Sonntag, 19. Februar 2017

Endlich ist Kreuznet wieder da!


Wer hätte gedacht, daß nach David Bergers Todesstoß auf das rechtsradikal-homophob-klerikal-monarchistische Nazi.net der Kämpe wider die Tradis selbst zum faschistischen Traditionalisten mutiert?
FSSPX-Fan Berger entstammt selbst dem braunen Klerikalsumpf und war während der acht Kreunznetjahre (2014-2012) die längste Zeit ein Liebling der Radikalen. Dann aber wurde sein Schwulsein öffentlich und Kreuznet drosch geradezu besessen auf den Renegaten ein.






Heute ist David Berger einer der schlimmsten rechten Hetzer im deutschsprachigen Raum. Kein Tag vergeht, an dem er sich nicht Gemeinheiten wider die „linksgrün Versifften“ ausdenkt.
Pegida und Pirinçci sind nun das Biotop des Wiedergängers Michael Kühnens.

Während das Kreuznet-Gedankengut also schon längere Zeit bei Berger weiterlebt, gibt es nun durch Trumps Administration auch extrem mächtige Vertreter des rechts-reaktionären Katholizismus, der sich scharf gegen Frauen, Schwule, Atheisten und überhaupt alles Liberale einsetzt.

Nichts hasste Kreuznet neben ihrem immerwährenden Faszinosum des schwulen Analverkehrs mehr als die Fakten und die Presse.
Mit immer neuen und noch abwegigeren Schmähausdrücken polterte das katholische Netzwerkt gegen die etablierten Sender und Zeitungen Deutschlands.





Ganz genauso agiert Trump, der CNN und Co nicht einfach nur hasst, sondern sie wie einst Kreuznet zu Feinden des Volkes stilisiert.





Der rechtsradikale white-supremacist und Altright-Führer Stephen Bannon, den viele als den eigentlichen Präsidenten der Vereinigten Staaten ansehen, knüpfte schon vor Jahren enge Bande zu den konservativen Kreuznet-artigen Kardinälen.

Vatikanische Hass-Kleriker wie der amerikanische Raymond Kardinal Burke bilden bereits eine mächtige Allianz mit Bannon und anderen rechtsradikalen Katholiken, sowie weiteren kampfbereiten Dunkelchristen aus Trumps engstem Kreis.

[….] Der Präsident hat so viele rechtskonservative Christen um sich geschart, dass das Internetportal Lifesitenews.com wenige Tage nach der Amtseinführung jubelte: "Trump bringt Gott nach langer Abwesenheit zurück in die Bundesregierung." Da ist etwa die Sonderberaterin und Wahlkampfmanagerin Kellyanne Conway, eine strenge Katholikin, die täglich in die Messe geht. "Gott steht ganz oben bei ihren Prioritäten", schrieb Lifesitenews.com. Auch Sean Spicer, der Sprecher des Weißen Hauses, sei ein "Hardcore-Pro-Life-Katholik". Spicer sagte in einem Interview, er blicke täglich auf Gott, um gestärkt zu werden und das Richtige zu tun. "Trump hat verstanden, dass Gläubige in den vergangenen Jahren an den Rand gedrängt worden sind", sagt Spicer. Das werde sich nun ändern.
Auch Trumps Stabschef Reince Priebus ist strenggläubiger Christ. Er gehört der griechisch-orthodoxen Kirche an, hütet ein liturgisches Buch im Büro und ist für eine kompromisslose Haltung in Sachen Abtreibung bekannt. Über Vizepräsident Mike Pence weiß man, dass er aus einer irisch-katholischen Familie stammt und in eine evangelikale Kirche übertrat. "Ich habe mein Leben Jesus Christus anvertraut", sagte er einmal. Ende Januar nahm er als erster Vizepräsident am "Marsch für das Leben" in Washington teil. Auch der von Trump berufene CIA-Direktor Mike Pompeo gehört einer evangelikalen Kirche an. Der Chef des Auslandsgeheimdienstes behauptet: "Jesus Christus ist die einzige Lösung für unsere Welt." [….]
Eine so offensichtlich und offensiv christliche Regierung gab es in den USA lange nicht mehr. Jetzt wird mit Religion wieder Politik gemacht. Bannon und Burke stehen an der Spitze einer sich formierenden weltweiten christlich-fundamentalistischen Allianz, die ihre Identität vor allem aus dem Kampf gegen Abtreibung, gegen Homosexuellenrechte und für traditionelle christliche Werte bezieht. [….]

Daß Bannon, Spicer, Trump und Conway als radikale Christen lügen wie gedruckt, passt ins Bild.

Wie ihre Vorgängercrew bei Kreuznet sind sie so von Hass erfüllt, daß Ihnen jedes Mittel recht erscheint, um gegen die böse Realität anzukämpfen.

Wie einst Kreuznet wird der frei phantasierende US-Präsident dabei unfreiwillig zu Witzfigur, weil seine Behauptungen zu abstrus sind.
So gerade erst wieder geschehen bei Trumps frei erfundenen Behauptung es habe letzte Nacht einen Terroranschlag in Schweden gegeben.


In Wahrheit hatte Trump wieder einmal nachts auf FOX-News ausgedachte Szenarien von so ernstzunehmenden „Journalisten“ wie Sarah Palin gesehen und den Unsinn nicht nur dämlicherweise ernst genommen, sondern auch sofort darüber getweetet.

Trump ist in dieser Hinsicht genau wie Kreuznet; er versteht die Welt gar nicht und fantasiert sich seine Horrorszenarien im dunklen Hinterzimmer zusammen.

 [……] Amerika hat ein Eigeninteresse an sicherheitspolitischer Stabilität in Europa und in Asien. Dies ist kein Handel, man gibt nicht Sicherheit gegen Dollars, sondern verbessert durch Kooperation nach den jeweiligen Fähigkeiten und Bedürfnissen die gegenseitige Lage.
Zwar versteht das Donald Trump nicht, der die Welt als eine Ansammlung guter oder schlechter Deals sieht. Allerdings versteht er so vieles nicht, dass man nach dem ersten Trump-Monat nicht recht weiß, ob das politische oder medizinische Gründe hat. Vielleicht wären gute Ärzte und Psychologen für Trump im Moment wichtiger als ehemalige Generäle und welterfahrene Berater. [….]

Die Kreuznetschen Dunkelkatholiken waren glücklicherweise nicht in der Lage ihre Mordphantasien gegenüber Muslimen, Frauen und Schwulen direkt umzusetzen.
Daher konnte man sie neben aller Empörung auch beherzt auslachen.


Die Nachfolger Kreuznets im Weißen Haus sind bedauerlicherweise gar nicht irrelevant, sondern sehr mächtig.

[……] Natürlich zählt jedes Wort und jeder Satz dieses Präsidenten für diejenigen, die davon betroffen sind, die durch Begriffe oder Gesetze stigmatisiert und entwertet werden. Ganz gleich, ob Trump ein Dekret oder einen Satz später widerruft oder leugnet, für muslimische Geflüchtete aus Syrien, für die undocumented, also ausweislose Migranten, die seit Jahrzehnten in den Vereinigten Staaten leben und arbeiten, für mexikanische Familien diesseits und jenseits der Grenze, für Kinder, deren Eltern sich den Zugang zu privaten Schulen nicht leisten können, für all jene, die nicht wissen, wie sie ihre Arztrechnung begleichen sollen - für sie alle bedeuten diese Aussagen etwas. Sie verbreiten - gerade in ihrer absichtsvollen Unschärfe - Angst und Schrecken. […..]



Samstag, 18. Februar 2017

Die extragroße Heuchelei



Beim Thema „Hypocracy“ macht den US-Republikanern niemand etwas vor.
Einfach unglaublich, was sie Trump alles durchgehen lassen.
Aber Obama haben sie zum amerikahassenden schwulen Muslim erklärt, weil Michelle Obama einmal ein ärmelfreies Kleid trug.


Allerdings wird gelegentlich übersehen, daß auch deutsche Konservative heucheln können, daß es einem den Atem verschlägt.

Aktuelles Beispiel Großlügner Schäuble, der Martin Schulz mit Trump verglich, weil die Umfragewerte der SPD gerade etwas besser werden.
Den Amerikanern schreibt der Zerstörer der EU-Wirtschaft auch gleich etwas ins Stammbuch.

"In Deutschland ist es übliche Praxis, dass wir uns nicht so sehr in Entscheidungen einmischen, die andere Länder für sich getroffen haben", erklärte Schäuble mit Blick auf die jüngsten Äußerungen Trumps zur deutschen Flüchtlingspolitik. "Und übrigens: Wir haben einige Experten in Deutschland, die sich mit Mauerbau auskennen, und diese Experten sagen, dass das nicht sehr vielversprechend ist", sagte Schäuble am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. [….]
(DIE WELT, 20.01.2017)

Mauern sind schlecht, sagt der Mann aus Europa, das sich gerade komplett eingemauert und abgeschottet hat, tausende Kilometer Grenzmauern und Zäune errichtete.


Deutschland fühlt sich moralisch überlegen, sorgt aber weiterhin dafür, daß mehr Fluchtgründe generiert werden, indem es beispielsweise Waffen in Regionen mit Kindersoldaten exportiert.

„Sigmar Gabriel hat heute Nachmittag in einer Presseerklärung vorläufige Zahlen zu den Rüstungsexporten vorgelegt. Danach wurden 2016 Rüstungsexporte im Wert von 6,88 Milliarden Euro genehmigt. Das ist nach dem letzten Jahr der zweithöchste jemals gemessene Wert. Unter den 5 wichtigsten Empfängerländern befinden sich drei Länder aus dem arabischen Raum: Algerien, Saudi Arabien und Ägypten. Zudem sind die Genehmigungen für Kleinwaffen-Exporte um satte 47 Prozent gestiegen, von 32 Millionen Euro 2015 auf jetzt 47 Millionen. Im Durchschnitt seiner bislang dreijährigen Zeit als Wirtschaftsminister hat Gabriel jährlich Rüstungsexporte im Wert von 8,76 Milliarden Euro zu verantworten. Zum Vergleich: Sein FDP-Vorgänger hatte einen Schnitt von 8,37 Milliarden. Der Versuch von Sigmar Gabriel, das mit Sondereffekten aus einzelnen Großaufträgen zu erklären, ist lächerlich – denn solche Großaufträge gibt es in jedem Jahr, auch in den Jahren der Vorgängerregierung“, kommentiert der außenpolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE, Jan van Aken, die vorgelegten Zahlen. […..]

Deutschland empört sich zu Recht über den Rassisten Trump, entsendet aber ungeniert Günter Oettinger als Vizekommissionschef in die EU, nachdem sich dieser mal wieder abfällig über „Schlitzaugen“ und die „Zwangshomoehe“ mokiert hatte und generell auf Moral pfeift.

"Wer den Verhaltenskodex für Kommissare missachtet, sich mit nicht registrierten Lobbyisten trifft und sich mit deren Privatjets durch die Gegend fliegen lässt, obwohl es extra Charterflugzeuge für die EU-Kommissare gibt, hat das Maß des Erträglichen überschritten", kommentiert Klaus Ernst, stellvertretender Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE im Bundestag, die jüngste Affäre um EU-Kommissar Oettinger. Ernst weiter:
 "Oettinger soll seinen Hut nehmen! [….]

Wir empören uns über Trumpsche Ausweisungspläne und schicken selbst Menschen, die alles verloren haben in das Kriegsgebiet Afghanistan.

Die Bundesregierung soll zunächst keine Afghanen mehr abschieben. Das fordert die Menschrechtsbeauftragte Bärbel Kofler (SPD). "Nicht die Lage in Afghanistan hat sich verändert, sondern die innenpolitische Diskussion", sagte Kofler der "Passauer Neuen Presse". […..]
(AFP; 17.02.17)

Wir empören uns über Trumpsche Ausländerfeindlichkeit, tun aber selbst alles dafür es Ausländern schwer zu machen.

[…..] „Die grundsätzliche Verweigerung des Doppelpasses und erleichterter Einbürgerungen, die Verschärfungen des Ausweisungsrechts, die Beschränkung des Ehegattennachzugs durch Sprachtests im Ausland – mit diesen gesetzlichen Regelungen wird Misstrauen gegenüber Migranten gesät und deren Rechte werden beschnitten. Auch die Stammtischparolen von angeblichem ‚Sozialmissbrauch‘, ‚Armutszuwanderung‘ oder ‚Integrationsverweigerung‘ werden durch die Politik der Bundesregierung leider weiter bestärkt.
Eine solidarische Gesellschaft lässt sich nur mit gleichen Rechten für alle und einem Ausbau des Sozialstaats mit guten sozialen Standards für alle erreichen. […..]

Merkel will das Wort „Obergrenze“ nicht in den Mund nehmen, weil sie Seehofer die Genugtuung nicht geben will; womöglich auch, weil es grundgesetzwidrig ist.
Aber de facto verfolgt sie inzwischen eine reine Abschottungs- und Abschreckungspolitik, die verzweifelte Menschen in den nassen Tod im Mittelmeer treibt, sie der Willkür Erdogans ausliefert und in „KZ-ähnlichen Verhältnissen“ vegetieren lässt.

Freitag, 17. Februar 2017

Trumpologiefolgenabschätzung – Teil V


Wie geht man mit einem Präsidenten um, der öffentlich so ungeniert lügt, wie Trump es gerade gestern höchst grotesk vorführte?


Die Linken und Liberalen Amerikas müssen ihre Rolle noch finden.

Protestieren sei der neue Brunch, heißt es in Washington D.C. bereits. Statt sich am Wochenende gemütlich Pancakes und Eier mit Speck zu bestellen, würden seit der Wahl Donald Trumps immer mehr Menschen mit ihren Transparenten und Trillerpfeifen auf die Straße gehen. Es sind nicht mehr die ganz großen Protestmärsche, wie nach der Inauguration Ende Januar, als in der Hauptstadt Hunderttausende gegen Trump demonstrierten. Es sind kleinere Kundgebungen, verteilt im ganzen Land - mal an Flughäfen, mal vor dem Trump-Tower in Manhattan, mal vor den Büros demokratischer Senatoren, die aus Sicht der linken Aktivisten zu zögerlich agieren.
Es sei eine neue Energie unter Linken zu spüren, sagte der politische Kommentator Van Jones neulich auf CNN. Trumps Wahlsieg, sein umstrittenes Einreiseverbot, sein Kampf gegen Abtreibung und sein Lob der Folter trieben immer mehr Menschen, die sich zuvor politisch nicht geäußert hatten, auf die Straßen. "Trump hat sie aufgeweckt", so Jones. […..]

Können solche Proteste eigentlich irgendetwas bewirken, wenn die Regierung und der republikanisch dominierte Kongress, sowie höchstwahrscheinlich bald auch der Oberste Gerichtshof und das FED in ein Paralleluniversum abdriften?

[….] Trump does not simply have “a running war with the media,” as he so indecorously and disrespectfully spouted off while standing on the hallowed ground before the C.I.A. Memorial Wall. He is in fact having a running war with the truth itself. [….]
Donald Trump is a proven liar. He lies often and effortlessly. He lies about the profound and the trivial. He lies to avoid guilt and invite glory. He lies when his pride is injured and when his pomposity is challenged.
Indeed, one of the greatest threats Trump poses is that he corrupts and corrodes the absoluteness of truth, facts and science. [….]

Ich befürchte, die Demokraten könnten ermattet zusammenbrechen, wenn das Weiße Haus weiterhin seinen Lügenschwall mit Stalinorgeln abfeuert.

Ernste Gefahren für Trumps Präsidentschaft sehe ich eher aus drei anderen Ecken:

1.)
Trump selbst könnte das Interesse verlieren. Der Mann langweilt sich sehr schnell, scheint recht faul veranlagt zu sein und scheut mühevolle Kleinarbeit. Ähnlich wie bei seinen Kasinos oder Ehefrauen könnte ihm beim Präsidentenjob schnell der Sinn nach Abwechslung stehen.

2.)

Die Geheimdienste könnten der Trump-Administration das Leben ungeheuer schwer machen, weil sie natürlich auch über Möglichkeiten verfügen die eigene Regierung abzuhören und zu überwachen. Trump hat es sich ohne Not mit den Diensten verscherzt und greift sie weiterhin willkürlich an. Vielleicht wollen sich die Schlapphüte rächen, oder aber sie könnten zu dem Schluß kommen, daß es für die nationale Sicherheit unabdingbar wäre einen anderen Präsidenten zu bekommen.

3.)

Möglicherweise dringen Informationen über die direkten Auswirkungen der Trump-Präsidentschaft an die wenigen nicht völlig wahnsinnigen Republikaner durch.
Ist es nicht ein bißchen sehr heikel, daß Trumps Firmen insgesamt 1,8 Milliarden Dollar Schulden bei 150 verschiedenen Firmen in aller Welt haben?
Zumal Trump sich hartnäckig weigert seine Steuererklärung zu veröffentlichen, so daß kontinuierlich weiterspekuliert wird, von wem er erpressbar und geschäftlich abhängig ist.

Trumps ostentative Faulheit, kombiniert mit dem Luxuslebensstil seiner Sippe kostet den US-Steuerzahler in den nächsten vier Jahren mehrere Hundert Millionen Dollar.

Wie wollen die Steuersenker das eigentlich vor ihren Wählern rechtfertigen?

On Friday, President Trump and his entourage will jet for the third straight weekend to a working getaway at his oceanfront Mar-a-Lago Club in Palm Beach, Fla.
On Saturday, Trump’s sons Eric and Don Jr., with their Secret Service details in tow, will be nearly 8,000 miles away in the United Arab Emirates, attending the grand opening of a Trump-brand golf resort in the “Beverly Hills of Dubai.”

Meanwhile, New York police will keep watch outside Trump Tower in Manhattan, the chosen home of first lady Melania Trump and son Barron. And the tiny township of Bedminster, N.J., is preparing for the daunting prospect that the local Trump golf course will serve as a sort of northern White House for as many as 10 weekends a year.
Barely a month into the Trump presidency, the unusually elaborate lifestyle of America’s new first family is straining the Secret Service and security officials, stirring financial and logistical concerns in several local communities, and costing far beyond what has been typical for past presidents — a price tag that, based on past assessments of presidential travel and security costs, could balloon into the hundreds of millions of dollars over the course of a four-year term.
[….] Trump’s three Mar-a-Lago trips since the inauguration have probably cost the federal treasury about $10 million, based on figures used in an October government report analyzing White House travel, including money for Coast Guard units to patrol the exposed shoreline and other military, security and staffing expenses associated with moving the apparatus of the presidency. [….]

Natürlich kosten die Sicherheitsvorkehrung für die First Family immer viel Geld, aber nie erreichte es solche groteskten Dimensionen wie jetzt.
Daher wird die Angelegenheit auch immer mehr zum Thema.

Robert Reich (*1946), Professor an der University of California und US-Arbeitsminister unter Präsident Bill Clinton schreibt dazu heute:

Barely a month into the Trump presidency, the elaborate lifestyle of America’s new first family is costing U.S. taxpayers far beyond what's been typical for past presidents — a price tag that’s ballooning. It includes travel on Air Force One trips to his and his family’s various properties, Secret Service detail for the entire family, and travel and accommodation for the Secret Service and White House staff.
Trump gets two additional perks: (1) Since he still owns these properties and has refused to divest his ownership, the money paid by the federal government for accommodations at Trump Tower, his Mar-a-Lago resort, and the other Trump resorts and golf clubs he stays at flows directly into his pockets; and (2) Trump’s travel to his signature properties, while trailed by a press corps beaming images to the world, allows the official business of the presidency to double as a marketing opportunity for his brand.
Consider this weekend alone:
1. Today, Trump and his entourage will jet for the third straight weekend to a working getaway at his oceanfront Mar-a-Lago Club in Palm Beach, Florida – a club whose membership fee has doubled to $200,000 since Trump’s election, plus $14,000 a year to belong. All of which goes into Trump’s pockets. Trump’s three Mar-a-Lago trips since the inauguration have already cost taxpayers about $10 million.
2. Tomorrow, Trump’s sons Eric and Don Jr., with their Secret Service details in tow, will be nearly 8,000 miles away in the United Arab Emirates, attending the grand opening of a Trump-brand golf resort in the “Beverly Hills of Dubai.” This month Eric Trump and his security detail flew to the Dominican Republic so Eric could meet with developers proposing a Trump-brand luxury resort. And then to Uruguay, to promote a Trump-brand condo tower there. The Uruguay trip alone cost taxpayers nearly $100,000.
3. New York police will keep watch outside Trump Tower in Manhattan, the chosen home of first lady Melania Trump and son Barron. The Defense Department and Secret Service have sought to rent space in Trump Tower, where leasing a floor can cost $1.5 million a year. In addition to the federal costs, New York City is paying $500,000 a day to guard Trump Tower, an amount that could reach $183 million a year.
4. Meanwhile, Bedminster, N.J., is preparing for the daunting prospect that the local Trump golf course will serve as a northern White House for as many as 10 weekends a year.
Why doesn't Trump use Camp David for his working retreats -- which other presidents have done? Why doesn't the Trump organization reimburse the government for expenses in connection with Trump family business? Why doesn't Trump divest his ownership in all these places so he doesn't profit from these taxpayer expenditures? Why isn't Congress enacting a law requiring Trump and all future presidents to do all of the above?

Was denkt wohl ein arbeitsloser Blue-Collar-Worker aus Ohio über solche Informationen, während er erwartet, daß Trump ihm einen neuen Job besorgt?
Gut möglich, so ein Wähler den eigenen republikanischen Kongressabgeordneten unangenehme Fragen stellt.



Donnerstag, 16. Februar 2017

Volkscharakter

Die gängigen Klischees über nationale Volkseigenschaften können natürlich gar nicht stimmen, weil Völker aus Individuen bestehen und somit eine pauschale Betrachtung a priori zum Scheitern verurteilt ist.

In Wahrheit frönt man nur den eigenen Vorurteilen.
Liebt man beispielsweise Holland (so wie ich) und ißt einen besonders schmackhaften holländischen Käse, merkt man sich diesen den eigenen Erwartungen entsprechenden Befund: Ja, die Holländer können das eben.
Kaut man aber auf einem abgepackten Jung-Gouda ohne Eigengeschmack, speichert man es nicht als holländisch ab.

Es ist mit nationalen Vorurteilen wie bei den politischen Internetfilterblasen – man läßt nur die Informationen in die Großhirnrinde diffundieren, die dem eigenen Weltbild entsprechen und sortiert die widersprechenden Meldungen in ohnehin schon verkalkte Hirnzellen ein, die bald absterben.

Völker bestehen nicht nur aus einzelnen Individuen, sondern auch aus höchst unterschiedlichen Sub-Landsmannschaften.
Ein junger Mecklenburger hat vielleicht keinerlei Gemeinsamkeiten mit einer oberbayerischen Seniorin.
Der italienische Südtiroler Unternehmer kann nichts mit verarmten sizilianischen Bauern anfangen.
Ein evangelikaler Redneck aus Alabama lebt in einem anderen Universum, als der gebildete Bostoner Hipster.

Die extreme Heterogenität Amerikas ist geradezu zum Charakteristikum der USA geworden. Die 65 Millionen Clinton-Wähler stehen den 62 Millionen Trump-Fans unversöhnlich gegenüber.
Man ist sich nicht nur gesellschaftlich und politisch völlig uneins, sondern kann sich noch nicht einmal mehr auf ein gemeinsames Fundament verständigen, weil es völlig unterschiedliche Ansichten darüber gibt was eigentlich „die Realität“ ist.

That said, folgen nun einige meiner liebsten National-Vorurteile:

Deutsche haben einen grauenvollen Musikgeschmack. Das führt beispielsweise dazu, daß sie beim ESC immer Letzter werden müssen, solange der deutsche Teilnehmer vorher per Telefonvoting ermittelt wird.

Verblüffenderweise ist das auf den britischen Inseln und in den USA ganz anders.
Dort gelangen daher immer wieder Personen mit überwältigenden Stimmen in die Charts, die dann auch sofort international erfolgreich werden.
In Deutschland hingegen hält man Sarah Connor, Helene Fischer, Roy Black oder Peter Maffay für großartig und wundert sich, daß diese im Rest der Welt keine Platten verkaufen.

Deutsche haben kein Gefühl für Mode. Der gemeine Teutone zieht sich legendär schlecht an; ist daher im Ausland schon vom Weiten aufgrund der kurzen Hosen und der Socken/Sandalen-Kombi als solcher zu erkennen. Besonders bizarr erscheint mir das deutsche Gesetz zu sein, nach dem man ab 60 nur noch beige tragen darf und dabei Gesundheitsschuhe und Steppwesten verwenden muß.
Eigenartigerweise sind in dieser Beziehung Amis und Briten kaum besser.
In Modefragen geschmackssicher sind hingegen Iberer, Italiener und Franzosen.
Nicht nur dominieren Franzosen und Italiener die internationale Modedesigner-Szene; auch das gemeine Volk weiß sich zu kleiden.
Nicht mal im provinziellsten Dorf Frankreichs findet man eine Frau, die so geschmacklos angezogen ist, wie man das in Berlin jeden Tag auf der Straße sieht.
Portugiesen und Spanier aller Stände und jedes Alters verfügen über einen natürlichen Schick. Verfolgt man eine Hochzeit des spanischen Königshauses im TV sind alle spanischen Gäste fantastisch angezogen – im Gegensatz zum entsprechenden Event bei den Windsors.
Aber genauso wird jeder einfache Portugiesische oder Italienische Bauer eine einigermaßen sitzende lange Hose und ein gebügeltes weißes Hemd in seinem Garten tragen, während Deutsche privat im Garten aussehen, als ob sie sich bei einem Lumpensammler eingekleidet hätten.

Eine tiefsitzende Design-Unfähigkeit der Deutschen bemerkt man aber auch an der Architektur oder den Autos.
Es wird mir immer unverständlich bleiben, wie international so erfolgreiche Automobilkonzerne solche häßlichen Plump-Karren wie einen VW-Jetta, einen BMW mit diesem Dutt hinten drauf (530gt) oder den albernen Flunder Mercedes GLS bauen.
Muß das sein? Können die nicht auch hübsche Autos herstellen?
Sieht man sich hingegen einen Alfa Romeo an, merkt man bei jedem Detail, daß „die Italiener“ eben Geschmack haben. Die Dinger sehen immer gut aus.

Italiener haben eben Kultur. Die müssen nicht durch doofe deutsche Tugenden wie Effizienz und Stabilität langweilen.
Italienische Käse schmecken, Italienische Anzüge sitzen, Italienische Schuhe passen, Italienische Accessoires überzeugen und Italienische Weine überzeugen.

Italien gilt als Eurokrisenstaat, italienische Waren erfreuen sich gleichwohl weltweit wachsender Beliebtheit: 2016 erwirtschaftete das Land einen höheren Exportüberschuss als je zuvor.
Italien hat 2016 wegen der steigenden Nachfrage nach seinen Produkten aus Japan und China einen Exportüberschuss in Rekordhöhe erzielt. Er lag bei fast 52 Milliarden Euro, wie das Statistikamt Istat am Donnerstag in Rom mitteilte. 2015 hatten die Ausfuhren die Importe lediglich um knapp 42 Milliarden Euro übertroffen. Nach Deutschland (257 Milliarden Euro) und den Niederlanden (60 Milliarden Dollar) weist Italien damit den dritthöchsten Handelsüberschuss in der Europäischen Union aus.[…..]