Freitag, 7. April 2017

Die Erkenntnis.



Hillary Clinton sollte im Jahr 1993 eine Krankenversicherung für alle Amerikaner schaffen.
Die Topanwältin und Gesundheitsexpertin kniete sich voll rein, arbeitete Tag und Nacht – und scheiterte am Ende. Zu groß war der Widerstand der mächtigen Lobbyorganisationen.
Die US-Demokraten arbeiteten weiter an dem Megathema und dennoch dauerte es weitere 17 Jahre zäher Verhandlungen bis zumindest für 90% der Amerikaner ein Versicherungsschutz erreicht werden konnte.

Der Posten des Gesundheitsministers ist in allen westlichen Demokratien einer der Undankbarsten. Das liegt in der Natur der Sache. Jeder ist betroffen, der medizinische Fortschritt lässt die Kosten explodieren und nirgendwo ist die Lobby so mächtig wie bei Pharmaverbänden, Ärzten und Apothekern.
Es ist natürlich ethisch nicht möglich das Leben der Bürger aufgrund der mangelhaft gefüllten Portemonnaies zu verkürzen, andererseits verführt das ultimative Ziel des Überlebens alle daran beteiligten Firmen die Hand aufzuhalten.
Ein Grundschüler kann sich an drei Fingern ausrechnen, daß Gesundheitspolitik extrem komplex und schwierig ist.

Es gibt vermutlich weltweit nur einen Mann, der so unfassbar dämlich ist das nicht zu wissen. Unglücklicherweise ist eben dieser Typ derzeit US-Präsident.

Erst nach seiner Wahl zum mächtigsten Menschen der Welt machte sich der geistige Phlegmat daran mal zu googeln was dieses „Obamacare“ eigentlich ist, das er stets in Grund und Boden verdammte.

[…..] Speaking to reporters late Friday night, President-elect Donald Trump revealed that he had Googled Obamacare for the first time earlier in the day.
“I Googled it, and, I must say, I was surprised,” he said. “There was a lot in it that really made sense, to be honest.”
He said that he regretted that the frenetic pace of the presidential campaign had prevented him from Googling Obamacare earlier. “You’re always running, running, running,” he said. “There were so many times that I made a mental note to Google Obamacare but I just never got around to it.”
Trump also told the reporters that, now that the campaign was over, he had finally found the time to Google Mexico.
“Really eye-opening,” he said. “A lot of the Mexicans are terrific. They do just terrific things.” [….]

Nach seiner Amtsübernahme beharrte Trump darauf denjenigen Obamacare abschaffen zu lassen, der genau daran schon sieben Jahre in Folge gescheitert war: Paul Ryan.
Natürlich endete der planlose Ryan in einem Desaster; Obamacare ist immer noch in Kraft. Nach dieser Bruchlandung kam der Präsident zu einem erstaunlichen Schluß.

Nobody knew that healthcare could be so complicated,’ erklärte Trump beim National Governors Association meeting im Weißen Haus.


(Nein, das hier ist übrigens kein satirischer Artikel; ich beschreibe nur die Realität.)

Aber was machte es schon mit der Krankenversicherung zu scheitern?
Hernach erklärte der pathologische Lügner einfach, er habe schließlich nie versprochen Obamacare abzuschaffen und zu ersetzen.


Nein, also wenn einer wie Trump im Wahlkampf nur 68 mal eindringlich schwört Obamacare sofort abzuschaffen, kann man wirklich nicht behaupten, er habe das jemals so gesagt.

Das viele Golfen ist natürlich anstrengend und zeitaufwendig, aber nach zweieinhalb Monaten im Amt, hatte Trump doch mal wieder Zeit zu googeln.
Offensichtlich gab er den Suchbegriff „Syrien“ ein und kam zu einer bahnbrechenden Erkenntnis:

Nobody knew that Middle East could be so complicated.

Zum Glück sagte Trump auch niemals, er könne den IS in 30 Tagen besiegen und habe dafür einen großartigen Plan. Später erklärte er seinen Top-generals 30 Tage Zeit zu geben, um ebenfalls einen Plan auszuarbeiten, den er dann mit seinem eigenen abgliche, bevor er zuschlage.

[…..] "We are going to convene my top generals and give them a simple instruction," Trump said on Sept. 6, "They will have 30 days to submit to the Oval Office a plan for soundly and quickly defeating ISIS."
On Jan. 28, 2017, Trump made good with a presidential memorandum. The key line was,"within 30 days, a preliminary draft of the Plan to defeat ISIS shall be submitted to the president by the secretary of defense." [….]

Sehr konkret wurde er nicht, aber eins stellte Trump in einer Kaskade von 24 Tweets schon vor Jahren klar; keinesfalls dürfe der US-Präsident Syrien angreifen, nur weil dort Giftgas eingesetzt werde. Das sei nun wirklich nicht „our business“.

[…..] Donald J. Trump @realDonaldTrump
We should stay the hell out of Syria, the "rebels" are just as bad as the current regime. WHAT WILL WE GET FOR OUR LIVES AND $ BILLIONS?ZERO 2:33 AM - 16 Jun 2013

Donald J. Trump @realDonaldTrump
What will we get for bombing Syria besides more debt and a possible long term conflict? Obama needs Congressional approval. 8:14 PM - 29 Aug 2013

Donald J. Trump @realDonaldTrump
If Obama attacks Syria and innocent civilians are hurt and killed, he and the U.S. will look very bad!   9:26 PM - 30 Aug 2013 […..]


That said, ordnete Trump gestern den Militärschlag an, den er zuvor vehement verurteilt und ausgeschlossen hatte.
59 Marschflugkörper schoß das US-Militär auf Assads Stellungen ab.
Leiten ließ er sich dabei auch vom alten Trumpschen Motto „Legal, illegal, scheißegal.“
Mit hoher Wahrscheinlichkeit hatte der Mann auch noch keine Zeit den Begriff „Völkerrecht“ zu googlen.

[……] Der US-Militärschlag gegen syrische Regierungstruppen war völkerrechtswidrig.
    Die Charta der Vereinten Nationen billigt den Einsatz von Gewalt nur dann, wenn ein angegriffener Staat sich verteidigt oder der UN-Sicherheitsrat den Militärschlag genehmigt.
[…..] Der Angriff der Amerikaner ist vielmehr an der Charta der Vereinten Nationen zu messen. Diese enthält in Artikel 2 Nr. 4 ein striktes Gewaltverbot, das unter dem Eindruck der Weltkriege formuliert wurde.
Die Charta sieht nur wenige Ausnahmen vor. So kann der UN-Sicherheitsrat bei einer Bedrohung oder beim Bruch des Friedens anordnen, militärisch einzugreifen, um den Weltfrieden und die internationale Sicherheit wiederherzustellen. Die Rats-Resolution 2118 aus dem Jahr 2013, die die Vernichtung aller syrischen Chemiewaffen durchsetzen sollte, droht dem Assad-Regime zwar mit dem Einsatz von Gewalt, behält eine Entscheidung darüber aber dem Sicherheitsrat selbst vor. Der Rat ist zurzeit jedoch blockiert, weil Russland Beschlüsse gegen die syrische Regierung per Veto verhindert. […..]

Mit dem Militärschlag pulverisierte Trump gleich mehrere seiner früheren Versprechen.

Er hatte immer wieder betont er wolle mit Russland und Putin zusammenarbeiten, gemeinsam ISIS zerschlagen.

[….. ] “If we could get along with Russia, wouldn’t that be a good thing, instead of a bad thing?" he said in July. "Wouldn't it be nice if we actually got along, as an example, with Russia?” he said a couple days prior in Florida. And a couple days before that in North Carolina: "Wouldn't it be nice if we got together with Russia and knocked the hell out of ISIS?" […..]

Herrn Putin ist Trump nun aber maximal auf die Füße getreten, denn Russland kämpft völkerrechtskonform auf Bitten der syrischen Assad-Regierung an der Seite der Syrischen Armee, die gestern von den Amerikanern bombardiert wurde.

Mit dem Militärschlag konterkariert Trump auch sein Versprechen No Fly Zones in Syrien zu errichten.

[…..]  U.S. President Donald Trump said on Wednesday he "will absolutely do safe zones in Syria" for refugees fleeing violence in the war-torn country.
[…..] "I'll absolutely do safe zones in Syria for the people," he added, without giving details.
[…..] U.S. military officials had long warned that the creation of no-fly zones inside Syria would require a large number of additional resources beyond the fight against Islamic State and it would be difficult to ensure that jihadist insurgents did not infiltrate those areas amid the chaos of Syria's civil war.
[…..] During and after the presidential campaign, Trump called for no-fly zones to harbor Syrian refugees as an alternative to allowing them into the United States. [….]

Bisher galten Flugverbotszonen gegen den IS auch als extrem sinnlos, weil der IS ohnehin über keine Flugzeuge verfügt. Sie würden nur zu einem Konflikt mit russischen Jets führen.

Inzwischen, oh Wunder, besitzt der IS aber eine hochgerüstete ultramoderne Luftwaffe; nämlich die US-Airforce, die sich freundlicherweise gestern in den Dienst des Kalifats stellte und den IS-Hauptgegner Assad wegbombte.

Trump muß wohl noch mal googlen. Vielleicht begreift er ja eines Tages, daß seine Sympathien und Antipathien – Assad doof, Iran doof, IS doof und Russland gut – in Syrien nicht unter einen Hut zu bekommen sind.
Um den IS zu bekämpfen braucht Trump den Schulterschluss mit dem Iran und Assad. Um mit Russland an einem Strang zu ziehen, darf er nicht Assad angreifen und um den IS zu schwächen, darf er nicht die IS-Gegner bombardieren.

[…..] Russlands Premier warnt, der Angriff der USA auf eine syrische Luftwaffenbasis habe beinah zu einer militärischen Auseinandersetzung mit Moskau geführt.
Die syrische Führung nennt den US-Einsatz "rücksichtslos" und "kurzsichtig".
Syrien kündigt an, den Kampf gegen Aufständische verschärfen zu wollen.
Russland will die syrische Luftabwehr verstärken und setzt ein Abkommen mit den USA außer Kraft, das Zusammenstöße im syrischen Luftraum vermeiden soll. […..]

Beindruckenderweise schaffte es Trump auch noch mit der Umgehung des Kongresses nicht nur seine eigenen Versprechen erneut zu brechen, sondern auch noch seine letzten Fans zu verärgern.

[…..] Führende Republikaner und Demokraten loben den Raketenangriff auf einen Stützpunkt der Truppen von Syriens Machthaber Baschar al-Assad. […..] Gleichzeitig hat sich Trump in eine riesige Glaubwürdigkeitsfalle manövriert, die vor allem außerhalb der professionellen Politikblase, im harten Kern seiner Anhängerschaft, Spuren hinterlässt. Trump-Fans wenden sich ab, reagieren empört auf Trumps radikalen Kurswechsel, werfen ihm Wortbruch vor.

Denn bis zu dem Angriff von Chan Scheichin, bei dem ganze Familien ausgelöscht wurden, galt Trump als Gegner einer militärischen Intervention in Syrien.
"Don't attack Syria", brüllte Trump jahrelang in jedes Mikrofon. "Wir müssen uns aus Syrien raushalten, und aus allen anderen Ländern, die uns hassen", twitterte Trump 2013, oder er warnte vor einer "globalen Hölle", die nach einem Syrieneinsatz drohe.
[…..] Ein Teil von Trumps treuesten Anhängern, die im Wahlkampf aggressiv für ihn trommelten, fühlt sich deshalb getäuscht. Websites und Kommentatoren, die sonst stets als Parolenlautsprecher zur Seite standen, verurteilten den Luftschlag scharf.
"Mr. President, mutieren Sie nicht zu Bush III", schreibt die konservative Seite Daily Caller. "Radieren ein paar Bilder unschuldiger Toter wirklich alle Logik aus, die Sie im Wahlkampf an den Tag gelegt haben?"
Paul Joseph Watson, Autor für die ultrarechte Verschwörungstheorie-Seite Infowars, twitterte: "Ich bin offiziell RAUS aus dem Trump-Zug." Die rechtskonservative Publizistin und bisherige Trump-Unterstützerin Ann Coulter zeigte sich fassungslos, warf Trump eine Abkehr seiner Prinzipien vor.
[…..] Auf dem rechtspopulistischen Portal Breitbart kommentieren Zehntausende, darunter viele, die mit Trump brechen wollen. "Trump schuldet uns eine Erklärung. Das ist nicht, wofür ich ihn gewählt habe", schreibt einer, "90 Prozent von uns haben ihn nicht deshalb gewählt", antwortet ein anderer Nutzer, und an Trump gerichtet: "Ich möchte mein Geld zurück, du bescheuerter Idiot." […..]

Im Spiegel stand vor ein paar Wochen ein Kommentar, in dem es sinngemäß hieß, Trump führe die planlose Nahost-Politik seines Vorgängers weiter – nur schlimmer.

Gratulation. Immerhin dieses „nur schlimmer“ kriegt er ja gut hin.

Donnerstag, 6. April 2017

Blame Game.



Das hat mich vielleicht immer genervt in 2009, 2010, als die Republikaner anfingen ostentativ für alles Obama die Schuld zu geben.
Dabei waren der ökonomische Absturz, der rasante Abbau von Arbeitsplätzen und die weltweite Finanzkrise nun wirklich eindeutig die Schuld der Republikanischen George W. Bush-Administration.
Im Laufe der Jahre wurde es zum runnig gag Barack Obama für wirklich alles die Schuld zu geben.



Abgesehen von der ökonomischen und finanziellen Katastrophe erbte Obama insbesondere auch noch ein  außenpolitisches Desaster mit zwei nicht beendeten Kriegen, die alles nur schlimmer gemacht hatten.
Nun gab es ein massives Terrorproblem, weltweiten Hass auf Amerika und militärische Verstrickungen, die man weder beenden noch weiterführen konnte.

Der arme Obama.
Bevor man aber vor Mitleid Tränen ergoss, mußte man sich vergegenwärtigen, daß ihn niemand gezwungen hatte US-Präsident zu werden. Im Gegenteil; er wollte das selbst unbedingt.
Warum bloß? Die Frage stellte ich mir auch im letzten Wahlkampf. Klar, Trump wollte Präsident werden, weil er keine Ahnung von den echten Problemen hatte, gar nicht wußte was ein Präsident tut und der mächtigste Job der Erde perfekt zu seiner debil-größenwahnsinnigen Persönlichkeit passte.

Aber Hillary Clinton? Warum tat sie sich eine erneute Kandidatur an? Sie weiß doch was das für ein Horrorjob ist, weiß wie sehr sie dafür gehasst wurde und zudem kann sie ohne den Job mit sehr viel weniger Stress erheblich mehr Geld verdienen.

Das katastrophale Erbe GWBs war am 21. Januar 2009 eben kein lästiges Rudiment mehr, das Obama ablehnen konnte, sondern es war ab sofort sein Problem.
Für alles was schief gegangen war, was schief ging und was noch schief gehen würde, war nun letztendlich er verantwortlich.

Mit Gerechtigkeit hat das nichts zu tun. Das steht so in der Jobbeschreibung.

Angela Merkel gehörte von 1990 bis 1998 einer Bundesregierung an, die durch katastrophal falsche Sozial-, Steuer- und Wirtschaftspolitik Deutschland zum „kranken Mann Europas“ gemacht hatte. Sie hatte einen nie dagewesenen Reformstau mit fünf Millionen Arbeitslosen und einer völlig verkrusteten Gesetzgebung mitangerichtet.
Die folgenden sieben Jahre betrachtete Merkel bequem von außen wie sich Rotgrün abplagte. Dabei erwarb sie sich den Spitznamen „Mrs Njet“, weil sie konsequent jede konstruktive Mitarbeit verweigerte und im Bundesrat auf Totalopposition schaltete.
Merkel ließ ihre CDU grundsätzlich alles ablehnen – von Steuersenkungen über den Atomausstieg bis zum Staatsbürgerschaftsrecht.
Auch dadurch wurden die Reformbemühungen Gerd Schröders so schwierig, daß er 2005 sogar sein Amt verlor.
Merkel rückte von der Oppositionsbank wieder zurück auf die Regierungsbank; diesmal sogar auf den Chefsessel.
Die größten Baustellen ließ sie weiterhin von den bewährten SPD-Ministern Steinmeier und Steinbrück bearbeiten, die Deutschland dann besser als jedes andere Europäische Land durch die von Merkels Freund GWB angerichtete Weltfinanzkrise manövrierten.
Als Segen stellte sich ferner heraus, daß Merkel im Jahr 2003 noch in der Opposition saß. Sie wollte unbedingt Deutschland am Irak-Einmarsch beteiligen.
Auch die Suppe mußte sie dank der SPD nie auslöffeln.

Als die Agenda-Politik wirkte, die wirtschaftlichen Zahlen immer besser wurden, die Arbeitslosigkeit radikal sank, verabschiedeten sich die lahmen Sozis in die Opposition und Merkel bekam ihren Wunschpartner in die Regierung.

Natürlich debakulierten FDP und CDU auf so groteske Weise, daß es die FDP am Ende ganz zerriss.

Nun sitzen wieder Sozis an den wichtigsten Schaltstellen der Bundesregierung.
Es ist verdammt ungerecht. Merkel richtete das Chaos mit an, half nicht bei der Beseitigung, warf Rotgrün aber fleißig Knüppel zwischen die Beine und am Ende kassierte sie allein die Lorbeeren.

Das ist Politik.
Wer sich um ein Amt bewirbt, kann nicht erwarten von der Geschichte und den Wählern fair behandelt zu werden. Er kann, wie GBW im Jahr 2001 oder Merkel 2005 gemütlich in ein gemachtes Nest fallen, welches die Vorgängerregierung in gutem Zustand hinterlassen hat.
Man kann aber auch wie Obama 2009 oder Schröder 1998 einen maroden Dreckshaufen als Ausgangslage bekommen.

In diesem Fall jammert man nicht und verflucht die Ungerechtigkeit der Welt, sondern beginnt mit der Arbeit.

Donald Trump, soviel ist inzwischen ganz sicher, dürfte der unwissendste und unvorbereitetste Präsident aller Zeiten sein.

Und dieses Syrien?
Einfach ein paar Bomben drauf und alles löst sich in Wohlgefallen auf?
Wieso soll das nicht funktionieren?

Und nun wird auch noch Giftgas eingesetzt?
Nur weil Trumps Emissäre Tillerson und Haley quasi grünes Licht gaben und der Welt erklärten Assad sei allein ein Problem der Syrischen Bürger, bei dem sich die USA nicht einmischten?
Gemein, denn Giftgas gibt auch in der USA schlechte Presse.

Klar, daß Trump auch dafür einen Schuldigen gefunden hat: Obama natürlich.

[…..] Donald Trump has called a suspected chemical attack in Syria the result of the "weakness" of the Obama administration.
The White House blamed the strike on Idlib province - which killed dozens and injured hundreds - directly on the government of President Bashar al-Assad.
[Trump] also made clear that his administration believed the attack occurred thanks to the actions of the President's predecessor, Barack Obama.
[…..] “These heinous actions by the Bashar al-Assad regime are a consequence of the past administration's weakness and irresolution,” Mr Trump said. […..]

Wenn ein pathologischer Lügner wie Trump behauptet, daß Obama damals seine „rote Linie“ nicht verteidigt hätte, bleibt es richtig.
Tatsächlich ließ Obama Assad gewähren, obwohl er erst etwas anderes angedroht hatte.
Ein Wunder, Trump behauptet hier etwas, das nicht völlig falsch ist.

Immerhin, beim Thema maximale Heuchelei bleibt sich Trump treu.

Wer aber war 2013 noch mal der Typ, der am schärfsten gegen Obama schoss, als dieser drohte entsprechend seiner Red-Line-Drohung in Syrien einzugreifen?

Ach ja, Donald Trump; hier sind ein paar Tweets:

Donald J. Trump  @realDonaldTrump
mr trump would attack Syria or no?" No, lets make our country great again as they fight their war!  3:45 AM - 4 Sep 2013

Donald J. Trump @realDonaldTrump

Obama wants to unilaterally put a no-fly zone in Syria to protect Al Qaeda Islamists http://thebea.st/143tmfM  Syria is NOT our problem. 8:58 PM - 29 May 2013

Donald J. Trump @realDonaldTrump
We should stay the hell out of Syria, the "rebels" are just as bad as the current regime. WHAT WILL WE GET FOR OUR LIVES AND $ BILLIONS?ZERO 2:33 AM - 16 Jun 2013

Donald J. Trump @realDonaldTrump
What will we get for bombing Syria besides more debt and a possible long term conflict? Obama needs Congressional approval. 8:14 PM - 29 Aug 2013

Donald J. Trump @realDonaldTrump
If Obama attacks Syria and innocent civilians are hurt and killed, he and the U.S. will look very bad!   9:26 PM - 30 Aug 2013

Donald J. Trump @realDonaldTrump
How bad has our "leader" made us look on Syria. Stay out of Syria, we don't have the leadership to win wars or even strategize. 11:28 PM - 30 Aug 2013

Donald J. Trump @realDonaldTrump
If the U.S. attacks Syria and hits the wrong targets, killing civilians, there will be worldwide hell to pay. Stay away and fix broken U.S. 3:55 AM - 3 Sep 2013

Donald J. Trump  @realDonaldTrump
President Obama, do not attack Syria. There is no upside and tremendous downside. Save your "powder" for another (and more important) day! 3:21 PM - 7 Sep 2013

Donald J. Trump  @realDonaldTrump
The only reason President Obama wants to attack Syria is to save face over his very dumb RED LINE statement. Do NOT attack Syria,fix U.S.A. 1:13 PM - 5 Sep 2013

So ging es noch lange weiter. Trump forderte laut und pöbelnd keineswegs aufgrund der Red-Line-Aussage in Syrien einzugreifen.

Nun, selbst im Amt, bepöbelt er Obama dafür sich an diesen Trumpschen Rat gehalten zu haben.

“President Obama said in 2012 that he would establish a 'red line' against the use of chemical weapons and then did nothing.”

In Wahrheit hörte Obama natürlich damals nicht auf einen windigen Geschäftsmann mit absurder Frisur und Pussy-Affinität, sondern wurde vom republikanischen Kongress ausgebremst.

[…..] It will come as no surprise at this point that the Trump White House's position was hypocritical. First, Obama's red line at the time was a threat of US military action against Syria should it continue to use chemical weapons. When Obama asked the GOP-led Congress to authorize the potential use of force against Syria, the Republicans, not wanting to take a firm stance, declined to hold a vote. Still, Obama's move prompted Assad to agree to a Russian-brokered deal to give up his chemical weapons. To a degree, Obama's threat worked.
Whether or not Obama's policy in 2013 was successful, this much is clear: at that point, Trump had an unambiguous position regarding Syria— do nothing. Throughout this episode, Trump tweeted up a storm about Syria. Repeatedly, he declared—occasionally in all-caps!—that Obama should not be messing around in Syria. He said there was no reason to attack Syria or take any action there. Let the Arab League deal with the problem. He was asserting that Obama should not respond to the chemical attacks—a policy certainly in sync with Assad (and his Russian patrons). Stay out of this, Trump demanded, and focus on domestic issues. [….]

Spicer und Trump haben allerdings immer noch nicht verstanden, daß dieses blame-game irrelevant ist.
Was auch immer Obama weswegen auch immer angerichtet haben mag; jetzt ist es Trumps Problem. Das gehört zum Job als Präsident.
Nun muß er Lösungen finden und nicht Schuldige der Vergangenheit benennen.

Mittwoch, 5. April 2017

Pim Spahn.



Immerhin Wolfgang Schäuble mag ihn, hat ihn ins CDU-Präsidium bugsiert und anschließend auch unter seine Fittiche im Finanzministerium genommen, ihn zum Staatssekretär befördert.
Da haben sich offensichtlich zwei gefunden.
Unter seinen Mitarbeitern ist der Bundesfinanzminister legendär unbeliebt, der alte Mann liebt es seine Autorität auszuspielen und jüngere Politiker vor versammelter Mannschaft in den Boden zu rammen.
Seinen eigenen Sprecher Michael Offer demütigte der passionierte Lügner Schäuble auf offener Bühne so sehr, daß dieser frustriert zurücktrat.
Gleich und gleich gesellt sich gern; so genießt Jens Spahn mit dem mächtigen Minister und Ex-Bundesparteivorsitzenden im Rücken eine gewisse Narrenfreiheit. Er wagte es sogar auf dem Bundesparteitag Angela Merkel brutal von rechts aus anzugreifen.
Ungeniert kann sich der CDU-Rechtsaußen immer mehr in den Schnittmengen mit AfD und NDP breitmachen.

Aggressiv fordert der Staatssekretär ein so eindeutig grundgesetzwidriges und diskriminierendes Anti-Islam-Gesetz, daß selbst innerhalb der CDU fast alle entnervt abwinken.

[…..] Mehr als ein konservativer Provokateur
Jens Spahn irritiert mit seinem Vorschlag für ein Islam-Gesetz auch die eigene Partei. Der CDU-Politiker scheut keinen Konflikt - nicht einmal den mit Angela Merkel.
[…..] Die Opposition ist entsetzt; der Grünen-Politiker Omid Nouripour wirft ihm vor, er wolle sich auf Kosten von Minderheiten profilieren. Die SPD ist verärgert und spricht von einem unfairen Wahlkampf, der nur der AfD nutze. Und in der CDU setzen so gut wie alle, die in Berlin wichtige Ämter bekleiden, darauf, dass der Zinnober bald vorbei ist.
[…..] auf dem letzten CDU-Bundesparteitag. Spahn warb unter tosendem Applaus für eine Abschaffung des Doppelpasses; Merkels Getreue hielten dagegen. Und die Verliererin hieß Angela Merkel. […..]

Pim Spahn stört es nicht in der rechtsradikalen Ecke zu stehen.
Es stört ihn schließlich auch nicht Dinge zu fordern, die weit außerhalb unseres Grundgesetzes und des menschlichen Anstandes stinken.

[…..] Das Islamgesetz, das die CDU-Politiker Julia Klöckner und Jens Spahn da vorschlagen, ist eine populistische Schnapsidee - man kann das nicht besser sagen als mit den Worten des früheren CDU-Generalsekretärs Ruprecht Polenz. Ein solches Gesetz ist in Deutschland so überflüssig wie ein Christen-, Buddhisten- oder, man stockt, Judengesetz. Es würde nicht dem inneren Frieden dienen, sondern Misstrauen säen. Es würde die Religionsfreiheit einschränken und die Trennung von Staat und Kirche durchlöchern. Dass ausgerechnet Christdemokraten ein Problem mit diesen Verfassungsgrundsätzen haben, erstaunt schon.
Ja: Die Probleme sind offensichtlich, die es mit dem organisierten Islam in Deutschland gibt. […..] Nur ist es naiv zu glauben, man könnte dies alles per Gesetz abschaffen, einen friedlichen, toleranten Islam dekretieren und dann die verbleibenden Fundamentalisten in Luft auflösen - fast so wie einst Aladin, der nur an seiner Lampe reiben musste, und der hilfreiche Geist war da. Auch deshalb klingen die Vorschläge von Klöckner und Spahn so wenig durchdacht. Deutsche Gesetze sollen über den religiösen Vorschriften stehen - als ob das nicht jetzt schon gelten würde. Es soll auf Deutsch gepredigt werden - als ob man nicht in allen Sprachen Hass predigen könnte. Das Verbot der Auslandsfinanzierung wäre ein diskriminierendes Sondergesetz: Für jüdische Gruppen aus den USA würde es wohl nicht gelten. Und selbstverständlich finanzieren die Kirchen christliche Gemeinden in aller Welt - und protestieren zu Recht, wenn China dies verbietet. […..]

Mit seiner Verbal-Attacke gegen „arabische Muskelmachos“, deren Penisse er in seinem Gym nicht sehen könne, weil die Badehosen beim Duschen trügen, bietet Spahn eine gute Vorlage für Satiriker.

Man lese nur mal Leo Fischer in der aktuellen Titanic über die „Glamour-Queen Jens Spahn“.


Ein klassischer Fall von Humor aus Verzweiflung. Was soll man noch tun, außer über Spahn zu lachen?

Lustig ist es nämlich keineswegs was der selbsternannte Kreuzritter wider die Muselmanen anstellt.
Er attackiert brutal Millionen ohnehin diskriminierte Menschen in Deutschland, zerdeppert über Jahrzehnte gewachsene Integration.

Auch wenn der Münsterländische Fortuyn nicht in erster Linie auf Amerikaner wie mich abzielt, so fühle ich mich mit meinen türkischen Co-Ausgegrenzten solidarisch.


Wie erbärmlich ist es doch, wenn man nach einen halben Jahrhundert in Deutschland von einem Regierungsmitglied so deutlich zu hören bekommt: „Ihr seid minderwertig und werdet nie die gleichen Rechte bekommen!“

Ich lebe länger in Deutschland als Jens Spahn, gehöre seit Jahrzehnten einer Partei an, die im Land und im Bund regiert. 18 Jahre nachdem die CDU mit ihrer Anti-Ausländer-Kampagne, angezettelt von Merkel und „Hessen-Hitler“, mir versaute auch einen deutschen Pass zu bekommen, signalisiert mir die Bundesregierung nun erneut, daß ich minderwertig bin.