Dienstag, 19. Februar 2019

Echte Probleme


Das war ja mal was.
Huch, da konzentrierte sich die öffentliche Diskussion kurz mal auf Dinge, die wirklich wichtig sind.
Klimawandel und die dramatische soziale Schieflage im Land.
Aber dank der C-Parteien und tumber Talkshow-Redaktionen konnte dieser Lapsus schnell bekämpft und wieder gegen Migranten gehetzt werden.
#AKK setzt Themen.

[….] Madame Gnadenlos
Unter der neuen Chefin rückt die CDU nach rechts. Dass die Partei das Thema Grenzschließungen forciert, ist nur noch tiefenpsychologisch zu erklären. [….] Die neue CDU-Vorsitzende wischt in der Flüchtlingspolitik mit einem Satz weg, was Angela Merkel jahrelang verteidigt hat. Wenn es wieder zu einem Flüchtlingsandrang wie 2015 käme, hielte sie es für richtig, die deutsche Grenze dicht zu machen. „Wir haben gesagt, als Ultima Ratio wäre das durchaus auch denkbar“, sagte Annegret Kramp-Karrenbauer am Montagabend in den Tagesthemen.
Unter Kramp-Karrenbauer, seit Dezember im Amt, rückt die CDU in der Flüchtlingspolitik also noch weiter nach rechts, das ist nach dem zweitägigen „Werkstattgespräch“ der Partei deutlich geworden. [….]
Zur Erinnerung: Erst im Sommer vergangenen Jahres trieb der damalige CSU-Chef Horst Seehofer die große Koalition mit der Forderung in eine Krise, Geflüchtete, die aus anderen EU-Staaten einreisen, an der Grenze zurückzuweisen. Merkel blieb in der Sache hart und setzte sich durch, Seehofer musste mit einem Minimalkompromiss zurück nach München reisen. Sie hatte recht.
Die Argumente von damals sind nicht falscher geworden. Nationale Maßnahmen greifen angesichts einer globalen Herausforderung zu kurz. Und, das vor allem: Wendete sich die größte Volkswirtschaft der EU von Schengen ab, also vom Verzicht auf Grenzkontrollen in der EU, wäre der symbolische Schaden immens.
Überhaupt fragt man sich ja, warum die CDU dieses Theater noch veranstaltet. Angesichts der geringen Flüchtlingszahlen ist es nur noch tiefenpsychologisch zu erklären, dass sie erneut die leidigen Grenzschließungen hochzieht. [….]

Das ist schon fast Trumpisch. Das orange Monster inszeniert einen nationalen Notstand angesichts einer seit zehn Jahren kontinuierlich schrumpfenden Anzahl von Grenzübertritten im Süden der USA.

Auch in Deutschland kommen inzwischen so wenige Flüchtlinge an, daß die Gemeinden riesige Verluste mit alle den leeren Unterkünften einfahren.

Ein Megathema, das tatsächlich unbedingt politisch gelöst werden muss, fassen C-Politiker hingegen gar nicht an.

[….] Das Wohnen ist zur zentralen sozialen Frage geworden, die Politik wird getrieben von Daten, Zahlen, Prognosen. Und von jenen Defiziten einer desaströsen Wohnungspolitik, die auch jetzt, da sie im Innenministerium verantwortet wird, nicht durch Weitsicht auffällt. Sondern allenfalls mit dem Populismus, der darin liegt, das Bundesministerium des Innern und für Bau auch noch eines für "Heimat" sein zu lassen. Wo doch schon die zunehmende Zahl von Volks- und Bürgerentscheiden offenbart, dass es gerade diese Heimat ist, die in der Bevölkerung als gefährdet und bedroht gilt. Dieser Angst käme man mit Wohnsicherheit, also mit einer nicht nur privat, sondern auch öffentlich organisierten Wohnungsbauwirtschaft eher als mit dem vagen Begriff "Heimat" entgegen. Die Wohnungspolitik befindet sich nahe am Rand zur Kapitulation.  [….]

Die Verschärfung der Wohnungsnot ist durchaus auch der Groko zu verdanken, die mit falschen Anreizen alles dafür tut, um Bauen und Wohnen noch teurer zu machen.

[….] Seit neun Jahren hält nun der Anstieg der Kaufpreise für Wohnimmobilien an - und er hat sich zuletzt sogar noch verstärkt: Im Jahr 2018 sind Eigentumswohnungen in Deutschland im Schnitt um 8,2 Prozent teurer geworden, so stellt es das Frühjahrsgutachten der Immobilienwirtschaft fest. [….] Anlässlich des am Dienstag vorgestellten Gutachtens im Auftrag des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) formulieren die sogenannten Immobilienweisen deutlich, wer aus ihrer Sicht Mitschuld am ungebremsten Preisanstieg hat: die Politik. Genauer die Bundesregierung, die durch zwei Maßnahmen eigentlich für mehr Wohnraum sorgen will - das Baukindergeld und befristete Steuerboni für Mietwohnungsbau. [….] Das Baukindergeld, das bereits im vergangenen Jahr eingeführt wurde, macht Häuser, Wohnungen und Grundstücke den Experten zufolge aber noch teurer. [….] Auch der vom Bundestag beschlossene, aber noch nicht wirksame Steuerbonus für Mietwohnungsbau wird laut Prognose der Immobilienweisen zu noch höheren Preisen führen. [….] Dabei ist die Teuerung ohnehin rasant, wie die Entwicklung im Jahr 2018 zeigt. Das gilt insbesondere für die sogenannten A-Städte, also die sieben größten Städte Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf. [….] Prognose für 2019: Es wird ungebremst teurer. [….]

Eine besondere Tragik besteht in dem Umstand des Super-Bauministeriums. Der zuständige Bundesminister vereint mehrere Ressorts in Personalunion, könnte also durchaus kraftvoll agieren, ist aber leider CSU-Mitglied – und diese versagen traditionell als Bundesminister – und zudem auch noch stinkend faul.

Seit er Super-Bundesheimatminister wurde fällt Seehofer durch ostentatives Schwänzen auf.

(….) Seehofer ist nicht mit rationale Maßstäben zu bewerten, sondern eher neroesk-Trumpisch.
Ihm gelingt nichts. Er sät nur Zwietracht.
All seine CSU-Herzensprojekte wie die Herdprämie oder die Antiausländermaut sind verfassungswidrig und/oder gescheitert, seine CSU-Minister können einfachste Rechtsstaatsprinzipien nicht einhalten, mit Grausen werfen prominente Parteimitglieder ihre Parteibücher weg, er konnte nicht verhindern, daß der von ihm zutiefst gehasste Söder sein Nachfolger wird, er konnte KTG nicht zurückbringen und insbesondere ist er nicht in der Lage sein Amt in Berlin auszufüllen. Er ist so überfordert, daß er seit Wochen alle wichtigen Termine schwänzt. Seehofer erschien nicht zum Integrationsgipfel und stellte fürderhin seine Arbeit ein.

[….] In den vergangenen Tagen hat sich Seehofer nicht gerade konstruktiv verhalten. In der CDU ist man genervt von seinen ständigen Absenzen. Dass er die Unionsfraktionssitzung am Dienstag geschwänzt hat, habe nicht zur Befriedung beigetragen, sagt einer aus der Fraktionsspitze. Zur Aktuellen Stunde über das Flüchtlingsschiff Lifeline am Mittwoch habe er herbeizitiert werden müssen. Und bei der Regierungserklärung der Kanzlerin am Donnerstag habe er wieder gefehlt. Auch in der CDU-Zentrale haben sie keine Erklärung. Was treibt den CSU-Chef wirklich? [….]

Seehofer hat scheinbar noch nicht mal begriffen, daß er nun Bundesminister unter Merkels Anleitung ist und in Berlin arbeitet.

[…..] Horst Seehofer ist Bundesminister mit Dienstsitz in Berlin. Laut "Bild"-Zeitung ist er dennoch über das Gespräch mit Kanzlerin in der Hauptstadt unglücklich: „Ich fahre extra nach Berlin, und die Kanzlerin bewegt sich null Komma null“, zitiert ihn die Zeitung. [….]

Der arme Irre hält sich offenbar immer noch für den König von Bayern und glaubt Merkel müsse devot zu ihm kommen. (….)

Seehofer ist Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat, Integration und die Verfassung; hätte also eigentlich mehr zu tun als alle anderen Minister.
Aber auch nachdem er mehrfach fast die Bundesregierung sprengte, dachte er nicht daran mal richtig zu arbeiten.

(….) Immerhin ist der Bundesinnenminister offenbar noch nicht mal in der Lage sich rechtszeitig dort einzufinden, wo die Musik spielt. Erneut schwänzte er die CDUCSU-Fraktionssitzung, als wäre das heute eine minderwichtige Angelegenheit, die ihn nicht betreffe.

[…..] CSU-Chef Horst Seehofer bleibt mitten im dramatischen Unionsstreit über die Migrationspolitik zum zweiten Mal in Folge einer Sitzung der Bundestagsabgeordneten von CDU und CSU fern. Er sei im Auto auf dem Weg zum Krisentreffen mit der CDU-Spitze nach Berlin, hieß es am Nachmittag in Parteikreisen. Es sei auch nicht notwendig, dass er noch in die Sitzung der Unionsfraktion nachkomme. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt saß auf dem Platz rechts neben Kanzlerin Angela Merkel an der Fraktionsvorstandsbank. Bereits in der vergangenen Woche war der Bundesinnenminister nicht zur Fraktionssitzung gekommen. [….]

Wir lernen also, daß Seehofer nicht fliegt und nicht Zug fährt. Und obwohl er als Innenminister schließlich seinen Dienstsitz in BERLIN hat, will er da nicht wohnen.
Also läßt er sich ständig mit dem AUTO zwischen Bayern und Berlin hin und herfahren. Daher steckt er scheinbar immer mal wieder im Stau und kommt nicht zu der Fraktionssitzung, wie alle anderen Abgeordneten, die natürlich einfliegen, wenn es dringend ist. (….)

Fleißig zu arbeiten ist seine Sache nicht.
Soooo dringend wird das mit den Wohnungen schon nicht sein, befindet der Heimat-, Bau- und Innenminister.

[….]Dabei weiß die Bundesregierung eigentlich, was zu tun ist. Regierungsberater haben das in der sogenannten Baukostensenkungskommission analysiert: Das Ergebnis ist 185 Seiten stark. Mit konkreten Vorschlägen, wie man Bauen billiger macht. [….]
O-Ton Dietmar Walberg, Mitglied Baukostensenkungskommission :„Für diese Punkte gibt es eigentlich eine ganz klare Zuständigkeit, die liegt beim für das Bauen und für den Wohnungsbau zuständigen Fachministerium. Das ist das Bundesministerium des Inneren und Heimat und die sind aus unserer Sicht nicht umgesetzt worden.“
Das ist der zuständige Bauminister: Horst Seehofer! Viel getan hat das Bau-Ministerium bisher nicht, die Aufgaben immer nur weiter vertagt.
[….] Wir sprechen Bauminister Seehofer am Rande eines Termins an.[….] Wann reagiert er auf die Vorschläge der Baukostensenkungskommission.

O-Ton Panorama: „Mitglieder dieser Kommission werfen Ihnen jetzt vor, dass Sie die Vorschläge nicht umsetzen. Was sagen Sie zu dem Vorwurf?“

O-Ton Horst Seehofer, CSU, Bundesminister für Bau: „Kommissionen neigen dazu,zu glauben, wenn sie ihre Arbeit abgeschlossen haben, dann müsste am Abend des gleichen Tagesschon die Umsetzung vollendet sein.“

O-Ton Panorama: „Die Baukostensenkungskommission hat 2015 die Vorschläge schon auf den Tisch gelegt. Das ist ja jetzt nicht gestern.“

O-Ton Horst Seehofer, CSU, Bundesminister für Bau: „Ja, dawar ich noch bayerischer Ministerpräsident.“

O-Ton Panorama: „Aber jetzt sind Sie ja Bauminister!“

O-Ton Horst Seehofer, CSU, Bundesminister für Bau: „Ja, aber wissen Sie, so wie Sie Ihr Leben auch nach Prioritäten abschichten müssen, wie jetzt die Hilfskräfte Prioritäten setzen müssen, was ist am Wichtigsten..., so muss ich das auch, muss es die Politik ja auch. Aber es ist auch nicht ganz einfach, Vorschläge zur Reduzierung des Bauaufwandes zu realisieren.“

Der Minister hat andere Prioritäten. Wer eine bezahlbare Wohnung sucht, dem kann das allerdings nur wenig Hoffnung machen. [….]


Montag, 18. Februar 2019

Dilemma

Du bist dir nur des einen Triebs bewußt,
O lerne nie den andern kennen!
Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,
Die eine will sich von der andern trennen;
Die eine hält, in derber Liebeslust,
Sich an die Welt mit klammernden Organen;
Die andre hebt gewaltsam sich vom Dust
Zu den Gefilden hoher Ahnen.
O gibt es Geister in der Luft,
Die zwischen Erd und Himmel herrschend weben
So steiget nieder aus dem goldnen Duft
Und führt mich weg zu neuem, buntem Leben!
Ja, wäre nur ein Zaubermantel mein,
Und trüg er mich in fremde Länder!
Mir sollt er um die köstlichsten Gewänder,
Nicht feil um einen Königsmantel sein.
 (Faust I)

Ein politischer Kompromiss ist nicht sexy, weil er in der aufgeheizten Welt der sozialen Medien von den Anhängern der eigenen Partei als „Einknicken“ missverstanden wird.
Einer, der Kompromisse mit dem Gegner macht, gilt als Weichling, als rückgratlos und schnöder Realpolitiker.
Wer in Koalitionen geht, Lösungen auslotet, mit Blödmännern an einem Tisch sitzt, wird inzwischen geradezu verachtet.
Populärer sind die harten Knochen, die auf Maximalforderungen bestehen. Das sind die, die nicht einknicken und von der Presse gefeiert werden.
Deswegen schlagen auch so viele auf den Tisch, lassen sich für ihre Unversöhnlichkeit feiern.
Wohin das führt sehen wir im britischen Parlament.
Das House of Commons existiert seit über 300 Jahren und wird 2019 von dickköpfigen Hardlinern gegen die Wand gefahren, weil die sich darin gefallen möglichst kompromisslos zu sein.

Dabei ist es genau umgekehrt: Stark und mutig ist es politischen Gegnern zum Wohle des Ganzen etwas zu geben, mit solchen Widerlingen wie den GOPern oder CSUlern an einem Tisch zu sitzen – wohlwissend, daß man dafür zu Hause von der eigenen Parteibasis gesteinigt wird.

Es ist verdammt schwer etwas abzugeben, das man nicht abgeben will, etwas aufzugeben, das essentiell ist.
Ein Kompromiss, der einem nicht richtig wehtut, weil man sich nur auf Gegenforderungen einlässt, die einem unwichtig sind, ist ein Fauler.

Gute Kompromisse bringen nicht nur frisch aufgerissene Wunden, sondern es muss auch Salz hineingestreut werden, um zu verdeutlichen was man bereit ist zu geben.

Angela Merkel besitzt durchaus die Fähigkeit nachzugeben. So entstehen die vielen Last-minute-Gipfelkompromisse, für die sie berühmt ist.
Sie ist aber nicht stark genug für die Salz-Prozedur und flüchtet sich ins Schwammige.
Dann passiert so etwas wie das jetzt schon berüchtigte geheime Zusatzabkommen zum just in Aachen erneuerten deutsch-französischen Freundschaftsvertrag.

[…..] Deutschland und Frankreich bündeln mit ambitioniertem Vertrag Kräfte und leisten Bekenntnis zu einem starken und souveränen Europa.
Das Bundeskabinett hat am 9.1. seine Zustimmung zur Unterzeichnung des Vertrages zwischen Deutschland und Frankreich über Zusammenarbeit und Integration gegeben. Der Aachener Vertrag wird am 22.1.2019 von Bundeskanzlerin Merkel und Präsident Macron in Aachen unterzeichnet. Der neue Vertrag wird den Elysée-Vertrag von 1963 nicht ablösen, sondern fortschreiben. [….]

In der nicht veröffentlichten Zusatzvereinbarung geht es um Rüstungsexporte.
Frankreich exportiert traditionell skrupellos, Deutschland etwas skrupulöser.
Bei gemeinsamen Rüstungsprojekten, soll der jeweils eine Staat dem Anderen nicht verbieten dürfen zu exportieren. (Es handelt sich konkret um Panzer und Kampfflugzeuge.)
Keine Exportbeschränkungen mehr für deutschfranzösische Panzer nach Saudi-Arabien? Da wollte die SPD nicht mitmachen, also führte man eine weitere Verschwurbelung ein, die zustimmungsfähig ist, weil sie vage und unklar ist.

[…..] Das Mer­kel-Ma­cron-Ab­kom­men sieht vor, dass die Re­gie­run­gen bei Ge­mein­schafts­pro­jek­ten grund­sätz­lich kei­ne Ein­wän­de ge­gen ihre je­wei­li­gen Ex­por­te er­he­ben wer­den. »Die Par­tei­en wer­den sich nicht ge­gen ei­nen Trans­fer oder Ex­port in Dritt­län­der stel­len«, heißt es un­ter Zif­fer eins des zwei­sei­ti­gen Do­ku­ments, »es sei denn in Aus­nah­me­fäl­len, wenn ihre di­rek­ten In­ter­es­sen oder na­tio­na­le Si­cher­heit ge­fähr­det sind.« […..] »di­rek­te In­ter­es­sen« lässt al­ler­dings auch In­ter­pre­ta­ti­ons­spiel­raum für ein deut­sches Veto.
Was pas­siert, wenn man sich nicht ei­nig wird? Da bleibt das Ab­kom­men mehr als wol­kig[…..] Eine en­ge­re deutsch-fran­zö­si­sche Zu­sam­men­ar­beit bie­te die Chan­ce, Eu­ro­pa sou­ve­rä­ner zu ma­chen, sagt Staats­mi­nis­ter Roth. »Aber da­für wer­den auch wir Deut­sche Kom­pro­mis­se ein­ge­hen müs­sen. Eu­ro­pe United kann ja nicht hei­ßen, dass je­der na­tio­na­le Be­schluss au­to­ma­tisch eins zu eins um­ge­setzt wird[…..] Strit­tig da­bei ist, wie viel Frei­heit Frank­reich für die spä­te­re welt­wei­te Ver­mark­tung der Waf­fen be­kommt. […..] Das deutsch-fran­zö­si­sche Ge­heim­ab­kom­men dürf­te den Kon­flikt zwi­schen bei­den Län­dern in Rüs­tungs­ex­port­fra­gen al­ler­dings bei Wei­tem nicht be­sei­ti­gen. Da­für sind die For­mu­lie­run­gen zu schwam­mig. Ex­em­pla­risch zeigt sich das in der Pas­sa­ge, die jene Rüs­tungs­ge­schäf­te be­trifft, wo etwa eine deut­sche Fir­ma ei­ner fran­zö­si­schen ein Bau­teil lie­fert und das fer­ti­ge Pro­dukt dann in ein um­strit­te­nes Dritt­land ge­hen soll. Da si­chern sich Deutsch­land und Frank­reich das »De-mi­ni­mis-Prin­zip« zu: So­lan­ge der Wert die­ses Bau­tei­les »un­ter ei­nem be­stimm­ten Pro­zent­satz« blei­be, dür­fe Deutsch­land oder Frank­reich die Lie­fe­rung des Bau­teils nicht un­ter­sa­gen. Die­ser Pro­zent­satz müs­se »ge­mein­sam vor­her fest­ge­legt« wer­den – wur­de er aber bis­her nicht. […..]
(DER SPIEGEL, 16.02.2019)

In dieser Angelegenheit weiß ich nicht wie ich entscheiden würde.

Die Überschrift der SZ von heute lautet: „Merkel will Rüstungsexporte erleichtern!“
Das spricht gegen alle meine Prinzipien.
Mehr Waffen für Krisengebiete, während Millionen Menschen aus Bürgerkriegen fliehen?
Wenn man so eine Überschrift liest, meint man, es handele sich um einen Schildbürgerstreich.





Es ist eins meiner essentiellsten politischen Ziele keine deutschen Waffen in Krisengebiete zu verschiffen. Ja, dabei spielt auch die deutsche Geschichte eine Rolle.

Mir ist aber genauso wichtig, daß sich Europa zusammenrauft. Noch wichtiger ist die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich.
Noch wichtiger als wichtig im Angesicht der Brexit-Fanatiker, der EU-Zentrifugalkräfte und des Trumpschen Angriffs aus Europa.
Noch wichtiger als wichtig sind Zugeständnisse an Frankreich deswegen, weil Deutschland den französischen Präsidenten seit einem Jahr schmählich im Stich lässt und damit womöglich Europa um seine letzte Chance bringt.
Schon sinkt Macrons Stern und die grauslich braune-Le-Pen-Gefahr steigt wieder auf.
Was nützt es meiner sozialdemokratisch-pazifistischen Seele, wenn sie auf Waffenexportstopp besteht, daran letztendlich die gesamte EU Kollabiert und dann gar keine ethischen Exportregeln mehr gelten?
Mehr Waffen exportieren, um anschließend weniger Waffen zu exportieren?

Ich bin dafür den Waffenexport radikal einzuschränken und gleichzeitig dafür Waffenexporte zu erleichtern (wenn das die letzte Möglichkeit ist, um die EU und das deutsch-französische Verhältnis zu retten.)
Eine OK der SPD zu mehr gemeinsamen Waffenexporten könnte also richtig sein, um die EU zu schützen und gleichzeitig falsch sein, weil es die SPD zerreißen könnte und damit die wichtigsten EU-Freunde aus der deutschen Bundesregierung verschwänden.
Das wird sehr schmerzhaft.

Leicht haben es nur die Hardliner beider Seiten. Die CDU/CSUler, die ohnehin keine moralischen Bedenken bei Rüstungsexporten haben und gern Parteispenden von Waffenproduzenten nehmen.
Und die ganz Linken, die kompromisslos „nein“ sagen, ohne sich mit den realpolitischen Konsequenzen eines schwer belasteten deutsch-französischen Verhältnisses herumzuplagen.

Sonntag, 17. Februar 2019

Geschlechtsverkehr


In früheren Lebensjahren beschäftigte ich mich intensiv mit Zootierhaltung, nachdem ich erfahren hatte, daß die Delphine im Hagenbecker Delphinarium, deren Shows ich als Kind so gern sah immer nur wenige Monate lebten.
Das winzige Becken für so bewegungsaktive Tiere, die sich auch noch mit Echolot orientieren war buchstäblich tödlich. Unbemerkt von der Öffentlichkeit schaffte der Tierpark einfach einen neuen Meeressäuger an, sobald mal wieder einer verreckt war und gab ihm den Namen des Vorherigen.
Die Neuen waren immer Wildfänge, weil sich Delphine unter diesen elenden Bedingungen kaum züchten lassen.
Die verblödeten Zoobesucher konnten die einzelnen Individuen ohnehin nicht auseinanderhalten und amüsierten sich königlich. Erst langsam führten Proteste von Tierschützern zum Erfolg. Viele Besucher boykottierten das Delphinarium, insbesondere als ein junger Delphin namens „Sindbad“ sogar während einer Show-Vorführung unter den Augen des Publikums starb. Viele waren der Ansicht, Sindbad hätte Suizid begangen.
1992 wurde endlich die Notbremse gezogen und das Delphinarium geschlossen.
In Westeuropa lernt man dazu und weiß inzwischen immer besser was Tierquälerei ist. Nur noch zwei deutsche Städte bieten solche Scheußlichkeiten an. Aber das Nürnberger Delphinarium hat einen sehr prominenten Förderer und Fan, der sich offenbar nicht um Tierwohl schert: Markus Söder.

[….] Noch immer wird in Nürnberg Chlor zur Desinfektion des mit Fäkalien belasteten Wassers eingesetzt. Chlor kann die Haut und die Augen der Delfine schädigen. In Ägypten erblindeten gar in Gefangenschaft gehaltene Delfine durch das gechlorte Wasser!
Die beiden Zoos in Duisburg und Nürnberg sind große Delfinfriedhöfe.
Etwa 100 Delfine und Wale starben dort bereits.
In Nürnberg starben 33 Delfine und in Duisburg über 60 Tiere.
Das Duisburger Delfinarium hat gar in den letzten zwei Jahren drei tote Delfin- Babys zu beklagen.
Lebendgeburten sind selten und die Überlebenschancen sind sehr gering. Obwohl das Delfinarium in Nürnberg bereits seit 1971 existiert, haben von über 20 Nachzüchtungen nur drei bis heute überlebt (1993 Noah, 1998 Naomi und 2014 Nami). […..]

Als Kind sah ich noch viele Zootiere in winzigen Gehegen unter schwerem Hospitalismus leiden, wie sie tumb hin und her schwankten.
Meine Einstellung zur Viecherhaltung hat sich seitdem radikal verändert.

Inzwischen ist nicht alles gut, aber doch vieles besser geworden. Hagenbeck hat, wie viele andere Zoos in Westeuropa und Nordamerika die Zahl der gehaltenen Arten deutlich zugunsten größerer Gehege reduziert.
Längst weiß man, daß ein kleiner Käfig mit einer Mahlzeit pro Tag nicht ausreicht.
Jeder Tierpfleger kennt den Begriff „Behavioural Enrichment“ und wendet viel Zeit auf, um den Gefangenen immer neue Aufgaben und viel Abwechslung zu bieten.
Niemand kann genau sagen was ein Tier denkt und fühlt, wie schrecklich es sich anfühlt in Gefangenschaft geboren zu sein und dort zu leben.
Meines Erachtens reagieren nicht nur Tierarten, sondern auch Individuen derselben Art unterschiedlich.
Das erleben Aufzucht-, Rescue- und Auswilderungsstationen, die sich um verwaiste und verletzte Tiere kümmern. Wenn sie soweit aufgepäppelt sind um freigelassen zu werden, hauen viele von ihnen sofort ab. Einige wollen aber nicht und haben sich aus verschiedenen Gründen an ein bequemeres Leben gewöhnt. Sie bleiben lieber in menschlicher Obhut.
Der Büchermarkt ist voll von rührenden Geschichten, in denen gesund gepflegte wilde Krähen, Elstern, Eichhörnchen, Pinguine, Waschbären zwar freigelassen wurde, aber anschließend freiwillig bei einer Menschenfamilie bleiben, weil sie sich offenbar wohlfühlen.

Die Zeiten des alten Carl Hagenbeck, der kontinuierlich neue Wildtiere und Menschen in Afrika einfangen ließ, um sie in seinem Hamburger Zoo vorzuführen, sind vorbei.

Es ist keine Hundert Jahre her, daß man hier bei mir vor der Tür in Hamburg entrechtete Menschen in Käfige sperrte und anglotze.

Gerne wurden „Schau-Neger“ auf Jahrmärkten gezeigt. Carl Hagenbeck ließ für seinen Zoo in Hamburg allerlei „wilde Afrikaner“ einfangen und zeigte sie den höchst interessierten Hanseaten in seiner „Völkerschau“.
Den christlichen Besuchern kam es gar nicht in den Sinn, daß es irgendwie unmoralisch sein könnte, neben Löwen und Antilopen auch Hottentotten und Zulus in Käfigen zu zeigen.
Die Körperlichkeit der vielen afrikanischen Völkerschauen in Deutschland faszinierte insbesondere die Frauen in Deutschland - hatten sie doch in der Regel noch nie nackte Männer gesehen.

Blütezeit der Völkerschauen in Europa war zwischen 1870 und 1940. Allein in Deutschland wurden in dieser Zeit über 300 außereuropäische Menschengruppen vorgeführt. Teilweise lebten in diesen „anthropologisch-zoologischen Ausstellungen“ gleichzeitig über 100 Menschen.
(Wiki)

Tatsächlich konnten die in Hamburg gefangenen Afrikaner noch von Glück reden. Es war nämlich durchaus auch üblich „Neger“ aus praktischen Erwägungen auszustopfen oder des einfacheren Transports halber nur ihre Köpfe auszustellen.
Noch heute lagern in den Kellern der Berliner Charité kistenweise getrocknete Köpfe von Menschen aus allen Gegenden Afrikas.

Heute entwickelt man angesichts dieses Verhaltens Scham.
Die Nürnberger Rassegesetze von 1935 und die Konsequenzen beschämen inzwischen auch die anderen Mächte der Welt, die ein Jahr später fröhlich feiernd zur Olympiade in Berlin erschienen.
Machte ja nichts.
Vermutlich wird sich unsere Scham noch weiter entwickeln.
Ich halte es für wahrscheinlich, daß in 50 Jahren Jugendliche uns Uralte entsetzt fragen werden, wieso man ohne irgendwelche Skrupel mit Nationen Handel trieb, die Frauen steinigten und Schwule aufknüpften.

Heute muss ein Zoo auf das Tierwohl achten, da der Mensch in den letzten 150 Jahren ganze Arbeit leistete - beim Ausrotten und der Vernichtung von Lebensraum wilder Tiere.

Zum Glück gibt es bei den meisten Wildtierarten einen recht zuverlässigen Parameter, um die Haltungsbedingungen zu beurteilen: Geschlechtsverkehr.
Die meisten Tiere vermehren sich nicht, wenn die Lebensbedingungen zu schlecht sind.
Einen Mann und ein Weib einer sehr seltenen Tierart – zum Beispiel Eisbär, Nashorn, Orang Utan oder Tiger – zusammen in ein Gehege zu setzen reicht nicht aus, um automatisch Nachwuchs zu generieren.
„Panda-Sex“ wurde sogar schon zur allgemeinen Metapher für den Unwillen zu kopulieren.

Ein Zoo muss viel Aufwand betreiben, große Gehege und bestes Futter zur Verfügung stellen, bevor ein Gorilla oder ein Panda in Wallung kommt.

Viele Großtiere investieren offensichtlich nicht in die kraftraubende Angelegenheit Kinder aufzuziehen, wenn die Überlebenschancen zu klein sind.
Viele Tierarten handeln diesbezüglich sehr rational.
Es gibt Mäuse, die beim Eindringen einer Schlange in ihren Bau, schnell die eigenen Jungen auffressen, wenn es keinen rechtzeitigen Ausweg gibt. Es ist wichtig die Proteinzufuhr nicht dem Aggressor zu überlassen.

Eine menschliche Besonderheit ist das Kopulieren reziprok zu den Lebensbedingungen.
Wo es ihnen am schlechtesten geht – im Gazastreifen oder in den nordafrikanischen Hungerzonen – pressen sie ein Balg nach dem Nächsten aus den Lenden.

Eine hohe Geburtenrate ist sogar ein direkter Indikator für schlechte Lebensbedingungen.

(…..) Pro Jahr werden es 83.686.000 Menschen mehr, das sind 229.277 Menschen pro Tag; 159 Menschen pro Minute und 2,7 Menschen pro Sekunde.

Ein paar von denen kann man aushalten, aber ein Zehntel würde locker ausreichen. 750 - 800 Millionen betrug die Gesamtweltbevölkerung Ende des 18. Jahrhunderts. Die Eine Milliarde-Menschen-Marke wurde 1804 geknackt. Reicht das nicht?

Schon damals konnten wir Ebenbilder Gottes bekanntlich Kriege, Genozide und Ausbeutung ganzer Kontinente vollbringen, weil es genug Soldatennachschub gab, weil die Frauen im Durchschnitt so viele Söhne hatten, daß sie es hinnahmen, daß ab und zu einer davon „auf dem Feld der Ehre“ zerhackt oder zerfetzt wurde.

Der enorme Bevölkerungsdruck, die Verzehnfachung der Menschen in 200 Jahren führte aber zu noch viel mehr Konflikten, Kampf um Ressourcen, Massenmigrationen, Fluchtwellen.

In den Teilen der Welt, die ein sehr geringes Bevölkerungswachstum ausweisen, oder gar wie Deutschland, Japan, Südkorea und die baltischen Länder (Fertilitätsrate bis 1,3) schrumpfen, ist die Kriegsmüdigkeit hingegen recht ausgeprägt.
Verständlich, denn wenn man/frau bloß ein Kind hat, geht es ihm einerseits ökonomisch besser, so daß es weniger wahrscheinlich auf die Idee kommt Soldat zu werden und andererseits sind die Eltern auch protektiver, lassen ihre Kindern weniger gern in den Krieg ziehen.

Länder mit den höchsten Fertilitätsraten – Gaza 4,9 Jemen 5,0 Ruanda 5,3 Kongo 5,8 Uganda 6,1 Somalia 6,3 Ost-Timor 6,3 Afghanistan 6,4 – sind offenbar auch besonders unfriedlich, weil die enorme Kinderzahl die Ressourcen erschöpft, Konkurrenz entsteht und Eltern auch eher mal den Tod eines ihrer Blagen verkraften.

Wir brauchen also weniger Menschen und daher weniger Nachwuchs.
Es ist wohl auch kein Zufall, daß die Länder mit der höchsten Bevölkerungsdichte auch die mit den geringsten Geburtenraten sind.

Abgesehen von den Stadtstaaten sind dies Südkorea mit 493 Einwohnern pro km², Holland 408 Einwohnern pro km², Belgien 371 Einwohnern pro km², Japan 336 Einwohnern pro km² und Deutschland mit 227 Einwohnern pro km².

Am unteren Ende der Skala liegen Estland mit 28 Einwohnern pro km², Schweden mit 22 Einwohnern pro km², Finnland und Norwegen mit 16 Einwohnern pro km², Kanada 4 Einwohnern pro km², Island und Australien mit 3 Einwohnern pro km².

Abgesehen von der Bevölkerungsdichte ist die schiere Masse Mensch offenbar weder gut für die Umwelt noch für die individuelle Zufriedenheit.
Nicht China und Indien (je gut 1,3 Mrd Menschen), USA (325 Mio), Indonesien (260 Mio), Brasilien (210 Mio), Pakistan (190 Mio) oder Nigeria (185 Mio) stellen glückliche Nationen dar, sondern der World-Happiness Report listet regelmäßig ganz kleine Länder als die glücklichsten Völker auf.

Schaut man sich die Top Ten der glücklichsten Länder der Erde an, so hat man den Eindruck, dass das Glück vor allem in Europa beheimatet ist. Mit Dänemark auf Platz 1, das mit der Schweiz auf Platz 2 die Positionen tauscht, Island, Norwegen und Finnland landeten auf den vorderen fünf Plätzen ausschließlich europäische Nationen.
Auch die Niederlande (Platz 7) und Schweden (Platz 10) schafften es unter die ersten Zehn des World Happiness Report 2016, der am Mittwoch in Rom vorgestellt wurde und auf einer Studie des Earth Institute der New Yorker Columbia Universität beruht. [….]

Bezüglich des Umgangs mit Ressourcen, der Kriegsgefahr und des Verhältnisses zur Umwelt ist es also ein Segen, daß Deutschlands Bevölkerung kaum wächst, daß die Geburtenrate im unteren Viertel aller Nationen liegt. (….)

Reiche europäische, asiatische und amerikanische Staaten sollten also stolz auf ihre kleinen Geburtenraten sein.

Aber auch innerhalb der einzelnen Nationen hängt die Geburtenrate vom Wohlstand ab.
Während mehr als die Hälfte der wohlhabenden Akademikerinnen in Deutschland gar keine Kinder haben, sind Transferempfänger deutlich empfänglicher.
Dabei bekommen Frauen umso mehr und umso eher Kinder, je ungebildeter sie sind.
Wegen der enormen sozialen Unterscheide gibt es auch in den USA eine vergleichsweise hohe Geburtenrate. Die ungebildeten Rednecks in den Trailerparks haben nichts anderes zu tun.

Herr Orban, der gern damit prahlt fünf Kinder gezeugt zu haben, während die verweichlichten Flüchtlings-freundlichen 3M (May, Macron, Merkel) allesamt kinderlos sind.
Das stimmt zwar, spricht aber eher gegen Orban.

Wie viele Rechtsradikale und Rechte ist der Ungarische Premier davon besessen mehr Menschen der eigenen Ethnie und Nationalität zu zeugen.
„Kinder statt Inder“ plakatierte die NRW-CDU einst unter MP Rüttgers mit radikal rassistischem Unterton.
Dabei sorgt ein Genmix für hohe Intelligenz.

[….] Es war im Hochgefühl des jüngsten Wahlsiegs, als Premierminister Viktor Orbán seinen Ungarn ein neues Großprojekt verhieß: Um die Demografie wolle er sich in der neuen Legislaturperiode vorrangig kümmern, sagte er im April 2018 und kündigte dazu eine "Vereinbarung mit Ungarns Frauen an". Das Ziel hat der dabei hoch gesteckt: Von derzeit durchschnittlich knapp 1,5 Kindern pro Frau soll die Geburtenrate bis 2030 auf 2,1 ansteigen. [….] "Wir leben in Zeiten, in denen in ganz Europa immer weniger Kinder geboren werden. Die Westler antworten hierauf mit der Einwanderung. So viele sollen hereinkommen, wie fehlen, und dann werden die Zahlen in Ordnung sein", schimpfte er diese Woche in einer Rede zur Lage der Nation. In Abgrenzung zum wertevergessenen Westen präsentierte er den "ungarischen Menschen", der das Problem anders angehe: "Wir brauchen keine Zahlen, sondern ungarische Kinder." [….]
Zur Aufrüstung in diesem Kampf will Ungarns Regierung nun offenbar viel Geld investieren. Der "Aktionsplan zum Schutz der Familie", der in diesem Sommer in Kraft treten soll, verspricht dabei zum Beispiel jeder ungarischen Frau unter 40 Jahren bei der ersten Eheschließung einen Kredit in Höhe von zehn Millionen Forint, umgerechnet gut 30 000 Euro. Bei der Geburt des ersten Kindes wird die Rückzahlung für drei Jahre ausgesetzt. Nach dem zweiten Kind wird ein Drittel, nach dem dritten der gesamte Kredit erlassen. Frauen mit vier oder mehr Kindern sollen künftig lebenslang von der Einkommensteuer befreit werden. [….] Auch Orbán selbst hat das Thema in seiner Rede mit der EU-Wahl verknüpft, die er als "finale Schlacht" bezeichnete. "Im Vorfeld der europäischen Wahlen hat Europa erneut den Punkt erreicht, an dem wir unsere ungarische Identität, unser christliches Erbe verteidigen müssen", sagte er. [….]

Der arme Irre sorgt mit gigantischem Aufwand dafür Menschen aus Ungarn fernzuhalten, sie ins Meer zu treiben und ersaufen zu lassen und beklagt sich dann über die angebliche Unterbevölkerung Ungarns.
 Nun also die finanzielle Fick-Förderung, statt den Menschen zu helfen, die auf der hoffnungslos überbevölkerten Welt schon vorhanden sind. Poppen für den Premier.


[…..] Im vergangenen Jahr ist erstmals jede zweite neu geschaffene Arbeitsstelle in Deutschland mit ausländischen Arbeitskräften besetzt worden. Ganze Branchen sind auf Arbeitnehmer aus dem Ausland angewiesen. Waren im Jahr 2008 noch 28,8 Prozent der Beschäftigten in der Gastronomie ohne deutschen Pass, sind es inzwischen 56 Prozent. In Schlachtereien ist der Anteil ausländischer Arbeitnehmer von zwölf Prozent im Jahr 2008 auf 53 Prozent 2018 gestiegen. Im Hochbau sind es 43,5 Prozent, und auch im Reinigungsgewerbe hat mehr als jede dritte Reinigungskraft keinen deutschen Pass, insgesamt 34 Prozent. Die deutsche Wirtschaft - und über die Steuereinnahmen wir alle - profitieren davon erheblich. Der Chef der Bundesagentur für Arbeit in Hamburg, Sönke Fock, betont, dass die gute wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre in Deutschland ohne die ausländischen Arbeitskräfte nicht realisierbar gewesen wäre: "Es wären Stellen unbesetzt geblieben, es hätten Aufträge nicht bearbeitet werden können." [….]