Freitag, 8. Dezember 2017

So konservativ bin ich.



Daß sich alle SPD-Mitglieder untereinander duzen hat historische Gründe, die ich verstehe und akzeptiere.
In meinem privaten Umfeld bin ich kein Freund penetranten Duzens.
Im Gegenteil, ich benutze gern das Instrumentarium verschiedener Anreden.
In Hamburg gibt es neben „Siezen“ und „Duzen“ auch noch eine dritte Variante – Siezen mit Vornamen.
Die verschiedenen Anreden sind die Diplomatie des kleinen Mannes und sehr nützlich.

Stilistische Flexibilität ist extrem wichtig, weil man nur dann auf verschiedenen Kommunikationsebenen bestehen kann.
In einer akademischen Arbeit haben die vielen Übertreibungen, schrägen Metaphern und Ausschmückungen, die ich privat verwende, um unterhaltsamer zu sein, nichts zu suchen.
Wenn es ausschließlich Fakten geht, die andere nachvollziehen können müssen, herrscht Adjektiv-Diät; Füllworte wie „Ja, echt, vielleicht, eventuelle, irgendwie“ haben dort nichts zu suchen.
Wer aber auch privat wie ein Jurist klingt, weil er nur sachlich und kühl formuliert, kann keine emotionalen Verbindungen herstellen.
Alles hat seine Zeit und seinen Platz.
Meinen Blog betrachte ich als privates Tagebuch. Hier schreibe ich wie mir der Schnabel gewachsen ist und hoffe auch trockene Themen einigermaßen kurzweilig zu gestalten, indem ich Ironie, Sarkasmus, Beschimpfungen nach Herzenslust verwende.
Gelegentlich kommt es vor, daß ich ein Blogposting als Gerüst für einen Leserbrief an eine Zeitung verwende.
In so einem Fall muss ich aber viel umformulieren, weil ein Leserbrief sich an die gesamte Leserschaft des entsprechenden Periodikum wendet und ich dementsprechend nicht so flappsig wie in meine privaten Blog sein darf. So ein Leserbrief, der durchaus auch mal abgedruckt wird, muss von jedem verstanden werden, der eben nicht meine ironischen Anspielungen sofort verstehen kann.

Wenn ich abends meiner Freundin meine private Meinung über Andrea Nahles darlege klingt das selbstverständlich anders, als die gleiche Argumentation einen Tag später, wenn es eine Unterhaltung mit Fremden an einer Supermarktkasse ist.

Es ist aber nicht nur wichtig öffentlich klar und nicht beleidigend zu sprechen, um von jedem unzweideutig verstanden zu werden, sondern es ist auch eine Kunstform an sich.
Ich jedenfalls mag es, wenn Politiker öffentlich „druckreif“ sprechen können, sich nicht verhaspeln und offenbar in der Lage sind zu abstrahieren, indem sie eben als Volksvertreter nicht so sprechen, wie morgens vorm Zähneputzen mit ihrem Partner im Bett.
Die vornehmste Bühne für große Rhetoren bildet natürlich das deutsche Parlament.
Ich wünsche mir insbesondere von den Fraktionsvorsitzeden Intellektualität und Redetalent.
So etwas gibt es durchaus.
Es war ganz unabhängig vom politischen Standpunkt immer eine Freude die großen Rhetoren wie Helmut Schmidt, Hans-Ulrich Klose, Hildegard Hamm-Brücher, Joschka Fischer, Gerald Häfner, Joschka Fischer oder Ingrid Matthäus-Maier zu hören.
Ludwig Stiegler, leider nur von Juli bis Oktober 2002 Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion war ebenfalls sehr kurzweilig. Genau wie Peter Struck, den ich immer noch sehr vermisse.
Scharping und Merkel waren als Fraktionsvorsitzende eher ungeeignet, weil sie so schwache Redner sind. Steinmeier und Oppermann sind intellektueller, aber ebenfalls langweilige Redner. Immerhin wissen sie was eine offizielle Rede ist und waren fähig sich auszudrücken.
Der absolute Tiefpunkt ist Andrea Nahles.

Es ist nicht nur erschreckend wie unsachlich und ordinär sie sich grundsätzlich ausdrückt. Schlimmer ist, daß sie offensichtlich keinerlei Gespür dafür hat in welchen Situationen Schulhofsprache nicht angebracht ist.

Ihre immer wieder zum allgemeinen Mitschämen tauglichen Plappereien sind Legende.




Inzwischen ist sie aber Fraktionsvorsitzende und damit Oppositionsführerin. Oder auch demnächst eine der Regierungs-Hauptrederinnen.
Sie steht auf einer Bühne, die international beobachtet wird.
Da redet man nicht mehr so wie im Hinterhof zwischen den Mülltonnen.


„Meiner Meinung nach brauchen wir in den nächsten Wochen alle, auch die Jusos, um aus dieser ungeheuerlichen, von anderen angerührten Kacke einen guten Weg nach draußen zu finden.


Bätschi, Kacke, Fresse?

Man nenne mich konservativ. Aber ich will nicht, daß sich meine Fraktionsvorsitzende öffentlich immerfort derart lausig ausdrückt.

[….]  Liebe Andrea Nahles,
an einem Tag, der geprägt war von Bränden in Kalifornien und Jerusalem, noch für ein besonderes Lowlight zu sorgen, das muss man auch erst einmal schaffen.
[….] Natürlich waren Sie es: Andrea Nahles, der stets übergriffig gut gelaunte Stimmungstanker aus der  Eifel. [….] Ich kann es ja durchaus verstehen, dass es irgendwie ein erhebendes Gefühl sein muss, als Partei am Boden liegend es doch nochmal irgendwie Richtung Ringecke zu schaffen. Ist gewiss schön, die Not der Kanzlerin zu spüren und sich plötzlich wieder wichtig fühlen zu dürfen. Große Politiker hätten solche Situationen souverän erkannt und lässig ausgespielt. Aber es ist eben nicht nur wichtig, ein guter Verlierer zu sein. Es ist noch viel wichtiger, ein guter Gewinner zu sein. Oder irgendwas dazwischen. Zum Beispiel eine gute Fraktionsvorsitzende. [….]
Oder halt eben Andrea Nahles. Die es fertig gebracht hat, eine vermeintlich gute Verhandlungsposition in Sachen GroKo wie folgt zusammenzufassen: "Die SPD wird gebraucht. Bätschi, sage ich dazu nur. Und das wird ganz schön teuer. Bätschi, sage ich dazu nur."
Bätschi. Ja. Sie hat Bätschi gesagt. Worte wie Verzögerungscreme fürs Ohr. Es hat mir körperlich weh getan. Und das passiert mir derzeit eigentlich immer nur bei Trump. 
Bätschi. Ja, wirklich.
Nur fürs Protokoll. Andrea Maria Nahles ist 47 Jahre alt und durch einen irren kosmischen Zufall Fraktionsvorsitzende einer großen deutschen Partei und nicht etwa die Zweitbesetzung von Bibi Blocksberg in der Schultheateraufführung von "Bibi und Tina" in der Stadthalle Gütersloh.
Mit jedem Bätschi stirbt irgendwo ein roter Schal.
Was ist bloß los mit Ihnen? Wie kann man beim Gegenüber jedweden Anflug von Kompetenzvermutung binnen weniger Sekunden einfach so wegkarnevalisieren. Gehen wir mal davon aus, aus irgendeinem unerfindlichen Grunde wäre man auf diesem Parteitag plötzlich wieder für die SPD entflammt. Schulz gibt den Willy, die "Vereinigten Staaten von Europa" oder die Sondierungsanbahnung, wasweißich.
Spätestens, wenn der letzte noch aktive Vulkan aus der Eifel loslegt, wird dieses zarte Glimmen Sympathie zertreten, ausgetrampelt und totprovinzialisiert. Es ist ein Drama.
Es ist alles so bollerig, so unelegant
Mit der Grazie einer pfälzischen Leberwurst-Königin planiert sie sämtliche Ambitionen ihrer Partei auf so etwas wie Wählbarkeit oder macronsche Klasse. [….]

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Grand Old Perverts.



Was soll man noch von einer konservativen Partei halten, die unablässig ihre christlichen Werte anpreist und sich hinter einem 17-fach angeklagten sexuell Übergriffigen und chronischen Lügner schart, sowieso einen vielfach der Pädophilie Bezichtigten als US-Senator empfiehlt?

“They’re not the party of Lincoln, they’re the party of Roy Moore and the Grand Old Pedophiles, is what they are. Grand Old Perverts who are willing to compromise morals and conviction and decency for a vote. That’s the message they’re sending.”

“I’m watching the Republican Party destroy itself.   The tribalism that we are seeing within the party, what’s happening in Alabama, the fact that the national party now is backing this incredibly accused child molester is despicable.”


Vor wenigen Jahren amüsierte ich mich noch über die Beschreibung “Gay Old Party”, weil regelmäßig konservative Homophobe der GOP dabei erwischt wurden mit (meist sehr jungen) Männern zu vögeln.
Psychologisch ist es verständlich, daß gerade sehr konservative und sehr religiöse Menschen ihre heimliche Homosexualität kaschieren, indem sie öffentlich besonders radikal schwulenfeindlich auftreten.
Ein gewisser Papst außer Dienst ist das beste Beispiel dafür. Sein mutmaßlich heterosexueller Nachfolger hingegen hat gar keinen Grund so hasserfüllt über Schwule zu sprechen, da er, wie ich annehme, auch nicht heimlich von Sex mit Männern träumt.

Päpste und US-Senatoren kann man aber nicht ausschließlich psychologisch bewerten, weil sie als sehr mächtige Menschen diskriminatorische Politik durchsetzen, die bestimmten Minderheiten sehr schadet und mittelbar zur Gewalt und Missachtung dieser Menschen führt.

Als politischer Gegner der US-Republikaner ist es nicht nur wichtig die ertappten heimlich schwulen Schwulenhasser zu outen, um die Hypocrisy der GOP zu entlarven, sondern, sind wir mal ehrlich, es macht auch Spaß diese Hasspolitiker zu demütigen.
Ich bin nicht stolz drauf, aber natürlich lache ich auch über die ganzen Airport-toilet-Witze mit dem erzkonservativen US-Senator Larry Craig aus Idaho.

(…..) Manchmal ist Gott doch gerecht: Hatte sich noch 1998 Senator Craig ganz besonders über Bill Clinton empört - Präsident Bill Clinton, befand Craig angesichts des Lewinsky-Skandals, sei «ein ekliger Junge», den aus dem Amt zu entfernen Sitte und Moral verlangten – jammert der offizielle Schwulenhasser Larry Craig nun um Verständnis, nachdem er auf einem Airport-Klo ausgerechnet einen Undercover-Cop zum ficken anbaggerte.
Es ist immer dasselbe: Je christlicher und rigider die Moralapostel auftreten, desto heuchlerischer sind sie! Sie konnten noch in den 90ern ein ganzes Land in Aufruhr versetzen, weil Bill Clinton EINVERNEHMLICHEN heterosexuellen Oralverkehr hatte. Ein Amtsenthebungsverfahren, das Hunderte Millionen Dollar kostete und den Präsident am Arbeiten hinderte, war doch tatsächlich die Folge. Penauts dagegen was der Republikaner Bush anschließend tat:
Pausenlos lügen, daß sich die Balken biegen, Kriege anzetteln, die die Welt ins Chaos stürzen und Hunderttausende Tote verursachen, Amerikas Ansehen in der Welt komplett ruinieren oder auch ein ökonomisches Desaster anrichten – all das ist natürlich kein Grund an ein Amtsenthebungsverfahren zu denken – ist ja auch wesentlich harmloser, als sich mal einen blasen zu lassen.
Aber zum GOTT SEI DANK BALDIGEN Ende der Bush-Präsidentschaft poppen sich die Repse lustigerweise selbst ins Aus:
Da gab es den Abgeordneten Mark Foley, der männlichen Pagen schlüpfrige Pimmel-E-Mails sandte, Ted Haggard, der Vorstand der National Association of Evangelicals, der sich von einem männlichen Prostituierten bedienen ließ, Bob Allen, republikanischer Abgeordneter in Florida, der bei der Bitte nach Oralsex versehentlich an einen Polizisten geriet, und James Guckert alias Jeff Gannon, der einen "Begleit-Service" für Männer betrieb und vom Weißen Haus einen Presseausweis bekam, weil er immer so nette Fragen an George W. Bush stellte. Glenn Murphy Jr., der Vorsitzende der GOP-Jugendorganisation Young Republicans, trat von allen Ämtern zurück, nachdem er einen 22-jährigen Mann sexuell genötigt hatte. Senator David Vitter aus Louisiana steht auf der Kundenliste der Washington Madam, des bekanntesten Bordells in Washington. In South Carolina musste der Staatspolitiker Thomas Ravenel als Wahlkampfleiter des republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain zurücktreten, nachdem er offenbar Kokain geschnupft hatte. In North Carolina erwischte die Polizei im Juni den republikanischen Kirchenmann und Sittenwächter Coy Privette einer Prostituierten.
"Als die Nachricht von Senator Craig die Runde machte, forderten manche Republikaner seinen Rücktritt — andere wollten seine Telefonummer haben", spottete der Late-Night-Talker Dave Letterman. Der einzige Republikaner, der wenigstens bloß gegenüber Frauen anzüglich wird, ist Arnold Schwarzenegger. "Die Republikaner müssen ihr Haus in Ordnung bringen — auch die Toilette", donnerte das Wall Street Journal. (….)
(So’n Pech, 01.09.2007)

[Ach wie süß; das postete ich vor über zehn Jahren. Damals dachte ich noch GWB wäre das Schlimmste, das der USA passieren könne.]

Nach zehn Monaten Trump-Präsidentschaft stellt sich die Situation ganz anders dar.
Einerseits ist es erstaunlich wie stark sich im Jahr 2017 eine vom radikal Homophoben Mike Pence getriebene US-Administration immer noch gegen die Anerkennung von Schwulen und Lesben stellt – immerhin gilt gay marriage längst bundesweit in den USA.

Aber mit einer Kaskade von Dekreten strich Trump alle LGBTI-freundlichen Programme, verbannte Transgender aus der US-Army.
Die GOP-Homoskandale und Pädoskandale gibt es also immer noch, da sich die weit nach Rechtsaußen gerückte Partei immer fanatischer antihumanistisch aufstellt.

[….]  Oklahoma police release body cam footage showing former State Senator Ralph Shortey caught in a hotel room with an underage boy.
The Moore Oklahoma Police Department released the bodycam footage of former Republican State Senator Ralph Shortey being busted in a hotel room with a teen boy earlier this week.
Shortey faces life in prison after pleading guilty to child sex trafficking last month.
After being caught in the hotel room with the underage boy, the conservative Christian lawmaker Ralph Shortey entered a plea of guilty late last month to child sex trafficking charges in hopes of receiving a more lenient sentence.
In the recently released police body cam footage Shortey can be seen wearing an obnoxious and misogynistic T-shirt saying “make me a sandwich” with a reference to the Biblical quote from Ephesians 5:22:

Wives, submit yourselves to your own husbands as you do to the Lord.

[…..] Bottom line: Nothing says “conservative Christian Republican family values” like a state senator caught in a hotel room with an underage boy.[….]

[…..] Anti-LGBTQ lawmaker resigns over gay sex scandal
Republican Ohio state Rep. Wesley Goodman may have also previously assaulted an 18-year-old. A vocally anti-LGBTQ lawmaker has resigned his position after being caught having sex with another man. Wesley Goodman, a Republican Ohio state representative serving his first term, resigned earlier this week after it came to light that he’d engaged in “inappropriate behavior” of a sexual nature with another man earlier this autumn, according to Ohio House Speaker Cliff Rosenberger.
Rosenberger confirmed the incident in a statement: “I met with him later in the day where he acknowledged and confirmed the allegations. It became clear that his resignation was the most important course of action for him, his family, the constituents of the 87th House District and this institution.” [….]

Der Unterschied zu früher ist aber, daß die GOP so klar zur Partei der Heuchler geworden ist, sich so intensiv für Pussygrabber, Pädophile, notorische Lügner, Kriminelle und Vergewaltiger engagiert, daß es nun wirklich niemand mehr stört, wenn ein Parteimitglied beim außerehelichen Sex mit einem Mann erwischt wird.
Das ist gar keine Meldung mehr wert.

Wen interessieren noch 20 konservative homophobe US-Republikaner, die über Schwulensexskandale stürzten, wenn der Typ, der mit Vergewaltigungen prahlt und öffentlich Behinderte nachäfft zum US-Präsidenten gewählt wurde?

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Mehr Golf bitte.



Eine Schlagzeile ist diese extreme Hypokrisie natürlich wert.
Der Typ, der Obama bezichtigte zu viel Zeit auf dem Golfplatz zu verbringen, statt als Präsident im Oval Office zu arbeiten, stellt sich als Obamas Nachfolger als faulster US-Präsident aller Zeiten dar.

[….] Donald Trump hat am Freitag zum 80. Mal einen seiner eigenen Golfclubs besucht, seit er am 20. Januar seinen Amtseid ablegte.
Das hat der Sender CNN errechnet - und strahlte zugleich Clips aus dem Wahlkampf im vergangenen Jahr aus: Da hatte der Republikaner wiederholt mit Seitenhieb gegen Vorgänger und Golfliebhaber Barack Obama betont, dass er sich als Präsident keine Zeit nehmen würde, den Schläger zu schwingen: Er würde nur arbeiten, arbeiten - zum Wohle des amerikanischen Volkes. [….]

Ich bin aber weit davon entfernt mich über Trumps obsessive Golferei zu ärgern.
Im Gegenteil, so lange er kleinen weißen Bällchen in seinem Golfcart hinterher juckelt, stellt er wenigstens nichts Schlimmeres an.

Trump und seine Partei, die GOP, die „Grand Old Perverts“ sind eben nicht länger nur eine lächerliche Lobbyistenvereinigung, um gewaltig von unten nach oben umzuverteilen, sondern sie bemühen sich als neroeske Terrortruppe intensiv darum die Welt zu entflammen.


Gerade halten die USA das größte Militärmanöver seit 1948 an der nordkoreanischen Grenze ab, um Kim Jong Un maximal zu provozieren. Gut möglich, daß es dem Atomschlag-begeisterten Trump bald gelingt den Biscuit zu knacken und mit dem darin enthaltenen Code den „Football“ zu aktivieren.

Der destruktive Irre hat allerdings noch weitere Eisen im Feuer; irgendwie wird er die Welt schon kaputt bekommen.
Seit gestern zündelt er intensiv im Nahen Osten, indem er etwas so Wahnsinniges tut, das sogar der nicht unbedingt friedensliebende George W. Bush alle sechs Monate durch eine Unterschrift verhinderte, Clinton und Obama sowieso.
Sie alle sorgten stets dafür das entsprechende Gesetz nicht umzusetzen.

[….] Der Erlass für den Sitz der Botschaft bezieht sich auf ein Gesetz aus dem Jahr 1995, in dem der amerikanische Kongress ihre Verlegung beschlossen hatte. Bislang verschoben aber alle Präsidenten die Umsetzung mit der Begründung, dies schade der nationalen Sicherheit. Die Frist wurde immer wieder um sechs Monate verlängert. Trump hatte die Verlegung der Botschaft im Wahlkampf versprochen. [….]
(dpa, 06.12.17)

Wir erleben ein Musterbeispiel von Trumps völliger Ignoranz.
Die Bush-II-Administration mit Cheney, Wolfowitz und Rumsfeld war sicherlich noch israelfreundlicher als Trumps kuriose mit radikalen Antisemiten (Gorka, Bannon) besetzte Chaosbande. Aber selbst GWB, der immerhin zwei illegale Angriffskriege begann, erkannte nicht offiziell die 1967 im Sechstagekrieg von Israel besetzte heilige Stadt der Araber als Hauptstadt Israels an.
Jeder Achtjährige kann sich ausrechnen, welchen Zündstoff so eine Wahnsinnstat in der ultraleicht entzündlichen Gegend darstellt.

[….] Bevor Donald Trump Präsident der USA wurde, war er im Immobiliengeschäft tätig [….] Das gilt auch für seinen Schwiegersohn Jared Kushner, der früher Hochhäuser baute und heute ein ranghoher Berater im Weißen Haus ist, von Trump damit beauftragt, Frieden zu schaffen zwischen Israel und den Palästinensern. Und es gilt für Jason Greenblatt, der sein ganzes Berufsleben als Anwalt mit Grundstücken zu tun hatte, bis ihn Trump voriges Jahr zu seinem Beauftragten für internationale Verhandlungen ernannte.
Insofern war die Frage nicht allzu ketzerisch, die der israelisch-amerikanische Medienunternehmer Haim Saban vor einigen Tagen Kushner bei einer Veranstaltung in Washington stellte. Kushner sollte erklären, wie er das hinkriegen wolle mit dem Frieden im Heiligen Land, an dem er seit Monaten bastelt. Und Saban machte keinen Hehl aus seinen Zweifeln: "In der ganzen Gruppe ist kein einziger Nahostexperte", stichelte er. "Ich meine, wie arbeitet ihr mit lauter Leuten, die keine Ahnung von nichts haben? Was macht ihr Jungs?" [….]

Der von keinerlei Bildung belastete Hobbygolfer begreift wieder einmal gar nicht was er anrichtet – außer, daß er wieder einmal seiner tödlichen Obsession frönt die Spuren Obamas aus der Geschichte zu tilgen.
Daß er den ohnehin unter seinem Freund Bibi nicht vorankommenden Friedensprozess damit beerdigt, ist Trump egal.

Mahmud Abbas (Palästinenserpräsident): "Diese beklagenswerten und unannehmbaren Maßnahmen untergraben bewusst alle Friedensbemühungen." Washington gebe "seine Rolle als Förderer des Friedensprozesses" auf.
Ismail Hanija (Chef der radikalislamischen Hamas): "Trumps Entscheidung (...) wird die historischen und geografischen Fakten nicht verändern. Das palästinensische Volk weiß angemessen auf die Missachtung seiner Gefühle und Heiligtümer zu reagieren."
Emmanuel Macron (Präsident Frankreichs): "Zum Thema Jerusalem: Frankreich ist nicht einverstanden mit der Entscheidung der Vereinigten Staaten. Frankreich unterstützt die Zwei-Staaten-Lösung in Israel und Palästina, in Frieden und Sicherheit, mit Jerusalem als Hauptstadt zweier Staaten. Wir konzentrieren uns auf Beschwichtigung und Dialog."
Türkisches Außenministerium: "Wir verurteilen die unverantwortliche Stellungnahme der US-Regierung."
Iranisches Außenministerium: "Diese irrationale und provokante Entscheidung wird zu einer weiteren Intifada sowie mehr Extremismus und Gewalt führen."
António Guterres (UN-Generalsekretär): "Es gibt keinen Plan B. Ich habe mich immer wieder gegen einseitige Maßnahmen ausgesprochen, die die Aussichten auf einen Frieden zwischen Israelis und Palästinensern gefährden würden."
Saeb Erakat (Generalsekretär der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO): "Ich denke, dass Präsident Trump die USA heute Abend für jegliche Rolle im Friedensprozess disqualifiziert hat. Er hat die Zwei-Staaten-Lösung zerstört."
Jamal Zahalka (arabisch-israelischer Parlamentsabgeordneter): "Trump spielt mit dem Feuer, er kümmert sich nicht um anhaltendes Blutvergießen und er ist bereit, alles zur Beschwichtigung der extremen Rechten in Israel zu tun." Zahalka sprach von einer "Beerdigungsfeier für den Friedensprozess."

Auch in Deutschland ist jeder Mensch mit mehr als drei Hirnzellen zutiefst geschockt von der Entscheidung aus Washington.

[….] Trump ist ein Spieler. Aber wer im Nahen Osten glaubt, spielen zu können, reitet auf einer Rasierklinge. Der US-Präsident scheint aus seinem sehr eingeengten Blickwinkel wirklich zu glauben, mit diesem Schritt das Spielfeld erweitern zu können. Gerade das macht diese Entscheidung so dramatisch. [….]

Beifall klatschen Trump nur die übelsten rechtsradikalen Islamophoben in Deutschland.
David Berger, der verwirrte rechtsnationale Ego-Blogger ist entzückt und stellt einen „Gastbeitrag“ des fanatischen Zündlers Adam Elknakhal auf seinen Phimoseblog.

[…..] Allen voran unsere Kanzlerin, die über Israels Existenzrecht als „deutsche Staatsräson“ spricht, könnte nun ihren als leer empfundenen Worten Taten folgen lassen und die deutsche Botschaft in Israel ebenfalls dorthin verlegen, wo sie auch hingehört: In die Hauptstadt Jerusalem!
Die Wahrscheinlichkeit, dass dies in absehbarer Zeit passieren wird, geht freilich gegen Null.
Trotzdem bleibt der Schritt der Vereinigten Staaten ein Hoffnungsschimmer und vielleicht setzt er einen Dominoeffekt in Gang – auf dem Weg zur Normalität.
Das von Feinden umgebene Israel kann aufatmen. Der große Bruder steht wieder freundschaftlich an der verwundbaren Seite. Trump sei Dank! [….]

Wer so überschwänglich vom braunen Hassblogger Berger gelobt wird, hat die Gewissheit vollkommen falsch zu liegen.

Mehr Krieg und Terror werden folgen, also genau das, was Typen wie Berger und Trump so heiß ersehnen, dass sie es immer herbeireden.
Je mehr Blutbad, desto glücklicher sind sie.

Wäre Trump doch in Mar A Lago geblieben, hätte seine 200.000-Dollar-Mitgliedsbeiträge kassiert und seine enthirnten Epigonen durch Betrügereien beim Golf geschlagen.