Dienstag, 3. Februar 2015

Neues Outfit.



Über den Verdacht bin ich ja wohl erhaben, daß ich Politiker nach ihrem Aussehen beurteilen würde.
Es ist nur auffällig, daß die Phänotypen tumbe Wuchtbrumme und verquollener Pykniker überdurchschnittlich in den Unionsreihen vertreten sind.
Das ist ja auch gar nicht mein Thema.
Man darf aber schon mal die Wahrheit aussprechen, indem man feststellt, daß Merkel, Gröhe, Kauder, Dobrindt, Altmaier und Schavan wirklich hässliche Menschen sind. Entschuldigung. Das sagt selbstverständlich nichts über ihre politische Qualifikation aus. Es ist sogar in gewisser Weise sympathisch, wenn sich öffentliche Personen so offensichtlich nicht um ihr Erscheinungsbild kümmern. Natürlich erwarte ich nicht, daß unsere Regierenden Modeikonen sind.
Etwas bedenklich finde ich es aber, wenn diejenigen, die man wirklich täglich in der Presse sieht, so schlecht beraten sind.
Es ist ja völlig in Ordnung, daß Merkel sich von ihrer Schneiderin immer den gleichen zweiteiligen Hosenanzug in allen Farben anfertigen lässt. Sie braucht ja auch praktische Kleidung und wird keine Zeit haben sich täglich wie einst Marlene Dietrich eine Ballrobe auf den Leib nähen zu lassen.
Aber wieso sagt ihr niemand, daß ihre Sakkos immer eine Nummer zu klein sind?
Die dürfen über dem Bauch nicht spannen und die Ärmel sollten schon bis zum Handgelenk gehen.
Schlimm auch, daß sie nicht etwas tiefer geknöpft sind und sich immer über ihrem Schritt schon aufspreizen.
Es wäre keine Sekunde aufwändiger ihre Jäckchen so zu schneidern, daß sie wenigstens passen, damit Merkel ordentlich aussieht.
Und diese leidige Sache mit ihrer fehlenden Maniküre. Die abgeknabberten kaputten Fingernägel kann man sich nicht leisten, wenn man Deutschland repräsentiert.

Bei Männern ist das ob ihrer Einheitsanzüge leichter zu übersehen, aber auch da gibt es Unterschiede. Klaus Kinkel beispielsweise trug immer auffällig schlecht sitzende Anzüge, die zu groß waren und zudem offensichtlich auch eher selten gereinigt wurden, so daß sie ständig total zerknittert waren.
Muß das sein als oberster Diplomat, der Deutschland im Ausland vertritt?
Idealerweise trägt man als Minister seinen Anzug als Arbeitskleidung. Der sollte nicht schreiend extravagant ausfallen, dafür aber immer tadellos sitzen. Jürgen Trittin ist dafür ein Beispiel. Der sieht immer adrett angezogen aus, ohne daß überhaupt irgendetwas an ihm auffällt. Dasselbe gilt für Peter Struck oder Hans-Ulrich Klose. Immer Maßanzüge, immer perfekt, aber unauffällig.

Ein guter Minister/Kanzler sollte um seine Schwächen wissen und dann eben jemand anstellen, der sich darum kümmert, daß die Klamotten die richtige Größe haben.

Tolerant bin ich hingegen bei den extrovertierten Typen wie Claudia Roth oder Elmar Brok.
In 99% der Fälle treffen sie nicht meinen Geschmack, aber ich schätze, daß sie sich dem Arbeitskleidungsdiktat ihrer Branche widersetzen und in irgendeiner Form ihren eigenen Stil prägen.
Königin des praktischen Outfits bleibt allerdings Prof. Uta Ranke-Heinemann, die sich schon zu der Zeit, als ihr Vater Bundespräsident war und sie ihn oft offiziell begleiten mußte, aus praktische Erwägungen eine Kollektion Perücken anschaffte. Alle mit derselben Frisur, aber in unterschiedlichen Farbnuancen.
Sie muß nur eine aufsetzen und ist in drei Sekunden fertig gestylt. Das türkis-farbige Lederkostüm, welches sie seit Dekaden bei jedem öffentlichen Auftritt trägt, treibt den extravaganten Pragmatismus auf die Spitze. Großartig!

Auch die weniger schrillen Typen haben durchaus Möglichkeiten Akzente zu setzen, indem sie wie der ehemalige SPD-Fraktionsvorsitzende Ludwig Stiegler immer einen roten Pullover, oder wie Genscher stets einen gelben Pullunder tragen. Karl Lauterbach und Heinz Riesenhuber binden sich jeden Tag eine verrückte Fliege um; Madeleine Albright pflegt ihre Stimmungen mit einer extravaganten Brosche auszudrücken. Gut gefiel mir auch der obligatorische Paisley-Seidenschal von Ralph Giordano.

Gelegentlich sind Kleidungsauffälligkeiten auch politische Signale.
Joschka Fischer trug bei seiner Vereidigung als hessischer Umweltminister sicherlich keine Turnschuhe, weil er sich nicht von seinem Lieblingskleidungsstück trennen mochte, sondern weil er optisch demonstrieren wollte, daß nun ein neuer politischer Typ die Bühne betritt.
Das entsetzte Aufkreischen der Konservativen ob der selbstgestrickten Pullover, Bärte und langen Haare der ersten grünen Bundestagsfraktion von 1983, rechtfertigt erst die Provokation der neuen Parlamentarier.
Wozu Herr Hofreiter im Jahr 2015 immer noch seine Winnetou-Gedächtnisfrisur trägt, ist mir allerdings unklar.

Ungerechterweise haben es gutaussehende Menschen als Politiker leichter.
Das gilt jedenfalls für Männer. Wenn weibliche Politiker SEHR gut aussehen, kann das auch ein Nachteil sein.
Attraktive Männer werden aber ernst genommen, obwohl sie schön sind.
Sie haben viel mehr Möglichkeiten ihr Outfit zu optimieren.
Altmaier und Kohl sind eingeschränkter – allerdings rechtfertigt das noch nicht, daß ihre Anzüge wahllos rumschlabbern und aus billigem Stoff sind.
Rudolph Moshammer trug trotz Megawampe immer perfekt geschnittene dunkle Anzüge – wenn auch sein StarWars-Helm, den er immer aufsetze, Geschmackssache war.


Yanis Varoufakis met UK Chancellor George Osborne on Monday
Der Mathematiker und Ökonom studierte unter anderem in Oxford und lehrte als Professor auf drei Kontinenten; Sydney, Austin und Athen.
Sein gewaltiges Fachwissen dürfte ob seiner zahlreichen Expertisen, Veröffentlichungen und Beraterfunktionen zur „Eurokrise“ außer Frage stehen.
Er ist im Gegensatz zu Merkels CDU-Epigonen alles andere als Berufspolitiker, der nie etwas anderes tat, als sich in der Parteihierarchie nach oben zu dienen.
Varoufakis ist das diametrale Gegenteil des Typus Eckart von Klaeden, Ronald Pofalla oder Hermann Gröhe.
Sieht er womöglich deswegen viel besser aus?












Abgesehen davon, daß er etwas von seiner Materie als Finanzminister versteht, ist er nicht nur extravagant im Denken sondern auch optisch. Er trägt keine langweiligen Anzüge, sondern kommt so frisch und individuell daher, daß sogar die stockkonservative britische Finanzwelt entzückt ist.

A yawning gulf has opened in the world of financial diplomacy. It is not whether to bail out Greece yet again. It is how a Greek finance minister should dress when visiting a chancellor of the exchequer. Yanis Varoufakis arrived in Downing Street yesterday in black jeans, a mauve open-necked shirt that was not tucked in, and the sort of leather coat Putin might wear on a bear hunt. If George Osborne still didn’t get the point, Varoufakis had a No 1 haircut. What was going on?
What was going on was real life. If I were a banker and had seen Varoufakis arrive in the same dark suit as Osborne was wearing, what would I think? I would think here was a man eager to be accepted into the club. He dresses like a banker, therefore he thinks like a banker, which is how today’s finance ministers are supposed to think. I would be reassured.
We don’t want bankers to be reassured by Varoufakis just now. We want them to be terrified. Don’t mess with me, he is saying. I have a sovereign electorate behind me, and I have a bankrupt country. When your banks go bankrupt you bail them out. When your businesses go bankrupt you write off their debts and let them start again. Do the same to me. Your banks have lent my country crazy sums of money, way beyond the bounds of caution or common sense. Now you honestly think you will get it back. You can’t. Read my lips, look at my jeans, feel my stubble. You can’t. Get real.
Europe just now needs the shock of Varoufakis’s livery. [….]
Meanwhile Greece has a finance minister who looks like a normal human being. That is a start.

Ich halte es für möglich, daß Varoufakis nicht nur zufällig auffällig anders angezogen ist; vielmehr könnte das ein Hinweis auf ein neues Denken sein.
Er nimmt offenbar zumindest in Kauf, daß die Banker von ihm erschreckt sind.

Die bisherigen Austeritäts-Lösungsansätze waren schließlich nicht so erfolgreich in Griechenland.
Zeit für etwas anderes.



Auch eine Woche nach den Wahlen in Griechenland steckt Brüssel weiter in einer Art Schockstarre: Teils entsetzt, teils ratlos reagiert das neoliberale EU-Establishment auf die feste Haltung der neuen Athener Regierung. EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) schäumte am Wochenende vor Wut und bezeichnete den griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras als »frech und unverschämt« – einzig weil dieser, anders als hiesige Politiker, seine Wahlversprechen ernst nimmt. »Die Brüskierung der EU-Institutionen« sei, so Oettinger weiter, »ein bisher einmaliger Vorgang in der Geschichte«. Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments (EP), warnte den neuen griechischen Premier vor weiteren verbalen Attacken auf die Bundesregierung. Tsipras sei »gut beraten, seine Angriffe auf Bundeskanzlerin Angela Merkel zu beenden«, sagte Schulz der Welt am Sonntag.

Empört ist man auch darüber, dass der neue Finanzminister Giannis Varoufakis am Freitag den EU-Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem bei dessen Besuch in Athen abblitzen ließ. Dijsselbloem hatte die weitere Kooperation Athens mit dem Kontrollgremium Troika sondieren wollen und bekam von Varoufakis Klartext zu hören: »Mit diesem auf verrotteten Grundlagen errichteten Ausschuss werden wir nicht mehr zusammenarbeiten«, sagte er Medienberichten zufolge. Und fuhr fort, der griechische Staat habe eine Zukunft, werde aber keine »sich selbst verstärkende Krise« aus Deflation und untragbaren Schulden akzeptieren.
In den letzten Jahren hatte der international bekannte Ökonomieprofessor Varoufakis immer wieder darauf hingewiesen, dass die »EU-Rettungspakete« fast ausschließlich an die Finanzkonzerne in anderen EU-Ländern gingen, um dort eine Bankenpleite zu vermeiden. Die Kosten dafür seien aber den griechischen Bürgern aufgebürdet worden. Dieser Vorwurf wurde jetzt durch eine Untersuchung der griechischen Nachrichtenagentur MacroPolis mit Fakten unterlegt. Demnach sind lediglich zehn Prozent der 240 Milliarden Euro »Rettungsgelder« in Händen der griechischen Regierung verblieben, der Rest ging sofort zurück an ausländische Banken und andere Gläubiger. Aus Varoufakis' Sicht ist das aber nur Teil eines finsteren Gesamtplans. [….]
 

 




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