten von der Washington Post systematisch alle Trump-Lügen zu dokumentieren und richtig zu stellen. Allerdings hatten da schon über 60 Millionen Amerikaner den lügenden Rassisten und Sexisten zum Präsidenten gewählt, weil sie ihn für „so ehrlich“ hielten. Meine letzte Schock-Erinnerung war, als Jimmy Kimmel seinen Eingangsmonolog mit „Today is HAPPY LIE 2K!“ eröffnete. 2.000 nachgewiesene Lügen des US-Präsidenten.

Das war noch in Trumps erstem Amtsjahr.

Nach 30.000 Lügen, zwei Impeachments und einem angezettelten blutigen Coup, sind wir selbstverständlich alle derartig abgestumpft, daß der Mann, der sich diese Woche als „den ehrlichsten Mann, den Gott je schuf“ bezeichnet, uns nicht mehr mit Lügen verblüffen kann.

Boris Johnson vermochte es ebenfalls in die RKK/Trump-Klasse aufzusteigen.

(….) Die vielen Lügen, der ungenierte Populismus, die Frisur, das Drangsalieren der seriösen Medien, der enorme Schaden, den sie für ihr Land anrichten – Boris Johnson und Donald Trump zu vergleichen ist mehr als naheliegend. Beide Orange-Haarigen wurden an einem Juni-Morgen in New York City geboren, entstammen der Oberschicht und sind bekannt für ihren Frauenverschleiß.  (….)

(Der Donald der Themse, 11.02.22)

Der Mann ist moralisch so verkommen und lügt so selbstverständlich, daß es ihm gar nicht mehr schadet beim Lügen ertappt zu werden.

Es bleibt wenigen Intellektuellen überlassen, immer noch Worte für den britischen Regierungschef zu finden.

Der großartige schottische Schriftstellerin Alison Louise Kennedy, 56, beschreibt ihren Regierungschef ebenfalls kühl und euphemistisch.

[….] Ich weiß, es ist ein Rätsel: Boris Johnson, unser Killerclown, der Hundehaufen auf dem Kaminsims unserer Nation - ist immer noch Premierminister. Warum? Je klarer die Antworten auf diese Frage werden, desto klarer wird auch, dass wir uns in unaufhaltsamer Fahrt auf einer Rodelbahn aus gefrorenem Erbrochenen befinden, hinunter in den Abgrund des Faschismus, der die Form einer Farce angenommen hat - Farceismus? Während Boris sich mit käuflichen Freaks umgeben hat, die er erpressen, einschüchtern und bestechen kann, zerstören Korruption und ideologischer Vandalismus unsere Infrastruktur und unseren Sozialstaat. Unserer Regierung geht rapide das Geld aus, und die wirtschaftlich verheerenden Folgen des Brexit zeigen sich ja erst schemenhaft. Unser nächster Premierminister wird eine Landschaft der Schmerzen regieren. Nur ein unrettbar verdorbener, unendlich dummer Sadist würde diesen Job wollen. [….] Wahrheit ist hier in Großbritannien Fiktion, weil Pressebarone und Redaktionen, die dem Clickbait verfallen sind, unseren öffentlichen Diskurs verzerren. [….] Und natürlich ist ein Hundehaufen kein Hundehaufen. Also bleibt er auf dem Kaminsims und stinkt weiter vor sich hin. [….]

(A.L. Kennedy, 11.02.2022)

Auch nachgewiesenermaßen Gesetze zu brechen, stört den amoralischen Proleten nicht.

[…..] Nach der "Partygate"-Affäre hat Großbritanniens Premier Johnson eine Strafe bezahlt, sich entschuldigt - und will weitermachen. Doch die Opposition fordert seinen Rücktritt. Und auch die Bevölkerung ist empört. Boris Johnson ist der erste Premierminister des Vereinigten Königreichs, der offiziell gegen das Gesetz verstoßen hat. Am Abend entschuldigte er sich in einer Erklärung, die er auf seinem Landsitz Checkers abgab, wo er die Osterferien verbringt: "Die Polizei hat mir einen Bußgeldbescheid im Zusammenhang mit einem Ereignis zugestellt, das am 19. Juni 2020 in Downing Street 10 stattfand. Ich habe die Strafe sofort bezahlt und entschuldige mich noch einmal umfassend." Johnson sagte, er werde die Probleme angehen, die Großbritannien gerade treffen würden und für sein Land abliefern. [….]

(Gabi Biesinger, ARD, 13.04.22)

Eine der besonders abscheulichen amoralischen Taten der Johnson-Regierung findet gerade abseits der großen Medienaufmerksamkeit statt.

Obwohl England schwere ökonomische Probleme durch die xenophobe Politik erleidet, weil überall die nach dem Brexit ausgereisten Arbeiter fehlen, betreibt Johnson weiterhin eine ausländerfeindliche Politik, versucht mit allen Mitteln jeden Humanismus abzuwürgen und Flüchtlinge von der Insel zu jagen.

In der großen Tradition des Sklavenhandels im britischen Empire, verkauft Johnson Kriegsflüchtlinge nach Ruanda. Wer vor Bombenterror, Unterdrückung, Krieg oder homophober Verfolgung fliehen muss, wird zukünftig von London direkt in das „Shithole Country“ (Trump) in Zentralafrika weitergeleitet.

[…..] Menschenrechtler und Opposition zeigten sich empört über das "grausame und gemeine" Vorhaben. Kritiker werfen Johnson zudem vor, er wolle vor wichtigen Kommunalwahlen in England von der "Partygate"-Affäre in der Downing Street ablenken.  Migranten rund 6500 Kilometer weit weg nach Ostafrika zu schicken, "wird sie kaum davon abhalten, ins Land zu kommen, sondern nur zu mehr menschlichem Leid und Chaos führen", sagte Enver Solomon vom Flüchtlingsrat Refugee Council. Er schätzt die Kosten für die Steuerzahler auf 1,4 Milliarden Pfund (1,7 Milliarden Euro) pro Jahr. Auch das britische Rote Kreuz zeigte sich besorgt über die Pläne, "traumatisierte Menschen um die halbe Welt zu schicken". [….]

(Watson, 14.04.2022)

Höcke, Weidel und Storch sind sicher von so einer Politik begeistert. Aber jeder Mensch mit Anstand, wird sich angewidert von London abwenden.

[…] Die BBC nannte das Vorhaben ein "One-Way-Ticket" für einige Flüchtlinge. Medien zufolge sollen nur Männer nach Ruanda geschickt werden.  Kritiker betonen die schlechte Menschenrechtslage in dem Land, das seit 2000 von Präsident Paul Kagame autoritär regiert wird. Vor allem in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Infrastruktur wurden zwar große Fortschritte gemacht. Allerdings wird Kagame vorgeworfen, Dissidenten zu verfolgen und die Meinungsfreiheit zu unterdrücken.  […]

(Web.de, 14.04.2022)

Menschenrechte haben in der britischen Regierung ausgedient.

[…]  Man versetze sich kurz in die Rolle eines Asylbewerbers aus, sagen wir, Somalia: Erst quer durch die Sahara, von dort weiter Richtung Europa, dann über den Kanal nach England. In Dover warten dann plötzlich Grenzbeamte, die einen in den nächsten Flieger nach Ruanda setzen – ein zentralafrikanisches Land, dass die wenigsten Geflüchteten je vorher zu Gesicht bekommen haben dürften. Dort ist dann im Hostel »Hoffnung« Endstation. […]  Diesen neuen Deal haben am Donnerstag vor Ostern die britische Innenministerin Priti Patel und der ruandische Außenminister Vincent Biruta vorgestellt. […]   Mehr als 160 Nichtregierungsorganisationen bezeichneten den Deal in einem gemeinsamen offenen Brief als »beschämend grausam«, Amnesty International nennt ihn »den Höhepunkt der Verantwortungslosigkeit«. Experten und die Opposition bezweifeln zudem, dass ein solches Vorgehen juristisch Bestand haben wird, geschweige denn praktisch umzusetzen ist.  […]  Das nun unterzeichnete Abkommen lädt mal wieder die Hauptlast der Migrationsbewegungen im globalen Süden ab. Schon jetzt bleiben die meisten Geflüchteten aus Afrika auf dem Kontinent, fliehen innerhalb des eigenen Landes oder in Nachbarländer. In Europa kommt nur ein kleiner Bruchteil an. Gleichzeitig zahlen europäische Länder immer weniger Geld, um die Menschen in den Flüchtlingslagern in Afrika versorgen zu können, in vielen Camps mussten bereits Essensrationen gekürzt werden. So sieht die Solidarität bisher aus, und nun will Großbritannien noch mehr Migranten in den Süden schicken. […] 

(Heiner Hoffmann, 15.04.2022)

Samstag, 16. April 2022

Lieber im Dunklen bleiben

Unternehmen, denen Umsatz- und Bedeutungsverlust zu schaffen machen, versuchen üblicherweise alles, um Aufmerksamkeit zu erlangen.

Man muss wieder stattfinden. Es schlägt sie Stunde der Werbung und des Marketings.

Die Zeiten, in denen man einfach ein Plakat vor das Schaufenster stellte, sind vorbei. Von der Öffentlichkeit bemerkt zu werden, ist im Internetzeitalter mit Millionen Social-Media-Kanälen unberechenbar und kaum zu beherrschen.

Ich erinnere an den US-Präsidentschaftswahlkampf 2015/2016, als Trump nur einer von 17 GOP-Kandidaten war, aber nahezu die gesamte Medienaufmerksamkeit allein absorbierte. Die Nachrichtensender schenkten ihm kostenlose Sendezeit im Wert von mindestens zwei Milliarden Dollar.

Die anderen 16 rechten Kandidaten verfügten jeder einzelne auch über Millionen-Etats, PR-Strategen und Werbeprofis. Aber keiner schaffte es, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Trumps Ungeheuerlichkeiten und Lügen waren jedes Mal noch öffentlichkeitswirksamer.

CNN und eher liberale Sender hielten kontinuierlich ihre Kameras auf Trump, weil sie a) damit ihre Einschaltquoten und somit Werbeerlöse erhöhten und weil sie b) fest daran glaubten, Trump schade sich damit selbst am meisten. Schließlich würden die Amerikaner keinen offensichtlichen Rassisten, Lügner und Sexisten wählen.

Punkt a funktionierte, Punkt b war ein gewaltiger Irrtum.

Die christlichen Kirchen sind auch globale Unternehmen, die mit Bedeutungsverlust kämpfen. Ihre Kunden fliehen in Scharen. Noch ist der Cashflow außerordentlich gut, weil sie extrem langfristige Knebel-Lieferverträge mit den staatlichen Stelle geschlossen haben. Aber immer mehr Abonnenten kündigen ihre Mitgliedschaft und daher werden die monatlichen Abo-Einnahmen immer schmaler; belaufen sich auf bloß noch 13 Milliarden Euro jährlich in Deutschland. Das ist zwar noch recht ordentlich, wenn man bedenkt, daß die Kirchen dafür außer jenseitigen Versprechen gar nichts liefern. Aber allein VW erwirtschaftete im Coronajahr 2 trotz Chipkrise noch 15,4 Milliarden Euro.

Die Kirchen sind aber ein Sonderfall, denn über zu wenig Aufmerksamkeit können sie sich nicht beklagen. Gerade zu Ostern, ihrem höchsten Fest, liefern sie eine gewaltige Show ab, die von allen Zeitungen, Internetportalen und TV-Sendern kostenlos übertragen wird.

Die Aufmerksamkeit tut ihnen aber nicht gut. Für die Kirchen gilt tatsächlich, daß sie sich selbst am meisten schaden, wenn sie frei drauflosplappern.

Ihre Bischöfe sind allesamt berüchtigt dafür hanebüchenen Unsinn von sich zu geben.

Kardinal Schönborn, oberster Österreichischer Kleriker entblödet sich nicht, als Lösungsvorschlag zur Ukraine-Krise anzubieten, für Putins Bekehrung zu beten.

[….] Für Bekehrung Putins zu beten hat Sinn!

Die Kraft des Gebets hat Kardinal Christoph Schönborn im Osterinterview mit der Nachrichtenagentur Kathpress und den Medien der Erzdiözese Wien betont. Und er zeigte sich überzeugt, dass es Sinn mache, für die Bekehrung Wladimir Putins zu beten. (…) Kardinal: „Wenn wir Gott nicht gleichgültig sind, wenn es so etwas gibt, was die Bibel den Bund nennt, zwischen Gott und dem Menschen, dann ist es völlig normal in der Logik des Bundes, dass wir Gott etwas bitten können, wie Gott uns etwas bittet. Er bittet uns darum, dass wir seine Weisungen einhalten, weil er unser Leben will. Ja, und in diesem Sinne ist es absolut sinnvoll, auch für andere Menschen zu beten – warum nicht auch für Wladimir Putin? [….]

(ORF, 14.04.2022)

Na, das wird den Massakrierten von Butscha und Mariupol aber sicher helfen! Eine Knalleridee! Für solche Ratschläge zahlt man doch gern 9% Kirchensteuer!

Kardinal Woelki, der sympathische Metropolit von Köln, macht unterdessen Schlagzeilen mit seiner finanziellen Großzügigkeit. Also nicht allen gegenüber. Die von seinen Priestern sexuell missbrauchten Kinder müssen für ein zerstörtes Leben mit 5.000 Euro, also etwa einem Drittel seines Monatsgehaltes, als Schmerzensgeld auskommen.

Aber den Pädo-Tätern gegenüber zeigt der Mann mit den 20 Zähnen sein großes Herz.

[….] Das Erzbistum Köln steht einmal mehr in der Kritik. Es hat Schulden eines Priesters von einer halben Million Euro beglichen – aus einem Sondervermögen, das auch für Zahlungen an Opfer sexuellen Missbrauchs gedacht ist.  [….]

(SPON, 16.04.2022)

Der zölibatäre Mann hatte 1,15 Million Euro Spielschulden angehäuft. Da müssen die missbrauchten Kinder aber mal zurückstecken.

Zu allem Überfluss ist da auch noch Ex-Chef Ratzinger, der Ostern seinen 95sten Geburtstag erlebt und mehr denn je als Kinderfic**rförderer enttarnt dasteht.

Wenn dies alles Meldungen über GOP-Politiker in den USA wären, würde ihnen das vermutlich sogar noch bei den Wahlen helfen. Die QTrumpliKKKans sind inzwischen moralisch derartig verkommen, daß ihnen so etwas gefällt.

Wieso über 20 Millionen Deutsche in dem RKK-Verein zahlende Mitglieder bleiben, ist schwer zu verstehen, aber immerhin wenden sich mehr und mehr Menschen von dem Laden ab.