Sonntag, 4. Oktober 2015

Spinnereien.


Hurra, am Freitag, den 09.10.2015 ist es wieder soweit – es gibt einen Friedensnobelpreis.

Friedensnobelpreise werden ja aus sehr unterschiedlichen Gründen verliehen. Zum Beispiel um die Wandlung eines Falken zur Taube zu würdigen.
Oder auch, um einer Privatperson, die eher im Stillen wirkte Publicity zu geben.
Gelegentlich sind Friedensnobelpreise auch unstrittig, weil sie für jeden ersichtlich wirklich verdient waren.
Albert Schweitzer (1952), Martin Luther King (1964), Willy Brandt (1971), Anwar as-Sadat (1978), Elie Wiesel (1986), Michail Sergejewitsch Gorbatschow (1990), Nelson Mandela (1993) und Jitzchak Rabin (1994) waren, bzw sind solche Ausnahmemenschen.

2009 wollte Oslo sich offensichtlich in dem Glanz des eben erst gewählten Barack Obama sonnen. Das war in vielerlei Hinsicht großer Mist. Oslo blamierte sich, Oslo schadete Obama enorm, indem es seine Gegner von der GOP aufstachelte und Oslo wählte einen, dessen spätere Taten als Potus das Gegenteil von friedlich waren.

2012 war ich von der Entscheidung über den Friedensnobelpreis zunächst überrascht, ließ mich dann überzeugen. (.........)

Für mich sind die schönsten Friedensnobelpreise die, die jemand anders richtig wehtun. Das war 1971 sicher der Fall, nachdem CDU und CSU Willy Brandt 20 Jahre lang als ehrlos attackiert hatten, weil er a) unehelich zur Welt kam und b) kein Nazi war, sondern während der Hitlerzeit ins Exil ging.

Nobelpreis-beschwerte Dissidenten sind für die jeweiligen Regime natürlich auch immer eine Schmach. Solche Fälle gab es schon häufiger:

Liu Xiaobo 2010, Schirin Ebadi 2003, Aung San Suu Kyi 1991, Dalai Lama 1989, Desmond Tutu 1984, Adolfo Pérez Esquivel 1980, Andrei Dmitrijewitsch Sacharow 1975, Martin Luther King 1964, Albert John Luthuli 1960, Carl von Ossietzky 1935.

In diesem Sinne würde ich es begrüßen, wenn nächste Woche wieder ein unterdrückter Dissident in Lebensgefahr den Preis bekäme.

Angeblich sind der saudische Blogger Raif Badawi, Mussie Zerai vor der Nowaja Gaseta (Oppositionszeitung in Russland), Edward Snowden und Chelsea Manning Favoriten. Allen würde ich den Preis gönnen. Am meisten steckt vermutlich Badawi in der Patsche. Aber auch ein geteilter Preis an Snowden und Manning wäre eine Riesenklatsche für die USA und Obama. Ganz geschickt könnte Oslo damit auch ausdrücken, daß der Preis von 2009 eine doofe Idee war.

Aber vermutlich wird es eher wieder ein „Ermutigungs-Nobelpreis“, der einen Mächtigen animieren soll noch aktiver zu werden.
Angesichts der dramatischen Weltlage wäre auch das eine nachvollziehbare Begründung. Viel genutzt hat sowas bisher allerdings nicht.

In der verfahrenen Lage der Levante und der Ostukraine bedürfte es wieder eines dynamischen und engagierten Staatsmannes mit Charisma.
Theoretisch steht dafür der Friedensnobelpreisträger Barack Obama zur Verfügung.
Aber praktisch ist es wohl so, daß sich die fünf Mitglieder des Osloer Nobelpreis- Komitees jeden Tag seit ihrer Entscheidung von 2009 in Grund und Boden schämen. Guantanamo-Todesstrafen-Drohnenkrieger-Obama hält sich bei internationalen Friedensbemühungen demonstrativ zurück. Er unternimmt nichts, sondern heizt im Zweifelsfall mit verbalen Attacken Konflikte weiter an.
Naja, die Norweger haben etwas westliche Schlagseite, wenn man sich die Verteilung der Friedensnobelpreise nach Nationen ansieht:
USA: 21, GB: 12, Frankreich: 9,…,.. Deutschland immerhin noch: 4, am Ende liegen Russland (inkl Sowjetzeit) mit ZWEI Friedensnobelpreisen und China mit einem.

Zuhause in Washington rockern die bellizistischen GOPer dermaßen rum, daß man es Obama schon hoch anrechnen muß, wenn er nur schmollend im Oval Office sitzt und nichts tut.

Deutsche Zeitungen orakeln derweil über die Chancen von Angela Merkel.
Privatpersonen dürfen zwar keine Nobelpreiskandidaten nominieren, aber im treuen Kanzlerwahlverein CDU finden sich natürlich immer genügend Speichellecker, die den eigenen Kanzler in Oslo vorschlagen. Helmut Kohl war über zig Jahre kontinuierlich nominiert.

[….]  Der Direktor des Osloer Friedensforschungsinstituts Prio räumt Angela Merkel gute Chancen auf den diesjährigen Friedensnobelpreis ein.
[….]  Seien es die US-Präsidenten Theodore Roosevelt, Woodrow Wilson und Barack Obama, PLO-Chef Jassir Arafat und Israels Premier Yitzhak Rabin oder vor drei Jahren die Europäische Union - nicht immer stießen die Entscheidungen des Komitees auf ungeteilte Zustimmung.
Angeblich könnte die Liste der umstrittenen Preisträger dieses Jahr um einen Namen ergänzt werden: Angela Merkel. Diverse Medien küren die Kanzlerin zu einer der Favoritinnen und attestieren ihr "gute Chancen". Als Grundlage für die Spekulation gelten die "Meinungen von Experten".
Tatsächlich ist es ein Experte, der sich als Merkels Fürsprecher hervortut: Kristian Berg Harpviken, der Direktor des Osloer Friedensforschungsinstituts Prio. Die Bundeskanzlerin habe in der Flüchtlingskrise "moralische Führungsstärke" gezeigt, sagt Harpviken. Damit habe sie "in einer kritischen Zeit" Verantwortung übernommen, um die sich andere Politiker gewunden hätten. Merkel "duckt sich vor konkreten und schwierigen Diskussionen nicht weg", lobt Harpviken. "Und wir wissen, dass sie nominiert ist - sie könnte den Preis also bekommen." [….]

EXPERTE!
Merkel "duckt sich vor konkreten und schwierigen Diskussionen nicht weg."
Harpviken kennt die Kanzlerin offenbar ganz genau! Das sind ja exakt ihre Charaktereigenschaften: Führungsstärke, konkret sein, Entscheidungen treffen, Kurs vorgeben, Klartext.

Wie groß die Chancen der Kanzlerin wirklich sind, kann ich nicht beurteilen.
Aber die SZ weist deutlich daraufhin, daß Harpviken bisher noch nie richtig lag.

Zu entscheiden haben es nur fünf Personen, wovon eine, nämlich Ytterhorn, ultrarechts ist:

Vorsitzender: Kaci Kullmann Five (Konservativen Partei)
Thorbjørn Jagland (sozialdemokratische Partei)
Inger-Marie Ytterhorn (Fortschrittspartei)
Berit Reiss-Andersen (Rechtsanwältin)
Henrik Syse (Senior Researcher am Peace Research Institute in Oslo)

Einstimmigkeit ist ebenso wenig gefordert wie Begründungen oder ein bestimmter Wahlmodus.

Vielleicht also tatsächlich Merkel als nächste Friedensnobelpreisträgerin?

Toller Plan, die Frau, die massiv den Irakkrieg unterstützte, die so viel Waffen in Krisengebiete exportiert wie nie zuvor, die 0,7%-Entwicklungshilfezusage nie einhält, welche die Flüchtlings-Killeraktionen im Mittelmeer mit zu verantworten hat, die gleich zu Anfang ihres CDU-Vorsitzes eine Anti-Ausländer-Unterschriften-Kampagne initiierte, deren Partei beispielsweise in Sachsen klar xenophobe Politik macht, soll den Friedensnobelpreis bekommen.


Samstag, 3. Oktober 2015

Schamlosigkeit und Raffgier.



Angesichts der immer lauter werdenden xenophoben Töne aus den C-Parteien verweise ich noch einmal dringend auf den Film „Süchtig nach Jihad“, in dem man einen drastischen Eindruck von dem unfassbaren Elend in den Flüchtlingslagern für Syrer bekommt.

Wir geben unser Geld in Deutschland lieber dafür aus das Klima zu ruinieren, um so Menschen in trockeneren und heißeren Gegenden das Leben unmöglich zu machen.

49000000000 Euro gegen das Klima
Deutschland subventioniert Öl, Kohle und Gas mit riesigen Summen. Weltweit werden 5,3 Billionen Dollar Steuergeld für dreckige Luft verschenkt.
Deutschland gibt eine Menge Geld für den Klimaschutz aus: Mindestens 6,5 Milliarden Euro zahlt allein der Bund für Forschung, Beihilfen und Investitionen national und weltweit. Aber gleichzeitig subventionieren Bund und Länder die fossilen Brennstoffe Öl, Gas und Kohle im Jahr 2015 mit insgesamt 49,2 Milliarden Euro. Das hat der Internationale Währungsfonds (IWF) in einem aktuellen Bericht über “Die Kosten der Energiesubventionen“ errechnet, der unter die Lupe nimmt, mit wieviel Steuergeld die Staaten ihre fossilen Industrien unterstützen.
Zu der gigantischen Summe kommt der IWF, weil er neben direkten auch indirekte Subventionen zählt: Vor allem die Schäden am Klima und die Gesundheitsschäden durch Luftverschmutzung, für die nicht die Verursacher, sondern die Allgemeinheit aufkommen. Die höchsten versteckten Kosten entstehen in Deutschland demnach durch Luftbelastung aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas (etwa 21 Milliarden im Jahr) und den Klimaschäden (etwa 18 Milliarden). Als direkte deutsche Subventionen rechnet der IWF dagegen nur 2,9 Milliarden Euro.

Während wir als Deutschland, als EU, locker zweistellige Milliardensummen aufbringen, um die weltweiten Fluchtursachen zu verschlimmern, indem wir beispielsweise die Agrarwirtschaft Afrikas ruinieren, schafft es die Welt noch nicht einmal genügend Lebensmittel zu bezahlen, daß die Menschen in den Flüchtlingslagern nicht verhungern müssen.

Die Versorgung der Syrien-Flüchtlinge in den Nachbarländern Libanon und Jordanien hat sich nach Angaben der Vereinten Nationen dramatisch verschlechtert. Den Hilfsprojekten fehlt Geld. Das UN-Welternährungsprogramm (WFP) musste nach eigenen Angaben die Lebensmittel-Ausgaben für Flüchtlinge in beiden Ländern seit Beginn des Monats im Durchschnitt halbieren. Statt 27 Dollar pro Person und Monat, die für eine ausreichende Versorgung notwendig wären, erhielten die meisten Familien durchschnittlich nur 13,50 Dollar – das sind 50 Cent pro Person am Tag.
Zudem hat die Organisation damit aufgehört, die elektronischen Lebensmittelgutschein-Karten für mehr als 360.000 Menschen aufzuladen. „Seit Beginn des Nothilfeeinsatzes agiert das WFP von der Hand in den Mund. Doch die Finanzierungslage war noch nie so schlimm wie in diesem Jahr. Hunderttausende Familien müssen darunter leiden“, sagte WFP-Sprecherin Maria Smentek der Frankfurter Rundschau.
Nicht nur für die Lebensmittelversorgung fehlt Geld. 4,5 Milliarden Dollar kostet der von den UN initiierte Hilfsplan für die Versorgung von Flüchtlingen in den Nachbarländern Syriens im laufenden Jahr. Anfang September sind jedoch nur 37 Prozent des benötigten Geldes vorhanden.

Man staunt – da reden dieses Wochenende landauf landab Politiker von Einschränkungen des Asylrechts und fahnden verzweifelt nach Möglichkeiten irgendwie die Flüchtlinge von Deutschland fernzuhalten – aber so eine einfache und billige Maßnahme, wie die Lebensmittelversorgung in den jordanischen und Libanesischen Lagern zu finanzieren, fällt weder Söder noch Seehofer ein.

Es ist ja nicht so, daß wir kein Geld hätten.
Wolfgang Schäubles Kassen quellen gerade über.
Aber unter der Kanzlerin, die gerade ernsthaft als Favoritin für den Friedensnobelpreis gehandelt wird, geben wir den Großteil des Geldes lieber dafür aus anderen zu schaden, statt zu helfen.

So müssen private Spender ran. Es gibt glücklicherweise potente Wohltäter – so wie die Melinda-und-Bill-Gates-Stiftung. Es gibt sicher viele Gründe die Gates zu kritisieren, aber immerhin geben sie jedes Jahr Milliarden ihres Vermögens für „wohltätige Zwecke“.

Das muß auch so sein, denn andere Steinreiche halten ihr Geld lieber zusammen. Die EU und auch Deutschland sind weit davon entfernt das selbstgesteckte Ziel zu erreichen, 0,7% des Haushalts für Entwicklungshilfe auszugeben. Mit Mühe bringen wir es auf 0,4%.

Andere richtig Reiche geben gar nichts.
Die reichste griechische Institution ist die griechisch-orthodoxe Kirche – der mit Abstand größte Immobilienbesitzer des Landes. Daß die frommen Christen von der Grundsteuerbefreiung befreit werden könnten, wagt niemand auch nur zu denken. Und freiwillig gibt die Kirche gar nichts. Im Gegenteil, wie die Kollegen der ungarischen Katholischen Kirche, sind sie menschenfeindlich und pervers; unterstützen die xenophoben Ansichten Orbans.

In Deutschland ist es nicht besser.
Während man Kinder und Frauen in den Elendslagern im Libanon und Jordanien hungern lässt, erreichen uns solche Meldungen:

[…] Rund vier Milliarden Euro beträgt das Vermögen des Bistums Paderborn. Das wurde in dieser Woche bekannt gemacht. Darüber hinaus gibt es Immobilienwerte, die schwer zu taxieren sind. Und den sogenannten Erzbischöflichen Stuhl, der weitere Gelder verwaltet.
[…]. Vier Milliarden Euro Rücklagen bringen optimistisch gerechnet 200 Millionen Euro Rendite im Jahr.
Und im sogenannten Erzbischöflichen Stuhl werden weitere Gelder verwaltet. Höhe: Unbekannt. Bösartige könnten von einem Reptilienfonds sprechen, aus dem sich der Erzbischof nach Gutdünken bedient. […] Wenn das Paderborner Bistum jetzt verkündet, dass die Flüchtlingshilfe um zwei Millionen aufgestockt wird, ist das angesichts der in dieser Woche bekannt gewordenen Summen nicht viel. […]

Blind vor Geld
[…] Jahrzehntelang haben die frommen Finanzchefs hinter den dicken Mauern der Ordinariate ihr Geheimnis bewahren können. Und nun sickert Stück für Stück zumindest ein Teil der Wahrheit heraus: Die katholische Kirche ist nicht arm, sondern reich, einige Bistümer sogar superreich. Paderborn, wer hätte es gedacht? 3,6 Milliarden allein an Anlagevermögen!
[…] Der Hinweis, den das Bistum Paderborn am Dienstag beinahe wie eine Entschuldigung brachte, dass man schließlich mit dem vielen Geld viele Altersheime, Kindergärten und andere Einrichtungen betreibe, ist nicht einmal halbwahr. Denn diese Einrichtungen werden zumeist - wie bei allen anderen Trägern - hauptsächlich vom Staat oder den Krankenkassen finanziert.  Kindergärten bekommen Platzgelder, oft wird ein hundertprozentig katholischer Kindergarten zu rund 90 Prozent - mitunter sogar mehr - aus Steuergeldern finanziert. Aber die katholische Kirche nimmt sich dennoch ihr eigenes Recht heraus, immer wieder Erzieherinnen, Putzfrauen und auch Leiterinnen hinauszuwerfen, weil sie sich scheiden lassen, wieder heiraten oder muslimisch sind.
Das viele Geld versperrt offensichtlich den Blick der Kirchenoberen auf die notwendigen Reformen. […]

Freitag, 2. Oktober 2015

Der Minusmann – Teil IX



Ist der Ruf erst ruiniert, hetzt es sich ganz ungeniert.
Nach dem Motto rockert sich Minister de Maizière inzwischen durch die politische Landschaft.

Daß in seiner politischen Heimat, des failed states Sachsen die Asylbewerberheime brennen und durch die tätige Mithilfe de Maizières Partei CDU der Rechtextremismus immer stärker wird, scheint dem Bundesinnenminister nicht mehr genug zu sein.

Deutschland wird international gerade als vorbildlich hilfsbereit und großzügig wahrgenommen. Das kann der Bundesinnenminister offenbar nicht ertragen und gibt sich alle Mühe auch bundesweit Ressentiments und Xenophobie zu schüren.

Daß einige Syrer sich „frei bewegen“ und nicht starr und demütig in ihren zugewiesenen Lagern hocken, regt de Maizière ganz fürchterlich auf. Er sieht offenbar alle Ausländer prinzipiell als kriminell an und verlangt, sie sollten sich schon a priori devot wie Gefängnisinsassen benehmen.
Würde und Menschenrechte? Wo kämen wir denn dahin, wenn das jeder in Anspruch nähme!

Im ZDF-"heute journal" sagte der CDU-Politiker: "Bis zum Sommer waren die Flüchtlinge dankbar bei uns zu sein. Sie haben gefragt, wo ist die Polizei, wo ist das Bundesamt. Wo verteilt Ihr uns hin."
Das habe sich seither geändert. "Jetzt gibt es schon viele Flüchtlinge, die glauben, sie können sich selbst irgendwohin zuweisen", führte der Minister aus.

    "Sie gehen aus Einrichtungen raus, sie bestellen sich ein Taxi, haben erstaunlicherweise das Geld, um Hunderte von Kilometern durch Deutschland zu fahren. Sie streiken, weil ihnen die Unterkunft nicht gefällt, sie machen Ärger, weil ihnen das Essen nicht gefällt, sie prügeln in Asylbewerbereinrichtungen."

Dies sei zwar noch eine Minderheit, räumte de Maizière ein. "Aber da müssen wir klar sagen, wer hier nach Deutschland kommt (...) der muss sich dahin verteilen lassen, wohin wir ihn bringen, sich einem fairen Verfahren unterstellen und unsere Rechtsordnung anerkennen."

Absolut unverschämt, diese Asylanten!
Erst erdreisten sie sich die Überfahrt im Mittelmeer zu überleben und nicht zu ersaufen, wie es de Maizière gefordert hatte, als er die Mission Mare Nostrum abschaffte.
Und nun kommt es noch toller: Einige hier Angekommene benehmen sich wie freie Menschen! Unerhört. Dafür bezichtigt sie der Minus-Mann generell als undankbar. Pack, dieses. Irgendwie muß man die doofen Deutschen, die sich FREIWILLIG melden den Flüchtlingen zu helfen ja wieder eintrichtern, daß alle Ausländer doof sind, daß man denen nicht hilft, sondern GEGEN sie demonstriert.
Der überzeugte Christ de Maizière weiß eben was Nächstenliebe ist.

[….] Wenn ein Innenminister sich auf die eine Seite der Wippe setzt, dorthin, wo die Ablehnung von Flüchtlingen sitzt, dann ist es klar, dass die Stimmung kippt.
Es gibt Interviews, die man zweimal liest, weil man nicht glauben mag, dass ein gestandener christdemokratischer Politiker so daher redet: "Es kann nicht sein, dass ein Teil der Ausländer bettelnd, betrügend, ja auch messerstechend durch die Straßen zieht, festgenommen wird, und nur, weil sie das Wort Asyl rufen, dem Steuerzahler auf der Tasche liegen." [….] Der Satz stammt vom damaligen Berliner CDU-Fraktionschef Klaus Landowsky. [….]
Das Interview, das Bundesinnenminister Thomas de Maiziere im "Heute Journal" des ZDF gegeben hat, ist von der obszönen Brutalität des Klaus Landowsky noch einigermaßen weit entfernt. Aber der sonst oft so bedächtige Minister pauschalisiert auf gefährliche Weise: "Sie", so sagt er, und meint "viele Flüchtlinge", "gehen aus Einrichtungen raus, sie bestellen sich ein Taxi, haben erstaunlicherweise das Geld, um Hunderte von Kilometern durch Deutschland zu fahren. [….] Der Minister macht daraus Regelfälle; er verallgemeinert; er wirft Rabauken, die es unter Flüchtlingen auch schon vor dem Sommer 2015 gegeben hat, in einen Topf mit so vielen Flüchtlingen, die nichts anderes wollen als Ruhe, Schutz, Hilfe und Integration.
[….] Der Minister verhöhnte mit seinen Sätzen auch die Leute, die in der Enge des Erstaufnahmelagers durchdrehen - und in denen es die Flüchtlinge nach dem neuesten Asylrecht nicht nur bis zu drei, sondern sechs Monate aushalten sollen. Das ist nicht gut. Das schürt Vorurteile. So, wie der Minister redet, führt man das "Kippen" der öffentlichen Stimmung, die man dann bedauert, selbst mit herbei. [….]

Ich suche schon wieder.
Fahnde nach Vokabeln, die dem Minus-Minister gerecht werden. Abschaum? Widerling? Aber: Don’t insult Abschaum und Widerling.
Mal gucken, was andere schreiben….

Er hat es kapiert. Glückwunsch, Herr de Maizière, zu der Einsicht, dass ein paar Stammtischparolen gegen Flüchtlinge einen wieder beliebt macht bei den Wählern. CSU-Chef Horst Seehofer hat es mit seinem Anti-Merkel-Kurs vorgemacht. [….] Wenn Seehofer mal die Klappe hält, seehofert jetzt offenbar der Innenminister. Im ZDF zieht er, Überraschung, gegen Flüchtlinge vom Leder [….]
Ist ja auch unglaublich, dass jemand, der in seiner Heimat verfolgt wird, noch so viel Geld hat, dass er sich in Deutschland sogar ein Taxi leisten kann! Wird das denn nicht ordnungsgemäß beschlagnahmt? Und verdammt, wer hier schon eine Zuflucht bekommt, soll sich doch nicht noch darüber beschweren, dass er sein Zuhause mit ein paar hundert Menschen teilen muss.
[….] Warum dann dieser Ton? Die Erklärung liegt auf der Hand: Es war für de Maizière einfach zu verlockend, für eine Weile auf der Anti-Merkel-Welle mitzureiten. [….] Es ist traurig, in diesen Tagen zu erleben, wie manche Unionspolitiker in alter „Kinder statt Inder“-Tradition die Menschen verängstigen, indem sie Einwanderung als Gefahr definieren und nicht als Chance – obwohl sie vermutlich das Gegenteil begriffen haben, aber ein paar Umfragepunkte für wichtiger halten als das Wohl des Landes. [….] Es sind oft die Feuerwehrleute, die gerne mal selbst einen Brand legen.

[….]  In einer kaskadenhaften Aufzählung von Beispielen beschwerte er sich über vermeintlich undankbare Flüchtlinge, die sich nicht anständig benehmen würden. [….]
1. "Bis zum Sommer waren die Flüchtlinge dankbar, bei uns zu sein."
Mir ist schleierhaft, wie de Maizière auf diese Aussage kommt. [….]
2. "Jetzt gibt es schon viele Flüchtlinge, die glauben, sie können sich selbst irgendwohin zuweisen."
Das ist nicht neu. Im Gegenteil: Immer wieder verlassen registrierte Flüchtlinge die ihnen zugewiesenen Unterkünfte. Das war auch in der Vergangenheit so. [….]
3. "Sie bestellen sich ein Taxi, haben erstaunlicherweise das Geld, um Hunderte von Kilometern durch Deutschland zu fahren."
Ich weiß, dass das gegen die Intuition ist, aber de Maizière sollte es besser wissen: Nicht alle Flüchtlinge sind arm. Viele haben alles verkauft, was sie besessen haben – ein Haus, vielleicht eine Firma. Das Geld reicht für die Flucht und die Schleuser und vielleicht auch noch eine Weile, nachdem sie hier angekommen sind. [….] Also, Herr de Maizière, finden Sie doch bitte wieder zur Ihrer nüchternen Redeweise zurück. [….]
 [….] Klären wir erst einmal das Wesentliche: Was Thomas de Maizière am Donnerstag zum Thema „Dankbarkeit“ und Benehmen geflüchteter Menschen von sich gegeben hat, ist widerlich, niederträchtig, verlogen, arrogant, menschenfeindlich, ressentimentgeladen und so dumm, dass man sich damit eigentlich nicht weiter beschäftigen möchte.
Geht aber nicht. Denn de Maizière ist ja nicht irgendein Pegida-Vollpfosten oder anonymer PI-News-Kommentator. Er ist noch nicht einmal CSU-Chef. Wie auch immer es dazu kommen konnte, der Mann ist amtierender Bundesinnenminister, zuständig für die Sicherheit aller in Deutschland lebenden Menschen.
Schon qua Amt sollte ihm also aufgefallen sein, dass nahezu jeden Tag in Deutschland Flüchtlinge angegriffen werden. Und zwar nicht, weil sie durch ihr Verhalten provozieren. Sondern weil die Angreifer genau den Mist im Kopf haben, dem de Maizière am Donnerstag das Wort redete.
„Jetzt gibt es schon viele Flüchtlinge, die glauben, sie können sich selbst irgendwohin zuweisen“, empört sich der Minister. Na sowas, sie kümmern sich um ihr eigenes Schicksal! Wo kommen wir da nur hin! [….] Und wie kommen diese Leute überhaupt dazu, nicht dankbar die Massenunterkunft für 1.000 Geflüchtete, ohne Privatsphäre, mit 30 Duschen und schlechtem Essen zu akzeptieren, sondern sich einfach selbstständig etwas besseres zu suchen?
[….] Eigentlich müsste ein deutscher Innenminister den Rechtsstaat gegen den Mob verteidigen und nicht andersherum. De Maizière aber zündelt. Die Kanzlerin müsste ihn eher heute als morgen hinauswerfen. Macht sie aber nicht. Da ist zu viel Angst vor den rechten Dumpfköppen – auf der Straße und in der eigenen Koalition. [….]

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Impudenz des Monats September 2015


Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Wahre Freunde sind Menschen, die man mag obwohl man sie kennt.
Einzelne Homo Sapiens können durchaus faszinierende Geschöpfe sein.
 Das Problem an der Gattung Mensch ist aber, daß Menschen scheiße sind.
Deswegen habe ich auch ein Problem mit apokalyptischen Endzeit-Hollywoodfilmen, in denen Zombiapokalypse, Marsianer-Angriffe, Godzilla oder sonstige Phantasien der Drehbuchautoren die Menschheit zu vernichten drohen: Ich kann nicht mit den Helden, die dagegen aufbegehren mitfiebern, weil ich der Menschheit nicht nachtrauern würde.
Wenn mehrere Menschen zusammenkommen, bilden sie Gruppen, um sich gegeneinander abzugrenzen. Mitglieder des jeweils anderen Kollektivs werden herabgesetzt und als minderwertig erachtet – mit austauschbaren Begründungen: Sozialer Status, Ethnie, Ideologie, Religion, Sexualität, Nationalität.
Gründe sich gegenseitig zu massakrieren, findet Mensch immer.


"Ich liebe Euch alle" sagen nur Typen wie Jesus Christus und Erich Mielke.
In der Praxis ist davon in ihren jeweiligen Regimen nichts zu merken.

In multiethnischen und multireligiösen Staatsgebilden ist es fast sicher, daß Menschen damit beginnen sich zu töten.
Kaukasus, Irak und Balkan blieben so lange friedlich, wie eine nahezu allmächtige Zentralmacht – der KPdSU-Generalsekretär, Saddam und Tito – die Zügel in der eisernen Faust behielt.
Man ist versucht Europa als Gegenbeispiel zu nennen, aber die EU entstand aus Verzweiflung nach vielen Jahrhunderten Dauerkrieg, als man den Kontinent wieder einmal fast total zerstört hatte. Während des kontinuierlichen ökonomischen Aufstiegs bei gleichzeitigem Warschauer-Pakt-Feindbild ging es ganz gut mit der EU.
Aber die „Wertegemeinschaft EU“ ist offensichtlich sehr viel fragiler als wir dachten. Nicht nur hat die häßliche Fratze des Patriotismus ein Dutzend national-separatistischer Bewegungen ausgespuckt – Basken, Südtiroler, Flamen, Nordiren, Schotten, Korsen,…  nein, wie wir an den Seehofers und Orbans sehen, reagieren die meisten Regierungen Europas mit purem nationalen Egoismus auf heimatvertriebene Menschen, die dringend hilfebedürftig sind.

Im Sinne einer friedlichen Koexistenz ist eine offene demokratische Rechtsordnung eine prima Sache, wenn es ein kleines, homogenes und prosperierendes Land zu regieren gilt.
Bei größeren und heterogeneren Ländern kommt eine semidiktatorische Zentralregierung wie in Moskau oder Peking weiter.

Afghanistan ist so ein typisches Problemland: Doppelt so groß wie Deutschland, total verarmt, 49 Sprachen, 200 Dialekte und zahllose Ethnien, die sich gegenseitig verachten:
Paschtunen sind wiederum aufgesplittet in Durrani, Ghilzai und Kutschi. Dazu kommen Tadschiken, Parsiwan, Dihgan, Dihwar, Hazara, Usbeken, Aimaken, Turkmenen, Belutschen, Nuristani und zahlreiche weitere Ethnien.

Da kracht es ordentlich. So sind Menschen.
Insofern – Achtung, steile These – war die beste Chance für ein friedliches Afghanistan der Einmarsch der Roten Armee im Jahr 1979.
Unglücklicherweise entwickelte sich das zu einem zehnjährigen Stellvertreterkrieg, in dem NATO und die Golfmonarchien massiv die Taliban, Mudschahedin und Osama bin Laden aufrüsteten.
Dabei wollte die damalige Kreml-Regierung die säkulare Regierung Afghanistans stützen und verhindern, daß Islamisten auf die Sowjetrepubliken Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan und Kirgistan Einfluss gewinnen.
Die kommunistische Demokratische Volkspartei Afghanistans Nur Muhammad Tarakis hatte immer wieder um sowjetische Unterstützung gebeten, woraufhin lange vor dem Einmarsch der Roten Armee die CIA rund 30 Mudschahedin-Gruppen finanzierte, um die Säkularisierung zu stoppen. Nach dem stark antisowjetisch geprägten NATO-Doppelbeschluss vom Dezember 1979 riss Breschnews Geduldsfaden und er gab den Einsatzbefehl für seine Soldaten.
Sie hätten es sogar fast geschafft – wenn nicht die gewaltige finanzielle, logistische und technische Unterstützung des reichen Westens und Nahen Ostens für die Islamisten gewesen wäre.
Wie konnte das der Roten Armee gelingen, woran die NATO seit 2001 so eindeutig scheitert?
Mit Masse: Moskau schickte eine ganze Armee mit fast 120.000 Soldaten. Dazu schweres Gerät. Außerdem hatte sie in der Kabuler Regierung eine starke Verbündete.
Das hätte also fast geklappt.
Ein so „stabilisiertes“ Afghanistan, quasi unter sowjetischer Besatzung hätte uns womöglich einiges erspart.
Offensichtlich geht es aber nur so.

Das war jetzt eine lange Vorrede für die Impudenz des Monats September.
Der Gewinner ist Barack Hussein Obama, der das einfach nicht versteht und meint man könne militärisch nach dem Motto „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“ agieren.
Ein bißchen bombardieren hier, ein bißchen verurteilen dort und überall aus sicherer Entfernung mit Drohnen rumballern.

Wir haben eins seit 1979 gelernt:
Die US-Methode des Regime-Change durch massives Zuschlagen und schnelles Abhauen klappt nicht.
Obama ist in dieser Hinsicht genauso verblödet wie Seehofer oder Netanjahu. Er denkt, er könne sich die Welt so machen, wie es ihm gefällt und müsse nicht mit den Menschen sprechen, die er nicht leiden kann.
Zwei Jahre gab es kein Vieraugengespräch mit Putin, weil Obama dazu zu ideologisch ist. Seine Abscheu gegenüber des russischen Präsidenten ist geradezu physisch erkennbar.
So ließ sich der US-Präsident auch zu einem seiner größten Fehler hinreißen, als er nämlich Putin als „irrelevant“ demütigte und ihm assistierte bloß Präsident einer „Regionalmacht“ zu sein, während er selbst eine Supermacht befehlige.
Es hätte nicht viel gefehlt und Obama hätte zum Schwanzvergleich aufgerufen.
Weltpolitik wie im Sandkasten!
Dabei hat der erfahrene Politiker Putin durchaus schon bewiesen, daß man gut mit ihm zusammenarbeiten kann, daß auf die Russen Verlass ist, wenn man sie entsprechend anerkennt. Schröder hat das verstanden und viel erreicht.

Obama ist nun aber so dumm zu glauben, er können mit Syrien auch nach seinen persönlichen Vorlieben agieren.
Wieder fordert er „Regimechange“ – diesmal vorgetragen mit großem Pathos persönlich vor der UNO-Vollversammlung.
Assad mag er nicht und daher muß Assad weg.
Selten dämlich.
Ob man Assad mag, ist irrelevant. Vermutlich mag niemand Assad.
Tatsache ist aber, daß alle westlichen Versuche irgendwie ohne Assad Syrien zu stabilisieren total gescheitert sind.
Das sehen wir jeden Tag im Fernsehen in Form von endlosen Flüchtlingsströmen.

„Regimechange“ als politische Doktrin wurde in Libyen, dem Irak und Afghanistan durchgesetzt. In allen drei Fällen endete es in einem fürchterlichen Desaster und nun fordert Obama wieder Regimechange für Syrien.
Irgendwie erbärmlich, daß der deutschen Bundeswehr auch nichts anderes einfällt-

[…] Die Rein-raus-Logik hat nicht funktioniert - wieder einmal
Deutschland hat Afghanistan über die Jahre viel versprochen, unter anderem Hilfe und Partnerschaft bis weit in die Zukunft hinein. Man wird dieses Versprechen, über die militärische Komponente hinaus, auch einhalten müssen. Davon abgesehen, gibt es die einfachen Antworten nicht, auch wenn nun wieder viele so tun. Umso wichtiger wäre es, aus Afghanistan Lehren für künftige Einsätze zu ziehen. Wer in der Welt mehr Verantwortung übernehmen will, sollte sich vorher genau überlegen, wie das funktionieren könnte. Und was man vermeiden sollte.
Die Rein-raus-Logik, also der Ansatz, sich erst massiv in einem Land zu engagieren und viel Energie in die Ausbildung der Sicherheitskräfte zu stecken, um dann nach einer begrenzten, zuvor öffentlich definierten Zeitspanne den Rückzug anzutreten, funktioniert offenbar nur mäßig. Womöglich wird man in Zukunft vor neuen Einsätzen stets einkalkulieren müssen, dass es lange, sehr lange dauern könnte. Dass dauerhafte Stabilität vielleicht nur mit dauerhafter Präsenz zu erreichen ist. […]

Syrien ist ein Desaster mit mehreren Hunderttausenden Toten und durch die US-Politik zur Basis des Islamistischen Terrors geworden, Irak ist ein Desaster mit mehreren Hunderttausenden Toten und durch die US-Politik zur Basis des Islamistischen Terrors geworden, Libyen ist ein Desaster mit mehreren Myriaden Toten und durch die US-Politik zur Basis des Islamistischen Terrors geworden und Afghanistan ist ein Desaster mit mehreren Hunderttausenden Toten und durch die US-Politik zur Basis des Islamistischen Terrors geworden.

GFP zitiert dazu die FAZ, Deutschlandfunk und die Tagesschau – alles Quellen, die nicht verdächtig sind russische Propaganda zu betreiben.

Ein verheerendes Urteil fällen Beobachter 14 Jahre nach dem Beginn des NATO-Krieges, der offiziell das Ziel hatte, Afghanistan zu "befreien", auch über die Lage im Land insgesamt. "Die Wirtschaft befindet sich im freien Fall, seit internationale Hilfsgelder immer weniger werden und lukrative Aufträge zur Versorgung der internationalen Truppen ausbleiben", berichtet eine erfahrene Korrespondentin. Die Regierung in Kabul gebe "mit ihren internen Streitereien ein klägliches Bild ab". Totale Perspektivlosigkeit mache sich breit; inzwischen verließen "gerade gutausgebildete Afghanen ... in Scharen ihr Land". [Friederike Böge: Was vom Tage übrig blieb. Frankfurter Allgemeine Zeitung 30.09.2015] Rund 80.000 Afghanen sollen allein im ersten Halbjahr 2015 Asyl in der EU beantragt haben. Zudem eskaliert die Gewalt. Die Taliban rücken seit längerer Zeit systematisch vor; in der Region Kunduz etwa werden zwei der sechs ländlichen Distrikte komplett, die übrigen weitgehend von ihnen kontrolliert. [Thomas Ruttig: Taliban im Zentrum von Kundus. www.taz.de 28.09.2015] Schon im Frühjahr waren sie bis in die Vororte der Provinzhauptstadt Kunduz vorgerückt. Insgesamt sind in Afghanistan von Januar bis Juni fast 1.600 Zivilpersonen und mehr als 4.300 Soldaten und Polizisten im Rahmen von Kampfhandlungen getötet worden. Mittlerweile mobilisieren neben den offiziellen Streitkräften auch berüchtigte Warlords ihre Milizen. Beobachter urteilen: "Die Frontlinien in Afghanistan drohen damit noch unübersichtlicher zu werden, als sie es ohnehin schon sind."
[…] Den Bundeswehreinsatz in Afghanistan inklusive der Kampfhandlungen in den vergangenen Jahren hatte unlängst sogar ein höchstrangiger deutscher Militär für "gescheitert" erklärt - der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr Harald Kujat. ["Wir sind in Afghanistan gescheitert". www.tagesschau.de 29.09.2015] Dem "Scheitern" der Bundeswehr und der NATO fielen in den Jahren von 2001 bis 2014 laut einer Untersuchung der renommierten Brown University allein in Afghanistan fast 92.000 Menschen zum Opfer, die bei Kampfhandlungen ums Leben kamen. [War-related Death, Injury, and Displacement in Afghanistan and Pakistan 2001-2014. Watson Institute for International Studies, Brown University. 22.05.2015.] Die Zahl der indirekten Kriegsopfer, die durch Kriegsfolgen wie Unterernährung, Fluchtbelastungen oder auch die Zerstörung medizinischer Infrastruktur zu Tode kamen, schätzen die Autoren der Studie auf 360.000. Stimmt die Schätzung, dann beliefe sich die Gesamtzahl der Todesopfer auf mehr als 450.000 - bis jetzt.


Die westliche Politik ist also offenbar großer Mist.
Hohe Zeit sich mit Putin zusammen zu setzen, ihn einzubinden und um Vorschläge zu bitten.

Statt also in der UNO zu moralisieren und Syriens Präsidenten als Gangster und Tyrannen zu beschimpfen, sollte Obama lieber Putins Worte ernst nehmen.

[…] Russlands Präsident gab sich entschlossen. Ohne Obama direkt zu erwähnen, nannte er es einen "großen Fehler, eine Kooperation mit Syriens Regierung und ihrer Armee abzulehnen". Die Assad-Regierung kämpfe "wahrhaft gegen die terroristische Bedrohung". Als Assad-Freund wahrgenommen zu werden, fürchtet Putin offensichtlich nicht. Zumindest öffentlich ist der russische Präsident nicht gewillt, auf die westliche Forderung nach Ablösung des Gewaltherrschers einzugehen.
[…]  Der russische Präsident vermied es, auf Obama und die USA direkt einzugehen. Dennoch war erkennbar, dass er nicht nach New York gekommen ist, um Washington zu schmeicheln. Putin zeigte sich hart. Mehrfach kritisierte er indirekt das Agieren Amerikas. So rüffelte er die Strategie Obamas, "moderate Rebellen" in Syrien auszubilden, warf den USA vor, sich als einzige Ordnungsmacht zu inszenieren und bezeichnete die Sanktionen gegen sein Land als Bruch mit dem Geiste der Uno.

Heute nun flog die russische Armee Luftangriffe in Syrien. Etwas also, das Frankreich, England, die USA, Israel und auch der Iran schon seit Jahren immer wieder tun.
Aber weil diesmal Putin dahinter steckt, ist „der Westen“ natürlich stinksauer und fordert Moskau unisono auf das sofort zu unterlassen.

Tatsache ist aber, daß Putin immerhin etwas tut, während sie gesamte EU ein absolut erbärmliches und verabscheuungswürdiges Bild abgibt:
Totales außenpolitisches Versagen. Bei der UNO-Vollversammlung hockt Europa stumm, mit vollen Hosen und ohne einen einzigen konkreten Vorschlag, während man zu Hause den Kopf in den Sand steckt und hofft sich mit der Zerstörung von Schleuserbooten und Grenzzäunen Syrien vom Hals halten zu können.
Obamas Amerika ist zufälligerweise nicht in Reichweite für die endlosen Flüchtlingsströme aus Libyen, dem Irak, Syrien und Afghanistan.
Aber mit intensivem Ignorieren der vielbeschworenen „Fluchtursachen“ wird kein Problem gelöst, sterben weiterhin Zehntausende.

Was Amerika in Syrien tat – Aufrüsten derjenigen, die den Bürgerkrieg befeuern, Drohnenangriffe und dieser grandiose Ausbildungsprogramm-Witz – ist alles gescheitert.

Ein Trainingsprogramm der US-Armee für syrische Kämpfer, die gegen die IS-Miliz ins Feld ziehen sollen, ist offenbar deutlich weniger effektiv als erhofft.
So wurden bislang nur einige Dutzend Anti-IS-Kämpfer ausgebildet, und nicht tausende wie vorgesehen. Noch dazu wurde offenbar ein Großteil von ihnen durch die islamistischen Al-Nusra-Front gefangen genommen oder getötet – noch bevor sie die IS-Miliz erreichen konnten.
Das geht aus Aussagen des Kommandeurs des “US Central Command”, General Lloyd Austin vor dem Kongress hervor.
Unter anderem erkundigte sich die Senatorin von Nebraska, Deb Fischer nach dem Stand der Dinge: “Es waren nur etwa 60 syrische Kämpfer, die unser Trainings- und Ausstattungsprogramm durchliefen und wieder zurück gebracht wurden. Können sie uns sagen, wie viele ausgebildete Kämpfer noch übrig sind?”
Darauf General Lloyd Austin: “Es ist eine kleine Zahl. Im Kampf sind noch etwa vier oder fünf.”
“Ist das Ziel noch immer, etwa 12.000 auszubilden?”, wollte Senatorin Fischer wissen.
“Nun, das Ziel, das wir uns ursprünglich gesteckt haben, werden wir mit unserem aktuellen Tempo sicher nicht erreichen”, gab General Austin zu.

Während NATO, EU, die sunnitischen Golfmonarchien und die USA in vier Jahren also wirklich gar nichts hinbekommen, hat Putin innerhalb weniger Wochen das Heft des Handelns in die Hand genommen.
Ob Obama Herrn Putin oder Herrn Assad mag, steht nicht zur Debatte.

Er muß endlich auf Moskau zugehen, sich für seine idiotischen „Regionalmacht“-Sprüche entscheiden, die Sanktionen gegen Russland aufheben und zugeben „Wladimir, wir brauchen dich!“

Ein gemeinsames Handeln und ein möglicher gemeinsamer Erfolg würden allen helfen.
Falls eines Tages die Beziehungen zwischen der USA und Russland wieder gut sein sollten, kann man umso besser über Pressefreiheit, die Ukraine und Homo-Gesetze sprechen.
Vielleicht will Putin dann auch noch was zu Guantanamo, der Todesstrafe und dem Drohnenkrieg erzählen.
Wenn man das unter befreundeten Regierungen tut, nützt das sogar womöglich etwas.