Montag, 28. März 2022

Merz erreicht sein Etappenziel - fast.

Gestern zeigte es das Saarland wieder; der CDU-Partei- und Fraktionsvorsitzende Friedrich Merz kann keine Wahlen gewinnen.

Dafür gibt es einige persönliche Gründe, wie seinen abstoßenden Charakter oder seine intellektuelle Dürftigkeit, aber auch externe Faktoren.

Auf Landes- und Bundesebene kommen ihm die anderen Parteien in die Quere und partei-intern sind es meistens Frauen, die ihn ausschalten. Erst nah ihm seine private Nemesis Angela Merkel alles weg – Fraktionsvorsitz, Parteivorsitz, Kanzlerkandidatur, Kanzleramt – und nach seiner 20-Jährigen Pause musste er sich gleich wieder einer Frau geschlagen geben: Annegret Kramp-Karrenbauer.

Später unterlag er auch noch Söder und Laschet und konnte sich nur doch noch an die Macht schieben, als die Union ein einziger Verliererclub war und alle seine Widersacher – Merkel, AKK, Altmaier, Laschet – freiwillig aus der Politik ausschieden.  Möglich machte es sein Versprechen, eine Frau als CDU-Generalsekretärin zu berufen. Ein Versprechen, das er sofort brach und mit Mario Czaja eine reichlich männlich geratene Frau an seine Seite holte.

Fritze Merz, der 1997 gegen die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe stimmte, weil er offenbar glaubte, es wäre das natürliche Recht eines Mannes, seine Gattin nach Belieben zu vergewaltigen, will eins nicht mehr erleben: Frauen in der eigenen Partei, die ihm womöglich noch widersprechen. Zum Vorbild nahm er sich den CDU-Landesverband seines erzkonservativen Fanboys Christoph Ploß.

In Hamburg sind schon lange Frauen aus sämtlichen Führungsebenen ausgeMERZt.

Hartnäckig halten die Hamburger Unionpolitiker an ihrer Doktrin fest, die Landespolitik strikt frauenfrei zu halten.  Hamburgs CDU-Chef Roland Heintze verfiel nun auf eine geniale Idee, wie er das Frauenproblem der Großstadt-Union lösen konnte:  Er verbannte einfach rigoros alle Frauen aus der Parteispitze und führt nun einen reinen CDU-Männerverband. Kein einziger Posten geht noch an Frauen; das gilt für alle sieben Kreischefs, alle sieben Fraktionsvorsitzenden in den Bezirken, die Landes- und die Bundesebene der Hamburger CDU!

Der Aufstand der Frauen in der CDU ist gescheitert: Auf den aussichtsreichen Listenplätzen für die Bundestagswahl tummeln sich nur Männer – ebenso wie in allen anderen Spitzenpositionen auf Bezirks- und Kreisebene! Landeschef Roland Heintze (43) scheint das wenig zu kümmern. Der Vorgang ist in Zeiten von Gleichberechtigung und Frauenquote einmalig: Da wird das ausdrückliche Parteienstatut, nach dem mindestens einer von drei Listenplätzen mit einer Frau besetzt werden soll, ignoriert. Da wird die darauffolgende heftige Kritik der Frauen als parteischädigend bewertet. Und da wird auf zukünftige Aufstellungsverfahren vertröstet. Die CDU in Hamburg hat ein echtes Frauenproblem. […]

(Mopo, 10.12.16)

CDU-Landesliste für die Bundestagswahl:
Platz 1) Marcus Weinberg

Platz 2) Rüdiger Kruse

Platz 3) Christoph de Vries

Platz 4) Christoph Ploß

CDU-Landesfraktionschef:
André Trepoll

CDU-Landeschef:
Roland Heintze

CDU-Kreischefs:

HH-Altona: Marcus Weinberg

HH-Eimsbüttlel: Rüdiger Kruse

HH-Mitte: Christoph de Vries

HH-Harburg: Ralf-Dieter Fischer

HH-Bergedorf: Dennis Gladiator

HH-Nord: Christoph Ploß

HH-Wandsbek: Karl-Heinz Warnholz

CDU Bezirksfraktionschefs:

HH-Altona: Uwe Szczesny

HH-Eimsbüttlel: Rüdiger Kuhn

HH-Mitte: Gunther Böttcher

HH-Harburg: Ralf-Dieter Fischer

HH-Bergedorf: Sven Nortzel

HH-Nord: Andreas Schott

HH-Wandsbek: Eckard Graage

Die Frauenquote wird in der CDU traditionell kritisch gesehen.  Aber wenn man auch noch im 21. Jahrhundert so konsequent in einer angeblichen Volkspartei alle Frauen von der Teilhabe ausschließt, sollte man vielleicht doch mal über eine verbindliche Quote nachdenken. (….)

(Wie es hier so läuft – Teil XII, 10.12.2016)

Recht so! Politik und Penis beginnen schließlich beide mit „P“ – also dürfen Menschen ohne Penis, diese denkschwachen Subhumanen, auch nicht in der CDU mitmachen.

So gefällt das der katholischen Kartoffel an der CDU-Bundesspitze.

[…] Am Samstag hat Julia Klöckner in Rheinland-Pfalz den Vorsitz an Christian Baldauf abgegeben. Damit führen in sämtlichen Bundesländern nun Männer die Union. Ihre verbliebenen Ministerpräsidenten heißen Daniel, Hendrik, Markus, Michael, Reiner sowie Volker (der bald an einen Boris abgibt), die Nachnamen deuten auf einen deutschen Hintergrund seit Urzeiten hin. Wenn sich daran nichts ändert, ist dies ein weiterer Faktor, der es der Union künftig sehr schwer machen wird.  […]

(Detlef Esslinger, 28.03.2022)

Alle 16 Landesvorsitzenden der CDU/CSU sind weiße Männer.

Der Bundesvorsitzende der CDU ist ein weißer Mann.

Alle sechs Unionsministerpräsidenten sind weiße Männer.

Alle drei stellvertretenden Ministerpräsidenten (Brd, BW, Nds) der CDU sind weiße Männer.

Alle 16 Generalsekretäre (Bund + 13 Landesgeneralsekretäre + 2 Landesgeschäftsführer; Amt in MeckPomm ist vakant) sind weiße Männer.

Aber Schande Merz: Die 18-Köpfige CDU/CSU-Franktionsvorsitzenden-Konferenz (16 Landesparlamentsfraktion + Bundestagsfraktion + EU-Fraktion) ist mit einem Makel behaftet. Hier gibt es nur 17 von 18 weißen Männern. Aber mit der Hessin Ines Claus hat sich eine blonde Person ohne Penis in die Männerrunde geschmuggelt! Sodom und Gomorrha!

Von den 60 Top-Führungspositionen in der CDU werden nur 59 von weißen Männern besetzt. Eine Männerquote von lediglich 98,3%!

Ein ziemlich schwaches Bild, Friedrich Merz!

Aber in elf Monaten wird in Hessen gewählt. Hoffen wir, daß spätestens dann die neue Landtagsfraktion in Wiesbaden ihren Fehler einsieht und einen Mann als Vorsitzenden wählt, so daß Merz auf eine makellose Quote von 100% Männern blicken kann. So muss sich eine moderne Partei aufstellen.

Christen sind ohnehin alle. Dann fehlen nur noch zur Sicherheit der vatikanische „Kotstuhl“, um die Hoden zu erstasten und natürlich ein orientalischer Homo-Test. Nicht daß sich noch ein heimlich Schwuler und Friedrichs 60 Männer mischt.

In einer christlichen Partei sollte man schon sicher gehen.

(…..) Das weiß doch jedes Kind, daß Penis und Hoden zum Denken unerlässlich sind - Frauen sind schließlich geistig minderwertig und daher ist es unbedingt notwendig insbesondere bei geistigen Führern sicher zu gehen, daß auch wirklich ein Penis da ist.  Um sich diesbezüglich keines Risikos auszusetzen, führten die Katholiken bei der Papstwahl ein ausgefeiltes Penisprüfverfahren ein; den Kotstuhl!

„Der nach unten hin offene Sedes stercoraria. Auf dem Möbel mit dem irreführenden Namen mußten die neugewählten Päpste Platz nehmen und sich dann vom jüngsten Mitglied des Kardinal-Kollegiums unter die Soutane greifen lassen - um sicherzustellen, daß es sich bei dem zukünftigen Pontifex wirklich um einen Mann handelte. Fand der Gottesmann, wonach er suchte, sprach er die Worte: „Habet testes“ (er hat Hoden).Worauf die Kardinäle antworteten: „Deo gratias“ (dem Herrn sei Dank).
Dabei wäre der skurrile Greiftest - den die katholische Kirche wider besseres Wissen und alle Beweise heute leugnet - bei den meisten Päpsten überflüssig gewesen. Denn fast alle hatten schon vor ihrer Wahl bewiesen, daß sie Testes-Träger waren.“

(Der Spiegel 11/97)

"Das Weib ist ein minderwertiges Wesen, das von Gott nicht nach seinem Ebenbilde geschaffen wurde. Es entspricht der natürlichen Ordnung, daß die Frauen den Männern dienen."
(Kirchenvater Augustinus, hl., 354-430)

Anderen Sekten, wie zum Beispiel den orthodoxen Christen, reicht noch nicht einmal die Tatsache überhaupt über männliche Genitalien zu verfügen - nein, sie müssen auch noch ausreichend groß sein - sonst ist’s Essig mit der Priesterlaufbahn.
Es kann dazu führen, daß armen kleinpimmeligen Menschen a priori der Weg zum Theologiestudium verwehrt bleibt.
So geschehen im Juli 1996 in Bukarest, als mehreren Männern das Kirchenstudium verwehrt blieb. Die Schule begründete die Ablehnung wie folgt:
Die Penisse der Kandidaten wären einfach zu klein und „in einer Pfarrersfamilie darf es nicht zu Scheidungen oder sonstigen Unannehmlichkeiten kommen“.

Klar - was könnte auch sonst ausschlaggebend sein für das Funktionieren einer Ehe außer der Penisgröße des Ehemannes!
Recht haben sie, die Rumänen!  Unter einer gewissen Mindestpenisgröße dürfte überhaupt nicht erlaubt sein zu heiraten.  Außerdem ist auf eine volle Funktionstüchtigkeit zu achten.

Als vorbildlich kann in dieser Hinsicht Bischof Lorenzo Chiarinelli in Viterbo angesehen werden:
Daß ein Paar sich liebt, zusammen leben möchte ohne laufend GV zu praktizieren, ist für Bischof Lorenzo Chiarinelli in Viterbo nicht nur NICHT vorstellbar, sondern sogar verwerflich.
Einem standesamtlich verheirateten Paar verweigerte der Bischof den kirchlichen Segen, da der Ehemann durch einen Unfall gelähmt und zeugungsunfähig geworden war:

"Kein Bischof, kein Priester kann eine Hochzeit zelebrieren,
wenn er weiß, dass eine Impotenz vorliegt".

Kirchliche Trauung nur mit Erektion!
Das Hauptaugenmerk der Oberkatholen in den bunten Kleidchen liegt dabei mal wieder auf dem Penis, von dem sie geradezu besessen sind. (…..)
(Vorstehende Probleme der EKD-Ratsvorsitzenden, 14.11.2009)

Sonntag, 27. März 2022

Feigling Merz läuft weg

Was für ein sagenhaft destruktiver und verkommener Charakter der völkische Populist und Verschwörungstheoretiker Oskar Lafontaine geworden ist, wird erst klar, wenn man sich ansieht, welche Fallhöhe er bewältigte.

1970-1975 Landtagsabgeordneter im Saarland

1976-1985 Oberbürgermeister Saarbrücken

1985-1998 Ministerpräsident, dreimal hintereinander mit absoluter SPD-Mehrheit gewählt.

1990 Kanzlerkandidat

1995 mit fulminanter Rede SPD-Bundesparteivorsitzender

1998 Bundesfinanzminister

Er war eloquent, intelligent und einer der ganz Großen in der deutschen Politik.  1999 beleidigt alles hinzuwerfen, war ein Schock, aber dramatisch wurde sein charakterlicher Verfall erst ein Jahr später, als er sich fürstlich von der rechtspopulistischen BILD bezahlen ließ, um systematisch seine ehemalige Partei SPD kaputt zu machen. Lafontaine tritt nicht nur einmal nach, sondern lebt seine Niedertracht über Jahre aus, um seinen ehemaligen Freunden maximal zu schaden.

2005 wechselte er zur WASG, wurde Bundestagsfraktionsvorsitzender und anschließend Parteivorsitzender der LINKEN, bevor sich das Muster wiederholte und er begann gegen seine Partei zu arbeiten.

Wieder konnte er sich nicht mit einem Bruch, einem Austritt abfinden, sondern stieß mit dämonischer Lust an der Zerstörung seine Partei in den Abgrund, indem er unmittelbar vor der Saarländischen Landtagswahl mit einem Knall die Partei verließ und die Saarländer aufforderte, keinesfalls die verkommene Linke zu wählen.  Dabei war der böse kleine Mann sehr erfolgreich.

Nach 12,8% (2017), 16,1% (2012) und 21,3% (2009) stürzte die Linke bei der heutigen Wahl im Saarland auf 2,6% in die Bedeutungslosigkeit.

[….] Landtagswahl: Linke fliegt aus Landtag – und verflucht Lafontaine: „Das war eine Schweinerei“ [….]

(Saarbrücker Zeitung, 27.03.2022)

Parteichefin Susanne Hennig-Wellsow ist verständlicherweise deprimiert, es sei  „wirklich bitter und ein Desaster“ und folgerte richtig: „Und es ist wie es ist: Man wählt keine zerstrittenen Parteien.“ Allzu viel Mitleid kann ich nicht aufbringen, nachdem ich seit Jahren vor dem destruktiven völkisch-braunen Paar Wagenknecht-Lafontaine warne und die LINKE schon bei der Bundestagswahl 2021 nur 4,9% erreichte, weil eine Partei mit Wagenknecht nun einmal für echte Linke nicht wählbar ist. Allein, die Parteiführung wollte es nicht hören, eierte rum, trug den Putin-freundlichen und AfD-affinen Kurs des Saarländer Ehepaars mit. Nun also die nächste riesige Klatsche. Wer nicht hören will, muss fühlen.

Der Rest des Abends ist schnell erzählt. Es ist eine seit Jahrzehnten manifestierte Besonderheit des kleinsten Flächenlandes, daß alle kleinen Parteien zutiefst korrupt, zerstritten und nicht regierungsfähig sind.

Die Jamaika-Koalition von 2009 musste Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer 2012 vorzeitig beenden, weil die FDP in einen hysterischen Kindergartenmodus verfallen war.

Mit dem konservativen CDU-Freund Hubert Ulrich, 2002 bis 2017 Vorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen Saarland, hielt sich die Partei 15 Jahre lang einen dreisten Mauschler als Chef. 1999 hatte er mit Behördenrabatt mehrere Limousinen gekauft, sie privat weiter vertickt und den Gewinn eingesackt. 2009 galt es, sich zwischen Jamaika und RRG zu entscheiden. Beim Landesparteitag am 11. Oktober 2009 stimmt Ulrich gegen ein Rot-Rot-Grünes Bündnis und für die FDP-CDU-Variante, nachdem er eine private 47.500 €-Spende vom FDP-Kreisvorsitzenden Hartmut Ostermann angenommen hatte.

Die Grünen behielten Ulrich weitere acht Jahre als Parteichef und endeten 2021 derartig im Chaos, daß sie nicht zur Bundestagswahl antreten durften.

[….] Vorangegangen war eine Posse des Grünen-Granden Hubert Ulrich, der zur Bundestagswahl sein politisches Comeback starten wollte. Zuvor hatte der Landesverband beim Parteitag in Saarbrücken die Spitzenkandidatin Tina Schöpfer demontiert und in drei Wahlgängen als Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl durchfallen lassen. Der Spitzenplatz sollte nach dem strengen Quorum einer Frau zufallen, Ulrich griff dennoch zu und wurde per einstweiliger Anordnung am Wahlantritt gehindert.  Wie groß der grüne Scherbenhaufen ist, den das neu formierte „grüne Bündnis Saar“ mit weitgehend unbekannten Kandidat:innen nun zusammenfegen muss, zeigen die Schlagzeilen, den die Grünen bis kurz vor der Wahl produzierten. Der Ex-Vorsitzende Ulrich warnte vor der Wahl seiner Partei. Der 64-Jährige bezeichnete diese öffentlich als nicht koalitionsfähig. [….] Und als Tiefschlag kam hinzu, dass auch der langjährige Grünen-Landeschef Ralph Rouget seinen Parteiaustritt und die Abgabe aller Ämter und Mandate bekanntgab.  [….]

(FR, 27.03.2022)

Heute bei der Landtagswahl in Saarbrücken erhielt die FDP 4,8% und die Grünen landeten bei 4,995%. Nur die ebenfalls hoffnungslos zerstrittene AfD schaffte es mit 5,7% knapp in den Landtag.

Damit gingen fast 23% der Stimmen an Parteien, die unter der 5%-Hürde blieben.

Das heißt umgekehrt, daß SPD-Chefin Anke Rehlinger, die 14 Prozentpunkte gewann und bei 43,5% landete, eine deutliche Sitzmehrheit von 29 Mandaten haben wird – die absolute Mehrheit liegt bei 26.

 Die Diskuswerferin, Kugelstoßerin, Mutter, Katholikin, Anwältin, SPD-Bundesvizevorsitzende, mehrfache Landesministerin und Stellvertreterin war de facto die einzige Wahl. Das Chaos bei den Kleinen und die unterirdische Performance des Hobbypopulisten Tobias Hans, der als Wurmfortsatz von Markus Söder jeden Corona-Hakenschlag aus Bayern kopierte, ließen viele Saarländer die SPD ankreuzen.  Hans gab mehr als 12 Prozentpunkte ab und schlug mit 28,5% beim schlechtesten CDU-Ergebnis seit über 60 Jahren auf.

Ob eine Landtagswahl aus rein landespolitischen Gründen entschieden wird, oder ob die Parteien im Bund eine große Rolle spielen, beurteilen Sieger und Verlierer naturgemäß unterschiedlich. Vom Sieg wollen alle etwas abhaben, vom Verlierer distanziert man sich. Eine Mitschuld der Bundespartei an einer Landesniederlage gibt man zwar nie gern zu, aber das Maß an fehlender Solidarität des Vorsitzenden Friedrich Merz ist durchaus bemerkenswert. Der Mann ist sich selbst der nächste. Obwohl er sicherlich weniger zu hat, als der Bundeskanzler oder Vizekanzler, erschien er noch nicht einmal zur CDU-Wahlkampf-Schlußkundgebung, während Scholz, Habeck und Baerbock ihre Leute an der Saar auch persönlich unterstützten.

Merz hatte zuletzt vermehrt bewiesen, wie unseriös und gefährlich er agiert. Zuvor war er mehr mit seiner erstaunlichen generellen Unkenntnis aufgefallen.

Heute erinnert er hingegen mal wieder an seine eigentliche Kernkompetenz: Wahlen verlieren! Als Sozi freut es mich natürlich zu sehen, wie Merz in dieser Hinsicht auch bei seiner ersten Landtagswahl als CDU-Chef brilliert.

Anders als Armin Laschet, der sich immerhin bemühte, aber krachend verlor, weil er dämlicher als Olaf Scholz ist, beläßt es Merz nicht bei inhaltlicher Unklarheit – zwei Drittel der Wähler können nicht sagen, wofür die CDU steht – sondern gibt sich dabei auch noch maximal unsympathisch, indem er alle in der Partei wissen lässt, daß er sie eiskalt am ausgestreckten Arm verhungern lassen wird, bevor er einen persönlichen Einsatz riskiert.

Merz macht nicht nur einen Bogen um das Saarland, sondern hält sich heute auch aus Berlin fern. Seine Partei führen oder gar trösten will er demonstrativ nicht. Merz denkt nur an Merz.

[….] So still war es im Konrad-Adenauer-Haus an einem Wahlabend wohl selten, selbst an den schlechten Tagen nicht. Es war schlichtweg leer. Der Parteichef Friedrich Merz verweilte in seiner Heimat - keine Interviews zur Saarland-Wahl.  Nicht mal eine handvoll Mitglieder aus Präsidium und Bundesvorstand waren anwesend. Eine Niederlage mit Ansage wollten oder sollten heute nur zwei erklären, der neue Generalsekretär Mario Czaja und der neue stellvertretende Bundesvorsitzende Andreas Jung. [….] Dieses Wahldebakel kommt dem frisch gewählten CDU-Chef ungelegen. Merz war zuletzt nicht mal mehr ins Saarland gereist, um noch einmal mit Verve für den Ministerpräsidenten zu werben. [….] Im Adenauer-Haus suchte man schnell Distanz, so schnell wie selten vor einer Landtagswahl. Der Schuldige stand öffentlich schon fest, bevor er überhaupt verlieren konnte. [….] Die Bundes-CDU hat sich um das "schwarze Schaf" zuletzt auch nicht sonderlich bemüht. Dass es irgendwie nicht rund läuft, war schon bei der Bundesvorstandsklausur in Saarbrücken zu spüren. [….] Am Ende war es eine Parteiveranstaltung mit Reden von Hans und Merz, wo nicht einmal mehr der Wahlkampfmotor, die Junge Union, Lust hatte zu klatschen. Die eigens angefertigten Handschilder mit der Aufschrift "Hans wählen" blieben auf den Stühlen liegen. Ein Sinnbild für einen vermurksten Wahlkampf. [….]   

(Tagesschau, 27.03.2022)

Für Olaf Scholz, den einzigen aktiven SPD-Politiker, der sogar zweimal ein besseres Landtagswahlergebnis als Rehlinger holte, sind das gute Nachrichten.

Der Bundestagswahlgewinner, bricht mit dem Trend, daß die Kanzlerpartei die nächste Landtagswahl verliert. Er kann sich in einer Multi-Megakrise auf die Geschlossenheit seiner SPD verlassen. Saskia Esken ist zwar wie üblich überflüssig, aber das Duo aus dem rechten Seeheimer Parteichef Klingbeil und die linken ehemaligen Juso-Mann Kühnert als Generalsekretär funktioniert perfekt.

Das ist umso deutlicher, als der entsprechende Partei-interne Spagat aus dem rechten Vorsitzenden Merz und dem für CDU-Verhältnisse „eher linken“ Generalsekretär Mario Czaja gar nicht funktioniert.

Czaja hatte den größten anzunehmenden Anfängerfehler begangen, indem er schon vor zwei Wochen aus den Gremiensitzungen durchsickern ließ, Tobias Hans habe keine Chance bei der Landtagswahl und daher werde man Schadensbegrenzung betreiben, um sich auch noch die Bundespartei zu beschädigen. Die Bundespartei gab die Wahl also schon öffentlich verloren, als sich Hans noch abmühte.

Das ist erstens unprofessionell, zweitens unsympathisch, drittens der Sargnagel für den Landeswahlkampf und viertens ein deutliches Signal an zukünftige Landeswahlkämpfer: Der Bundesfriedrich wird euch gnadenlos in den Rücken fallen, wenn ihr ihm nicht nützt. Für Zwietracht innerhalb der CDU ist der Grundstein gelegt.

Die CDU ist nun wieder eine rein männliche Kartoffel-Partei; insofern passt ihr unsolidarischer Bundeschef aus dem letzten Jahrtausend gut dazu.

Zukunftsfähig ist sie natürlich nicht.

[…] Am Samstag hat Julia Klöckner in Rheinland-Pfalz den Vorsitz an Christian Baldauf abgegeben. Damit führen in sämtlichen Bundesländern nun Männer die Union. Ihre verbliebenen Ministerpräsidenten heißen Daniel, Hendrik, Markus, Michael, Reiner sowie Volker (der bald an einen Boris abgibt), die Nachnamen deuten auf einen deutschen Hintergrund seit Urzeiten hin. Wenn sich daran nichts ändert, ist dies ein weiterer Faktor, der es der Union künftig sehr schwer machen wird.  […]

(Detlef Esslinger, 28.03.2022)

Die SPD hingegen ist divers. Unter ihren acht Ministerpräsidenten sind vier Frauen.

Samstag, 26. März 2022

Breites Expertentum

Daß in Deutschland 80 Millionen Fußballbundestrainer und nicht zum Beispiel Schach-Experten leben, hat mich nie sehr verwundert. Fußball ist ein primitiver Sport mit einfachen Regeln und simpler Zählweise. Meist reicht es, die Zahlen bis 3 zu kennen; in Ausnahmefällen auch mal bis 5.  Da ist die Tennis-Zählung schon erheblich komplizierter, aber immer noch begreifbar im Vergleich zur Punkteverteilung im Eiskunstlauf.

Verblüffter war ich schon, als im Jahr 2020 alle Deutschen zu Hobby-Virologen wurden und trotz offensichtlicher völliger Ahnungslosigkeit, epidemiologische Weisheiten über das Immunsystem verbreiteten.

Ich habe unter anderem Biochemie und organische Chemie studiert. Dabei habe ich allerlei Einblicke in Immunreaktionen bekommen, weiß wie Immunglobuline aufgebaut sind oder wie im Körper DNA- und Protein-Stränge gebildet werden. Niemals käme ich allerdings auf die Idee, mich für einen Mediziner oder gar Virologen zu halten, weil das hochkomplexe Fachgebiete sind, in die ich nur einen ganz kurzen Blick erheischte. Wenn mir ein Klempner ohne Maske erklärt, er stärke sein Immunsystem, indem er sich nicht impfen lasse, weiß ich aber zwei Dinge: Er redet Unsinn und er verbreitet diesen Unsinn aus einer gewissen Dunning-Kruger-Selbstvergewisserung, da er offensichtlich nicht mal ansatzweise erahnt, wie die Zusammenhänge wirklich sind.

Seit einem Monat sind die 80 Millionen autodidaktischen deutschen Epidemiologen zu Militärexperten und Psychoanalytikern und auch noch Geostrategen mutiert.

Sie wissen auf einmal ganz genau mit welchen Waffen und welchen Strategien Putins Truppen besiegt werden könnten, werfen ungeniert mit Begriffen wie „Flugverbotszone“, „Lufthoheit“ oder „Nato-Fluchtkorridor“ um sich. Sie haben zudem nach 22 Jahren des Wegsehens ganz plötzlich per Telediagnose Wladimir Putins Geisteszustand analysiert und wissen welche langfristige Militärstrategie er sich ausgedacht hat.

 Von Fußball verstehe ich nichts, von Immunologie ein winziges bißchen, von Geostrategie vielleicht auch ein winziges bißchen. Ich weiß aber sicher nicht, was in Putins Kopf vorgeht und habe mich noch keine Sekunde für einen Militärexperten gehalten.

Ja, ich teile Klaus von Dohnanyis‘ und Gerd Schröders Meinung, daß „der Westen“ in den letzten 20 Jahren heftige strategische Fehler im Umgang mit Russland beging. Wie Dohnanyi rechtfertige oder verteidige ich damit nicht Putin.

Ich habe den Kriegsbeginn am 24.02.2022 live auf CNN verfolgt, während alle deutschen Sender noch schliefen und trotz der vor meinen Augen stattfindenden Raketeneinschlägen, nicht glauben können, daß Russland da gerade einen großen Krieg beginnt. Ich hatte Putin das Vorgehen nicht zugetraut. A posteriori wirkt es naiv, weil im Rückblick tatsächlich einiges auf dem Krieg hinwies. Aber wer stellt sich schon wirklich eine Katastrophe vor, bevor sie eintritt? Wenn das irgendjemand geahnt hätte, wäre die deutsche Bundeswehr nicht 16 Jahre lang unter Angela Merkel zu einem einzigen Schrotthaufen verkommen.

Am 26. Februar 1993 fand ein schwerer Bombenanschlag islamistischer Terroristen auf das New Yorker World Trade Center statt. Mit 700 kg Sprengstoff in der Tiefgarage des Nordturms wurde ein 30 Meter großes Loch in vier Untergeschosse gerissen und weitere sieben Stockwerke wurden schwer beschädigt. Sechs Menschen starben. Das Szenario war also bekannt. Aber am 11.09.2001 war die ganze Welt vereint im Schockzustand über den zweiten Anschlag. Damit hatte niemand gerechnet.

Warum eigentlich nicht?

Als Militär-Laie hatte ich die Kräfteverhältnisse zwischen Russland und der Ukraine falsch eingeschätzt, erwartete nach dem ersten Schock vom 24.02.2022 einen schnellen vollständigen Sieg Putins. Was sollten die Ukrainer dieser Übermacht schon entgegenhalten? Auch dabei handelte es sich offensichtlich um einen Irrtum. Eine Fehleinschätzung, der ich wie fast alle anderen Europäer anheimfiel. A posteriori erscheint auch dieser große Fehler umso erstaunlicher, weil man nun die früheren Hinweise anders gewichtet.

Militärische Operationen sind offenbar hochkomplex. Die US-amerikanischen Generäle, die totale Eroberungen von Vietnam 1965, Irak 1991, Afghanistan 2001 und dem Irak 2003 planten, waren im Gegensatz zu mir Experten und haben sich doch allesamt total geirrt.

Nichts davon klappte, in allen vier Fällen gab es Millionen Tote und irgendwann musste sich die USA geschmäht und geschlagen zurückziehen.

Die veröffentlichte Meinung und ich auch, haben also vor dem 24.02.2022 Putins Rationalität, seine Skrupel und die Schlagkraft der russischen Armee völlig falsch eingeschätzt.

In den letzten beiden Wochen schlägt aber das Pendel in die andere Richtung aus. Nun halten wir alle Wladimir Putin für völlig verrückt. Ein Irrer, mit dem man nicht verhandeln kann, der laut Joe Biden von heute, einfach verschwinden muss.  Die russische Armee hingegen wird nun als marode und von völlig unfähigen Generälen kommandiert, angesehen. Wir können diese angebliche Schwäche zwar genauso wenig beurteilen wie die angebliche Stärke vor einem Monat, sind uns aber wieder verdammt sicher.

Die bellizistische Fraktion, die so gerne mit voller NATO-Power in der Ukraine eingreifen will, weil Putin nur Stärke verstünde, mit unserer Angst spiele und nach der Ukraine ganz Europa unterjochen wolle, stören sich nicht an ihren paradoxen Prämissen.

Wenn Putin völlig verrückt ist, kann man nicht auf vernünftige Reaktionen angesichts einer NATO-Intervention setzen.

Und wenn seine Armee ohnehin nur ein rollendes Potemkinsches Dorf mit verblödeter Generalität ist, die schon in der Ukraine in Lyse verfällt, muss man offensichtlich nicht befürchten, sie könnte bis Frankreich durchmarschieren.

Ich wünschte, wir könnten alle unserer Pseudo-Expertentum abrüsten.

Wir sollten bei der Corona-Bekämpfung nicht auf die Gefühlslage der totalen Medizin-Laien Kubicki und Lindner setzen, sondern auf Lauterbach und Drosten hören.

Wir sollten bei der Beurteilung der militärischen Lage in der Ukraine nicht glauben, den Ausgang prophezeien zu können, weil wir als Kinder das Brettspiel „Risiko“ (von 1957!) gespielt haben.

Militärexperte Phillips Payson O'Brien weiß, daß Putins Armee schon kurz vor der totalen Kapitulation steht.

[….] SPIEGEL: Wie lange wird es dauern, bis die russischen Truppen kampfunfähig sind, wenn die Verlustrate so hoch bleibt?

O'Brien: Das könnte ziemlich bald der Fall sein. Die Faustregel ist, dass eine Armee kampfunfähig wird, sobald sie mehr als 30 Prozent Verluste erlitten hat. Dann sinkt die Kampfeffizienz normalerweise ziemlich stark. Bei der russischen Armee könnte das aber auch schon früher passieren. Denn sie scheint nicht besonders motiviert und überzeugt vom eigenen Einsatz zu sein. Nach allem, was wir wissen, könnte es bereits jetzt Anzeichen für Kampfunfähigkeit geben. [….]

(SPON, 25.03.2022)

Militärhistoriker Sönke Neitzel erscheint mir sympathisch, weil er beispielsweise sagt, er könne die Bewegungsfähigkeit der russischen Truppen nicht beurteilen und daß es ihn auch überrascht habe, wie schlecht der russische Großangriff geplant war. Einen baldigen Sieg der Ukraine hält er aber für nicht denkbar.

[…..] Neitzel: Allerdings ist keine Streitmacht der Welt wirklich auf einen Krieg vorbereitet. Es laufen immer Dinge schief. Wenn ich der Angreifer bin, muss ich koordinieren, das ist hochkomplex. Man sieht, dass die Russen damit Probleme haben.

SZ: Ein anderes Szenario, über das viel gesprochen wird, ist der Einsatz von Chemiewaffen. Denken Sie, dass Putin zu diesem Mittel greifen wird?

Neitzel: Putin und seine Generäle wollen den Krieg gewinnen, und für sie stellt sich die Frage, was ist dazu militärisch notwendig. Der Druck wird steigen, und ich kann mir schon vorstellen, dass Putin in begrenzter Form in Mariupol Chemiewaffen einsetzt, um die Bevölkerung in Panik zu versetzen und die Ukraine zur Kapitulation zu zwingen.

SZ: Könnte Putin solche Waffen auch einsetzen, um die Nato zu provozieren?

Neitzel: Rational betrachtet kann Putin kein Interesse haben, die Nato irgendwie zu involvieren. Er hat schon genug Schwierigkeiten mit der Ukraine. Er weiß, dass die Nato nicht den großen Krieg führen will und viele Staaten dazu auch gar nicht in der Lage sind, am wenigsten die Deutschen. Putins Ausrichtung wird sein, den Krieg in der Ukraine zu gewinnen. Und dabei ist es ja interessant, dass er bisher eben keine Chemiewaffen eingesetzt hat. Auch jetzt wird noch nicht die volle Macht der Luftwaffe eingesetzt. Russland hat viel mehr Feuerkraft in der Hinterhand. Putin ist noch nicht "All In" gegangen.

SZ: Das spricht ja für eine größere Rationalität auf der russischen Seite, als man vermutet.

Neitzel: Rationalität gibt es auf jeden Fall. Man sollte Putin nicht für verrückt erklären. Er folgt nicht unserer Logik sondern seiner. Wir gehen ja immer davon aus, es gebe keine militärische Lösung eines Konflikts. Doch, die gibt es. Das ist eine der ganz großen Illusionen der deutschen Politik. Putin wird versuchen, diesen Konflikt militärisch zu lösen. Für uns ist das ein Verbrechen, für Putin nicht.  [….]

(SZ-Interview, 25.03.2022)

Als Laie kann ich nicht sicher sagen, ob Neitzel oder O'Brien Recht haben.

Aber den Hobbypsychoanalytikern sei gesagt: Wenn Putin tatsächlich vollkommen verrückt ist, können wir uns Säbelrasseln und jede militärische Unterstützung für Kiew sparen, denn dann wird er nicht ruhig und sachlich eine Niederlage akzeptieren, einsehen daß er schwach ist, sondern doch noch die A-, B- und C-Waffen zücken. Das wäre das Ende der Menschheit, also ein Szenario, welches zu durchdenken, höchst unnütz ist.

Den 80 Millionen Hobby-Experten in Deutschland empfehle ich, sich lieber die Ansichten von Fachleuten anzuhören, zu lesen und nicht zu glauben, man könne das selbst alles viel besser beurteilen.

Konzentriert Euch lieber wieder auf Fußball.

Freitag, 25. März 2022

Die Sauerländer Blitzbirne

Übermorgen gibt es im Saarland vermutlich ordentlich was auf die Mütze für den CDU-Partei- und Fraktionschef Merz.

Und in einer außenpolitischen Megakrise fällt es der Opposition ohnehin schwer wahrgenommen zu werden.  Aber die nach Merkel desorientierte Union, tat gut daran, auf den alternden Blackrock-Millionär mit der Frauen- und Homophobie zu setzen.

Merz ist da an zwei Sachen dran, die nun die ganz großen CDU-Säue werden sollen, die er durch das Dorf Berlin jagen will.

Da nach aktuellen Forsa-Zahlen, vier Rotgrüne ganz vorn im Politikerranking stehen und Annalena Baerbock den größten Sprung nach vorn machte, kann Fritze Merz nicht ruhig bleiben.

Aus seiner Sicht ist es unerhört, daß sie so viel beliebter als er selbst ist. Wie kann das eigentlich angehen? Sie ist fast 30 Jahre jünger und hat noch nicht mal einen Penis. Einen Erzkonservativen wie Merz, der seine besten Tage im letzten Jahrtausend hatte, triggert das enorm und so wollte er das Mädchen gleich mal mal als großer Pascha einnorden.

[…] Friedrich Merz forderte als Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Fraktion und Oppositionsführer, dass das von Bundeskanzler Olaf Scholz angekündigte Sondervermögen von 100 Milliarden Euro ausschließlich für die Bundeswehr verwendet würde und nicht für eine "feministische Außenpolitik".  [….]

(STERN, 24.03.2022)

Man sieht es regelrecht vor sich, wie im staubigen Merz-Gehirn die Begriffe einsortiert werden. Feminismus, Frau, Grün kommt in die Ablage „Schlecht, mag ich nicht!“.  In die Schublade „Gut, mag ich!“ konnotiert er hingegen Bundeswehr, Soldaten, Mann, Rüstung ein.

Und so sollte es auch maximal herabwürdigend wirken, wenn Merz Baerbock erst gar nicht persönlich anspricht, sondern direkt zu ihrem (männlichen) Boss geht. Der möge bitte dafür sorgen, daß Annalenas Kindereien ignoriert werden, wenn es um echte Kerl-Politik gehe.

[….] Baerbock will das so nicht stehen lassen. Sie sagt Bundeswehr und eine feministische Außenpolitik - da gibt es gar keine Gegensätze: "Mir bricht es das Herz und wissen Sie warum? Weil ich vor einer Woche bei den Müttern von Srebrenica war und die mir beschrieben haben, wie die Spuren dieses Krieges in ihnen drin sind. Und diese Mütter haben gesagt, Frau Baerbock, damals wurde nicht gehandelt, Anfang der 90er-Jahre, als sie, als ihre Töchter, als ihre Freundinnen vergewaltigt worden sind, Vergewaltigung als Kriegswaffe nicht anerkannt war, nicht vom internationalen Strafgerichtshof verfolgt wurde. Und deshalb gehört zu einer Sicherheitspolitik des 21. Jahrhunderts auch eine feministische Sichtweise. Das ist kein Gedöns, sondern das ist auf der Höhe dieser Zeit."

Zum Hintergrund: Diese Frauen wurden 1995, also zurzeit der Balkankriege, von serbisch-bosnischen Truppen vergewaltigt. Und für dieses Statement wird Annalena Baerbock gerade im Netz gefeiert. Denn mit ihrer Meinung, dass es heutzutage eine feministische Außenpolitik braucht, steht sie nicht alleine da.  […..]

(NDR, 24.03.2022)

Vergewaltigung als Kriegswaffe? Fritze Merz, der 1997 gegen die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe stimmte, weil er offenbar glaubte, es wäre das natürliche Recht eines Mannes, seine Gattin nach Belieben zu vergewaltigen, versteht offensichtlich nicht wovon Baerbock spricht. Was soll denn schlecht daran sein, wenn bosnische Soldaten  Frauen vergewaltigen?

Allerdings ist er angesichts des 100-Milliarden-Sondervermögens für die Bundeswehr, schon einem weiteren Skandal auf der Spur, den er genüsslich der Ampel-Regierung vorhält: Das total dysfunktionale Beschaffungswesen der Bundeswehr, welches trotz immer höherer Verteidigungsetat dafür sorgte, daß es der Wehrma, äh Bundeswehr am Nötigsten fehlt. 2015 wurde beispielsweise die Untauglichkeit des schief schießenden G36-Gewehrs festgestellt. Bis 2019 sollte die gesamte Armee mit neuen Schießeisen ausgestattet sein. Drei Jahre nach dem Termin, 2022, und sieben Jahre nach dem Beschluss, die alten minderwertigen Knarren auszutauschen, ist noch rein gar nichts passiert, Niemand weiß, welches Gewehr angeschafft werden soll. Daher ist auch kein Einziges bisher ausgeliefert worden.

‚Skandal‘ wittert Merz nun und attackiert die Versager, die dafür verantwortlich waren.

Da ist an oberster Stelle sie berüchtigte SPD-Regierungschefin Merkel zu nennen, die von 2005 bis 2021 zuständig war.

In diesen 16 Jahren wäre die Bundeswehr chronisch unterfinanziert gewesen. Deswegen wären die 100 Milliarden eigentlich auch zu wenig, um die Truppe wieder aufzupeppen, also dürfe kein Cent für Gedöns wie „Vergewaltigung-als-Kriegswaffe“-Prävention oder Cyberabwehr verschwendet werden. Gleichzeitig wären die 100 Milliarden Euro aber auch zu viel, weil die Ampel damit unsolide haushalte, ätzte der CDU-Boss.

[….] Man mag von Friedrich Merz halten, was man will – für die Debattenkultur im Bundestag ist er ein Geschenk. In der Generaldebatte fiel der Unionschef spontan über die FDP her. Merz herrschte die FDP-Politikerin Agnes Strack-Zimmermann an, sie solle sich gefälligst mit Zwischenrufen zurückhalten. Sonst „diskreditiere sie sich als Vorsitzende des Verteidigungsausschusses“. Warum sachlich, wenn es auch persönlich geht?  Zwischen Union und FDP fliegen die Fetzen, die Gereiztheit im früheren bürgerlichen Lager ist hoch. Kein Unionsredner versäumt es, FDP-Finanzminister Lindner unter die Nase zu reiben, dass dessen so solider Haushalt mittlerweile aus vier Etats besteht. Dem Bundeshalt, den 100 Milliarden Euro Sondervermögen Bundeswehr, den 60 Milliarden Euro Kreditermächtigungen, die aus der Coronahilfe umgebucht wurden, und dem Nachtragshaushalt, der demnächst kommt. Die FDPler konterten süffisant, dass die miese Lage der Bundeswehr vielleicht auch mit 16 Jahren unionsgeführtem Verteidigungsministerium zu tun haben könnte. Mit Merz steigt das Polemik- und Unterhaltungsniveau im Parlament jedenfalls erheblich. [….]

(Stefan Reinecke, 23.03.2022)

Natürlich dürfe das Geld nicht einfach ausgegeben werden, sondern als Bedingung für seine Zustimmung, verlangte Merz auch noch eine Neuordnung des Bundeswehrbeschaffungswesens, welches die katastrophalen Amtsvorgänger Lambrechts total talibanisierten – alles berüchtigte Sozialisten:
Franz Josef Jung, SPD, Nov 2005 – Okt 2009, Karl-Theodor zu Guttenberg, SPD, Okt 2009 - März 2011, Thomas de Maizière, SPD, März 2011 – Dez 2013, Ursula von der Leyen, SPD, Dez 2013 - Juli 2019, Annegret Kramp-Karrenbauer, SPD, Juli 2019 – Dez 2021. Ungeheuerliche Versager in Merz‘ Augen. Da müsse die SPD schon selbst aufräumen, taktierte Merz sich in unverantwortliche Höhen und erklärte, nur so viele Unionsabgeordnete würden für das Sondervermögen stimmen, daß alle Ampel-Abgeordneten „Ja“ sagen müssten, sonst kein Geld für die Bundeswehr.

[….] Die Intention ist klar: Merz will die Unstimmigkeiten in der Ampel offenlegen. Doch er hat nicht bedacht, was seine Ankündigung in der Praxis bedeutet. Wie will er die Unionsabgeordneten auswählen, die an der Abstimmung teilnehmen dürfen? Wie will Merz das mit dem freien Mandat vereinbaren? Und was passiert, wenn die Grundgesetzänderung wegen seiner Taktik scheitert? Die CDU nennt sich gerne Partei der Bundeswehr - ausgerechnet sie wäre dann mitverantwortlich dafür, dass das Sondervermögen Bundeswehr scheitert.  […..]

(Robert Rossmann, 23.03.2022)

Na schön, es ist verfassungswidrig, den CDUCSU-Abgeordneten einzeln vorzuschreiben, wer mit Ja und wer mit Nein zu stimmen habe. Aber für viele Unioniken gilt schon immer „legal, illegal, scheißegal“ (Maskendeals!). Die gesamte CSU stimmte gegen das deutsche Grundgesetz.

[…] Sind dies die Spielchen, mit denen Merz die Union nach den Merkel-Jahren – in die die maßgeblichen sicherheitspolitischen Fehl- bzw. Nichtentscheidungen der Vergangenheit fielen – wieder kanzlerfähig machen will? In der Zeit der größten sicherheitspolitischen Krise Europas seit dem Ende des Kalten Krieges? Wenn der Oppositionschef so mit der Regierung umzuspringen zu können glaubt, dann freut man sich schon auf seine „klare Kante“ (Friedrich Merz) gegenüber der AfD.   [….]

(Prof. Dr. Michael Koß ist Professor für Politisches System, 23.03.2022)

Aber woher soll einer mit dem beruflichen Hintergrund eines Friedrich Merz schon etwas von Jura verstehen?

Und wen interessiert überhaupt das Recht, wenn man so wunderbar parteipolitische Spielchen machen kann, mit denen man am Ende womöglich einen sehr glücklich macht: Wladimir Putin.

[…..] Friedrich Merz: Gerissen, aber leider auch verantwortungslos

Clever oder verantwortungslos? […..] Sind diese Spielchen der Lage wirklich angemessen? Man stelle sich vor, das Bundeswehr-Paket würde am Ende scheitern, was auch ein Scheitern der ganzen Regierung bedeuten könnte. Es wäre das wohl größte außenpolitische Fiasko in der Geschichte der Bundesrepublik. Wir würden in der Wahrnehmung unserer Verbündeten tatsächlich auf das Niveau einer Bananenrepublik herabsinken. Vom Lachanfall Putins gar nicht erst zu reden. [….]

(Christian Burmeister, 24.03.2022)

Donnerstag, 24. März 2022

Kriegsansichten

So einen Krieg kann man gut und richtig finden. Vielleicht, weil man sadistisch veranlagt ist, weil man Aktienpakete von Rüstungsunternehmen besitzt oder weil man als Nationalist, eine andere Nation grundsätzlich hasst.

So einen Krieg kann schlecht und richtig finden. Vielleicht, weil man mitfühlend veranlagt ist, das Morden und die Zerstörungen ablehnt, aber nur so noch viel größeres Unheil abwenden kann. Der Eintritt der USA in den zweiten Weltkrieg war so ein Fall.

So einen Krieg kann schlecht und falsch finden. Wie zum Beispiel die völkerrechtswidrigen US-Angriffskriege auf die Philippinen ab 1899, auf Vietnam ab 1965, auf den Irak 1991 und 2003. Oder der deutsche Angriff auf Polen 1939. Das war abscheulich, brutal und führte jeweils zu Millionen Toten.

Typisch für Kriege ist, daß unterschiedliche Nationen den Krieg anders beurteilen, daß aber auch eine Nation innerhalb von ein paar Jahren die Meinung fundamental ändert.

Die Kriegsbegeisterung der Deutschen war 1914 enorm. Voller Freunde meldeten sich alle freiwillig und zogen los. 1917/18 fanden sie den Weltkrieg allerdings nicht mehr ganz so toll.

Die deutsche Kriegsbegeisterung 1939 war weniger ausgeprägt als 1914, weil noch so viele Menschen lebten, die sich erinnerten, in welcher Katastrophe es endete. Als im Juni/Juli 1940 auch Frankreich besiegt war, Mitteleuropa komplett unter deutscher Herrschaft stand und Hitler eine Siegesparade in Berlin abhielt, erreichte die Begeisterung für Krieg und den Nationalsozialismus ein Maximum. Soziologen sprechen von einer deutlich über 90%igen Zustimmung für Hitler an dem Tag. Fünf Jahre später, nachdem sich Hitler an derselben Stelle erschossen und zyankalisiert hatte, Deutschland aus Ruinen bestand und 6,3 Millionen Deutsche tot waren, war der Zweite Weltkrieg schon weniger populär.

Die Talibanherrscher fanden den Angriffskrieg auf Afghanistan im Jahr 2001 schlecht und falsch. Im Westen fanden ihn viele schlecht und richtig. Nach 20 Jahren konnte man nichts Richtiges mehr finden.

Ich finde den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine schlecht und falsch. Wladimir Putin und viele Russen, finden diesen Krieg immerhin richtig, einige sogar gut und richtig.

Zu der Fraktion gehört Patriarch Kyrill I., (bürgerlich Wladimir Gundjajew), der Herr über 150 Millionen russisch-orthodoxe Christen. Quasi der Papst der Rus.

Kyrill mag vor allem Reichtum, teure Uhren, Juwelen und seine Privilegien. Deswegen liebt und unterstützt er seinen Namensvetter Wladimir Putin. Die beiden Wladimirs sind ein Herz und eine Seele. Und den Krieg gegen die Ukraine finden beide Wladimirs einfach geil. Während sich der kleinere, jüngere und glattrasierte Wladimir darum bemüht, rational zu erscheinen und Gründe für den Krieg vorgibt, macht es sich der fünf Jahre ältere Wladimir mit dem Rauschebart und dem besonders albernen psychedelischen Hut einfacher: Er hasst einfach alle Ukrainer, nennt es eine „heilige Pflicht“ der Russen, sich freiwillig als Soldaten gegen die Ukraine zu melden, weil Selenskyjs Landsleute bekanntlich alle Schwuchteln wären und die armen frommen (heterosexuellen!) Russen homopervertieren wollten. Eine völlig einleuchtende Darstellung also, die erklärt, weshalb Kyrill I. den Krieg gut und richtig findet.

Daß die obersten Christenführer in einer rechtsextremen Diktatur die kriegslüsternen Massenmörder an der Staatsspitze stets unterstützen, ist üblich.

Wenn in einem großen Krieg die unterschiedlichen Parteien zur selben Religion gehören, unterstützen die Führer einfach beide Seiten, oder konzentrieren ihre Abscheu wie WKII auf die (vermeidlichen) Atheisten aus Russland. So betete der Vatikan für den Katholiken Hitler, unternahm nichts gegen die deutschen Konzentrationslager, ächtete und exkommunizierte aber die Auschwitz-Befreier der Roten Armee.

Im gegenwärtigen russische-ukrainischen Krieg, verfügt die russische Seite in Westeuropa allenfalls noch über Sympathie in homöopathischen Dosen.  Auf Kyrill I. ist niemand mehr gut zu sprechen.

Außer natürlich der EKD-Chefin Annette Kurschus, die sich einfach nicht dazu durchringen kann, ihren Kumpel Kyrill I. zu verurteilen. Sie sind schließlich Partnerkirchen und Christenbosse halten zusammen. Daran kann eine zu Klump geschossene Ukraine auch nichts ändern. Kurschus hat nur Ausflüchte für Kyrill.
Die wesentlich größere Kirche, die RKK mit ihren knapp 1,4 Milliarden Mitgliedern, versteht sich zwar als „global“ und könnte sich klar zum Kriegstreiber Kyrill I. verhalten.

Aber so wichtig sind ihr ein paar Myriaden Tote in Ukrainischen Städten nun auch wieder nicht, daß es Bergoglio wagen würde, gegen den Papst-Kollegen in Moskau zu stänkern. Haltung ist nun mal nicht die Kernkompetenz der römischen Kinderfi**er.

[….] Fanziskus [….]  spricht von perversem Machtmissbrauch. Von Putin redet er nicht. Und vom Moskauer Patriarchen Kyrill I. lässt er sich sogar instrumentalisieren. [….] An diesem Freitag - dem Fest Mariä Verkündigung - will Papst Franziskus im Petersdom in Rom die Ukraine und Russland "dem unbefleckten Herzen Mariens weihen" - so hat es der Vatikan mitgeteilt. [….] In der Ukraine fallen russische Bomben auf Geburtskliniken, Wohnhäuser und Kindergärten, und der Papst feiert eine Marien-Liturgie? [….] Bislang nämlich scheut Franziskus sich, den Aggressor - Wladimir Putin und die russische Führung - klar und deutlich zu benennen[….] Zugleich lässt Franziskus es aber zu, dass der Moskauer Patriarch Kyrill I., Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Gespräche mit ihm schamlos instrumentalisiert. Kyrill unterhält enge Verbindungen zu Putin, beide eint die Vergangenheit beim KGB. Und Kyrill unterstützt Putins Krieg. Nachdem Franziskus vergangene Woche mit dem Patriarchen telefoniert hatte, ließ Letzterer die Weltöffentlichkeit sogleich wissen, man hoffe, "dass so bald wie möglich ein gerechter Frieden erreicht werden kann".  Vom Vatikan dagegen habe es erst "sehr zögerlich, mit großem zeitlichen Abstand und sehr zurückhaltend" eine Information über das Telefonat gegeben. [….]  Und inzwischen bezeichnete sogar das russische Außenministerium das Telefonat mit Kyrill als Zeichen der Freundschaft des Papstes mit Russland.  Warum wird Franziskus dann nicht deutlicher? Der Vatikan verfolge "schon seit Jahrzehnten eine bestimmte Tradition der Ostpolitik", sagt Elsner, eine sehr zurückhaltende, "um den Gesprächskanal mit dem Moskauer Patriarchat offen zu halten". [….]

(Annette Zoch, 24.03.2022)

Kriegsverbrecher waren schließlich schon immer im Vatikan willkommene und hochgeehrte Gäste – Mugabe, Assad..