Mittwoch, 15. April 2020

Leben oder beten?


Religiosität ist auch eine Frage der Gewohnheit.
Je einfältiger der Mensch, desto mehr braucht er Strukturen und Rituale.
Man geht in die Kirche, weil man immer hingegangen ist und weil alle anderen auch dahin gehen. Trott, Mitläufertum, Gruppendruck und Denkfaulheit sind die Zutaten, mit denen der Pastor seine zahlenden Schäfchen in die Kirche holt.
Schäfchen, die für eine nachweislich unwirksame Therapie zahlen.
Wenn es drauf ankommt, hat der Glaube noch nie geholfen. Auschwitz hat das gezeigt.
Deswegen montieren Domherren lieber einen Blitzableiter auf den Kirchturm statt auf Gottes Schutz zu vertrauen. Daher fahren Päpste in gepanzerten Limousinen.
Daher betet niemand für das Nachwachsen amputierter Gliedmaßen oder das Wiederauferstehen verstorbener Geliebter – wenn es erst ist, wissen sie, daß ihr angeblich allmächtiger Gott nicht helfen kann.
Das Zünden der stärksten päpstlichen Superwaffe, dem Urbi et Orbi; und der von Trump ausgerufene „nationale Gebetstag gegen Corona“ hatten nicht nur gar keinen Effekt, sondern seitdem stiegen die Fallzahlen der Infizierten und Toten exponentiell an.

Für religiöse Führer sind die leeren Gotteshäuser ein Problem, weil sie erstmals die Gewohnheiten der Gläubigen für längere Zeit unterbrechen.
Dabei könnten sie metaphysisch entwöhnt werden – wie bereits die große Majorität der Menschen, die ohnehin nie in Gottesdienste geht. Man muss den Schritt nur einmal wagen und merkt dann wie viel angenehmer man den Sonntag verbringen kann.
Sonntags in die Messe zu gehen ist wie das STERN-Abonnement, das ich seit Teenagertagen hatte. Man ist so sehr dran gewöhnt donnerstags im neuen Heft zu blättern, daß man sich gar nicht vorstellen kann, daß an dem Tag nur noch die ZEIT allein im Briefkasten liegen soll.
1993, mit dem Erscheinen der „WOCHE“, der linksliberalen Zeit-Alternative vom Manfred Bissinger, die ich von der ersten Ausgabe an abonniert hatte, kündigte ich das STERN-Abo.
Meine Tante, meine Mutter, mein Onkel beglückwünschten mich zwar – du hast ja Recht, man muss den STERN wirklich nicht mehr lesen; das ist doch ein reines Boulevardblatt geworden – trauten sich aber zunächst nicht den Schritt ebenfalls zu gehen, weil sie die Zeitschrift seit Dekaden gewöhnt waren.
Ich war ihr Versuchskaninchen. Mal sehen wie lange es dauert bis der Junge jammert und den STERN zurückwill.
Wie sich herausstellte, war aber nur die Vorstellung nun keinen STERN mehr zu haben so unangenehm, den nächsten Donnerstag vermisste ich ihn noch im Briefkasten, aber nach kürzester Zeit hatte ich das bunte Ding vollkommen vergessen. Aber wenn ich danach gefragt wurde, drängte ich natürlich den Rest der Familie ebenfalls die Abos zu kündigen, weil es so eine Erleichterung und Ersparnis (Geld, Zeit und Altpapier) war.

Pfaffen fürchten sich nun davor, ihrem Schafsherden-Rudiment könnte es genauso gehen.
Daher drängen sie darauf ihre sakralen Geldsammel-Einrichtungen möglichst schnell wieder zu füllen und drängen die Bundes- und Landesregierungen die Kirchen wieder  zu öffnen.
Hier hinkt der STERN-Vergleich dann allerdings sehr. Das Magazin zu lesen oder nicht ist sicher keine Frage des Überlebens. In Zeiten von Corona ist der Kirchgang allerdings potentiell tödlich. Insbesondere wegen der Altersstruktur der Kirchgänger. Auf den Kirchenbänken sitzen weitgehend Grauhaarige, die sehr viel eher an Covid19 sterben.
Angela Merkel, die Pastorentochter von der C-Partei CDU hegt alle Sympathien für die Kirche. Aber sie ist eben auch Bundeskanzlerin, die ihren Amtseid (anders als Trump) so versteht möglichst keine Bürger zu töten und daher bleibt es beim Gottesdienstverbot.

[…..] Kanzlerin Merkel und die Länder haben sich in der Corona-Krise darauf geeinigt, die Kontaktbeschränkungen zu verlängern. Doch die Maßnahmen werden gelockert: Ab Montag sollen mehr Geschäfte wieder öffnen.
Bund und Länder haben sich bei ihren Beratungen auf eine Verlängerung der Kontaktbeschränkungen verständigt. "Es darf jetzt kein falsches Vorpreschen geben", sagte Bundeskanzlerin Merkel nach einer Telefonkonferenz mit den Ministerpräsidenten der Länder. Man habe zwar etwas erreicht - die Krankenhäuser, die Ärzte und die Pflegekräfte seien nicht überlastet worden. Aber das sei nur ein Zwischenerfolg, "ein zerbrechlicher Zwischenerfolg", warnte Merkel. […..]

Vor sie Alternative gestellt die Gläubigen einer tödlichen Seuche auszusetzen und damit einige Schäfchen unter die Erde zu bringen, oder auf ihre Einnahmen zu verzichten, entscheiden sich die Bischöfe anders als die Kanzlerin und Ministerpräsidenten.

Katholiban-Chef Bätzing – „Corona ist ein Glücksfall der Geschichte“ – ist sauer.

[….] Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, äußerte in einer ersten Stellungnahme Unverständnis zu der Entscheidung in Bezug auf öffentliche Gottesdienste. "Die heutigen Beschlüsse der Bundesregierung und der Ministerpräsidenten zum weiteren Vorgehen gegen die Corona-Pandemie haben wir zur Kenntnis genommen. Wir sind den politisch Verantwortlichen dankbar für ihren Einsatz", so Bätzing in einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung.
"Die Ostertage haben gezeigt: Gottesdienste geben vielen Millionen Menschen Orientierung und Halt unter den schwierigen Lebensbedingungen der Krise. Mit Enttäuschung nehme ich allerdings zur Kenntnis, dass das Verbot von öffentlichen Gottesdiensten aller Religionsgemeinschaften derzeit erhalten bleiben soll. Angesichts von ersten Lockerungsmaßnahmen in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens kann ich das nicht nachvollziehen, erst recht nicht nach der sehr deutlichen Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts in der vergangenen Woche zu den schwerwiegenden Eingriffen in die Religionsfreiheit", so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz weiter. [….]

Ein paar Glaubensgeronten abkratzen zu lassen, weil sie sich in den Gottesdiensten anstecken? Wieso sollte das ein Problem sein, fragen sich auch seine Brüder im Amte.

[…..] Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer will wieder Gottesdienste mit Gläubigen feiern. […..] Die Kirche habe "große Opfer gebracht und zuletzt an Ostern schmerzhaft auf vieles verzichtet. Jetzt braucht es mit den allgemeinen Lockerungen auch ein behutsames und schrittweises Öffnen der Gottesdienste für die Teilnahme von Gläubigen, die das Ganze bisher mit Geduld und Verständnis mitgetragen haben", mahnte der Bischof am Dienstag. [….]

[…..] Kardinal Woelki lässt öffentliche Gottesdienste vorbereiten "Wir haben eine Botschaft für die Menschen"
[…..] Sollte eine Lockerung der Corona-Maßnahmen eintreten, so müssten auf jeden Fall auch die Kirchen wieder für öffentliche Gottesdienste geöffnet werden. Das hat der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki im Nachrichtensender Phoenix an diesem Mittwoch gefordert.
[…..] Er betonte das Grundrecht eines Kirchengangs und verwies auf die jüngste Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts: "Das ist ein Menschenrecht, ein Freiheitsrecht, ein Recht auf freie Religionsausübung, das ist von der Verfassung her garantiert." [….]

Leben und den Bedeutungsverlust der Kirchen riskieren oder lieber den Tod riskieren, damit die Bischöfe sich weiterhin reich und mächtig fühlen können?
Da wählen organisierte Christen die toxische Option!
Die menschliche Dummheit ist unendlich.

[….] In der gegenwärtigen Corona-Krise hat man schon allerhand Erstaunliches gelesen, doch die jüngste Stellungnahme von CDU-Gesundheitspolitiker Alexander Krauß sollte man sich keinesfalls entgehen lassen. Am Montag postete der CDU-Bundestagsabgeordnete aus dem Erzgebirge auf seiner Homepage einen Text mit der Überschrift: "Gottesdienste stärken Immunsystem - Beschränkungen zuerst aufheben". Krauß erklärte in dem Text, dass Gottesdienste alsbald wieder erlaubt werden sollten. "Die gravierende Einschränkung der Religionsfreiheit sei zwar derzeit gerechtfertigt, müsse aber so bald als möglich aufgehoben werden." Soweit so gut. Das entspricht ziemlich genau dem, was das Bundesverfassungsgericht erklärte, als es vor einigen Tagen über das coronabedingte Verbot von Gottesdiensten entschieden hatte.
Doch Krauß, der neben Politik- und Kommunikationswissenschaften auch evangelische Theologie studiert hat und zeitweise Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit bei der Stadtmission Zwickau war, reichte es nicht, auf die Grundsätze der Religionsfreiheit hinzuweisen. Gerade kirchliche Angebote müssten bei einer beginnenden Lockerung der Corona-Maßnahmen wieder zugelassen werden, so Krauß, denn "zudem stärken Seelsorge und Gottesdienste das Immunsystem, sind also per se eine Anti-Corona-Maßnahme". "Derzeit werde unterschätzt", so der CDU-Politiker, "welchen großen Beitrag die Kirchen zur seelischen Gesundheit leisteten. Gebete und Gemeinschaft im Gottesdienst stärkten die Abwehrkräfte des Körpers und seien daher in einem doppelten Sinne heilsam". Die wissenschaftliche Quelle, auf der seine Aussage fußt, bleibt Krauß schuldig. [….]  Dass die Einschätzung von Gottesdiensten als Anti-Corona-Maßnahme ausgerechnet von einem Mitglied im Ausschuss für Gesundheit des Deutschen Bundestages kommt, der noch dazu "Berichterstatter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für ambulante ärztliche Versorgung, MVZ´s (Medizinische Versorgungszentren) und DMP´s (Disseas[sic!]-Management-Programme)" ist, ist höchst bedenklich. [….]

Dienstag, 14. April 2020

Zeit zu handeln, liebe Medien!


Ganz am Anfang, im Jahr 2015 war es irgendwie noch lustig diesen grotesken Typen Donald Trump das Feld der GOP-Spinner aufrollen zu sehen.
Das waren nach damaligen Verhältnissen immerhin schon absurd verrückte Typen. Ted Cruz mit seinem weinerlichen Gesichtsausdruck, der log, wenn er den Mund aufmachte und Bacon-Scheiben um den Lauf eines Maschinengewehrs wickelte, die dann durch die Hitze beim Schnellfeuern gebraten wurde.


Trumps Kandidatur brachte Quote und wie sollte man es den damals darbenden Sendern verübeln, daß sie immer ihre Kameras auf den orangen Clown hielten, der sie alle so wunderbar unterhielt.
Was sollte schon passieren; Hillary Clinton würde ohnehin nächste US-Präsidentin werden. Da konnte man auch die republikanische Freakshow ausschlachten, um Quote zu machen. 

Die meisten Menschen konnten sich nicht vorstellen, daß Trump tatsächlich nächster US-Präsident werden könnte.
Wenn man sich den Gedanken erlaubte, der wäre tatsächlich Obamas Nachfolger reichte die Phantasie zwar für allerlei schlimme Szenarien aus. Aber zumindest war klar: Schlimmer als GW Bush könne es nicht kommen. Trump wollte ja Geld machen und sich mit China und Russland versöhnen.
 Und dann war es doch passiert; dank des US-Wahlrechtes wurde der irre Milliardär doch Präsident.

Donald Trump: 62.984.825 Stimmen = 46,09% = 304 Wahlmänner
Hillary Clinton: 65.853.516 Stimmen = 48,18 % = 227 Wahlmänner.

Wie war das möglich geworden? Fast 63 Millionen Amerikaner entschieden für einen offensichtlich unvorbereiteten, dreist lügenden, rüpelhaften Bully, der Behinderte nachäffte, damit prahlte Frauen sexuell zu belästigen, Konkurrent Rubio bezichtigte einen zu kleinen Penis zu haben, seine Steuerunterlagen nicht veröffentlichte und immer wieder plumpen Rassismus auslebte?

Tatsächlich, „die Medien“ waren Schuld. Sie hatten Trump kostenlos Sendezeit im Wert von Milliarden Dollar überlassen und auch seine absurdesten Auftritte immer einfach weiter übertragen.

Im November 2016 waren alle vernünftigen Menschen entsetzt über die amerikanischen Wahlen, aber selbst die Pessimisten konnten sich damals noch nicht vorstellen wie schlimm es kommen würde. Man ahnte immer noch nicht was für einen miesen und total destruktiven Charakter IQ45 wirklich hatte und unterschätzte immer noch seine Borniertheit.

Heute sind wir 16.000 Lügen weiter und die Vereinigten Staaten liegen buchstäblich am Boden.
70 Tage hatte Trump sich geweigert Maßnahmen gegen eine Pandemie zu ergreifen und so seine Nation zur mit weitem Abstand weltweit tödlichsten Corona-Brutstätte gemacht.

Seine Pressekonferenzen sind nun keine Frage davon, ob man seine Politik damit unabsichtlich unterstützt, ob er damit seine Wiederwahlchancen verbessert.
Nun ist es Trump direkt und persönlich, der durch seine Fehlinformationen und Missetaten seine Landsleute tötet.


Trumps Pressebriefings zu übertragen ist nun keine Frage der Quoten mehr, sondern eher so etwas wie Beihilfe zum Todschlag.

[…..] Five Takeaways on What Trump Knew as the Virus Spread
An examination by The New York Times reveals that there were warnings from the intelligence community, national security aides and government health officials — even as the president played down the crisis.
Top White House advisers as well as experts deep in the cabinet departments and intelligence agencies all sounded alarms and urged aggressive action to counter the threat from the coronavirus, but President Trump remained slow to respond, a detailed examination of the government’s response found.
Mr. Trump’s views were colored by long-running disputes inside the administration over how to deal with China and his own suspicion of the motivations of officials inside what he viewed as the “Deep State.” And recommendations from public health officials often competed with economic and political considerations in internal debates, slowing the path toward belated decisions. […..]

Trump tötet.


Es muss Schluss damit sein ihn nach drei Jahren im Amt immer noch medial zu multiplizieren; immer in der Erwartung etwas Substantielles zu erfahren. Dabei ist vollkommen klar bewiesen, daß er das nicht liefert.

[….] On his show, Morning Joe, former Republican congressman Scarborough showed clips of Mr Trump making statements in his daily briefings and interviews before adding his voice to criticism of networks including his own MSNBC for not fact-checking the president.
“The president lies so much in these press conferences, I still for the life of me don’t understand why the networks, including our own, allow Donald Trump to lie for two hours to the American people,” he said.
“If he were giving good information, that would be one thing, but it is a lie. So if this network or CNN or Fox is going to run him lying for two hours a night, they need a real-time fact checker.” […..]


Die Vierte Gewalt muss sich nun ihrer Verantwortung bewußt werden: Indem sie über die eigene Regierung berichtet, fügt sie dem Volk schweren Schaden zu! In den Zeiten der Corona-Krise darf man nicht auf den Präsidenten hören!


Trump treibt es nun sogar soweit seine Tochter und seinen Schwiegersohn darüber entscheiden zu lassen, wann die social distancing-Maßnahmen abgeschafft werden.

[…..] Yes, the latest disturbing development in our national (and global) nightmare is the news that Ivanka Trump and Jared Kushner will be on the White House’s council to reopen America. While the duo needs no introduction at this point, for those not entirely clear what their qualifications are to sit on this council, they include, in the case of Ivanka: a failed clothing line, a knack for not knowing how words work, the inability to obtain a top secret security clearance without President Daddy demanding it, and a grasp of the current situation so strong that she thinks quarantined parents have time to take up new instruments and brush up on Greek and Roman mythology. And what does the Boy Prince of New Jersey bring to the table? With a CV as long as his, it’s hard to hit on all of his accomplishments, but some of the highlights include: paying more than $1 billion for an aging skyscraper on the eve of the financial crisis, a career as a slumlord, convincing his father-in-law to keep the 2019 shutdown going based on a delusional bet that he could convince Nancy Pelosi to pay for the border wall, and, of course, telling the president the coronavirus was not a “health reality.” […..]






Es ist absolut unverantwortlich Trumps Lügen weiter zu verbreiten, wenn eine halbe Million Amerikaner durch seine Borniertheit infiziert sind und jeden Tag 2.000 US-Amerikaner an Covid19 sterben.
Man kann über ihn berichten, seine Aussagen analysieren, kommentieren, bewerten, factchecken. Aber LIVE-Übertragungen und O-Ton sind einfach zu gefährlich.

Montag, 13. April 2020

Konsum-Detox


Während der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz angesichts weltweit 1,92 Mio Covid19-Infizierten, 1,4 Mio Erkrankten und 119.000 Toten (Stand 13.04.2020) von einem „Glücksfall“ spricht……

[…..] Limburger Bischof Bätzing: „Corona-Krise ist Glücksfall der Geschichte
 „Niemand, kein Volk, kein Land, keine Wirtschaft ist eine Insel. Alles hängt mit allem zusammen“, sagte Bätzing in seiner Rede. Die Krise, so schlimm sie auch sei, habe viel Gutes hervorgebracht. „So viel Freundlichkeit und Humor habe ich selten erlebt“, sagte der Limburger Bischof, der Anfang März zum Nachfolger des bisherigen DBK-Vorsitzenden Reinhard Marx gewählt worden war. [….]

….empfinde ich großes Mitleid mit den Betroffenen.
Insbesondere die Pandemie-typische Art des Allein-Sterbens erscheint mir extrem grausam. Seine eigene Mutter, seinen Vater sterbend oder schwerkrank im Krankenhaus oder Pflegeheim zu wissen ohne an ihrer Seite sein zu können, sich nicht verabschieden zu können, ihnen nicht beistehen zu können, ist eine brutale seelische Belastung.

Dabei leben wir in Deutschland noch auf einer Insel der relativen Glücksseligkeit. Man kann seine kranken Angehörigen zwar nicht mehr besuchen, aber weiß sie immerhin noch gut versorgt. In den ungerechten Gesundheitssystem der USA und des UK kann man hingegen nicht damit rechnet die notwendigen Behandlungen auch zu bekommen.
Der britische NHS ist aber immer noch Gold in Relation zu dem was einem in Afrika oder dem Nahen Osten blüht.

Ich empfinde es anders als seine Exzellenz Bätzing auch nicht als „Glücksfall“ Zig Millionen Menschen in existenzieller Not zu wissen.
In den hochindustrialisierten Vereinigten Staaten ist es für viele Menschen nur eine Frage von drei oder vier Wochen von der Mittelklasse in Obdachlosigkeit und Hunger abzurutschen.


In Deutschland sorgt das von der FDP so verhasste Sozialsystem dafür, daß echter Hunger und Obdachlosigkeit zwar offensichtlich nicht völlig ausgeschlossen, aber doch viel weiter entfernt als in den Staaten sind.

Ich empfinde es anders als seine Exzellenz Bätzing auch nicht als „Glücksfall“ so viel mehr Menschen arbeitslos zu wissen und Millionen Kleinstselbstständige um ihre Firmen bangen zu sehen.
Wie viel finanzielle Reserven haben denn eine Pizzeria, ein Friseur, ein Änderungsschneider, ein Bilderrahmengeschäft oder der Blumenladen?

Ja, es mag einige positive Folgen der Corona-Pandemie geben. Ja, es wäre vorteilhaft den Luxuskonsum, der extrem Umwelt- und Klima-schädlich ist bei der Gelegenheit drastisch zu reduzieren.

Ich befürchte aber, daß bei einem längeren Anhalten des Lockdowns viele Existenzen dauerhaft zerstört werden, weil man sich eine gewisse Art des Konsums endgültig abgewöhnt hat.
Werden alle Menschen, die sich jetzt ganz und gar den Streamingdiensten ergeben haben, nach Corona wieder in Kinos, kleine Privattheater, Ausstellungen und Opern gehen?
Geht man wieder essen und unterstützt das kleine Restaurant um die Ecke, wenn man zwei, drei Monate erlebt wie man auch ohne Gastronomie auskommt?
Unterstützt man Musiker wieder, indem man deren Konzerttickets kauft, wenn sich diese Form des Ausgehens einmal abgewöhnt hat?
Werden die Laufhäuser wieder voll, wenn die Männer einmal gelernt haben, daß es auch mit Pornhub geht?
Rafft man sich noch auf in teure Zoos und Wildparks zu fahren, wenn man über Monate auf nette Tier-Dokus im Fernsehen ausgewichen ist?

Als Sozial-Troglodyt bin ich ohnehin ein schlechter Konsument für die Volkswirtschaft. Ich gehe nie aus, nie essen, reise nicht. Ich mache mir nichts aus Markenklamotten oder Statussymbolen.
Durch den Ausfall meiner Kaufkraft gibt es also keine großen Defizite.
Aber selbst ich merke wie ich mir innerhalb eines Monats kleinere Prassereien abgewöhne.
Vor ein paar Tagen habe ich das erste mal in meinem Leben nach einem Youtube-Tutorial mit einem elektrischen Langhaarschneider meine Haartracht getrimmt. Nein, so gut wie meine Friseurin kann ich das selbstverständlich nicht.
Aber es sieht auch nicht so verboten aus, daß ich mich gar nicht mehr auf die Straße wage. Vielleicht schere ich zukünftig zumindest die Seiten immer selbst und erspare mir ein paar Friseurbesuche?
Dann habe ich diese Schwäche für Rubbellose. Ich kaufe mindestens einmal wöchentlich Zeitschriften in meinem Stammkiosk und runde den Betrag immer mit Rubbellosen auf, kaufe freitags ein Platin-Los für 10 Euro.
Ja, ich weiß um die Gewinnchancen, aber das Geld hilft dem kleinen Kioskbetreiber und kommt der Staatskasse zu Gute, während es mir einen kleinen Restkick gibt. Nun bin ich aber seit Wochen Rubbellos-frei. Fange ich diesen Tick wieder an, wenn alles vorbei ist?
Insbesondere gebe ich aber weniger Geld beim Lebensmittelkauf aus, da ich seit Beginn der Corona-Maßnahmen lediglich zweimal bei REWE bestellt habe und nicht mehr im kleinen, privaten inhabergeführten Niemerszein-EDEKA nebenan war. Zu Discountern gehe ich ohnehin grundsätzlich nicht. Niemerszein wird vermutlich den gegenwärtigen Zustand verkraften, weil all die Leute, die sonst während der Arbeit in Kantinen essen und bei ihm einkaufen.
Ich könnte da also im Moment ohnehin nicht durch die Regalreihen streifen.
Aber normalerweise gebe ich dort immer viel mehr Geld aus als ich eigentlich vorhatte, weil mich irgendetwas besonders anguckt.
Nun habe ich aber zwangsweise gelernt eher mit den Basics auszukommen.
Ich essen nun den von REWE gelieferten Käse, teilweise sogar Abgepackten, statt Unsummen bei der kleinen Fromagerie auf dem Markt auszugeben.
Am stärksten spare ich derzeit aber dadurch, daß ich mir die guten Bäcker verkneife.
Allen Norddeutschen sei an dieser Stelle dringend empfohlen bei Gaues, zukünftig Backgeschwister, zu kaufen! Teuer, aber so viel besser als das Einheitsbrot aus der Fabrik.
Üblicherweise kaufe ich zwar als Backup im Supermarkt ein Paket Schwarzbrot in Scheiben und Knäckebrot, aber meistens wird das irgendwann alt und landet auf dem Müll, weil ich zwischendurch immer frisches Brot kaufe und das erst mal esse. Wer ein Gaues-Tomaten-Ciabatta im Haus hat, isst garantiert erst mal nichts anderes.
Natürlich kaufe ich dadurch zu viel Brot; eine Menge landet in der Biotonne.
Auch das habe ich mir erstmals in meinem Leben abgewöhnt, esse nur die Basis-Version. Harrys „Das Volle Korn“, zwei Wochen haltbar.
Zu den kleinen Prassereien gehört auch mein Faible für Düfte.
Natürlich bestelle ich nicht bei Amazon und gehe nicht zum Börsen-Konzern Douglas, aber es gibt nette inhabergeführte Parfümerien.
Ein Lieblingsduft ist mir ausgegangen, den ich ohne Corona schon längst ersetzt hätte.
 Lebenswichtig ist das nicht; ich benutze das Zeug ohnehin nur, wenn ich allein zu Hause bin. Aber fange ich überhaupt wieder an so etwas zu kaufen nach dem oktroyierten Konsum-Detox? Gerade habe ich mir das alles abgewöhnt.
Den kleinen Läden zu Liebe, die ich damit unterstütze, hoffe ich das milde Prassen bald wieder aufzunehmen.
Aber ganz leicht wird es nicht, wenn man die Nicht-Notwendigkeit so deutlich vor Augen geführt bekam.

Sonntag, 12. April 2020

Kommen Haare wieder dahin wo sie hingehören?


Ja, es gibt schon auch positive Effekte der Pandemie.

Am wichtigsten ist die zwar kleine, aber immerhin wieder vorstellbare Chance die extrem unseriösen Populisten Trump, Bolsonaro und Johnson zu entzaubern – sofern ihre fanatischen Anhänger in der Lage sind zu erkennen, daß ihre Länder härter als andere von der Seuche getroffen werden, weil es eben doch auf vernünftiges und wahrhaftiges Handeln der Regierenden ankommt.

[…..] Die größ­ten Co­ro­na-Ver­sa­ger kom­men aber von der ita­lie­ni­schen Lega, der Par­tei von Mat­teo Sal­vi­ni. Sie führt die Re­gie­rung in der Lom­bar­dei, wo das Vi­rus am ärgs­ten wü­ten konn­te. Rund die Hälf­te al­ler Co­ro­na-To­ten Ita­li­ens stammt aus die­ser Re­gi­on. Noch am 8. März ent­schied dort die Lega-Re­gie­rung, »leicht er­krank­te« Co­ro­na-Pa­ti­en­ten in Se­nio­ren­wohn­hei­men un­ter­zu­brin­gen. Ein töd­li­cher Feh­ler, durch den un­zäh­li­ge alte Men­schen in­fi­ziert wur­den und star­ben. »Wer sich dem wi­der­setzt hät­te, hät­te die För­de­rung ver­lo­ren, also hiel­ten alle den Mund«, er­klär­te jetzt ein Lei­ter von 400 Se­nio­ren­re­si­den­zen.

Der Tod von 70 Be­woh­nern ei­ner Mai­län­der Se­nio­ren­re­si­denz soll ver­tuscht wor­den sein. Ein Mit­ar­bei­ter im Haus, der dem Pfle­ge­per­so­nal früh Mund­schutz und stren­ge Hy­gie­ne vor­schrei­ben woll­te, wur­de zeit­nah ge­kün­digt. Man wol­le kei­ne Pa­nik ent­ste­hen las­sen, hieß es. Die Lega schwäch­te zu­dem die öf­fent­li­chen Kran­ken­häu­ser und för­der­te Pri­vat­kli­ni­ken. Dum­mer­wei­se stel­len die Pri­va­ten aber nur acht Pro­zent der so wich­ti­gen In­ten­siv­bet­ten.
Das ist die Co­ro­na-Bi­lanz der welt­weit füh­ren­den Rechts­po­pu­lis­ten. Von die­sen Herr­schaf­ten wür­de ich mir nicht mal mei­nen Fahr­rad­schlauch fli­cken, ge­schwei­ge denn mich durch eine Pan­de­mie lot­sen las­sen. [….]
(Markus Feldenkirchen, DER SPIEGEL, s.9, 11.04.2020)

Möglicherweise wird auch erkannt, daß profitorientierte private Gesundheitssysteme, bei denen Personalkosten immer nur minimiert werden müssen ein Irrweg sind.

Schön wäre es auch, wenn Ministerpräsident Kretschmanns optimistische Sicht sich erfüllt zukünftig nicht mehr bei Produkten der medizinischen Grundversorgung in völliger Abhängigkeit von antidemokratischen Diktaturen zu existieren.

[…..] Ich bin mir si­cher, dass wir in ei­ni­gen Be­rei­chen, zum Bei­spiel was die dra­ma­ti­sche Ab­hän­gig­keit von Me­di­zin­pro­duk­ten an­de­rer Staa­ten an­geht, Kon­se­quen­zen zie­hen und tief grei­fen­de Ver­än­de­run­gen er­le­ben wer­den. Und ich wür­de uns al­len ra­ten, dass wir da­nach nicht ein­fach zur Ta­ges­ord­nung über­ge­hen, son­dern uns über­le­gen, wo wir in un­se­rer glo­ba­li­sier­ten Welt un­ser Han­deln neu jus­tie­ren müs­sen. Viel­leicht wird in Zu­kunft der Wi­der­stand ge­gen Wind­kraft­an­la­gen we­gen In­fra­schall nicht mehr so hoch ge­hängt – jetzt, da wir alle er­lebt ha­ben, wie sich eine wirk­lich exis­ten­zi­el­le Be­dro­hung an­fühlt. […..]
(W. Kretschmann, DER SPIEGEL Nr. 16, 11.04.2020)

Der Ministerpräsident betont in dem Interview übrigens auch seinen tiefen katholischen Glauben, der ihn so optimistisch und ruhig durch die Krise gehen lässt.
Die Form der Borniertheit muss sehr angenehm sein.

Eine erfreuliche Nachwirkung der Corona-Viren könnte auch eine allgemeine physische Distanzlosigkeit sein. Schluß mit der widerlichen Unsitte sich dauernd die Hände zu geben, um seinen Krankheitserreger auszutauschen.
Man muss nicht alles angrabbeln.

Vielleicht, mit ganz viel Glück, könnte auch der herdentriebige Einheitsbart der U30-Generation endlich der Vergangenheit angehören.
Durch Social Media nivelliert trauen sich Millennials keinen eigenen Stil mehr. Sie sehen alle vollkommen gleich aus.
99% rasieren sich Achseln und Hoden; das ist mir egal, da ich das üblicherweise nicht sehe.
Aber die Abstrusität, daß sich eben diese 99% der Ganzkörper-Epilierten auch alle einen Vollbart wachsen lassen, ist nicht nur optisch beleidigend und zeigt den erbärmlichen Uniformitäts-Drang der Jugend, sondern ist zudem auch noch extrem unhygienisch. Vollbärte sind ein Alptraum für Virologen, weil sie die perfekten Siff-Biotope für Keime aller Art sind. In einer durchschnittlichen Männer-Gesichtsbehaarung finden sich mehr Fäkalbakterien als in einer Kloschüssel. Die armen Frauen, die so etwas küssen müssen.
Bärtige Männer sind verkeimter als Straßenhunde.

[….] Wie sich zeigte, waren die Männerbärte deutlich unhygienischer als der gewöhnliche Hundepelz. So wiesen die Forscher in den Bärten der Männer deutlich mehr Keime nach – mehr als 30 „kolonienbildende Einheiten“ – als im Nackenpelz der Tiere. Dort fanden die Experten bei den Tieren die meisten Keime. Bei sieben Männern wiesen die Forscher außerdem den Menschen krankmachende Erreger nach, aber nur bei vier Hunden.
Deutlich weniger Keime in den Maulabstrichen der Hunde
Bei den Mund- und Maulabstrichen kamen die Forscher zu einem ähnlichen Ergebnis. [….]

Die weltweite Diskussion um Gesichtsmasken zeigt deutlich wie wichtig allgemeine Körperhygiene in Zeiten der Pandemie ist.
Masken sind aber Mangelware.
Im Gegensatz zu Rasierklingen.
Männer sollten dringend dazu angehalten werden sich ihre ekeligen Bärte abzurasieren, um herumirrenden Sars-Cov2s keine perfekte Heimat mehr zu bieten.

[…..] Man könnte also annehmen, dass sich bärtige Männer während der Corona-Pandemie tatsächlich einem höheren Infektionsrisiko aussetzen als Männer ohne Bart – zumindest unter bestimmten Umständen.
Tröpfcheninfektion: Bart tragen als Gefahr?
Woran genau liegt das? Das Coronavirus wird per Tröpfcheninfektion übertragen. Dabei bleiben die Viren leicht in den Barthaaren hängen. Das berichtet die „Augsburger Allgemeine“.
Auch wenn sich Männer ins Gesicht fassen, bleiben die Viren der Hände am Bart haften. Die Gefahr: Die Viren gelangen vom Bart aus leichter in Mund, Nase und Augen – und somit in die Schleimhäute.
 „Sie müssen sich rasieren!“ – die Worte des Präsidenten der Vereinigung der Notärzte in Frankreich, Patrick Pelloux. Er riet schon vor Wochen vom Bart tragen ab und beschrieb dies als Infektionsgefahr für die Bevölkerung. Warum? Das Coronavirus könne über einen langen Zeitraum in den Barthaaren überleben, warnt er.
Und nicht nur das: Die Schutzwirkung von Masken kann laut des Robert-Koch-Instituts durch einen Bart reduziert werden, da die Abdichtung der Maske so beeinträchtigt würde. […..]

Also; Bart ab!
Ich freue mich schon darauf wenn diese Regelung in den streng islamischen Staaten eingeführt wird und man ultraorthodoxen Juden mit Bartschneidern droht.
Wer Säuglingen Stücke vom Penis abschneidet, soll nicht jammern, wenn ihm die Fäkalwolle aus dem Gesicht geschnitten wird. Das tut gar nicht weh.