Mittwoch, 4. Januar 2017

Viecher und Ideologie



Tierliebe tritt meistens selektiv und subjektiv auf.

Wer seine Katze hegt und pflegt; in Tränen ausbricht, wenn er auf Mallorca magere herrenlose Katzen herumstreifen sieht, verschwendet unter Umständen keinen Gedanken an die Zustände in Schweinemastbetrieben, obwohl er jeden Morgen Mettwirst frisst.

Als in den 1980er Jahren weltweit die Empörung über das Totprügeln (das Fell sollte keine Einschusslöcher haben) von Robbenbabys hochkochte, konnte diese Form der Robbenjagd deswegen gestoppt werden, weil die niedlichen runden Babys mit dem weißen Fell und den Knopfaugen über das perfekte Kindchenschema verfügten. Vorher-Nachher-Bilder mit den blutigen abgezogenen Robbenkörpern waren ein so krasser Gegensatz, daß kaum ein Auge trocken blieb.

Gleichzeitig wurden viel mehr Haie brutal abschlachtet – 100 Millionen Exemplaren jährlich werden bei lebendigen Leib die Flossen abgeschnitten, um sie dann immer noch lebendig zum elenden Verrecken zurück in den Ozean zu werfen.
Haifleisch schmeckt nicht besonders gut.
Im Gegensatz zu Robben verfügen sie auch nicht über kuscheliges Fell.
Haie haben ein Mundwinkelproblem. Die Mundwinkel sind nach unten gerichtet, so daß sie für den Homo Sapiens grimmig aussehen, während Delphine mit ihren nach oben gebogenen Mundwinkeln immer zu lächeln scheinen und uns gleich sympathisch sind.
Dabei sind Delphine als Warmblüter gefährlichere Jäger als Haie, sie verbrauchen wesentlich mehr Nahrung pro Kg Eigengewicht.

Thunfische, höchst beeindruckende Jäger haben sogar eine noch viel schlechtere PR-Abteilung. Niemand stört es, wenn sie in riesigen Netzen umkommen, obwohl sie in vielen Meeren bereits vom Aussterben bedroht sind. Aber wehe, es befindet sich ein Delphin als „Beifang“ unter ihnen. Da drehen die Tierschützer durch.

Ich versuche natürlich konsequenter und rationaler zu sein, kann aber dieses Vorhaben nicht durchhalten.

Meine Lieblingstiere sind neben allen Piepsis auch Wale.
Hat sicher etwas mit meiner Kindheit zu tun, weil ich da so schöne Wal-Bücher geschenkt bekam und als Teenager kamen auch noch diese CDs mit den Gesängen der Buckelwale in Mode.

Wenn ich über „J2-Granny“ lese, die nun im Alter von über 100 Jahren verstorben zu sein scheint, bin ich ganz traurig.

[….] Das Schwertwalweibchen "J2" war für Beobachter immer leicht an ihrem Sattelfleck unterhalb der Rückenfinne zu erkennen und an der halbmondförmigen Kerbe an der Flosse. Weil sie mit mehreren Generationen ihrer eigenen Nachkommen in einer Gruppe von etwa 25 Tieren zusammengelebt hat, dem "J-Pod", und weil sie mit geschätzt 105 Jahren der älteste lebende Schwertwal war, wurde J2 auch "Granny" genannt, "Oma". Am 12. Oktober wurde Granny zum letzten Mal gesichtet als sie ihre Orka-Gruppe in den Puget Sound führte, eine Meeresbucht im Nordosten des US-Bundesstaates Washington. Ihre Familie tauchte wieder auf, doch Granny ist seither verschollen. Zum Jahreswechsel veröffentlichte das Center for Whale Research, das diese Gruppe viele Jahre lang beobachtet und erforscht hat, einen Nachruf auf J2 auf seiner Webseite. "Mit Bedauern nehmen wir jetzt an, dass sie verstorben ist", heißt es dort.
Grannys Abschied ist nicht nur für ihre menschlichen Begleiter ein Verlust, sondern vor allem für ihre Familie, die sie über viele Jahrzehnte hinweg geleitet hat. Sie geriet 1967 sogar einmal in Gefangenschaft, wurde aber wieder frei gelassen. Großen Respekt zollen ihr die Forscher auch für die Fähigkeit, ihre Familie in der sich heftig verändernden Umwelt immer wieder zu ergiebigen Fischgründen zu führen. Sie soll ihre Gruppe fest im Griff gehabt haben. Schwammen Tiere in eine andere Richtung als der Rest der Familie, rief Granny sie mit Schlägen der Schwanzflosse auf die Wasseroberfläche zur Ordnung. [….][….]

Und ja, ich weiß, daß es Europäer und Amerikaner waren, die viele Walarten an den Rand der Ausrottung brachten. Geldgierige Christen, die noch nicht mal die ganzen Kadaver verwerteten, sondern nur für den schnellen Profit Tran und das „Walrat“ ausbeuteten.

Der Wal-Buhmann von heute ist aber Japan, obwohl die Techno-Insel mit rund 1.000 erlegten Kleinwalen im Jahr vergleichsweise harmlos ist.
Japan begann aber erst in den 1950er Jahren mit dem industriellen Walfang und klammert sich neben Norwegern und Isländern bis heute daran, weil es partout nicht den anderen Nationen nachgeben will, die versuchen das Walfangmoratorium von 1987 durchzusetzen.
Japan sieht seine nationale Ehre in Gefahr und verhandelt zäh und erfolgreich gegen die internationale Öffentlichkeit.
Zuletzt gelang es dem industriellen Inselstaat so viele finanziell von Japan abhängige Kleinstaaten in den IWC (Internationale Walfang-Kommission) zu drücken und zu bestechen, daß ausgerechnet der japanische Walfang-Lobbyist Morishita zum IWC-Vorsitzenden gewählt wurde.
Willkommen in Schilda.
Das ist ähnlich sinnvoll wie den Vorsitz der UN-Menschenrechtskommission Saudi-Arabien anzutragen.

Es gibt aber einen weiteren Grund sich über die japanische Regierung zu ärgern.
Walfleisch spielt ökonomisch keine Rolle in Japan, die Japaner mögen das Zeug noch nicht mal. Selbst im eigenen Land kann man das blutig-tranige Fleisch nicht absetzen.
Es erfordert enorme Anstrengungen von der Regierung die illegal getöteten majestätischen Tiere zu verwerten.
Japan betreibt seine Walfangflotten aus purem Nationalstolz, aus Großmannssucht und Trotz.
Zum Kotzen.

[….]  Seit 1960 ist der Absatz um 99 Prozent zurückgegangen. Bis in die Siebzigerjahre war Wal oft Bestandteil des Schulmittagessens. Viele Japaner können das Fleisch seitdem nicht mehr riechen: 90 Prozent verzichten komplett darauf.
Für Ayukawahma endete damit der Boom. Lebten vor 50 Jahren noch 
16 000 Menschen in der Stadt, sind es heute nur noch wenige Tausend. Die Jungen wandern ab, die Fischer beschäftigen Gastarbeiter aus Indonesien. Walfang und den Handel mit Walprodukten betreibt nur noch eine Handvoll Leute.
[….] Walfleisch ist billig in Japan. Trotzdem bleiben nach Angaben des International Fund for Animal Welfare (IFAW) drei Viertel des Walfleischs unverkauft. Aufrufe des japanischen Forschungsinstituts, man solle mehr Wal essen, verhallen ungehört. Um den Absatz anzukurbeln, begann der Staat vor einigen Jahren sogar, wieder Walfleisch an Schulküchen zu liefern.
[….] Wirtschaftlich ist der offiziell private Walfang irrelevant. Er existiert nur noch, weil die Steuerzahler ihn finanzieren - mit etwa 40 Millionen Euro pro Jahr, schätzt der IFAW. Mit den Zuschüssen helfe Tokio weder armen Regionen noch Familien, sondern halte bloß die Wal-Bürokratie am Leben, so die Organisation. Japan kämpft trotzdem mit harten Bandagen für sein Fangrecht. An diesem Punkt kann die Regierung ohne hohe politische Kosten den Eindruck erwecken, dass sie sich von "den Amerikanern" nichts vorschreiben lässt. [….]

Dienstag, 3. Januar 2017

Elf Jahre bräsig merkeln

Am 05.11.2016 schrieb Deutschlands beliebtester Politiker, der Bundesaußenminister und designierte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeiner einen Grundsatzartikel über die Rolle der Medien für die F.A.Z..
Das sei ja alles ganz schrecklich wie man neuerdings mit Fakten umgehe.
Man möge doch in Zukunft wieder bei der Wahrheit bleiben und in sich mehr Mühe beim Medienkonsum geben.

Es sei überlebenswichtig für eine demokratische Gesellschaft, dass Debatten auf der Grundlage von Fakten geführt würden: „Nur so erhalten wir unsere Fähigkeit zum produktiven, wahrheitssuchenden Dialog.“
Gründe dafür, dass gefühlte Wahrheiten an die Stelle von überprüften Fakten treten, sieht Steinmeier in der Komplexität unserer vernetzten Welt.
Die digitale Revolution erzeuge einen nicht enden wollenden Schwall von Informationen: „Darauf sind wir weder intellektuell noch kulturell vorbereitet.“
Diese „objektive Überforderung“ erzeuge Gegenreaktionen, die sich in der Rückbesinnung auf Nation und Religion, „auf das, was leichter Sicherheit und festen Boden unter den Füßen verschafft“.
Als Antwort darauf fordert Steinmeier: „Wir müssen in unsere Urteilskraft investieren, in jene Institutionen und Systeme, die in unseren Gesellschaften Wahrheit produzieren: Schulen, Wissenschaft, Justiz, aber auch die Medien.“
(dts, 06.11.2016)

Ein typischer Steinmeier.
Er spricht ein Problem an, beklagt ein wenig den Ist-Zustand, eroiert wolkig drum herum und tut keinem weh.
Das mag der Wähler so gern an ihm. Fromm, vage, weit weg.

Falls Steinmeier die Titelgeschichte des aktuellen SPIEGELs gelesen haben sollte, könnte er allerdings ein wenig verschnupft sein.

Ulrich Fichtner verfasste unter der Überschrift „Die große Erosion“ einen über weite Strecken großartigen Text, in den ich viele Ausrufezeichen und nur wenige kleine „No“s hineinmalte.

„Men­schen, die Fun­da­men­tal­kri­tik an den Me­di­en üben“, sagt Rei­ne­mann, „tun dies of­fen­bar, weil sie po­li­tisch un­zu­frie­den sind. Sie fin­den ihre Mei­nung nicht in den Me­di­en re­prä­sen­tiert und emp­fin­den die Me­di­en des­halb als Stüt­ze der eta­blier­ten Kräf­te.“ Und wenn eben­die­se eta­blier­ten Kräf­te so tief in der Grüt­ze sit­zen, wie sie das ge­ra­de tun, dann zie­hen sie die Me­di­en und al­ler­lei an­de­re In­stan­zen zu sich her­ab.
Die­sen Zu­sam­men­hang ver­kennt die Po­li­tik, Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter Frank-Wal­ter Stein­mei­er ver­kann­te ihn, als er in ei­nem Gast­bei­trag für die „Frank­fur­ter All­ge­mei­ne“ ein­mal re­la­tiv gön­ner­haft mah­nen­de und trös­ten­de Wor­te an die Me­di­en aus­teil­te. Me­di­en sei­en die Grund­la­ge ei­ner sta­bi­len De­mo­kra­tie, schrieb Stein­mei­er, und so wei­ter, aber sie sei­en eben in der Kri­se, in­halt­lich und öko­no­misch, und wenn sich die Bun­des­re­gie­rung ein so schlech­tes Kri­sen­ma­nage­ment leis­te­te wie die Me­di­en­bran­che, dann kön­ne sie sich, so Stein­mei­er, in Schlag­zei­len und Kom­men­ta­ren „auf ei­ni­ges ge­fasst ma­chen“.
Der Mi­nis­ter zähl­te dann Grün­de auf, war­um der Jour­na­lis­mus in der Kri­se ste­cke, und sie wa­ren alle falsch. Dass die Po­li­tik im All­ge­mei­nen und Be­son­de­ren auch et­was mit ei­ner Kri­se der Me­di­en zu tun ha­ben könn­te, die­sen Ge­dan­ken streif­te Stein­mei­er nicht ein­mal, viel­leicht kommt er als Bun­des­prä­si­dent noch ein­mal auf das The­ma zu­rück.
Er könn­te dann näm­lich dar­über re­den, wie vor al­lem die Po­li­tik das In­ter­net ver­schla­fen hat und wie sie seit Jah­ren, wenn nicht seit Jahr­zehn­ten, nicht das Ge­rings­te da­für ge­tan hat, den hier be­schrie­be­nen Wild­wuchs ein­zu­däm­men.
Nichts hat die Bun­des­re­gie­rung un­ter­nom­men, um die de­mo­kra­tie­ge­fähr­den­de Macht der Di­gi­tal­kon­zer­ne zu zäh­men, nichts ha­ben SPD, CDU und die an­de­ren zu­stan­de ge­bracht, um die stän­di­gen Rechts­ver­let­zun­gen im Netz, den Hass, die il­le­ga­len An­grif­fe, die Schmä­hun­gen und Volks­ver­het­zun­gen, die Se­xis­men und ras­sis­ti­schen Aus­fäl­le al­ler Art zu un­ter­bin­den. Die Par­tei­en ha­ben, von ein paar irr­lich­tern­den Exo­ten Mar­ke „Pi­ra­ten“ ab­ge­se­hen, die größ­te ge­sell­schaft­li­che Bau­stel­le un­se­rer Zeit ein­fach weit­räu­mig um­fah­ren. Ob es jetzt reicht, ab und an Jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas dort vor­bei­zu­schi­cken, ist zu­min­dest frag­lich. [……]
(SPIEGEL, 30.12.2016)

Houston, wir haben ein Problem.
Während die Kanzlerin noch von „Neuland“ faselte, haben die neuen asozialen Medien bereits die Bundesrepublik übernommen.
Die Generation unter 25 ist bereits völlig von den drei Säulen des Journalismus abgekoppelt, die Merkels Vorgänger noch aufzählte: „BILD, BamS, Glotze.“

Die Quietscher von heute brauchen gar keinen Fernseher mehr, sehen gar nicht ein weswegen sie sich an eine altmodische Kiste mit einem Korsett aus starren Sendungsanfangszeiten binden sollten, wenn sie doch alles, was sie wirklich interessiert zu jeder beliebigen Zeit downloaden/streamen/sharen können.

Sie sind längst in eine Medienwelt ohne Gatekeeper hinüberdiffundiert und sehen sich einer gewaltigen Flut aus ungeprüften und irrelevanten Meldungen ausgesetzt, ohne einen kritischen Umgang gelernt zu haben.

Während also die ganz Jungen schon im Morgen stehen, plagt sich meinereins damit ab überhaupt Zugang zu Hardware zu bekommen.

Klammer auf: Im November 2016 wandte ich mich an VODAFONE, um für eine Wohnung in Hamburger-Barmbek (also einen zentral gelegenen Stadtteil in der prosperierenden, reichen 1,8-Millionen-Stadt HH) einen Internetanschluss legen zu lassen. Vodafone einfach deswegen, weil ich wie 99% der Bundesbürger schon so viele schlechte Erfahrungen mit anderen Anbietern gemacht hatte. Nach diversen Telefonaten, Emails und Briefen, ist der Stand der Dinge, daß Ende Januar 2017 ein Techniker kommen soll, der erst mal feststellen muß, ob und wo vorher ein Telekom-Telefonanschluss bestand. Internet dann erst später. Klammer zu.

Glasfasernetz, schnelles Internet? Deutschland befindet sich diesbezüglich noch im IT-Mittelalter, während in baltischen Staaten schon seit Jahren Behörden und Verwaltung wie selbstverständlich nur noch digital arbeiten und für jeden Esten jederzeit mit ein paar Klicks zu erreichen sind.

Voran kommen wir deswegen nicht, weil DANK ANGELA MERKEL mit Oetti und Doofi zwei ganz besondere Blitzbirnen in Europa und Deutschland für die Digitalisierung, schnelles Internet und IT-Sicherheit zuständig sind.


ävrising hengs togässa

Man unterschätzt Oettinger, wenn man meint, er sei nur der Kaspar, der kein Englisch kann und mit unsäglichem Rassismus auffällt.
Nein, zusätzlich ist der Mann auch noch vollkommen auf den Kopf gefallen und hat nicht die allergeringste Ahnung von seinem Ressort. Er kennt noch nicht mal  den Unterschied zwischen Cloud und Festplatte.

Wenn also „die Politik“ schon an den hardware-Basics scheitert – wieso dauert es Monate bevor ich überhaupt einen Internetzugang in einer Großstadt bekomme? – sollte man nicht erwarten, daß irgendjemand aus der Gerontengang an Merkels Kabinettstisch tatsächlich durchdrungen haben könnte, was eigentlich „soziale Medien“ bewirken.

Ärgerlicherweise werden die fleißigen Twitterer und Facebooker wie Volker Beck, Johannes Kahrs oder Erika Steinbach automatisch als „internetaffin“ und somit als IT-Schlaumeier angesehen.
So ein Unsinn. Um Tweets rauszuhauen, muß man gar nichts begreifen; das zeigt schon Trump.
Das Beispiel von heute ist mein Bundestagsabgeordneter Johannes Kahrs, der Mann mit dem Talent und der Fragwürdigkeit.
Kahrs twittert und facebookt ununterbrochen. Jeden Morgen tippt er ein „Moin“ in sein Smartphone und Dutzende seiner Fans facebooken ergeben „guten Morgen Johannes“ zurück.
Ja, das ist auch Internet, bedeutet aber nicht, daß Kahrs die Macht der Algorithmen, die Möglichkeiten der Manipulation und die Beeinflussungstechniken der Facebook-Twitter-Instagram-Bosse durchdrungen hat.

Gestern ärgerte sich Herr Kahrs über die kritischen Anmerkungen der Grünen-Chefin Simone Peter zum NAFRI-Polizeieinsatz zu Silvester in Köln.

Kahrs ist zu 100% auf Linie der BILD-Zeitung (Überschrift heute: „Grünen-Chefin Simone Peter: Dumm, dümmer, GRÜFRI* = *GRÜn-Fundamentalistisch-Realitätsfremde Intensivschwätzerin“) und postete inzwischen mehr mehrere Dutzend einsilbige Schmäh-Attacken auf Peter; stets verbunden mit größten Lob an den Polizeilichen Co-Uniform-Träger von Bundeswehr-Oberst Kahrs.

Kahrs verkennt dabei nicht nur den grundsätzlich interaktiven Charakter des Internets, indem er erst gar keine Diskussionen aufkommen lässt, sondern scheint auch nicht zu bemerken wessen Spiel er mit seinem Bashing der vermeidlichen multikulti-aktiven Gutmenschin Peter spielt.

Dabei ist Kahrs einer, der die sozialen Medien intensiv nutzt.
Wie soll man also erwarten, daß die an dieser Stelle tatsächlich Mächtigen, Airbrain Dobrindt und Spooky-Oetti rechtzeitig etwas unternehmen, um die neuen Medien an die Kandare zu legen, dem Zuckerberg einen Zahn zu ziehen?
Woher sollten die wissen wie Hacker arbeiten, welche Möglichkeiten Social Bots bieten?

Und nein, Angela Merkel als Regierungschefin muß das persönlich auch nicht verstehen. Aber wenn sie auch nur halbwegs geeignet für ihren Job wäre, hätte sich schon vor zehn Jahren erkannt was da auf uns zukommt und entsprechende Strukturen geschaffen, Fachleute beauftragt.

Montag, 2. Januar 2017

Konjunkturprogramme



Verrückt ist das schon; ausgerechnet die Kanzlerin, die dem EU-Gedanken so schweren Schaden zugefügt hat, indem sie gnadenlos Austerität von den verschuldeten Südeuropäern verlangte, befindet sich selbst in einer so komfortablen Lage, weil ihr eigenen Land das Gegenteil von Austeritätspolitik anwendete.

Schon im Jahr 2012 beschrieb ich diese Absurdität, die zu dem für andere europäische Nationen tödlichen Exportüberschuss Deutschland führte.
Deutsche Gier generierte die europafeindliche Stimmung in so vielen anderen Ländern:

Die Griechen sparen bekanntlich dermaßen, daß es quietscht. 
Große Teile Athens mutieren zu Slums, Nierenpatienten können sich ihre Dialyse nicht mehr leisten und Hunger wird wieder alltäglich.
Es trifft, wie immer im Kapitalismus, diejenigen, die nichts dafür können.

Deutschland ist der große Profiteur der Schande von Griechenland.
 Dort wird das einfache Volk ausgepresst nachdem die griechische Regierung Deutschen Rüstungsfirmen Milliarden-Aufträge erteilt hatte, hunderte Panzer kaufte, U-Boote bestellte. 
Deutsche Anleger freuen sich über die Dividenden, die ihnen griechische Staatsanleihen bringen. Deutsche Banken, als die griechischen Kreditgeber verdienen üppig am Hellas-Desaster. 
Ganz Griechenland fungierte als Absatzmarkt für deutsche Waren, die mit hartem Euro bezahlt wurden. 

Aber der Krug ist inzwischen doch gebrochen.
 Nun breitet sich Elend aus, während es Deutschland gut geht.

Nachdem immer mehr Berichte aus griechischen Schulen auftauchten, in denen Kinder vor Hunger in Ohnmacht fielen, war die Athener Regierung gezwungen Essensmarken auszugeben.

 Das griechische Bildungsministerium will arme Schüler und Familien mit Lebensmittelmarken unterstützen. Von kommender Woche an sollen an 18 Schulen in neun Arbeitervierteln kostenlos Coupons für Milch, Früchte und Kekse verteilt werden, sagte die Staatssekretärin im Bildungsministerium, Evi Christofilopoulou, dem Parlament nach Angaben der halbamtlichen Nachrichtenagentur ANA. Die Marken bekommen dabei nur jene, die von den staatlichen Sparmaßnahmen am härtesten betroffen sind.
 Seit Monaten steht die Regierung unter Druck diesbezüglich zu handeln. Denn Medien hatten über unterernährte Schüler berichtet, die im Unterricht vor Entkräftung in Ohnmacht fielen.

Die Lehrer können ihren Schülern kaum behilflich sein. Der Durchschnitts-Jahreslohn eines griechischen Lehrers sank aufgrund der Sparanstrengungen von rund € 20.000 auf € 12.000.

Die zynische Reaktion der christlichen Bundeskanzlerin:
Es werde eben noch nicht genug gespart; Athen solle ein EU-Sparkommissar zur Seite gestellt werden.

An dieser Stelle betone ich immer wieder, daß die Merkel/Steinmeier-Regierung für das eigene Volk genau die gegenteilige Kur durchführte. 

Am 05. November 2008 legten Steinbrück und Co das Konjunkturpaket I (Maßnahmenpaket „Beschäftigungssicherung durch Wachstumsstärkung“) auf, welches Dutzende Maßnahmen umfasste - darunter die wichtige Verlängerung des staatlichen Kurzarbeitergeldes.

Finanz- und Wirtschaftsministerium betonten stolz:
„Die Maßnahmen der Bundesregierung fördern in den Jahren 2009 und 2010 Investitionen und Aufträge von Unternehmen, privaten Haushalten und Kommunen in einer Größenordnung von rd. 50 Mrd. €. Darüber hinaus gewährleisten Maßnahmen zur Sicherung der Finanzierung und Liquidität bei Unternehmen die Finanzierung von Investitionen im Umfang von gut 20 Mrd. €. Zusammen mit den vom Kabinett am 7. Oktober 2008 beschlossenen Maßnahmen werden allein in den Jahren 2009 und 2010 insgesamt rd. 32 Mrd. € aus den öffentlichen Gesamthaushalten zur Verfügung gestellt.“
(BMWi und BMF Nov 2008)

Der hyperaktive Bundesfinanzminister Steinbrück ruhte aber auch anschließend nicht und schob sofort ein weiteres staatliches Ausgabenprogramm an.

Das Konjunkturpaket II („Pakt für Beschäftigung und Stabilität in Deutschland zur Sicherung der Arbeitsplätze, Stärkung der Wachstumskräfte und Modernisierung des Landes“) wurde im Januar 2009 beschlossen und hatte sogar einen noch größeren Umfang. 

Es umfasste 13 Beschlüsse - darunter die berühmt-berüchtigte „Abwrackprämie“, den „einmaligen Kinderbonus“ von 100 Euro, massive Investitionen in den Breitbandnetzausbau und einen zehn Milliarden-Euro-Zuschuss für kommunale Investitionen.

Fast alle Parteien und Wirtschaftswissenschaftler sahen die Maßnahmen als notwendig an - außer der FDP, die heftig gegen die Maßnahmen wetterte.

Schließlich führten die staatlichen Ausgaben dazu, daß kein anderes EU-Land (außer Polen) so gut wie Deutschland durch die Krise kam.

Die damaligen Wohltaten gönnte Merkel aber nur den Deutschen. Von den anderen EU-Problemstaaten verlangt sie das diametrale Gegenteil.

 Sie meint, daß man die Verhungernden am besten durch Essensentzug heile.  (…………………)

Richtig verrückt wurde es erst m Jahr 2015.
Während inzwischen in Polen, Ungarn Rechtsradikale regieren, ein brauner FPÖ-Mann bei der Österreichischen Präsidentenwahl beinahe die Hälfte der Stimmen gewann, Le Pen ante portas steht und die Briten sich ganz aus Europa ausgeklinkt haben, fährt Wolfgang Schäuble weiterhin stur seinen europa-politisch letalen „Schwarze Null“-Kurs, der die deutsche Importschwäche so verstärkt, daß die ganze Europäische Wirtschaft leidet.

Aber wieder ist es eine von außen kommende Krise, die in Deutschland selbst das Gegenteil von Austerität bewirkt. Diesmal sind es die Flüchtlinge, die überdurchschnittliche Staatsausgaben, vulgo KONJUNKTURPAKETE auslösen.
Wieder ist es Deutschland, welches durch die eigene Abkehr von der Austerität erwartungsgemäß ein außerordentliches Wirtschaftswachstum in Deutschland generiert.
Und wieder sind es Schäuble und Merkel, die diesen offensichtlichen Zusammenhang leugnen und den anderen Ländern diesen Ausweg aus der Wirtschaftskrise versperren.

Die Milliardenausgaben für Flüchtlinge und deren eigener Konsum erhöhen nach Einschätzung von Ökonomen dauerhaft das Wirtschaftswachstum. "Die staatlichen Ausgaben für Geflüchtete haben im Jahr 2016 das Wirtschaftswachstum um etwa 0,3 Prozent erhöht", sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, der "Rheinischen Post".
"Die staatlichen Leistungen für Geflüchtete wirken wie ein kleines Konjunkturprogramm, denn ultimativ kommen sie vor allem deutschen Unternehmen und Arbeitnehmern durch eine höhere Nachfrage zugute." Der positive Effekt der Geflüchteten auf die Wirtschaftsleistung könne langfristig sogar bei 0,7 Prozent Wachstum pro Jahr liegen.
Ifo-Chef Clemens Fuest wies darauf hin, dass die Geflüchteten auch den privaten Konsum steigen lassen. "Beides stimuliert die Binnenkonjunktur", sagte er. [….]

Es gebietet also nicht nur die Humanität mehr Flüchtlinge aufzunehmen, sondern diese Menschen wirken auch noch sehr segensreich auf die deutsche Wirtschaft.

Und wie immer, wenn irgendetwas gut für Deutschland ist, stellen sich CDU und CSU mit ganzer Kraft dagegen.

Sonntag, 1. Januar 2017

Impudenz des Jahres 2016



Und schon wieder einmal zeigt der Kalender einen „01.01“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Jahres zu küren.

Da kann es natürlich angesichts des neuen US-Präsidenten Trump nur einen geben, nämlich: Amerika.

Amerika, als die ganz große globale Enttäuschung des Jahres 2016 hat es zugelassen, diesen widerlichen, dummen, egomanen, verantwortungslosen Hetzer zum mächtigsten Mann der Welt werden zu lassen.

Einige ruhen sich schon darauf aus Trump als Minderheitenphänomen zu sehen, der durch eine extreme Verzerrung des Mehrheitswillens trotz des 3-Millionen-Stimmenrückstands auf Hillary Clinton US-Präsident werden konnte.


Aber das ist eine billige Ausrede.
63 Millionen Stimmen für Trump zeigen das kollektive kulturelle und moralische Versagen der gesamten Nation USA.



Ja, Trump lügt wie gedruckt, aber es gehören auch diejenigen dazu, die diese Lügen unwidersprochen stehen lassen, weiterverbreiten und so dazu beitragen, daß immer mehr Menschen dem dreckigen Hass auf den Leim gehen.




„Postfaktisch“ im Trumpschen Sinne, ist aber das was ich seit sechs Jahren als „Post Truth Era“ in Bezug auf die US-Republikaner benenne.
Willkürliche Lügen, um Wählerstimmen zu generieren, sind ein alter Hut. Mit Postfaktizität ist aber gemeint, daß man keine Mühe mehr aufwendet, um die Lüge zu tarnen, weil das Auditorium a) viel zu ungebildet ist die Lüge zu durchschauen und es b) so stark ideologisch verzerrt denkt, daß es denjenigen, die Lügen enttarnen ohnehin nicht glaubt.

Die Teaparty agiert schon seit der Präsidentschaft Obamas auf diese Weise.
Trump perfektionierte die Methode, indem er so massiv und kontinuierlich log, daß er damit nicht nur in seinem ureigenen rechts-rassistischen Biotop reüssierte.
Da ihm auf großer Bühne immer mit dem Vorwurf er sei ein Lügner begegnet wurde, wurden diese Klagen langweilig. Die „Mainstreammedien“ wollten nicht mehr wie eine Platte mit Sprung klingen. News-Sender können schließlich nicht immer alte Hüte verkaufen.
Man sendete fürderhin Trump im O-Ton und ohne Factchecks, da es in der Medienwelt common sense war, es mit einem Lügner zu tun zu haben.
So erlebten die mäßig an Politik Interessierten beim zufälligen Hineinzappen einen unkommentierten Donald Münchhausen und hielten das für authentisch.
Und selbst wenn die innerparteilichen und demokratischen Gegner ihn der Lüge bezichtigten, so war das definitiv weniger unterhaltsam als die immer neuen Absurditäten Trumps.

  
Post-Truth-Era/Postfaktizismus heißt also, daß man mit Lügen politisch erfolgreich ist, sich aber keinerlei Mühe mehr beim Lügen gibt. (…..)

Wenn der mächtigste Mann der Welt, der über die schlagkräftigste Atom-Armee des Planeten seine 140 Zeichen lostwittert, verzückt das eben nicht nur die 18 Millionen Doofen, die ihn abonniert haben, sondern kann in Minuten gewaltige ökonomische und politische Schäden auslösen. Als Teenager sorgte ich mich, ein Atomkrieg könne versehentlich durch irgendeinen betrunken Offizier ausgelöst werden, bevor die jeweilige Regierung reagieren kann.
Inzwischen ist der Kopf der Regierung selbst die Unsicherheitsquelle Nummer Eins.



Trump ist aber von Fakten gar nicht mehr einzukreisen.
Seine Tweets werden inzwischen quasi in Echtzeit widerlegt. Aber so ist Amerika an der Schwelle zum Jahr 2017 – wahrhaftig zu sein ist irrelevant geworden.

Im Gegenteil, die rasanten destruktiven Auswirkungen der Trumpschen Tiraden werden inzwischen wie unberechenbare Naturkatastrophen betrachtet, aus denen findige Spekulanten noch finanziellen Gewinn zu ziehen versuchen.

[….] Schon beginnen Börsen-Insider mit den digitalen Ausbrüchen zu spekulieren. "Nutze Trumps Tweets wie jede andere Datenquelle", rät der Investmentstratege Keith Fitz-Gerald auf seinem Blog. Mit speziellen Trading-Programmen könnte man sofort erkennen, wenn ein Konzern zum Ziel der nächsten "sozialen Rakete" Trumps werde - und dann mit clever getimtem Aktienhandel Kasse zu machen.
Ein anderes Programm hat die "Washington Post" entwickelt: Mit einem eigenen Twitter-Konto stellt sie Trumps Tweets automatisch in den Kontext - und enthüllt sie als meist "inkorrekt oder falsch". Ob's etwas ändert, ist zu bezweifeln. [….]

Aber Amerika, das alles kommt keineswegs überraschend.
Trump ist seit Jahrzehnten als schlimmer Prolet bekannt.
Seine politischen Bösartigkeiten kennt die Welt seit zwei Jahren.


Devot ließen die US-Medien während all der Zeit die One-Man-Shitstorms über sich ergehen und luden zudem täglich Trumps kleine Gülleschleudern 

(Jeffrey Lord, Kayleigh McEnany, Kellyanne Conway, Corey Lewandowski, Katrina Pierson) ein, gaben ihnen kostenlose Trump-Werbezeit und ließen sich dafür noch masochistisch als „liberal, biased media“ beschimpfen.

Für die Zukunft sehe ich schwarz, und zwar dunkelschwarz.

Das optimalste Szenario – Trump begnügt sich damit Putins Hintern zu lecken, löst aber keinen Weltkrieg aus, sondern ruiniert nur die Wirtschaft und den sozialen Frieden der USA nachhaltig, bevor er 2020 abgewählt wird – dürfte die 63 Millionen Deplorables derart angeheizt haben, daß die Nation ohnehin unregierbar wird.

Vergessen wir nicht, daß Trump kein grotesker Einzelfall ist!
Das gesamte Personal der GOP ist fanatischer Abschaum, 50% der Demokraten sind ebenfalls zum Davonlaufen, das Wahlsystem ist völlig untauglich, der oberste Gerichtshof wird 2020 mit hoher Wahrscheinlichkeit von Rechtsradikalen dominiert sein und die Presse taugt nichts mehr; sie versagte wie 2003 beim Irakkrieg auch 2016 im großen Stil, indem sie zum Lügenmultiplikator wurde.