Dienstag, 4. Juni 2019

Botts B-Sternchen-Busen.


Nina Bott gehört zu den Namen, die ich genau wie „Rezo“ bisher nicht kannte.

Letzterer wurde inzwischen zu so einer Art politischer Youtube-Apotheose hochgejazzt und als solche SPIEGEL-Titelgeschichte und in allen Parteivorständen als möglicherweise Europawahl-entscheidender Mega-Influencer diskutiert.
Bott, 41, in Hamburg lebende ehemalige RTL-Soap-Darstellerin holte in einem Café ihre Brüste hervor, wurde daraufhin vom Kellner gebeten das Lokal zu verlassen, saß anschließend laut weinend vor dem Schaufenster und brachte es damit auf die Titelseiten der Boulevardpresse.
Nein, Frau Bott ist nicht etwa PussyRiot beigetreten und wollte ein politisches Statement abgeben.
Sie stillte lediglich ihr Gör namens „Lio“. Ihr drittes Kind nach Luna Victoria und Lennox – wie Kinder von B-Promis eben heißen.
Kinder in der Öffentlichkeit zu säugen ist eins dieser Dauerthemen, mit dem man sehr leicht kleine Shitstorms entfachen kann. So auch in diesem Fall.

[….] Unglaublich, was Dreifach-Mama Nina Bott (41) in einem Café in der Rindermarkthalle auf St. Pauli passiert ist. Weil sie ihren im Januar geborenen Sohn Lio stillen wollte, wurde die „Prominent“-Moderatorin prompt rausgeschmissen. Das sei ihr in 15 Jahren Mutter-Dasein noch nie passiert! „Ich hatte mich gerade diskret ausgepackt und Lio angedockt, da kam der Kellner“, so die einstige GZSZ-Schauspielerin. „Ich dachte, ah, jetzt kann ich noch ein Wasser dazu bestellen, weil man soll ja immer ein Wasser dazu trinken.“
Doch so weit kam es nicht. „Dann hat er mir gesagt, das geht nicht. Ich möchte bitte sofort gehen.“ [….]  „Ich hatte echt sofort Tränen in den Augen. Ich fühlte mich so richtig ausgestoßen.“
Dann habe sie sich einfach vors Café gestellt und im Stehen weitergestillt. [….]

Öffentliches Stillen ist natürlich rechtlich gesehen erlaubt. Ob das jeder Restaurantbesucher gerne sieht während er isst, steht auf einem anderen Blatt.
So wie bei Vermietern, die keine Hunde dulden oder auch dem inzwischen berühmte Rügener Restaurant „Omas Küche“, das Kinder aus seinen Räumen verbannte, gibt es auch im Fall Bott eine Riesenaufregung. Sofort werden Boykotte gegen den Gastronomen gefordert und Protestaktionen angekündigt.
Ein Uralt-Thema, das man schon aus „Married with Children“-Folgen der 1980er Jahre kennt. Mutter stillt in Al Bundys Schuhgeschäft, er beklagt sich darüber und sofort wird zu Protesten gegen sein Geschäft aufgerufen.
2019 sind wir als Gesellschaft also offenbar keinen Millimeter weiter, weil sich dieses Thema trefflich instrumentalisieren lässt.
Weltweit wird immer mal wieder in Einkaufzentren, Sportvereinen, Restaurants Stillen für unerwünscht erklärt („Nursing Ban“) und jedes Mal gibt es dann ein „Nurse-In“ oder ähnliche Formen des Aufheulens.
Denn was tut die öffentliche Mami Bott, wenn sie aus einem Lokal hinausgebeten wird?
Sie rennt natürlich sofort zur Boulevardpresse und nutzt ihre Kinder aus, um in die Schlagzeilen zu kommen.
Das macht sie immer so. Penetrant bringt sie alle ihre Kinder mit solchen Geschichten in die Medien.
Und so bekommen diese Proteste auch ihren schalen Beigeschmack.

[….] Schauspielerin Nina Botts erster Satz in ihrem neusten Blog-Eintrag lässt Schlimmes erwarten: "Erst hat Luna geweint, dann wir beide und dann nur noch ich... 'still' und heimlich", schreibt die Zweifach-Mama.
Nina Bott teilt intimen Moment mit Baby Luna auf Instagram!
Aber keine Angst: Sowohl dem Papa, als auch dem Bruder von Bott-Töchterchen Luna geht es gut. Der Grund, warum die beiden sich weinend in den Armen lagen: Nina Bott hat ihre 19 Monate alte Tochter zum letzten Mal gestillt. Abgestillt also. [….]

[….] Nach Luna und Lennox war die ehemalige GZSZ-Darstellerin zwischenzeitlich erneut schwanger. Doch es kam zu Komplikationen und in der Folge verlor sie das Kind. In einer mutigen Aktion ging sie später mit ihrer traurigen Geschichte an die Öffentlichkeit. [….]
(Gala, 17.01.2019)

[…. ] Auf ein Still-Fotos mit ihrem neugeborenen Söhnchen Lio auf Instagram reagierten einige ihrer Follower mit krassen Negativ-Kommentaren. Die Dreifach-Mama wehrt sich nun gegen die harte Kritik.
Knapp drei Wochen ist Lio, der Sohn von Nina Bott und ihrem Freund Benjamin Baarz, nun alt. Klar, dass die 41-Jährige den Kleinen da noch täglich stillt.  Die schöne Hamburgerin postete nun ein Bild des zärtlichen Mama-Sohn-Moments auf Instagram.
Doch das passte einigen Followern gar nicht – sie ließen ihrer Kritik freien Lauf [….]

[….] Ex-GZSZ-Star Nina Bott Warum benutzt sie ihre Tochter für Werbung?
[….] Grenzwertig oder völlig in Ordnung? Ex-GZSZ-Schauspielerin und Moderatorin Nina Bott wirbt in einer neuen Werbekampagne für Essig. Nichts ungewöhnliches für die Hamburgerin, die schon mehrmals für Werbung vor der Kamera stand. Aber: Mit auf dem Werbefoto ist dieses Mal auch ihre dreijährige Tochter Luna. [….]

Lios Geburt machte sie sofort mit Instagram-Fotos öffentlich; wie auch bei den vorherigen Geburten.

Ich will mich gar nicht inhaltlich in die Causa „Nursing ban“ einmischen, aber doch zwei Aspekte der Diskussionsführung beleuchten.

Interessanterweise stehen die rüden Attacken gegen diejenigen, die nicht so gern stillende Busen fremder Damen beim Essen vor der Nase haben, fast allein in der öffentlichen Diskussion.
Offensichtlich ahnen die meisten, daß Kinder und Hunde so positiv konnotiert werden, daß man nur verlieren kann, wenn man sich diesbezüglich skeptisch äußert. Die Still- und Hunde-Freunde scheinen 99% der medialen Aufmerksamkeit zu generieren und übertreffen sich dann an Radikalität.

(….) In welchem Lokal soll sich das zugetragen haben?
In einem Café in der Rindermarkthalle auf St. Pauli in Hamburg. Welches Café war es? Ich würde da große Aufkleber an die Außenwand kleben:
"STILLFEINDLICHES Café".
Kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte. Aber ich weiß auch nicht, warum sich Frauen das überhaupt bieten lassen. Ich hätte ihn angefaucht, was ihm denn einfallen würde. (….) diverse Medien verschiedensten Niveaus haben die Meldung gebracht. Klingt nach einer dpa-Quelle.
(……)  Dann wird das Café auch noch bekannt werden. Der Inhaber wird sich wohl warm anziehen müssen. (…..)

Ganz anders als die veröffentlichte Meinung reagieren aber die Konsumenten.
In Wahrheit sind die meisten froh, wenn sie eine Oase finden, in der sie von Kindergeschrei und Hundegebell verschont bleiben.

[…..]  Urlaub ohne Kind
Rügens kinderfreies Restaurant ist zum Bersten voll
[….] In „Oma's Küche” in Binz auf der Insel Rügen dürfen ab 17 Uhr keine Kinder. Die Medien stürzen sich auf dieses Restaurant – die Gäste auch. Und in den Sozialen Medien glühen die Kommentarspalten.
[….]  „Einige sind sogar spontan zum Essen gekommen”, erzählt Rudolf Markl. Sie hätten im Radio davon gehört und wären dann gleich zum Restaurant gesteuert. „Viele Kunden begrüßen die Maßnahme”, sagt Markl. „Das Restaurant ist voll”. Der Umsatz leidet also nicht. Im Gegenteil. Wegen fehlender Plätze mussten sogar schon einige Gäste wieder nach Hause geschickt werden, erzählt der Restaurantinhaber. [….]

Hier handelt es sich um einen der wenigen Fälle eines echten Tabus. Man kann nicht gegen aggressive Hunde argumentieren (Schuld sind selbstverständlich allein unqualifizierte und verantwortungslose Halter) oder aber infernalisch lärmende Kleinkinder (Schuld sind selbstverständlich allein unqualifizierte und verantwortungslose Smombi-Eltern, die ihren Kindern kein Vorbild sind) argumentieren, weil dann sofort die „sind Sie etwa ein Hundehasser? Sind Sie etwa ein Kinderfeind?“-Keule kommt.

Ich habe immer wieder meine Elterngeneration gefragt, wie die es damals mit uns handhabten? Ich wurde als Kleinkind auch immer mitgeschleppt. War das nie ein Problem?
Antwort meiner Mutter: Nein, nie, weil Du Dich nie so benommen hast.
 Vor Facebook und Instagram waren Eltern offensichtlich damit beschäftigt Eltern zu sein und auf ihre Kinder zu achten, statt in den Sozialen Medien mit ihrem Eltern-Sein zu prahlen.
Statt daneben zu sitzen, wenn im Freibad das eigene Kind ertrinkt, man aber nichts davon bemerkt, weil man immer nur aufs Handy starrt, haben meine Eltern offensichtlich tatsächlich aufgepasst, wenn ich als kleiner Hosenscheißer in unseren Gartenteich sprang.

Erstaunlich fehl am Platze erscheint mir auch die Argumentation mit der „Natürlichkeit“.

„Stillen ist die ursprünglichste, natürlichste Art der Nahrungsaufnahme (…..)Ich halte Menschen, die damit ein Problem haben, sowas in einem Café oder Restaurant miterleben zu dürfen (!), für ein wenig gestört in der Wahrnehmung von Menschen und Körperlichkeit. Wenn ein erwachsener Mann eine stillende Mutter sieht und "das" ekelig  (….)“dann ist bei solchen Männern ernsthaft was schiefgegangen (….)“

Das ist auch so ein Satz, der selbstverständlich stimmt, aber mit dem Thema rein gar nichts zu tun hat!
Denn nur weil etwas „natürlich und ursprünglich“ ist, gehört es nicht zu unserer Zivilisation das öffentlich zu praktizieren.
Geschlechtsverkehr, Stuhlgang oder auch einfach Schnarchen sind ebenfalls „natürlich und ursprünglich“, haben aber dennoch rein gar nichts in einem Lokal verloren, in dem andere Leute essen.
Es gibt auch Etablissements, in denen auf der Bühne Geschlechtsverkehr praktiziert wird, oder Stripclubs, in denen Männer keinen Zutritt haben.
Es ist doch zu begrüßen, daß sich jeder sein Refugium suchen kann, wo er sich wohlfühlt und daß es Gastronomen gibt, die all diese Nischen bedienen.
Ja, Geschlechtsverkehr ist auch absolut natürlich und ursprünglich.
Bestimmt will ich das nicht verbieten.
Aber dennoch würde ich nicht in einem Restaurant essen gehen, in dem die Tischnachbarn es miteinander treiben.
So wie es kinderfreie Ferienanlagen gibt, Nichtraucherbars oder Restaurants, in die man erst ab 12 darf, weil andere Erwachsene möglicherweise gern mal ohne Kindergeschrei essen, oder Geschäfte, in die man keine Hunde mithinein nehmen darf, kann es doch wohl auch Cafés geben, in denen Stillen nicht gern gesehen wird.
Da gehen dann eben Leute wie ich hin.
In der Mehrzahl der Gastrobetriebe sind Hunde, Kinder und stillende Mütter gern gesehen und da können die anderen ja hingehen.

Das Thema „Natürlichkeit“, das auch noch von besonders ungebildeten und verblödeten Menschen wie Andrea Nahles mit dem katholischen „Naturrecht“ verwechselt wird, wird gerne von progressiven Menschen gekapert, um damit gesellschaftliche Lockerungen zu rechtfertigen.
Die Homoehe soll erlaubt sein, weil Homosexualität im Tierreich bei tausenden Spezies vorkommt und daher „natürlich“ ist.

Hier werden Dinge vermischt, die nichts miteinander zu tun haben.
Ja, sicher soll die „Homoehe“ legal sein. Aber nicht, weil Tiere das auch so machen, sondern weil sie eine Produkt des evolutionären Humanismus ist.

Die natürlichen Vorgänge in Fauna und Flora, sind nicht grundsätzlich für die menschliche Gesellschaft geeignet, nur weil sie seit Millionen Jahren im Tierreich praktiziert werden.
Löwen zB killen andere Raubkatzen mit einem Genickbiss, weil es Nahrungsmittelkonkurrenten sind. Je mehr Leoparden und Geparden der Leo totbeißt, desto mehr Gazellen für ihn und damit umso größere Chancen seine Gene in seinen Kindern weiterzugeben.
Das ist evolutionär vernünftig.
Es ist auch vernünftig, daß eine Maus bei Nahrungsmangel oder drohender Gefahr durch zB eine Überschwemmung ihren eigenen Nachwuchs auffrisst, weil sie so mehr Energie hat, um erneut schwanger zu werden, falls sie ohnehin die Brut verliert.
Deswegen fressen sich ungeborene Haikinder schon gegenseitig im Uterus auf.

(….) Natürlichkeit verträgt sich allerdings nicht mit Zivilisation. Es wäre auch natürlich, daß Menschen ohne Zähne verhungern oder daß alte Menschen sehr oft blind werden.
Die Zivilisation ist aber unnatürlich. Deswegen bekommen in Hamburg Menschen mit Grauem Star eine Cataract-Operation. Wie am Fließband werden in einem kleinen ambulanten Eingriff neue Linsen eingesetzt und dabei auch gleich die Kurzsichtigkeit korrigiert.
Wir lassen der Natur eben nicht ihren Lauf, sondern greifen ein. Wir implantieren Zähne, passen Hochleistungshörgeräte und Cochlea-Implantate an, setzen Defibrillatoren und Pacemaker in die Brusthöhle, entfernen Tumore aus Prostata und Dickdarm. All das ist völlig unnatürlich und in der Geschichte der Menschheit sehr neu. Aber der evolutionäre Humanismus verlangt solche technischen Korrekturen an der natürlichen Biologie.
Dementsprechend wollen wir auch Kindersterblichkeit in Deutschland möglichst nicht akzeptieren – auch wenn das ein natürlicher Ausleseprozess wäre.
In vielen moralischen Aspekten ist Unnatürlichkeit überlegen.
Das betrifft den Beginn genauso wie das Ende des Lebens, welches wir mit Opiaten und Morphinen erheblich angenehmer gestalten, als es natürlich wäre.

Es ist natürlich Kinder aus Versehen zu zeugen, sie durch Verhütungsmittelfehlfunktionen zu generieren, sie aufgrund einer Gewalttat zu erschaffen. Das geht ganz leicht. Zehnjährige Mädchen werden ohne den Vorgang zu verstehen von ihrem elfjährigen Bruder geschwängert, oder es ist jemand nach einer nächtlichen Sauftour schwanger, ohne sich überhaupt zu erinnern Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. In vielen Teilen der Welt gibt es Massenvergewaltigung im Zuge ethnischer Kriege.
Die Kombination von Ei und Samenzelle zu einem neuen Leben funktioniert ohne Liebe, ohne Ethik, ohne Religion, ohne Vertrag und ohne Vertrauen. (……)

Also Nina Bott, es ist natürlich natürlich, Dein Kind zu stillen.
Das bedeutet aber noch lange nicht, daß dabei jeder zugucken soll.
Es ist auch natürlich, wenn Frau Bott nach dem Essen aufs Klo geht. Ich will das aber dennoch nicht sehen.
Auch wenn Bott ihre Kinder auf dem natürlichsten Wege zeugte, gibt es keinen Grund den Akt in einem öffentlichen Café vorzuführen.

Montag, 3. Juni 2019

Die arme Queen.


Als britische Königin macht man auch was mit.
Mit 93 Jahren muss sie gute Miene zum bösen Spiel machen und diese fürchterlichen Proleten Jared, Ivanka, Melania und Donald mit Pomp und allen staatlichen Ehren überhäufen, ihnen einen Toast aussprechen und den dicken orangen Tölpel nun auch noch während des gesamten Dinners an ihrer rechten Seite sitzen haben.
  Immerhin assistieren ihr Charles und Camilla bravourös und außerdem wird sie froh sein, daß ihr Ehemann Philip sich mit seinen 97 Jahren entschuldigen lässt und sich das Elend im Buckingham Palast nicht antut.

Peinlichkeit ist immer eine Frage er Fallhöhe. Rülpsen und Furzen ist weniger schlimm, wenn dies inmitten angetrunkener Teenager am Lagerfeuer geschieht, als wenn man damit seinen Banker bei offiziellen Verhandlungen um einen Immobilienkredit begrüßt.
Setzt man Trump und Elisabeth II. zusammen, generiert man den größtmöglichen Gegensatz. Einerseits die erfahrenste und beste Diplomatin der Welt, die wie niemand sonst die Contenance bewahren kann und andererseits das diametrale Gegenteil, das manisch jedes Porzellan zerschlägt und keine Minute ohne vulgäre Beleidigungen vergehen lässt.

Beim gegenwärtigen Staatsbesuch der Trump-Familie in Großbritannien gibt es wieder Trump as Trump can.

Meghan Markle, Herzogin von Sussex, Mitglied des Königshauses bezeichnete Trump quasi im Anflug auf London als „nasty“, betritt die Aussage anschließend wieder, obwohl sie auf Band festgehalten wurde.

Die wichtigste Regel der internationalen Diplomatie – sich bei Staatsbesuchen nicht in die inneren Angelegenheiten der besuchten Nation einzumischen – pulverisierte Trump gleich mehrfach.

Nächster Premier sollte Boris Johnson werden.

[….]  Donald Trump has backed Boris Johnson to be the next Prime Minister while Nigel Farage said he has been "banned" from meeting the US president.
Mr Trump, who is visiting the UK for a three-day state visit on Monday, said he thinks the former foreign secretary would be "excellent" as a successor to Theresa May.
Speaking to the Sun, Mr Trump said: "It's something that I find very interesting.
"I actually have studied it very hard. I know the different players.  "But I think Boris would do a very good job. I think he would be excellent." [….] (Daily Telegraph, 1 June 2019)

Der nächste diplomatische Affront erfolgte, indem der “No Nothing” aus dem Weißen Haus dem zukünftigen Regierungschef auch noch erklärte wie dieser bei dem seit drei Jahren gescheiterten Brexit-Verhandlungen agieren solle – und fiel damit gleich noch allen anderen EU-Partnern in den Rücken.


[….]  [….]  Vor seinem Staatsbesuch bekräftigte US-Präsident Donald Trump seine Meinung: May hat schlecht verhandelt, ein „No Deal“-Brexit wäre ganz toll, als britischer Verhandlungsführer wäre Farage, als nächster Premierminister Boris Johnson geeignet. Wenn man das vielstrapazierte Wort nochmal verwenden will; Bei dieser Einmischung in die Politik eines befreundeten Landes war der Begriff Demütigung gewiss angemessen. Von Farage, von Johnson, von ihren Freunden in den Medien dazu kein Wort. Ein jämmerliches Bild.
Bei der Pressekonferenz am Dienstag könnte May zum ersten und letzten Mal in ihrer unglückseligen Amtszeit Format zeigen und dem unverschämten Besucher mit ein paar klaren Sätzen über die Grenzen transatlantischer Einmischung den Kopf waschen. Die Erfahrung lehrt: Es wird wohl nicht dazu kommen. [….]

Da das Fass längst übergelaufen ist, wundert es kaum wie IQ45 aus der Air Force One über London schwebend seinen Gastgeber, den Londoner Bürgermeister Khan rabiat bepöbelte:

[….] Trump trug im Vorfeld auch viel dazu bei, seine Gastgeber zu düpieren. So beschimpfte er den Londoner Bürgermeister Sadiq Khan, den er auf dem Weg nach Großbritannien als "Verlierer" bezeichnete. Der Labour-Politiker mache einen "furchtbaren Job". Khans Sprecher wies Trumps Kritik als beleidigend zurück. [….]

Anders als das im Protokoll gefangene Staatsoberhaupt und die erbärmliche Noch-Regierungschefin May, tat Khan das wofür er gewählt wurde und hielt die humanistischen Werte Englands hoch.

[….] "Ihre Werte und wofür Sie stehen sind das komplette Gegenteil der Werte Londons und dieses Landes." Londons Bürgermeister Sadiq Khan empfing am Montag US-Präsident Donald Trump zu dessen dreitägigem Staatsbesuch in Großbritannien mit einer Videobotschaft, die es in sich hat.
"Präsident Trump, wenn Sie das sehen", beginnt Kahn. "Für uns ist Diversität keine Schwäche, sondern eine Stärke. Wir respektieren Frauen und wir denken, sie sind Männern ebenbürtig, wir denken, es ist richtig, unser aller Rechte zu schützen, und besonders die Rechte der Verwundbaren und an den Rand Gedrängten", so Khan weiter. [….]


Die arme Queen; wie halt sie das nur aus, diesen bornierten und ignoranten Trampel zu hofieren?
Vermutlich, weil sie ein knappes Jahrhundert lang für diesen Moment trainierte und sich wie niemand sonst auf der Welt zusammenreißen kann.
Sie ist die vollendete Gastgeberin, auf die alle Briten stolz sein können.
Genau wie sich heute alle Amerikaner für ihren Präsidenten in Grund und Boden schämen sollten.

Elisabeth II. ist allerdings auch keine Maschine, sondern ein Mensch mit Emotionen. Emotionen, die sie nicht völlig abschütteln kann.
Camilla, Charles und Elisabeth lauschten mit versteinerten Mienen  und ohne eine Regung dem Toast des US-Präsidenten beim Statedinner.


Man muss kein Psychologe sein, um zu erkennen, wer bei den Windsors richtig unbeliebt ist.
Die 93-Jährige Dame kann nämlich auch ganz anders, kindliche Freude empfinden und strahlen wie ein Honigkuchenpferd, wenn sie jemand wirklich mag.
Wie zum Beispiel die Obamas.






Sonntag, 2. Juni 2019

Frauenkarte wegschmeißen


Um 09.55 Uhr hatte ich heute Morgen die Nahles-Bombe in meiner Mail-Box.
Immerhin, als SPD-Mitglied erfuhr man es als Erstes.

Zwei positive Sätze über Andrea Nahles will ich ausdrücken:

1.
Ich respektiere ihr Engagement. Die SPD liegt ihr wirklich am Herzen. Sie wollte die Partei wieder aufrichten.

2.
Ich respektiere ihre Konsequenz. Nahles läßt diesmal kein Hintertürchen offen. Parteivorsitz, Fraktionsvorsitz und Bundestagsmandat legt sie nieder, also ist Schluss mit aktiver Politik.

Und ja, natürlich tut sie mir persönlich Leid, wie es mir immer Leid tut, wenn eine öffentliche Figur total scheitert und ihr gesamtes Lebenswerk atomisiert am Boden liegt. Theresa May erwischte es erst vor einer Woche.

[…..] Ich wäre ein schlechter Richter, weil ich viel zu viel Mitleid empfinde.
Mir tat sogar Saddam Hussein leid, als er bärtig und halbverhungert aus seinem Erdloch gezerrt und später zu Tode gefoltert wurde. Oder Gaddafi, der von seinen Häschern gepfählt wurde, bis es ihm den Darm zerriss.
Natürlich will ich nicht sagen, daß einer der beiden Ex-Diktatoren ein netter Mensch war. Beide haben noch Schlimmeres veranlasst, als das was ihnen final widerfuhr.
Ich mag mich dennoch nicht an Leid und Folter alter Leute erfreuen.
Die weinende May, die ihren Lebensinhalt – den Vorsitz der Tories – aufgibt und gerade noch trotzig rausbrachte, sie liebe das Land, erlitt heute auch die maximale Folterstrafe.
Sie wird in die Geschichte eingehen als größte Versagerin aller britischen Regierungschefs, die in drei Jahren nicht einen einzigen politischen Erfolg vorzuweisen hatte, ihre stolze Nation zum internationalen Gespött machte, ihre heißgeliebte Partei, für die sie einst mit absoluter Mehrheit Premierministerin wurde bei den gestrigen Europawahlen in die Einstelligkeit führte und als Krönung auch noch auf der menschlichen Ebene jedes einzelne Stück Porzellan zerschlug.
In ihrer eigenen Partei schlägt ihr blanker Hass entgegen, niemand weint ihr eine Träne nach, jeder ist froh sie loszuwerden und hält diesen Schritt für weit überfällig.
Was für ein bitteres Ende. [….]

Kevin Kühnert schämt sich sogar öffentlich dafür immerfort an Nahles‘ Stuhl gesägt zu haben.


Und Lars Klingbeil, der für mich völlig unverständlich immer noch als „Lichtblick“ eingeschätzt wird…

[….] Die SPD-Parteispitze ist ein Sammelsurium von Menschen, die es immer weniger schaffen, den Nerv der Zeit zu treffen. Oder ihn nie getroffen haben wie der notorische Wahlverlierer Ralf Stegner. Einzig Malu Dreyer und natürlich der Generalsekretär Lars Klingbeil sind Lichtblicke. [….]

… übertrifft sich mal wieder selbst mit seinen hohlen Phrasen.

[….] "Es muss ein Ruck durch diese Partei gehen"
Das fordert SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil anlässlich des Rücktritts von Andrea Nahles – und wohl auch angesichts der desaströsen Wahl- und Umfrageergebnisse. [….]

Klingbeil hatte am 26.05.2019 ex cathedra erklärt, nun dürfe es keine Personaldiskussionen geben – eine Stunde bevor seine Chefin eine riesige Personaldiskussion anzettelte.

Viele Sozialdemokraten streuen nun Asche auf ihr Haupt. Das wäre doch irgendwie unfair, wie man mit Nahles verfahren wäre.

[…..] "Es macht mich fassungslos und sagt vieles aus über den Zustand einer Partei und den Charakter handelnder Akteure wie man mit Andrea Nahles umgegangen ist", sagte Harald Christ, Präsidiumsmitglied des SPD-Wirtschaftsforums, dem SPIEGEL. "Es darf jetzt keine Gewinner geben die hinter diesem Angriff stehen, es wäre grotesk wenn diese Methoden noch belohnt würden."
Auch der Europa-Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth (SPD), zeigte sich erschüttert über schlechten Stil in seiner Partei: "Liebe Andrea Nahles! Der öffentliche Umgang mit Dir war schändlich. Einige in der SPD sollten sich schämen. Du hast Dich nach Kräften bemüht, manche Wunde der Vergangenheit endlich zu heilen. Danke für Deinen Einsatz! Respekt für diese Entscheidung." […..]

Der Anstand gebietet es einer so tief Gefallenen noch nachzutreten.
Das ist schon richtig so. Im Augenblick der größten Qual einer Vollblutpolitikerin soll man nicht gehässig sein und natürlich stinkt es, wenn gerade die eifrigsten Nahles-Kritiker jetzt Krokodiltränen vergießen.
Den Angehörigen der Nahles-Kamarilla nehme ich ihre ehrliche Trauer ab.

Häme zieht ihr Vorvorgänger und Hauptkritiker Sigmar Gabriel auf sich, weil er nun einen sachlichen Diskurs anmahnt.

[….] Zuvor hatte sich bereits Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel zu Wort gemeldet und eine "Entgiftung" der SPD gefordert. "Solange die SPD sich nur mit sich selbst beschäftigt, solange es nur um das Durchsetzen oder Verhindern von innerparteilichen Machtpositionen geht, werden die Menschen sich weiter von uns abwenden", sagte er der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (HAZ). Auch künftig dürfe in der Partei hart über inhaltliche Differenzen gestritten werden, sagte Gabriel, der in seiner Zeit häufig mit Nahles über Kreuz lag. Nötig sei aber ein ehrliches Interesse an Menschen und ein freundlicher und solidarischer Umgang "nach innen und außen". [….]

Ich finde allerdings seine Einlassungen geradezu milde. Schließlich hatte er mit offenen Visier Nahles kritisiert und hat allen Grund sich über sie zu ärgern.
Gabriel wurde immerhin als beliebtester Politiker Deutschlands und gegen seinen Willen von Nahles als Außenminister zu Gunsten eines typischen Nahles-Hinterzimmerdeals abgesägt. Sie verkündete Schulz werde neuer Außenminister und beendete Gabriels politische Karriere.
Es war nur einer der unzähligen brutalen Nahles-Mauscheleien, bei denen sie sich auf Kosten Anderer Macht sichern wollte und dabei ob ihrer grandiosen Tölpelhaftigkeit der Partei schwer schadete und verbrannte Erde hinterließ.

Auch wenn mir Nahles als Privatmensch Leid tut, gehe ich nicht so weit wie Kühnert und schäme mich dafür wie böse ich ihr immer zusetzte.
Ich nehme für mich in Anspruch kein Opportunist zu sein und kritisiere die extrem fromme Katholikin schon öffentlich seit sie Juso-Vorsitzende wurde.
Ich habe sie auch scharf kritisiert als die SPD Ende der 1990er im Zenit ihrer Macht war. Sie geht mir aus vielen Gründen, politisch Relevanten und auch gänzlich Irrelevanten auf die Nerven.
Ich teile aber insbesondere ihr religiöses Weltbild, ihre Papst-Verehrung, das Verbot säkularer Gruppen in der SPD, ihre Eintreten gegen umfassende Patientenverfügungen und Sterbehilfe nicht.
Und ich halte sie für eine erbärmlich schlechte Strategin, die der SPD unterm Strich immer mehr schadete als half.
Ihr Agieren in demn letzten Tagen war ein Paradebeispiel dafür.
Selbst ihre wohlmeinendsten Freunde in der Fraktion schlugen nur noch die Hände über dem Kopf zusammen angesichts der völlig realitätsentkoppelten und beratungsresistenten Chefin.

[…..] Dann sprechen die Abgeordneten wieder über Nahles' Plan. Viele sind dagegen, sie fürchten, dass die Vorsitzende mit ihrem Vorstoß die Fraktion erst recht spalten wird. Manche sind regelrecht verzweifelt angesichts der Sturheit ihrer Chefin.
"Ich halte die Entscheidung, nächste Woche die Entscheidung herbeizuführen, für falsch", sagt Fraktionsvize Sören Bartol aus Hessen nach übereinstimmenden Angaben. "Machtpolitisch entspricht das dem Lehrbuch. Ich glaube aber, dass das Ergebnis uns alle umbringt." [….]
(DER SPIEGEL, 01.06.2019)

Genau das ist das Problem mit Nahles. Sie ist eine absolute Instinktpolitikerin, die nur aus dem Bauch heraus entscheidet.
Leider hat sie aber einen sehr schlechten Instinkt und irrt sich meistens.
Sie müsste die Optionen, die sich ergeben zu Ende durchdenken, aber dazu fehlt ihr ganz offensichtlich die Intelligenz. Und so führte sie auch diesmal ihre Partei in die Sackgasse.

Natürlich kann die SPD in dieser Megakrise keine handfeste Führungskrise, die auch noch die gesamte Bundesregierung an den Abgrund führt, gebrauchen.
Es wäre schön gewesen, wenn Nahles uns das erspart hätte.
Sie konnte es aber nicht, weil sie einfach eine schlechte Politikerin ist. Sie machte so viel falsch, daß die Option sie zu halten nicht mehr blieb.

Als einfaches Parteimitglied fühle ich mich bei Nahles-Auftritten immer wie Uwe Schmidt.

[….MdB] Uwe Schmidt, gelernter Hafenfacharbeiter aus Bremerhaven, erzählt, er habe neulich bei einem missglückten Wahlkampfauftritt hinter Nahles gesessen. Er habe seine Sonnenbrille nicht abgenommen – "weil ich nicht erkannt werden wollte". [….]
(DER SPIEGEL, 01.06.2019)

Nahles mag fleißig sein und sich Mühe geben, aber man kann nicht Parteichefin sein, wenn sich die Mitglieder für sie schämen müssen und immer nur bangen nicht auf die Peinlichkeiten aus dem Willy-Brandt-Haus angesprochen zu werden.

Sie ist nicht an den Intrigen und Lügen und Kabalen und Durchstechereien gescheitert, denn darin ist sie selbst Meisterin. Sie ist die Königin des Apparates, das Strippenziehen ist ihre erste Natur.
Sie ist nicht der arme Martin Schulz, der aus dem edlen, aber fernen Brüssel in die Berliner Schlangengrube geworfen wurde, sondern sie ist diejenige, die seit 30 Jahren Schlangen züchtet.

Wolfgang Thierse, der zweite Top-Katholiban der SPD, der auch schon so viel dafür tat die Wähler von der Partei wegzutreiben, sprang seiner Glaubensgenossin natürlich bei.

[….]  Der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse hat seine Parteimitglieder nun davor gewarnt, die SPD-Chefin zu stürzen. "Nachdem die SPD in ihrer großen und langen Geschichte mit Andrea Nahles zum ersten Mal eine Frau an ihre Spitze gewählt hat – welches Zeichen ist es, wenn diese Frau nach einem Jahr wieder gestürzt wird?", schrieb Thierse laut einem Bericht des Tagesspiegels in einem Appell an die SPD-Bundestagsabgeordneten.
"So sehr es menschlich verständlich ist, nach einer furchtbaren Wahlniederlage Personalfragen zu diskutieren – es ist der falsche Weg." In den vergangenen drei Jahrzehnten seiner SPD-Mitgliedschaft habe die Partei 13 Vorsitzende verschlissen "und damit den Niedergang der SPD nicht aufgehalten, sondern vielmehr befördert". [….]

Auch Thierse, wie die meisten Religioten mit sicherem Instinkt für den größtmöglichen Fehlschluss.
Natürlich möchte man nicht gern dauernd den Zug wechseln, aber wenn dieser Kurs auf die Wand nimmt, muss man leider abspringen.

Ekelhaft finde ich allerdings, wenn so ein eifriger Unterstützer der frauenfeindlichsten Großorganisation der Welt, ZdK-Mitglied Thierse nun die Frauenkarte spielt. Was für ein Heuchler!

In diesem Blog gibt es hunderte Artikel mit scharfen Angriffen gegen Andrea Nahles, weil sie immer wieder so viel falsch macht.
Das Einzige, das ich ihr genauso wenig wie andere ihr jemals vorwarfen, ist es eine Frau zu sein.
Sie ist Politikerin und für ihre Rolle als Partei- und Fraktionsvorsitzende spielt ihr Geschlecht keine Rolle.
England hatte schon zwei konservative Premierministerinnen, Deutschland eine Kanzlerin, zwei CDU-Chefinnen. Es amtieren deutsche Ministerpräsidentinnen, die Grünen haben seit Jahrzehnten weibliche Sprecher.
Jetzt soll ausgerechnet die SPD milder mit Nahles umgehen, weil sie kein Mann ist?

Bei Thierse wundert mich gar nichts mehr, aber wieso kommt der von mir hochgeschätzte MdB Lauterbach, Mitglied der Parlamentarischen Linken (PL) ebenfalls mit diesem Argument? Er fragte öffentlich, ob man auch so unfair mit Nahles umgegangen wäre, wenn sie ein Mann gewesen wäre?
Ja, wäre man. Als Beleg gelten all die Männer, mit denen Nahles unfair umging und sie brutal wegmobbte – Müntefering, Schulz, Scharping, Gabriel.

[…..] Für Fraktionsvize Karl Lauterbach brachte das Thema Frauenfeindlichkeit ins Gespräch: „Da hat auch Frauenfeindlichkeit eine Rolle gespielt“, sagte Lauterbach der Welt. In der SPD müsse man sich nun überlegen, in welchem Stil man in Zukunft miteinander umgehen wolle. [….]
(RND, 02.06.19)

Nein, das weise ich empört zurück.
Man kann mir Katholikenfeindlichkeit oder vielleicht auch Eifel-Feindlichkeit, ganz sicher sogar Karnevals-Feindlichkeit unterstellen.
Aber daß Nahles eine Frau ist, spielt keine Rolle.
Sie ist einfach eine ganz schlechte Politikerin. Unabhängig davon ob sie XX- oder XY-Chromosomen hat.