Donnerstag, 5. Juni 2014

Meine Agenten


Papst Franz ist für mich eigentlich der GAU.
Ein Sympath an der Spitze der 1,2 Milliarden Katholiken. Ein Menschenfischer womöglich.
Da muß man befürchten, daß er Myriaden Menschen, die Mixa, Meisner, Müller, Ratzi und TVE mühsam aus der Kirche rausgetrieben haben, womöglich wieder eintreten lässt.
Daß Deutschlands übelste Bischöfe TVE, Mixa und Meisner nun auch noch alle abgesetzt sind und die neu Ernannten, wie Herr Oster und Herr Burger vom Kirchenvolk umjubelt werden, ist ebenfalls eine besorgniserregende Nachricht für Atheisten.

Aber gemach, gemach.
Franz redet liberaler als Ratzi, aber er läßt nicht nur keine Taten folgen, sondern handelt sogar extrem konservativ.
Zudem sind Kirchenaustritte üblicherweise wohlüberlegt. Die Entscheidung stößt man nicht so schnell wieder um.
Und die Ultrakonservativen der RKK haben noch keineswegs fertig. Bertone thront nach wie vor über dem Petersdom; Ganswein und Müller okkupieren zwei entscheidende Schaltstellen der Kurie.

Zudem jubelt das prinzipiell leicht enthirnte Kirchenvolk jedem neuen Papst zu. 2005 war man in Deutschland völlig aus dem Häuschen über Ratzinger und empfing ihn bei seinem ersten großen Auftritt beim Kölner Weltjugendtag wie einen Popstar. Die stunzdoofen Schafe bildeten sich tatsächlich ein, nun käme etwas Neues. Dabei hätte kein anderer JP-II-Nachfolger deutlicher konservative Kontinuität ausdrücken können. 79 Jahre alt bei seiner Wahl, der gesamten Weltkirche seit einem Vierteljahrhundert als stramm fundamentalistischer Präfekt der Glaubenskongregation bekannt und seit vielen Jahren ob Woytilas Siechtum der wahre Herrscher des Vatikans.
Wie mächtig der Ex immer noch ist, zeigt schon die Tatsache, daß der Neue sich nicht traut die wichtigsten konservativen Personalentscheidungen rückgängig zu machen. Eingekesselt zwischen dem Ratzinger-Vertrauten Kurienerzbischof Gänswein als Präfekt des Päpstlichen Hauses und dem Ratzinger-Vertrauten Kardinal Müller als Präfekt der Glaubenskongregation könnte sich Bergoglio gar nicht freischwimmen; selbst wenn er wollte.

Wir sollten in Deutschland also nicht über den Exodus der Konfessionsausstiegs-Katalysatoren weinen.
Die uralten Ultras wie zum Beispiel Kardinaldiakon Brandmüller (85) und Kardinalpriester Wetter (86) ziehen noch im Hintergrund die Fäden. Kardinal Meisners (80) Epigonen stellen gar das halbe deutsche Episkopat. Sein Wort hat noch enormes Gewicht.

Ebenso ist die Regensburger Achse aus Gänswein, Müller, Imkamp, Fürstin Gloria und beiden Ratzingers einflussreich wie reaktionär.
Das semidebile Sextett ist für jede misogyne, antisemitische und xenophobe Attacke gut. Schwule, Linke und Atheisten hassen sie natürlich sowieso. (Gloria muß es wissen; sie war mit einem Schwulen verheiratet.)


Wie mächtig Prälat Imkamp im katholischsten Bistum Bayerns ist, zeigte sich bei der Europawahl, als der xenophob und antieuropäisch hetzende CSU-Spitzenkandidat Markus Ferber um seine Hilfe bettelte.
Wilhelm Imkamp, 62, erzkonservativer Wallfahrtsdirektor aus Maria Vesperbild ist ein verlässlicher Mann. Der bei Brandmüller ausgebildete Fabrikantensohn ist durch seine vielen Funktionen im Vatikan bestens vernetzt. Frauen und Schwule hasst er wie die Pest. Seine Liebe gilt dem Übersinnlichen.
Aber auch wenn die CSU in Gestalt des EU-Spitzenkandidaten Ferber ruft, ist Prälat Imkamp zur Stelle. Wie für Topkleriker üblich, lügt Fürstin Glorias Liebling wie gedruckt.
Ferbers ausländerfeindliche Attacken lobte der Prälat ausdrücklich.

Markus Ferber und Prälat Dr. Wilhelm Imkamp und wettern über „linke Kräfte“ [….]  Die Positionen waren von vornherein klar, und wer eine wirkliche Diskussion zur Frage „Ist Europa noch christlich?“ erwartet hatte, dürfte enttäuscht gewesen sein. Eingeladen hatte eine Woche vor der Europawahl der CSU-Kreisverband. Fragen oder Statements aus dem Publikum gab es nicht, und so spielten sich auf dem Podium des Pilgerhauses Prälat Dr. Wilhelm Imkamp, der CSU-Europaparlamentarier Markus Ferber und der CSU-Bundestagsabgeordnete Dr. Georg Nüßlein als Moderator gegenseitig den Ball zu. Vorausgeschickt hatte der Wallfahrtsdirektor zwei klare Botschaften: „Wer nicht wählt, sündigt.“ Und: „Vor Jesus gibt es nur ein entweder oder.“
[….] Vom „Schlafwandlerwahlkampf“, den Ferber jetzt endlich aufgebrochen habe, sprach Imkamp. Und immer wieder war auch die Rede von „diesem Buchhändler aus Würselen“. Gemeint war damit der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz (SPD), der Kommissionspräsident werden will und dafür von der Union heftig attackiert wird. Am Sonntagmittag könnten Schulz die Ohren geklingelt haben, hätte er gehört, wie Wallfahrtsdirektor Imkamp ihn charakterisierte: „Dieser Buchhändler aus Würselen, den keine Sau in Europa kannte“ bis ihn „ein durchgeknallter Lustgreis (Silvio Berlusconi, Anm. d. Red.) beschimpft hat“.
Auch der EVP-Vorsitzende Joseph Daul bekam mehrfach sein Fett ab, die Franzosen kamen überhaupt nicht gut weg in Vesperbild. „Zu einem guten französischen Politiker gehört der Ehebruch als Leistungssport“, konstatierte Imkamp und sprach auch von „sozialistischer Verfolgung des Christentums“ seit 200 Jahren. [….] Dass Länder wie Rumänien, Bulgarien oder die Türkei – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen – nicht in die Europäische Union passen, war für die Männer auf dem Podium klar. Schon „rein geografisch“ gehöre die Türkei nicht dazu, sagte Imkamp. Nicht umsonst spreche man von „Kleinasien und nicht von Kleineuropa“, sekundierte Ferber, „uns trennt viel, viel mehr, als uns verbindet.“ Und wer ist schuld an Aufnahmeverhandlungen mit der Türkei? „Die linken Kräfte.“[….]

Imkamp hatte ganze Arbeit geleistet. Auch wenn er diesmal erstaunlicherweise auf einen Nazi-Vergleich verzichtete. Er kennt sich wie seine Busenfreundin Gloria („der Schwarze schnackselt gerne!“) aus mit den Ausländern.
Von seinen eigenen Hassgefühlen geleitet hatte er insbesondere den politischen Gegner motiviert.

„Die CSU nimmt es offensichtlich ernst, AfD und NPD den rechten Rand bei der Europawahl streitig zu machen.“ So hat sich der heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Karl-Heinz Brunner nach Bekanntwerden einiger Äußerungen von CSU-Europaabgeordnetem Markus Ferber und Prälat Dr. Wilhelm Imkamp [….]  geäußert. [….]  Die Verunglimpfung des Spitzenkandidaten der europäischen Sozialisten und Sozialdemokraten Martin Schulz als „diesen Buchhändler aus Würselen“ sowie der Sozialdemokratie als Teil ominöser „linker Kräfte“, die christliche Grundwerte zerstörten oder gar verfolgten, sei aber nicht hinnehmbar. Äußerungen wie „Zu einem guten französischen Politiker gehört der Ehebruch als Leistungssport“, zerstörten letztlich die Integrität des Prälaten selbst und jener CSU-Politiker, die bei einer solchen Diffamierung des Nachbarn und des europäischen Geistes schweigend danebensitzen.
Wer von einer „sozialistischen Verfolgung des Christentums“ und dem Streben nach einem „christenfeindlichen Europa“ spreche, sei nicht nur geschichtsvergessen, sondern beleidige das Erbe all jener Sozialdemokraten, die in über 150 Jahren für Freiheit und Demokratie gekämpft hätten und zum Teil gestorben seien, heißt es in Brunners Pressemitteilung. [….]  Auch die Günzburger Kreis-SPD mit ihrem Vorsitzenden Achim Fißl zeigt sich bestürzt: „Sollten die Äußerungen von Imkamp auch nur ansatzweise für die katholische Kirche repräsentativ sein, so müssen sie von den über zwei Drittel Wählern in Bayern, die nicht die CSU wählen, schon fast als Aufforderung verstanden werden, aus der katholischen Kirche auszutreten.“

Ach, hätten wir doch bloß mehr Imkamps!
Die CSU stürzte bei der Europawahl auf 40% und verlor drei ihrer acht Sitze. Die SPD gewann deutlich hinzu.

[…] Zwölf Prozentpunkte hat die CSU bei der Europawahl allein in Ferbers Heimatbezirk Schwaben verloren. Dort, wo die CSU bei Wahlen sonst eher hochprozentig über die Ziellinie geht. […] Widerstandslos akzeptierte Ferber das europaskeptische Programm von Peter Gauweiler und Horst Seehofer und vergriff sich selbst bei seinen Auftritten häufig im Ton und in der Argumentation („Die afrikanischen Schlepperbanden haben mit SPD-Kandidat Martin Schulz einen Geschäftsführer bekommen“). Ferber war wohl der Versuchung erlegen, den Europakritiker Gauweiler in dessen Maßlosigkeit noch zu übertreffen.
Und Ferber erlag noch ein weiteres Mal der Versuchung, als er in Schwaben einen Wahlkampfauftritt mit Prälat Wilhelm Imkamp zelebrierte – dem erzkonservativen Wallfahrtsdirektor aus Maria Vesperbild. Georg Gänswein, der Präfekt des Päpstlichen Hauses, und Gloria von Thurn und Taxis zählen zu dessen engsten Vertrauten. Wer den Kirchenmann schon mal in Fernseh-Talkshows erlebt hat, der versteht, warum man danach gerne aus der Kirche austreten würde. […]

Mittwoch, 4. Juni 2014

Felipe.

Europäische Monarchien stellen für mich ein großes Faszinosum dar.
Sie sind so ungeheuer anachronistisch und dennoch überlebensfähig.
Längst haben sich Wirtschaftsprüfer der Angelegenheit angenommen und festgestellt, daß sie für den Steuerzahler ein wahrer Glücksfall sind. Der Pomp, den sie entfalten lockt Touristen an und katalysiert eine ganze Industrie aus Yellowpress-Journalisten, Souvenirherstellen und anderen Profiroyalisten.
Sie kosten aber, hochgerechnet auf die Arbeitsstunden der gesamten königlichen Familie weit weniger als beispielsweise das deutsche Bundespräsidialamt.
Gauck allein kostet schon 277.000 Euro (inklusive Zulagen) im Jahr.
Die gleiche Summe kassieren aber außerdem Scheel, von Weizsäcker, Herzog, Köhler und Wulff. Wir bezahlen sechs Staatsoberhäupter.
Walter Scheel amtierte von 1974-1979 und kassiert schon 35 Jahre seinen Ehrensold.
Eine Menge Geld für’s Nichtstun.
Noch ungünstiger dürfte das Verhältnis an Ende seiner Tage bei Christian Wulff ausfallen. Er arbeitete gerade mal anderthalb Jahre als Bundespräsident und bezog seinen 277.000-Euro-Ehrensold schon im Alter von 52 Jahren. Das kann noch lange so weitergehen.
Queen Elisabeth II. (* 21. April 1926) hingegen arbeitet statt anderthalb Jahren  nun schon annähernd achtzig Jahre als Staatsoberhaupt des  Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland, Antigua und Barbuda, Australien, Bahamas, Barbados, Belize, Grenada, Jamaika, Kanada, Neuseeland, Papua-Neuguinea, St. Kitts und Nevis, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen, Salomonen und Tuvalu. Als Königin amtiert sie immerhin schon seit 62 Jahren, aber bekanntlich müssen Königskinder schon lange vor dem Erwachsenenalter royale Verpflichtungen übernehmen.
Dadurch vervielfacht Elisabeth ihre Arbeitskraft; alle ihre Familienmitglieder müssen mitarbeiten und so eine Königsfamilie ist groß: Dazu zählen alle, die „His Majesty“ bzw. „Her Majesty, HM“ oder aber den Titel „His Royal Highness“ bzw. „Her Royal Highness, HRH“ tragen. Allein der “engere Kreis” besteht aus 23 Personen.

    Königin Elisabeth II.
    Prinz Philip,
    Charles, Prince of Wales und Camilla, Duchess of Cornwall
        Prinz William und Catherine, Duchess of Cambridge
            Prinz George of Cambridge
        Prinz Harry of Wales
    Prinz Andrew, Duke of York
        Prinzessin Beatrice of York
        Prinzessin Eugenie of York
    Prinz Edward und Sophie, Countess of Wessex
        James Mountbatten-Windsor, Viscount Severn
        Lady Louise Mountbatten-Windsor
    Anne, Princess Royal
    Prinz Richard, Duke of Gloucester und Birgitte, Duchess of Gloucester (Cousin der Königin und seine Ehefrau)
    Prinz Edward, Duke of Kent und Katharine, Duchess of Kent (Cousin der Königin und seine Ehefrau)
    Prinz Michael of Kent und Marie Christine von Reibnitz (Cousin der Königin und seine Ehefrau)
    Prinzessin Alexandra, Lady Ogilvy (Cousine der Königin)

Ich glaube auch daran, daß es vielen Staatsbürgern leichter fällt sich bei Problemen an die Königsfamilie zu wenden, weil sie sich ihnen persönlich verbunden fühlen.
Die Wahl von deutschen Staatsoberhäuptern wird hingegen intransparent ausgeklüngelt. Urplötzlich ist dann ein Köhler oder Gauck Staatschef, obwohl er weiten Teilen der Bevölkerung unbekannt ist.
Kaum einer kennt dessen Parteizugehörigkeit und eine Qualifikation für das Amt muß schon gar nicht vorlegen.
Jeder Brite hingegen kennt die Queen, man weiß genau woher sie kommt, was sie tut und wie man sie erreicht.
Könige und Königinnen können gerade in Krisenzeiten eine enorme symbolische Bedeutung erlangen und den Bürgern dadurch ungeheuer dienlich sein.
Beispiele dafür sind der dänische König Christian X. (1912-1947), der erheblich zur Rettung der Mehrheit der dänischen Juden während der Naziherrschaft beitrug, oder die widerständische Holländische Königin Wilhelmina, die 1940 eine Exilregierung gegen die Deutschen bildete.
Ohne den Spanischen König Juan Carlos hätte es wahrscheinlich 1975 keine Demokratie gegeben; er garantierte das Ende der faschistischen Diktatur.
Eine ähnlich überragende Bedeutung hatte der 42 Jahre regierende Belgische König Baudouin (1951-1993), der als einziger die auseinanderstrebenden Landesteile zusammenhielt, weil er bei Flamen und Wallonen gleichermaßen anerkannt war.
Die rechtsextremen Separatistenparteien wurden erst nach seinem Tod stark.

Man staunt über die europäischen Zustimmungswerte der eigentlich durchweg demokratischen und republikanischen Bevölkerungen zu ihren Königshäusern.
Queen Elisabeth II. wird von allen Generationen verehrt, selbst die Hardcore-Republikaner feiern alle königlichen Hochzeiten, Geburtstage und Jubiläen mit.
Meine Lieblings-Königin Margarethe II. wird von über 90% der Dänen adoriert und kann sich daher Dinge herausnehmen, die sich kein Politiker traut. Dabei kann es sich um sehr bedeutende Impulse, wie ihren vehementen Einsatz gegen Fremdenfeindlichkeit in Dänemark handeln, oder auch einfach persönliche Spleens, wie ihr Kettenrauchen betreffen.


In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebten die sieben Monarchien dieses Kontinents ihre Glanzzeit, weil sie alle zufällig von sehr geeigneten Personen dominiert waren.

Das Problem an Monarchien ist neben ihrer demokratischen Unmöglichkeit aber, daß sich die große Stärke, nämlich die familiäre Kontinuität auch in eine fatale Schwäche wandeln kann.
Trotz der üblicherweise sehr langen Vorbereitungs- und Ausbildungszeit entscheidet fast nur der Zufall der Geburt über den Königstitel.
Das kann gewaltig schief gehen, wenn zufällig ein Depp dran ist.
So hatte der feinsinnige und intellektuelle Baudouin keine Kinder und daher folgte sein plumper Hallodri-Bruder Albert auf den Thron.
Sofort sank das Ansehen des Königshauses. Seit 2013 regiert der farblose Philippe und scheint die Kurve ebenfalls nicht zu bekommen.
Die englische Queen ist glücklicherweise zäh, so daß sie die grenzdebile Diana einfach aussitzen konnte und der wesentlich klügeren Zweitfrau ihres Sohnes Akklimatisierungszeit verschafft.
Man kann das Blatt durchaus wenden. Als 1980 Königin Beatrix ihr Amt antrat, gab es gewaltige Demonstrationen gegen sie. Als sie 2013 abdankte war sie trotz ihrer spröden und unnahbaren Art im ganzen Land hochgeachtet.
Dafür spricht auch, daß die als konservativ geltende „Trixi“ zur Ikone der Schwulenbewegung wurde. Zur Thronbesteigung ihres Sohnes, „Prins Pilsje“, jubelte das Land einhellig. 1980 schien Jahrhunderte entfernt zu sein.

Juan Carlos von Spanien und Carl Gustav von Schweden sind beide (vermutlich) ganz nett und haben sich sehr geeignete Ehefrauen gesucht.
Königin Sophia und Königin Silvia sind in ihren Ländern mit Abstand die beliebtesten Mitglieder des Königshauses. Das hilft.
Juan Carlos und Carl Gustav selbst sind allerdings ziemlich auf den Kopf gefallen hätten längst mal ausgetauscht werden müssen.
König zu sein ist eben auch ein Scheißjob – das was sich andere erlauben dürfen, private Affären und Liebschaften, dürfen sie noch lange nicht.
Johlend mit zwielichtigen schwedischen Freunden durch die Puffs ziehen oder mit halbseidenen eingeheirateten Prinzessinnen auf Elefantenjagten zu gehen, während das Land unter der schwersten Wirtschaftskrise ächzt, kann die ganze Monarchie zum Einstürzen bringen.
Juan Carlos hat offensichtlich seit ein paar Jahren komplett die Verbindung zu seinem Volk verloren.
Er hätte wie schon einmal 1975 in einer schweren Krise ein leuchtendes Vorbild sein können und den Spaniern Mut machen sollen.
Begriffen hat er allerdings gar nichts mehr und so ist die noch vor fünf Jahren völlig unumstrittene spanische Monarchie auf einmal fragil geworden.
Die Hälfte der Jugendlichen wollen sie gleich ganz abschaffen.

In zwei Wochen übernimmt sein Sohn Felipe. Er verfügte bisher über ein 146 000 Euro-Jahresbudget (dafür würde Gauck gar nicht erst aufstehen). Mit 46 Jahren ist er nicht mehr unbedingt ein Repräsentant der Jugend. Seine Frau ist mit Abmagern beschäftigt und wirkt auf die Spanier unterkühlt wie ein Eiszapfen. Seine Schwester ist in einen Korruptionsskandal verwickelt und ihr Ehemann sitzt sogar im Knast.
Armer Felipe.
Als König Felipe VI. muß er eine Menge ändern. Oder er wird der letzte Spanische König sein.

Dienstag, 3. Juni 2014

Ich bin alt und konservativ.



Es kommt immer wieder vor, daß ich mit Gleichaltrigen über unsere Schulzeit sinniere.
Damals lief die Zeit bekanntlich viel langsamer. Man war beispielsweise sein halbes Leben lang 15 und wartete ewig darauf 16 zu werden.
Zwischen 25 und 26 verrinnt die Zeit deutlich schneller. Das Jahr von 35 auf 36 ist in einem Fingerschnippen erledigt und 45 oder 46 kann man gar nicht mehr als Unterschied wahrnehmen, weil da die Jahre wie Sekunden wegtickern.

Da die Teenagerzeit also subjektiv extrem lang war und sehr intensiv mit vielen Veränderungen gelebt wurde, erinnert man sich in der Regel sehr gut daran.
Der Schulunterricht ist mir noch extrem präsent; ich erinnere mich an alle Lehrer und weiß teilweise sogar noch die Stundenpläne. Der grausige Donnerstag in der SIII/SIV beispielsweise, als man in der Nullten Stunde English hatte, dann zwei Freistunden, gefolgt von vierstündigen Naturwissenschaftsblock und erneut zwei Freistunden bis schließlich am Nachmittag die unerträgliche Doppelstunde Psychologie bei der ständig verwirrten Frau Kirchbuddler kam.
Eine dieser abwesenden Lehrerinnen, die einem nach einer ausführlichen Stellungnahme anlächelte und sagte „Entschuldigen Sie, ich habe gar nicht zugehört, könnten Sie noch mal wiederholen was Sie gesagt haben?“.
In den legendären 80er Jahren gab es zwar poppige Frisuren und spacige Mode, aber dafür bei Weitem nicht den Komfort, den heutige Schüler genießen.
Klar, wir kannten weder Computer noch Handy. Aber es gab auch keine Aufenthaltsräume, keine Cafeteria, nichts.
Man mußte einfach draußen vor den Oberstufenräumen warten. Und im Winter ist das nicht so lustig – außer man wohnte zufällig so nah an der Schule, daß es sich lohnte nach Hause zu gehen.
Ich fuhr immer mit dem Bus ins nächste Einkaufzentrum. 12 Minuten Fahrt und  dort ab ins Kaufhofcafé.
70er Jahre Schick mit braunen abgewetzten Cord-Bänken und Plastikgeschirr.
Selbstbedienung, extra trostlose Deko und der Becher Automatencafé für eine Mark.
Bei einer Freistunde hatte man genau 20 Minuten Zeit bis man wieder zum Bus mußte, um zurück zur Schule zu fahren.
Ich könnte heute noch genau die Anordnung der Tische aufzeichnen.
An manchen Tagen hockte man länger im Kaufhof-Café als in der Schule. Natürlich mußte immer einer auf den Eingang gucken – für den Fall, daß ein Lehrer reinkam, dessen Unterricht man zuvor geschwänzt hatte.
Die lähmende Ödnis der Kaufhof-Gastronomie wirkte erstaunlicherweise immer noch attraktiver, als wieder aufzubrechen, um zurück zu Schule zu fahren.
Oft blieb man also einfach sitzen und beobachtete die anderen Gäste, welche diese geilen Kümmelstangen mit Käse für Zweimarkfuffzich aßen.
Oder Nudelsalat; Portion für zwei achtzig.
Als Schüler waren die finanziellen Mittel allerdings begrenzt. Das gesamte Taschengeld ging natürlich für Kaffee und Zigaretten drauf. Aber das stillte ja ohnehin den Hunger. Man sparte sich das Geld für Sinnvolleres. Und ein Gramm Dope kostete auch immerhin mindestens acht Mark.
Ich kann mich sowieso nicht erinnern in meiner Schulzeit gegessen zu haben.
In der Schule gab es nichts, im Einkaufszentrum war es zu teuer, VOR der Schule war es zu früh und schon gar nicht hätte ich mir was zu essen in die Schule mitgenommen – das war nur was für die echten Deppen.
Eigenartigerweise erinnere ich mich nicht daran mich jemals gelangweilt zu haben.
Irgendetwas heckte man immer aus, plante man.
Neben den Schulbüchern befand sich in der Schultasche eigentlich immer nur eins dieser dicken Din-A4-Ringbücher mit kariertem bräunlichem Umweltschutzpapier. Daran klemmten ein oder zwei schwarze GeHa-Inkys, mit denen man quasi ununterbrochen irgendetwas kritzelte, schrieb, zeichnete, ausmalte.
Darauf verfasste man Aufsätze, rechnete Matheaufgaben, konstruierte neue Schimpfworte, malte Karikaturen und notierte alles Wissenswerte.

Wenn man sich so in seine eigene Schulzeit zurückfallen läßt, ist es nahezu unvermeidbar sich mit den Möglichkeiten der heutigen Jugendlichen auseinanderzusetzen.
Durch iPhones und Internet muß ihr Leben ungeheuerlich vereinfacht sein. Ein einziges Zuckerschlecken. Aber diese technischen Möglichkeiten bringen auch eine unermessliche Menge von Ablenkungen und zusätzlichen Stressfaktoren mit sich.
Man vergleicht sich wohl nicht mehr nur mit den anderen Gören, die man im Bus oder dem Kaufhofcafé sieht, sondern buchstäblich mit der ganzen Welt.
Wenn ich mir die Homepage meines alten Gymnasiums ansehe, erkenne ich kaum etwas wieder. Unglaublich, was die Schüler dort inzwischen alles haben. Eine Aula. (Zu meiner Zeit fanden alle Versammlungen, Theateraufführungen, Treffen in der sogenannten „Pausenhalle“ statt. Ein einfacher Pavillon mit 2m Deckenhöhe ohne die geringste Einrichtung, ca 10 mal 20 m groß und chronisch überfüllt). Ein Computerraum. Ein Oberstufenraum, eine Cafeteria, ein Hausarbeitsraum. Ein kleiner Kaufladen. Vermutlich gibt es auch ein Dutzend tamilische WC-Butler, die den Schülern die Hintern mit Watte abtupfen.
Was für Waschlappen! Über die heutige Jugend und ihre Luxusansprüche kann ich nur staunen – wohlwissend, daß ich nun genauso klinge wie die Omen und Open, über die ich damals verächtlich den Kopf schüttelte, wenn sie einem darlegten wie einfach man es im Vergleich zu den Kriegszeiten hatte.
Haben Sie überhaupt gedient?
Die stark zunehmende Zahl seelischer Erkrankungen Jugendlicher, das Komasaufen, Millionen verschriebenen Ritalindosen, der Markenterror, die große Zahl der Schulabbrecher weist aber daraufhin, daß trotz der offensichtlichen enormen Vereinfachungen des Schülerlebens von 2014 die Stressfaktoren nicht ausgestorben sind. Sie haben sich nur verlagert.
Wie die alten Säcke, die ich zu meiner Jugendzeit verachtete, weil sie immer meinten wir hätten es viel zu einfach und es täte uns gut mehr zu arbeiten, neige ich jetzt auch dazu mehr Druck auf Schüler zu verlangen.
Es kann doch nicht richtig sein, daß Jugendliche aus den Schulen in ein Arbeitsleben entlassen werden, die laut der Arbeitgeber zu über 50% gar nicht ausbildungsfähig sind.
In den MINT-Fächern der Universitäten müssen erst einmal Mathematikgrundlagen vermittelt werden, weil heutige Abiturienten keine Zinsen und Prozente kalkulieren können.
Sie benehmen sich schlecht, können kein englisch, haben nicht zu entziffernde Handschriften und Rechtschreibung scheint langsam als spinnertes Hobby der deutschen Geronten angesehen zu werden.
Wir wurden noch angehalten falsches Deutsch sofort zu verbessern. Wies man jemand auf den Unterschied zwischen Genitiv und Dativ, die korrekte Verwendung von „trotzdem“ und „obwohl“ oder die Bedeutung von „das und daß“ hin, bedankte sich der Korrigierte.
Das gemeinsame Ziel richtiges Deutsch zu sprechen und zu schreiben, wurde nie in Frage gestellt.
Die heutigen Schüler scheinen den Unterschied von „das“ und „dass“ nicht mehr zu kennen. Sofern ich einen in den sozialen Netzwerken treffe und das Thema anspreche, werde ich bloß ausgelacht.
Kopfrechnen und Rechtschreibung sind heute doch überflüssig heißt es dann. Das macht die Autokorrektur im Schreibprogramm und bei Facebook verstehen doch auch alle so was gemeint ist.
Das Argument ist zwar nicht von der Hand zu weisen, aber ich glaube trotzdem, daß es falsch ist.
Die Grundfertigkeiten Lesen, Rechnen, Schreiben sind nämlich ein Ausweis der Kultur und führen zu analytischem Denken.
Wer in formalen Dingen schlampt muß auch inhaltlich nicht so gründlich nachdenken. Meinungen werden nicht mehr entwickelt, sondern reproduziert.
Argumente werden nicht mehr überlegt, sondern gegoogelt.
Glaubwürdigkeit wird extern eingeholt.
Man muß nur fertige Meinungen „liken“.
Kampagnen anklicken und Onlinepetitionen virtuell abzeichnen für ein gutes Gewissen.
Die Auswirkungen scheinen mir in einer zunehmenden Denkfaulheit offensichtlich zu sein.

Man wählt Merkel wegen ihres legendären Satzes „Sie kennen mich!“
Das muß reichen. Gläubig zu sein ist „in“, weil Franziskus so bescheiden ist. Und gegen Putin ist man, weil er ein homophobes Gesetz unterstützt. Und TTIP ist schlecht wegen des Lobbyeinflusses. Und Gerd Schröder ist böse wegen HartzIV.

An allen diesen Statements ist ein bißchen Richtiges.
Aber deswegen Urteile zu fällen ist extrem unterkomplex.
Die jeweilige Umstände, die möglichen Alternativen und die eingeengten Handlungsspielräume werden gar nicht mehr bedacht.
Man urteilt, ohne sich ein Urteil bilden zu können.
Weil das Denken outgesourced ist.
Man hat ja auch ein Rechtschreibprogramm.

In diesem Zusammenhang wende ich mich auch entschieden gegen Projekte, die Schüler von Anfang an nur auf dem Laptop lernen lassen.
Ich befürchte, daß viele Fertigkeiten, die nur mit gewisser Mühe zu erlernen sind, dadurch verkümmern und letztendlich das ganze Denken simplifiziert wird.
Sich gegen Computer in der Schule zu positionieren ist ein aussichtsloser Kampf, aber das entsprechende Hamburger Pilotprojekt widerstrebt mir in extremer Weise.

 […]  Der Einsatz von digitalen Medien könnte den Unterricht in der Hansestadt schon bald revolutionieren: Laptops sollen Tafeln, Hefte und Schulbücher vom Sommer an zunächst in sechs Hamburger Schulen weitgehend ersetzen. Der Pilotversuch "Start in die nächste Generation", den Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Dienstag vorstellte, sieht vor, dass insgesamt rund 1300 Schüler künftig vor allem anhand digitaler Lernmaterialien unterrichtet werden und dafür im Klassenraum ihre eigenen Laptops, Tablet-Computer und Smartphones nutzen. Wer kein eigenes Gerät besitzt, wird von der Schule ausgestattet. Die Lehrer sollen ihren Unterricht stark auf digitale Medien abstellen und interaktive Lernsoftware einsetzen wie beispielsweise Programme zur Simulation von naturwissenschaftlichen Experimenten. Ziel ist es, die Schüler auch im sinnvollen Umgang mit Medien zu schulen.
Für den Schulversuch erhalten alle Klassenräume der Gymnasien Ohmoor, Altona und Osterbek sowie der Stadtteilschulen Humboldtstraße, Oldenfelde und Maretstraße drahtlose Internetverbindungen. […]  Das Interesse der Schulen hat selbst Senator Rabe überrascht: 21 hatten sich für das Pilotmodell beworben, die Finanzmittel – insgesamt 892.000 Euro – reichen aber nur für sechs Schulen, deren Schulkonferenzen dem Pilotversuch unter Einbindung der Elternvertreter zustimmen mussten. […]

Es tut mir Leid, aber ich bin zu alt und zu konservativ, um mich mit dem Gedanken anzufreunden, daß nun Handschrift, Rechtschreibung und Kopfrechnung ganz aussterben werden.
Ich bin dagegen!

Montag, 2. Juni 2014

Neues von TVE – Teil X




Zuverlässig wie ein Uhrwerk schaufelt er  das Loch, in dem er sitzt kontinuierlich immer tiefer.
Nach einer Kaskade von Lügen und Unverschämtheiten hat er immer noch nicht auch nur ansatzweise verstanden was er angerichtet hat.
Vielleicht wird er zur Kenntnis genommen haben, daß er sich weltweit zum Witzbischof gemacht hat, der rund um den Globus für seine Prunksucht ausgelacht wird.

Das letzte, das wir von unserem Lieblingsbischof erfuhren, war sein stures Sitzenbleiben in seiner Limburger Prachtbehausung.

TVE verläßt sich auf seine extrem mächtigen Freunde Kardinal Müller und Kurienerzbischof Gänswein.
Trotz anderslautender Anweisungen des Papstes bleibt er einfach in seiner luxuriösen Bischofsresidenz auf dem Limburger Domberg hocken.
Er will nicht all die Annehmlichkeiten, die millionenschwere Kunstsammlung, seine private Reliquienkammer und den schönen TVE-Privatgarten verlassen.
In Limburg hat sich auch Monate nach seinem Rausschmiss nichts geändert. All die ultrakonservativen TVE-Zuarbeiter sitzen weiterhin an den Schaltstellen der diözesanen Macht.
Seit Oktober hat Tebartz-van Elst in Limburg nichts mehr zu sagen, im März entband ihn Papst Franziskus endgültig von seinem Amt. Doch die Ära des luxus- verliebten Bischofs scheint noch nicht vorbei. „Von den versprochenen Reformen, von mehr Transparenz und Ehrlichkeit ist wenig zu spüren“, sagt Hubertus Janssen, ein pensionierter Gefängnispfarrer. […] Im Domkapitel sitzen immer noch dieselben hohen Herren, die Tebartz-van Elst einst wählten und den Bau seiner 31-Millionen-Euro- Residenz unkritisch begleiteten. Auch Franz-Peter Tebartz-van Elst kann von seinem Lebenswerk nicht lassen. Er speist, wohnt und schläft bis heute in seinem Luxusbau. […] Neue Bauvorhaben, umstrittene Immobiliengeschäfte, Kontinuität in der Personalpolitik: Seit Wochen staut sich der Unmut unter den Limburger Seelsorgern. Doch bislang finden sie kein Ventil. Der Priesterrat des Bistums kann nicht tagen, solange kein neuer Bischof berufen ist. Und das Domkapitel berät wie stets hinter verschlossenen Türen. Eine offene Diskussion über Kandidaten für die Tebartz-Nachfolge findet nicht statt.
(Der SPIEGEL Nr. 21/2014 s. 40)

Aber wie lange kann TVE das durchziehen, wenn zwei Bistümer weiter, in Regensburg beim 99. Katholikentag der große Neuanfang gefeiert wird und der bescheidene Papst Franz jetzt schon als nächster Heiliger verehrt wird?

Der eben schon erwähnte Pfarrer Janssen schrieb schon vor Monaten in einem Aufsatz für die ZEIT was das Problem ist:
Kein Gläubiger in Limburg traut der Amtskirche noch.
Bischof Tebartz-van-Elst, aber auch das ganze Domkapitel inklusive des von Rom auserkorenen Bischofsvertreters Weihbischof Grothe werden allesamt für abgehobene Lügner gehalten. Das was meiner atheistischen Ansicht nach eine völlig richtige Einschätzung der Katholischen Oberhirten ist, wird auf einmal auch von den Tiefgläubigen geteilt.
Damit hat die RKK ein echtes Problem.

Zunächst gab es eine große Bereitschaft, mit dem neuen Bischof zu arbeiten, denn es standen schwierige Aufgaben an. Alle sollten sparen und zugleich erneuern. Meine Gemeinde zum Beispiel sollte 11 000 Euro zusätzlich aufbringen, weil Zuschüsse vom Bistum wegfielen. Ich schrieb damals an alle wahlberechtigten Gemeindemitglieder einen Bettelbrief. Das war kurz vor Weihnachten 2007. Kaum war der Brief bei den Gläubigen angekommen, kam der Donnerschlag aus den bischöflichen Behörden: Es sollte ein neues Bischofshaus gebaut werden für fünf bis sechs Millionen Euro. Die Reaktion der Gläubigen: Staunen, Unverständnis, Frust, Zorn. Ich habe damals als Erster gegen den Bau protestiert.
Bald war vom Geist der Befreiung, der das Bistum seit den sechziger Jahren geprägt hatte, nichts mehr zu spüren. Die Bistumsführung regierte autoritär. Kritik war unerwünscht, ein Klima von Angst und Verschwiegenheit machte sich breit. Nur der Bischof wusste, was für das Bistum gut war.
Heute wissen wir, dass er das Bistum in die Krise geführt hat. Unsere Kontrollgremien haben versagt, am meisten wohl der Vermögensverwaltungsrat des Bischöflichen Stuhls. Plötzlich war alles geheim, es gab überhaupt keine Transparenz mehr.
Jetzt fragen alle: Wäre das verlorene Vertrauen durch Tebartz selbst wieder herstellbar? Ich glaube, dafür ist es inzwischen zu spät. Es geht hier nicht zuerst um die 30 bis 40 Millionen, die für den Bischofsbau auf dem Domberg ausgegeben wurden. Das große Übel war, dass alle Kontrolle durch den Bischof und seinen damaligen Generalvikar Kaspar ausgehebelt wurde. Mir wird fast täglich von Limburgern gesagt oder geschrieben: Das Vertrauen sei zerstört. Ich habe den Eindruck, dass der Bischof immer noch nicht verstanden hat, wie tief gehend der Vertrauensverlust ist.

Papst Franz begeht aus seiner Sicht einen schweren Fehler, indem er die alten toxischen Strukturen der Limburger Diözese einfach so beläßt wie sie sind, statt Tabula Rasa zu machen.
Das Kind ist im Brunnen, aber keiner der mächtigen katholischen Topkleriker, Müller und Marx, scheint willens zu sein, das Kind aus demselben rauszuholen.

Der mächtige apostolische Administrator Grothe immerhin, scheint nun, ein Jahr zu spät, zu ahnen welch ungeheuerliches Desaster die Amtskirche angerichtet hat. Jammernd wendet er sich an die Presse und beklagt sich über den alten Diözesanbischof TVE, der sich in seinem Luxusapartment festgesaugt hat und nicht daran denkt wegzugehen.
Katholische Kirche goes Kindergarten.

"Was sich da ereignet hat, war nicht nur ein kleiner Betriebsunfall, sondern ein Crash", sagte Grothe der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) vom Mittwoch. [….]  Seit dem Rücktritt von Franz-Peter Tebartz-van Elst von seinem Limburger Bischofsamt Ende März leitet er das Bistum mit allen Rechten und Pflichten eines Diözesanbischofs.
"Es ist keine gute Situation", sagte Grothe dazu, dass Tebartz-van Elst nach wie vor in der unter seiner Verantwortung errichteten umstrittenen Bischofsresidenz auf dem Limburger Domberg wohnt. "Tebartz-van Elst spürt doch jeden Tag, dass er in einem goldenen Käfig lebt."  Das Bistum sei Tebartz-van Elst als emeritiertem Bischof aber auch verpflichtet und könne ihn nicht einfach vor die Tür setzen. [….]

Grothe ist eine Freude für einen Atheisten. Denn wenn er wüßte, wie man eine Diözese führt, täte er genau das: TVE vor die Tür setzen. Das wäre der entscheidende Schritt, um die das Vertrauen seiner Schäfchen zurück zu gewinnen.
Stattdessen macht Limburg nun Schlagzeilen damit wie ab sofort die Rentenbezüge des Millionenverschleuderers aussehen. Man kann sich gut vorstellen, wie es mit der Spendenbereitschaft bei den nächsten Kollekten aussehen wird.

 […]   Die Diözese prüft Grothe zufolge mit Kirchenrechtlern und Wirtschaftsprüfern, welcher Schaden im Zusammenhang mit dem Neubau entstanden ist, wen das betrifft - "und wer für den Schaden haftbar ist". Dass Tebartz-van Elst weiterhin in der Wohnung auf dem Limburger Domberg wohnt, bezeichnete er als "keine gute Situation" für beide Seiten. [...]
Der emeritierte Bischof hat sich mit dem Bistum Limburg auf ein Ruhestandsgeld in Höhe von 71 Prozent des letzten Gehalts geeinigt - das wären rund 6600 Euro. Davon werde ein Betrag für die Nutzung der Dienstwohnung abgezogen. Nach Informationen des HR handelt es sich dabei um rund 500 Euro. […]

500 Euro Miete für einen Privatpalast.
40 Millionen Euro verprasst und dann mit einem goldenen Handschlag von monatlich 6.600 Euro Netto im Alter von 54 Jahren in den Ruhestand geschickt.
Das kommt sicher nicht gut an in der Neidrepublik Deutschland.
So viel Nächstenliebe wird sich auch bei den frommen Limburgern nicht finden, daß sie TVE sein finanziell sorgenfreies Leben gönnen.