Mittwoch, 12. Juli 2017

Draufhauen



Wenn es im Wahlkampf so richtig schlecht läuft für eine Partei, wird immer dieselbe Schallplatte aufgelegt. Da gibt es nur eine Standardantwort; raus aus den Parteibüros, raus aus den Parlamenten und rein ins Volk.

Pünktlich zum Wahlkampf wird die Bürgernähe entdeckt, man geht auf Tour, will die Wähler zu Hause besuchen, mit ihnen Grillfeste veranstalten und Give-aways verteilen.
Währenddessen sind die „klügsten“ Köpfe der Partei, gegenwärtig also beispielsweise Herr Altmaier und Frau Nahles, damit beschäftigt ein Wahlprogramm auszutüfteln, weil Journalisten und der Parteibasis die Programmatik so viel bedeutet.

Die Strategie der Hausbesuche wurde natürlich auch von der debakulierden Grünen-Spitze ausgegeben, als sie ihre Partei in Umfragen zielsicher gen 5% führten.

[….] Wenn das nächste Mal jemand unangemeldet an Ihrer Haustür klingelt, ist es vielleicht Katrin Göring-Eckardt. Oder ihr Wahlkampfpartner Cem Özdemir.
Seit März gehen die Grünen-Spitzenkandidaten gezielt auf Werbetour, überraschen Bürger und fragen: Was treibt Sie denn gerade politisch so um?
Die Parteibasis soll das nachmachen, "zieht mit uns von Tür zu Tür und begrünt das Land", rufen die Grünen per Video auf. Özdemir sagt im Clip: "Das ist echt immer lustig, man lernt interessante Leute kennen." [….]

Der Erfolg der Aktion war das Rausfliegen aus dem Landtag bei der Saarlandwahl am 26.03.2017, als es nur zu erbärmlichen 4% reichte und ein Minus fünf Prozentpunkten und 15 Sitzen bei der NRW-Landtagswahl am 14.05.2017. Lediglich bei der Schleswig-Holstein-Wahl am 07.05.2017, als man stark auf den Spitzenkandidaten Habeck setzte ging es mit einem Minus von 0,3 Prozentpunkten glimpflich aus.

Da Bürgerbegegnungen-Hausbesuche-Grillfest-Wahlkämpfe also so richtig schön schiefgehen, will der abgetauchte Martin Schulz das jetzt auch machen.

[…..] Weiter, immer weitermachen
Martin Schulz will mit seiner Sommertour entspannte Bilder für die SPD produzieren - stattdessen muss er immer wieder über die Randale beim G20-Gipfel reden. […..]

Diese simulierte Bürgernähe durch die Provinz sollte man sich grundsätzlich sparen.
Erstens erreicht man da am Tag nur ein paar Hundert Wähler – wenn es gut läuft – und zweitens kommen nur die Leute zu den Parteiveranstaltungen, die diese Partei ohnehin wählen.

Diese Touren durch die Provinz sind genauso irrelevant für den Wahlausgang wie die Wahlprogramme, die niemand interessieren und die auch nicht gelesen werden. Sonst wäre Merkel niemals ohne irgendeine Programmatik seit 12 Jahren Kanzlerin.


Ich bedauere diesen Zustand. Mir wäre es lieber, wenn alle Wähler rein rationale Wesen wären, die genau die Programme vergleichen und ernsthaft mit allen Kandidaten diskutieren wollen.
Es ist aber nun mal nicht so.

Die allermeisten Bürger wählen aus einem diffusen Bauchgefühl heraus, nach Sympathie, oder vielleicht auch aus Trotz.

Daher werden Grüne und SPD mit ihrem öden herkömmlichen Wahlkampf auch wieder einmal scheitern.
Und dann werden sie sich wundern, weil sie doch im Wahlkampf einen ganz anderen Eindruck hatten. Ihre Veranstaltungen waren doch immer so gut besucht und alle waren guter Stimmung.

Die langen Gesichter sehe ich jetzt schon vor mir.

Es wird aber nicht begriffen, daß nur wenige tausend Leute zu den Veranstaltungen gehen, während Politiker mit einem zugespitzten Satz auf einen Schlag viele Millionen per TV und Internet erreichen.

Ror und Grün scheinen nicht rechnen zu können.
Tumb tapern Olaf Scholz und die SPD in die Falle, indem sie mit offenen Ohren in die Hamburger Schanze gehen und sich dort demokratisch vorbildlich, zusammen mit Bundespräsident Steinmeier den Betroffenen stellen.

Merkel ist viel schlauer und die paar Hamburger, denen Autos und Geschäft abgefackelt wurden, sind ihr herzlich egal. Sie, die ja schließlich den Gipfelort Hamburg bestimmt hatte, die also die eigentlich Verantwortliche ist, lässt sich also nicht in den Tagen danach dort blicken, wo man nur schlechte Bilder produzieren kann.
Olaf Scholz darf sich den Ärger abholen und Merkel ist entschwebt.
Sie taucht ab, wenn die WORLD WIDE WUT tobt.

Merkel profitiert sogar noch, indem sie die negativen Eindrücke der SPD anlastet.

[……] Ausschreitungen in Hamburg - Scholz' Schuld?
[….] Scholz kommt zusammen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Hamburgs Regierungschef kann diese moralische Unterstützung brauchen, denn er steht nach dem Gewaltwochenende rund um den G20-Gipfel heftig in der Kritik. Scholz habe die Gefahr unterschätzt, Warnungen vor Ausschreitungen leichtfertig abgetan - so lauten die Vorwürfe von der Hamburger Opposition, von der Deutschen Polizeigewerkschaft und auch von Bürgern der Hansestadt selbst.
[….]   Er habe Merkel angesprochen - ein Halbsatz - der deutlich machen soll: Dass die Kanzlerin die schönen Gipfelbilder einheimst und sich dann noch als die große Kümmerin inszeniert und er jetzt der alleinige politische Verantwortliche sein soll, das darf so nicht stehen bleiben.
Denn die Lage ist so: Dass der Gipfel überhaupt in Hamburg stattfand, das hat die Bundesregierung, also Merkel entschieden. Aber anders als Scholz steht Merkel jetzt kaum unter Beschuss. Das empfindet nicht nur Scholz als ungerecht, führende Genossen springen ihm zur Seite. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz betont in seinem Statement zu den Ausschreitungen: Der G20-Gipfel habe auf Einladung der Bundeskanzlerin stattgefunden. SPD-Vize Ralf Stegner sagt dem SPIEGEL: "Die Sicherheitsentscheidung war eine der Bundeskanzlerin. Wer jetzt parteipolitisch die Verantwortung der SPD zuschieben will, der liegt falsch."
Damit ist Hamburg zum Wahlkampfthema zwischen Union und SPD geworden. Wer hat was falsch eingeschätzt? Wem gelingt auch nach den Ausschreitungen in der Hansestadt besser, das Vertrauen der Bürger in Bezug auf innere Sicherheit (wieder) zu gewinnen? [….]

Merkel versteht die Macht der Bilder und weiß wie man sich selbst ins beste Licht setzt. Insbesondere indem sie immer wieder abtaucht, wenn es unangenehm wird.

Martin Schulz und das Willy Brandt-Haus sind leider Wahlkampf-unfähig und so nähert sich die SPD auch wieder der 20%-Marke.

Sigmar Gabriel weiß schon eher wie es geht und poltert jetzt mal richtig gegen die Kanzlerin.
So muß es laufen.
Leider wird damit aber noch augenfälliger was für eine Pfeife Martin Schulz ist.

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