Freitag, 31. Juli 2026

Spaßvögel

Es gibt wirklich wenig zu lachen in der Welt. Heute vor fünf Jahren starb Martin Perscheid, den ich täglich vermisse. Loriot ist sogar schon 14 Jahre tot, findet aber immerhin in Fritze Merz einen Wiederkehrer.

[….]  Kennen Sie den? Den legendären Sketch, der vor fünf Jahrzehnten zum ersten Mal im Fernsehen ausgestrahlt wurde und zu den schönsten von Loriot gehört: »Zimmerverwüstung« oder »Das schiefe Bild«?

In der CDU scheinen sie ihn fast alle zu kennen. Die Funktionäre aus Präsidium und Vorstand, die ihn in diesen Tagen per WhatsApp verbreiten. Die Christdemokraten in den Landes- und Bezirksverbänden, in deren Chatgruppen der Sketch kursiert, und natürlich die Parteimitglieder ganz unten, auf der Kreis- und Ortsebene.

»Der Kanzler am Werk« wird dazugeschrieben. Und dann sieht man Loriot als Beamten im Außendienst in Mantel und Anzug im Wohnzimmer auf einem Sessel sitzen. »Sie möchten sich noch etwas gedulden«, vertröstet ihn das Dienstmädchen und stellt das Radio an, aus dem der »Piccolo Bolero« plärrt. Der Beamte muss warten, er langweilt sich, und da fällt ihm auf, dass eines der Bilder schief hängt. Damit nimmt das Unglück seinen Lauf.

Als er das Bild richten will, fällt ein zweites aus dem Rahmen und das dritte auf den Boden. Er kriecht hinter das Sofa und stößt dabei erst den einen, dann den anderen Beistelltisch um. Er rutscht auf dem Flokati aus, wirft den Couchtisch um, schließlich kracht das Geschirr aus dem Regal, es fällt um, erst das eine, dann das andere, und am Ende taumelt er, den linken Fuß im Flokati verheddert, aus dem verwüsteten Zimmer dem Dienstmädchen entgegen und stammelt: »Das Bild hängt schief.«

Ob das Tragische manchmal komisch sei, wollte der Journalist Gero von Boehm 1986 von Loriot wissen, und der antwortete, es sei sicher benachbart. Der Begriff der Tragik sei nur auf den »Begriff, unschuldig schuldig zu werden«, zurückzuführen, sagte Loriot: »Und das ist natürlich auch komisch. Wenn jemand etwas tut, was er in aller Unschuld tun wollte, und damit etwas Verheerendes anrichtet, ist das hart an der Komik.«

Deshalb wird das kurze Video in der CDU so oft geteilt. Weil nicht nur Tragik und Komik so enge Verwandte sind, sondern auch Komik und Lächerlichkeit. Und ist es nicht tragisch, komisch und gleichzeitig auch ein wenig lächerlich, wie Friedrich Merz den Rücktritt von Fraktionschef Jens Spahn nutzen wollte, seine müde Koalition mit einer großen Kabinettsumbildung endlich in Schwung zu bringen, und stattdessen eine breite Schneise der Verwüstung in seiner Partei hinterließ? [….]  In den vergangenen Tagen haben sie hilflos zusehen müssen, wie sich der Kanzler mit jedem Problem, das er lösen wollte, mindestens zwei neue einhandelte. Wie bei Loriot. Erst fällt das Bild aus dem Rahmen, dann kippt der Beistelltisch um, dann der Couchtisch, das Regal, und am Ende klebt auch noch der Flokati am Fuß. [….]

(Konstantin von Hammerstein, Christian Teevs 30.07.2026, DER SPIEGEL 32/2026)

Die konservative Realsatire ist das Beste, das der Welthumor derzeit zu bieten hat.

Sagenhaft, wie sich Trump und Merz durch die Tagespolitik dilettieren. Da müssen Extra3 und Heute Show nur die Kamera draufhalten und ernten Lachsalven. Das Publikum liegt am Boden und hält sich die Bäuche.

Besonders toll sind ihre religiotischen Brüder aus der Christfluencer Szene, die sich bibeltreu durch Social Media zappen und den erstaunten wichsaffinen Teens und Twens erklären, wie enttäuscht Jesus von ihnen ist, wenn sie mit der Nudel spielen, um ihren Nucleus accumbens und den Hypothalamus mit Dopamin und Oxytocin zu spülen. Gott mag das gar nicht und passt genau auf.

Die bemuskelten NoFab-Influencer aus dem angelsächsischen Sprachraum sind Comedy-Gold! Jedes Mal wenn sich „untenrum“ etwas bei ihnen etwas zu regen droht, reißen sie sich das Shirt vom Leib, schalten die Tiktok-Kamera ein und erzählen ihren horny followern, wie sie in Versuchung geführt werden, aber nun nach sechs Monaten, acht Monaten 14 Monaten, ohne Masturbation natürlich nicht rückfällig werden möchten und daher schnell ins Gym rasten, um sich mit Sport und Bibelkunde über Earpods zu derigieren.

Ihre germanischen Kollegen gehen kopflastiger vor und finden bei der gemeinsamen Exegese den Ausweg aus der Onanie.

Jesus und seine 12 Jünger gingen nicht ins Gym; sie bacchanalisierten ihre Triebe in reinen Männerrunden. Mann trug Kleid und Jesus sorgte für steten Nachschub von Hochprozentigem.

Dieser Form der All-male-Masturbationsprävention, also den antiken Darkroom, möchten wichswidrige US-Christfluencer nun mit frauenfreien Fitnessstudios nachahmen. THE LUST-FREE GYM. In Oklahoma.


[….] Men-only gyms seek to protect Christian men from lust[….] White conservative Christian men are rising up all over the nation to take their place at the top of their families, churches and communities.

We’re witnessing their rise to power through the Rededicate 250 events where men like Mark Driscoll called on young men “to get married, to build your business, to get into politics, and also to in every way empower your church to be the tip of the spear for the fight against evil.” [….] But of course, male-only voting booths, pulpits and annual conferences are one thing. How can men survive the daily grind of being around women and become the warrior kings the Doug Wilsons and Mark Driscolls of the world want them to be?

To reach that peak, the Christian manosphere believes men need to be in top physical and spiritual shape. So one way they’re proposing to accomplish that is through “lust-free” gyms. [….] These stories typically begin with men recounting their past indulgence in pornography, adultery and other vices.

“Why are we men’s only? Who are we?” asks Jeff Hambrecht, founder of Proverbs 27:17 Fitness in Oklahoma City. “In a nutshell, one of the No. 1 places affairs and infidelity occur, cheating, is the gym. Byproduct is someone who had an affair in my previous marriage. Doesn’t work out well for you fellas.” [….]

(baptistnews, 22.07.2026)

Eine tolle Idee, mit der sie schnell viral gingen.

Men-only gyms seek to protect Christian men from having self control and treating women with respect while indulging in homo*rotic Alpha femboy stuff

— Liberaltarian™ (@spatially) July 24, 2026

A bunch of h*rny, sweaty Christian men n*ked in the showers? What could go wrong? pic.twitter.com/HcuigS8HRt

— Maximum atheist (@Maximumatheist) July 23, 2026

Yeah, OK
That’s what’s gonna happen
🤣🤣🤣🤣🤣🤣🤣🤣🤣🤣🤣 pic.twitter.com/pUJfe7GLgy

— @Oh Jeff Fa Fa 🤣 (@convoyparody) July 26, 2026

pic.twitter.com/5MGrjhCo6T

— Ozzdog12-Polar Destroyer creator (@Ozzdog12) July 24, 2026

Y'all should just gouge your eyes out like the Bible tells you to do. https://t.co/tONqjbIBYn

— Sarah Ironside 💙 (@SarahIronside6) July 24, 2026

Oh yeah that’ll definitely prevent any lustful outbreaks thank god https://t.co/NmxUfQJ3Kx

— JJ in NH (@JustJoshinNH) July 23, 2026

Will Grindr be blocked in the gym as well? https://t.co/gsOzZGhg8z

— Pink Pony Club Sandwich 🦄 (@AJSolis9) July 23, 2026

 

Das funktioniert sicher ähnlich gut, wie im Vatikan, wo es bekanntlich auch keine Masturbation und keine Homosexualität gibt!

[….] To join, members must sign strict covenants pledging loyalty to traditional heteronormativity. The solution to avoiding women? Building a lavish, men-only fortress where sweaty, pumped-up guys can lift together, share their deepest vulnerabilities, hit the sauna, and intensely focus on each other’s spiritual and physical growth.

From a queer perspective, it’s absolute comedy gold. In their frantic effort to banish female distraction, these gym bros accidentally engineered the ultimate, high-intensity male bonding club.

Nothing says “strictly straight” quite like carving out a sacred space where men can gather in minimal clothing, admire physical strength, and build radical interpersonal intimacy – all while insisting it’s strictly for Jesus. But hey, if the path to working on their “struggles” requires building a dedicated brotherhood sanctuary complete with post-workout sauna sessions, who are we to judge their journey?  [….]

(TheFightMag, 28.07.2026)

Donnerstag, 30. Juli 2026

Wieder einer endgültig verloren.

Daß alle demokratischen Gesellschaften von rassistischen, bornierten, missgünstigen, homophoben, misogynen und sonstigen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit frönenden Arschlöchern durchsetzt sind, wundert mich kein bißchen. Das war vermutlich immer so.

Mit dem Internet, Klugtelefonen, Social Media und Chatbots wurden aber leider sich selbst verstärkende Echokammern geschaffen, in denen sich die früher isoliert und entsprechend verschüchtert lebenden Dorftrottel zusammenrotten, ihre abstrusen Ansichten gegenseitig bestätigen. Die Algorithmen führen ihnen automatisch immer extremerer Ansichten zu, die maximal emotionalisieren sollen. Die rationalen und beschwichtigenden Stimmen sortiert die KI aus, wenn sie merkt, daß sie nicht erwünscht und weggeklickt werden. Und so glaubt der rechtsextreme Dorftrottel bald, er befände sich im Einklang mit allen anderen. Da jeder in seiner Braunblase ebenfalls an Chemtrails, Reptiloiden oder eine „jüdische Weltverschwörung“ glaubt, findet er verständlicherweise das Selbstbewußtsein, diesen Irrsinn auch im realen Leben, jedem auf die Nase zu binden. Erntet er Widerspruch, trägt er das empört zurück in seine Blase, die sich noch mehr emotionalisiert und zu mehr Taten aufheizt.

Deswegen sehen wir weltweit in den Demokratien deutliche Zunahmen der Gewalt gegen Queere, Frauen, POCs, Juden, Muslime, Migranten, Obdachlose, Sinti, Roma und alle anderen, deren Nase der rechten weißten Pest nicht passt.

Auf der journalistischen und publizistischen Ebene gibt es unglücklicherweise eine parallele Entwicklung von einstmals vernünftigen, geschätzten, gelegentlich sogar verehrten Menschen, die durch verschiedene Zufälle in rechte Blasen pieksen, dort ungeahnten Schnittmengen vorfinden, möglicherweise aus Lust an Provokation und Aufmerksamkeit länger als notwendig verweilen, den Zuspruch genießen und immer mehr in die Braunblase gezogen werden. Die Verlockung ist groß, weil man sich dort nicht um die lästigen journalistischen Standards kümmern muss, „Gefühltes“ mindestens gleichrangig mit Fakten ist und kritische Überprüfung der Aussagen nicht mehr stattfindet.

So viele „Gute“ haben wir auf dem Weg schon durch die Sogwirkung des rechten Sumpfes verloren. Niemand kommt da wieder raus, der sich einmal dort hinab begeben hat. Fast alle werden immer radikaler. Viele tauchen und taumeln schon so lange durch exkrementelle Verschwörungsblase, daß wir längst vergessen haben, daß sie mal als seriöse, anständige Menschen in die öffentliche Sphäre eintraten, deren Gedanken man interessiert verfolgte:

Matthias Matussek, Alexander Kissler, Hendryk M. Broder, Boris Palmer, Juli Zeh, Vera Lengsfeld, Christoph Schwennicke, Roland Tichy, Alice Schwarzer, Angelika Barbe, Oskar Lafontaine, Sarah Wagenfeld, Monika Maron, Oswald Metzger, Thilo Sarrazin, Gabriele Krone-Schmalz, Stefan Kornelius, Ulf Poschardt sind nur die, welche mir gerade spontan einfallen.

Fast vergessen auch die Herkunft des arabisch sprechenden Constantin Schreibers, der nach Stationen bei RTL im Jahr 2015 große Bekanntheit erreichte, als er für NTV mit seinen in „Merhaba“-Videos die in Deutschland ankommenden Flüchtlinge willkommen hieß. Seine Karriere via NDR, wo ich ihn als „ZAPP“-Moderator sehr schätzte, zur größeren Öffentlichkeit bei der Tagesschau, schien vorgezeichnet.

Aber dann stieß er die Tür nach RECHTS auf: Rechtspopulistische Bücher, Tagesschau-Aus, Israel, Axel Springer.

[….] Nach nicht mal einem Jahr kündigt Ex-„Tagesschau“-Sprecher Constantin Schreiber seine Trennung vom Axel-Springer-Verlag an. [….]

Schreiber hatte kurz nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day die FDP-Politikerin Karolin Preisler zu Gast, die angab, kurz vor der Tat Hinweise auf den Attentäter an die Polizei weitergegeben zu haben, die nicht reagierte. Also ein schreckliches Behörden- und Führungsversagen, wieder einmal? Schreiber hinterfragte Preislers Schilderungen nicht wirklich, sondern nickte vor allem – und wurde in den sozialen Medien auch von Journalistenkollegen dafür abgewatscht. Denn nicht die Behörden hatten geschlampt, sondern Preisler etwas verwechselt.

Aber Schreiber will eigentlich auf anderes hinaus, nämlich auf Nachrichten in eigener Sache: Schon vor ein paar Monaten habe er sich entschieden, beruflich „neue Wege zu gehen“, sich zum Ende des Jahres von Axel Springer zu trennen. Auf eine SZ-Anfrage an ihn und den Verlag, ob denn die Zeichen schon wieder auf Trennung stehen – nicht mal ein Jahr nachdem er von der ARD zu Axel Springer gewechselt war –, hatte Schreiber zunächst nicht geantwortet, dann aber das Video hochgeladen. Der Verlag selbst reagierte mit einer eher schmallippigen Mail: „Wir bestätigen, dass Constantin Schreiber und Axel Springer die Zusammenarbeit zum 31. Dezember beenden. Er wird sich künftig eigenen Projekten widmen.“ [….]

 Und Schreiber, der bei seinen Kolleginnen und Kollegen der Öffentlich-Rechtlichen etwa schon mit seinen Büchern über den Islam eher angeeckt war, schien froh zu sein, bei Springer nun eine publizistische Heimat gefunden zu haben, in der er sich weltanschaulich womöglich wohler fühlte.

Ganz so reibungslos wie erhofft gestaltete sich die Zusammenarbeit aber nicht – nach wenigen Monaten gab Springer bekannt, dass der heute 47-Jährige seinen Teilzeit-Dienstsitz in Tel Aviv aufgeben und „künftig aus familiären Gründen aus Deutschland“ arbeiten werde. In dem Video, in dem er seinen endgültigen Abschied vom Verlag bekannt gibt, rekapituliert Schreiber nun, „es war zwar nicht so lang bei Axel Springer, aber es war sehr spannend“ – besonders, als in Israel der Krieg mit Iran ausgebrochen sei und er „das ’ne Zeit lang verfolgen konnte“.

Im Axel-Springer-Haus in Berlin wird sicher nicht jedes Wort aus Schreibers Video auf Zustimmung stoßen, bei der Formulierung „’ne Zeit lang“ dürften aber einige nicken: Dass Schreiber mit seinem Podcast durch Deutschland tourte, während auf Tel Aviv Raketen fielen, stieß nach SZ-Informationen einigen Mitarbeitern sauer auf. [….]

(Moritz Baumstieger, 30.07.2026)

David Berger oder Jürgen Elsässer können Schreiber vermutlich nicht bezahlen. Außerdem sind ihre Plattformen zu klein für sein enorm angeschwollenes Ego.

Gotthardt, Reichelt und NIUS schon eher. Da könnte er, unbelästigt von Fakten, islamophobe Verschwörungstheorien ausbreiten und weiter Aufmerksamkeit genießen.

Schreiber scheint aber von seiner selbst gefühlten Bedeutungsschwere so überwältigt, daß er kaum noch gehen kann. Bald wird vermutlich eine Bundeskanzler-Stelle frei. Zutrauen würde sich Schreiber das.

Podcaster auf eigene Rechnung wird ihm nicht reichen.

Mittwoch, 29. Juli 2026

Gegenwart und Zukunft gleichzeitig

In diesem Jahrtausend war ich noch nie im Kino und Streamingdienste nutze ich auch nicht. Da kommen einige Gründe zusammen. Ich bin Sozialphobiker, sitze nicht gern eng an eng mit fremden Menschen, wenn ich meine Freizeit gestalte.

Kinos sind mir außerdem viel zu laut, weil ich als Single in einer extrem hellhörigen Stadtwohnung seit Jahrzehnten gewöhnt bin, mich sehr leise zu verhalten. Ich hadere mit der Filmmusik, die mich fast immer stört und natürlich bin ich als alter weißer Cis-Mann, vielen aktuell sehr beliebten Filmgenres entwachsen.

Ich kann und will alles aus dem Marvell-Universum nicht ertragen; ich verweigere die Beschäftigung mit kleinen Strumpfhosen-Männchen aus US-amerikanischen Teenie-Comics. Noch schlimmer sind für mich jede Art von Animationsfilmchen. Es mag intolerant sein, aber für mich ist das Kleinkinderprogramm; ich will erwachsene reale Menschen sehen, wenn ich mich schon auf Fiktion einlasse.

Bezüglich der Streamer bestreite ich selbstverständlich nicht, dort Serien von hoher Qualität vorzufinden, dich auch angucken würde.

Aber da gibt es den aberwitzigen ökologischen Fußabdruck. Streaming verursacht mittlerweile um die 10% der globalen Triebhausgase. Eine Stunde Netflixen verursacht ungefähr so viel CO2, wie ein Kilometer mit dem Auto zu fahren. Ich will nicht durch mein Verhalten den Energieverbrauch der riesigen Serverfarmen der Plattform-Infrastruktur erhöhen. Außerdem möchte ich Dienste wie Apple oder Amazon schon deswegen nicht nutzen, weil das die an Trumps Hintern klebenden antidemokratischen rechten Tech-Multimilliardäre noch reicher und mächtiger macht.

Schließlich ist da noch mein miserables Zeit-Management. Die herkömmlichen Medien; Zeitungen, Bücher, stationäres Fernsehen; liefern schon weit mehr Unterhaltung, als ich in 24 Stunden pro Tag unterbringen kann. Als Beleg mögen meine Stapel von immer noch originalverschweißten DVDs und VHS-Videocassetten (sic!) dienen. So viel Stoff, der mich genügend interessierte, um das alles zu kaufen und dennoch hatte ich bisher nicht die Zeit/Muße, das alles anzugucken.

Den Rest gab mir mein Klugtelefon, welches ich im zarten Alter von 50 anschaffte und das trotz gegenteiliger Bemühungen, jeden Tag einen relevanten Teil meiner Zeit klaut.

Vor ein paar Tagen, gab es einen der eher seltenen Momente, in denen ich mich gezielt vom Politfrust/Weltschmerz ablenken wollte. Mit einem Action-Reißer, der auf VOX lief: „Furiosa, A Mad Max Saga“ (2024) von George Miller. Das Prequel zu „Mad Max: Fury Road“ (2015). 

Ich stehe ein bißchen auf Endzeit-Stories, weil darin die Ordnung der Zivilisation entfallen ist und sich die pure menschliche Leben zeigt. Das CliFi-Genre wird in unserer multi-prä-apokalyptischen Gegenwart immer mehr zur Dokumentation.

Die Handlung, laut Wikipedia:

[….]  Nachdem Kriege und Katastrophen große Teile der Welt unbewohnbar gemacht haben, kämpfen die verbliebenen Menschen um die wenigen Ressourcen. Einer der wenigen fruchtbaren Orte ist eine Oase inmitten des Outbacks, das Grüne Land. Von dort wird das Mädchen Furiosa von Eindringlingen entführt. Furiosas Mutter nimmt die Verfolgung auf und kann einige Entführer töten, jedoch nicht verhindern, dass ihre Tochter zu Dementus gebracht wird, dem Anführer einer nomadischen Bikergang. Seine Versuche, dem Mädchen den Standort des grünen Landes zu entlocken, schlagen fehl. Schließlich lässt Dementus Furiosas Mutter, die bei dem Versuch, ihr Kind zu befreien, gefangen genommen wurde, vor ihren Augen foltern und töten. Anschließend adoptiert Dementus das Kind, das er fortan „Little D“ nennt. [….]

Eigentlich wußte ich schon, „das wird nichts“, als Chris Hemsworth mit albern aufgeklebter Hexennase auftauchte und als so einer Art schwuler Sadisten-Villain seine wallende Haarpracht in den Wüstenwind hing. Nur noch übertroffen von der hoffnungslos dilettierenden Titeldarstellerin Anya Taylor-Joy, die als kampferprobte Heldin in etwa so glaubwürdig ist, wie ich als CDU-Abgeordneter wäre.

War das schlecht! Und dazu immer wieder Splatter-Elemente detailreich ausgeleuchtet. Ich empfinde aber keinen Spaß daran, mir anzusehen, wie geknechtete leidenden, hungernde Menschen auf alle erdenklichen Arten gemartert und getötet werden. Man nenne mich einen cineastischen Banausen, aber das ist nun einmal nichts für mich.  Muss ja auch nicht sein.

Dann wechsele ich eben wieder in die reale Welt der Nachrichtensendungen, der Zeitungen und harten Fakten. 

Die ikonographischen Bilder der Brände in Spanien, Italien und Frankreichsehen schon farblich genauso apokalyptisch aus, wie die australischen Furiosa-Werbeplakate.


[….] Waldbrände in Frankreich und Spanien: Es fühlt sich an wie Science-Fiction, aber Europa ist in der neuen Klimarealität angekommen

Die Menschen im französischen Département Gironde müssen sich fühlen, als wären sie in einem Science-Fiction-Roman gelandet. Cli-Fi nennt sich dieses literarische Genre, das die Klimakrise ins Zentrum seiner Geschichten rückt. Die Bücher spielen in einer Zukunft, in der Waldbrände zur Regel geworden sind und sich die Menschen nach Abkühlung und sauberer Luft sehnen, wie nach einem fernen Märchenland.

Frankreich hat in der Realität nun bereits drei Hitzewellen hinter sich, die laut Übersterblichkeits-Statistik 5800 Menschen das Leben kosteten. Nun wütet ein Waldbrandinferno im Südwesten des Landes, am Sonntag rückten die Feuer bis auf 15 Kilometer an die Metropole Bordeaux heran. Nur, weil die Winde drehten, musste die Stadt nicht evakuiert werden. Noch ist die Gefahr nicht gebannt.

Wer nie vor einem Waldbrand fliehen musste, kann sich die nackte Angst der Betroffenen kaum vorstellen. Aus der Gironde häufen sich die Augenzeugenberichte von Menschen auf der Flucht. Sie erzählen von der Angst, zu ersticken, es mit dem Auto nicht mehr rechtzeitig durch das Flammenmeer zu schaffen. »Der Geruch des Feuers wurde immer stärker, es war, als sei die Flamme schon direkt neben mir, der Hals fing an zu kratzen, und als die Asche vom Himmel fiel, wussten wir: Wir müssen weg«, erzählt ein Anwohner dem TV-Sender BFM. Viele griffen im letzten Moment nur noch nach ihren Papieren, alles andere blieb zurück. Rund um Bordeaux campieren seit Tagen Tausende in Notunterkünften. Die meisten wissen nicht, ob es ihr Zuhause noch gibt.

Die Feuer könnten noch Wochen weiterbrennen: Schon für Mittwoch sind in der Region wieder 35 Grad vorhergesagt, kein Wölkchen am Himmel – von den Rußwolken abgesehen. Erschreckend gut ins Bild der Cli-Fi-Romane passt auch die aktuelle Analyse von Klimaforschenden: Die Dürre in vielen europäischen Regionen sei weniger durch fehlenden Regen entstanden als durch extreme Temperaturen, heißt es beim Netzwerk World Weather Attribution . Diese seien durch den Klimawandel deutlich wahrscheinlicher und intensiver geworden – der Zusammenhang ist eindeutig.   [….]

(Susanne Götze, 28.07.2026)

So wie Trump längst „House of Cards“ überholt hat, überholt die Realität auch Mad Max.

Dienstag, 28. Juli 2026

Lock her up

Über ein Jahr geht das Theater; 63 Prozesstage habe ich akribisch im MoPo-Minutenprotokoll nachgelesen und unzählige Hintergrundartikel studiert.

Mein Interesse an der Causa Block wird aus drei Quellen gespeist:

Erstens Lokalkolorit-Neugier and einer Promi-Familie, die in Hamburg jeder seit Jahrzehnten kennt.

Zweitens tiefe Abneigung gegen die erzkonservative, autoritäre und erzkatholische Fleischhandelsfamilie.

Drittens übergeordnetes politisches Interesse:

(….) Natürlich gehen die Öffentlichkeit die Details eines schmerzhaften Sorgerechtsfalles auf dem Rücken der Kinder nichts an. Solche Fälle kommen jedes Jahr myriadenfach vor und sollen diskret behandelt werden.

Der Block-Fall aber ist von öffentlichen Interesse. Nicht, weil die Beteiligten reich und berühmt sind. Sondern weil Block und Delling gezielt die Öffentlichkeit suchten, um mit ihrer Prominenz Gerichte zu beeinflussen. Es geht um die Frage, wie gleich Bürger vor Gericht sind. Können Superreiche mit ihren Kontakten Urteile manipulieren? Was sagt es über unsere Gesellschaft aus, wenn Megaprominente für ihre privaten Fehden a.) August Hanning, den ehemaligen Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes (BND) und ehemaligen Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, b) den Außenminister Sigmar Gabriel und c.) gar den Vizepräsidenten des Bundestages Wolfgang Kubicki einspannen können, der sofort anbietet, seine Amtsinsignien in die Waagschale zu werfen?

[….] In der Sorgerechtsaffäre um zwei Kinder aus der Hamburger Unternehmerfamilie Block (Block House) hat sich Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki offenbar deutlich stärker engagiert als bisher bekannt. Diesen Schluss legen Handynachrichten nahe, die der FDP-Politiker an Christina Block geschrieben hat, Tochter des Block-House-Gründers Eugen Block und die Mutter der Kinder[…] Schon am 1. Januar 2024 schrieb Kubicki an die »liebe Frau Block«, er wünsche ein gutes neues Jahr. »Und wenn es stimmt, was ich lese, alles Glück dieser Erde.« Es folgte der bekannte Satz: »Wenn Recht zum Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht.«

Auf die Frage des SPIEGEL, ob er damit eine Entführung befürworten wollte, erklärte Kubicki, er sei von Beruf Strafverteidiger und »befürworte oder relativiere keine Straftaten«.[…] In diesem Zusammenhang war am 2. Dezember 2021 ein Gerichtstermin in Dänemark anberaumt. Im Vorfeld reagierte FDP-Mann Kubicki auf die Bitte der Mutter um diplomatische Unterstützung. Kubicki versprach am 30. November: »Ich tue mein Bestes.« Zwei Tage später teilte er mit, die »diplomatischen Vertretungen« hielten es für »kontraproduktiv«, wenn ihre Leute im Gerichtssaal säßen. Er könne aber selbst anreisen und ihr den Rücken stärken.

Kubicki verwies darauf, er sei als Vizepräsident des Bundestages »protokollarisch ganz weit oben«. In einer weiteren Nachricht teilte er mit, er »käme im Dienstwagen selbst«. […] Kubicki betonte, seine Unterstützung für Christina Block »war und ist nicht unzulässig«. Sie gehöre »zu den Aufgaben eines Abgeordneten«. Im Übrigen kenne er Christina Block und ihren Partner, den Ex-Sportmoderator Gerhard Delling, »aus einer Vielzahl von Veranstaltungen und Empfängen«. […]

(SPON, 21.03.2025)

Hier liegt ein für die Öffentlichkeit relevanter Skandal vor, der mE nach einer gesetzlichen Regelung verlangt. (….)

(Staatsinteresse, 15.08.2025)

Durch den gezielten Einsatz von Medien und Millionen, nehmen sich die Blocks mehr Rechte und mehr juristische Möglichkeiten heraus, als der 0815-Bürger. Sie können professionelle Geheimdienstler; Mossad-Leute aus Israel engagieren und zu Straftaten animieren, um die Fakten zu schaffen, die Christina und Eugen Block sich wünschen.

Die Blocks sind dementsprechend auch Gegenstand der aktuellen ausführlichen SPIEGEL-Titelgeschichte.

Hier wird die emotionale Dysfunktionalität des „Patriarchen“ und die zwangsläufige Entfremdung zu seinen drei Kindern zwar angesprochen, aber kaum erwähnt, worin die mutmaßlichen Misshandlungen der Mutter und des Opas lagen, so daß drei der vier Block-Kinder nicht nur bei ihrem Vater leben wollen, sondern auch den Kontakt zu ihrer Mutter verweigern. Ebenfalls kaum beachtet von den SPIEGEL-Autoren, werden die in Hamburg wohlbekannten sadistischen Umgangsformen des Friedrich Block gegenüber seinen Untergebenen und Enkeln.

(….)  Der heute 83-Jährige stramm religiöse Patriarch Eugen ist stockkonservativ, sympathisierte lange mit der CDU, bis sie ihm zu lasch wurde und er bereits 2013 erklärte, die AfD zu wählen.  Über die Dekaden konnte ich ferner der Lokalpresse entnehmen, wie fürchterlich Eugen im privaten Umgang sein muss.

Kaum hatte er Sohn Dirk an seine Seite in der Geschäftsführung geholt, zerstritten sie sich coram publico. Eugen warf seinen Sohn raus und behandelte ihn damit wie einen seiner bisher fast 20 Elysee-Hoteldirektoren. Das Hamburger Abendblatt schrieb vor 13 Jahren zu Blocks 70. Geburtstag:

[….] Der 70-Jährige hat innerhalb von 26 Jahren in seinem Hotel Grand Elysée in Hamburg 14 Direktoren verbraucht. Mal ging es um die Dekoration in den Restaurants, mal um die Muster auf den Salzstreuern. Oft vermutlich auch darum, dass der Hotelchef die Erwartungen des Eigentümers nicht erfüllen konnte. "Der hat sich nicht genug angestrengt", begründete Block einmal einem Rauswurf. Und pries den Nachfolger in den höchsten Tönen. Spätestens bei Direktor Nummer acht kamen bei Beobachtern Gedanken wie "mal sehen, wie lange der das jetzt schafft" auf.   […..]

(Daniela Stürmlinger, 08.07.2011)

Offenbar wird es im Alter immer schlimmer; Petitessen reichen aus, um Wutanfälle des AfD-Mannes auszulösen. Nichts ist ihm gut genug, alles kann er besser.

Natürlich wechselte er als einer der ersten, bereits im April 2020 ins Covidioten-Lager.

[….] Eugen Block ist [….] ein Selfmade-Mann, der an das Recht des Stärkeren glaubt. An den Markt. An Gott. In einem alttestamentarischen Sinn. An Friedrich Merz. Mit Mitgefühl hat er es nicht so. Das zeigten vor einigen Jahren schon seine Äußerungen zur AfD (hat er mal gewählt, als „Korrektiv für diesen großen Mischmasch von Politik“) und zum Islam („kann keinen Frieden bringen“). Und jetzt also Corona. Block hat Briefe geschrieben, hat er dem „Spiegel“ erzählt. An Scholz, Altmaier, Spahn, das RKI. Er hat „klargemacht“, sagt er, dass das totale Einstellen des öffentlichen Lebens zum wirtschaftlichen Niedergang führt“. [….] Und dann sagt Block dem „Spiegel“ einige Sätze, die auf so bestechende Art entlarvend sind, dass es fast schon schmerzt, sie zu lesen: „Die Herrschaften haben angstgetrieben Panik gemacht. Ich warte immer noch auf den seit Langem angekündigten Corona-Peak. Noch immer stehen die Krankenhäuser halb leer. Mit den entstehenden Kosten hätte Herr Spahn seine Intensivabteilungen verdoppeln können. Nein, er muss das ganze Volk wegsperren und das Leben auf den Kopf stellen.“ [….]  „Hören Sie auf mit der Panikmache, dann sterbe ich eben drei Tage früher, na, und? Ich habe Gottvertrauen. Ich gehe danach zum liebenden Gott.“ [….]

(Maik Koltermann, 18.02.2024)

Die vier Kinder seiner Tochter Christine hatten nichts zu lachen bei Opa.

[….] Eugen Block gilt als eigensinniger Charakter, der alles selbst macht und nur wenigen traut. Sogar die Gardinen für seine Restaurants sucht er persönlich aus.  Seine Enkelin Johanna erzählt nun in Dänemark eine Geschichte, die für ihn typisch erscheint: Als Johanna ihr Kinderzimmer neu einrichten wollte, habe ihr Eugen Block diesen Wunsch abgenommen – und den Raum nach seinem Geschmack gestaltet.  [….]

(Die Zeit, 01.02.2024)   [….]  [….]

 [….] Es begann damit, dass Johanna, die Älteste der vier Block-Geschwister, im Jahr 2021 (sie war damals 15) während eines Sylt-Urlaubs ins nahe gelegene Dänemark zu ihrem Vater und dessen neuer Frau ausriss. "Es ging einfach nicht mehr", sagt Johanna im Gespräch mit der ZEIT. Sie habe mit ihrer Mutter über Freiheiten und Grenzen gestritten, auch um einen sechsmonatigen Auslandsaufenthalt ging es, den die Mutter für ihre Tochter wollte, den die Tochter aber ablehnte. Und immer wieder: zu viel Strenge, zu hohe Erwartungen.  Johanna sagt: "Vier Tage pro Woche hatten wir Hobbys. Hockey, Ballett, Klavier, Leichtathletik, Schwimmen, Flöte, dazu kam Nachhilfe. Hockeyspiele am Wochenende. Und dann Verabredungen, die sie getroffen hat. Du hast nie freigekriegt. Du durftest unter der Woche nie mal im Bett liegen. Am Wochenende wurden wir auch früh geweckt, weil wir alle zusammen frühstücken sollten – fertig angezogen natürlich." Sie selbst habe sich um die Geschwister kümmern, mit ihnen Hausaufgaben machen, sie bekochen und ins Bett bringen müssen. Johanna sagt: "Ich hatte viel zu viel Druck." [….]  [….]. In den Akten ist die Rede davon, manche der Kinder seien von ihrer Mutter auf den Hinterkopf geschlagen, die Treppe hochgezogen, gelegentlich eingesperrt und über längere Zeit allein gelassen worden. Die Mutter bestreitet das.   […..]  [……]

(Die Zeit, 01.02.2024) (….)

(Jesus hilft Hamburger Multimillionär, 22.02.24)

Mit Prozesstag 64 wird die Öffentlichkeit ausgeschlossen, weil anderenfalls Persönlichkeitsrechte verletzt werden könnten. Es geht weiterhin heiß her; Block und ihr Promianwalt Ingo „Rasputin“ Bott, treiben die Kammer mit ihrem aggressiven Vorgehen weiterhin zur Weißglut. Rasputin, (sowie auch Patriarch Eugen über Medien und offene Briefe), greifen an jedem Prozesstag die vorsitzende Richterin persönlich an. Offensichtlich mit der Absicht, einen Eklat zu provozieren, einen Prozessabbruch herbeizuführen, oder in Revision zu gehen.

Rasputin, Block

Richterin Hildebrandt lässt die Attacken mit stoischer Ruhe an sich abprallen. Aber auch Block selbst spielt nicht nach den Regeln. So rief sie während des Prozesses, kurz vor den bedeutenden Zeugenaussagen der Ex-Mossad-Leute in Israel an. Selbstverständlich ist Zeugenbeeinflussung verboten. Wollte Christina Block die Aussagen manipulieren? Hat sie jemanden bedroht? Nein, wehrte diese ab; sie habe nur Genesungswünsche übermitteln wollen.

Nun verstößt sie erneut gegen die Prozessregeln:

[….] bevor die Öffentlichkeit aus dem Saal gebeten wird, lässt die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt die eigentliche Bombe des Verhandlungstages platzen. Sie spricht ohne Umschweife die Hauptangeklagte Block direkt an: Die sachverständige Gutachterin hatte demnach am Montag dem Gericht gemeldet, dass Block ihr außerhalb der Hauptverhandlung einen Briefumschlag mit Unterlagen zu ihren Kindern gegeben hatte.

An sich ist das nichts Außergewöhnliches, denn beide Elternteile hatten der Kinderpsychiaterin Unterlagen zur Verfügung gestellt, um sie bei der Begutachtung der beiden Kinder zu unterstützen. Das Brisante: Die Unterlagen, die Block der Gutachterin zusteckte, enthielten nicht einfach Informationen zu den Kindern und ihrem Leben bei der Mutter, sondern Beweisanträge und einen persönlichen Brief. Beide Dokumente sind bislang nicht Aktenbestandteil im Prozess.

Ignorierte Block die vorherige Androhung des Haftbefehls?

Für Hildebrandt steht damit am Dienstag fest, dass das eine versuchte Einflussnahme auf die Sachverständige war. Schon im November hatte die Richterin Block gedroht, sie werde einen Haftbefehl gegen sie erlassen, sollte sie weiter auf Zeugen einwirken. Am Dienstag wirft sie Block vor, genau das getan zu haben. In scharfem Tonfall fordert Hildebrandt die Hauptangeklagte auf, den Vorfall irgendwie zu erklären. [….] "Das ist ja nicht aus der Tasche gefallen", hakt sie nach, und erinnert auch Bott an ihre Warnung im November. "Jetzt passiert wieder so etwas, dass das ein Zufall sein soll, vermag ich schwer zu glauben." Hildebrandt, die sich sonst selten in die Karten schauen lässt, klingt ungewohnt aufgebracht. [….]

(Legal Tribune Online, 28.07.2026)

Es fügt sich perfekt ein in ein Bild von einer Familie, die sich trumpesk außerhalb der Regeln wähnt.

[….] Ihr, Christina Block, sei es allein darum gegangen, der Kinderpsychologin bei der Anamnese zu helfen, also bei der Krankengeschichte der Kinder. Den Brief ihrer Bekannten habe sie im Briefkasten gefunden und ungelesen mit in den Umschlag zu den Beweisanträgen gelegt. So Christina Block.

Problem: Die Unterlagen in dem ominösen Umschlag befassen sich überhaupt nicht mit der Gesundheit der Kinder, sondern handeln vom Vater, und zwar in einer „ehrabschneidenden Weise“, wie dessen Anwalt betont. Sollte der Vater Stephan Hensel im Gutachten möglichst schlecht wegkommen? Nachdem Christina Block im Oktober 2023 bereits „Beweise“ für dessen Pädophilie bei der Polizei abgegeben hatte? Diese Daten hatten sich schnell als gefälscht herausgestellt.

Die Kinderpsychologin korrigiert dann auch prompt die Darstellung von Christina Block: Sie habe tatsächlich um Unterlagen gebeten, allerdings um das Gesprächsprotokoll einer Tochter. Das solle Ingo Bott ihr bitte noch einmal ausdrucken. Dass Christina Block ihr in dem Umschlag auch Beweisanträge mitgegeben habe, habe sie „überrascht“. Eine der beiden Frauen sagt also die Unwahrheit.  Welche Konsequenzen die „versuchte Verdunklungshandlung“ für Christina Block haben wird, muss die Kammer nun entscheiden. „Ich habe bereits im November gesagt, dass jegliche Einflussnahme zu unterbleiben hat, und nun das“, stellte die Vorsitzende fest.  [….] Es ist nicht der erste Schuss vor den Bug. Bereits im November 2025 hatte Isabell Hildebrandt sich mit deutlichen Worten an Christina Block gewandt: „Wir werden nicht zögern, einen Haftbefehl zu veranlassen, wenn Sie nicht aufhören, Zeugen zu kontaktieren“, sagte sie am 21. Verhandlungstag. Damals war der Verdacht aufgekommen, Christina Block habe versucht, Druck auf israelische Zeugen auszuüben, um sie von einer Aussage abzubringen. Außerdem hatte die Angeklagte damals zu einem älteren israelischen Zeugen Kontakt aufgenommen und ihm „gute Besserung“ gewünscht. Für die Zukunft hätten jegliche Kontaktaufnahmen zu unterbleiben, stellte die Vorsitzende damals klar.  [….]

(HH MoPo, 28.07.2026)

Man kann den Blocks nicht vertrauen. Christina Block sollte endlich eingesperrt werden. Zumindest bis zum Prozessende, damit ihre Zeugenbeeinflussungen gestoppt werden. Wir sprechen immerhin von einer Frau, die mutmaßlich kinderpornographisches Material bei ihrem Exmann deponieren ließ und anschließend zur Polizei ging, um ihn und seinen Anwalt anzuschwärzen.

[….] »Frau Block hat auf plumpe Weise versucht, die Sachverständige zu manipulieren. Es ist nicht das erste Mal, dass sie Dreck über meinen Mandanten auszukippen versucht.«  […]

(Hensel-Anwalt Philip von der Meden)