Dienstag, 23. Juni 2015

Plapperismus nach Käßmann.



Die Kirchen in Deutschland schwimmen geradezu im Geld, werden von 100% aller Mitglieder der Bundesregierung massiv unterstützt und haben zudem auch noch gewaltige Medienaufmerksamkeit, weil ihre Vertreter in den Rundfunkräten und Programmkommissionen sitzen.
Die Kirchen halten riesige Kirchentage ab, bei denen sich Bundeskanzlerin, Vizekanzler und Bundespräsident extrem engagieren.
Bezahlt werden diese Kirchenwerbeaktionen mit Millionenzuschüssen der verarmten Kommunen.
Paradiesische Zustände also für Christen in Deutschland.
Der einzige kleine Wermutstropfen:
Die Deutschen haben keine Lust mehr in dem Verein mitzumachen du rennen in Scharen davon.

In Hamburg  lesen wir seit einigen Wochen immer mehr Berichte über massive Kirchenschließungen.
Unter anderem in einem ganzseitigen Abendblatt-Interview räumte die Kirsten Fehrs (Bischöfin des Sprengel Hamburg und Lübeck) die Notwendigkeit von Kirchenschließungen ein.

Fehrs ist vermutlich nicht ganz so auf den Kopf gefallen wie Margot Käßmann, aber auch sie beherrscht diese typisch protestantische Kirchenleitungssprache.
Man kann ein noch so ausführliches Interview mit ihr lesen und hat doch auf wunderbare Weise nach wenigen Minuten komplett vergessen was sie gesagt hat.
Evangelensprech ist ähnlich inhaltsleer wie das Politsprech der Bundeskanzlerin.
Ich mußte unmittelbar nach dem Lesen noch mal den Text in die Hand nehmen, um festzustellen, ob sie nun eigentlich gesagt hat, daß sie Kirchen schließen will oder nicht.

Im Original lautet ihr Satz dazu:

Es ist gut, dass sich die Menschen vor Ort für den Erhalt der Kirchen engagieren. Zum anderen: Fakt ist, dass es Gemeindehäuser gibt, bei denen das Verhältnis von Auslastung und Finanzierung nicht mehr stimmt. Dass da genauer hingeschaut wird, finde ich richtig. Schließlich geht es um einen verantwortlichen Umgang mit den finanziellen Ressourcen. Wichtig ist ein offener Umgang mit diesen Gebäudefragen.
(Bischöfin Fehrs 03.06.2015)

Das sagt alles und nichts.
So drückt sich eine Verantwortliche um ihre eigentliche Aufgabe.

Nach diesen Verbaltranquilizern können Kirchisten beruhigt sein. (………)

Die lilagrünen Kirchenführer der Protestanten schaffen nun also das Kunststück ganz ohne Kinderfickerskandale, Bischofsprotzbauten und Zölibat ihre Mitglieder noch schneller aus der Kirchen zu treiben als die muffigen katholischen Kollegen.
Erklären lässt sich dies zweifellos mit den lockereren städtischen evangelischen Milieus. Es folgt keinerlei nachbarschaftliche Ächtung, wenn man in Hamburg aus der Kirche austritt. In einem kleinen streng katholischen Dorf ist der Schritt viel schwieriger, weil man anschließen womöglich zumindest schief angesehen wird.

Ein weiterer Grund dürfte aber auch im Personal liegen.
Katholische Bischöfe werden vom Papst ernannt. Daher sind sie üblicherweise ortsfremd und es bleibt ein Geheimnis weswegen sie ausgerechnet ausgewählt wurden. Ein mysteriöser Touch bleibt immer.

Protestanten wählen an die Spitze ihrer Synode und anderer Laiengremien gerne ausrangierte Politiker – und dabei vorzugsweise diejenigen, die sehr unbeliebt waren, bei Wahlen scheiterten und einen Ruf als Langsamdenker erwarben.
Kathrin Göring-Kirchentag, Wahlverliererin 2013, von 2009 bis September 2013 Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und somit Mitglied im Rat der EKD, Günther Beckstein, CSU-Hardliner, Wahlverlierer 2008, seit 1996 berufenes Mitglied der Landessynode der Evangelischen Kirche in Bayern, seit 2009 Vize-Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, Kuratoriumsmitglied von ProChrist, Irmgard Schwätzer, seit 2013 Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland – die ehemalige Debakel-Bauministerin der FDP oder Hermann Gröhe (seit 1997 Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, von 1997 bis 2009 Mitglied des Rates der EKD und von 2000 bis 2009 Mitherausgeber des Magazins Chrismon).

Es verwundert nicht, daß solche Typen Mitglieder abschrecken.

Noch schlimmer sieht es allerdings an der geistlichen Front aus.
Mit Huber, Käßmann, Schneider und nun Bedford-Strom gab es schon vier EKD-Chefs in Folge, die durch besondere Doofheit auffielen.
Tiefer kann man kaum noch sinken.
Es gibt ohnehin keinen vernünftigen Grund Mitglied der Kirche zu sein.
Um Mitglied zu BLEIBEN, müßte aber wenigstens das Spitzenpersonal mit Charisma und Überzeugung agieren.
Aber so einer ist bei der EKD nicht zu finden.
Die Konsequenzen sind genau die zu Erwartenden.

Austrittswelle bei der Nordkirche – Landesbischöfin besorgt
[…] Neue Hiobsbotschaften für Gottes Bodenpersonal: Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche in Norddeutschland zählte Ende 2014 nur noch 2,14 Millionen Mitglieder – rund 47.500 weniger als im Vorjahr. Damit war der Mitgliederverlust in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahr um 10.000 Menschen höher als im Jahr 2013, berichtet jetzt der Evangelische Pressedienst (epd) mit Hinweis auf die amtliche Statistik. 2012 hatte die Nordkirche noch 2,23 Millionen Mitglieder.
[…] Der protestantisch geprägte Norden Deutschlands erlebt derzeit den wohl gravierendsten Abwärtstrend seit 20 Jahren. […]
Die EKD-Mitgliederstatistik zeige, dass Kirchenaustritte zum "Massenphänomen" geworden seien, schreibt jetzt die evangelische Nachrichtenagentur idea. "Kexit", neudeutsch für Kirchenaustritt, sei für viele Menschen heute wieder eine Option, meint idea mit Hinweis auf den "Grexit", Griechenlands potenziellem Austritt aus dem Euro.
Dazu kommt ein gering ausgeprägtes Interesse der norddeutschen Protestanten, am kirchlichen Leben teilzunehmen. Wie ebenfalls aus einer EKD-Statistik hervorgeht, besuchen durchschnittlich nur noch 2,4 Prozent der Nordkirchen-Christen einen Gottesdienst. […]

Bischof Bedford-Strom, der seit seiner Wahl zum Chef-Protestanten Deutschlands in kurzer Abständen immer wieder mit spektakulärem Niveau-Limbo auf sich aufmerksam macht, zeigte auch angesichts des dramatischen Mitgliederschwundes wie erbärmlich er argumentieren kann.
Wie ein schmieriger Parteigeneral in der Berliner Runde, der nach Machtverlust und Stimmenverlust mit abstrusesten Vergleichen das Ergebnis schönredet, beeindruckt auch Bischof BS mit einer Aussage, die sogar Gott aus der Kirche austreten lassen würde.

Der neue EKD-Ratsvorsitzende, Professor Heinrich Bedford-Strohm, beobachtet freilich auch eine positive Entwicklung: "Unter den Kirchenmitgliedern steigt der Anteil derer, die sich keinen Austritt vorstellen können.

Chapeau!

Montag, 22. Juni 2015

Linke nerven und linke Nerven.


Nach dem kleinen SPD-Parteitag am Wochenende, überschlagen sich wieder laute im linken Spektrum aktive Menschen mit SPD-Bashing.
Jetzt könne man die SPD nicht mehr wählen, heißt es dort ebenso häufig wie „schon seit Schröder ist die SPD unwählbar“.

Das hört man besonders massiv von den Typen, die ohnehin nie SPD wählen, weil sie deutlich weiter links stehen, oder denjenigen, die durch Nichtwählen oder ein Kreuz bei der Linken oder den Piraten letztendlich für Frau Merkel gestimmt haben.

Dessen muß man sich immer bewußt sein: Wenn man sich als ehemaliger SPD-Wähler nun beleidigt abwendet und gar nicht mehr wählt, bzw seine Stimme einer Partei gibt, die unter der 5%-Hürde bleibt, freut sich nur eine: Frau Merkel.
Damit ist sie wieder eine Stimme näher an der Kanzlermehrheit.
Diejenigen, die von der SPD gefrustet ihre Stimme dem Gesamtkuchen entziehen, sind letztlich dafür verantwortlich, daß es noch wesentlich übler als die angeblich so rechte SPD kommt: Nämlich CDU.
Schon bei der Wahl 2013 hätten wir um ein Haar CDU/CSU-pur bekommen.
Dann gäbe es aber gar keinen Mindestlohn, wesentlich mehr Überwachung, garantiert keine Homoehe oder doppelte Staatsbürgerschaft. Dann gäbe es keine Mietpreisbremse, sondern Steuerentlastungen für die Reichsten.
Neben den Gaga-Projekten Maut und Herdprämie würden weitere xenophobe Programme durchgedrückt werden. Schon jetzt schreit die CSU wieder nach mehr Abschiebungen und Asylrechtsverschärfungen.
Die CDU würde massiv aufrüsten und in der Außenpolitik noch brutaler gegen Russland und Griechenland vorgehen.
Und auch wenn man Gabriel noch so sehr verachtet: Er hat so viele Rüstungsexporte verhindert wie noch keine andere Bundesregierung zuvor.
Ohne die SPD in der Bundesregierung und im Bundesrat könnte man Patientenverfügungen vergessen – ebenso wie Integrationskurse, Hilfen für die Bundesländer bei Sprachförderung und Bildungseinrichtungen.
Ohne die SPD gäbe es mit Sicherheit kein Bestellerprinzip bei Wohnungsvermittlungen; es würden weiterhin VERmieter den Makler bestellen und den MIETER drei Monatsmieten Courtage zahlen lassen.
Ohne Gabriel und Maas würde die NSA bis heute ungeniert den BND instrumentalisieren und es bestünde gar keine Chance etwas über die geheimen Selektorenlisten zu erfahren.
Es gäbe keinen Justizminister, der sich gegen rechtsradikale Umtriebe von Pegida und Co engagieren würde. Keine Umweltministerin würde das Ego-Bundesland Bayern zwingen auch seinen Beitrag bei der Atom-Endlagerung zu leisten.
Ohne die Sozis säßen wieder die Lobbyisten des Atomoligopols direkt im Bundesumweltministerium, um sich selbst die passenden Gesetze zu schreiben.

Es gibt also eine Menge rein inhaltlicher Überlegungen, die eine CDU-Bundesregierung mit SPD-Beteiligung wesentlich besser als CDU-pur oder Schwarzgelb machen.

Natürlich ist das was Gabriel am Wochenende erzwang, also seine Partei auf Vorratsdatenspeicherungskurs zu bringen, aus meiner Sicht der blanke Unsinn.
Ich finde es inhaltlich völlig falsch und glaube – offenbar im Gegensatz zu Gabriel – daß dieser Schwenk auch bei zukünftigen Wahlen eher schadet.

Am Wochenende ist die SPD-Spitze so heftig kritisiert worden, daß ich mir jetzt keine eigenen Formulierungen aus den Fingern saugen muß.
Christoph Hickmann beispielsweise spricht mir aus der Seele:

Sigmar Gabriel hat sich durchgesetzt, die SPD steht zur Vorratsdatenspeicherung. Um das zu erreichen, hat der Parteichef dem bislang erfolgreichen Justizminister Maas die Glaubwürdigkeit genommen, einen tiefen Graben durch die SPD gezogen und den Grünen mal wieder die Gelegenheit gegeben, das Bild einer Law-and-Order-Sozialdemokratie zu zeichnen. All dies für ein Gesetz, das der SPD allenfalls unterhalb der Promillegrenze Stimmen bringen dürfte. Warum tut der Mann sich und seiner Partei das an?
[…..] Sein Einsatz für die Vorratsdatenspeicherung speiste sich aus der Sorge, dass es hierzulande irgendwann einen Terroranschlag geben könnte und dann alle Welt, die Union vorneweg, schnell auf die Sozialdemokraten gezeigt hätte: Weil die nicht wollten, haben wir jetzt halt keine Vorratsdatenspeicherung! Der entscheidende Einwand, dass man den Anschlag damit ja nicht verhindert hätte, wäre in der innenpolitisch aufgeheizten Atmosphäre mit ziemlicher Sicherheit untergegangen - so jedenfalls Gabriels Überlegung. […..] Gabriel ist sich seines Kurses umso sicherer, je lauter die Parteilinken aufjaulen. […..]
        (Hickmann, SZ, 22.06.15)


Aus meiner Sicht war es also inhaltlich und taktisch absurd was die Parteispitze am Wochenende durchzog.
Ja, da muß man sich als einfaches Mitglied mal wieder schämen.

Aber anders als die CDU sind wir keine Abnickerpartei.
Immerhin 40%, also 88 Delegierte, haben NEIN gesagt.
Das war schon ordentlich Gegenwind für den Vorsitzenden. Er kann beim besten Willen nicht behaupten die Basis stünde in dieser Frage voll hinter ihm.
Bei der nächsten derartigen Frage müssen eben noch mal 10% mehr Delegierte mobilisiert werden.
Immerhin hatte man als Parteimitglied so zu wiederholten Male (nach der Mitgliederbefragung über die GroKo) direkten Einfluss auf die Bundesregierung.
Blöderweise gehörte ich in beiden Fragen zur Minderheit, aber das muß ja nicht immer so sein.



Und außerdem betrachte ich Wahlentscheidungen immer noch als Suche nach dem kleinesten, aber realistisch möglichen Übel.
Meine Traumpartei, die 100% aller meiner Wünsche im Programm hat würde ich nicht wählen, wenn sie entweder nicht über 5% käme, oder sie wie die Linke 2013 als Koalitionspartner ausgeschlossen worden wäre.
Und die Grünen, die jetzt so von oben herab über die SPD spotten, sind die Partei, die fest an der Seite der schwarzbraunen Hessen-CDU (Roland Koch, Hohmann, Kristina Schröder, Erika Steinbach, Kanther, Dregger, jüdische Vermächtnisse) steht und zudem inzwischen zu einem Subunternehmen der protestantischen Kirche geworden ist.
Das ist tatsächlich unwählbar für mich.






Sonntag, 21. Juni 2015

Zu kurz gesprungen



Gewiss, in der katholischen Kirche kann es schon mal länger dauern.
Genau genommen 2015 Jahre bis es erstmals einem Papst auffiel, daß es irgendwie nicht wirklich moralisch angesehen ist, wenn Bischöfe das Kinderficken nicht nur stillschweigend dulden, sondern sogar wie Ludwig Kardinal Müller aktiv fördern, indem sie vorbestraften Kinderfickern wie Kaplan K. aus Riekofen neue Kinder zuführen und dafür sorgen, daß niemand davon erfährt, daß K. gerne Kinder fickt, so daß er dann auch gleich wieder Kinder fickte.
Die römisch-katholische Kirche hat einen durch Gott bestätigten über 2000 Jahre ausgefeilten Katechismus (KKK), in dem klar geregelt ist, was strafbare Sünden sind.

Zwei Beispiele:

Scheidung ist eine Todsünde, weil die Ehe ein heiliges Sakrament ist.
Geschiedene sind also sehr schlimm. So schlimm, daß man sie nicht mehr zur Kommunion zuläßt und sie selbstverständlich auch nicht in einem Arbeitsverhältnis als Putzfrau oder Hausmeister beschäftigen kann.

Kinderficken ist hingegen halb so wild, weil dabei kein Sakrament verletzt wird.  Kleine Jungs sexuell zu missbrauchen, psychisch zu zerstören oder auch „nur“ körperlich durch Prügel und Qualen zu misshandeln, ist keine Todsünde.   Dafür gibt es das „Moral-Reset“ Beichte. Das vergibt Gott sofort und daher kann ein Kinderficker weiterhin als geehrter Geistlicher für die Kirche arbeiten.

Verständlich, daß Kirchenfürsten aufgrund ihres moralischen Kompasses überall als Ethikexperten geschätzt werden und daher von der Regierung in entsprechende Kommissionen berufen werden.

Bei der grundsätzlichen moralischen Bewertung von Scheidung (ganz schlimm) und Kindesmissbrauch (nicht so schlimm. Und ein paar Schläge sind sogar ganz schön!) bleibt es auch künftig. Aber, das ist neu; Fördern und Vertuschen von Kinderfickereien ist auch nicht gerade gut und soll sogar im Vatikan geahndet werden. Immerhin. Auf so eine Idee war Ratzinger in 30 Jahren an der Vatikan-Spitze nie gekommen, obwohl es inzwischen zehntausende Fälle Kindesmissbrauch durch katholische Geistliche gab.
Seit vielen Jahren listet der BISHOPS-ACCOUNTABILITY-Abusetracker täglich neue Fälle bischöflicher Verantwortung für Kindesmissbrauch durch Kleriker auf.
Bisher leitete niemand im Vatikan daraus Handlungsbedarf ab.
Dabei wurde eben dies von den Betroffenen der abscheulichen kirchlichen Gewalt immer wieder eindringlich gefordert.

Ein Betroffener sexueller Gewalt schreibt an Papst Franziskus
Sehr geehrter Heiliger Vater Papst Franziskus,
der Vatikan hat in der letzten Woche vor dem UN-Kinderrechtsausschuss in Genf erstmals zum Skandal des Missbrauchs Minderjähriger innerhalb der katholischen Kirche ausgesagt. Papst Benedikt XVI. versetzte 384 Priester wegen Missbrauchs in den Laienstand, im Jahr 2012 waren es etwa 100, im Jahr 2011 etwa 300. [….] Jahrzehntelang wurden die Täter von ihren Vorgesetzten geschützt. Anstatt die Verbrechen aufzuklären und den Opfern zu helfen, wurden die Täter stillschweigend in immer neue Gemeinden versetzt. Fast 400 Priester weltweit wurden wegen Missbrauchs in den Laienstand versetzt – aber was passiert mit den Amtsträgern, die die Täter jahrzehntelang schützten?
[….] Ich nenne ein Beispiel von vielen. Der Fall des Serientäters Pfarrer Alfons Kamphusmann war bereits Ihrem Vorvorgänger Papst Johannes Paul II. bekannt. Er wurde vom Bistum Magdeburg viele Male versetzt, sobald in der jeweiligen Gemeinde seine Verbrechen bekannt wurden. So konnte er immer neue Opfer finden und sich zum Serientäter entwickeln: von 1950 an war er Vikar in Gerbstedt, dann in Hettstedt, 1952 Vikar und Kurator in Halle, im selben Jahr wurde er Vikar in Droyßig, 1959 Vikar in Delitzsch, 1967 Vikar in Nordhausen, 1970 Pfarrvikar in Langenweddingen, 1974 Pfarrer in Hecklingen, 1989 Pfarrer in Piesteritz, 1990 wurde er Geistlicher Rat, 1992 Subsidiar in Wanne-Eickel, 1992 Subsidiar in Niedertiefenbach (Bistum Limburg), 1996 Subsidiar in Berus (Bistum Trier), 1997 in Magdeburg.
Kamphusmann starb 1998 in Magdeburg. Im Nachruf der Kirche stand: »Freundlich und hilfsbereit tat er seinen Dienst. Manche bleibende Bekanntschaft und Freundschaft zeugen von seiner Menschenfreundlichkeit und Beliebtheit.« [….] Im Mai 2013 habe ich Ihnen persönlich geschrieben und Sie um einen Akt der Versöhnung gebeten. [….]

Und nun auf einmal will Franziskus scheinbar etwas tun, das vorher offensichtlich gar nicht möglich war, da es nicht als Straftat empfunden wurde:
Vertuscherbischöfe ahnden. Woher sollte man auch 2000 Jahre lang ahnen, daß es irgendwie schlecht sein könnte Messdiener anal zu penetrieren?


[….] Papst Franziskus hat eine neue Struktur im Vatikan geschaffen, um die Verschleierung von Missbrauchsfällen einzudämmen. In Zukunft sollen Bischöfe wegen Amtsmissbrauchs belangt werden können, die nicht adäquat gegen mutmaßliche Straftaten vorgehen.
[….] Am Mittwoch hat der Pontifex eine neue juristische Abteilung ins Leben gerufen, die gegen Bischöfe vorgehen darf, die sich nicht ausreichend um Aufklärung von Verdachtsfällen bemühen. Das Dezernat ist in der Glaubenskongregation angesiedelt, an seiner Spitze wird ein Erzbischof stehen.
[….] Beschwerden gegen untätige Bischöfe waren in der Vergangenheit je nach Zuständigkeit von insgesamt drei Vatikan-Behörden untersucht worden, bevor sie der Glaubenskongregation zur Entscheidung übergeben wurden.

Ausgerechnet die beiden selbst als Vertuscher von Kindesmissbrauch bekannten Kardinäle Pell und Müller mit so einer Aufgabe zu betreuen, erfordert allerdings ein gewaltiges Maß Vatikanischer Chuzpe.

Pell hatte so viele Kinderfickerfälle am Hals, daß selbst Ratzinger die Personalie zu heikel war und er im letzten Moment Pell doch nicht zum Präfekten einer Kurialen Kommission machte.

Präfekten sind in der Regel nicht die größten Sympathen.
Hier nisten sich eher die Ratzingers, Bertones und Sodanos ein.
Ausnahmen gibt es aber auch; so ist der deutsche Walter Kardinal Kasper, 77, Mitglied der Glaubenskongregation, der Kongregation für die orientalischen Kirchen, der Apostolischen Signatur, des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte und des Päpstlichen Rates für die Kultur, sowie von 2001-2010 Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen für Kardinals-Verhältnisse noch relativ nett.
Kasper bringt es immerhin fertig nicht manisch andere Bekenntnisse zu diffamieren und auch mal ein freundliches Wort zu finden.

Höchste Zeit also für den Papst den Einäugigen unter den Realitätsblinden auszutauschen.
Der neue Chef Erzbischof Kurt Koch bezeichnet sich selbst als „konservativ“.

Die Entscheidung bedauere ich außerordentlich.
Denn eigentlich war vorgesehen, daß der Christ des Tages No XXXI, Erzbischof Pell, 69, den Job bekommt.

"Il Giornale"-Vatikanexperte Andrea Tornielli schrieb im April 2010, daß Pell „sicherer Kandidat“ sei.
George Kardinal Pell, der achte Erzbischof von Sydney hätte der Sache des Atheismus‘ sicher gute Dienste geleistet.
Pell wurde der Weltöffentlichkeit spätestens beim Weltjugendtag 2008 in Sydney bekannt, indem er sich als Pädophilie-Vertuscher präsentierte.

Die Opferschutzorganisation Broken Rites hatte aber weit über 100 Fälle von übergriffigen australischen Priestern dokumentiert.
Gerade mal zwei Tage bevor Ratzi in Australien eintraf, gab Pell seine Verneinungsstrategie auf und setzte eine Kommission zur Prüfung der Vorwürfe ein.

Franzl sieht das weniger eng. Er beförderte Pell inzwischen schon mehrfach.
Pell ist vatikanischer Finanzchef und extrem einflussreiches Mitglied der K8-Kardinalskommission

Franziskus habe den Bock zum Gärtner gemacht, wettert sogar Springers konservative WELT:

Papst Franziskus macht den Bock zum Gärtner
Papst Franziskus will einen Gerichtshof für Bischöfe einrichten, die sexuelle Übergriffe verschweigen. Doch das Gericht soll bei einem Mann angesiedelt sein, der selbst Erfahrung im Vertuschen hat. [….] Doch schon bevor der Gerichtshof überhaupt eingerichtet ist, gibt es Zweifel gerade unter Opfern, ob es dem Papst wirklich ernst ist mit der Aufklärung. Grund: Der Gerichtshof wird in der Glaubenskongregation angesiedelt, wo mit Gerhard Ludwig Kardinal Müller ein Kirchenfürst sitzt, der einst selbst als Bischof Erfahrung mit dem Vertuschen eines Missbrauchsfalls gemacht hat. [….]  Doch schon in dem Gremium sitzt ein Kardinal, der selbst vor den Gerichtshof gestellt werden könnte: George Kardinal Pell soll in seiner Zeit als Erzbischof von Sydney 1993 über einen Missbrauchsfall informiert worden sein, den Fall aber vertuscht haben. Bis heute bestreitet der Kardinal die Vorwürfe.
[….] Müller wird der Umgang mit einem Missbrauchsfall im beschaulichen Ort Riekofen (Landkreis Regensburg) zum Vorwurf gemacht. Im August 2007 hatte das unglaubliche Martyrium endlich ein Ende: 22 Mal hatte sich, in einem Zeitraum zwischen 2004 bis zu seiner Verhaftung 2007, der damals 39-jährige spätberufene Pfarrer Peter K. an einem zunächst elfjährigen Ministranten sexuell vergangen. Als der Fall ruchbar und K. in Handschellen abgeführt wurde, war das Entsetzen in der Pfarrei riesig: War der Pfarrer ein Pädophiler? Er war einer: "Kernpädophilie" hatte ihm ein Gutachter attestiert – und das bereits vier Jahre, bevor er dennoch wieder in der Seelsorge eingesetzt wurde, und acht Jahre vor seiner Verhaftung.
Wie sich bei einem Strafprozess im Jahr 2008 herausstellte, war das in Müllers bischöflichem Ordinariat längst bekannt: Bereits im Jahr 2000 war der Priester zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Er hatte zwei Brüder, damals neun und zwölf Jahre alt, am Rande eines Faschingsballs im Pfarrheim unsittlich berührt. Da war K. noch Kaplan. 2004, Müller war da schon Bischof in Regensburg, wurde er als Pfarradministrator in Riekofen eingesetzt, wo er im Keller des Pfarrhofes regelrecht eine Spielwiese für seine minderjährigen Opfer eingerichte hatte. [….] Heute ist Müller mächtiger Glaubenspräfekt in Rom [….] Ist Müller also der Richtige, als oberster Dienstherr bis auf den Papst diesem Gericht vorzustehen? [….]

Chapeau Herr Eckl für diese deutlichen Worte aus der konservativen Ecke.
Pell und Müller an den Pranger zu stellen ist allerdings wohlfeil.
Beide stehen schon viele Jahre unter scharfer Kritik wegen ihres erbärmlichen Verhaltens gegenüber der Opfer von katholisch-geistlicher Sexualgewalt.
Sie springen aber viel zu kurz, indem Sie es erneut nicht wagen den Hauptschuldigen für die myriadenfachen kirchlichen Verbrechen an Kindern zu nennen: Joseph Ratzinger.
Der Mann hat als Erzbischof von München und Freising ebenfalls einen verurteilten Kinderficker aus Essen weiter zu neuen Kindern geschickt.
Der Mann hat ein Vierteljahrhundert an der Spitze der Inquisitionsbehörde sogar ausdrücklich VERBOTEN, daß Ortsbischöfe gegen übergriffige Priester vorgehen.

Mit der Wahrheit steht dieser Papst notorisch auf dem Kriegsfuß und versucht sie, wo immer möglich, zu unterdrücken.
Seit 50 Jahren ist die vatikanische Inquisitionsbehörde eifrig damit beschäftigt weltweit niemals die Wahrheit ans Licht kommen zu lassen, wenn einer der 400.000 Priester mal wieder ein Kind missbraucht hat.

An vorderster Stelle der Wahrheitsantagonisten steht seit Dekaden Joseph Ratzinger.

Zu seiner Mitschuld hat sich bisher noch kaum ein Bischof bekannt. Aber er könnte darauf verweisen, er sei nur den Weisungen Roms gefolgt. Aus Gründen absoluter Geheimhaltung zog in der Tat die verschwiegene vatikanische Glaubenskongregation alle wichtigen Fälle von Sexualvergehen von Klerikern an sich und so kamen die Fälle in den Jahren 1981 bis 2005 auf den Tisch ihres Präfekten Kardinal Ratzinger. Dieser sandte noch am 18. Mai 2001 ein feierliches Schreiben über die schweren Vergehen („Epistula de delictis gravioribus“) an alle Bischöfe der Welt, in welchem die Missbrauchsfälle unter die „päpstliche Geheimhaltung“ („secretum Pontificium“) gestellt wurden, deren Verletzung unter Kirchenstrafe steht.
(Prof Küng über Bischöfliche Verantwortung)

Kein geringer als Ratzinger also, der heute Unfehlbare, sorgte über 20 Jahre dafür, daß die Kindersexattacken der Priester und Bischöfe verschwiegen und vor den Staatsanwaltschaften verborgen wurden.

1962 verschickte der damalige Chef der vatikanischen Glaubenskongregation, Kardinal Alfredo Ottaviani, einen bis heute umstrittenen Brief an die Bischofskonferenzen. Missbrauchsfälle sollten geheim gehalten und lediglich dem zuständigen Bischof gemeldet werden. Auf die Opfer wurde eingewirkt, Stillschweigen zu bewahren – unter Androhung der Exkommunikation.

Das Lügen ist diesem Papst so in Fleisch und Blut übergegangen, daß ihm seine Märchen von der unbefleckten Empfängnis und anderen kindlichen Ammenmärchen vermutlich gar nicht mehr peinlich sind.

Die Lüge zieht aber durch Ratzinger auch immer mehr in den Priester-Alltag ein.

Als Papst sprach Ratzinger dann den noch schlimmeren Kinderfickerfreund – Karol Woytila, der ausdrücklich den hundertfachen Kinderquäler Macial lobte und förderte, selig.


Tatsächlich aber hatten zehn Opfer, die von Marcial Maciel in den 50er-Jahren im römischen Seminar missbraucht worden waren, den Vatikan schon vor 30 Jahren verständigt. Seit 1983 war auch Papst Johannes Paul II. über die Missbräuche informiert. Doch er schätzte den Ordensgründer und lobte noch 1994 öffentlich dessen «effiziente Führung für die Jugend». 1997 sagte die Gruppe der zehn Opfer vor den Medien, Maciel habe Hunderte Knaben missbraucht.
Ein Jahr später erhob die Gruppe Anklage gegen Maciel bei der Glaubenskongregation, die unter Kardinal Ratzinger für alle schwerwiegenden Missbrauchsfälle in der Kirche zuständig war. Ratzinger aber war nie bereit, die Gruppe der Opfer anzuhören und gegen Maciel etwas zu unternehmen. Worauf sich die Gruppe 2002 bei der UNO Gehör verschaffte und im Genfer Palais des Nations die Medien über die Untätigkeit der Glaubenskongregation informierte.
(Tagesanzeiger 02.05.2010)

Der Priester Maciel Marcial Degollado, (1920–2008), Gründer des einflussreichen Ordens "Legionäre Christi" und Multimillionär war der erklärte Liebling des Papstes Johannes-Paul II.
Da er sagenhafte Summen in die Kasse der RKK spülte, drückte der Wächter der Glaubenslehre Ratzinger alle Augen zu.
Maciel Marcial Degollado hatte mindestens fünf Kinder von zwei Frauen und vergewaltigte darüber hinaus mehrere Dutzend (bis zu 100) Jungs.
Die Vorgehensweise war laut STERN immer gleich:
Vater Maciel rief die ca 12-Jährigen Jungs zu sich, klagte über „schmerzhaften Samenstau in den Hoden“, müsse sich zur Abhilfe masturbieren lassen und dabei auch Kinder penetrieren.
Er erklärte dazu, er habe eine persönliche Erlaubnis von Papst Pius XII „die Schmerzen im uro-genitalen Bereich“ derart zu behandeln.
Hochwürden Samenstau bevorzugte dabei blonde und hellhäutige kleine Jungs, die ihm seine „Legionäre“ weltweit suchten und zuführten.
Seit 1976 wurden Berichte über diese Kindesvergewaltigungen nach Rom geschickt.
Man hielt dort immer die schützende Hand über Maciel. JP-II ("Maciel ist ein vorbildlicher Priester") würdigte ihn 2004 mit einem Empfang im Petersdom, Ratzinger stellte die Untersuchungen gegen ihn bereits 1999 ein.

Der Oberlegionär, der Keuschheit geschworen hatte und die Lehre von der Enthaltsamkeit mit militärischer Gründlichkeit in der Welt zu verbreiten trachtete, poppte selbst so ziemlich alles, das einen Puls hatte.

Inzwischen weiß man, daß der Vatikan sogar schon seit 1941 Kenntnis von den Verbrechen Maciels hatte. All das fiel 25 Jahre in die direkte Zuständigkeit Joseph Ratzingers.

Herr Eckl, Herr Bergoglio – wenn die neue Vatikanische Kinderfickerprüfstelle auch nur einen Hauch von Glaubwürdigkeit hätte, müßte sie sich als erstes Joseph und Georg Ratzinger, das sadistische Brüderpaar aus Bayern vorknöpfen.

(Der Ratzinger Joseph gleicht in Hinsicht der Verantwortungslosigkeit seinem Bruder Georg, der als Chef der Regensburger Domspatzen über Dekaden so exzessiv auf die Kinder eingedroschen hat, daß auch Stühle flogen und er beim wilden Einschlagen auf Kinderpopos so in Rage geriet, daß ihm das Gebiss aus dem Maul flog.)