Montag, 1. August 2016

International abgehängt.


Justin Trudeau sind Minderheitenrechte offensichtlich wirklich wichtig und nicht bloß ein Thema für Sonntagsreden. Das zeigt die Zusammenstellung seines Kabinetts ganz deutlich.
Seit vielen Jahren marschiert er auf diversen Pride/CSD-Veranstaltungen mit und scheint das als Regierungschef sogar noch zu forcieren.

Prime Minister and global heartbreaker Justin Trudeau has made history in Canada by being the first sitting PM to take part in Toronto’s annual Pride Parade.

Einige Wochen später setzte sich Trudeau mit seiner gesamten Familie an die Spitze des Vancouver-Pride-marches. Seine Frau Sophie Gregoire Trudeau, so wie seine drei Kinder Xavier, 8, Ella-Grace, 6, und Baby Hadrien hatten ihren Spaß inmitten des Trubels.


Wer würde jetzt nicht an Angela Merkel denken, die noch im Bundestagswahlkampf 2013 erklärte volle Homorechte könne es nicht geben, da es nicht ihrem Gefühl entspräche und auch nicht gut für das Kindeswohl wäre.

Elf Jahre im Merkel-Schlafwagen. Klar, daß wir überall hinterherhinken.
Unter Merkels Vorgänger war Deutschland noch fortschrittlich. Mit Merkel kam der Mehltau. Weiter ging es immer nur auf massiven Druck des Verfassungsgerichtes.

Als sich vor genau 15 Jahren die ersten Schwulen und Lesben im Rahmen einer Lebenspartnerschaft das Ja-Wort gaben, war das ein tiefer Einschnitt. Im Land, das bis 1969 schwule Männer nach einem Nazi-Paragrafen verfolgen ließ, wurden gleichgeschlechtliche Paare plötzlich anerkannt. Die Medien berichteten begeistert, wie Schwule und Lesben "heirateten", und das Wort "Homo-Ehe" schaffte es im Terrorjahr 2001 immerhin auf Platz sieben der Liste der "Wörter des Jahres".
Das Lebenpartnerschaftsgesetz war der vorläufige Endpunkt eines langjähriges Kampfes: Anfang der Neunzigerjahren startete der damalige Schwulenverband in Deutschland die "Aktion Standesamt", mit der er vor Gericht die Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Paaren im Ehe-Recht erzwingen wollte. [….][….][….][….]
Juni 2013: Das Bundesverfassungsgericht stellt Homo-Paare im Einkommensteuerrecht gleich. Zuvor hatte Karlsruhe bereits mehrere andere Benachteiligungen im Steuerrecht für verfassungswidrig erklärt und die Sukzessivadoption ermöglicht.
September 2013: In einer TV-Debatte stellte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) klar, dass es mit ihr keine Gleichstellung von Homo-Paaren geben werde.
Juli 2016: SPD-Generalsekretärin Katarina Barley gibt zu, dass die
vollständige Gleichstellung "mit der CDU und der CSU nicht zu machen" sei.

Es ist beeindruckend wie unterschiedlich die Geschwindigkeit ist.

Als Schröder und Fischer die "Homoehe" einführten, klagte Frau Merkel und in den USA unter George W. Bush war an sowas gar nicht zu denken.
Da war jede Form der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft illegal und die US-Regierung meinte, das müsse man mit christlichen Konversionstherapien behandeln und förderte das finanziell.
Seitdem gab es aber einen radikalen Wandel.
2016 gibt es in den USA die Ehe für alle. Punkt.
Dazu gibt es eine Regierung und einen Präsidenten, der auch bei allen offiziellen Anlässen ausdrücklich Schwule würdigt.

But I promise you, when we keep at it, when we change enough minds, when we deliver enough votes, then progress does happen. And if you doubt that, just ask the 20 million more people who have healthcare today.  (Applause.) Just ask the Marine who proudly serves his country without hiding the husband that he loves. 
Immerhin kann sich die USA auch weiter entwickeln.
Dafür steht auch die Einstellung zu Cannabis, die in Amerika einem fundamentalen Wandel unterliegt. Angeblich soll ja Barack Obama als Student ein leidenschaftlicher Kiffer gewesen sein.

In Deutschland haben wir die dröge CSU-Hausfrau Mortler als Drogenbeauftragte, die in jedem Joint den Teufel sieht.

In Deutschland wird weiterhin tumb Frau Merkel gewählt, die garantiert auch noch 2017 für vier weitere Jahre Kanzlerin wird.
Mit ihr dürfte es keine Entspannung an der Bürgerrechtsfront geben.
Kein legales Kiffen, keine Sterbehilfe, keine PID, keine Embryonenforschung, keine Leihmutterschaften, keine Ehe für alle.

Nach Ansicht so gut wie aller Ökonomen profitiert Deutschland heute wesentlich von der Schröderschen Agenda 2010.
Frau Merkel mußte sich nie um Steuer-, Finanz- oder Wirtschaftspolitik kümmern, konnte alle Stellschrauben so lassen.
Ihr Job war es, wie das arme Sterntaler-Mädchen ihr feines Leinenröckchen zu lüpfen und die Wohltaten einzusammeln, die vom Himmel fielen.
So etwas geht aber nicht lange gut, ausruhen ist keine Kanzleroption.
Es muß kontinuierlich weiter reformiert, evaluiert, umgebaut werden.
Zu allem Übel verführte der Geldsegen in den deutschen Staatskassen, der durch Regierungsverweigerung entstand die Kanzlerin dazu anzunehmen, es brauche auf europäischer Ebene auch keinerlei ökonomische und finanzpolitische Weichenstellungen.

Merkels völlig Visionslosigkeit und Reformverweigerung betraf aber auch alle anderen Politikfelder.
So ist mittlerweile die Infrastruktur vielerorts abgängig. Deutschland hat kein modernes Einbürgerungs- oder Staatsbürgerschaftsrecht. Internet, das kürzlich von Merkel entdeckte „Neuland“ geht vielerorts nur über uralte Analoge Telefonleitungen, so daß man in vielen Gegenden keine Betriebe eröffnen kann, die auf schnelle Leitungen angewiesen sind.

Von falschen Subventionen der deutschen Politik in den falschen Momenten sprach Sascha Lobo beispielsweise beim Ausbau des schnellen Internetnetzes. Glasfaser sei hierzulande Anfang des vergangenen Jahres unter einem Prozent verbreitet gewesen, während Litauen und Schweden mit einer größer als 30-prozentigen Verbreitung in Europa an der Spitze gelegen hätten. Das "ist eine Katastrophe" in einem Infrastrukturland, das daraus seinen Reichtum ziehe. […..]
(RP 14.04.2016)

Zwar gibt es einen formal zuständigen Minister, aber der Mann stammt leider aus der CSU und interessiert sich neben seiner bizarren Vorliebe für großkarierte Anzüge nur für die Anti-Ausländermaut.

Merkel funktionierte das gesamte Kanzleramt mit Schlafabteilen um.
Deutschland wurde dadurch hoffnungslos altmodisch.

Homo-Ehe, Co-Mütter, Samenspender: Das deutsche Recht hinkt hinterher
Der BGH ist zum Reparaturbetrieb des Gesetzgebers geworden.
[…..] So hat der Bundesgerichtshof (BGH) kürzlich zwei schwule Lebenspartner aus Berlin zu Doppelvätern eines Kindes erklärt, das eine Leihmutter zur Welt gebracht hat. Begründung: Das ist in Kalifornien legal und, zum Wohle des Kindes, auch in Deutschland zu akzeptieren. Der Elternstatus ist quasi importiert worden, und zwar ohne dass einer der Männer das Kind adoptieren musste.
Dies gestand der BGH auch zwei lesbischen Frauen zu, die nach südafrikanischem Recht Co-Mütter eines Kindes sind, das per Samenspende gezeugt wurde. Oder, noch verwickelter: Ein zeugungsunfähiger Mann und seine Freundin planen eine Schwangerschaft durch Samenspende; doch als das Kind da ist, will er sich davonstehlen. Der BGH sagt: Der Mann muss Unterhalt zahlen - wie ein klassischer Vater.
In Deutschland herrscht im Familienrecht eine diffuse Regellosigkeit
Der BGH ist zum Reparaturbetrieb für Versäumnisse des Gesetzgebers geworden. Die Fortpflanzungsmedizin macht rasante Fortschritte. Viele Länder haben längst ihr Familienrecht umgestaltet, um weiterhin die existenzielle Frage für Familien zu beantworten: Wer ist Vater, wer ist Mutter? In Deutschland dagegen herrscht bisweilen diffuse Regellosigkeit, so wie bei der Samenspende. Dass der BGH den treulosen Partner zum Unterhalt verurteilen musste, zeigt, dass die Elternfrage in diesen Fällen nicht wirklich geregelt ist. […..]  […..]

Sonntag, 31. Juli 2016

Unwissensgesellschaft.



Demokratie ist ja schön und gut, aber sie setzt theoretisch voraus, daß alle Wähler aufgeklärt und interessiert sind, daß sie kompetent entscheiden.
In der Praxis ist das aber nicht so. Im Gegenteil, es herrscht gewaltige Apathie, Desinformation und Stimmungsmache.

Man wählt Rajoy statt Zapatero, George W. Bush statt Gore, immer wieder Berlusconi und 16 Jahre Kohl.
Amerikanische Volksabstimmungen über Waffenrecht, Drogenkonsum und Homoehe waren in der Vergangenheit fast immer von Vorurteilen und nicht von Fakten beeinflusst.
Der Westen propagiert Demokratie, aber nur vor der Kamera.
Eigentlich hat man lieber eine schöne Diktatur mit einem verlässlichen Diktator/König/Papst/Führer, der alles im Griff hat.
So wie es vor der Arabellion war.
Oder Palästina. Jeder lobt Israel, als die „einzige Demokratie des Nahen Ostens“.
Als die Palästinenser auch wählten, fand man das dann nicht mehr so toll.
Insbesondere nicht mehr, nachdem 2006 die Hamas die Wahl gewann; also die sunnitische Befreiungsorganisation Palästinas, die sich quasi als Tochter der Muslimbruderschaft gegründet hatte.
Ähnlich sah es in Ägypten aus, nachdem die Hamas-Mutter „Muslimbrüderschaft“ die Präsidentenwahl gewonnen hatte und ihr Mann Mursi das tat, was er versprochen hatte.
Das gefiel Merkel und Obama überhaupt nicht und sie begrüßten den höchst antidemokratischen Regierungsumsturz, der nichts anderes als ein Militärputsch war und nun zu einer Gewaltorgie geführt hat.

Deswegen ist der Westen übrigens so unbeliebt in Nordafrika und im Nahen Osten: Die Glaubwürdigkeit der Nato-Staaten, die von Demokratie und Frieden reden, aber dann die Diktatoren bevorzugen und die Gegend mit Waffenexporten überziehen, ist nicht mehr messbar.

Der 19-Jährige analphabetische adipöse Zimmertemperatur-IQ-Sachse ohne Schulabschluß mit Alkoholproblem und eingepisster Jogginghose, der vor einer Flüchtlingsunterkunft Obszönitäten grölt, hat bei der Bundestagswahl genauso viel Einfluss wie ein 60-jähriger Bildungsbürger mit drei Doktortitel und lebenslangen ZEIT-Abo.
Aus diesem Grund plädiere ich auch bei jeder Gelegenheit gegen die Auswüchse der plebiszitären Demokratie. Bloß keine Volksbefragungen und Bürgerbegehren. Das ist die Diktatur der Inkompetenz.
So kommt es zum Brexit.
Überlasst die wichtigen Entscheidungen den Profis in den Parlamenten.
Wir haben aus gutem Grunde eine repräsentative Demokratie und sollten unseren gewählten Repräsentanten dementsprechend auch keine Kompetenzen entziehen.

Das Problem ist nur, daß man die Volksvertreter irgendwann auch mal wählen muß und dann ist wieder der gewöhnliche Urnenpöbel am Zug, der Alexander Gauland, Björn Höcke und Frauke Petry seine Vertreter aussucht.

Ich sympathisiere sehr mit der Idee eines Losverfahrens, wie sie der belgische Historiker David van Reybrouck im aktuellen SPIEGEL vorschlägt.

Wir töten die Demokratie, wenn wir sie auf diese archaischen Verfahren reduzieren.
Schauen Sie sich den Brexit an. In dieser Entscheidung bündelt sich alles. Was an unserem demokratischen System nicht stimmt.
Das Referendum gab es überhaupt nur, wie les ein Wahlversprechen David Camerons war – der insgeheim davon ausging. Die Briten würden mit Nein stimmen. Dann hat Boris Johnson das Referendum gekapert. In der Hoffnung, sich so in Stellung für die nächste Wahl zum Premierminister zu bringen. Auch er ging davon aus, die Briten würden mit Nein stimmen.
Und dann haben sie mit Ja gestimmt.
Dabei war das Thema denkbar komplex: Wie stellen wir uns die zukünftigen Beziehungen zur EU vor? Aber es gab nur zwei mögliche Antworten: Ja oder Nein. Remain oder Leave. Zwei Wahlen, ein Referendum, persönliche Eitelkeiten. Medien, die nicht gut genug informiert haben – kein Wunder, daß alles schiefgegangen ist.
(Van Reybrouck, der SPIEGEL, 31/2016 s.116f)

Statt des Brexit-Volksentscheids, bei dem ¾ der Wähler unter 30 erst gar nicht zur Wahl gingen und der Rest durch eine massive Desinformationskampagne der rechten Medien verwirrt wurde, hätte man lieber 1.000 Briten ausgelost, die für ein halbes Jahr zusammen in ein Hotel gesteckt worden wären, um dort das Thema ausführlich zu diskutieren, Experten zu hören, Informationen zu sammeln, sich gegenseitig zuhören.
Das Thema hätte es eigentlich erfordert so vorzugehen.

Die Bürger werden wie in Stichproben aus den verschiedensten Bevölkerungsgruppen ausgelost, um ein breites Spektrum abzubilden. Sie nehmen ihre Aufgabe meist sehr ernst, arbeiten sich gründlich ein, erarbeiten differenzierte, ausgewogene Ideen. Das Problem: weil sie ausgelost sind, gelten sie als nicht legitimiert, also wird anschließend per Referendum über ihren Vorschlag abgestimmt. Und da passiert dann oft, was Reybrouck mit der Redensart "If you don’t know, say no" zusammenfasst: Die kluge Arbeit der Bürgergremien landet durch eine Augenblicksentscheidung der Masse im Papierkorb.

Eine schöne Idee, wie ich finde.
Aber ich sehe keinerlei Möglichkeit, daß so etwas in absehbarer Zeit in Deutschland oder den USA etabliert werden könnte.

Also müssen wir mit unserer Form der repräsentativen Demokratie, die solche Gefahren wie Trump, Le Pen, Wilders und Petry beinhaltet, weiterleben.

Alle Rechtsradikalen leben von der Angst der Bürger.
Umfragen zeigen ganz klar, daß die AfD-Anhänger alle die Hosen voll haben. Keine anderen Parteigänger fürchten sich so sehr vor allem, wie sie.
In den USA ist es genauso. Trump-Fans fürchten sich vor Muslimen, dem Terror, den Atheisten, den Liberalen. Sie glauben festdaran, ihnen würde etwas weggenommen, ihre Waffen, ihre exklusiv heterosexuellen Ehen, ihr Land, ihre Sprache.
Trump, AfD, FN oder PVV tun daher alles, um Ängste zu schüren, Terrorgefahren hochzujazzen, Menschen zu Feinden und Gefahrenquellen zu machen.

Nun sind Terroristen in Europa und Amerika immer noch eine recht kleine Gefahr.

In den USA ist die Wahrscheinlichkeit versehentlich von einem Kleinkind erschossen zu werden größer, als Opfer eines islamistischen Anschlags zu werden. Aber Donald Trump verlangt deswegen nicht alle Toddler auszuweisen, sondern konzentriert seinen Hass auf Muslime.

You’re more likely to be fatally crushed by furniture than killed by a terrorist
Consider, for instance, that since the attacks of Sept. 11, 2001, Americans have been no more likely to die at the hands of terrorists than being crushed to death by unstable televisions and furniture. Meanwhile, in the time it has taken you to read until this point, at least one American has died from a heart attack. Within the hour, a fellow citizen will have died from skin cancer. Roughly five minutes after that, a military veteran will commit suicide. And by the time you turn the lights off to sleep this evening, somewhere around 100 Americans will have died throughout the day in vehicular accidents – the equivalent of “a plane full of people crashing, killing everyone on board, every single day.”

People are getting shot by toddlers on a weekly basis this year

Da wir nicht von den ausgelosten 1000er Gruppen bestimmt werden, sondern zum Beispiel von FOX-News glotzenden verblendeten Evangelikalen, werden die realen Gefahren radikal falsch eingeschätzt.

Zu meinem Erstaunen wendet sich SPON-Kolumnist Sascha Lobo in seinem letzten Artikel scharf gegen die besserwisserische Aufklärung mit Statistiken und bricht eine Lanze für gefühlte Gefahren.

[….] Der erstarkende Neonationalismus etwa arbeitet erfolgreich mit Untergangsszenarien. Zugleich provoziert dieser Eindruck auch Gegenreden, in denen es heißt, die Welt sei so großartig dran wie nie zuvor, gestützt von allerlei Statistiken.
In solchen positiv gemeinten Aussagen finden sich Spuren des Zynismus: Ja, die Welt mag schlimm sein, aber weniger schlimm als vor 30, 50 oder 400 Jahren. Herzlichen Glückwunsch, vor 100 Millionen Jahren wurden sogar null Menschen im Jahr ermordet.
Aber zum Ersten geht es auch um Empfindungen, weil Gefühle Handlungen auslösen können. Zum Zweiten lassen sich ebenso Statistiken finden, die das Gegenteil zu belegen scheinen. Und zum Dritten lässt sich mit dieser Argumentation jedes aktuelle Ereignis schönreden. Eine Verbesserung von einem katastrophalen Ausgangspunkt aus betrachtet ist nicht automatisch ein Grund zum Feiern: nur 1000 ertrunkene Flüchtlinge, nur 100 Opfer islamistischen Terrors, weniger als im Vorjahr, hurra, lasst uns ein rauschendes Fest geben.
Die dahinterstehende Haltung zeugt von einer überrationalen Sichtweise auf die Welt. Da hat jemand offensichtlich Angst, und als vermeintliches Gegenmittel wird ein Bündel Statistiken willkürlich aufeinandergestapelt und erklärt, die Angst sei ja rational gar nicht berechtigt. […]

Ich schätze Herrn Lobo, aber angesichts unserer völlig hysterischen Reaktionen auf so ziemlich alles – Gluten, Erdstrahlen, Spinnen, muslimische Überfremdung – ist „Überrationalität“ das geringste Problem der deutschen.
Im Gegenteil.
Es sollte mit Nachdruck und andauernd darüber aufgeklärt werden, welche realen Gefahren es gibt und wie groß sie einzuschätzen sind.
Wir sollten uns durchaus klarmachen, daß es Billigflugreisen und aus Südafrika importierte Erdbeeren sind, die unsere Atmosphäre ruinieren und das Klima verändern.
Es ist unsere Agrarpolitik, die tötet.
Es ist unsere Waffenexportpolitik, die Kriege ermöglicht.

Das bedeutet selbstverständlich nicht, daß man irgendetwas verschweigen oder verniedlichen soll.
Natürlich gibt es eine reale Gefahr in Europa Opfer eines Islamistischen Anschlages zu werden.
Es gibt aber keinen Knopf, mit dem man diese Gefahr einfach abschalten kann.

Wir können aber der Hysterie entgegen wirken und damit etwas dafür tun, daß Le Pen und Trump und Gauland nicht noch stärker werden.

Anders als Lobo intendiert, spricht man niemand sein Recht auf Angst ab, indem man sie in ein Verhältnis setzt.
Angst ist Angst, ob nun rational berechtigt oder nicht.
Hypochondrie ist ein Problem, das eben nicht durch Überrationalität beseitigt werden kann.
Aber Rationalität sollte doch dazu beitragen, daß nicht immer mehr Menschen zu Terrorchondrikern werden.

Insofern sage ich zu den Meldungen zu offenen Feuerstellen ja.

Nimmt man die Anzahl der Todesopfer als Kriterium für eine Gefahr, steht Terror recht weit hinten auf der Liste, generiert aber gigantische öffentliche Aufmerksamkeit.
Mücken und offene Herdfeuer hingegen stehen ganz vorn, aber es interessiert sich kaum jemand dafür.

Die Luftverschmutzung durch primitive Kochstellen tötet weltweit mehr Menschen als Malaria - das ist das erschreckende Ergebnis einer aktuellen Studie. Demnach sterben jedes Jahr fast zwei Millionen Menschen, weil sie verrauchte Luft in den eigenen vier Wänden einatmen.
Die Malaria tötet nach Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich etwa eine Million Menschen. Doch eine andere Gesundheitsgefahr, die ebenfalls vor allem arme Länder betrifft, hat noch schlimmere Auswirkungen: Rauch in Häusern. Fast zwei Millionen Menschen sterben jedes Jahr an Krankheiten, die durch verrauchte Luft ausgelöst werden. Das ist das Ergebnis einer Studie der US-amerikanischen National Institutes of Health.
Von den Folgen des Rauches besonders betroffen seien Frauen und Kinder in extremer Armut, schreiben Studienleiter William Martin und seine Kollegen im Wissenschaftsmagazin "Science". Seit Jahrzehnten werde an dem Thema gearbeitet - allerdings nur mit begrenztem Erfolg.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt in einem neuen Report, dass im Jahr 2012 weltweit mehr als 7 Millionen Menschen - das wäre ein Achtel aller Todesfälle - an den Folgen der Luftverschmutzung gestorben sind.

Etwa drei Mil­li­ar­den Men­schen – drei Mil­li­ar­den! – ko­chen und hei­zen in ih­ren Häu­sern oder Hüt­ten noch im­mer mit Fest­brenn­stof­fen wie Koh­le, Holz, Vieh­dung und Ern­te­ab­fäl­len. Mehr als vier Mil­lio­nen jähr­lich ster­ben an Krank­hei­ten, die auf ver­schmutz­te In­nen­raum­luft zu­rück­ge­hen: Atem­wegs­er­kran­kun­gen, Schlag­an­fäl­le, Herz­krank­hei­ten. Vier Mil­lio­nen: Das sind fast vier­mal so vie­le, wie heu­te pro Jahr an Aids ver­ster­ben. Es sind über hun­dert­mal mehr Op­fer als 2014 bei Ter­ror­ak­ten ihr Le­ben lie­ßen.

Nimm das, Lobo.

Samstag, 30. Juli 2016

Irrer als Trump?



Was soll man zu Donald Trump noch sagen; dem Mann, der über Behinderte herzieht und vor ein paar Tagen unter dem Jubel seiner Anhänger davon phantasierte seine Kritiker brutal zu verprügeln – „hit this guy so hard, his head would spin“?

Nun, dieser Mann ist der Meinung er sei bisher „nice“ gewesen, aber das sei nun vorbei.

[…..] Bei seinem Auftritt in Colorado Springs im US-Bundesstaat Colorado holzte Trump am Freitag im beleidigt-aggressiven Stakkato wie folgt: "Ich habe ihre Rede am Donnerstagabend geschaut, so viele Lügen, ich war immer nett zu ihr, aber jetzt bin ich nicht mehr Mr. Nice Guy."
Während man noch versucht, das im Kopf zusammenzubringen, Trump und Mr. Nice Guy, ruft er schon: "Ich ziehe jetzt die Samthandschuhe aus." Ohrenbetäubender Jubel im Auditorium der University of Colorado. Wie immer, wenn es gegen Hillary geht.
Es ist gerade ein interessanter Zeitpunkt, Veranstaltungen mit Trump zu besuchen. Der Wahlkampf ist nach den Parteitagen offiziell eröffnet. Trump wurde halbherzig gekrönt, und auf der Convention der Demokraten mit Angriffen und Witze überzogen. Als Reaktion gibt sich der schrille Kandidat in diesen Tagen noch eine Spur schriller. [….]

Tatsächlich gibt es aber noch wahnsinnigere Amerikaner.
Das sind in erster Linie diejenigen, die nun durch die Talkshows ziehen und Trump in rosaroten Farben malen.

Trump-Fan Chris Christie

Während Trumps offizielle politische Unterstützer Jeffrey Lord, Kayleigh McEnany oder Paul Manafort eher bösartig und verlogen daherkommen, gibt es daneben reine Opportunisten wie Newt Gingrich und Chris Christie, sowie als dritte Kategorie noch die psychiatrischen Fälle.

Dazu gehört zweifellos Paula White, die im US-Fernsehen als Trumps „Spiritual Adviser“ auftritt und ihn als sehr gläubigen und warmherzigen Christen darstellt.
Der rasende Rassist, der Frauen öffentlich als „fat pigs“ bepöbelt, Prügel androht, Menschen gegeneinander aufhetzt und nahezu in jedem Satz lügt, ist für Pastorin White ein frommer, vorbildlicher Gläubiger.

Nun, willkommen Paula White, Trump passt auch in mein Christenbild.
Es ist aber schon eigenartig, daß die Pastorin selbst einen sexistischen und betrügerischen Rüpel so sehr preist.

Paula Michelle White, 50, ist „senior pastor“ des New Destiny Christian Center in Florida. Die zum dritten Mal verheiratete Teleevangelistin tritt gemeinsam auf mit den sicher nicht weniger wahnsinnigen Benny Hinn und Joyce Meyer.

Im zarten Alter von 18 Jahren erschien ihr Jesus und befahl ihr Predigerin zu werden.

"When I was just eighteen years old, the Lord gave me a vision that every time I opened my mouth and declared the Word of the Lord, there was a manifestation of His Spirit where people were either healed, delivered, or saved. When I shut my mouth, they fell off into utter darkness and God spoke to me and said 'I called you to preach the gospel"





Ob diese Teleevangelisten selbst gläubig sind, kann niemand sagen. Jedenfalls kann man so Multimillionär werden.
Ihre zahlreichen Affären deuten darauf hin, daß sie privat eher nicht nach strengen Geboten leben.

Die offensichtlich plastic-surgery-besessene Paula White hingegen sieht immer so aus, als ob sie jeden Moment von den Männern in den weißen Kitteln abgeholt werden würde.
In ihrem Fall bin ich geneigt wirklich anzunehmen, daß sie überzeugt ist von dem Schwachsinn, den sie predigt.

Gut möglich, daß die stets grell geschminkte Blondine mit der Knallerbse im Kopf wirklich glaubt, Trump sein ein vorbildlicher Christ.

In an exclusive interview with the Brody File, Televangelist Paula White tells us that Donald Trump’s presidential run has the hand of God on it. Pastor White has been a close friend and spiritual mentor to Trump for close to fifteen years. During our interview, she also talked about how Trump “knows God” and enjoys watching Christian television.