Sonntag, 23. September 2018

Der weise Mensch

Heute bin ich zu müde mich noch mal mit der Causa Maaßen auseinander zu setzen.
Schon drei große Koalitionskrisensitzungen, die Deutschland an den Rande der Regierungsfähigkeit bringen, weil die schwache Rudimentärkanzlerin nicht in der Lage ist einen einzigen B9-Beamten zu feuern, der drauf und dran ist die viertgrößte Wirtschaftsmacht der Erde lahmzulegen mit seinem Starrsinn.
Hätte Maaßen auch nur das kleinste bißchen Anstand und Integrität in sich, würde er seinem Land den Dienst erweisen zurück zu treten und damit den gordisch-germanischen Megaknoten auflösen.
Das hartnäckig zu verweigern ist schon Beleg genug dafür, daß er in der Regierung nichts verloren hat.

Nun also wieder ein fauler Kompromiss; Maaßen wird nicht B11-Staatssekretär, sondern B9-Sonderberater Seehofers.

[….] FDP-Chef Christian Lindner kritisierte die Versetzung. "Es wird der Posten eines Frühstücksdirektors geschaffen", twitterte Lindner. "Das offenbart den Charakter der GroKo. Abgekoppelt von realen Problemlösungen geht es nur noch um Gesichtswahrung und Beschwichtigung." [….]

[….] Ähnlich äußerte sich auch die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt: "Die Groko hat kein Problem gelöst, das real existiert, sondern nur welche, die sie selbst geschaffen hatte. Merkel, Seehofer, Nahles, Maaßen", schrieb sie auf Twitter. In einem anderen Tweet von ihr hieß es: "Und Maaßen bleibt. Das schafft wieder neue Probleme. Es bleibt der, der das Parlament bei Amri belogen hat, der die AfD coacht und rechte Verschwörungstheorien verbreitet".
"Merkel und Nahles sind offenbar begriffsstutzig. Dieses Postengeschacher versteht kein Mensch", hieß es von Linken-Chef Bernd Riexinger. "Es geht im Fall Maaßen nicht nur um die Gehaltserhöhung. Der Mann verbreitet aus höchster Position rechte Fake-News und sollte daher kein öffentliches hohes Amt mehr bekleiden." [….]

Alle anderen Menschen konnten den neu anschwellenden Shitstorm vorhersehen. Nur eben die drei Parteivorsitzeden der Regierungsparteien nicht.

Wie konnte das passieren?

Seehofer, der schon lange soziopathische Züge trägt, ist endgültig im Nero-Modus. Sein geliebter Ministerpräsidentenjob ist weg, er wird wissen, daß er in vier Wochen nach der Bayernwahl auch den CSU-Parteichefjob verliert, mutmaßlich auch seinen Regierungsjob.
Er ist getrieben von destruktivem Hass auf Merkel, die er einfach nicht loswird.
Lieber sprengt er die Bundesregierung und zieht CDU und SPD mit in den Abgrund, als selbst zum Wohle des Ganzen zurückzutreten.
Er gönnt den beiden Chefinnen der größeren Parteien nicht das Schwarze unter den Fingernägeln.
Merkel und Nahles wissen um Seehofers Psyche, fürchten offensichtlich, er könne noch mehr Amok laufen. Nicht ausgeschlossen, daß er noch mehr Sprengsätze im Bundeskanzleramt platziert hat und bereit wäre alles zum Einsturz zu bringen.
Die Bundeskanzlerin ist so schwach, daß sie korrumpierbar und erpressbar ist von einem senilen Ingolstätter Geisterfahrer.
Wieso glauben die beiden Damen am Ende ihrer Karrieren Crazy Horst einfach aussitzen zu können, ohne daß die Wähler mit Forken und Mistgabeln das Kanzleramt einrennen?

Ein Grund ist sicher, daß beide einen funktionierenden kleinen Kreis von extrem verschwiegenen vertrauten Ja-Sagern um sich geschaffen haben.
Merkels „girlscamp“ ist schon seit 20 Jahren legendär, aber auch Nahles schuf in ihrer Zeit als Arbeitsministerin einen Zirkel aus 100%igen Fans um sich herum, die sie verteidigen und unterstützen (was sehr gut ist), die sie aber eben auch komplett abschirmen und vom Rest der Partei isolieren (das ist schlecht).

In dieser kleinen Sonderblase innerhalb der Regierungsblase fehlt jegliche Erdung mit der Realität und so gelangt die Chefin immer wieder zu katastrophalen Fehleinschätzungen - Gang in die Groko, Außenminister Schulz, Maaßen-Beförderung. Niemand sagt ihr wie das bei Otto Normalverbraucher ankommt und das ist umso schlimmer, weil sie anders als Schmidt, Schröder oder Gabriel über kein natürliches Gespür für die Parteibasis verfügt.

Aber man soll Nahles nicht immer nur kritisieren. Sie verfügt immerhin auch über die beeindruckende Fähigkeit große Fehler der CDU und CSU so aufzugreifen, daß am Ende die SPD dumm dasteht und noch mehr in Umfragen abrutscht.
Damit gelingt es ihr politische Naturgesetze außer Kraft zu setzen. Normalerweise profitiert die andere Volkspartei von schweren Fehlern der einen.
Die 2018ner SPD versteht es hingegen devot ihren Hintern für Arschtritte zu präsentieren, wenn Seehofer oder Merkel versagen.

[…..] Die SPD hat es tatsächlichgeschafft, am Ende einer Krise, die sie nicht betraf und für die sie nichts konnte, als Verliererin dazustehen.Das muss man der Partei lassen: Im Verlieren ist sie unschlagbar. […..] In der Causa Maaßen hat sich Andrea Nahles von Horst Seehofer nach allen Regeln der Kunst über den Tisch ziehen lassen. […..]  Was lernen die Genossen daraus? Nichts. Wie immer.
Längst erinnert die SPD an Sandor Nadelmann, jene tragische Figur, von der Woody Allen erzählt hat. Nadelmann beugte sich einmal in der Mailänder Scala zu weit aus seiner Loge und fiel kopfüber in den Orchestergraben. Und damit niemand denken konnte, das sei aus Versehen geschehen, stürzte er sich von da an jeden Abend in die Tiefe. [….]
(Jakob Augstein, 22.09.2018)

[….] Wenn die SPD derzeit ein Talent besitzt, dann besteht es darin, die Krisen der Kanzlerin in eigene zu verwandeln. Als im Herbst des vergangenen Jahres die Verhandlungen über das Jamaikabündnis platzten, dauerte es nur ein paar Stunden, bis sich die SPD heillos über die Frage zerstritt, ob man nun über eine Große Koalition verhandeln wolle oder nicht. Am Ende war Parteichef Martin Schulz nicht nur sein Amt los, sondern war er ganz aus der ersten Reihe der Politik verschwunden. [….]
(SPIEGEL Nr. 39, 22.09.18, s.26.)

So sympathisch ich es finde, wenn eine (noch) große Regierungspartei nicht nur aus gefühllosen Technokraten besteht und es auch mal menscheln lässt: Etwas Professionalität wäre auch nicht schlecht. Man muß nicht seine ganze Mühe dafür verwenden auch ganz sicher jeden einzelnen Fettnapf mitzunehmen.

Vermutlich bin ich auch einfach nur naiv, wenn ich nach all den Jahren immer noch einen gewissen Restverstand und Lernfähigkeit von Menschen erwarte.

Wir leben immerhin in einer Welt, in der mit großen Lettern davor gewarnt wird eine Tiefkühlpizza mit der Plastikfolie in den Ofen zu tun.
Beim Kauf einer Mikrowelle werden Amerikaner davor gewarnt ihre Haustiere nicht darin zu trocknen.
Damit sind die Gefahren der heutigen Welt für Homo Demens noch lange nicht erschöpfend behandelt.

[….] An Albuquerque woman is suing Samsung for $1.8 million after she necessitated medical attention after inserting her cell phone inside her vagina and was unable to retrieve it for 96 hours.
Salma Briant, 39, claims her medical bills at the University of New Mexico Hospital amount to $1,168,000 and that she has suffered from severe psychological distress because of the whole ordeal.
Briant said she first inserted the cell phone inside her vagina as a dare from one of her friends but quickly realized that the phone would not come out. [….]

Diese Meldung schwappt heute durch alle sozialen Medien, ohne daß bisher jemand auf die Idee gekommen ist nach der Quelle zu gucken.
Worldnewsdailyreport. Kanadische Satire. Aber macht ja nichts. Im Zeitalter von Fake News und Alternative Reality ist das genauso seriös wie CNN.

An anderer Stelle wird die brisante Frage wieder aufgeworfen, ob Hunde über Gehirne verfügen. Da sie nicht sprechen können und nur auf Befehl von Menschen gehen, kann das ja eigentlich nicht sein.


Trisha Kay Paytas, 30, Youtuberin aus Kalifornien mit 4,4 Millionen Followern scheint eine geschäftstüchtige Trollerin zu sein.
Oder ist das keine Satire?

Wer weiß das schon in Zeiten, in denen einen SPD-Chefin voller Zufriedenheit vom Platz geht, nachdem der von ihr geforderte Rücktritt Maaßens eine Beförderung wurde und dafür der untadelige SPD-Staatssekretär Adler gefeuert wurde?

Vielleicht steckt ja auch Sacha Baron Cohen unter der Nahles Maske und Horst Seehofer entpuppt sich als vor langer Zeit eingeschleuster Titanic-Redakteur, der auf Geheiß Martin Sonneborns einen Groß-Witz inszeniert.
Auch Donald Trump kann man nur als Agent von THE ONION wirklich verstehen. Die groteske Maske, das orange Spray-Tanning und der dadaistische Blödsinn, den er kontinuierlich von sich gibt, lassen gar keinen anderen Schluss zu!

Samstag, 22. September 2018

Konservative Alleinstellungsmerkmale.


Die Zeiten, als Rechte für Arbeitgeber und Linke für Arbeitnehmer kämpften sind schon deswegen vorbei, weil die Frage was eigentlich im Sinne der „Werktätigen“ ist nach immer komplexeren Antworten verlangt.
Die Höhe des Lohns ist immer noch wichtig, aber was nützt ein ausreichendes Gehalt, wenn die man keine Wohnung bekommt, im Alter nicht versorgt ist, Klima und Umwelt dabei ruiniert werden, wenn in anderen Teilen der Welt dafür Menschen leiden müssen oder die Kinder keine Jobs und Ausbildungen bekommen?

Umweltschutz ist keine rein Grüne Spinnerei mehr, sondern ein knallhartes Geschäft, eine Frage von internationaler Bedeutung. Schon seit 20 Jahren melden sich C-Parteiler zu Wort mit der Feststellung, daß die Bewahrung der Schöpfung ein konservatives Ansinnen wäre.

War es in den ersten Jahrzenten der Bundesrepublik noch selbstverständlich in der Kirche vom Pfaff zur Wahl von CDU und CSU aufgerufen zu werden, weil die Sozialisten sich gegen Gott stellten und die natürliche Ordnung von der Herrschaft des Mannes über das Weib durcheinanderbrächten, sind inzwischen Grüne und Sozis auf Christenkurs. So mancher Bischof hadert mit der menschenfeindlichen Flüchtlingspolitik der Unionsparteien.

Vor nicht allzu langer Zeit spie die CDU noch Gift und Galle gegen die SPD, wenn diese sich nicht scharf genug gegen jede Zusammenarbeit mit den Linken aussprach, baute ganze Bundestagswahlkämpfe auf Rote-Socken-Kampagnen auf. Inzwischen gibt es CDU-Ministerpräsidenten, die das nicht nur nicht mehr bei der SPD verdammen, sondern sogar selbst mit den Linken koalieren würden.

Der radikal ausbeuterische Milliardär Donald Trump, der seine Angestellten notorisch schlecht oder gar nicht bezahlt, seine eigenen Produkte billig in China herstellen lässt, wird zum Vorkämpfer für die klassischen blue-collar-worker und attackiert Hersteller, die nicht in den USA produzieren.

Eben jener Trump, der zwei Scheidungen, unzählige Sexaffären, Schweigegeldzahlungen an Pornodarstellerinnen, Pussy-grabbing-Prahlereien sowie eine dokumentierte Kette von über 5.000 öffentlichen Lügen am Hals hat, mutierte heute zum Idol der konservativsten Bibel-Fanatiker, die auf Einhaltung der Zehn Gebote (du sollst nicht lügen, du sollst nicht ehebrechen) pochen.

Es ist alles so durcheinander in einer Zeit, wenn Wolfgang Schäuble und Edmund Stoiber, die einst massiv die Gleichstellung von Homosexuellen bekämpften heute dazu aufrufen den schwulen Jens Spahn zum Merkel-Nachfolger als Bundeskanzler zu machen.

Glücklicherweise gibt es noch ein Alleinstellungsmerkmal der Konservativen und Strenggläubigen.

Man kann jenseits und diesseits des Atlantiks Rechte und Liberale durchaus noch auseinanderhalten, wenn man den Lackmustest VERGEWALTIGUNG oder das Phenolphthalein PÄDOPHILIE anwendet:
Hier glänzen die Konservativen und Gläubigen mit einer schier grenzenlosen Toleranz.
Seit 20 Jahren schwappen inzwischen immer wieder neue Berichte von Myriaden sexuell belästigter Jungs durch die römisch-katholische Welt, aber die Rechten und Katholiban stehen fest zu einander, wenn es darum geht die Täter gegen die Opfer zu schützen.
Heute schreibt der SPIEGEL in einer großen Titelgeschichte gegen den Pädosex-toleranten Papst an, aber auch das werden die Bischöfe gemütlich aussitzen.
Macht ja nichts. Macht nichts bei Konservativen. Bekanntlich ist das ganz anders, wenn auch nur ein einzelner Sozi (Sebastian Edathy) oder Grüner (Volker Beck) in den Hauch eines solchen Verdachtes gerät. Dann ist aber was los.
Tausende konservative Kinderficker hingegen werden achselzuckend akzeptiert.

[….] Die Spitze der römisch-katholischen Kirche der Niederlande hat einem Zeitungsbericht zufolge jahrzehntelang den sexuellen Missbrauch von Hunderten Kindern durch Priester vertuscht. Mehr als die Hälfte der Bischöfe und Kardinäle soll vom Missbrauch gewusst haben.
Das geht aus einer Untersuchung des „NRC Handelsblad“ hervor. Eine Kirchensprecherin bestätigte Medienberichten zufolge „einen Teil“ der Angaben. [….]

[….] Das Bistum Brooklyn in New York zahlt vier Opfern von sexuellem Missbrauch durch einen Religionslehrer die Rekordsumme von 27,5 Millionen Dollar. [….]

[….]  Pädophile Geistliche an der Jesuitenschule in Bonn
Ein offenes Geheimnis
Im Aloisiuskolleg in Bonn-Bad Godesberg haben Geistliche jahrzehntelang Jugendliche gedemütigt und missbraucht. [….]

In den USA ist es sogar eine gesamte Regierungspartei, die sich ausdrücklich auf die Seite von Vergewaltigern und Kinderquälern stellt.
Dutzende Frauen beschuldigen den US-Präsidenten detailliert der sexuellen Übergriffigkeit. Die Glaubwürdigkeit solcher Berichte ist wegen der bekannten Aufzeichnungen von Trumps Prahlerei mit eben diesen Übergriffen sehr hoch.

They’re not the party of Lincoln, they’re the party of Roy Moore and the Grand Old Pedophiles, is what they are. Grand Old Perverts who are willing to compromise morals and conviction and decency for a vote. That’s the message they’re sending.”


I’m watching the Republican Party destroy itself. The tribalism that we are seeing within the party, what’s happening in Alabama, the fact that the national party now is backing this incredibly accused child molester is despicable.”

Ungewöhnlich, wenn doch mal ein Republikaner wegen Kindersex sein Amt aufgibt.

[…..] Minnesota Republican state Rep. Jim Knoblach abruptly dropped his re-election bid Friday, after Minnesota Public Radio reported that his grown daughter is accusing him of sexual abuse.
Knoblach’s 23-year-old daughter Laura told MPR that Knoblach had touched her inappropriately for most of her life, with her first memories of the abuse beginning at age nine. She says she told authority figures at her school and at her church for years. [….]

Sehr gewöhnlich hingegen, daß Laura Knoblach seit Jahren davon erzählte und niemand in Schule oder Kirche Anstoß daran nahm.

Wir erinnern uns an den ephebophil übergriffigen Superkonservativen Roy Moore, der für Alabama in den US-Senat ziehen wollte und auf die volle Unterstützung des Weißen Hauses zählen konnte. Kein Wunder, darin wimmelt es jetzt von Vergewaltigern und Schlägern.

[…..] Nachdem der 19-fach der sexuellen Belästigung beschuldigte Trump für den Kindergrabscher Roy Moore eintrat, lobt er nun den in Schimpf und Schande gegangenen Staatssekretär Rob Porter, der seine beiden Ex-Frauen verprügelt und vergewaltigt hatte.
Seine Vorgesetzten, insbesondere Stabschef Kelly wußten seit Monaten Bescheid.
Aber macht ja nichts.

  [….]  Nun steht der 67-Jährige selbst im Zentrum der Aufmerksamkeit - und in der Kritik. Zunächst sorgte es für Verwunderung, dass Ex-General Kelly in einem ersten Statement Porter als "Mann von echter Integrität und Ehre" bezeichnet hatte, über den "ich nicht genug gute Dinge sagen kann". Als dann das Foto von Porters Ex-Frau mit dem blauen Auge auftauchte, musste sich Kelly korrigieren und erklärte, er habe die Vorwürfe nicht "im vollen Umfang" gekannt. Er sei "schockiert" und betonte, dass es für häusliche Gewalt in der Gesellschaft keinen Platz geben dürfe.
Für Geraune sorgt zudem, dass Porter und die Trump-Vertraute Hope Hicks ein Paar sein sollen und turtelnd in Washington gesehen wurden. Hicks ist die Kommunikationsdirektorin des Weißen Hauses und in ihrer Abteilung waren einige Wendungen zu beobachten. Hatte Sprecherin Sarah Huckabee Sanders zunächst von einer "Schmierenkampagne" gesprochen, so musste ihr Stellvertreter am Donnerstag zugeben, dass viele im Weißen Haus in den vergangenen Tagen "besser hätten arbeiten" können.
Noch brisanter für Kelly sind Medienberichte, wonach der Stabschef seit Monaten darüber informiert war, dass die Sicherheitsüberprüfung von Rob Porter durch das FBI immer noch andauerte. Gleiches gilt für Don McGahn, den offiziellen Rechtsberater im Weißen Haus. [….] Der Republikaner David Frum, ein ehemaliger Redenschreiber von George W. Bush, vertritt im Atlantic eine eigene Theorie, warum der Vorwurf der häuslichen Gewalt im Weißen Haus nicht als "disqualifizierend" angesehen wurde. Sowohl Ex-Chefberater Stephen Bannon als auch der frühere Wahlkampfchef Corey Lewandowski mussten sich vor Gericht verantworten, weil ihnen Gewalt gegen Frauen vorgeworfen wurde.
Und natürlich erinnert Frum, der Autor des kritischen Buches "Trumpocracy", seine Leser nicht nur an die "Grab them by the pussy"-Aussagen des heutigen Präsidenten aus dem Jahr 2005. Er weist auch darauf hin, dass Donald Trumps erste Ehefrau Ivana in den Neunziger Jahren ihrem Ex-Mann vorwarf, sie zum Sex gezwungen zu haben. Mittlerweile vertritt Ivana Trump diese Vorwürfe nicht mehr. [….]

Frauen vergewaltigen und prügeln ist für Trump kein Ausschlußkriterium.
Im Gegenteil. Er mag offensichtlich solche Mitarbeiter.
Er bedauert nur, wenn es veröffentlicht wird. Bedauert den Täter, der seinen Job verliert.
Porters Opfer erwähnte Trump mit keinem Wort. (…..)

Dieser Roy Moore schwang sich inzwischen zum großen Fürsprecher des  Supreme-Court-Anwärters Brett Kavanaugh auf.

[….] Roy Moore, hitherto occupied with suing people who accused him of sexually predatory behavior during his failed GOP Senate campaign in Alabama, has lent his unsolicited endorsement to the similarly troubled Supreme Court nomination of Judge Brett M. Kavanaugh.
Moore first came to the nominee’s defense Monday — a day after a California professor told The Washington Post that Kavanaugh had tried to rape her in high school — when he shared a supporter’s quip with his 80,000 Facebook followers: “They are Trying to ‘Judge Moore’ Him with Unproven Sex Assault Claim.” […..]

Ist das nicht allerliebst? Wie in einer großen glücklichen Familie halten die konservativen alten weißen Männer zusammen, wenn sie Kinderficker und Vergewaltiger sind.

Der Präsident der US, oberste moralische Instanz, tut das was man von ihm erwarten kann: Er attackiert die Opfer und stellt sich mit seinem ganzen Gewicht auf die Seite der Täter.

[….] Der US-Präsident hat seinen Kandidaten für den Supreme Court in Schutz genommen. Die Vorwürfe der versuchten Vergewaltigung stammen von "radikalen" linken Anwälten und Politikern, twitterte Trump.

In einer Reihe von Tweets hat US-Präsident Donald Trump die Anschuldigungen der Professorin Christine Blasey Ford infrage gestellt. Wenn der angebliche Angriff von Brett Kavanaugh "so schlimm war, wie sie behauptet, hätten sie oder ihre liebenden Eltern sofort Anklage bei den lokalen Strafverfolgungsbehörden eingereicht". [….]



[…..] Mit Äußerungen zu den Missbrauchsvorwürfen gegen den Supreme-Court-Anwärter Brett Kavanaugh hat US-Präsident Donald Trump große Empörung ausgelöst. Unter dem Hashtag #WhyIDidntReport (Warum ich keine Anzeige erstattete) solidarisierten sich bereits Zehntausende Frauen und Männer mit der Psychologie-Professorin Christine Blasey Ford, die Kavanaugh eine versuchte Vergewaltigung vor mehr als 30 Jahren vorwirft. […..]

Sollen sich die Linken und Liberalen aufregen wie sie wollen – die Konservativen stehen fest zu ihrem mutmaßlichen Vergewaltiger-Richter.

In der Beziehung sind die grundsätzlich Intoleranten nämlich sehr tolerant.

Freitag, 21. September 2018

Kinder aus Brunnen holen


Ach, die arme Malu Dreyer eben im Tagesthemen-Interview mit Caren Miosga.
Sie musste das nicht zu Verteidigende verteidigen:
Wie konnte ihrer Pfälzer Landfrau Nahles entgehen, daß sie mit der Maaßen-Mauschelei das letzte bißchen Vertrauen in die SPD zerstört?
Tapfer zählte die Mainzer Ministerpräsidentin mehrfach das wenige auf, das man sagen kann:
Nahles zeige Größe, indem sie ihren Fehler einsehe und nun die Kehrtwende im Fall Maaßen einleite. Außerdem habe sie nur versucht die Groko zu retten, weil man doch so viel Gutes für die Menschen tue: Gute Kita Gesetz, sozialer Wohnungsbau, Rente absichern.


Die wichtigste Botschaft der SPD-Spitze ist heute aber ein kräftiger Whataboutism! Nahles habe ja gar nicht allein entschieden, sondern auch Merkel und Seehofer. Alle drei hätten sich gleichermaßen geirrt. Mimimi, wieso bekommt nur die SPD den Shitstorm ab?


Das ist so ein Tag, an dem ich doppelt glücklich bin keine Parteifunktionen zu haben.
Muss das unangenehm sein Gesicht dafür hinzuhalten, wenn der Vorgesetzte mal wieder total versagt hat.

Dreyer macht das so gut es eben geht.
Blickt man nicht durch die SPD-Parteibrille stellt sich der Sachverhalt aber ein bißchen anders dar:

1.)
Nahles hat natürlich nicht aus Einsicht oder Weisheit den Brief an Merkel und Seehofer mit der Bitte um Neuverhandlungen geschrieben, sondern weil sie innerparteilich so unfassbar unter Druck geriet, daß sonst andere diesen Brief geschrieben hätten und sich auf die Suche nach einem neuen Parteivorsitzenden gemacht hätten.


2.)
Das für die SPD so sagenhaft desaströse Ergebnis kam nicht in erster Linie durch Seehofers Bockigkeit und Nahles‘ staatsbürgerliches Verantwortungsgefühl zu Stande, sondern weil sich die die SPD-Chefin so unsäglich dumm anstellte.

[…..] Und Du, Andrea? Ängstlich schaust Du auf die Umfrageergebnisse, siehst mit Schaudern, wie die Prozente schwinden. Weil Ihr fürchtet, dass die Sozialdemokratie bei Neuwahlen in der Bedeutungslosigkeit versinken könnte, macht Ihr jetzt alles mit. Ihr habt im Sommer dem unsäglichen Theater Seehofers schweigend zugesehen, als er darauf bestand, dass er Flüchtlinge an der Grenze zurückweisen wird, egal was Merkel sagt. Ihr habt seinen Rücktritt vom Rücktritt schweigend hingenommen. Und nun lasst Ihr Euch aus Angst vor einem Koalitionsbruch erneut von dieser Flitzpiepe über den Tisch ziehen: Maaßen wird als Verfassungsschutzchef zwar entlassen, aber zum Dank für sein Verhalten zum Staatssekretär befördert. Unfassbar. 
Als ich das hörte, dachte ich im ersten Moment das, was wohl alle dachten: Das ist ein Witz. Das macht doch die SPD nicht mit. Aber dann habe ich mich besonnen: Doch, macht sie. Die macht ja jetzt alles mit … Ich schäme mich für Euch: Ihr habt kein Rückgrat. Ihr seid schwach. Ihr seid peinlich. Ihr schadet der SPD, Ihr schadet der Demokratie, Ihr schadet Deutschland. Ein Trauerspiel ist das. [….]


Genau das, was eine nicht in die Kabinettsdisziplin eingebundene SPD-Chefin tun sollte, nämlich parteitaktisch agieren, beherrscht Nahles augenscheinlich nicht.
Statt die Groko so zu beeinflussen, daß die SPD gut aussieht, tölpelt sie ihre Genossen immer mehr in den demoskopischen Abgrund.
Seehofer wollte Maaßen unbedingt behalten, Nahles Job war es ihm entgegenzutreten. Das schaffte sie nicht und verhielt sich nicht nur zukunftsblind, sondern taktisch dumm. Dabei wäre es gar nicht so schwer gewesen Merkel den Schwarzen Peter zuzuschieben.


[…..] Liebe Andrea, Dein Kredit bei mir ist aufgebraucht. Ich erwarte von meiner SPD-Chefin Verhandlungsgeschick und nicht ein derart dummes und plumpes Auftreten, wie Du es an den Tag legst – es vor allem im Zusammenhang mit Maaßen an den Tag gelegt hast. Es hat ja ganz markig und nach Haltung geklungen, als Du morgens verkündet hast: „Maaßen muss gehen und Maaßen wird gehen.“ Aber in Wahrheit hättest Du was Dümmeres nicht sagen können. Denn von dem Moment an hatte Dich Seehofer in der Tasche. Er wusste: Mit weniger als Maaßens Entlassung konntest Du nicht wieder vor die Öffentlichkeit treten. Da hat er Dir einfach die Bedingung diktiert.
Das Ergebnis ist: Du bist als Tiger ins Kanzleramt gesprungen und als Bettvorleger gelandet. Seehofer hat Dich kalt lächelnd ausgetrickst. Mannomann. [….]

"Ich hätte mir gewünscht, dass das gemeinsam in den Gremien der SPD beraten und dass das nicht einsam an der Spitze entschieden wird."

[…..] „Nahles hätte beim Treffen im Kanzleramt nach Seehofers Vorschlag aufstehen müssen: Vielen Dank, liebe Leute, das muss ich erstmal mit meiner Partei beraten“, sagt ein mit solchen Verhandlungen vertrauter SPD-Mann. „Dann hätte sie sich vor dem Kanzleramt vor die Kameras stellen und den Seehofer-Vorschlag einfach öffentlich machen müssen. Dann hätte sich aller Unmut über Seehofer entladen und die Idee der Beförderung wäre tot gewesen.“ So verwandelte Nahles einen erwarteten Sieg, den Rauswurf Maaßens, in eine schwere Niederlage für die SPD. […..]

3.)
Nahles ist uneinsichtige Wiederholungstäterin.
Immer wieder verzapft sie einen Groß-Unsinn ohne die Folgen zu bedenken, setzt sich dann fröhlich in die Pfalz ab und schaltet das Telefon aus.
Den ganzen Dienstag verbrachte sie zu Hause in  Weiler in der Vordereifel, wo sie auch jeden Sonntag in die Kirche geht und mit ihrer siebenjährigen Tochter betet – und war nicht zu erreichen. Sollte doch Klingbeil mit der Presse sprechen.

Liebe Frau Nahles, nichts gegen Ihr Familienleben, aber als Bundestagsfraktionsvorsitzende einer Regierungspartei und als Bundesparteivorsitzende kann man eben nicht den größten Unsinn verzapfen (Schulz wird Außenminister, Maaßen wird Staatssekretär, SPD-Staatssekretär Adler wird geopfert) und sich anschließend in der tiefsten katholischen Provinz die Decke über den Kopf ziehen.

Natürlich kann und darf man Fehler machen.

Natürlich ist es billiger Populismus, wenn die christliche Kollegin Kathrin Göring-Kirchentag im AfD-Ton twittert: "Wie wäre es mal mit Regieren?"
Das ist eine ganz miese Nummer, denn das fördert die Staatsverdrossenheit und ist ungerecht. Alle sechs SPD-Minister regieren und sind sogar ausgesprochen fleißig.

Natürlich stimmt es immer noch, daß angesichts der parlamentarischen Kräfteverhältnisse und der stabilen AfD-Rekordzahlen in allen Umfragen die Groko immer noch das kleinste Übel ist, daß man sie also retten sollte.


Man kann aber die Groko nicht retten, wenn die eigene Parteivorsitzende die SPD kontinuierlich schwächt.
Nahles passiert nicht ab und an „auch mal ein Fehler“, sondern sie macht nur Fehler.
Sie hat das SPD-Kind nun so viele Kilometer tief in den Brunnen geschubst, daß auch ein neuer Maaßen-Gipfel kaum noch helfen wird.

Wenn Andrea Nahles ihrer Partei wirklich helfen will, sollte sie unbedingt ihre SPD-Ämter abgeben, sich auf ihr kirchliches Engagement konzentrieren und zu Hause in Weiler beten bis Gott persönlich vom Himmel runtersteigt, um ihr mehr Grips einzupflanzen.