Mittwoch, 20. August 2014

Großheuchelei


Es ist erst zwei Tage her, daß ich an dieser Stelle eine extreme Heuchelei beschrieb.
Nämlich die des Papstes, der in armen Ländern seinen Priestern Armut und Bescheidenheit nahelegt, während in dem Land, dessen Staatsoberhaupt er ist, die Kirchenfürsten prassen und im Luxus schwelgen.

Schon heute aber kann ich eine ähnlich große Heuchelei präsentieren.
Auch ohne die unterste Schublade des Unterschichtenfernsehens selbst anzusehen (denn soweit bin ich noch nicht gesunken), bekommt man als Zeitungsleser mit, daß bei SAT1 derzeit wieder eine Staffel „Promi-Big-Brother“ läuft. Oder wie es die Insassen aussprechen „Bick Brassa.“
Dazu sind zwei Bemerkungen zu machen:

1)   Es ist eigentlich ungerecht, daß „RTL“ oder „RTL-Zuschauer“ zur Metapher für niveauloses Proleten-Fernsehen geworden ist. Von Anfang an, als RTL und SAT1 gemeinsam die Ära des deutschen Privatfernsehens einläuteten, war SAT1 noch deutlich unter dem RTL-Niveau. RTL versuchte sich wenigstens an journalistischen Formaten, sendet akzeptable Nachrichten und Magazine. Bei SAT1, dem Mertes-Kohl-Sender gibt es hingegen nur Dreck. SAT1 war auch der Sender der Kohl-Kirch-katholischen „geistig-moralischen Wende“, der die debilen Softpornos mit den unterirdischen Namen ausstrahlte. Wir erinnern uns schaudernd an „Es jodelt in der Lederhose“, „Wenn die prallen Möpse hüpfen“,  „Ach jodel mir doch einen - Stoßtrupp Venus bläst zum Angriff“, „Urlaubsgrüße aus dem Unterhöschen“, „Der Mann mit dem goldenen Pinsel“,  „Graf Porno bläst zum Zapfenstreich“, „Auf der Alm, da gibt’s koa Sünd“ und „Alpenglühn im Dirndlrock.“

2)   Während man noch vor wenigen Jahren latent schamvoll von „A-, B- und C-Promis“ sprach, ist man inzwischen längst beim „Z“ angekommen und nennt nun der Einfachheit halber wieder alles und jeden „Promi“. Bei der flüchtigen Durchsicht des TV-Programms nur dieser Woche, sind mir gleich ein halbes Dutzend „Promi-Shows“ aufgefallen. „Promis suchen ein Zuhause“, „das Promi-Dinner“; „die Promi-Quizz-Show“, „die Promi-Shopping-Queen“, „Dein Einsatz, Promi“ und „Promi-Big-Brother“.

Im Gegensatz zu den meisten Subhumanen der herkömmlichen „Promi-Shows“, gibt es bei SAT1 nun also einen Promi, den ich sogar gut kenne: Ronald Schill.
Schill ist vermutlich von allen deutschen Landesministern der Allerschlimmste und Allerpeinlichste – und dabei schließe ich sogar CSU-Minister ein! Rund zwei Dutzend Tammox-Postings widmeten sich Innensenator Schill.
Der koksende, kriminelle, erpresserische, xenophobe, unfähige, korrupte Politmutant wird für immer als größte Nachkriegs-Peinlichkeit Hamburgs in die Geschichte eingehen.
Es ist unmöglich Ole von Beust zu verzeihen, daß er aus purer Machtgier der Stadt diesen menschlichen Abfall angetan hat.


Es spricht für die besondere Verkommenheit von SAT1, daß diesem Subjekt nun eine derart große Bühne zur Selbstdarstellung geboten wird.

Rückblick:

CDU-Regierung in Hamburg?
Für die etwas Älteren ist das immer noch ein ungewohnter Satz. Immerhin 44 Jahre am Stück hatte es SPD-Bürgermeister in der stolzen Hansestadt gegeben.
Nach diesen vier Dekaden war Hamburg zur reichsten Region ganz Europas geworden.
Zu dem Bundesland mit dem höchsten Pro Kopf-Einkommen und dem größten Pro-Kopf-Einzahler in den Länderfinanzausgleich.
Mit einer Abiturientenquote von nahezu 50% lag man weit vor dem angeblichen Musterbildungsland Bayern (35%).

Plötzlich wurde aber Ole von Beust Bürgermeister - obwohl Umfragen zeigten, daß die Wähler auf beinahe allen Politikfeldern den Sozialdemokraten eine sehr viel höhere Kompetenz zutrauten.

Wie kam das zustande?
Dazu muß man auf das Wahlergebnis vom 23.09.2001 blicken, das unmittelbar nach den WTC-Anschlägen ermittelt wurde: SPD = 36,5 % (46 Sitze), Grüne = 8,6 % (11 Sitze), CDU = 26,2 % (33 Sitze), FDP = 5,1 % (6 Sitze).
Nach einem schwarz-gelben Durchmarsch sieht das nun nicht gerade aus.

Aber es gab eben noch den quartalsirren, koksenden, korrupten, erpresserischen, rechtslastigen, xenophoben, kriminellen Ronald Schill. Den ultimativen Scharfmacher mit seinen 25 Sitzen, den Ole von Beust sich gleich als zweiten Bürgermeister ins Nest holte.
Das extremistische Enfant Terrible, das sich inzwischen auf der Flucht vor der Justiz nach Rio de Janeiro abgesetzt hat, durfte dann in Ole von Beusts Namen als Hamburger Innensenator binnen kürzester Zeit den Ruf der Stadt total ruinieren.

Schill regte Internierungslager für alle Ausländer an und wollte „von den Russen“ für die Hamburger Polizei das Gas erwerben, das am 23. Oktober 2002 im Moskauer Dubrowka-Theater für 130 Todesopfer gesorgt hatte. Der Beustsche Duz-Freund machte sich mit ausländerfeindlichen Attacken als Vertreter der Hamburger Regierung im Bundestag am 29. August 2002 zum Thema Oderflut in Ostdeutschland so lächerlich, daß ihm Präsidentin Anke Fuchs nach 15 Minütiger Überziehung seiner Redezeit schließlich das Mikrophon abstellte.
Schill hetzte gegen alles und jeden; Beust sonnte sich aber so in seinem Amt, daß er seinen Vize ungezügelt freien Lauf ließ.
Bis zu dem Zeitpunkt, als Schill sich gegen ihn selbst, gegen den gefühlten Gottkönig Hamburgs, seine Majestät Ole von Beust wandte.
Das mochte der feine Freiherr gar nicht und entließ Schill auf der Stelle.

Wieso ein offensichtlich psychiatrischer Fall wie Schill überhaupt jemals 25 Bürgerschaftssitze erringen konnte, erklärt sich schnell.
Der größenwahnsinnige Ex-Richter hatte im Schulterschluß mit der Springerpresse und dem Beust-Busenfreund Roger Kusch (dem späteren Justizsenator) eine noch nie dagewesene Jugendkriminalitätsangst-Kampagne losgetreten.
Man meinte, keinen Schritt mehr auf die Straße tun zu können, ohne sofort von Horden marodierender Ausländer überfallen, massakriert und vergewaltigt zu werden.

Nun bin ich immer noch nicht ganz bei der Heuchelei angekommen.

Es scheint mir aber aus Gründen der Aufheiterung opportun einige wenige Sätze aus der Boulevardpresse zu zitieren, um einen Eindruck des Bick-Brassa-Schills zu transportieren.

Sexsüchtiger Ex-Richter Ronald Schill in Fummel-Laune
Eine Nervensäge, ein notgeiler Ex-Politiker und Entzugs-Erscheinungen: Im „Promi Big Brother“-Grusel-Container von Sat.1 in Köln-Ossendorf trashen sich die Niemande schon nach einem Tag gegenseitig...
Oben im Luxus-Loft verfällt der nach eigener Aussage sex-süchtige Ex-Richter Ronald Schill (55) dem XXL-Dekolleté von Bachelor-Dummchen Ela Tas (22).
Immer wieder begrapscht er die Kölner Studentin plump. Ob auf dem Sofa, im Schlafzimmer oder in der Küche. Schill ist ständig auf Tuchfühlung mit der 22-Jährigen.  Da entdeckt er ein kleines Tattoo auf ihrer Schulter. „Was heißt denn das? I tell you in my heart? Für wen ist denn das? Da war doch jemand an deiner Seite, als du das gemacht hast“, bohrt er, während er das Tattoo auf der Schulter streichelt.
 […]   Teppichluder Janina hat andere Sorgen. Dem Unterwäschemodel gelingt es nicht, mit den vorhandenen Streichhölzern eine der selbstgedrehten Zigaretten anzuzünden.  Weinend setzt sie sich auf ihre Matte, schluchzt: „Das funktioniert nicht. Das sind so billige Streichhölzer. Die funktionieren nicht.“
Dann bricht es aus ihr heraus: „Hier funktioniert gar nichts. Es gibt nix zu essen und nicht mal vernünftige Blättchen geben mir die hier. Im Dschungelcamp haben die sogar richtige Zigaretten. Man kann mir essen wegnehmen, aber nicht meine Zigaretten. Ich raste aus….“


[…] Zu Beginn wurde der Keller vor allem von extrem zeigefrohen, dauerduschenden Busenmadämchen bevölkert, die ihre Lektionen an der Melanie-Müller-Büffeluniversität offenbar sehr intensiv verinnerlicht haben, um nun bei jeder Kleinstgelegenheit blankzuziehen oder minutenlang zu versuchen, eine berstbereite Klaffbluse zuzuknöpfen.
Wobei auch bei den feinen Herrschaften im Edelstockwerk gerne geschmuddelt wird, namentlich vom Absurd-Adligen Mario-Max zu Schaumburg-Lippe, der in seinem Einspielerfilm seinen Spitznamen "Tittenprinz" damit erklärte, dass er "sehr gerne Busen habe". Das konnte nur noch vom Hamburger Ex-Senator Ronald Barnabas Schill unterboten werden, der zu Protokoll gab, er fände es "sehr aromatisch, wenn eine Frau ein wenig Ausdünstung hat". Womöglich könnte seine BB-Kandidatur dem einst als "Richter Gnadenlos" bekannt gewordenen Fatal-Juristen mit gutem Recht den neuen Beinamen "Richter Schadengroß" einbringen. Wobei ihn das nicht weiter stören dürfte, zumal er "Promi Big Brother" eher als "Promo Big Brother" zu betrachten scheint und nimmermüde seine just jetzt erscheinende Biografie bewarb. […]

Rechtspopulist Ronald Schill (55) ist ganz unten angekommen. Wenn er schon nicht Deutschland regieren darf, dann wenigstens den Grusel-Container von Köln. „Richter Gnadenlos“ reißt „Promi Big Brother“ immer mehr an sich, formt die „Keller-Asseln“ in nur einem Tag zur Schrill-Partei! Bleibt die Hoffnung, dass sie ihn da unten nie wieder rauslassen...
[….]  Und Schill gibt tief unten den Takt vor: Als der frühere Hamburger Innensenator am späten Montagabend den unteren Bereich betritt, sind die anderen Kellerkinder ihm sofort untertan.
Gestatten, die neue Sch(r)ill-Partei: Dschungel-Memme Wendler, Jammer-Mama Claudia Effenberg (48), Porno-Sternchen Mia Magma (27), Teppichluder Janina Youssefian (31) und Quiz-Laberbacke Aaron Troschke (24). Was für ein Inkompetenz-Team!  Für ihren neuen Anführer fangen die Keller-Knallchargen schnell Feuer. Selbst Teppichluder Janina hat alte Feindschaften offenbar schnell vergessen. […]  Statt schriller Fummel kriegt er Second-Hand-Klamotten. Stilsicher wählt er für sich ein graues, viel zu kleines und daher bauchfreies T-Shirt: „Das passt doch farblich ideal zu diesen Wänden hier …“

Nach 13 Jahren ist Schills Peinlichkeit noch ungebrochen. Schaudernd möchte man dafür beten niemals diese SAT1-Show ansehen zu müssen.

Und wieder einmal zeigt sich die ganze Doofheit des Urnenpöbels. Schill hat tatsächlich immer noch Fans. Wir kennen das vom gegelten Baron, der Dutzendfach als Betrüger und Lügner überführt ist und immer noch von einigen Hirnlosen bejubelt wird.
Vermutlich sind die Guttenberg-Fans und Schill-Fans mehr oder weniger psychiatrische Fälle. Das erinnert an die weiblichen Groupis, die inhaftierten Mördern und Vergewaltigern Liebesbriefe schreiben.

[…] Eine klare Tendenz bei den Posts auf Facebook ist nicht abzulesen, die Meinungen und Themen variieren stark. So geht es zum Beispiel um die Vergangenheit und Schills hartes Durchgreifen als "Richter Gnadenlos": "Als Richter war er und bleibt er für mich der beste, R.B. Schill hat jedenfall das Gesetzbuch verstanden und ordentlich angesetzt!" Ein anderer Nutzer erklärt sich Schills damaligen Erfolg so: "Ich erinnere mich noch sehr gut daran. Es waren damals Protestwähler. Heute gehen sie gar nicht mehr zur Wahl."
Ein anderer User übt Kritik an der heutigen Politik: "Schauen sie sich die heutigen Senatoren an...einige machen nichts, andere nur Blödsinn...". […]

Wenn ich nicht längst jeglichen Glauben an das Wahlvolk verloren hätte, würde ich mich wohl wundern, daß heute noch Schills Verständnis für das Gesetzbuch und sein Durchgreifen als Richter gelobt wird.
Schill war schon VOR seiner Politkarriere als einfacher Amtstrichter so dermaßen durchgedreht, daß seine Gaga-Urteile (30 Monate Gefängnisstrafe für eine psychisch kranke Frau, die eine Autotür zerkratzt hatte…) alle, ohne Ausnahme, also zu 100%, komplett, allesamt in der nächsten Instanz aufgehoben wurden. Nicht ein einziges Urteil hatte Bestand.

Aber nein, die Doofheit und Urteilsunfähigkeit des Urnenpöbels ist genau der Grund dafür, daß ich den Einsatz von mehr plebiszitären Elementen grundsätzlich ablehne.
Wir brauchen keine Diktatur der Inkompetenz.

Den Vogel schießt aber das Hamburger Abendblatt von heute ab.
Ich dachte, ich kollabiere im Türrahmen, als ich die Titelschlagzeile heute Morgen um 5.00 Uhr auf meiner Fußmatte betrachtete.
(Man weiß sowieso schon, daß der Tag ganz mies losgeht, wenn der Bote von allen Zeitungen, die ich bekomme ausgerechnet immer das SPRINGER, bzw Funke-Blatt obenauf legt. Was sollen denn die Nachbarn von mir denken?)

„Schämen für Schill“ steht in großen Lettern auf der Titelseite. Und dann legen Matthias Iken (der Mann, der die evangelikale Betrügerin Gaby Wentland als Preisträgerin des BDZV durchdrückte) und Alexander Schuller los.

Ronald Schill und der große Irrtum der Hamburger
Zurzeit lebt Ronald Schill im "Promi Big Brother"- Container. Vor 13 Jahren wählten 19,4 Prozent der Hamburger seine Partei bei der Bürgerschaftswahl – wie konnte das passieren?


Schill kam nicht wie die Jungfrau zum Kinde über die Hamburger!
Er war mittellos und verfügte über keinerlei Organisationsstruktur einer Partei. Er wurde bekannt und „berühmt“ NUR durch die Hamburger Springer-Presse und da in vorderster Front das „Hamburger Abendblatt“.
Schill ist ein Homunculus aus DER Redaktion, dessen Chef nun jammernd fragt wie das passieren konnte!

Geschichte sollte man manchmal besser nicht von ihrem Ende her erzählen. Sonst hätten 165.421 Hamburger sich kaum so irren können wie an jenem September-Sonntag vor rund 13 Jahren: Damals bei der Bürgerschaftswahl hievten die Wähler einen Mann in den Senat, der nur wenige Jahre später seine Stadt, vor allem aber sich selbst, gründlich blamieren sollte. Jetzt ist Ronald Barnabas Schill, vor dessen Law-and-Order-Politik einst die etablierte Politik zitterte, endgültig zum Clown im Unterschichtenfernsehen mutiert.

Jeder Wähler, der sich nicht auf die Informationen aus den SPRINGER-Medien, BILD, Abendblatt und WELT, verließ wußte auch schon vor der Wahl 2001 ganz genau was für eine Total-Kanaille Schill war. Dementsprechend groß war ja das Entsetzen am Wahlabend.
Möglich gemacht hatte es Matthias Ikens Abendblatt!
13 Jahre später kommt dem Abendblatt seine eigene Schuld immer noch nicht in den Sinn; nein, im Gegenteil, nun auf einmal findet es Pimmel-Schill irgendwie peinlich. So peinlich wie Schills Biographie, für die es kostenlos Werbung macht.

Und er schreibt weiter: "Dieselbe Eigenschaft, die mir Macht einbrachte, wurde schließlich mein Verhängnis: die Maßlosigkeit. Es war meine Gier nach dem weiblichen Geschlecht, die meinen zahlreichen Feinden in Medien und Politik zu viel Angriffsfläche bot. Mein Schwanz brach mir das Genick."

Vielleicht ist Schill doch nicht so dumm, wie man zunächst dachte. Immerhin ist er schlau genug in seinem Boulevard-Büchlein gar nicht erst mit Politik anzufangen, sondern gleich von Schwänzen und Titten zu faseln.
Die ausländerfeindlichen Sprüche, die menschendiskriminierenden Grausamkeiten und die unfassbare Peinlichkeit, die er der Stadt zufügte, während Schills Regierungszeit, störte das Abendblatt nicht.
Daß er aber als dirty old man in einer Favela vom Ficken fabuliert, läßt Iken sein feines Näschen rümpfen.

Doch die Aneinanderreihung schlüpfriger Sexbeichten, politischer Selbstbeweihräucherung und bemerkenswerter Stilblüten ("Sie kam viermal zum Orgasmus und ihre Schreie tosten durch den Wald. Ein Wahnsinn! Sie würde mich süchtig machen. Oder war ich es schon? Jedenfalls war ich mal wieder an der Scheide meines Lebens.") gipfeln am Ende in nur einer Frage: Wie konnte Ronald Barnabas Schill dieser Stadt eigentlich passieren?

Das passierte, weil Ihr den Mann angepriesen habt wie warme Semmeln!
Dreist schiebt der konservative Iken dem einzig liberalen Boulevardmagazin Hamburgs den Schwarzen Peter zu.

"Richter Gnadenlos". So titelte damals die "Hamburger Morgenpost" – und sie traf damit genau den Nerv der Bevölkerung. Damals hatten viele Hamburger das Gefühl, die Stadt stecke im Würgegriff der Kriminalität; sie sei gar die deutsche "Hauptstadt des Verbrechens", wobei eine demotivierte Polizei, eine lasche Justiz und eine desinteressierte Politik alles noch verschlimmerten.

„Lasche Justiz“ und „desinteressierte Politiker“ – genauso mit dieser Rechts-Propaganda schrieb auch damals SPRINGER Schill hoch. Dabei war damals Olaf Scholz, der als absoluter „Law and Order-Mann“ galt SPD-Innensenator.
Das immer noch als „lasch und desinteressiert“ zu bezeichnen, erklärt unfreiwillig noch mal a posteriori wie das Hamburger Abendblatt Stimmung für den Rechts-Populisten anfachte.

"Richter Gnadenlos" gab dem weit verbreiteten Unbehagen über die Sicherheitslage Stimme und Gesicht. Dabei wirkte er so ganz anders als die unappetitliche Mischpoke von rechtsradikalen Politikern, die sonst mit der Angst vor Kriminalität und Fremden punkten wollten. Ronald Barnabas Schill war rhetorisch geschickt, groß gewachsen und sah blendend aus. Er verkörperte nicht die ewig-gestrigen, dumpfen Parolen anderer Populisten, sondern präsentierte sich in der Öffentlichkeit als intelligente wie charmante Mischung aus Law-and-Order-Mann und Bonvivant.

Auch wenn ich hartgesotten bin – aber dazu fällt mir nun wirklich nichts mehr ein! Bonvivant, charmant, blendendes Aussehen?



Geradezu berauscht feierten seine Anhänger auf einer bizarren Wahlparty auf dem Elbdampfer "Louisiana Star" die 19,4 Prozent und skandierten "Ronald, Ronald", als sei der damals 42-Jährige der Star einer Boyband. Und weil Rechtsausleger mit bürgerlichem Lebenslauf und hoher Intelligenz in Deutschland bis dahin eine Rarität waren, hallte das Medienecho enorm nach. [….]



Dienstag, 19. August 2014

Hahaha, Klimakanzlerin.



Das Etikett heftete man einst der Merkel an, die 2007 anlässlich des G8-Gipfels mit George W. Bush in Heiligendamm grillte und sich nicht darum scherte, daß die großspurigen finanziellen Zusagen G8-Gipfel in Gleneagles 2005 zum Klima nie eingehalten wurden.
Merkels „Erfolg“ war ihre butterweiche Vagheit, die auch angelsächsischen Hardliner ermöglichte zuzustimmen. Sie wurden nie verbindlich festgenagelt.

Die Bundeskanzlerin erinnerte daran, dass das G8-Treffen in Heiligendamm kein Klimagipfel ist. Es gelte dort, weitergehende Prozesse anzustoßen. Dass dies möglich sei, werde an der Entwicklung der vergangenen Jahre deutlich. "Wir bohren hier zwar dicke Bretter, aber wir machen auch Fortschritte", zeigte sich die Kanzlerin zuversichtlich.

Seit einigen Jahren geht es bei den UN-Klimakonferenzen darum die ohnehin viel zu schwachen Ziele des bis 2012 auslaufenden Kyōto-Protokoll zu entwickeln.
Um 5% sollten die Kohlendioxid-Emissionen in den Jahren 2008 bis 2012 gesenkt werden – so hatte man es 1997 vereinbart. Natürlich hielt man sich nicht daran.

Die geradezu grotesk Merkel hochschreibende deutsche Presse jubelte Merkel zur „Klimakanzlerin“ hoch, obwohl sie rein gar nichts gegen die Erderwärmung zu unternehmen gedachte. Im Gegenteil, mit großer Verve kämpfte sie abseits der Sonntagsreden in Brüssel dafür, daß deutsche Autos mehr CO2 ausstoßen dürfen*. Die Autolobby bezahlt schließlich die CDU dafür.*

Für die Rettung des Planeten interessiert sich allerdings kaum ein westlicher Politiker.
Bizarrerweise sind es inzwischen eher die eben noch als Weltklimapest gescholtenen Chinesen, die sich für umweltschonende Technologie interessieren.
Ein Xi Jinping muß sich allerdings auch nicht vor Landtagswahlen fürchten, keine Koalitionen mit FDP-Lobbyisten bilden und knickt nicht in vorauseilendem Gehorsam vor ein paar Wirtschaftsbossen ein.

UN-Klimagipfel schwänzt Merkel inzwischen grundsätzlich.
Sie will die Zuwendung an die CDU* von der Autoindustrie und der Energie-Lobby nicht gefährden. Es darf gar nicht erst so aussehen, als kümmere sich die deutsche Regierungschefin um eine Reduktion der Treibhausgase. Hauptsache Kanzlerin sein und nach mir die Sintflut – lautet Merkels Motto, das man unglücklicherweise inzwischen durchaus wörtlich verstehen muß.
An alle Schaltstellen der CDU-Klimapolitik setzte Merkel rein industriehörige Figuren und sorgte 2009 nach dem Ausscheiden der SPD aus der Regierung strikt dafür, daß auch erfolgversprechende Klimagipfel torpediert wurden und scheiterten. Ihr BDI-Knecht Rötten sorgte gleich nach seinem Amtsantritt als Umweltminister in Kopenhagen für ein Desaster.

Es ist mir unverständlich, wie man ob des Kopenhagener Debakels nun enttäuscht sein kann.

Enttäuschungen können nur entstehen, wenn man zuvor Hoffnungen hatte.
Kann jemand so debil sein, angesichts der CDU-Performance optimistisch gewesen zu sein?

Man muß sich nur die handelnden Personen ansehen.

Merkel vertraut auf einen Klimabeauftragten der CDU namens Ole von Beust, der in seiner Stadt mal eben die größte CO2-Schleuder Europas installiert.
Moorburg, das 2012 für 1,7 Milliarden Euro fertig gestellt werden soll, wird so viel Kohle verbrennen, dass jährlich 8,5 Millionen Tonnen CO2 erzeugt werden.

Das entspricht den jährlichen Abgasen von mehr als 1,4 Millionen PKW - mehr als das Doppelte des gesamten Straßenverkehrs in Hamburg. Das Großkraftwerk ist für den Strom- und Fernwärmebedarf Hamburgs stark überdimensioniert und würde etwa die Hälfte der eingesetzten Energie ungenutzt an die Elbe abgeben. Mit dem Kraftwerksprojekt verbunden sind schädliche Luftemissionen, insbesondere hohe Feinstaubbelastungen. Strömungsveränderungen und die Abgabe großer Mengen warmen Kühlwassers schädigen die Tier- und Pflanzenwelt der Elbe.
(Robin Wood)

Maximierung des Treibhausgas-Ausstoßes auch im bevölkerungsstärksten Bundesland NRW - die schwarzgelbe Landesregierung winkt eine Lex E.on du
rch, die die Vorgaben zum Klimaschutz aus dem Gesetz zur Landesentwicklung (LEPro) entfernt.
Die Landtagsmehrheit aus CDU und FDP will den §26 zur Energiewirtschaft ersatzlos aus dem Gesetz entfernen. Damit stehen klimapolitisch bedeutsame Ziele wie Energieeinsparung, der Ausbau erneuerbarer Energien und Kraft-Wärme-Kopplung auf dem Spiel.

Das rückgratlose unverantwortliche Handeln von CDU und FDP ist in Wahrheit ein liebesdienerisch-unterwürfiger Akt zugunsten von E.on:

„Mit der Streichung von Klimaschutzzielen aus dem Gesetz zur Landesentwicklung setzt die Landtagsmehrheit aus CDU und FDP ihren klimapolitischen Amoklauf fort. Seit 2005 steigen die CO2-Emissionen in NRW wieder an, obwohl schon jetzt ein Drittel aller Treibhausgasemissionen an Rhein und Ruhr entstehen fügt Dirk Jansen, Geschäftsleiter des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) in NRW hinzu. „Die Gesetzesänderung verfolgt erkennbar das Ziel, dass der Energiekonzern E.on in Datteln weiter den größten Kohlekraftwerksblock Europas bauen kann und der Weg für weitere Kohlekraftwerksbauten wie z.B. in Krefeld und Marl frei gemacht wird. Dafür sollen derzeit geltende Klimaschutzstandards geopfert werden.

Zum Umweltminister beruft die Bundeskanzlerin einen Konzern-Lobbyisten Röttgen, der am 1. Januar 2007 Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) werden sollte.

Die Kanzlerin selbst setzt sich in Brüssel gegen CO2-Abgasgrenzerte ein und will gezielt besonders klimaschädliche Autos fördern.

Europas wichtigster Auto-Lobbyist und Klimaschutzgegner ist der CDU-Ex-Verkehrsminister Wissmann.

Ähnlich gelagert auch ihre Abgesandten in Europa.
Der Altindustrie-hörige Oettinger wurde EU-Energiekommissar und beinahe noch schlimmer ist es, daß der ultraatombegeisterte CDU-Mann Herbert Reul den extrem wichtigen Posten des Vorsitzenden des Industrieausschusses im Europäischen Parlament innehat.

Reul können es gar nicht genug Atomkraftwerke sein und daß der Klimawandel von uns verursacht sei, kann der Technikdinosaurier, der auf dem Wissensstand der 1950er lebt auch nicht recht glauben.
"Zweifel am menschengemachten Klimawandel" nennt er seine abstruse vorsintflutliche Ideologie euphemistisch.
Bei den Energiegiganten der Atommafia dürften bereits die Sektkorken knallen.

Das Kopenhagener Nichtergebnis ist ein folgerichtiges und ehrliches Scheitern.
Wohlfeil ist es mit dem Finger auf China und Amerika zu zeigen.
Wir, als der fünftgrößte Klimaverpester der Welt sollten uns an die eigene Nase fassen. Das Personal, das sich deutsche Wähler zum repräsentiert werden aussucht ist der Sargnagel der Umwelt.

Die harschen Urteile für das breite politische Versagen
* in der dänischen Hauptstadt sind zwar in der Sache richtig, aber der überraschte Unterton ist absurd.

* "Floppenhagen! Brokenhagen!", "Die Substanz ist erbärmlich schwach." (Germanwatch-Chef Christoph Bals), "Kopenhagen ist heute Nacht Schauplatz eines Verbrechens, und die schuldigen Männer und Frauen flüchten zum Flughafen." (John Sauven, verantwortlicher Direktor von Greenpeace), "Die internationale Klimapolitik steht vor einem Scherbenhaufen" ("Brot für die Welt"- Direktorin Cornelia Füllkrug-Weitzel), „Was für ein Fiasko: Der Klimagipfel von Kopenhagen ist an knallharter Interessenpolitik der USA, Chinas und vieler anderer Staaten gescheitert. Das Debakel von Kopenhagen ist auch das Debakel von Barack Obama.“ (Markus Becker, SPON), "Staatsstreich gegen die UN", "Verrat an unserer Zukunft", „Klima-Schande“, "Sie boten 30 Silberlinge für den Verrat an unserer Zukunft" (Ian Fry, Vertreter des Inselstaats Tuvalu), "diktatorisches Verhalten", etc..

Das enttäuscht mich nicht, da ich nichts erwartet habe von einer Weltgemeinschaft, die so eine Klima-antagonistische Pfeife, wie die deutsche Bundeskanzlerin als ihre „Klima-Queen“ apostrophiert.

Das enttäuscht mich nicht, da ich nichts erwartet habe von einer Weltgemeinschaft, deren Staatschefs gerade mal für zwei oder drei Stunden anreisen mochten, weil sie es wie Merkel für wichtiger erachteten zuhause zugunsten von reichen Erben und Hoteliers zu kämpfen und auf der Klaviatur der Klientelpolitik klimperten.

Auch die letzte UN-Klimakonferenz unter einem CDU-Umweltminister in Warschau strafte Merkel demonstrativ mit Desinteresse. Sie wollten ihren Umweltminister Altmaier lieber bei sich in Berlin sehen.

Altmaiers Job war es zuhause zu sitzen und Angela Merkel zu bejubeln.
Für Umwelt und Klima-Politik war da keine Zeit.

Deutschland zeigte bei den Klimagipfel-Verhandlungen in Warschau wenig Engagement – Umweltminister Altmaier reiste nach nur einem Tag sogar schon wieder ab. Mangelt es Berlin umweltpolitisch an Ehrgeiz?
[….] Die Chefin der Entwicklungsorganisation Oxfam, Winnie Byanyima, sprach gar von einer „Abwärtsspirale“ bei den Verhandlungen. Thomas Hirsch von der Hilfsorganisation „Brot für die Welt“ nannte den Gipfel einen „neuen Tiefpunkt der Klimadiplomatie“. [….]
Im Gegensatz zur Vergangenheit spielt Deutschland bei Klimakonferenzen kaum noch eine Rolle. [….] Beim Warschauer Klimagipfel beschränkte sich die Bundesrepublik auf einen eintägigen Kurzbesuch des amtierenden Umweltministers Peter Altmaier (CDU), der am Mittwoch einflog, Forderungen an andere stellte, die Energiewende als solche lobte und 30 Millionen Euro für den darbenden Anpassungsfonds mitbrachte.

So einen Mann fördert und befördert die Kanzlerin. Für ihre Politik des Irgendwie-vor-sich-hin-wurschtelns ist Fachwissen und Durchsetzungskraft nur hinderlich.
Merkels ständige Kurswechsel, ihr an den Umfragen Entlangmäandern passt nicht zu Ministern, die Pflöcke einschlagen und voran gehen.
Daher setzte sie im neuesten Kabinett an mehreren Schlüsselstellen auf völlig unerfahrene und sachfremde Gestalten.

Der 2014ner UN-Klimagipfel findet in Lima statt.
Natürlich wieder ohne Merkel.
Dabei schreckt die beliebteste Kanzlerin aller Zeiten mit ihren 75%-Zustimmungswerten beim deutschen Urnenpöbel nicht davor zurück auch den UN-Generalsekretär schwer zu brüskieren.

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki Moon, ist verstimmt über die deutsche Regierungschefin Angela Merkel. Grund ist ihre Absage für den lange geplanten Klimagipfel. Das Treffen soll am 23. September in New York stattfinden. Schon vor Monaten hatte das Kanzleramt "terminliche Gründe" dafür angegeben, dass Merkel nicht kommen wird.
Ban Ki Moon hatte daraufhin noch einmal in Berlin nachhaken lassen. Als die Antwort erneut negativ ausfiel, sagte er verärgert seine ursprünglich geplante Teilnahme am Petersberger Klimadialog Mitte Juli in Berlin ab.
Für die Gipfelkonferenz im September haben sich unter anderen US-Präsident Barack Obama und Frankreichs Staatspräsident François Hollande angekündigt. […]

Nun liegt Merkels demonstrative Absage nicht nur daran, daß sie keinen Bock hat und daß ihr die Zukunft des Planeten schlicht egal ist, Nein, sie hat außerdem tatsächlich etwas Besseres vor.

Lieber Bosse als Bäume.
Die Kanzlerin schwänzt den UN-Klimagipfel in New York. Stattdessen hält sie an diesem Tag eine Rede vor deutschen Industriellen.
Monatelang wurde gerätselt, jetzt ist offenbar klar, was Angela Merkel vom Besuch des UN-Sondergipfels zum Klima abhält: Wenn die Bundeskanzlerin am 23. September nicht in New York erscheint, hat sie einen anderen Termin: Beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Merkel ist am gleichen Tag dort für eine Rede auf dem „Tag der Deutschen Industrie“ in Berlin vorgemerkt.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die Staats- und Regierungschefs zu einem Sondergipfel zum Klima eingeladen, um die Erfolgsaussichten für die entscheidende Klimakonferenz von Paris im Dezember 2015 zu erhöhen. [….]

Die Reaktion des deutschen Urnenpöbels:

Neuer Rekordwert
Angela Merkel steigert Beliebtheit im Stern-RTL-Wahltrend erneut.
Bundeskanzlerin Angela Merkel ist in der Wertschätzung der Deutschen nach einer Forsa-Umfrage auf einen neuen Rekordwert gestiegen: Würde die Besetzung des Kanzleramts vom Wähler direkt bestimmt, käme Merkel auf eine Zustimmung von 63 Prozent, geht aus der jüngsten Erhebung für den "Stern" und RTL hervor.
Dies ist ein Plus von einem Punkt gegenüber der Vorwoche. Für SPD-Chef Sigmar Gabriel sprachen sich lediglich zwölf Prozent der Befragten aus.

Gute Nacht Deutschland.



*Das revolutionäre Potential des deutschen Michels ist < 0.
Selbst ein Zyniker wie ich unterlag teilweise der Illusion, die eindeutige Gewissheit, daß Merkels Regierung nur parteispendenorientiert Politik betreibe den Urnenpöbel ein kleines bißchen verärgern könne.
Aber selbst die krassesten Fälle, die jetzt direkt nach der Wahl durch die Gazetten wabern, ändern nichts daran, daß Merkel mit gigantischem Abstand die beliebteste Politikerin Deutschlands ist und ihre CDU haushoch eine Neuwahl gewänne.
Die Umfrageinstitute sehen Merkels Schoßpartei inzwischen bei bis zu 45%.

Eva Bulling-Schröter: Autolobby im Kanzleramt
„Unverschämter Lobbyismus für Daimler, VW und BMW. Das ist offensichtlich der Ausblick für die Klimapolitik der kommenden Bundesregierung“, so Eva Bulling-Schröter, umweltpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, angesichts der Blockade Deutschlands bei der Verabschiedung EU-weit strengerer CO2-Grenzwerte für PKWs. Bulling-Schröter weiter:
„Es braucht gar keine FDP als Speerspitze der Wirtschaftslobby. Den Job macht die Union im Kanzleramt auch allein ganz gut - die deutschen Automobilkonzerne können sich auf Merkel, Pofalla & Co verlassen. Einmal mehr versucht die Bundesregierung, wirksame Umweltauflagen für die deutsche Automobilindustrie zu verhindern, welche besonders viel Geld mit schweren Protz-Limousinen verdient. Mit Geheimdiplomatie lassen CDU und CSU einen für den Klimaschutz ohnehin nicht anspruchsvollen Brüsseler Kompromiss platzen.
(Die Linke-Bundestagsfraktion 14.10.13)

BMW-Großspende: Bundesregierung lässt sich offenbar von Autolobby kaufen
Zu den Großspenden über 690.000 Euro, die die CDU von der Familie Quandt, einem bedeutenden BMW-Anteilseigner erhalten hat und dem Agieren der Bundesregierung bei den CO2-Grenzwerten, erklärt Stephan Kühn Sprecher für Verkehrspolitik:
Wer noch Zweifel daran hegte, warum sich die Bundesregierung so vehement für eine Verschiebung strengerer CO2-Grenzwerte bei Pkw stark gemacht hat, hat jetzt Gewissheit: Die Autolobby bestimmt die Richtlinien der Automobilpolitik und nicht die Bundeskanzlerin. Das destruktive Agieren der Bundessregierung in Brüssel ist auch im Zusammenhang mit den jetzt bekannt gewordenen Großspenden zu verstehen. Das Ausbremsen strenger CO2-Grenzwerte war BMW-Großaktionären 690.000 Euro wert. Auch der kürzliche Wechsel des ehemaligen CDU-Bundestagsabgeordneten Eckart von Klaeden zur Daimler AG zeigt die enge Verfilzung zwischen Kanzleramt und Autolobby.
Verheerend sind die klima-, industrie- und verkehrspolitischen Wirkungen der unseligen Allianz zwischen Autolobbyisten und CDU-Regierungspolitikern, denn die erfolgreiche Lobbyarbeit der Autoindustrie in Brüssel verhindert Fortschritte beim Klimaschutz und ist innovationsfeindlich.
Der technische Fortschritt bei der CO2-Minderung wird um Jahre ausgebremst. Auch der Markt für alternative Antriebe wird jetzt weiter vor sich hin dümpeln. Dadurch werden mittelfristig Arbeitsplätze in der Automobilindustrie Deutschlands gefährdet, da die Innovationen dann zum Beispiel von asiatischen Herstellern auf die Straße gebracht werden und deutsche Hersteller das Nachsehen haben.
(Pressemitteilung der Grünen Bundestagsfraktion Nr 0778 vom 15.10.13)

Sahra Wagenknecht: Spendensumpf austrocknen - auch ohne CDU
"Der Bundestag kann den Spendensumpf austrocknen - auch ohne CDU", kommentiert Sahra Wagenknecht die Debatte um eine Reform der Parteienfinanzierung mit Blick auf die Großspende der Quandt-Familie bzw. BMW-Eigner an die Christlich Demokratische Union (CDU). Die Erste stellvertretende Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE fährt fort:
"Es gibt viele Möglichkeiten, eine gekaufte Republik zu verhindern: SPD und GRÜNE könnten als ersten Schritt mit uns im Bundestag ein Verbot von Unternehmensspenden an Parteien sowie ein Verbot des Parteiensponsorings beschließen. Die Mehrheiten dazu sind vorhanden. SPD und GRÜNE könnten wie DIE LINKE einen Kodex anwenden und keine Parteispenden von Unternehmen mehr annehmen. Dies ist dringend erforderlich, da auch diese Parteien Konzernspenden erhielten - etwa Spenden der Allianz nach der Riester-Reform. Überdies sollte der Bundespräsident der Forderung von Transparency International entsprechen und die Freiheit seines Amtes nutzen, um eine Kommission zur Reform der Parteienfinanzierung einzusetzen. Dies entspräche dem Motto von Bundespräsident Gauck, wonach Freiheit auch Verantwortung bedeutet. Darüber hinaus sollte die Staatsanwaltschaft aktiv werden, da im Zusammenhang mit der Aufweichung der EU-Abgasnormen für Autos durch die Bundeskanzlerin der Verdacht der Bestechlichkeit im Amt im Raum steht.
DIE LINKE fordert, Unternehmensspenden an Parteien sowie das Parteiensponsoring zu verbieten und Spenden von Privatpersonen auf 25.000 Euro zu begrenzen. DIE LINKE nimmt selbst keine Spenden von Unternehmen an."
(Die Linke-Bundestagsfraktion 16.10.13)

Inzwischen hat sich auch die Bayerische Schwester ihren verdienten Industrie-Obolus abgeholt:

Nach der CDU hat auch die CSU hat eine Großspende aus der Industrie erhalten. Auf der Internetseite des Bundestages wurde am Donnerstag mitgeteilt, dass die Partei vom Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie 565.000 Euro erhalten hat. Sie ging demnach am Dienstag ein. [….] SPD, Linke und Grüne verwiesen auf einen zeitlichen Zusammenhang mit dem Eintreten der Bundesregierung gegen strengere CO2-Vorgaben für Autos in der EU. Die Bundesregierung verwahrte sich gegen Verdächtigungen, durch große Parteispenden politisch beeinflussbar zu sein.

Die selbst für schwarzgelbe Verhältnisse unglaublich dreiste Käuflichkeit von Merkels Staatssekretär von Klaeden, ruft inzwischen sogar die Staatsanwaltschaft auf den Plan.
Merkel weiß offenbar ganz genau, wieso sie die Strafbarkeit von Abgeordnetenbestechung hartnäckig blockiert.
Ihre halbe Mannschaft säße wohl im Knast.

Der umstrittene Wechsel des scheidenden Staatsministers im Kanzleramt, Eckart von Klaeden, zum Automobilkonzern Daimler beschäftigt die Justiz. Derzeit prüft die Berliner Staatsanwaltschaft nach Informationen des SPIEGEL die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen den CDU-Politiker.
[…] Nach Informationen des SPIEGEL liegt bereits ein elfseitiger Prüfvermerk der Ermittler vor, der ein entsprechendes Verfahren gegen Klaeden wahrscheinlich macht. Formal eingeleitet werden könnten die Ermittlungen frühestens ab dem 22. Oktober, wenn Klaedens Immunität als Bundestagsabgeordneter erlischt. […] Es ist vor allem die Union, die zuletzt mit ihrer Nähe zur Autoindustrie für Schlagzeilen sorgte. Die Bundesregierung hatte am Montag durchgesetzt, dass EU-Pläne für strengere CO2-Grenzwerte bei Neuwagen in entscheidenden Punkten abgeschwächt werden. Die jetzt beschlossene Regelung kommt vor allem den beiden deutschen Herstellern BMW und Daimler zugute. Kurz vor der entscheidenden Sitzung der Umweltminister in Luxemburg hatte die CDU von der BMW-Eigentümerfamilie Quandt eine Parteispende über insgesamt 690.000 Euro erhalten.

Es ist nicht mehr angebracht von der Teflon-Kanzlerin zu sprechen, als ob jeder Skandal an Merkel abgleitet.
Wir haben eine Teflon-Wählerschaft, die völlig immun gegen politische Erkenntnisse ist und unberührt immer weiter „CDU“ ruft, wenn man sie nach den Parteipräferenzen befragt.

Die Großindustrie ruft „Spring!“ und Merkel fragt nur noch „Wie hoch?“
Dem Wähler gefällt diese Methode.

Zunächst sah alles nach einem ganz normalen EU-Gesetzgebungsverfahren aus. Noch bevor die EU-Kommission einen Vorschlag zu neuen CO2-Grenzwerten gemacht hatte, war die Autolobby bereits aktiv geworden. Sie verhinderte, dass die Vorgaben allzu hart ausfielen.
Dann kamen die CDU-Abgeordneten im Europaparlament zum Zuge. Sie sorgten dafür, dass die deutschen Autohersteller einen Airbag bekamen: Über sogenannte Supercredits für umweltfreundliche Wagen sollten auch Premiumhersteller die Vorgaben erfüllen können.
Ein Kompromiss ganz im Sinne der Kanzlerin. Der größte deutsche und europäische Autobauer, Volkswagen, hatte ebenfalls keine Probleme mit den neuen Grenzwerten. Auch die Hersteller in anderen EU-Ländern waren mit dem Vorschlag zufrieden.
Dass BMW und Daimler Mühe haben würden, die Vorgaben zu erfüllen, war zwar schnell klar, doch im Grunde spricht dies für den EU-Kompromiss – es geht ja gerade darum, auch Luxusmarkenhersteller zu ehrgeizigeren Klimaschutzzielen und Innovationen anzutreiben. Über die umstrittenen „Supercredits“ war der EU-Gesetzgeber den Extrawünschen der Spritfresser ohnehin weit entgegengekommen. Aus Sicht von Umwelt- und Verbraucherschützern ging dies schon viel zu weit.
Doch Kanzlerin Merkel blockierte den Kompromiss. Offenbar auf Druck von Cheflobbyist Matthias Wissmann – einem früheren CDU-Politiker – und CSU-Chef Horst „BMW“ Seehofer machte sie die CO2-Grenzwerte zur Chefsache. Die Ampel für den Klimaschutz wurde von Grün auf Rot gestellt. Merkel persönlich griff zum Telefon, um eine Blockade im EU-Ministerrat zu organisieren, der den Beschluss noch durchwinken muss.
Und hier passiert es dann: Der deutsche – im EU-Geschäft nicht ungewöhnliche – Protektionismus schlägt in kaum verhohlene Erpressung um. Merkel und ihre Gehilfen müssen vier EU-Staaten auf ihre Seite ziehen, um die Entscheidung zu vertagen. Zumindest in zwei Ländern – Portugal und den Niederlanden – drohen sie mit dem Abzug deutscher Investitionen, sollten sich die Regierungen nicht „erkenntlich“ zeigen und Merkel folgen. […]

Montag, 18. August 2014

Franziskus, der Clown


Lange Zeit war der Turiner Tarcisio Bertone (* 1934) die Nummer Zwei der 1,2 Milliarden Katholiken.
Als einer von nur neun Kardinalbischöfen, langjähriger Kardinalstaatssekretär und Camerlengo der Vatikanstadt hat Bertone außer Papst alles erreicht, was man in der katholischen Welt schaffen kann.
Gelegentlich galt Bertone sogar als eigentlicher Papst, der Ratzinger seine Entscheidungen diktierte.
Es ist verbürgt, daß beispielsweise Kardinal Meisner, der immerhin als enger Vertrauter Papst Benedikts gilt, mehrfach in Rom war, um Ratzi anzuflehen Bertone zu entmachten. Vergeblich. Der Mann kennt sich aus.
Auch Papst Franziskus brauchte sieben Monate, um den Pädophilen-Beschützer Bertone endlich am 15. Oktober 2013 von seinem Posten als Kardinalstaatssekretär zu schieben. Allerdings ist Bertone immer noch der ranghöchste wahlberechtigte Kardinal der Welt und würde als solcher auch das nächste Konklave leiten, falls Franzi wie sein Vorgänger plötzlich keine Lust mehr haben sollte.
Nun mit 79 Jahren zieht Bertone noch einmal um. Er wird der direkte Nachbar des Papstes, der im Gästehaus Santa Marta wohnt.


Genau davor liegt der Palazzo San Carlo, dessen 700 Quadratmeter großes Penthouse zurzeit für den welthöchsten Kardinal umgebaut und restauriert wird.
Die Italienische Presse spricht vom "goldenen Penthouse", der exklusivsten und teuersten Wohnung Italiens.

Bertone ist keine Ausnahme; Kurienkardinäle wohnen üblicherweise extrem teuer und luxuriös. Das „Kardinalsrot“ steht schließlich auch historisch für die teuerste Farbe der Welt. Sie hat ihren Ursprung im Purpur, das aus einer Absonderung der Hypobronchialdrüse der Purpurschnecke gewonnen wird. Da sich in der Drüse kaum messbare Mengen des weltexklusivsten Farbstoffs befinden, sind zur Herstellung eines Gramms reinen Farbstoffs circa 8.000 Schnecken notwendig. So ein Anspruch verpflichtet.

Bertone steht mit seinen Wohnplänen durchaus in der Tradition seiner Vorgänger. Auch er wohnte ein Jahr provisorisch im Johannes-Turm an der Vatikanmauer, bis sein Vorgänger Angelo Sodano (1990-2006) die Dienstwohnung freimachte. Dieser ließ sich eine großräumige Wohnung samt Bibliothek im Äthiopischen Kolleg inmitten der Vatikangärten einrichten. Dort wohnte er zunächst neben dem US-Kardinal Edmund Casimir Szoka, dem Gouverneur des Vatikanstaates. Als der in die Heimat übersiedelte, wurde dessen Nachfolger Giovanni Lajolo Sodanos neuer Nachbar.
Kaum weniger Aufwand betrieb Sodanos Vorgänger als Kardinalstaatssekretär, Agostino Casaroli. Für ihn wurde nach der Pensionierung 1990 unmittelbar neben dem Palazzo San Carlo ein Penthouse errichtet. Nach seinem Tod 1998 stand es mehrere Jahr lang leer, bis Kardinal Giovanni Battista Re, Leiter der Bischofskongregation, das begehrte Objekt bezog.

Franziskus, der als absoluter Monarch des Vatikanstaates Judikative, Exekutive und Legislative allein bestimmt, läßt Bertone gewähren und sieht tatenlos zu wie dort die kirchlichen Millionen verprasst werden.
Den Bertone-Balken im Auge scheint der Papst gar nicht zu bemerken.
Anders sieht es freilich aus, wenn es um Splitter in den Augen einfacher Priester auf der anderen Seite der Erdkugel geht. In Korea predigt er Armut und läßt sich als Vorkämpfer der Bescheidenheit bejubeln.

Papst warnt vor Luxus in der Kirche.
Papst Franziskus hat in Südkorea vor einem luxuriösen Leben von Priestern und Ordensleuten gewarnt.
Als Heuchelei verurteilte der Papst am Samstag in einer Rede vor Ordensfrauen und Patern das Leben "jener gottgeweihten Männer und Frauen, welche die Gelübde der Armut ablegen, dann aber wie Reiche leben". Ihre Haltung schade der Kirche.
Zugleich würdigte er das Gemeinschaftsleben der Ordensleute im 130 Kilometer von Seoul entfernten Ort Umsong. Das Oberhaupt der katholischen Kirche rief sie auf, jeder Versuchung einer "weltlichen Mentalität" zu widerstehen. Es ist der erste Besuch eines Papstes in Südkorea seit 25 Jahren.  [……]