Donnerstag, 27. Mai 2021

Satans Solidarität

Im Wahlkampf zur US-Präsidentschaftswahl 2016 gab es noch ein paar Rudimente von Normalität.

Wir lachten alle herzlich, als die Topleute der Trump-Kampagne empört verlangten, in den Debatten dürfe es keine Fact-Checks geben, da dadurch einseitig ihr Kandidat benachteiligt würde.

Sollte das ein Witz sein? Nun wurde die Wahrheit als Schikane angesehen, mit der man den armen Trump ärgern wolle. Er habe nun mal dieses Handicap grundsätzlich zu lügen.  

Wir dachten in unserer naiven Normalität, so ein „Geständnis“ müsse Trump schwer schaden. Schließlich könne niemand einen pathologischen Lügner als mächtigsten Mann der Welt wünschen.

Die Normalität wurde aber infinitesimal und kontinuierlich abgebaut. Trump log, daß sich die Balken bogen, flog damit auf, mehreren Pornostars Schweigegeld gezahlt zu haben, damit sie nicht erzählten, daß er sie bestieg, während Melania schwanger war, prahlte damit Frauen sexuell zu belästigen – grabbem by the Pu**y – und wurde damit zum Liebling der Evangelikalen.

Zu seinem Wahlsieg begannen die seriösen Medien Trumps Aussagen systematisch auf den Wahrheitsgehalt abzuklopfen. Jede Trump-Lüge wurde öffentlich „debunked“, also nicht nur angeprangert, sondern für jedermann nachvollziehbar mit Fakten und Quellenangaben versehen.

Bald waren es 1.000 dokumentierte Lügen und als Jimmy Kimmel seinen Sketch zum „Happy Lie 2K“ aufführte, dachte man immer noch, ein Präsident, der nun sogar 2.000 mal auf offener Bühne gelogen hatte, müsste langsam mal seine Anhänger verlieren.

Im Präsidentschaftswahlkampf 2020 hatten wir die 30.000 Lügen überschritten.  Nun erwartete man ohnehin nichts anderes mehr. Nach den TV-Duellen schalteten die Moderatoren nur noch pflichtschuldig zu den Factcheckern, die von „An avalanche of lies“, oder dem Lügen-Tsunami schlicht überfordert waren. Wo sollten sie nur anfangen richtig zu stellen, wenn ein derartiger „serial liar“ auftrat?

Die Normalität ist inzwischen endgültig Vergangenheit.

Nach Trumps Wahlniederlage wurden tatsächlich sogar noch irrere Verschwörungsfanatiker für die GOP ins Parlament gespült, die dermaßen dreist und aggressiv lügen, daß die political pundits, die sich professionell mit ihnen beschäftigen, nur noch resigniert  „a lie“, „not true“ alle paar Sekunden einwerfen.

Marjorie Taylor Greene, die vollständig enthirnte Q-Anon-Barbie, die von jüdischen Space-Lasern faselt und demokratische Politiker physisch bedroht, ist so schwer gestört, daß sogar Trump neben ihr fast ehrlich wirkt.

Ihre politische Radikalität und menschliche Abscheulichkeit korrelieren allerdings mit ihrem religiotischen Endzeit-Wahn.

Trump ist für sie der von Gott erwählte Erlöser, während sie bei den Demokraten nichts weniger als Satan am Werk sieht.

Auch der eloquente Brian Tyler Cohen muss sich hilflos an den Kopf fassen, wenn er die neuesten maximal-debilen MTG-Äußerungen analysiert.

Diese Gattung freidrehender Pseudo-Politiker, die im evangelikalen Wahn Untergangs-predigend pathetisch aufdrehen, kann man nicht mehr mit den Mitteln der seriösen Presse entlarven.   Wir rationalen Menschen müssen die Waffen strecken. MTG, Gaetz, Cruz, Boebert und Co sind nicht mehr argumentativ erreichbar.

Aber vielleicht existieren Satan und die Hölle ja doch. Es sollte den evangelikal Entrückten jedenfalls zu denken geben, wenn Diabolo, der Höllenfürst, Luzifer sich zu erkennen gibt, indem er Fliegen um sich schart.


Mit dem Namen Beelzebub (Hebr. בעל זבוב, Baʿal Zəvûv; arab. بعل الزباب, Ba‘al az-Zubab; wörtlich „Herr der Fliegen“; altgriech. Βεελζεβούλ, Belzeboúl; lat. Beelzebūb) wird im Tanach der Stadtgott von Ekron im Land der Philister bezeichnet. Die etymologische Herkunft ist wahrscheinlich vom hebräischen Sebul, „Kot“, „Dünger“ abzuleiten.

(Wikipedia)

Ikonographisch zeigte sich das zunächst im VP-Duell zwischen Mike Pence und Kamala Harris, als sich eine der Kot-liebenden Fliegen eine Viertelstunde auf Pence‘ Haartracht zu erkennen gab.

Kurz danach zeigte sich der Herr der Fliegen in Gestalt von Trumps ultrarechter erzkatholischen Richterin Amy Coney Barrett.

 

Gestern zeigte sich der Beelzebub in Gestalt des Ted Cruz live auf FOX.

 

Der Herr der Fliegen wurde von einem seiner Geschöpfe umschwärmt.


Magisch angezogen von der Cruz’schen Kot-Öffnung, krabbelte sie um seinen Mund, bis Cruz sie schließlich verschlang und genüßlich mit einem Schluck Wasser herunterspülte. Nun trendet er als #TOADCRUZ, Kröten-Cruz.

Wenn das kein Zeichen für die Evangelikalen ist!

Mittwoch, 26. Mai 2021

Glaubwürdigkeit

Das mit den Menschenrechten ist immer so eine Sache.

Als Demokraten, die sich in 200 mühsamen Jahren von den antihumanistischen Ansichten der Kirche (zu Frauen, Schwulen, Sklaven, Juden, Ungläubigen, Schwarzen) glücklicherweise weit entfernt haben, möchten wir im Angesicht unserer jungen Erkenntnisse auch den Rest der Welt überzeugen.    Außerdem ist die parlamentarische Demokratie mit all ihren Schwächen die fairste Regierungsform. Es wäre also wünschenswert, wenn die anderen 200 Staaten der Erde auch parlamentarische Demokratien wären.

Ich stehe auch persönlich hinter diesen Idealvorstellungen. Evolutionärer Humanismus und Demokratie sind das Beste, das Mensch derzeit zu bieten hat, wenn er das Zusammenleben organisieren soll.

Allerdings musste die Demokratie erst gewaltsam durch einen Weltkrieg den sich heftig dagegen sträubenden Deutschen aufgezwungen werden. Ganz Deutschland ist gerade mal 30 Jahre demokratisch.

Als Demokratie-Küken einer 18 Mal größeren Nation wie China mit einer 5.000-Jähirgen Geschichte von oben herab Anweisungen zu erteilen, kann nur lächerlich sein.   Daher plädiere ich schon lange dafür, sich mit erhobenen Zeigefingern lieber erst mal an unsere demokratischen engsten Partner zu wenden, mit denen wir eine politische Gemeinschaft bilden.   Weit her ist es damit allerdings nicht.

Ungarn und Polen schaffen gerade vor unseren Augen die Demokratie ab und wir begleiten den Vorgang mit offensivem Achselzucken. Oder äußern sogar in Form der EU-Kommissionspräsidentin Verständnis für ein bißchen Schwulenhatz, Stopp der Pressefreiheit und gelenkte Justiz.

Noch weiter ist der Abbau der Demokratie bei unserem NATO-Partner Türkei fortgeschritten.

In dem Fall sagen wir aber schon mal gar nichts; Frau von der Leyen sitzt beim Staatsbesuch in Ankara daher auch devot etwas entfernt auf dem Untertanen-Sofa. In der Türkei muss die EU ohne ihre Werte auskommen und zusehen, wie Oppositionelle massakriert werden, weil Recep Tayyip Erdoğan nun einmal strategisch zwischen ein paar Millionen Syrischen und Afghanischen Flüchtlingen und Westeuropa sitzt.

Wir EU-Menschen bestehen auf unsere humanistischen Überzeugungen, aber die gelten eben vorzugsweise für weiße und christliche Menschen. Den armen Plebs mit dunkler Hautfarbe meinen wir damit eher nicht. Die sollen uns Erdoğan, Frontex und Libysche Warlords bitte schön vom Leib halten und/oder im Meer entsorgen.

Saudi-Arabien belästigen wir auch nicht mit unseren demokratischen Anwandlungen und finden in dem Fall die Scharia völlig in Ordnung. Macht nichts, wenn dort Journalisten in Stücke gehackt oder Schwule gesteinigt werden, denn erstens verfügt König Salman über sehr viel Öl und zweitens sind die Saudis auch noch steinreich.

Unsere Regeln sollen für alle gelten, aber Multimillionäre sind schließlich nicht „alle“. Daher sind die bayerischen CSU-Politiker, die am lautesten nach einem Burka-Verbot schreien, gleichzeitig auch unheimlich aufgeschlossen gegenüber den wohlhabenden Scheicha im Nikab, weil die nun einmal fürchterlich viel Geld in Münchner Luxusboutiquen und Fünfsterne-Hotels lassen.

Ein paar Millionen von Peking entrechtete und in Arbeitslagern gehaltene Tibeter und Uiguren würden uns theoretisch auch stören. Also, sie hätten uns vor 30 oder 40 Jahren gestört, aber nun ist China die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Erde. Die kann der deutschen Wirtschaft verdammt brutale Daumenschrauben ansetzen. Sanktionen sollen schließlich immer nur den anderen wehtun und nicht uns selbst treffen.

Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko ist nach so ziemlich allen humanistischen, demokratischen und ethischen Maßstäben ein Widerling, der gestoppt werden muss.  Das ist schon tolldreist, ein Flugzeug einer EU-Fluggesellschaft auf dem Flug zwischen zwei EU-Hauptstädten gewaltsam vom Himmel zu holen.

Opposition mag der Belarusse schon mal gar nicht und so legte er noch einen drauf, indem er den Regimekritiker Roman Protasewitsch mit offensichtlich gebrochener Nase und schlecht überschminkten Hämatomen in einem verstörende Video vorführen ließ.

[….]  Die Bundesregierung hat erneut scharfe Kritik an Belarus geübt wegen der erzwungene Landung eines Passagierflugs in Minsk und der anschließenden Festnahme des Regierungskritikers Roman Protasewitsch. Der Vorfall sei dazu genutzt worden, einen unliebsamen Journalisten zu verschleppen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Er bekräftigte die Forderung der Bundesregierung, den Regierungskritiker und seine Freundin Sofia Sapega sofort freizulassen.  Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteile auch "diese widerwärtige Manier", Gefangene öffentlich vorzuführen, auf das Schärfste, fügte Seibert mit Blick auf das angebliche Geständnis von Protasewitsch hinzu, welches das belarusische Staatsfernsehen gesendet hatte. [….]

(Tagesschau, 26.05.2021)

Selbst Frau Merkel und Frau von der Leyen fielen angesichts dieser Aktion wieder die Menschenrechte ein und tatsächlich handelt die EU.

Nach und nach verweigern die Europäer den meisten (nicht allen!) Maschinen der belarussischen Staatslinie Belavia die Landeerlaubnis und meiden selbst den belarussischen Luftraum, so daß dem Minsker Regime bis zu 15 Millionen Euro an Transitgebühren verloren gehen könnten.  Natürlich, die Sanktionen treffen kaum die Minsker Elite, sondern strafen eher das einfache Volk ab.

Aber Belarus ist ökonomisch gerade schwach genug, um überhaupt mal Sanktionen ansetzen zu können, die wir uns gegen Saudi Arabien, Russland, China, Ungarn, Polen oder die Türkei nicht trauen.

Man kann in der Tat nicht nichts tun.

[….] Noch schwerer als die Luftpiraterie wiegt, dass Lukaschenko sich seit der Präsidentschaftswahl mit roher Gewalt an die Macht klammert. [….]  Lukaschenko hat ein ganzes Land, ein ganzes Volk zur Geisel genommen. Für die EU führt das zum klassischen Dilemma: Wie den Kidnapper treffen, ohne der Geisel zu schaden? Die Sperrung der EU für die belarussische Fluglinie Belavia zeigt, wie schwierig das ist. Die Maßnahme ist folgerichtig und notwendig, weil sich das Lukaschenko-Regime als Gefährder der zivilen Luftfahrt erwiesen hat. Aber natürlich schadet sie auch Bürgern, die in Belarus Opfer dieses Regimes sind, und vermutlich auch jenen, die im Ausland Zuflucht vor diesem Regime suchen. [….] Die Entführung einer Passagiermaschine zum Zweck der Festnahme einer missliebigen Person zeigt, wohin das führt: in eine Welt, in der es keine Sicherheit mehr gibt - nicht einmal auf dem Flug zwischen zwei EU-Hauptstädten. Natürlich ist nicht sicher, ob Sanktionen die Verantwortlichen beeindrucken. Zu schwache Sanktionen aber, das ist gewiss, werden sie ermuntern. [….]

(Daniel Brössler, SZ, 26.05.2021)

Es ist völlig richtig; das Husarenstück, daß sich ein Regierung nach Gutdünken mitten in Europa ein ziviles Flugzeug vom Himmel holt, weil sie einen bestimmten Passagier nicht mag, weil der nämlich öffentlich etwas ausplaudert, das nicht gehört werden soll und man ihn unbedingt zum Schweigen bringen will, muss harte Konsequenzen nach sich ziehen.

Außer natürlich, es ist die USA, die sowas tut. So wie die Obama-Regierung 2013. Dann halten wir devot die Klappe.

Damals erzwang Washington eine Zwischenlandung des Flugzeuges von Boliviens Präsident Evo Morales in Wien, um Whistleblower Edward Snowden zu verhaften.  Snowden war zu seinem Glück aber gar nicht an Bord. Die US-Geheimdienste hatten sich geirrt.

Gegen die USA gibt es natürlich keine Sanktionen. Auch nicht wegen der unethischen Todesstrafe oder dem Abhören der Regierungstelefone befreundeter Regierungen oder Abu Ghraib oder Guantamo.

Die USA sind schließlich wirtschaftlich und militärisch noch mächtiger als China.  In dem Fall pfeifen wir auf unsere humanistischen und demokratischen Werte.  Die drücken wir, wenn überhaupt, nur gegen Schwächere durch und auch nur, wenn die keine Hebel haben, um uns zu erpressen.

Dienstag, 25. Mai 2021

Rechts ist Trumpf

Für die Bundestagswahl wurde extra das TV-Debatten-Format „Triell“ geschaffen.

Theoretisch kann zwar jeder Abgeordneter Bundeskanzler werden, aber realistische Chancen haben nur Armin Laschet, Annalena Baerbock und Olaf Scholz.

Die Lage ist so unübersichtlich, weil Kompetenz und Erfahrung der Spitzenkandidaten nicht mit dem Ansehen ihrer Parteien korrelieren.

Im direkten Duell möchten die Wähler lieber Scholz als Laschet und auch lieber Scholz als Baerbock. Im CDU-Grünen-Duell liegt Laschet vor Baerbock. Olaf Scholz genießt von allen dreien die besten persönlichen Werte.

Da aber die SPD gegenwärtig demoskopisch klar schwächer als Grüne und CDU aussieht, wird die Regierungsbildung mutmaßlich weniger übersichtlich.

Kurioserweise ist Annalena Baerbock in der Bevölkerung zudem deutlich weniger beliebt als ihr Co-Vorsitzender Habeck.

Ähnlich unglücklich steht Laschet in seiner Parteiformation da: Merkel, Söder und sogar Spahn sind allesamt beliebter als er. Er gibt den netten Onkel, während seine Partei scharf nach rechts abbiegt.

Alle drei Groko-Parteien, CDUCSU und SPD erwarten das mutmaßlich schlechteste Bundestagswahlergebnis seit 1949. Man sollte also meinen; nach drei Merkel-Grokos hätten die Bürger endgültig genug von dieser Konstellation.

Gleichzeitig bekam die Groko aber 2020 von der Bevölkerung die besten Bewertungen aller Regierungen seit 20 Jahren und die Kanzlerin sonnt sich in unfassbaren Zustimmungsraten von 80%!

Die Bürger bewerten also die Partei ihres beliebtesten Kanzlerkandidaten am schlechtesten und finden die Frau, von deren Koalition sie offensichtlich die Nase voll haben, großartig!

Die Parteien, deren Minister auf ganzer Linie versagen – Karliczek, Spahn, Scheuer, Seehofer, Atmaier – finden die Deutschen doppelt so gut, wie die Partei, deren Minister unbestritten gute Arbeit leisten und die Bundesregierung tragen; CD/SU 26%, SPD 14%.

Nimmt man die Integrität der Parteipolitiker als Maßstab, ergibt sich ein ebenso schizophrenes Wähler-Urteil: Es sind ausschließlich Abgeordnete und Minister der Union, die mit Raffgier, Bestechlichkeit, Lügen und Skandalen auffallen.

Das gleiche Bild bei den Nebeneinkünften – mit riesigem Abstand liegen CDU-, FDP- und CSU-Politiker vorn, während sich SPD-Abgeordnete auf ihre Jobs als Volksvertreter konzentrieren.


Der Urnenpöbel schätzt CDU/CSU, also die Parteien mit den bestechlichen und kriminellen Politikern viel mehr als die der SPD, die nicht auf korrupte Lobbyisten setzt.

Vermutlich sind die Wähler aber auch verwirrt, weil sich alle Parteien – bis auf die SPD – so sehr im politischen Spektrum bewegen.

Die Grünen imitieren mit ihrer unkonkreten Schwammigkeit Angela Merkel, während CDU, CSU, FDP, AfD und Linke immer mehr nach rechts driften.

Eine Partei geht besonders konsequent den Weg nach rechts: Die Linke.

Wann immer irgendein randständiger Querulant irgendetwas richtig Rechtsradikales oder Rassistisches oder AfD-Populistisches von sich gibt, kann man sicher sein, daß als erstes die NRW-Spitzenkandidatin Wagenknecht vorprescht, um sich die Nazi-Position zu eigen zu machen.   Das Muster ist ganz offensichtlich; jeden völkischen Unmut gegen Minderheiten, Ausländer, Schwule ("immer skurrilere Minderheit“ – S.W.) saugt die Querfrontlerin ab.  Braun, brauner, Wagenknecht.

 Klingt der Grüne Boris Palmer mit seinen Sprüchen über Schwarze Genitalien so Nazi, daß Baerbock ihn (endlich) aus der Partei werfen will, ist Sahra Sarrazin da, um Palmer zu unterstützen.

[….] Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) sieht sich mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert. Jetzt springt ihm die Linke Sahra Wagenknecht zur Seite. [….] Der Grüne Boris Palmer bekommt häufig Applaus von der AfD.  [….] Auch in der aktuellen Causa springt ihm die AfD zur Seite. Jörg Meuthen etwa, AfD-Bundessprecher, spricht auf Twitter von „Sauertöpfischen selbstgerechten Supermoralisten“, die Boris Palmer „rauswerfen wollten“. Wer denn solch eine Partei wähle, sei es doch die Wahl einer „existenzvernichtenden Sprachpolizei“ - der Tweet wurde unter anderen von der AfD Bayern und von Erika Steinbach geteilt.  Doch nicht nur innerhalb der AfD erhält Palmer Zuspruch. Die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht hat den umstrittenen Tübinger Bürgermeister gegen den Rassismus-Vorwurf in Schutz genommen. [….]

(Katja Thorwarth, 13.05.2021)

Klingt der Hamburger CDU-Rechtsaußen Ploß mit seinen abfälligen Sprüchen über „Gender-Gaga“ so sehr wie Höcke, daß ihm breite Empörung entgegenkommt, ist Sahra Sarrazin da, um Ploß zu unterstützen.

[….] Doris Achelwilm, Sprachwissenschaftlerin und gleichstellungspolitische Sprecherin der Linken-Bundestagsfraktion, kann Verbotswünschen nichts abgewinnen. »Die Behauptung, dass ›Gendern‹ den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährdet, kann ich gerade auch angesichts der sozialen Verwerfungen und Ausschlüsse, die durch falsche CDU-Prioritäten stattfinden, nicht akzeptieren«, sagte Achelwilm dem SPIEGEL.  Wenn Ploß männliche Wortformen »als unveränderliche Norm voraussetzt und sogar vorschreiben will«, sei das auch eine Form des Genderns, »er merkt es nur nicht[….] Anders sieht das Sahra Wagenknecht, Spitzenkandidatin der Linken in Nordrhein-Westfalen. Sie hat sich mehrfach gegen das Gendern positioniert und spricht sich nun auch dafür aus, dass staatliche Stellen nicht gendern sollten. Die »Sprachungetüme der Gendersprache« seien kein Mittel zu mehr Gleichberechtigung, »sondern selbst diskriminierend, indem sie die Sprache der Mehrheit der Bevölkerung als überholt und rückschrittlich abqualifizieren«, sagte Wagenknecht dem SPIEGEL. [….]

(SPON, 25.05.2021)

Die AfD wirbt schon lange mit Wagenknecht-Plakaten, weil es inhaltlich kaum noch Unterschiede zwischen den Höcke-Faschisten und dem Wagenknecht-Sprech gibt.

Der LINKEn nützt es allerdings nichts, da schon so viele Parteien nach rechts gedriftet sind, daß es dort nichts mehr zu holen gibt.  Der Partei droht im September ein Bundestagswahldesaster. Die Zeiten der Zweistelligkeit sind Dank Wagenknecht lange vorbei.

Derzeit stehen sie mit 6% gefährlich nah an der 5%-Hürde und drohen zur APO zu werden.

Angesichts einer in sich zusammenfallenden GROKO und einer wegschmelzenden SPD, sich als Linke Opposition innerhalb einer Legislaturperiode zu halbieren, ist schon eine denkwürdige Form des politischen Totalversagens.  Das schaffte Wagenknecht nahezu allein.

Es dürfte historisch einzigartig sein, daß ein Ehepaar innerhalb so kurzer Zeit gleich zwei deutsche Parteien ruiniert hat.