Donnerstag, 17. Oktober 2019

Geben


Jeffree Star, einer der wichtigsten und reichsten Influencer der „american beauty community“ lebt im sonnigen Kalifornien ein Traumleben  in einer großen Villa auf einem Berg, einem halben Dutzend Luxussportwagen und wenn er zu einem seiner anderen Häuser aufbricht, nimmt er den Privatjet.
Er stammt aus ärmsten Verhältnissen, wurde extrem gemobbt und brachte es durch harte Arbeit mit Anfang 30 zum Multimillionär.

Solche Geschichten werden auch in den USA seltener, aber es gibt sie noch.
Anders als in anonymen Großkonzernen wie Apple, die hunderte Milliarden Dollar in Steueroasen parken, billig an Asien produzieren lassen (und deren legendärer Gründer Steve Jobs radikal geizig war und als einer der wenigen Tech-Milliardäre nie für wohltätige Zwecke spendete), geben Superreiche, die bittere Armut noch aus eigener Erfahrung kennen, traditionell sehr viel ab.

Das korreliert nicht mit dem amerikanischen Christentum, denn religiöse Menschen sind geiziger und mitleidloser als Atheisten.
Das Phänomen erklärt sich aus dem Überlegenheitsgefühl der Ideologie. „Wir sind besser als die!“, „we do things right!“ und Gott hat sich schon etwas dabei gedacht.

[….] Kinder aus religiösen Familien sind geiziger
Experimente zeigen, dass Kinder aus religiösen Familie weniger gern teilen als andere. Bei einem Spiel mit Stickern behielten sie mehr Aufkleber für sich. [….] Glaube fördert soziales Verhalten, könnte man meinen - geht es bei Religion doch häufig um Nächstenliebe, Selbstlosigkeit und Moral. Doch weit gefehlt. Statt durch besondere Großzügigkeit zeichnen sich Kinder aus religiösen Haushalten weltweit eher dadurch aus, dass sie weniger altruistisch sind als Gleichaltrige aus nicht religiösen Haushalten, berichten Forscher im Fachmagazin "Current Biology".
"Einige Studien aus der Vergangenheit haben bereits gezeigt, dass religiöse Menschen sich nicht besser verhalten als unreligiöse", sagt Jean Decety von der University of Chicago. "Unsere Studie geht darüber noch hinaus und legt nahe, dass religiöse Menschen sogar weniger großzügig sind - nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder." [….]

Wer sehr fromm ist, glaubt schon dadurch gut zu sein und führt sich daher weniger verpflichtet darüber hinaus Geld zu spenden.

Daß amerikanische Kirchen dennoch die Reichsten der Welt sind, lässt sich leicht erklären. Es ist der soziale Druck. Pfarrer veröffentlichen nämlich wer wie viel gespendet hat. Und wer stets weniger gibt als der Nachbar, gerät in den Verdacht ein schlechterer Christ zu sein. Außerdem herrscht extremer Konkurrenzkampf unter den Gemeinden. Baut ein Pfarrer neben der Kirche eine beheizte Luxusgarage für seine Schäfchen, will die Nachbargemeinde das überbieten und eine noch größere Garage mit Waschanlage.

Warren Buffett, Bill Gates, Mackenzie Bezos, Michael Bloomberg, Richard Branson, Ted Turner und andere Mega-Reiche, die sich dem „Giving Pledge“ verpflichten, tun das nicht aus religiösen Motiven, sondern wegen der puren Notwendigkeit.

[….] A commitment to philanthropy
The Giving Pledge is a commitment by the world's wealthiest individuals and families to dedicate the majority of their wealth to giving back. [….]

Wenn Jeffree Star eine neue Make-Up-Linie herausbringt, gibt er davon nicht wie ein frommer Deutscher pauschal 9% seiner Einkommensteuer an die Kirche oder stellt große Schecks an Spendensammler aus, sondern kennt aus seinem eigenen Leben noch die vielen Bereiche Amerikas, wo wirklich der Schuh drückt.
Während Donald Trump das Staatsdefizit um weitere zwei Trillionen Dollar aufbläht, damit die Multimilliardäre fast gar keine Steuern mehr bezahlen müssen und exponentiell reicher werden, herrscht in den USA gleichzeitig bittere Armut.
Es gibt Millionen Obdachlose, Millionen nicht Versicherte, Millionen, die sich ihre Medikamente nicht leisten können, Millionen Kinder, die hungern.
Es gibt amerikanische Rentner, die buchstäblich verdursten, wenn sie sich kein Leitungswasser mehr leisten können.

Aber es gibt auch viele Amerikaner, die das wissen und sehr konkret aktiv werden.

[….] Tausende Kalifornier haben wegen der Dürre keinen Wasserzugang mehr. Eine Rentnerin hat die Versorgung ihres Ortes deshalb selbst in die Hand genommen.
Sie schämte sich, sie wollte es nicht wahrhaben, und schon gar nicht wollte sie, dass die Nachbarn etwas von ihrer Not bemerkten. "Ich habe geglaubt", sagt Donna Johnson, 72, "dass in einem Land wie den USA immer Wasser vorhanden sein wird."
[….] Donna Johnson sitzt in ihrem halbverdorrten Garten, eine quirlige Frau mit kurzen grauen Haaren, sie trägt neonfarbene Turnschuhe, ein neonfarbenes Shirt und klimpernde Ohrringe in Neonfarben. "Da drüben hatte ich letztes Jahr erst Trauben gepflanzt", sagt sie und zeigt auf einen Haufen braunes Gestrüpp.
[….] Aber in letzter Zeit sorgt sie sich nicht nur um verlassene Tiere, sondern auch um ihre Nachbarn. "Was ist mit den Kranken, die Diabetes haben oder Herzprobleme? Was ist mit den Alten, den Schwangeren?", fragt sie. "Wenn wir das mit dem Wasser nicht bald in Ordnung bringen, wird noch etwas Schlimmes passieren."
[….][….] Dennoch war die erste Ladung schnell verteilt, und so kratzte sie 700 Dollar von ihrem Ersparten zusammen und kaufte noch mehr Wasser. Sie legte eine Liste mit den Namen der Leute an, die kein fließendes Wasser hatten. [….] Doch die Hilfe erreicht noch immer nicht alle. Deshalb belädt Donna Johnson auch an diesem Samstag im Juli wieder ihren schwarzen Truck mit Kartons voller Mineralwasserflaschen. "Mittlerweile erkennen die Leute meinen Truck, sie wissen, dass ich die Wasserfrau bin", sagt sie. Oder der Wasser-Engel, wie manche sie nennen. [….]

Jeffree Star gibt ein Teil seiner Einkünfte an Lehrer öffentlicher Schulen weiter, die sich die Unterrichtsmaterialien nicht leisten können.

GODS OWN COUNTRY ist moralisch so bankrott, daß die reichste und mächtigste Nation der Erde noch nicht mal öffentliche Schulen mit dem Notwendigsten ausstattet.

[….] Jeffree Star gets a gold star for his latest good deed. The YouTube beauty guru and makeup entrepreneur responded to a Texas teacher’s Twitter post about her need for school supplies, and he took action as soon as he learned of her predicament.
The young second grade teacher, Irma Morales, tweeted on Friday that this will be her second year of teaching at a Texas elementary school and that she had a wish list of supplies she needed in order to give her students the best environment for learning.
Morales’ nearly $800 wish list included a stapler, dry erase chalkboard, a slew of early reader books — including the popular Captain Underpants series — and a storytime rug, as well as a 100-pack of pencil erasers, a pencil sharpener, a stack of colorful stools, and that all-important Lysol spray to keep the classroom germs at bay.
Star saw the tweet and bought all of the school supplies for Morales, wiping her entire list clean, tweeting his thanks to her for caring about education. […..]

Star sah das Problem, spendete spontan für eine Lehrerin und wurde anschließend aktiv, um mit seiner Bekanntheit und seinen finanziellen Möglichkeiten noch viel mehr Lehrern zu helfen.

Natürlich gibt es auch in Deutschland Hilfsbereitschaft wie die Tafeln in fast alle Städten zeigen. Aber viele Deutsche erwarten (zu Recht) auch, daß sich „der Staat“ um die soziale Grundversorgung kümmert.
Anders in den USA; da wußte Jeffree Star, daß Bildungsministerin und Multimilliardärin Betsy de Vos garantiert nichts für die Nöte der Grundschullehrer an öffentlichen Schulen unternehmen wird.
Denen kann man nur selbst helfen.


🔥 I just donated $25,000.. please share & help: https://t.co/Yp4hTFZE2K
— Jeffree Star (@JeffreeStar) 4. August 2019

“Support a Teacher” wurde Dank Star zu einem Movement.


Zehn Prozent seiner Einkünfte der Artistry Palette gehen an Lehrer.

„Die Amerikaner“ sind also auch großzügig.
Allerdings haben sie bei ihrem schäbigen Sozialsystem auch kaum eine andere Wahl.
[…..]   Verstärkt Wohlstand die Bereitschaft, Bedürftigen zu helfen? Eine Studie der Charities Aid Foundation (CAF) hat das untersucht. Die Ergebnisse der Langzeitbefragung zeigen teils Überraschendes: Gerade in Ländern, in denen nach dem jüngsten Armutsbericht der Vereinten Nationen große Not herrscht, ist die Bereitschaft zu geben häufig besonders groß.
Dies wird in den Spitzenplatzierungen deutlich. Unerwartet belegt Myanmar Platz 2 des Rankings, obwohl das Bruttoinlandsprodukt des von Unruhen geplagten Landes noch unter dem von Staaten wie Kambodscha oder dem Sudan liegt.
Auf Platz 1 landet die USA. Nirgendwo sonst werden Spenden so gebraucht, um Dinge am Laufen zu halten, die anderswo der Staat übernimmt. Denn ob Oper oder Obdachlosenhilfe, Museum oder Universität: Alle bekommen nur wenig oder gar keine öffentliche Hilfe. [….]

Mittwoch, 16. Oktober 2019

Wenn wir den Kampf gegen rechts ernst nehmen…


Grundsätzlich finde ich Mannschaftssportarten abartiger als Individualsport, da immer eine nationalistische Komponente hineinspielt.
Der Fan kann sich bei Dutzenden verschiedenen Mitspielern nicht nach Sympathie orientieren, sondern feuert entlang der Staatsbürgerschaft an.
Widerlich und unsportlich.
Fußball interessiert mich so wenig wie die meisten anderen Sportarten, ist mir aber unsympathischer als die meisten, da er das Mediengeschehen so sehr dominiert. Von internationalen Newssender, über soziale Medien und renommierte überregionale Zeitungen bis zum trashigen Lokalblatt  - keiner verzichtet darauf Fußballmeldungen an prominenter Stelle zu bringen.

Damit wird mustergültig die Unfähigkeit des Menschen zum Gutsein demonstriert.
Statt sich auf wesentliches wie den Welthunger, Kriege, Massenflucht, Trump, Brexit und Klimakatastrophe zu konzentrieren, verschwendet Homo Demens seine Ratio damit einem eher primitiven Ballspiel zu folgen.

(…..) Besonders ärgerlich ist es für mich als TV-Gebührenzahler auch noch mit dafür zu sorgen, daß hochkorrupte rechtslastige Krakenorganisationen wie die Fifa jedes Jahr Milliarden Euro einnehmen.
Ich will verdammt noch mal nicht solche Funktionäre wie Mayer-Vorfelder oder Blatter mitfinanzieren, nur weil ich einen Fernseher besitze.
Da Christoph Schwennicke im April 2013 Fußball so wunderbar charakterisiert hat, muß ich das in einzelnen nicht selbst formulieren, sondern schließe mich dem an und lese seine Suada noch einmal genüsslich…

 […] Ich finde Fußball doof. Nein, ich finde Fußball grässlich – und ungemein langweilig. Ein Reigen alter Männer steht am Rand und schreit herum, viele mehr oder weniger junge Männer rennen auf einer Wiese herum, erst alle nach links, dann Ballverlust, dann wieder nach rechts, Ballverlust, wieder nach links.
[…] Fußballgucken finde ich, ist Ödnis in Vollendung, die überflüssigste Sache der Welt. Dann doch lieber Minigolfspielen, oder Monopoly, und das ist schon ganz schön schlimm öde.
Wer meine, wie ich finde, einzig vertretbare Grundeinstellung zum Fußball hat, bekommt ganz viel Lebenszeit geschenkt. Ganze Wochenenden verplempern Fußballbegeisterte an diese ungemein primitive Sportart. Dekaden an sinnlos verbrachter Lebenszeit kommen da zusammen.
[…] Dieses Spiel ist unästhetisch und ordinär. Schon der Klang, wenn der Ball getreten wird, macht mich übellaunig. Es ist ein zutiefst ordinäres Geräusch, es klingt so ähnlich wie die Schläge von Bud Spencer in den alten Prügelfilmen mit Terence Hill. Die Spieler haben keine Manieren, tun sich absichtlich weh, sind nicht nur furchtbar verschwitzt, sondern oft auch noch sehr verdreckt und vom Regen pitschenass und rotzen dauernd auf die Wiese. Manchmal sogar ins Nackenhaar eines Gegners. Das ist so unappetitlich. […]

Und gerade wenn man denkt, das Schlimmste sei vorbei, weil Deutschland das WM-Finale unter dem Böllergeknalle ganz Deutschlands gewonnen hat, schaltet man den Fernseher ein und schon wieder spielen Argentinien und Deutschland gegeneinander. (…..)

Da ich Laie bin, kann ich nicht selbst beurteilen, wieso ausgerechnet Fußball weltweit so viel populärer als Wasserball oder Polo ist, oder warum ausgerechnet die USA aus diesem Welttrend ausscheiden und sich stattdessen auf Base- und Basket- und Football konzentrieren.
Es gibt allerdings den Spruch von den „82 Millionen Bundestrainern“, der offenbar suggerieren soll Fußball wäre so primitiv, daß auch der Dümmste ohne irgendeine Vorbildung mitreden und „mitfiebern“ könne.
Das erscheint mir einleuchtend; schließlich ist Fußball sehr viel langsamer als die meisten anderen Ballsportarten; gewissermaßen eine vereinfachte Zeitlupenversion von Eishockey oder Handball. Zudem ist die Zählweise radikal primitiv; wer bis drei zählen kann, ist schon mit dabei. Kein Vergleich zu der Zählweise beim Tennis oder Basketball.

Fußball zieht daher solche Massen an, daß er sakrosankt wird. Keiner kann sich erlauben sich als Fußballbanause oder Desinteressierter zu outen.
Es gibt Menschen, die sich kein bißchen dafür interessieren, aber dennoch vor Schichtbeginn am Montagmorgen die Bundesligageschehnisse studieren, weil sie wissen es wird unter den Arbeitskollegen wieder tagesfüllendes Thema sein.
Wer nicht ausgegrenzt werden will, sollte sich mit den Grundbegriffen und wichtigsten Ergebnissen wappnen.

Nur die Macht der Masse erlaubt es dem Fußball weiterhin gesellschaftspolitisch hundert Jahre zurück zu hängen.
Frauen spielen de facto keine Rolle, es gibt nach wie vor weltweit keinen einzigen geouteten schwulen Spitzenspieler, weil das Fußballer-Milieu dumpf-intolerant ist, es wird dem Rassismus gefrönt und in jedem Stadion sind die Fanblocks von Nazis und Hooligans durchsetzt.

Während man nach den Morden und dem Anschlag auf die Synagoge in Halle wieder einmal „entschlossene Maßnahmen gegen rechts“ fordert, wird aber ein rechtspopulistischer Sumpf im Umfeld des Fußballs weiterhin geduldet.

Da darf man Schwule hassen, Schwarze mit Affenlauten diskriminieren, sexistisch rumgrölen, sich prügeln und natürlich auch antisemitisch poltern.

Klar, ab und an wird mal ein einzelner Spieler ausgeschlossen, der sich wie Daniel Frahn, der Kapitän des Chemnitzer FC für die „NS-Boys“ begeistert, oder wie der St. Paulianer Cenk Sahin, der sich angesichts des Völkermordes in Nordsyrien für den Völkermörder Erdogan engagiert, aber das sind natürlich nur Bauernopfer.
Kleine Symptome, die man schnell abstellen kann, damit die Diskussionen darüber erstickt werden, wieso eigentlich der Fußball weltweit so anziehend für Untermenschenideologien ist.

Es gibt gerade mal einen ernsthaften Film – „Mario“ - über einen schwulen Profifußballer, der aber von seinem Verein gezwungen wird die Peinlichkeit zu verschleiern und schließlich mit einer engagierten Alibifreundin nach Hamburg zieht, um beim FC St. Pauli als echter Hetero anzuheuern.
Der Regisseur hatte selbstverständlich so gut wie keine Möglichkeiten zur Recherche in der Szene.

[…..] Szene: Auf mich wirkt er tatsächlich sehr authentisch. Wie haben Sie recherchiert? Haben Sie mit betroffenen Spielern gesprochen?
Marcel Gisler: Nein, da herrscht ja eine große Mauer des Schweigens. Man kann nicht mit aktiv spielenden schwulen Profifußballern sprechen, weil die sich aus mir inzwischen nachvollziehbaren Gründen ja nicht zu erkennen geben. […..] Bislang war das Feedback aus Fuß­ballkreisen sehr spärlich, obwohl der Film bereits in mehreren Ländern im Kino lief. In der Schweiz kamen einige Funktionäre zu den Premieren in den jeweiligen Städten, aber von Spielern, auch von heterosexuellen, habe ich überhaupt nichts gehört, auch nicht, ob da intern irgendwie darüber geredet wird. Nur aus Deutschland habe ich inzwischen von einigen Insidern gehört, dass der Film innerhalb der Fußballszene sehr wohl bemerkt wird, allerdings in manchen Fällen nicht unbe­dingt auf positive Resonanz stößt. [….]

Wo die Spieler und Funktionäre schweigen, können die Fans ihren Schwulenhass laut und überdeutlich ausleben.
In Frankreich wird es gelegentlich so rabiat, daß Spiele unterbrochen werden müssen.
Aber selbstverständlich stellt niemand den Fußball, die offensichtliche Wurzel des Übels in Frage.

[….] Fußball in Frankreich:Homophob - oder einfach bloß dumm?
Homophobie auf den Rängen wird zum Problem in Frankreichs Fußball.
[….] Die größte Aufregung gab es um die Partie OGC Nizza gegen Olympique Marseille. Die Heimfans sangen "Die Marseiller sind Schwuchteln", was sich auf Französisch auch noch reimt, sowie einiges mehr. Dazu rollten sie auf der Tribüne Banner mit homophoben Beschimpfungen aus. In der 28. Minute unterbrach der Schiedsrichter die Begegnung deshalb und schickte die Spieler in die Kabine. Zuvor hatte er über den Stadionsprecher zwei Vorwarnungen an die Fans von Nizza richten lassen. Zwölf Minuten dauerte es, bis die Banner verschwunden und die diskriminierenden Gesänge verstummt waren. Das Spiel konnte weitergehen. Das war Ende August, und es ist nicht die einzige Spielunterbrechung wegen schwulenfeindlicher Fans in Frankreich: In der noch jungen Saison wurden schon sieben Spiele der ersten und zweiten Liga ausgesetzt. Auch in der deutschen Bundesliga treten homophobe Einstellungen immer wieder offen zutage - etwa, wenn Dortmund-Fans beim Revierderby Schalker Anhänger auf Bannern als Schwuchteln beschimpfen. Große Debatten darum bleiben bisher aber meist aus. [….]  Antoine Griezmann - der allerdings in der spanischen Liga beim FC Barcelona spielt - möchte sogar von sich aus auf Abfälligkeiten gegen Schwule reagieren: "Homophobie ist keine Meinung, sondern ein Vergehen. Wenn sich einer auf dem Platz schwulenfeindlich äußert, werde ich künftig mit dem Spielen aufhören", versprach Griezmann im Mai dem Schwulenmagazin Têtu.
Le Graët und einige Fan-Vereinigungen dagegen sehen das alles nicht so streng. Der 77-jährige FFF-Chef fürchtet die Stigmatisierung seines Sports: "Zu sagen, dass Fußball homophob ist und das einzige Symbol für Homophobie in Frankreich sein könnte, das akzeptiere ich nicht", sagt Le Graët. [….] Zusätzliche Brisanz erhält die Sache durch eine persönliche Fehde: Vor ein paar Monaten hatte sich Le Graët über Sportministerin Maracineanu mokiert, weil sie sich entsetzt gezeigt hatte über schwulenfeindliche Gesänge im Stadion. Maracineanu, eine Ex-Schwimmweltmeisterin, sei so etwas aus Schwimmbädern eben nicht gewohnt, ätzte Le Graët damals. Jetzt kontert sie. Le Graëts Position sei schlicht "falsch" und zeuge von "mangelhafter Vorbereitung", so die Ministerin. Im Klartext: Le Graët sei nicht auf der Höhe der Zeit. [….]

Wenn sich wie im Fußball schon menschenverachtenden Einstellungen wie Homophobie und Nationalismus treffen, sind die anderen ultrarechten Grundübel auch nicht weit.

Vor wenigen Tagen erlebte die englische Nationalmannschaft, deren Fans als besonders gewalttätige Proleten weltweit gefürchtet sind, in Bulgarien wie sich purer Rassismus anfühlt.

[…..] Rassismus im EM-Qualifikationsspiel England gegen Bulgarien
[….] Der englische Fußballverband FA fordert nach rassistischen Vorfällen beim EM-Qualifikationsspiel gegen Bulgarien Konsequenzen. [….] Die Partie war in der ersten Halbzeit zweimal wegen rassistischer Äußerungen von bulgarischen Fans unterbrochen worden. [….] Chelsea-Angreifer Tammy Abraham hatte vor der Begegnung angekündigt, dass das Team den Rasen bei rassistischen Vorfällen verlassen werde. Das taten sie nun aber nicht. [….] In einem Video, das bei Twitter veröffentlicht wurde, sieht man, wie Southgate während des Spiels den Vierten Offiziellen auf die Affenlaute von den Tribünen gegen seinen Spieler Tyrone Mings hinweist. Und man erkennt Fans, die den Hitlergruß zeigen. [….] Bereits in den Spielen gegen den Kosovo und Tschechien waren die bulgarischen Zuschauer durch rassistischen Anfeindungen aufgefallen. Deswegen blieben gegen England Teile der Tribüne geschlossen. [….]

Rasender Menschenhass, Myriadenfacher Rassismus. Konsequenzen de facto keine. Es wird weiter Fußball gespielt.
Die Klammer, die aber alle Fußballfans zusammenhält ist der Antisemitismus, der allgegenwärtig ist.

[….]  Antisemitismus: "Jude ist die größte Beleidigung im Fußball"
Nur in Stadien ist es großen Gruppen möglich, antisemitisch zu brüllen. Der Forscher Florian Schubert hat viele Entschuldigungstaktiken gefunden. Und zögerliche Verbände.


[….] ZEIT ONLINE: Herr Schubert, Sie haben in Deutschland einen Fußballantisemitismus diagnostiziert. Was ist das?
Florian Schubert: Es gibt kaum jüdische Profis, keine jüdischen Vereine in den obersten Ligen, aber es kommt vor, dass hunderte oder gar mehr Fans zusammen "Judenverein" brüllen. Das geschieht sonst nirgends, noch nicht mal auf Neonazidemos. Das gibt es nur im Fußball.
ZEIT ONLINE: Haben Sie dafür eine Erklärung?
Schubert: Ich sehe mehrere: Die meisten Fans fühlen sich nicht angesprochen, dementsprechend werden antisemitische Rufe oft nicht verurteilt. Die umstehenden reagieren nicht. Das Phänomen bleibt bestehen. [….]  Erstaunlich finde ich, dass sich auch Fanszenen beteiligen, die ein rechtes Image von sich weisen. Ich glaube, das liegt daran, dass Antisemitismus die stärkste Ausdrucksform ist, um den Gegner zu erniedrigen. 2005 malten Cottbuser Fans beim Spiel gegen Dynamo Dresden ein Transparent, auf dem stand: "Juden", das "d" war dem Dynamo-Wappen nachempfunden. Es war die Reaktion der Cottbuser Fans auf das Hinspiel, bei dem die Dresdner die Cottbuser "Zigeuner" nannten. Die Cottbuser mussten in ihrer Fanlogik nachlegen und haben den Begriff gewählt, von dem sie denken, dass er noch abwertender ist. Das wurde mir in meinen Interviews immer wieder bestätigt: "Jude" ist die höchstmögliche Abwertung im Fußball. [….]

Statt die „Gamerszene zu beobachten“ sollte Bundeshorstminister Seehofer als Sofortmaßnahme nach den weltweit für Empörung sorgenden Taten von Halle, lieber ein generelles Fußball-Verbot aussprechen, um den Sumpf trocken zu legen.

Dienstag, 15. Oktober 2019

Amok auf der 5th Avenue.


Sich immer noch den Gedanken zu erlauben „JETZT ist Trump aber wirklich zu weit gegangen; das werden seine Anhänger ihm nicht verzeihen“ ist lächerlich.
Jeder einzelne Tag der letzten drei Jahre würde bei jedem anderen US-Präsidenten einen derartigen Mega-Shitstorm generieren, daß nur der Rücktritt bliebe.
13.400 Lügen im Amt haben seriöse Factchecker inzwischen gezählt.
Noch Fragen?


Seine Anhänger stört diese radikale Unehrlichkeit gar nicht. Sie jubeln ihm begeistert zu, wenn er als Präsident der Nation der political correctness, die jeden Nippel zensiert und jedes „fuck“ wegbeept, sich in drastischen Vulgaritäten ergeht. Bidens einzige Qualifikation? Obamas Arsch zu küssen.


Trump kann sich alles erlauben. Lügen, Betrügen, Prahlen, sexuelle Übergriffe, kriminelle Machenschaften, Verrat.
Na und? Er ist eben ein ganz anderer Typ Präsident, kein Politiker. So lachen sich seine rassistischen Proleten ihren Helden schön.
Trumps Fans sind die Sorte  des allerletzten menschlichen Abschaums, die sich an solchen Videos ergötzen.


Nun beginnt aber ein Impeachmentverfahren und während es schon allein deswegen zunehmend bizarr wird, weil nicht nur alle Trump-Berater und Vertraute kriminell sind, sondern auch seine Anwälte, bricht er ganz nebenbei einen weiteren derart schlimmen Skandal vom Zaun, daß sogar Republikaner schäumen.



 
Trump als Retter des IS und größter Arschküsser Putins und Erdogans gibt die Kurden zum Abschuss frei, löst augenblicklich eine gewaltige neue Flüchtlingswelle aus und sorgt gewissermaßen persönlich dafür, daß die inhaftierten IS-Kämpfer alle freigelassen werden, bzw entkommen können.



Die internationale Presse ist viel Kummer gewohnt mit dem lobotomierten Orangen-Nero, aber nun bemühen sie Superlative.

[….] Ja zu Nordsyrien-Offensive - Vielleicht Trumps dümmste Entscheidung
[….] In einem Telefonat gab US-Präsident Donald Trump seinem türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan "grünes Licht" für die Invasion in Nordsyrien - "grünes Licht" für den Kampf gegen die "Syrischen Demokratischen Kräfte", kurz SDF.
In denen will Erdogan nichts anderes sehen als einen verlängerten Arm der als Terrororganisation eingestuften und deshalb verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. In dem Telefonat fällte Trump eine der dümmsten Entscheidungen seiner Amtszeit als US-Präsident. Vielleicht die dümmste Entscheidung überhaupt.   


Die verheerenden Konsequenzen belegen es: 200.000 Menschen sind auf der Flucht - vor den Türken und ihren bewaffneten Helfern. Bluthunde! Dutzende Zivilisten kamen durch das türkische Bombardement um oder wurden ermordet. 800 Mitglieder der Terrormiliz IS konnten aus einem Gefangenenlager ausbrechen.
Was aus den anderen annähernd 100.000 IS-Gefangenen der SDF wird, wird sich zeigen. Fest steht: Der IS kann sich in der völlig unübersichtlichen Situation in Nordsyrien neu formieren. Und ein Wiedererstarken des IS ist eine Gefahr für jeden auf der Welt - für Syrer, Iraker, Deutsche, Amerikaner ...
Dummheit gepaart mit Verrat: Die SDF haben Tausende Männer und Frauen im Kampf gegen den IS verloren. Nach eigenen Angaben 11.000. Sie haben sich für den Rest der Welt die Hände schmutzig gemacht; Auge in Auge gegen die Terroristen gekämpft. [….]



Selbst den notorisch korrupten und verlogenen Kongress-GOPer geraten in größte Schwierigkeiten diesen brutalen, schädlichen und schändlichen Unsinn noch zu rechtfertigen.
Trumps Nordsyrien-Move ist eben keine politische Frage mehr, die man von verschiedenen Seiten aus betrachten könnte, sondern so eindeutig falsch und extrem gegen die Interessen der USA, daß er sofort weltweit Konsequenzen hat.


Hat er es nun vielleicht doch geschafft sich so ins Knie zu schießen, daß sich sogar seine garantiert testikelfreien Republikaner gegen ihn wenden?

[…..] Mit dem Truppenabzug aus Nordsyrien hat Donald Trump eine geopolitische Krise und humanitäre Katastrophe ausgelöst. Weil der US-Präsident lieber auf sein "Bauchgefühl" hört als auf Berater.
Donald Trump liebt das Chaos. Der US-Präsident widerspricht sich andauernd, er ändert seine Meinung im Stundentakt, er lässt die Öffentlichkeit seinem nächsten Tweet entgegenbangen. […..]  Jetzt hat Trumps notorisches Bauchgefühl eine geopolitische und humanitäre Katastrophe ausgelöst. […..]  


Und die Katastrophe hat erst begonnen:
Hunderte IS-Angehörige verschwanden bereits aus Haftlagern, von Russland gestützte Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad drängen ins Vakuum, eine neue Flüchtlingskrise bahnt sich an. […..]
Das Ansehen der USA, ihre Verlässlichkeit als Bündnis- und Verhandlungspartner, ist weltweit und auf lange Sicht beschädigt. Gestärkt sind Russland, Iran, Syrien und der IS, den Trump "von den Toten wiedererweckt hat", so ein US-Kommentator.
[…..] "Jeder, der Syrien helfen will, die Kurden zu beschützen, ist mir recht, ob Russland, China oder Napoleon Bonaparte", twitterte Trump am Montag unbeschwert. "Ich hoffe, sie schlagen sich toll, wir sind 7000 Meilen entfernt!" […..]