Samstag, 8. August 2020

Wahnsinn Washington


Trump ist so unfassbar verkommen und gefährlich, daß er dadurch die anderen katastrophalen Fanatiker seiner Regierung immer überstrahlt.
Man darf natürlich nicht vergessen; Epstein, Pompeo, Pence, Carson oder Barr wären jeweils schon für sich Grundgenug sich extreme Sorgen um die amerikanische Demokratie zu machen und auf jeden Fall in Depressionen zu versinken.


Die spektakuläre Anmaßung und Skrupellosigkeit dieser Herren zieht auch ohne Trump eine Spur der Verwüstung durch die Welt.

Die republikanischen Senatoren und Kongressabgeordneten sind keinen Deut besser. Mitt, the twit Romney, den ich 2012 noch für einen gefährlichen Religioten hielt und engagiert im Präsidentschaftswahlkampf gegen Obama bekämpfte, gilt heute als ein GOP-Solitär. Der mormonische Milliardär erscheint als der einzig verbliebene nicht komplett wahnsinnige Republikaner Washingtons.

Die Senatoren Ted Cruz, Tom Cotton und Ron Johnson sind allesamt selbst für GOP-Verhältnisse Fanatiker. Cotton ist offen rassistisch und warb als fanatischer Trump-Fan dafür das US-Militär gegen die Black-Lives-Matter-Demonstranten einzusetzen.
Cruz ist der durchgeknallte religiotische Waffennarr, der im Präsidentschaftswahlkampf 2016 für sich mit einem Video warb, in dem er Bacon um ein Maschinengewehr wickelte und so lange abfeuerte, bis sie durchgebraten waren.


Teaparty-Senator Johnson bestreitet den Klimawandel und war auserkoren den ukrainischen Präsidenten Selenskyj zu erpressen, um für Trump zu lügen.

Die drei Trumster sind wie so viele ihrer Parteifreunde der Realität vollständig entkoppelt und halten sich als Angehörige der Herrenrasse für unantastbar.

Sie halten sich auch für alles zuständig und wollen mit harschen Worten daher auch der mecklenburg-Vorpommerischen Ministerpräsidentin Schwesig diktieren was sie zu tun habe.

[…..]  Unverhohlen haben drei amerikanische Senatoren dem Management der Fährhafen Sassnitz GmbH auf der Insel Rügen mit "vernichtenden rechtlichen und wirtschaftlichen Sanktionen" gedroht, sollte das Unternehmen den Bau der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 weiter unterstützen. […..]  Die Senatoren werfen der Fährhafen-Geschäftsführung Unterstützung der Russen vor. "Ihre Versorgung der 'Fortuna' oder der 'Akademik Tschersky' wird definitiv in dem Moment sanktionsfähig, wenn eines der beiden Schiffe ein Rohr für den Bau der Nord-Stream-2-Pipeline ins Wasser taucht", heißt es in einem Schreiben der Senatoren Ted Cruz, Tom Cotton und Ron Johnson an das Management. […..]  "Wenn Sie weiterhin Waren, Dienstleistungen und Unterstützung für das Nord-Stream-2-Projekt bereitstellen, (...) würden Sie das zukünftige finanzielle Überleben Ihres Unternehmens zerstören", zitieren die Zeitungen "Handelsblatt" und "Die Welt" aus dem Brief. Die angedrohten Sanktionen sind weitreichend. "Den Vorstandsmitgliedern, Geschäftsführern und Aktionären der Fährhafen Sassnitz GmbH wird die Einreise in die Vereinigten Staaten untersagt, und jegliches Eigentum oder Anteile an Eigentum, das sich in unserem Zuständigkeitsbereich befindet, wird eingefroren", heißt es in dem Schreiben weiter. US-Staatsbürgern und Firmen würde zudem verboten, mit dem Hafen zusammenzuarbeiten.
Schwerwiegender Eingriff in nationale Souveränität[…..] 

Nicht nur Trump, sondern auch der Rest der GOP scheint den Rest der Welt als eine Ansammlung von minderwertigen Vasallen anzusehen.

Die sozialdemokratischen Landespolitiker sind wie zu erwarten, empört.

[….] "Dieser Drohbrief geht gar nicht!", erklärte MV-Energieminister Christian Pegel (SPD). Die USA mischten sich in einer Weise in zentrale europäische Infrastrukturfragen ein, die sie ihrerseits als Einmischung niemals akzeptieren würden. Pegel sprach von "unverfrorenen Wildwestmethoden", eine "neue, erschreckende Eskalationsstufe" sei erreicht. Pegel erwartet spürbare Gegenmaßnahmen der Bundesregierung: "Da muss - bei allem Respekt für diplomatische Gepflogenheiten - jetzt mit den transatlantischen Gesprächspartnern Klartext geredet werden." […..]

Auch auf kommunaler Ebene staunt man nicht schlecht. Bürgermeister Frank Kracht (parteilos, Liste der Linken) ist geschockt über die persönlichen Angriffe auf ihn.

[…..] Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Schwesig, nannte die Drohungen absolut inakzeptabel. […..] Der Drohbrief von drei US-Senatoren gegen den Fährhafen Sassnitz-Mukran sorgt vor Ort für Entsetzen. Der Landrat des Kreises Vorpommern-Rügen, Stefan Kerth (SPD), warnte am Freitag im Nachrichtenradio MDR AKTUELL, "dass die Drohungen aus den USA kein Säbelrassen sind, die keine Auswirkungen hätten."
[…..] Kerth sagte, ein Dementi aus den USA, dass der Brief das Schreiben eines Lehrlings sei, habe es bislang nicht gegeben. Insofern müsse man alles sehr ernst nehmen.
Kerth sagte weiter: "Wir glaubten, wir leben im 21. Jahrhundert und haben bestimmte Begrifflichkeiten überwunden." Er bezeichnete den Brief der Senatoren als "stumpfe Machtdemonstration". "Das ist ein stumpfes Schwert, dass man Menschen droht, die hier redlich ihrer Arbeit nachgehen, die durch internationales Recht gedeckt ist. Auch wenn es nur so etwas Profanes ist, dass man droht, nicht mehr die USA besuchen zu dürfen – das macht mich traurig und fassungslos." […..]

Die US-Senatoren kennen allerdings nicht mal die US-Verfassung und applaudieren begeistert ihrem Helden Trump dabei die amerikanische Demokratie auszuhebeln.
Daher dürfte es so gut wie ausgeschlossenen sein, daß Bacon-Ballerer und der Teebeutel auch nur einen blassen Schimmer von der föderalen Struktur Deutschlands haben.
Sie werden von Bürgermeister kracht, Landrat Kerth, Landesminister Pegel und Ministerpräsidentin Schwesig noch nie gehört haben.
Und garantiert wird deren Empörung Cruz, Cotton und Johnson schon gar nicht interessieren.

Heiko Maas‘ Staatssekretär Annen reagierte ebenfalls scharf.

[….] Das Auswärtige Amt wies den Inhalt des Schreibens zurück. "Die US-Politik der extraterritorialen Sanktionen gegen enge Partner und Verbündete ist ein schwerwiegender Eingriff in unsere nationale Souveränität", sagte Staatsminister Annen (SPD) dem "Handelsblatt". "Tonfall und Inhalt der jüngst von Senatoren verschickten Drohbriefe an deutsche Unternehmen sind völlig unangebracht." Die Bundesregierung habe den USA klar gemacht, "dass wir uns gegen die Ausübung von Druck auf unsere Unternehmen verwehren". Deutschland werde die EU-Ratspräsidentschaft nutzen, um "die europäische Souveränität zu stärken und Instrumente wie die Blocking-Verordnung weiterzuentwickeln". Europa dürfe sich nicht erpressbar machen.
Der Vorsitzende des Bundestags-Wirtschaftsausschusses, Klaus Ernst, betonte: "Dieses Schreiben ist an Dreistigkeit nicht mehr zu überbieten." Der Linke-Politiker forderte die Bundesregierung auf, den US-Botschafter einzubestellen. […..]

Selbstverständlich werden aber auch Annen, Ernst und sogar Maas nicht deb geringsten Einfluss auf die US-Senatoren haben.
Noch nicht einmal Merkel könnte etwas erreichen.
Dafür bedürfte es schon die geballte, entschlossene, einmütige Reaktion der EU. Und die ist natürlich nicht in Sicht.

[…..] “The threatened sanctions would be a major violation of European and national sovereignty and cause economic and political damage,” Joachim Pfeiffer, economic and energy policy spokesman for Merkel’s parliamentary caucus, said Friday by email. Europe’s priority must be to persuade U.S. officials not to go ahead with new sanctions, but if that fails the European Union should respond with “tough countermeasures,” including possibly tariffs on U.S. LNG, Pfeiffer said. [….]

Pfeiffer, wirtschafts- und energiepolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion wird lange warten. Seine Kanzlerin Merkel kümmert sich seit 15 Jahren nicht um die EU. Aus Brüssel hat Deutschland keine Hilfe zu erwarten.
Das war zu Zeiten von Schröder und Fischer noch ganz anders, als Deutschland, Frankreich und Belgien 2002/2003 vorangingen, um sich Washington mit viel Mut und Rückgrat entgegen zu stellen.
Von der Kraft ist nach endlosen Merkel-Jahren nichts mehr übrig.

Freitag, 7. August 2020

Lose canon Biden

Der fromme Christ Trump, der als eifriger Bibelleser bekannt ist, alle Evangelien auswendig kennt und daher auch sein Leben lang konsequent ohne Sünde blieb, hob zum großen Schlag gegen Konkurrent Biden an. Der sei gegen die Bibel und gegen Gott!

[….] “He’s following the radical left agenda, take away your guns, destroy your 2nd Amendment, no religion, no anything, hurt the Bible, hurt God. He’s against God. He’s against guns. He’s against energy, our kind of energy. I don’t think he’s going to do too well in Ohio," Trump said. [….]

Der Vorwurf saß! Insbesondere weil er von einem so sittsamen, gottesfürchtigen Mann wie Trump kommt. Trump, der so bibeltreu und sündenfrei lebt, daß er ähnlich die Maria, die Mutter Gottes frei von der Erbsünde ist und nichts zu beichten hat. Er ist eben durch und durch gut.


[….] After months of reflection, Donald Trump says he still doesn't regret his decision not to ask God for forgiveness for his sins.
In an interview on Sunday with CNN, the Republican presidential frontrunner said that he does not regret never asking God for forgiveness, partially because he says he doesn't have much to apologize for.
"I have great relationship with God. I have great relationship with the Evangelicals," Trump said in the interview before pivoting to his poll numbers among Evangelical voters.
"I like to be good. I don't like to have to ask for forgiveness. And I am good. I don't do a lot of things that are bad. I try to do nothing that is bad." [……]

Es ist also nur zu verständlich, daß sich die frommsten amerikanischen Christen, die zig Millionen Evangelikalen wie ein Mann hinter Trump stellen: Der US-Präsident ist so ehrlich, treu, bescheiden und keusch, daß sie ihn alle lieben.
Zumal Trump ihnen endlich das Weihnachtsfest zurück brachte und sogar die Erlaubnis gab sich im Dezember „Merry Christmas“ zu wünschen.
Unter den vorherigen antiamerikanischen atheistischen Präsidenten Bush, Clinton, Bush und Obama war das streng verboten.

Der fromme Donald hat also eine starke moralische Position und so kam der bisher im einem Delawarer Keller versteckte Katholik Joe Biden empört hervorgeschossen:
„Böser Trump! Ich bin wohl gläubig und fromm!“

[…..] Presumptive Democratic presidential nominee Joe Biden on Thursday countered President Donald Trump's baseless attack that he, a practicing Roman Catholic, would somehow "hurt God," calling the comments "shameful."
"Like so many people, my faith has been the bedrock foundation of my life: it's provided me comfort in moments of loss and tragedy, it's kept me grounded and humbled in times of triumph and joy. And in this moment of darkness for our country — of pain, of division, and of sickness for so many Americans — my faith has been a guiding light for me and a constant reminder of the fundamental dignity and humanity that God has bestowed upon all of us," Biden said.
"For President Trump to attack my faith is shameful. It's beneath the office he holds and it's beneath the dignity the American people so rightly expect and deserve from their leaders," he added. […..]

Willkommen im US-Wahlkampf 2020.
Der Verfassungsexperte Dr. Jur. Biden, der Jura und Verfassungsrecht an der Widener University School of Law lehrte und im US-Senat acht Jahre Ranking Minority Member, sowie acht Jahre Vorsitzender des Justizausschusses war streitet sich mit einem amtierenden US-Präsidenten, der glaubt Corona dadurch zu heilen, daß man sich eine UV-Lampe in den Hintern schieb und noch nicht einmal das Prinzip der Gewaltenteilung kennt darüber wer der frommere Christ ist.

Es lief ja ganz gut für Biden. Trump ritt sich von ganz allein immer tiefer in den Abgrund, der Demokrat führt in den Swingstates Florida, Wisconsin, Pennsylvania und Michigan klar vor dem Amtsinhaber, könnte New Mexico und Arizona flippen und womöglich gar die tiefrot-republikanische Hochburg Texas an sich reißen.

Böse Zungen behaupten, es liefe so gut für Biden, da der in den 70ern und 80ern als brillante Redner inzwischen starke Zeichen von Senilität aufweise und sich bei öffentlichen Auftritten oft verhaspele.
Trump dagegen liebe die Massenveranstaltungen und könne bei den wahlentscheidenden TV-Duellen die Stimmung rumreißen, wenn Biden dabei als trotteliger Opa erscheint.

Ich halte diese Sichtweise für groben Unfug.
Qualifikationen und TV-Duelle sind längst zu Nebensächlichkeiten verkommen.
GWB und Trump verloren alle sechs, bzw drei TV-Duelle deutlich und wurden dennoch Präsidenten.
Hillary Clinton war mit Sicherheit die am besten qualifizierte Präsidentschaftskandidatin seit 100 Jahren. Die extrem brillante Juristin kennt das amerikanische politische System wie niemand sonst. Sie ist mit allen Wasser gewaschen, hat Erfahrungen auf allen politischen Ebenen. Sie war acht Jahre im Weißen Haus, dann US-Senatorin und Außenministerin.
Statt ihr zog aber ein in jeder Hinsicht völlig unqualifizierter Reality-TV-Depp ins Oval Office, der zuvor in einer sagenhaften über Jahrzehnte andauernden Kette von Pleiten bewies, daß alles was er anfasst im Desaster endet.

Qualifikation und TV-Form ist zu vernachlässigen.
Wichtig ist hingegen, daß die Wähler glauben ihren Kandidaten gut einschätzen zu können und ihn mögen.
Das ist bei Biden der Fall. Er ist der liebe Onkel, der schon seit 1973 im US-Senat dabei ist, so fürchterliche private Schicksalsschläge hinnehmen musste, der aber stets bescheiden blieb, mit der U-Bahn in den Senat fuhr und schließlich treu und lieb acht Jahre als Veep Präsident Obama diente.
Hillary Clinton polarisierte. Sie hatte viele begeisterte Anhänger aber dem standen Millionen Amerikaner gegenüber, die sie bis heute wie die Pest hassen.
Biden wird von niemand gehasst.

Zudem ist Trumps Geisteszustand im freien Fall. Er ist so verwirrt und borniert, daß er selbst bei den treuen Fans von Fox Peinlichkeit an Peinlichkeit reiht.

[….] Der US-Präsident vergeigt ein weiteres Interview kolossal. Was die Frage aufwirft, wie er in dieser Verfassung ein TV-Duell gegen seinen designierten Herausforderer Joe Biden überstehen will. [….]

Ich habe keine Angst vor einem leicht verwirrten Biden, der bei TV-Duellen schwach ist.
Erstens spielt das ohnehin keine wahlentscheidende Rolle und zweitens ist Trump so irre und verblödet, daß selbst ein Biden im Pech kaum mit dessen Irrsinn mithalten kann.

Donnerstag, 6. August 2020

Kreativ durchgreifen


Daniel Günther, CDU, 47, seit 2017 Ministerpräsident in Kiel ist der feuchte Traum der Grünen.
Mit ihm könne man die ersehnten oliven Bündnisse bilden, da er Schleswig-Holstein in einer Jamaika-Koalition regiere und nicht so verbissen konservativ sei wie die Span-Kuban-Fraktion.
Als Beleg für seine liberalen Ansichten gilt auch seine Stellungnahme während der Thüringer Faschistenkrise Anfang 2020, als sich die schwer angebräunten CDU- und FDP-Landtagsfraktionen willig dem AfD-Rechtsaußen Bernd Höcke andienten.
Günther stellte damals das einzig richtige und geradezu banale fest: In so einer Situation müsse die CDU statt mit den demokratieverachtenden und verschwörungstheoretischen Faschisten lieber mit dem frommen Christen Bodo Ramelow zusammenarbeiten, der bereits vier Jahre als Ministerpräsident amtiert hatte und als klassischer westdeutscher Sozialdemokrat sicher alles andere ist als ein kommunistischer Schreckensherrscher.

Ich halte dieses liberale Etikett für den Nord-Ministerpräsidenten, das ihm Grüne so gern verpassen für ganz großen Blödsinn.
Die beiden beschriebenen Begebenheiten waren beide den Umständen geschuldet, die gar keine andere Konstellation zuließen.

In Wahrheit ist Günther konservativ bis plump-populistisch.
Ohne sich zu genieren exerzierte er als MP puren Nepotismus, indem er seinem Bruder Tobias einen topbezahlten Beamtenjob zuschob.

(…..) Daß Ministerpräsident Daniel Günther ohne demoskopische Konsequenzen damit durchkommt nepotistisch zu agieren – er ließ kurz nach seiner Wahl zum MP seinen Bruder entgegen aller Gepflogenheiten zum Vizedirektor des Landtags befördern – kann ich mir nur mit der relative Bedeutungslosigkeit Schleswig-Holsteins und der Verblödung der Wähler erklären. (….)

Der streng gläubige Christ Günther versuchte alles, um Grundgesetz-widrig einen Gottesbezug in die schleswig-holsteinische Verfassung zu drücken.

[….]     „Ich glaube, dass er [Gott] auf das guckt, was wir hier machen. Mein Glaube ist mit einem sehr positiven Gefühl ver­bunden.“
[….]     „Ich bete ­mehrmals am Tag, auch zum Essen.“
[….]     „Das war eine Prüfung, aber selbst das hat meine feste Über­zeugung, dass es Gott gibt, und diese Nähe, die ich zu Gott verspüre, nie ins Wanken gebracht.“
[….]     „Was Gott ausmacht: Das Leben ist mit dem, was wir hier auf der Erde haben, nicht beendet.“
[….]     „Die Aufnahme des Wortes Gott in die Verfassung erinnert an die Begrenztheit und die Fehlbarkeit menschlichen Handelns.“ [….]

Dabei ist er in dem weitgehend säkularen Bundesland der einzige katholische Abgeordnete. Ein typischer Fall religiotischer Hybris.

Im Wahlkampf schreckte Günther auch nicht vor den plumpesten antisemitischen und islamophoben AfD-Methoden zurück, als er einen Schweinefleisch-Pflichttag für schleswig-holsteinische Kantinen bewarb.

CDU-Katholiken, die im Wahlkampf so drastisch Juden vor den Kopf schlagen, halte ich jedenfalls nicht für liberal.

Heute prangt Herr Günther auf der Titelseite des konservativen Hamburger Abendblattes und bittet treuherzig die Nicht-Schleswig-Holsteiner seinen Küsten in dieser Hitzeperiode fernzubleiben.


[….] Aufgrund des guten Sommerwetters und den wahrscheinlich wieder vollen Stränden am kommenden Wochenende appellierte Günther, die typischen Touristen-Hotspots zu meiden. "Es ist schön in unserem Land, aber strömen Sie bitte nicht aus gleicher Gewohnheit immer an die gleichen Orte. Wir haben auch ein schönes Binnenland." Manche Orte haben bereits Strandampeln und Zugangsbeschränkungen eingeführt. Am Mittwoch hat auch die Verwaltung von Timmendorfer Strand darum gebeten, dass Tagesgäste am Wochenende fernbleiben sollten. [….]

Ein bißchen sehr lasch, Herr Ministerpräsident. Lasch und verantwortungslos.

Ich fuhr heute gegen 22.30 Uhr bei immer noch etwa 27°C nach Hause und es ist leider eindeutig: Deutschland ist voller Idioten, die sich ohne Masken und ohne Abstand zusammenballen. Die Gastronomie brummt wieder, überall stehen Tische auf den Straßen, die bis zum letzten Platz besetzt sind.

Umfragen belegen, daß Maskenpflicht und Corona-Regeln von einer großen Mehrheit der Bevölkerung nach wie vor unterstützt werden. Aber die vernünftigen Menschen sieht man nicht, weil die zu Hause sitzen.
Fährt man durch die Stadt bietet sich ein verzerrtes Bild, weil man nur die verantwortungslosen Covidioten feiern sieht.

Statt lascher Appelle à la Günther braucht es offenbar mal Law And Order.
Saftige Bußgelder sowieso, aber mir gefällt der kalifornische Weg:

[…..]  Die US-Metropole Los Angeles will Veranstaltern illegaler großer Hauspartys von Freitag an Strom und Wasser abstellen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Damit reagierten die Behörden auf vermehrte Berichte über große Feiern, die während der Pandemie eigentlich verboten seien, sagte Bürgermeister Eric Garcetti am Mittwoch.
Bei wiederholtem Verstoß gegen die Sicherheitsanordnungen könne Party-Veranstaltern binnen 48 Stunden Strom und Wasser abgedreht werden. Die großen Feiern fänden vor allem in leer stehenden Häusern oder Unterkünften statt, die kurzzeitig gemietet werden können. Bars und Nachtklubs in der kalifornischen Stadt sind derzeit geschlossen.
"Wir werden nicht leichtfertig handeln", sagte Garcetti. "Aber wir werden handeln und alles tun, um Leben zu retten und die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten." Die neuen Maßnahmen richteten sich gegen Anwohner, die entschlossen seien, gegen die geltenden Zusammenkunftsbeschränkungen zu verstoßen."Diese großen Partys sind nicht sicher und können die Einwohner von Los Angeles das Leben kosten", sagte Garcetti. [….]

Bei der Gelegenheit sollte man auch Reichsbürgern und den Anhängern der Identitären Bewegung von den öffentlichen Versorgern kappen.
Sie glauben ja nicht in Deutschland zu leben. Dann mögen sie doch gerne mal probieren wie es ist ohne Stromlieferungen, Frischwasser, Fernwärme und Abwasserleitungen auszukommen.

Mittwoch, 5. August 2020

Schlimmeres verhindern?


Pius XI, bürgerlich Dr. jur., Dr. theol. und Dr. phil. Achille Ratti, geboren 31.05.1857, hatte nur ein halbes Jahr nach Hitlers Machtübernahme durch das Reichskonkordat mit dem Deutschen Reich vom 10. September 1933 den Nazis die höchste diplomatisch Ehre zuerkannt und damit das antisemitische Verbreicherreich geadelt.

Damit war Hitler völkerrechtlich für alle anderen Staaten der Erde reingewaschen.

Ratti wußte durch Edith Stein früh Bescheid über die Massenmorde und geplanten Genozide Nazi-Deutschlands, verurteilte den Nationalsozialismus aber nie öffentlich. Der Katholik Hitler war sein Verbündeter gegen den „Bolschewismus“, bis heute wurde Adolf Hitler nicht exkommuniziert.

Man kann abendfüllen spekulieren was der Welt erspart geblieben wäre, wenn der damals ungeheuer mächtige Vatikan der Nazi-Regierung mit Exkommunikation gedroht, die deutschen Bischöfe zum Widerstand gedrängt und alle kriegerischen und antisemitischen Pläne scharf verurteil hätte.

Gut möglich, daß Hitler gegen den Widerstand der Katholiken nicht mächtig genug geworden wäre, um das Saargebiet 1935 zu schlucken, Österreich wegzufusionieren, das Sudetenland, 1938 das Protektorat Böhmen und Mähren zu errichten, dabei die Tschechoslowakei zu zerschlagen und dafür beim Münchner Abkommen von 1938 den Segen all der anderen christlichen Regierungen Europas zu bekommen.

Also wenn das kein schlechter Papst war!

Rattis Fans verteidigen ihn bis heute energisch und weisen auf die zwei Jahre vor seinem Tod am 10.02.1939 erschiene berühmt-berüchtigte Enzyklika Mit brennender Sorge (lat. Ardente cura), in der es heißt:

[…..] Wer die Rasse, oder das Volk, oder den Staat, oder die Staatsform, die Träger der Staatsgewalt oder andere Grundwerte menschlicher Gemeinschaftsgestaltung […..] aus dieser ihrer irdischen Wertskala herauslöst, sie zur höchsten Norm aller, auch der religiösen Werte macht und sie mit Götzenkult vergöttert, der verkehrt und fälscht die gottgeschaffene und gottbefohlene Ordnung der Dinge. […..]

Allerdings wagte es Ratti nicht das Werk zu veröffentlichen, ließ nur heimlich daraus lesen.

Darüber hinaus ließ der Vorgänger des Hitler-Freundes Pius XII noch kurz vor seinem Tod an einer angeblich noch Nazi-kritischeren Enzyklika Humani generis unitas („Die Einheit des Menschengeschlechts“) arbeiten, aber sie verschwand in einer Ablage und wurde von Nachfolger Eugenio Pacelli weitgehend eingestampft.

Bis heute ist dieses Maximalversagen den Kurialen gar nicht peinlich. Man habe ja nur Schlimmeres verhindert, indem man Hitler und die Deutschen nicht zusätzlich reizen wollte.

Die Begründung für ihre schweigende Zustimmung zum Genozid an den Juden hörte man bald noch einmal aus dem holländischen Episkopat.

Der Benelux-Staat wurde im Mai 1940 überrannt. Der von Hitler eingesetzte Reichskommissar für die Niederlande wurde Arthur Seyß-Inquart setzte bald alles daran die Juden des Landes zu töten.

Das allein hätte die römisch-katholische Kirche nicht weiter gestört, aber sie haderten mit der Deportation zum Katholizismus konvertierter ehemaliger Juden. Das waren nun gewissermaßen ihre Schäfchen und so protestierten sie tatsächlich.

[….] Am 11. Juli, also kurz vor Beginn der geplanten Maßnahmen, protestieren Vertreter mehrerer Kirchen energisch bei Seyß-Inquart und drohten damit, einen Hirtenbrief zu verfassen, der sich scharf gegen die Maßnahmen der Nazis richten würde. Der Reichskommissar bot daraufhin an, die vor dem 1. Januar 1941 getauften Juden zu verschonen, wenn man von einem Protest von der Kanzel herab absah. Am 15. Juli 1942 fuhren die ersten Züge ab und brachten die Juden in das Sammellager Westerbork. Dennoch entschlossen sich die katholischen Bischöfe zu protestieren, während viele ihrer evangelischen Kollegen schwiegen. Seyß-Inquart sah seine Vereinbarung gebrochen, und am 2. August begann er damit, die katholisch getauften Juden des Landes ebenfalls zu deportieren. [….]

(IBKA)

Die Deutschen ermordeten 40.000 niederländische Juden; darunter die berühmte Edith Stein. Als Papst Pius XII. davon erfuhr soll er laut der Erinnerungen seiner Haushälterin Pasqualina Lehnert ganz traurig gewesen sein und die legendären Sätze „Aber wenn der Brief der holländischen Bischöfe 40.000 Menschenleben kostete, so würde mein Protest vielleicht 200.000 kosten. Das darf und kann ich nicht verantworten. So ist es besser, in der Öffentlichkeit zu schweigen“ gesprochen haben.

Niemand weiß, ob sich Frau Lehnert das nur ausdachte, aber tatsächlich verkniff sich Pacelli jedes kritische Wort über Hitler.

So entwickelte sich die vatikanische General-Entschuldigung: Es hätte ja noch schlimmer kommen können, wenn man gegen den Holokaust argumentiert hätte.

Das ist an amoralischem Zynismus kaum zu überbieten.

Mehr als 75 % der niederländischen Juden, ein so hoher Prozentsatz wie sonst nirgends in Westeuropa wurde von den deutschen getötet. Insgesamt killten die deutschen Christen sechs Millionen europäische Juden und die höchste moralische Autorität der damaligen Welt sagt dazu: ES HÄTTE SCHLIMMER KOMMEN KÖNNEN!

Also sind sechs Millionen Ermordete aus katholischer Sicht „nicht so schlimm“?

Das erinnert sehr an Trumps katastrophales AXIOS-Interview mit Jonathan Swan bei dem er völlig Empathie-frei zu den 155.000 amerikanischen Corona-Toten bemerkte „well, it is was it is“.

Diese Aussagen Trumps und Pacellis sind moralisch hochgradig verdorben, aber auch sachlich falsch.

[…..] Doch diese Einschätzung ist falsch. Hitler plante die völlige Vernichtung aller Juden und dies in kürzest möglicher Zeit. Zuerst waren es Massenerschießungen mit anschließender Verscharrung der Leichen. Doch da dies nicht schnell genug ging und viele Soldaten über ihre Arbeit klagten, experimentierte man einige Zeit lang mit Gaswagen. Aber auch dieses System erwies sich immer noch nicht als effizient genug. Erst die Kombination aus Gaskammern und Krematorien stellte die Nazis zufrieden. Doch selbst Auschwitzkonnte nicht beliebig viele Menschenleben vernichten. Und nicht nur die Vergasungen konnten mit begrenzter Geschwindigkeit ablaufen, ebendies galt auch für die Deportationen. Ein Zug voll Juden mehr bedeutete immer auch einen Zug voll wichtiger Güter für die Rüstungsindustrie weniger. Ein weiterer Flaschenhals auf dem Weg in die Vernichtungslager war das Sammellager Westerbork an der niederländischen Grenze. Es war nicht groß genug, alle 140.000 niederländischen Juden aufzunehmen. Hinzu kommt, dass die Nazis die Juden nicht einfach auf der Straße en masse einsammeln konnten, denn viele hielten sich versteckt und mussten erst gefunden werden. Ein Blick auf die Statistik zeigt, dass der bischöfliche Protest vom 26. Juli nichtdazu führte, dass die Deportationen anschließend schneller abliefen. […..][…..] Erst als sich die Kirchenvertreter an Seyß-Inquart wandten, nahm dieser die katholischen Nicht-Arier von seiner Liste. Hätten sich die Bischöfe gar nicht erst zum Protest entschlossen, wären die getauften Juden auch in Auschwitz verschwunden. Für die Nazis war nämlich nicht der Glaube, sondern die Rasse das Kriterium zur Bestimmung des jüdischen Untermenschen, der vernichtet werden mussten. Und was geschah auf protestantischer Seite? Obwohl die Kirchen eingeschüchtert wurden und viele ihrer Vertreter nicht gegen die Deportationen protestierten, erging am 10.11.1943 der Befehl, auch die evangelischen Juden zu deportieren. Es erwies sich als nicht klug, mit den Nazis Geschäfte zu machen. Dieser Tauschhandel war nichts weiter als eine Lüge. Man schob die Ermordung der Tauschobjekte lediglich so lange auf, bis ein kirchlicher Protest kaum noch Juden das Leben gerettet hätte. [….]

(IBKA)

Die Schutzbehauptung „es hätte noch schlimmer kommen können“, oder „ich wollte Schlimmeres verhindern“ wurde immer wieder gebraucht.

Ein bekannter Fall ist Trixi Storchs Opa, der schon vor der Kanzlerschaft Hitlers Reichsfinanzminister war, von Hitler in sein Kabinett übernommen wurde bis Kriegsende im Amt blieb, um die deutsche Kriegsmaschinerie zu finanzieren.

(…..) Heinrich Brüning, konservativer Katholik, ehemaliger Reichskanzler, kooperierte immer mal mit der NSdAP, stimmte am 23. März 1933 sogar dem sogenannten Ermächtigungsgesetz zu.

Schon vorher dachte er, Adolf Hitler und die NSdAP würden schon vernünftig werden, wenn sie erst mal in einer Koalition mit der Zentrumspartei Verantwortung übernehmen müssten.

Ähnlich dachten die anderen konservativen Parteien, wie die Deutschnationale Volkspartei (DNVP).

Als am 30. Januar 1933 Adolf Hitler Reichskanzler wird, gibt es im Kabinett mit Wilhelm Frick und Hermann Göring nur zwei weitere Nationalsozialisten. Eingehegt von die vielen anderen vernünftigen Ministern werde der Reichskanzler sich schon mäßigen, das erfordere das Amt.

Trixi Storchs Großpapi Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk, vom 2. Juni 1932 bis zum 23. Mai 1945 Reichsminister der Finanzen, behauptete bis in die 1970er Jahre, er habe Schlimmeres verhindert.

Um „Schlimmeres zu verhindern“ hatte ja auch Papst Pius XII zu Judenverfolgung geschwiegen.

Im Umkehrschluss waren also sechs Millionen ermordete Juden, 60 Millionen Tote in Europa, 25 Millionen getötete Russen, der totale Zerstörung Europas oder die Ermordung von 20% der polnischen Bevölkerung gar nicht so schlimm. Hätte schlimmer kommen können.

Der Trugschluss ist offensichtlich. (….)

(Rechte Ränder, 29.09.2017)

Als Trump, der rassistische Schwachkopf Präsident wurde, hieß es auch; er werde sich im Amt schon mäßigen.

„Um Schlimmeres zu verhindern“ gingen Leute wie Außenminister Rex Tillerson und die drei Generäle John Francis Kelly als Stabschef des Weißen Hauses, James Norman Mattis als US-Verteidigungsminister und „H. R.“ McMaster als Nationaler Sicherheitsberater in seine Regierung. Aber es wurde Schlimmer, viel schlimmer.

Nachdem die drei ihn einhegenden Generäle aus Verzweiflung alle geflohen sind und nur noch eine Hobby-Handtaschendesignerin und ein gescheiterter New Yorker Jung-Immobilieninvestor als Berater übrig geblieben sind, gibt es niemand mehr, der dem Präsidenten erklärt in welchem Jahrzehnt und welchem Jahrhundert wir leben.

Mein Verständnis für Dr. Anthony Fauci und Dr. Deborah Birx als White House Coronavirus Response Coordinator ist ebenso aufgebraucht.

Sie dürfen nicht als Feigenblätter für einen wahnsinnigen Killerpräsidenten dienen, der empfiehlt Desinfektionslösung und Glühbirnen anal einzuführen, um Viren zu bekämpfen.


Man kann nicht mit Trump zusammenarbeiten, „um Schlimmeres zu verhindern“.

Schlimmer als Trump, schlimmer als Trumps Corona-Handling geht nicht.

Fauci und Birx würden mehr für die amerikanische Gesundheit erreichen, wenn sie sich mit einem ganz großen Wumms von Trump trennen, jede Zusammenarbeit verweigern und alle Trump-Maßnahmen scharf verurteilten.

Sie haben ohnehin nichts zu verlieren. Denn Trump fällt jedem Mitarbeiter irgendwann in den Rücken.

Eifersüchtig auf Dr. Faucis Zustimmungswerte tut er schon seit Wochen alles, um ihn zu diskreditieren.

Dr. Birx, die bis zur Selbstaufgabe versucht Trump nicht zu missfallen, erwischte vor wenigen Tagen ebenfalls eine Breitseite des Präsidenten.

[….] US-Präsident Donald Trump hat jetzt auch die Koordinatorin des Coronavirus-Krisenstabs des Weißen Hauses, Deborah Birx, offen attackiert. Trump bezeichnete Birx im Kurzbotschaftendienst Twitter als "erbärmlich", nachdem die Virenexpertin vor einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus gewarnt hatte. Der Präsident warf der Medizinerin vor, sie habe sich von Oppositionsführerin Nancy Pelosi zu ihren Aussagen verleiten lassen. [….]

(STERN, 04.08.2020)