Montag, 13. November 2017

Schlimme Nacht - Teil II



Heute wachte ich schweißgebadet auf und hatte wieder diesen gräßlichen Alptraum.
Unglaublich was für einen Scheiß man zusammenträumen kann.
Wie kommen diese völlig abstrus-destruktiven Plots in das eigene Gehirn? Wieso fühlen sich diese Alpträume so ungeheuer real an, daß man fühlt, schmeckt und riecht? Und wie ist es möglich, daß sich diese kurzen REM-Phasen anfühlen, als ob sie Monate und Jahre anhalten; man in endlosen Schleifen Qualen durchmacht? Und wie können Hirngespinste sich emotional so verdichten, daß man deutliche physische Auswirkungen spürt? Krämpfe, Schweißausbrüche, Zittern und wüstes Umsichschlagen. Bis sich Traum und Realität nicht mehr unterscheiden lassen.
Rätsel Mensch, Rätsel Gehirn.
Es war wieder dieser eine Alptraum, bei dem Hillary Clinton zwar drei Millionen Stimmen mehr als ihr Konkurrent errungen hatte, aber dennoch Donald Trump US-Präsident wurde und seither eine einzige Kette von Peinlichkeiten und Katastrophen anrichtet, während er mit den Atomcodes in der Hand mit anderen nuklearen Mächten  Schwanzvergleich spielt.
Völlig groteske Dinge bildet sich mein schlafender Verstand ein.
Trump tweetet in meinen Träumen wie ein Viertklässler die Welt in den Abgrund.
Kaum mal gelingt ihm ein einziger Satz ohne inhaltliche oder orthographische Fehler.


[….] Donald Trump Just Announced He’s Visiting A Country That Doesn’t Exist  […..] It’s just very difficult to ponder how this individual has absolutely desecrated the presidency and made a mockery of the United States on an international level. We have what amounts to a man who makes grammatical and spelling mistakes that a 4th grader doesn’t make. It would do the country good if he would just stop tweeting. His tweets are just senile. […..]


Nach dem strengen Motto „no day without being a national embarrassment” bemüht sich Trump selbst diejenigen, die das Schlimmste erwarten noch zu schockieren.

 
Bisher kannte Trump nur eine Handvoll Länder auf der Welt und war daher sehr verblüfft, daß es außer Mexiko, Europa, Russland, Israel, Takatukaland und Helgoland noch weitere Nationen gibt.


Es gibt scheinbar aber noch viel mehr Nationen als dieses “CHINA!”, von dem Trump im Wahlkampf so besessen war.


Dieses Reisen ist ja ganz lustig; Trump fühlt sich dabei immer gebummfiedelt.


Hofiert man Trump im Ausland, wird er zu Wachs in den Händen jedes Autokraten.
Trifft Trump auf irre Massenmörder wie Duterte, fühlt sich der Präsident des ehemaligen „Land Of The Free“ gleich wie zu Hause.
Der philippinische Staatschef Rodrigo Duterte prahlt sogar damit eigenhändig Hunderte Menschen getötet zu haben; ein ganz reizendes Kerlchen.

[….] Duterte wird zudem vorgeworfen, während seiner langjährigen Amtszeit als Bürgermeister von Davao Todesschwadronen befehligt zu haben, die mehr als tausend mutmaßliche Kriminelle töteten. Ende September sorgte Duterte für Empörung, indem er sich selbst mit Adolf Hitler verglich und seinen Kampf gegen Drogenabhängige mit der Judenvernichtung in der NS-Zeit. [….]

So einen nennt Trump stolz „my friend“.

[….] Dutertes Sprecher Harry Roque sagte, über Menschenrechte oder ungesetzliche Tötungen sei gar nicht gesprochen worden. Duterte habe von sich aus über die "Drogenplage" in seinem Land berichtet. Trump habe dazu keine rechte Position gehabt, aber mehrfach zustimmend genickt. Die Regierung Duterte geht mit großer Brutalität gegen das Drogenproblem seines Landes vor, Tausende Menschen sind dabei ums Leben gekommen.
Dutertes Sprecher zitierte den US-Präsidenten auch mit den Worten, er sei immer schon ein Freund der Regierung Duterte gewesen, anders als frühere Regierungen. Duterte hatte Barack Obama öffentlich als "Hurensohn" beschimpft. Trump selbst sagte, er und Duterte hätten eine großartige Beziehung. [….]
(SZ, 13.11.17)

Trump traf auch den ehemaligen KGB-Offizier Wladimir Putin, der ihm erklärte nicht in den US-Wahlkampf eingegriffen zu haben.
Damit steht er im diametralen Gegensatz zu den US-Geheimdiensten.
Wem glaubt nun der US-Präsident? Den CIA-Angaben oder den KGB-Angaben?
Rhetorische Frage; Trump glaubt den Russen.

 [….]  US-Präsident Donald Trump hat in der Russland-Affäre erneut seine Position gewechselt. Am Sonntag sagte er bei einer Pressekonferenz in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi, er stehe zu den Erkenntnissen von FBI und CIA, wonach sich Russland mittels Cyberattacken in die amerikanischen Präsidentschaftswahlen eingemischt habe.
Einen Tag zuvor klang das noch anders. Vor amerikanischen Journalisten sagte Trump am Samstag noch, er habe Präsident Wladimir Putin am Rande des Asien-Pazifik-Gipfels in Da Nang auf die Russland-Affäre angesprochen: "Jedes Mal, wenn er mich sieht, sagt er ,Ich habe das nicht gemacht', und ich glaube ihm wirklich, wenn er das sagt; er meint das so", sagte der US-Präsident an Bord der Air Force One. "Ich glaube, dass er deswegen sehr beleidigt ist, was für unser Land keine gute Sache ist", fuhr Trump fort, der die Einmischung Russlands in die US-Wahlen seit Monaten kleinzureden versucht. Trump hatte lange bestritten, dass Moskau hinter den Hackerangriffen stehe. [….] Trumps Worte vom Samstag versetzten Washington in Aufregung. Der US-Präsident vertraue Putins Aussagen mehr als den Berichten seiner Geheimdienste, hieß es in ersten Medienberichten. Der Demokrat Mark Warner, stellvertretender Vorsitzender des Geheimdienstausschusses des US-Senats, sagte, der Vorgang mache ihn "komplett sprachlos". Der republikanische Senator John McCain schrieb: "Wenn man einem KGB-Offizier mehr glaubt als den amerikanischen Geheimdiensten, hat das nichts mit ,America first' zu tun."
[….] Der Kreml ließ verlauten, Putin und Trump hätten gar nicht über die Russland-Affäre gesprochen. "Das Thema kam nie auf", hieß es aus Moskau. "Nun ist alles durcheinander, wie zu Zeiten des Kalten Krieges", sagte der US-Journalist Ryan Lizza auf CNN. "Man weiß gar nicht mehr, wer lügt und wer die Wahrheit sagt, das Weiße Haus oder der Kreml?" Sicher sei nur eines, sagte Lizza: Der KGB-Mann Putin sei für Trump einfach "zu gerissen". [….]

Was für ein wirres Zeug ich träume. Wird jetzt aber wirklich Zeit mal wieder aufzuwachen.
Das ist ja unerträglich.

 Mich nerven übrigens die Vergleiche mit der Fernsehserie „House Of Cards“, die gegenwärtig in den Schlagzeilen ist, weil Hauptdarsteller Spacey wegen angeblicher sexueller Anzüglichkeiten – er soll anderen Männern in den Schritt gefasst haben – abgesetzt wurde.

Erstaunlich, daß ein fiktiver US-Präsident Underwood viel radikaler abgestraft wird, als ein Echter, der sogar mit Pussygrabbing prahlte.
Lächerlich wird der Vergleich der beiden tatsächlich recht skrupellosen Männer Trump und Underwood aber dadurch, weil letzter a) wirklich Positives für sein Land erreicht und dabei b) unfassbar intelligent und strategisch vorgeht.
Trump kann also noch nicht mal einem fiktiven Potus auch nur annähernd das Wasser reichen.

Undenkbar, daß Frank Underwood von irgendjemand so einfach verarscht werden könnte, wie Trump von Putin und Xi. „Trump Being ‘Played’ By Putin“

[…..] Two former top U.S. intelligence officials on Sunday denounced President Donald Trump’s repeated refusal to definitively affirm Russian meddling in the 2016 election, saying the president is being manipulated by Russian President Vladimir Putin.
“By not confronting the issue directly, and not acknowledging to Putin that we know that you’re responsible for this, I think he’s giving Putin a pass,” former CIA Director John Brennan told CNN. “And I think it demonstrates to Mr. Putin that Donald Trump can be played by foreign leaders who are going to appeal to his ego and to try to play upon his insecurities, which is very, very worrisome from a national security standpoint.”
James Clapper, former director of national intelligence, during an appearance with Brennan on CNN, warned that Trump’s downplaying of Russia’s involvement in the U.S. election “poses a peril to this country.” [….]

Und weil Trump Trump ist, endet es immer in einem doubling down, wenn er schon tief im Loch sitzt und sich rausreden möchte.

 […..]  Trump glaubt Putin mehr als seinen eigenen Geheimdiensten.
Die amerikanischen Geheimdienste sagen: Der Schnee ist weiß. Russlands Präsident Wladimir Putin sagt: Der Schnee ist schwarz. Und Donald Trump sagt: Ich habe Putin gefragt, ob der Schnee weiß sei, und er hat gesagt, er sei schwarz. Und ich glaube ihm, dass er glaubt, der Schnee sei schwarz. Leute, die mich politisch fertigmachen wollen, behaupten, der Schnee sei weiß. [….]

Hässlich zu sein, zu lügen, raffgierig und rassistisch zu sein – all das sind Dinge, die ich in Träumen durchaus ertragen kann.
Aber diese ostentative Dummheit Trumps ertrage ich nicht.
Das ist der schlimmste Alptraum.

Ich möchte jetzt geweckt werden.

Sonntag, 12. November 2017

Unter Wert regiert.



Angela Merkel gilt allgemein als die Königin der Gipfel, als die Frau, die sich bei nächtlichen Verhandlungsmarathons am Wohlsten fühlt, die alle anderen an Erfahrung übertrifft.
Warum auch nicht? Seit 1990 gehört sie zur Führungselite, war also schon vor 27 Jahren als Ministerin Mitglied der Regierung und seitdem ununterbrochen in Top-Führungspositionen. Oppositionsführerin, Parteichefin, Bundeskanzlerin.
Glaubt man den unendliche vielen Portraits, die seitdem über sie veröffentlicht wurden, lernte sie über das Verhandeln wie wichtig es ist eine starke Blase zu haben und mit wenig Schlaf auszukommen.
Der Legende nach ging Merkel einst nach einer harten Verhandlungsrunde ins Bett, nachdem sie dachte alles sei in ihrem Sinne geregelt.
Während sie schlief gingen dann aber andere Teilnehmer vor die Presse und drückten den Ergebnissen ihren Spin auf.
Seit dem stellt Merkel immer sicher noch als letzte wach zu sein.
Sie ist also bei Gipfeln immer da und das schon seit Jahrzehnten.
Daher sollte sie verstehen wie so etwas läuft.
Schwer vorstellbar, daß sich die Bundeskanzlerin so leicht übertölpeln lassen würde, wie der düpierte Trump vor einigen Tagen in China.
Der selbsternannte beste Dealmaker der Welt ist leider zu dumm, um Deals zu machen. Daran scheitert Trump schon auf innenpolitischerer Ebene mit dem von seiner Partei geführten Kongress. Trotz deutlicher absoluter Mehrheiten nichts zu Stande zu bekommen, ist schon eine Kunst. Da ist es selbstverständlich, daß Trump auf internationalerer Ebene nur ausgelacht wird.
Aber wie soll auch ein Typ verhandeln, der sich nur maximal eine Minute konzentrieren kann und wegen seiner berüchtigt winzigen Attention Span nicht zu briefen ist.
Man darf davon ausgehen, daß Merkel in dieser Hinsicht Trump um Meilen voraus ist. Offensichtlich kann sie sich konzentrieren und bereitet sich auch akribisch vor.

Aber nur weil man etwas sehr lange macht, heißt das nicht, daß man es kann.
Merkel versteht es zwar sich einen schlanken Fuß zu machen und nie zu riskieren nach einem gescheiterten Treffe als die Blockiererin oder Polterin dazustehen.
Aber sie liefert andererseits auch keine Ergebnisse.

Merkels Methode ist es alles Strittige auszuklammern und den Weg des geringsten Widerstands zu gehen. Bei den internationalen Gipfeln unter deutschem Vorsitz werden die richtig schweren Themen einfach nicht besprochen. Deswegen gab es ja auch nie eine praktikable Asyl-Übereinkunft auf EU-Ebene; daher hat man nie eine gemeinsame Position zu Russland und der Ukraine entwickelt und daher lügt man sich bis heute in die Tasche, daß kein deutsches Geld nach Griechenland fließe.
Merkel setzte nie Themen; außer beim Klima, das für sie aber offensichtlich auch nur eine völlig unverbindliche Absichtserklärung ist, der sie nie Taten folgen ließ.

Merkels ganze Unfähigkeit zeigt sich insbesondere bei allen Koalitionsverhandlungen, bei denen sie fast vollständig abwesend ist.
Bei beiden Grokos, 2005 und 2013, tauchte sie vorher ab und ließ die SPD ihre basics soweit durchdrücken, wie ihre CDU-MPs mitmachten.
2013/2014 jammerte daher die ganze CDU-Führungsebene, man arbeite einen rein sozialdemokratischen Koalitionsvertrag ab, habe keinerlei erkennbare CDU-Handschrift mehr.
Die Unionskakophonie verstummte erst, als sich abzeichnete, daß die SPD davon demoskopisch nicht profitiert.
Noch katastrophaler lief es 2009, als Merkel in den Verhandlungen ebenfalls geistig abwesend war und in Ermangelung der SPD eine programmatisch leere FDP am Tisch saß.
Der daraus resultierende Koalitionsvertrag war ein einziger Witz mit über 100 Prüfaufträgen, man plane dies und das „unter Finanzierungsvorbehalt“ zu tun, aber vielleicht auch irgendwas anderes.
Wenig überraschenderweise galt die daraus geborene schwarzgelbe Koalition von 2009 bis 2013 unter Journalisten einhellig als schlechteste deutsche Regierung seit 1949. Das Wildsau-Gurkentruppe-Chaos mit einer desinteressierten Merkel nahm seinen Lauf.

Trotz all ihrer Erfahrungen scheint Merkel beim Thema Koalitionsverhandlungen genauso wenig lernfähig wie beim Thema Bundespräsidenten zu sein. Sie kann es einfach nicht.
FDP und Grüne dominieren die Jamaika-Berichterstattung, die CSU kämpft ohnehin gegen ihren eigenen Vorsitzenden.
Nur Merkel tut so als ob sie das alles gar nichts anginge.
Ob sie überhaupt Interesse an Jamaika hat und welche Inhalte sie durchsetzen möchte, ist nach wie vor unbekannt.

Den aktuellen Umfragen zu Folge würden CDU/CSU bei Neuwahlen dementsprechend um weitere Prozentpunkte abrutschen, während alle anderen Parteien leicht zulegten.

Ich habe keine Erklärung dafür weswegen Merkel es wieder so derartig schleifen lässt und erneut riskiert eine orientierungslose Regierung ohne Aufgaben zu führen.
Entweder sie möchte genau das, weil ihr die Zukunft egal ist, oder sie kann es einfach nicht.

[….] Die Woche der Entscheidung in den Sondierungen steht an. Noch immer sind die zentralen Streitfragen ungelöst, bei den Grünen herrscht Frust über Union und FDP. [….] Union und FDP geben sich vorsichtig optimistisch. Aber sie betonen auch, dass es noch immer einen "Berg von Problemen" gebe ( Horst Seehofer), die Chancen für Jamaika stünden weiter 50 zu 50 ( Christian Lindner).
Doch vor allem bei den Grünen herrscht Frust: Fraktionschef Anton Hofreiter spricht von einer "Woche der Enttäuschung", Urgestein Jürgen Trittin stellte im "Tagesspiegel" ernüchtert fest: "Für die Grünen steht es 0:10."
[….] "Man kann dieses unwahrscheinliche Bündnis nicht in einer einzigen Nacht der langen Messer auf den Weg bringen", sagte Katrin Göring-Eckardt in der "FAS". Hofreiter warnte in den RND-Zeitungen: "Die Kanzlerin täuscht sich, sollte sie glauben, uns Grüne unter Zeitdruck überrumpeln zu können."[….]

Man staunt.
Die wirtschaftsfreundlichen Regierungen weltweit, nämlich England und China, geben ihrer Autoindustrie klare Vorgaben, ab wann Schluss mit dem Verbrennungsmotor ist. Das ist ein Win-Win-Projekt, da wegen des Klimawandels der Otto-Motor keine Zukunft haben darf und andererseits das Land, dessen Industrie sich am schnellsten auf Emissionsarmut umstellt die größten ökonomischen Vorteile hat.
Sogar Markus Söder forderte im Jahr 2007 das Ende des Verbrennungsmotors bis 2020.

[….] Per Gesetz will die CSU die Deutschen dazu zwingen, nur noch klimafreundliche Pkw zu fahren. "Ab dem Jahr 2020 dürfen nur noch Autos zugelassen werden, die über einen umweltfreundlichen Antrieb verfügen", so die Forderung von CSU-Generalsekretär Markus Söder. Von diesem Zeitpunkt an müssten herkömmliche Verbrennungsmotoren durch Wasserstoff- und Hybridtechnik abgelöst werden. "Grüne Motoren schaffen neue Arbeitsplätze", glaubt Söder. Die deutsche Autoindustrie lege beim Thema Umweltschutz aber nicht genügend Erfindergeist an den Tag, durch "ein klares Ultimatum" müsse daher der "notwendige Innovationsdruck" erzeugt werden. [….]

Die schwarzgelbe Bundesregierung hatte die verbindlichen Klimaziele bis 2020, 2030 und 2040 unterschrieben.

[….] Die Zwischenziele der EU umfassen eine verbindliche Emissionsreduktion von 20 Prozent bis 2020 und mindestens 40 Prozent bis 2030. Diese Zahlen beziehen sich auf das Jahr 1990. Im EU-Klimapaket wurde das 2020-Ziel geteilt in 21 Prozent Emissionsminderungen in den Sektoren Energie und Industrie und 10 Prozent in den übrigen Bereichen. Basisjahr dieser Ziele ist 2005. Zusammen entsprechen sie dem Reduktionsziel von 20 Prozent im Vergleich zu den Emissionen 1990. [….]
(BMUB)

Sofort nach der Unterschrift verfiel Merkel in ein tiefes Phlegma und war wegen ihrer bekannten Gipfel-Unfähigkeit nie in der Lage irgendwelche für diese Ziele erforderlichen Maßnahmen einzuleiten.
Aus falsch verstandener Unternehmerfreundlichkeit, oder vielleicht auch wegen der Parteispenden, gibt Merkel sich fast Trump-artig ignorant.
In Deutschland soll es kein Zieldatum für das Ende von Verbrennungsmotoren geben, kein Tempolimit, keine Emissionsvorgaben an die Industrie und auch kein Ende der Kohlkraftwerke.
Merkel tut nichts und verabredet nichts, obwohl längst auch die Industrie verstanden hat, daß die Umsetzung der Klimaziele nicht nur globale Notwendigkeit, sondern auch ein Wettbewerbsvorteil sind.
Aber Asien ist längst vorbei gezogen.
Deutsche Autobauer hängen beim Flottenverbrauch den Franzosen, Chinesen, Koreanern, Japanern und Italienern weit hinterher.

Was Merkel einst vor zehn Jahren als Mindestziele ausgegeben hatte, nennt sie jetzt „überambitioniert“.

[….] Kommende Woche wird Kanzlerin Merkel auf der Weltklimakonferenz in Bonn erwartet. Welche Botschaft kann sie aus den Sondierungsgesprächen mitbringen? Teile von Union und FDP nennen ihre früheren Klimaziele überambitioniert. Die Grünen und Klima-Experten widersprechen dem.

Merkel kann nicht verhandeln.


Samstag, 11. November 2017

Autokratenparty.



Versucht man als Demokrat mit demokratischen Spielregeln mit Trump umzugehen, scheitert man unweigerlich, weil er sich allen Regeln des Anstands entzieht.
Er befindet sich ohnehin nicht auf derselben Realitätsebene, weil er seine Realität immer frei wählt.
Man kann aber nicht mit einem sprechen, der grundsätzlich alle Fakten negiert.

Um mit Trump zu kommunizieren, muss man zunächst einmal darum betteln, daß er einen nicht in die Fake-Schublade steckt.

Es gibt allerdings ein höchst wirksames Mittel, um Trump milde zu stimmen: Ostentatives Arschlecken.
Er ist extrem empfänglich für Schmeicheleien; sowie Protz, Prunk und finanzielle Zuwendungen.
Trump betrachtet sich selbst als so ungeheuer fabelhaft, daß er sofort gute Laune bekommt, wenn man in dieses groteske Selbstlob einstimmt.


Saudi Arabien verstand es. Der Trump-Besuch wurde als groteske Bejubelung inszeniert. Nach Xis Vorbild ließ man plump Geld fließen.

Noch besser als umschmeicheln funktioniert Bestechung.
Dazu schiebt man einfach ein paar Millionen zum dem einzigen Menschen, der Donald Trump etwas bedeutet außer ihm selbst: Ivanka.

Xi Jinping begriff als Präsident des Landes, welches Trump im Wahlkampf am meisten beschimpfte, als Erster wie man sich Trump gefügig macht.
Er schob Ivanka während seines Besuchs in den USA mehrere exklusive Markenrechte in China zu.

[….]  Ivanka Trump Marks LLC [verfügt] nach aktuellem Stand über 16 registrierte Marken in der Volksrepublik. Mit diesen bekäme die "First Daughter" angeblich Monopolrechte für den Verkauf von Schmuck, Taschen und Wellness-Dienstleistungen in der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft.
Nach Recherchen der Nachrichtenagentur AP bekam die Firma an dem Tag den Zuschlag, als Ivanka Trump am 6. April abends mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping auf Donald Trumps Anwesen Mar-a-Lago in Florida zusammensaß. [….]

Die Einnahmen sprudeln nur so; um zwei Drittel zogen Ivankas Verkäufe in China in den letzten 12 Monaten an. Genau wie ihr antimoralischer Vater kennt sie dabei keinerlei Skrupel. Der Renminbi rollt.

[….] 1 Dollar Stundenlohn: Ivanka Trump soll chinesische Arbeiter ausbeuten.
Ivanka Trump lässt ihre Kollektion in China produzieren - offenbar unter erschreckenden Arbeitsbedingungen. Hungerlöhne und 12-Stunden-Schichten seien an der Tagesordnung, so eine Arbeitsrechtsorganisation. [….]

König Salman, als Hüter der heiligsten Stätten des Islams und reichster und mächtigster Sunnit, war wie Xi indirekt eins der Hauptangriffsziele Trumps.
“Donald Trump calls for a total and complete shutdown of Muslims entering the United States” tönte er im Wahlkampf undversuchte sich als Präsident mehrfach (vergeblich) an einem Travel-Ban für Muslime.
Da kann ein Saudischer Herrscher schon nervös werden.

Aber Salman guckte sich bei Xi ab wie es geht.
Donald Trump steht auf Gold, Geld und Schmeicheleien.
Glücklicherweise verfügt das märchenhaft reiche Haus Saud über Gold-Paläste gegen die Mar A Lago ärmlich wirkt.
Und um den Sack zuzumachen, gab es wieder Millionen für Ivanka.

[….] Für Ivanka Trump hat sich die erste Auslandsreise ihres Vaters bereits jetzt gelohnt: Die Lieblingstochter von US-Präsident Donald Trump eroberte am Wochenende zunächst die sozialen Netzwerke der arabischen Welt. Dort entwickelte sich der Hashtag "Bint Trump" - auf Deutsch: "Trumps Tochter" - zum Top-Suchbegriff.
Dann erhielt Ivanka Trump von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten eine Riesenspende in Höhe von 100 Millionen Dollar. Das Geld ist für einen von ihr mitinitiierten Fonds der Weltbank bestimmt, mit dem Unternehmerinnen gefördert werden sollen. [….]

Trump war sehr zufrieden. Nun bekommt Salman alles was er von den USA will. (…..)

Bei Trumps gegenwärtiger Asien-Reise übertraf sich Xi Jinping selbst. Er inszenierte eine gewaltige Show, um Trump zu schmeicheln und ihn zu lobpreisen.
Trump verhält sich dann wie ein Dreijähriger im Bonbonladen. Er bekommt strahlende Augen und ist so zufrieden, daß er China als neuen besten Freund lobt.
Wenn nach Trumps Abreise die Kulissen abgebaut werden, stellt sich heraus, daß China kein einziges Zugeständnis gemacht hat und die USA über den Tisch gezogen wurden.
Trump wurde so zum „zahmen Hündchen“, der neue Boss aber ist China.

[…..]  Donald Trump fühlt sich in China hofiert und kriegt sich kaum ein vor Freude. Tatsächlich aber macht Chinas Präsident Xi Jinping glasklar, wer seiner Meinung nach künftig das Sagen hat im Weltkonzert.
[…..] "Einige würden sagen, er ist der König Chinas", hatte Trump vor ein paar Wochen in seinem Haussender Fox News die Rolle Xis erklärt, um dann aber aufzuklären: "Aber man nennt ihn Präsident." Tatsächlich ist Xi Präsident eines Landes, dem Donald Trump noch vor einem Jahr vorgeworfen hatte, die USA "zu vergewaltigen". Weil China den USA Jobs klaue. Außerdem ist Xi Chef der allmächtigen Kommunistischen Partei, deren Propagandaorgane ihrerseits Trump "einen Angeber und Egomanen" nannten, und die Trumps Wahl vor einem Jahr deshalb bejubelten, weil es ihnen der beste Beweis dafür war, dass der Westen nun endgültig "im Chaos" versinke. Ein Jahr ist eine lange Zeit. Von persönlichen Grobheiten sehen beide Seiten längst ab. China und die USA, das sind die Rivalen des neuen Jahrhunderts. Trump aber bewundert starke Männer. Xi Jinping ist heute stärker denn je. Trump nennt Xi Jinping mittlerweile seinen "Freund". "Ich mag ihn und ich glaube, er mag mich sehr", sagte Trump nach ihrem letzten Treffen. […..]
Und so schlenderten der mächtigste und der zweitmächtigste Mann der Erde am späten Mittwochnachmittag demonstrativ lächelnd durch die Verbotene Stadt. Während draußen, vor den Bildschirmen, ein jeder Zuschauer seine eigene Antwort darauf hatte, wer von den beiden das wohl wäre, der mächtigste Mann der Welt. Weitgehende Einigkeit hätte voraussichtlich bei der Frage bestanden, wer nun der Schlauere von beiden ist. […..] Die Arbeit an der Herzensbildung ist, ebenso wie das freundlich herablassende Umgarnen von Barbaren, eine alte konfuzianische Tugend. Von allen Figuren, die dann auf die Bühne traten, berichteten die mitreisenden US-Reporter, habe der Affenkönig dem US-Präsidenten die meisten Lacher entlockt. […..] In Peking trifft der schwächste US-Präsident der letzten Jahrzehnte auf den stärksten chinesischen Präsidenten. [….]

Die internationalen Lücken, die Trump wegen seines rassistischen Hasses auf Obama aufreißt, die zertrümmerten Errungenschaften seines Vorgängers werden schnell zu Ungunsten der USA von anderen Staaten gefüllt.
Trump schadet also langfristig vor allem Amerika.
Mit Getöse katapultierte Trump die USA aus TTP.
Aber TTP lebt weiter, nun eben ohne Amerika, das dadurch schwach und ausgegrenzt wird.
Aber die ihm treu ergebenen Medien und seine verblödeten Anhänger begreifen das natürlich nicht.

Abgesehen von dem ökonomischen Unheil, das Trump für sein Land anrichtet, beschneidet er auch die politische Macht.
Denn bereits ein Jahr nach seinem Wahlsieg weiß die Welt wie unzuverlässig diese erratische Debilen-Administration ist.

Trumps Außenminister reiste vor einem Monat nach Asien, um direkte Gespräche mit Nordkorea einzuleiten, bekam aber sofort von dem „fucking moron“ (Tillerson über Trump) mehrere Messer in den Rücken geworfen.

[….] "Ich habe Rex Tillerson, unserem wundervollen Außenminister, gesagt, dass er seine Zeit verschwendet, wenn er versucht, mit dem kleinen Raketenmann zu verhandeln.  Spare dir deine Kraft, Rex, wir werden tun, was getan werden muss." [….]

Der US-Oberbefehlshaber hat augenscheinlich immer noch nicht die geringste Ahnung wie gefährlich das ist was er tut.

[….] The whispers in Washington are that “anything necessary” includes airstrikes on North Korea, such as a strike on a missile as it is being prepared for launch. When I asked North Korean officials what would happen in those circumstances, they answered unambiguously: war.
Tammy Duckworth, a former military pilot who is now a Democratic senator from Illinois, says that from what she hears, the chance is greater than 50/50 that the president will order a strike.
“I see a change in posture,” she told me. “I am extremely worried that we’ve moved beyond ‘Let’s prevent war’ to ‘It’s acceptable to do a first strike.’”   […..] Senator Lindsey Graham, a Republican, has said that Trump told him he’d choose a war with North Korea over allowing it to continue on its course. [….]

Bei der ersten Station seiner Asientour verschärfte Trump sogar seinen Ton. In Japan verkündete er, die Zeit der Verhandlung sei vorbei, seine Geduld habe sich erschöpft.

[….]  US-Präsident Donald Trump hat im Konflikt mit Nordkorea seine bisherige Rhetorik verteidigt. Die Zeiten strategischer Geduld seien vorbei, sagte Trump während seiner Asienreise in Japan. […..] Trump und Japans Premier Shinzō Abe kündigten an, den Druck auf Nordkorea "bis zum Maximalen" zu erhöhen. Dies sei nicht die Zeit für den Dialog mit dem Regime von Kim Jong Un. [….]
(DIE ZEIT, 06.11.2017)

Zwei Tage später in Südkorea plapperte der amerikanische Boris Johnson, offenbar noch unter Xis Einfluss, genau das Gegenteil.
Nordkorea solle verhandeln. Es sei Zeit für einen Deal.
So ist Trump. Binnen Stunden kann das diametrale Gegenteil des eben Verkündeten gelten. Auch wenn es um einen Atomkrieg geht, den er regelrecht herbei bettelt. Nun also:

[….] Trump ruft Nordkorea zu Verhandlungen auf!
Für Pjöngjang sei es sinnvoll, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, sagt der amerikanische Präsident Donald Trump bei einem Besuch in Südkorea. [….]
(FAZ, 07.11.2017)

Offensichtlich läßt sich Trump nach Belieben von den Großen und Reichen manipulieren; Russland, China, Saudi Arabien können die USA einsetzten wie eine Marionette.
Worauf sich Trump gestern festgelegt hat, ist international irrelevant.

[….]  Trump widerspricht Trump […..] In einer Region, in der die Maßeinheit für Einfluss und Bedeutung vor allem die Handelszahlen sind, vermittelte Trump die entscheidende Botschaft auf dem Apec-Gipfel im vietnamesischen Da Nang: "Wir können und wollen nicht länger den chronischen Handelsmissbrauch tolerieren," schimpfte Trump. Amerika habe seine Handelsschranken geöffnet, andere Länder nicht; jahrelang seien Versprechungen gebrochen worden. "Die Vereinigten Staaten werden nicht länger die Augen verschließen vor Verstößen, Betrug oder wirtschaftlicher Aggression."
Den Zuhörern im Saal verschlug es die Sprache, sichtlich geschockt lauschten Minister und Handelsvertreter der Apec-Staaten dieser feindseligen Botschaft. Der Tenor war anschließend eindeutig: Warum beschimpft Trump alle Staaten pauschal, gibt aber am Vortag in China den zahmen Pudel, der freudig um den chinesischen Präsidenten scharwenzelt? […..] Besonders frustrierend ist die Belehrung für die elf Staaten, die das Freihandelsabkommen TPP mit den USA abschließen wollten. Trump zerriss das Papier in einer seiner ersten Amtshandlungen. […..] Der Kampf um die Herzen und Märkte der asiatischen Gesellschaften - Trump will ihn offenbar nicht führen. In Peking ließ er sich von Xi bezirzen und revanchierte sich mit Unterwerfungsgesten. Kein kritisches Wort zu den Handelsproblemen oder den Menschenrechten, keine klare Forderung in Sachen Nordkorea. [….]