Donnerstag, 8. Mai 2014

Jetzt reicht es endgültig.



Viele Male habe ich an dieser Stelle den Religiotenkurs der ZEIT beklagt.
Nun ist meine Geduld am Ende.
Mein Abo ist mit diesem Brief an den Chefredakteur gekündigt.


Sehr geehrter Herr di Lorenzo!

Meine Eltern, meine Tanten, mein Onkel, meine Cousins und ich natürlich auch; wir sind die typischen Hamburger ZEIT-Leser. So lange ich zurückdenken kann: Die ZEIT-Abonnements bestehen in der Regel über 50 Jahre und werden erst mit dem eigenen Tod beendet.
Meine Mutter nabelte sich allerdings in ihren letzten Jahren schon ab; wollte aber Helmut Schmidt zu Liebe nicht ihr Abonnement kündigen.

Mich aber haben Sie zermürbt, Herr di Lorenzo.

Es tut mir weh, das zu sagen, aber hiermit möchte ich mein ZEIT-Abonnement zum nächst möglichen Zeitpunkt kündigen!

Wie ich annehme, ist das eine Angelegenheit für die Vertriebsabteilung und so möchte ich auch das allerletzte kleine Tröpflein erwähnen, welches das Faß zum Überlaufen brachte.
Die mit der heutigen Ausgabe zwangsumgestellte Zustellung auf Postweg.
Es wäre anständig gewesen den alten Abonnenten wenigstens persönlich mitzuteilen, daß Sie sich mit dem Vertrieb des Hamburger Abendblattes überworfen haben und von eben auf jetzt die Zustellung durch einen Boten beendet wird.
Für mich ist das nicht ganz unwichtig, da die Postzustellung deutlich später erfolgt. Vor allem aber ist mein Briefkasten, wie so viele, deutlich zu klein für die ZEIT. Nun bekomme ich nur noch ein zerknülltes Etwas, statt einer ordentlich auf meine Fußmatte gelegte Zeitung.

Aber seit der 2010 erfolgten Übernahme des stramm konservativ-katholischen „Rheinischen Merkurs“ (Christ und Welt) und Ihrem Versuch dieses antiliberale Blatt aus dem Besitz der deutschen Bischofskonferenz den ZEIT-Lesern aufs Auge zu drücken erwarte ich nicht mehr viel Anstand der ZEIT-Geschäftsführung.

Und bei der Gelegenheit möchte ich auch sagen, daß ich nicht bereit bin dafür zu bezahlen, daß ich monatlich durch die ZEIT  das unsäglich dümmliche EKD-Blatt „Chrismon“ ins Haus geliefert bekomme.
Dabei handelt es sich um einen journalistischen Alptraum. Mit Grausen erinnere ich mich an ein Interview mit Gerhard Wegner, dem Leiter des Sozialwissenschaftlichen Instituts der evangelischen Kirche, zur Frage weswegen die Kirchen in Deutschland ihren Bediensteten immer noch Hungerlöhne zahlen.
Die Kirche mit ihrem Knebel-Arbeitsrecht ohne Kündigungsschutz, Antidiskriminierungsrichtlinien und ohne Streikrecht, die Lohndumping betreibt und eine „Juden unerwünscht“-Einstellungspraxis betreibt, maßt sich hier Arbeitnehmerwohlwollen an.

chrismon: Arbeit als „heiligste Sache, durch die Gott erfreut wird und durch die er dir seinen Segen schenkt“ – beim Knochenjob des Straßenbauers mag das noch passen. Aber auch bei der Klofrau?

Gerhard Wegner: Das gilt gerade für eine Klofrau. Sie tut etwas Wichtiges für andere. Gerade solche Tätigkeiten haben ihre eigene Würde.  [….] Die urevangelische Idee ist: Jeder Mensch sollte arbeiten, weil er dadurch ein wenig an Gottes Schöpfung mitwirkt. Deshalb entfaltet sich in der Arbeit die Berufung des Menschen.

Sie ahnen es vielleicht, geehrter Herr di Lorenzo, die bisher genannten Ärgernisse hätten für sich genommen nie zu meiner Kündigung geführt.
Schwerer wogen redaktionelle Gründe, von denen ich Ihnen nunmehr einige nennen möchte.


Sie scheinen mir seit ihrem Totalreinfall mit dem Guttenberg-Propaganda-Buch mehr und mehr auf die schiefe Bahn zu geraten und nun auch noch missionieren zu wollen.

Zu Ihrem Katholentum verkünden Sie als ZEIT-Chef in der eigenen Beilage.

Kirche ist allerdings von meinem Leben nicht zu trennen, zu stark ist meine christliche, genauer gesagt: meine katholische Prägung gewesen. Insofern fühle ich mich durch ein Wort von Heinrich Böll, das er einst an seine Kollegin Christa Wolf richtete, besonders gut getroffen: „Wer einmal Katholik war und wer einmal Kommunist war, der wird das nie wieder los.“  […] 
(Giovanni die Lorenzo in Christund Welt 18/12)

Natürlich dürfen Sie gerne überzeugter Katholik sein.
Aber als Leser einer einstmals liberalen Qualitätszeitung möchte ich über den Mann, der sich persönlich für die schlimmsten Kinderschänder der Welt einsetzte und dafür sorgte, daß die Massen-Kindervergewaltiger Murphy und Marcial weiter Jungs missbrauchen konnten, nicht so etwas lesen:

Ein ähnlich emotionales Bedürfnis spürte ich an dem Tag, als Johannes Paul II. starb. Diese Szene schildere ich ebenfalls in unserem Buch: „Wenige Stunden vor (dem Tod des Papstes) machte ich mich mit meiner späteren Frau auf den Weg zur St.-Hedwigs-Kathedrale in der Nähe des Berliner Gendarmenmarkts. Es war schon spät, und in der Kirche waren viele junge Leute, die nicht so aussahen, als seien sie geübte Besucher von Gottesdiensten. In diesem Moment fühlte ich mich ganz und gar eins mit meiner Kirche. Das Gefühl war: Nicht wir waren ihm, dem Papst, im Sterben nahe, sondern der Papst war sterbend bei uns. Er hatte am Ende vorgelebt, was fast jeder Mensch früher oder später erfährt: Dass es nichts Wichtigeres gibt, als in der Stunde des Leids für einen anderen Menschen da zu sein – oder selbst nicht allein zu bleiben.“
(Giovanni die Lorenzo in Christund Welt 18/12)

Der Priester Maciel Marcial Degollado, (1920–2008), Chef der LC und Multimillionär war der erklärte Liebling des Papstes Johannes-Paul II. und missbrauchte mit Wissen des Vatikans Dutzende kleine Jungs.
Pater Murphy, der trotz seines bei Ratzinger in Rom wohlbekannten Fehlverhaltens in allen Ehren in seiner Soutane begraben wurde, hatte 200 gehörlose Jungs in ihren Schlafsälen vergewaltigt.

Passend zu dem neuen völlig distanzlosen Christenkurs der ZEIT

Die „ZEIT-Akademie“ wirbt für Ethik-Aufklärung. 
Dazu soll man für schlappe € 149,- eine Aufklärungs-DVD des notorischen Lügners und Faktenverdrehers Wolfgang Huber erstehen.

Da haben Sie, Herr di Lorenzo mit dem Ex-EKD-Vorsitzenden, der gegen Ungläubige hetzt und dafür sorgt, daß kirchliche Mitarbeiter keine normalen Arbeitnehmerrechte genießen dürfen, genau den Richtigen gefunden.


Dass Huber, der es immerhin fertigbrachte, als EKD-Ratsvorsitzender in einem Schreiben für „Pro Reli“ in 11 Sätzen 6 mal die Unwahrheit zu sagen, heute als Redner und Berater (Hubers Homepage: „Vordenker“) zum Thema „Ethik“ unterwegs ist und sich „vor allem der Wertevermittlung in Wirtschaft und Gesellschaft“ widmet, erinnert in seiner Dreistigkeit ebenfalls an den Verteidigungsminister.)
(Skydaddy 25.02.2011)

Evelyn Fingers Rubrik „Glauben und Zweifeln“ entwickelte sich zu einem immerwährenden Ärgernis.

Es ist nicht neu, daß in der einst so vorbildlichen Qualitätszeitung konservative Leitartikel und schwer religiotische Kirchenhuldigungen stattfinden.
Ich bin übrigens sehr an konservativen Klerikern interessiert. Ich weiß nur nicht wieso sie nur von ihresgleichen interviewt werden, so daß Unwahrheiten journalistisch unentdeckt bleiben

Im Mai 2012 druckte die ZEIT ein peinliches Interview mit der Harvard- und Oxford- Professorin Monica Toft.

Monica Duffy Toft is Associate Professor of Public Policy and Director of the Initiative on Religion in International Affairs at Harvard’s Kennedy School of Government. She is the author of most recently Securing the Peace: The Durable Settlement of Civil Wars (Princeton, 2010) and God’s Century: Resurgent Religion and Global Politics, with Daniel Philpott and Timothy Shah (Norton, forthcoming, 2011).

Miss Toft ist für den ZEIT-Leser keine Unbekannte.

So erschien 2006 eine Rezension ihres Artikels in der Juli/August-Ausgabe der amerikanischen Foreign Policy unter dem schönen Titel Why God is winning.

In Indien wuchsen die religiös-basierten Hindu-Nationalisten zum wichtigsten Herausforderer der säkularen Kongress-Partei heran. In Amerika wurden die Evangelikalen zur wahlentscheidenden Kraft.
Das seien keine Ausrutscher. Vielmehr: Gott ist in, Säkularismus out Die Demokratie gibt Menschen eine Stimme, und immer mehr wollen von Gott sprechen. Die mächtigen Schübe von Modernisierung und Globalisierung in den letzten drei Jahrzehnten fielen zusammen mit einer sprunghaften Zunahme an religiösem Erwachen. Gerade 50 Prozent der Menschheit gehörten vor hundert Jahren den großen Religionsgemeinschaften Christentum, Islam und Hinduismus an, heute seien es 64 Prozent, es könnten bald nahezu 70 Prozent sein.
Ihre Anhänger seien nicht nur frömmer als früher, sondern darüber hinaus bereit, religiösen Führern mehr Mitwirkung an politischen Entscheidungen zuzubilligen.

Genau an diesem Thema hat sich die Direktorin der "Initiative Religion in International Affairs" inzwischen weiter breit gemacht und veröffentlichte das oben schon genannte Buch
 „Gottes Jahrhundert. Wiederkehr der Religion und globale Politik“
Darin stellt die Dame die steile These auf, daß sich nun erst die Religion richtig entfalte und damit Freiheit und Demokratie gefördert würden.

Eine gute Diskussionsgrundlage, wie ich meine.

Für die ZEIT interviewte Manuel Hartung, der Chefredakteur von „Zeit Campus“ und künftige Geschäftsführer der ZEIT-Tochter „Tempus Corporate“.

Frau Toft haut dabei Thesen und angebliche „diskriptive Aussagen“ raus, die wenig bis nichts mit der Realität zu tun haben.

Das hätte ein gutes Streitgespräch werden können. Leider muß ich diesen Satz im Konjunktiv schreiben, da der überzeugte und engagierte Katholik Hartung die überzeugte Katholikin Toft ganz im Sinne seines katholischen Chefs di Lorenzo einfach reden ließ und nicht ein einziges mal widersprach.
Hartung, 30, engagierte sich schon in der Schule in der „Schüler-Union“ und der Katholischen Kirche.

Toft: Neue Studien zeigen, dass Agnostiker und Atheisten weniger werden, während die Zahl der Gläubigen wächst. Religion boomt in Afrika, Lateinamerika, Asien. In Staaten wie Nigeria und Indien finden Menschen, dass ein Politiker gläubig sein sollte. In den USA hieß es früher, dass ein Katholik niemals Präsident werden könne. Heute kann ein Atheist niemals Präsident werden.
(Die ZEIT 31.05.12)

Das freut Frau Toft.


In der ZEIT vom 14.06.12 durfte Ihre ressort-Chefin  Evelyn Finger nicht nur ihre Rubrik „Glauben und Zweifeln“ auf eine Doppelseite aufblasen, sondern sie schrieb auch noch den Leitartikel der Titelseite: „Rettet den Papst.“

Bis hierhin habe ich immer noch keinerlei Einwände. Es interessiert mich sogar in besonderem Maße, was eine so klar prokatholisch positionierte Redaktion zum kalten Bürgerkrieg im Vatikan zu vermelden haben.

Auf die Argumente bin ich gespannt.

Manchmal muss man fast Mitleid haben mit dem mächtigsten Mann der Welt. Der kleine alte Herr in Weiß und Purpur, der auf dem Kirchenthron oft so verloren wirkt und der über seine Wahl zum Heiligen Vater von mehr als einer Milliarde Katholiken nie besonders glücklich schien, muss jetzt ganz allein die Kirche retten. […] Man möchte rufen: Rettet den Papst!

1.)  Mitleid mit dem Mann, der 30 Jahre lang systematisch dafür sorgte, daß Myriaden Kinder weiterhin von ihren Priestern sexuell belästigt wurden konnten, indem er alle Ermittlungen an sich zog und die Strafverfolgung blockierte? Nein, Mitleid muss man gar nicht haben.
2.)  Die mächtigsten Männer der Erde sind vielleicht Herr Obama oder Herr Hú Jǐntāo oder Herr Gates oder Herr Zuckerberg. Das kann man verschieden definieren. Aber Ratzinger hat nicht nur keine Armeen, sondern es hören nicht mal seine eigenen Anhänger auf ihn. 98% der katholischen Frauen praktizieren Verhütungsmethoden, die der Papst streng verbietet.
3.)  Insbesondere dieser Papst praktiziert einen Faible für Prachtentfaltung wie es ihn hunderte Jahre nicht mehr gab. Seine Kostüme sind eher goldbeladen, mit Perlen bestickt.
4.)  Wenn Ratzinger so verloren wirkte, würde er nicht ständig massiv auf Treue zum Papstamt und Gehorsam bestehen.
5.)  Selbstverständlich war Ratzinger glücklich, als er Papst wurde. Darauf hatte er systematisch hingearbeitet und gleich bei seinem ersten großen Auftritt beim Weltjugendtag von Köln sah man ihn, wie er sich strahlend feiern ließ. Als Vorgänger JP-II starb, brachte sich der Panzerkardinal mit einer „Bewerbungsrede“ in Stellung.  Das haben  damals alle so beurteilt, als sich Ratzi mit Macht in das Sedivakanz-Vakuum gedrängt hat. Er war Dekan der Kurie, also der formal höchste Kardinal außerhalb der Regierung (Kardinalstaatssekretär) und normalerweise sitzt der zwar dem ganzen Prä-Konklave-Ablauf vor, verhält sich aber traditionell ganz neutral. Davon ist Ratzinger stark abgewichen, indem er bei der Beerdigung diese lange und programmatische Rede hielt, die in der Tat allen Kardinälen signalisierte „So würde ICH das machen.“
6.)  Natürlich muss Benedikt nicht die Kirche retten. Im Gegenteil. Er ist doch offenbar schwer damit beschäftigt die Gläubigen zu Millionen zu vertreiben und sich massiv unbeliebt zu machen, indem er seinen Verein politisch nach rechtsaußen und gesellschaftlich in finstere Mittelalter führt.

Und wer hilft ihm künftig, die Glaubensgemeinschaft der Christen zu führen, die ihn zwar nicht alle lieben (Reformkatholiken) und auch nicht alle brauchen (Protestanten), aber deren Religion er nun mal personifiziert?

1.)  Hat Frau Finger noch nie etwas von schweren Religionskriegen gehört? Im 30-Jährigen Krieg wurde halb Europa entvölkert und der gesamte Kontinent ein Jahrhundert zurück geworfen. Katholiken haben regelrechte Genozide vollführt, beispielsweise unter Tilly Magdeburg inklusive Kinder und Frauen ausgerottet. Die Protestanten möchten sicherlich nicht ausgerechnet vom Papst symbolisiert werden. Im Gegenteil - der Papst ist ja gerade das Symbol der Kirchenspaltung. Die Gehorsamspflicht gegenüber Rom ist DAS Hindernis für jede Ökumene.

 Finger fährt fort, der Papst sei „sehr verärgert […] über sein Staatssekretariat, weil es sich nur noch mit VatiLeaks beschäftigt, aber kaum etwas zu den jüngsten Massakern an nigerianischen Christen gesagt hat. Er ärgert sich auch über die Untätigkeit der päpstlichen Nuntiaturen.“

1.)  Es stimmt zwar - wenn man den Vikileaks-Quellen glaubt - daß sich der Papst über die Nuntiatur in Berlin ärgerte. Aber es ging dabei wieder einmal um den unbedingten Gehorsam, den er einfordert. Sein Nuntius hat sich nicht massiv gegen Angela Merkel gestellt, als sie es wagte die Holocaustleugnerentscheidung des Papstes zu kritisieren.
2.)  Ratzinger mag sich über Massaker an Christen ärgern. Ich kann das nicht beurteilen. Aber bevor die ZEIT das einfach so widergibt, sollte sie lieber daran erinnern, daß die Christen keinen Deut besser sind. Wieso sagt der Papst nichts dazu?

Nach den tödlichen Anschlägen auf zwei christliche Kirchen in Nigeria haben christliche Jugendliche Rache geübt. Mindestens fünf Muslime wurden getötet. Dies bestätigte der Sprecher der Spezialeinheit der nigerianischen Armee (STF), Markus Mdahyelya, am Montag. Bei den Opfern der Vergeltungsaktion handele es sich um Motorrad-Taxifahrer aus der Stadt Jos, hieß es. Die Attentäter reagierten mit dem Racheakt auf zwei Attacken auf Kirchen, bei denen am Wochenende mehrere Menschen getötet und Dutzende verletzt worden waren.

Schließlich holt Finger zum Rundumschlag gegen die Papstkritiker aus, die ihrer Meinung nach alle Unrecht hätten.

Viele Kommentatoren finden, der Professor Joseph Ratzinger sei selbst schuld, weil er kein Politiker werden, sondern ein Intellektueller bleiben wolle. Er komme von seinen theologischen Steckenpferden nicht herunter. Er könne und wolle nicht führen. Fahrlässig vergrabe er sich in die Bücher. Glaubensfragen interessierten ihn allemal mehr als Macht. Und deshalb sei er unfähig zur Politik. Ja, er ruiniere sein Amt. Wer aber das Papstamt ruiniert, der muss sich nicht wundern, wenn ihm die Geheimakten um die Ohren fliegen und ihn die Denunzianten überrennen. So geht die Logik der aktuellen Papstkritik.

1.)  Jein, Frau Finger. Solche Papstbeschreibungen sind in der Tat immer gleich und wenig überzeugend. Daß sich der kometenhaft in der vatikanischen Hierarchie Aufgestiegene gar nicht für Macht interessiere, halte ich ebenfalls für ausgemachten Blödsinn. Vielmehr hatte sich der jetzige Papst systematisch die Macht im Vatikan erobert. Er ist schon 30 Jahre de facto am Drücker, weil JP-II entweder verreist oder senil war, daß er vermutlich sämtliche Kardinalserhebungen zu verantworten hatte. Er wußte also genau was das für ein Konklave ist, wie sich das zusammensetzt und vermutlich hatten die auch fast alle Grund ihm dankbar zu sein.    Daß der oberste Glaubenswächter von 1,2 Milliarden Christen so naiv war, um nicht zu wissen, wie diese Bewerbungsrede ankommt und wie das seine Chancen steigert, ist wenig wahrscheinlich. Außerdem hatte er ein gutes Alter. Nach einem solchen Mammut-Potifikat wird immer ein ziemlich alter Kardinal gewählt, weil man nicht wieder so lange mit einem Typ alles blockiert haben will. So wird Ratzi gegenüber den Kollegen in der Sixtina argumentiert haben:

„Ey Leute, ich bin schon fast 80, aber noch einigermaßen fit. Also kann ich hier mal ein paar Jahre einhüten. Verdient hätte ich es ja nach all der Zeit. Ihr könnt sicher sein, daß ich hier keine Revolutionen vom Zaun breche, die Euch verwirren oder zum neu Nachdenken zwingen. Ich schreibe nur ein paar hochgeistige Texte und ihr könnt Euch derweil sortieren, in welche Richtung es dann nach mir weitergehen soll…“

Das hat er ja auch eingehalten. Keine Reformen! Dafür aber den doofen Säkularen mal gezeigt was eine Harke ist und diese eigenartigen Ökumene-Bestrebungen vom ollen Karol zurück genommen.

Evelyn Finger spricht den Katholischen Papstkritikern aber sogar ab in Sinne ihrer Kirchen handeln zu wollen:

So ist es aber nicht. Denn Geheimnisverrat wird nicht unbedingt von den Guten begangen. Und Datenklau ist zunächst einmal kriminell. Das Problem von VatiLeaks ist das Problem von WikiLeaks: Die Enthüller haben nicht unbedingt das moralische Recht auf ihrer Seite. Und Leaken führt nicht automatisch zu mehr Demokratie. »Die Lüge hat sich als Wahrheit verkleidet«, schimpft jetzt der Papst und nennt den Abdruck der Geheimakten in der Presse teuflisch. Tatsächlich sind die Papiere für Uneingeweihte kaum verständlich.

1.)  Das soll offensichtlich heißen nur der Papst und seine Getreuen hätten das moralische Recht auf ihrer Seite.
2.)  Die Wahrheit ans Licht zu bringen sei also amoralisch.
3.)  Das ist eine steile These angesichts der Tatsache, daß im siebten Jahr des Pontifikats Ratzingers und nach einem Vierteljahrhundert Ratzinger an der Spitze der Glaubenskongregation Kirchenleitungen immer noch verheimlichen und vermauscheln, wenn ihre Leute Kinder ficken. Allein die US-amerikanische Bischofskonferenz  räumte in ihrem euphemistischen Bericht zehn Jahre nach dem Hochkochen der Missbrauchsfälle ein, daß in den USA 1500 Kinder PRO JAHR von Priestern befummelt werden.

Wie Medien unter Berufung auf den Report berichteten, erhoben in den vergangenen zehn Jahren mehr als 15.000 Personen Vorwürfe sexuellen Missbrauchs gegen Kirchenmitarbeiter. Bis 2004 seien 4.392 Kleriker sexueller Vergehen beschuldigt worden; seitdem seien 1.723 hinzugekommen. Die Vorfälle, auf die sich die Anschuldigungen bezogen, seien in den 1960er-Jahren angestiegen. In den 1970er-Jahren hätten sie ihren Höhepunkt erreicht. In den 1980er-Jahren sei die Zahl der Übergriffe zurückgegangen.
Das "National Review Board", eine 2002 eingerichtete kirchliche Laienkommission zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals, bemängelte den Berichten zufolge die Kommunikation zwischen Diözesen und Orden über Missbrauchsverdächtige. So würden Diözesen von Ordensleitungen teils noch immer nicht über pädophile Mitglieder informiert, die in der Diözese tätig seien.

Die Autorin der ZEIT-Titelgeschichte steht gegen Transparenz und Ehrlichkeit im Vatikan. Das hülfe nämlich nicht. Reformen, wie sie aufmüpfige Priester und die Gläubigen wollten, wären ein Weg in die Sackgasse.

 Wie kommt man da raus? Gar nicht. Wenn man den Vatikan reformiert, und davor hat Benedikt Angst, dann ist der hinterher vielleicht kein Vatikan mehr. Aber wenn man ihn nicht reformiert, dann geht er an falschem Traditionalismus zugrunde oder zerstört sich in kurialen Richtungskämpfen selbst. Kurzum: Wer den Vatikan reformiert, schafft ihn ab. Wer den Vatikan nicht reformiert, leistet seinem Zusammenbruch Vorschub. Wie rettet man also den Papst? Indem man sagt: Der Papst ist nicht an allem schuld. Geheimniskrämerei gehört zur absolutistischen Struktur der katholischen Kirche. Am besten, sie schafft den Vatikan ab und behält nur den Papst.

Vielen Dank für diesen bahnbrechenden Vorschlag auf Seite Eins von Deutschlands renommiertes Qualitätszeitung!

Wir kennen das schon von Frau Finger.

Als Joseph Ratzinger noch Chef der Glaubenskongregation war, erklärte er, warum Rom keine innerbetriebliche Demokratisierung braucht: »Wir wissen ja, dass die Demokratie selbst ein gewagter Versuch ist, dass das Entscheiden nach dem Mehrheitsprinzip nur einen bestimmten Rahmen menschlicher Dinge regulieren kann. Es wird zum Unding, wenn es auf Fragen der Wahrheit, des Guten selbst ausgedehnt würde.« Was wahr und gut ist, ist nicht diskutierbar? Das ist der Kern einer despotischen Theologie.
[…] Benedikt fürchtet die Demokratie. Seine Kirche soll so autokratisch werden, wie sie angeblich immer war.
(Evelyn Finger 25.9.2011)

Das nächste mal positionierte sich die ZEIT stramm auf Kirchenlinie bezüglich der Genitalverstümmelung bei kleinen Jungen.
Eine grausame Praxis, bei der es jedes Jahr auch in westlichen Ländern zu tausenden Fällen von Impotenz, Penisamputationen und sogar Todesfällen kommt.

„Die aktuelle Debatte zum Verbot von Beschneidungen in Norwegen wurde beispielsweise dadurch ausgelöst, dass in Oslo ein zwei Wochen altes Baby nach einer ordnungsgemäß von einem Arzt durchgeführten Beschneidung verblutete. Auch in Großbritannien verblutete Anfang 2012 ein Säugling im Alter von nur einem Monat.
In den USA gingen in den letzten Wochen wieder einmal Herpesinfektionen von Neugeborenen durch das jüdisch-orthodoxe Ritual metzizah bi peh (Saugen des Blutes vom Penis des Babys mit dem Mund) durch die Presse, die zum Tod bzw. zu Hirnschäden bei mehreren Säuglingen führten (eine solche Praxis würde bei Fehlen des religiösen Hintergrundes im Übrigen als schwerer sexueller Missbrauch bestraft). Und in Israel wurde wenige Wochen vor dem Kölner Beschneidungsurteil einem Jungen versehentlich der Penis abgetrennt.
Dies sind nur einige wenige herausgegriffene Beispiele aus den letzten Monaten.
Stellt man alle bekanntgewordenen schweren Komplikationen und Todesfälle zusammen, kommt man auf ein erschreckendes Ausmaß an gravierenden "Kollateralschäden" von Jungenbeschneidung. Und dabei wird ein Großteil der Komplikationen erst gar nicht bekannt, da sowohl Ärzte / traditionelle Beschneider als auch Familien ein Interesse haben, diese Geschehnisse nicht an die große Glocke zu hängen.“

Prominent auf der Titelseite schreibt Leitartikler Ross gegen die Fakten an.

Für die Beschneidung wird in Deutschland rechtliche Sicherheit geschaffen werden; wahrscheinlich durch ein neues Gesetz. Das ist gut so. […]
[Es] lässt sich beobachten, dass bei den religionskritischen Maßregeln der Geist des Misstrauens und des Verdachts am Werk ist. Statt das Kreuz als Zeichen einer reichen, zum Nachdenken anregenden Überlieferung zu verstehen, sahen die Verfassungsrichter darin ein Missions- und Propagandawerkzeug, das auf andersgläubige Schüler geistigen Druck ausübt.
[…] Und die Beschneidung, die man auch als physisch harmlosen Eingriff von großer ritueller Ehrwürdigkeit betrachten könnte, erscheint aus der Verbotsperspektive als Quälerei, die einem Wehrlosen angetan wird.
[….] Was eine religiös tendenziell unmusikalische Gesellschaft leicht vergisst, wofür ihr oft einfach der Sinn fehlt, ist die Tiefe der Verletzung, die mit Eingriffen in die Religionsfreiheit verbunden ist.
(DIE ZEIT, s.1, 19.07.12)

Ebenfalls lästig:
Mindestens einmal pro Woche fallen mir aus irgendwelchen Zeitungen Briefe mit Giovanni di Lorenzo-Konterfei entgegen.
Plump getarnt als „Die große Umfrage der ZEIT“ wollen Sie mir natürlich ein Abo aufschwatzen.

 Vier Wochen „ZEIT“ gratis und  - schwupps, wenn man dann nicht rechtzeitig schriftlich interveniert, hat man ein Jahres-Abo an der Backe.

Das Abo will ich natürlich schon deswegen nicht, weil ich diese Art der Abonnentenwerbung für Leserverdummung halte.

 Nein, ein Abo will ich natürlich nicht - was vor allem damit zusammenhängt, daß ich schon seit tausend Jahren Zeit-Abonnent bin! 
Die Gelegenheit nutze ich aber immer, um höflich aber bestimmt darauf hin zu weisen, daß die ZEIT auf dem besten Wege ist, statt einen neuen Abonnenten zu gewinnen, einen Alten zu verlieren, wenn sie weiterhin den stramm religiotischen pro-Kirchenkurs fährt.

In der Ausgabe vom 27.09.2012 ist es mal wieder so weit. 
Redaktionsleiterin Finger läßt „Glauben und Zweifeln“ vollständig von einer überzeugten Katholikin füllen.
Esther Maria Magnis darf aus ihrem neuen Buch zitieren.

Die redaktionelle „Arbeit“ der Evelyn-Finger-Truppe beschränkt sich auf die folgenden 50 Worte:

„Esther Maria Magnis Jahrgang 1980, katholisch, ist in Ostwestfalen aufgewachsen. Sie hat Vergleichende Religionswissenschaft und Geschichte studiert. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin, hat mit »Gott braucht dich nicht. Eine Bekehrung« gerade ihr erstes Buch geschrieben (aus dem dieser Vorabdruck stammt), und erwartet in wenigen Wochen ihr erstes Kind.“
(ZEIT, 27.09.12., s.70.)

(Das Spannendste ist eigentlich der Druckfehler beim Datum. Dort steht nämlich in der Druckversion „20. September 2012 DIE ZEIT No 40“, obwohl es korrekt  „27. September 2012 DIE ZEIT No 40“ heißen müßte. Alle anderen Seiten der ZEIT haben das richtige Datum.)

Der Magnis-Auszug ist also nichts anderes als eine Werbung für den Rowohlt-Verlag, der allerdings ein 15-Seiten-Exposee des religiösen Geschwurbels über Gottesdienste ohnehin online gestellt hat.

Warum macht die ZEIT sowas?

Vielleicht gibt ein Blick auf die Eigentümerverhältnisse Aufschluss:

Seit 1982 gehören die Rowohlt Verlage zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, der - SO EIN ZUFALL - auch „DIE ZEIT“ gehört.

Gottesdienste sind eine todernste Sache, bei der man sich bei Vergegenwärtigung „der Leiden Jesu“ zumindest ganz heftig die Knie kaputt machen soll, indem man dauernd auf den harten Kirchenbänken niederfällt.
Gottesdienst ist harte psychische Arbeit - wie schon Jürgen Becker über seine Erfahrungen als Kind beim lateinischen Hochamt sagte -

 „das war so ungeheuer öde! Wer das überstanden hat, langweilt sich nie wieder im Leben. Ich kann jetzt stundenlang eine weiße Wand ansehen und finde es spannend!“

Magnis‘ Stil erinnert  ein bißchen an Agota-Kristof für Arme. Blutleer und trocken.
nur daß dadurch kein Effekt erzielt wird - es ist einfach banal:

Auf meinem Tier- und Naturkalender entdeckte ich in giftgrünen Blättern einen roten Frosch. Ich konnte nicht glauben, dass er echt war. Ich fragte Mama, und sie sagte ja. Es gäbe tolle Farben in der Natur, und sie las mir vor, was da hinten auf dem Kalenderblatt stand, und erzählte mir von den Krebsen in Afrika, die in roten Panzerkolonien über die Straßen wanderten, als sie meinen Vater kennenlernte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es große rote Dinge in der Natur gibt. Blutbäder, wenn Wale im Wasser mit weißen Bäuchen oben schwimmen, aber das will ich nicht Natur nennen.

Man findet Empfehlungen für dieses Holtzbrinck-Rowohlt-Zeit-Werk auf beinahe allen christlichen Webseiten. 

 Und zwar in genau der Sprache, die es mir a priori unmöglich macht die Autorin ernst zu nehmen:

Doch dieser schweigende Gott, den sie nicht kennen wollte, dieser Gott "kennt auch dich". Diese drei Wörter veränderten ihr Leben und waren der Beginn eines neuen Glaubens.

Weswegen ich für mein ZEIT-Abo bezahle ist mir allerdings noch ein Stück unklarer geworden.

Wenige Monate später holt sich die ZEIT als Experten für das Thema Religion ausgerechnet den schwersten Religioten der gesamten deutschen Politik.

Wolfgang Thierse, der eine Woche zuvor angesichts von zwei neuerlich publik gemachten Todesfällen bei Säuglingsbeschneidungen massiv für Penis-Verstümmelung im Bundestag eintrat.

Ein „Religiot“ wird eigentlich durch eine partielle Denkschwäche“ oder eine „Inselverarmung bezüglich religiöser Dogmen“ gekennzeichnet. 

Der „Atheist-Media-Blog“ gab für das Thierse-Interview in der Zeit dementsprechend auch ein „Eternal Facepalm.“
Dem kann ich mich nur anschließen. 

Eine Auswahl aus dem Thierse-Interview mit Evelyn Finger und Karsten Polke-Majewski:

Thierse: Daran müssen sich die Europäer gewöhnen, Religion verliert nicht an Bedeutung. Sie führt keine bloße Restexistenz im privaten Raum.  […] Ich staune darüber. Religion ist heute vitaler, als die Religionskritiker vorhergesehen haben.
[…] Es gibt aber nicht nur Fundamentalismus im Islam oder bei den Evangelikalen, es gibt auch eine Art atheistischen Fundamentalismus. Der gegenwärtige Streit über die Beschneidung bringt jedenfalls eine beträchtliche antireligiöse Militanz an den Tag.  […]In der DDR gab es keinen Religionsunterricht an den Schulen, keine Militärseelsorge, keine öffentlichen Bekenntnisse. Und siehe da, das Ding ging unter! Tatsache ist, Religionslosigkeit kann gefährlich sein. Denken Sie nur an die schlimmsten religionslosen Verbrecher des 20. Jahrhunderts: Stalin, Hitler, Mao Zedong, Pol Pot.
[…] Wenn er alle Werte selber formulierte, würde er ein allmächtiger, allzuständiger, totalitärer Staat. Den missglückten Versuch habe ich in der DDR erlebt.

Das ist konzentrierter, historisch falscher Blödsinn, den die ZEIT-Interviewer nicht einmal minimal in Frage stellten.

 Zur inhaltlichen Kritik verweise ich auf einen Kommentar von Thomas Hummitzsch im Diesseitsmagazin.

Auch nach der Abdankung Ratzingers bleibt die ZEIT stramm auf Papst-Kurs und verurteilt regelrecht diejenigen, die es wagen auch mal kritische Fragen zu stellen.

In der Sendung vom 27.03.2013 thematisierten die NDR-Jungs die schwierige Recherche zu Bergoglios Verhältnis zur faschistoiden Militär-Junta in Argentinien.
Die Fragen sind nämlich tatsächlich tabuisiert. 
Wer es wagt überhaupt Fragen zu stellen, wird vom Vatikan scharf abgebügelt.
Der besonnene Journalist Horacio Verbitsky forscht seit vielen Jahren zu dem Thema. Veröffentlichte mehrere Bücher, in denen er keineswegs als reiner Kirchenkritiker auftritt, sondern alle Seiten ausführlich zu Wort kommen läßt.

Der konservative Ex-Kardinal Bergolio, heute Franziskus, soll eine größere Nähe zur argentinischen Militärjunta gehabt haben, als offiziell zugegeben. […] Ist der Papst also ein Komplize der Diktatur? Nach seiner Wahl zum obersten Hirten Gottes wurde Verbitskys Recherche wieder zum Thema. Argentinische Medien unterstellen dem Journalisten jetzt eine linke Kampagne und tun sich mit der Aufarbeitung der Rolle der Kirche in Zeiten der Junta schwer.

Die wenigen Priester, die nicht auf Seiten der Junta standen, lebten sehr gefährlich. Myriaden Regimekritiker wurden verschleppt, gefoltert und getötet.

Horacio Verbitsky: Einige von diesen Pastoren wurden verschleppt, und sie beschuldigten später [Bergoglio], sie den Militärs ausgeliefert zu haben, insbesondere Orlando Yorio und Francisco Jálics. Beide waren verschleppt und fünf Monate in der Esma gefoltert worden. Yorio äußerte später sogar den Verdacht, dass bei einem Verhör, als er mit verbundenen Augen auf ein Bett gefesselt war, Bergoglio selbst anwesend war. Das hat er mir so gesagt. […] (taz-Interview 15.03.13)

Wie sehr die Frage nach Bergoglios Vergangenheit unterdrückt wird, ist in der Tat erstaunlich.

Es geht immerhin um keine Kleinigkeit, sondern um die Unterstützung einer brutalen menschenrechtsfeindlichen Killertruppe, die zigtausende Menschen ermorden ließ.

Evelyn Finger widmet sich in einem Meinungsartikel nämlich nicht etwa den Fragen nach Bergoglios Vergangenheit, sondern nach den Motiven derjenigen wenigen, die nicht a priori devot schweigen.
Was die Kritik am Papst über die Kritiker verrät.

Misstrauen ist manchmal ein Zeichen von Klugheit, aber meistens ein Zeichen von Schwäche. Vielleicht kommt das Wort deshalb in der Bibel nicht vor, weil gegen das Gift des unbegründeten Argwohns sogar der Papst machtlos ist. Schon am ersten Abend des Pontifikats, als der Neue sich weigerte, ein protziges Kreuz umzuhängen, gifteten die Kommentatoren, nun beginne das große Bescheidenheitstheater. […] Je bescheidener er auftritt, desto weniger wird man ihm glauben. Das ist die Schizophrenie unserer Zeit. […] Wir sind eine misstrauische Gesellschaft, und das Misstrauen ausgerechnet gegen den neuen Papst wirft kein gutes Licht auf uns. […] Das Misstrauen gegen den neuen Papststil ist auch Missgunst. […] Dass aus der Liste der Päpste nun der seit Langem glaubwürdigste besonders beargwöhnt wird, enthüllt einen destruktiven Charakterzug unserer Gesellschaft: Offenbar misstrauen wir uns selbst. […]  Nun aber kommt ein Papst und zeigt uns, dass man nicht feige sein muss, sondern mal etwas Aufrichtigkeit riskieren kann.
(Evelyn Finger, 4. APRIL 2013, DIE ZEIT  No 15)

Es war, wieder einmal die ohne irgendeine Kritik oder Richtigstellung hingenommene geistig leichtgewichtige The-Grütze, die es nicht wert ist zitiert zu werden.

[…] Grenzen der Freiheit […]
Indem wir handeln, müssen wir damit rechnen, dass wir auch an Personen schuldig werden. In dieser Erfahrung tritt uns vor Augen, was grundlegend das Gottesverhältnis des Menschen prägt. Vor Gott kann sich kein Mensch der Bedingtheit seiner Freiheit entziehen. Gott gegenüber nimmt der Mensch sich als ein Empfangender wahr, weil er Leben und Freiheit als Gaben Gottes empfängt. In der Dankbarkeit dafür macht er sich bewusst, dass sein Leben endlich ist und seine Freiheit bedingt. Wenn die Gabe der Freiheit den Ausgangspunkt bildet, liegt die entscheidende ethische Aufgabe darin, die geschenkte Freiheit zu bewahren und zu bewähren.

Also nur die Angst vor der Strafe Gottes bringt uns laut des führenden Ethikers Deutschlands dazu uns nicht so zu verhalten, daß wir anderen schweren Schaden zu führen! Was für ein Bullshit! Die individuellen Freiheitsrechte und der Schutz von Schwachen sind Errungenschaften, die Humanisten mühsam den Kirchen mit ihrer Gotteslehre ABTROTZEN mußten!


You think you’re a good person because you have Christian values? Do you want to know what Christian values are? Christian values are a load of shit. What are Christian values? The Ten Commandments. What are the Ten Commandments? Very sensible values to live your life by. Do you know what’s a load of shit about them? The fact that you had to have them written down! The fact that you couldn’t figure out internally not to kill people, don’t steal… really? You should just know these. These should be internal in you. The Bible is too wordy. All the stories are too wordy. The Ten Commandments are a load of shit. You don’t need all these things. The Bible should be just one sheet of paper and on that sheet of paper it should say just one thing “Try not to be a cunt."

 Heißt: Benimm Dich.
Daß man nicht morden und vergewaltigen soll, müßte einem klar sein, ohne daß es umständlich aufgezählt wird. Und man sollte sich daran halten, weil man davon überzeugt ist und nicht bloß, weil Gott einem dann mit der Hölle droht.

[…] Religion und Ethik […]
Wie können universalistische Normen für die Einzelnen verbindliche Bedeutung gewinnen? […]  Vielmehr gehört es zu [den] Aufgaben [der theologischen Ethik], dieses Ethos zu anderen ethischen Haltungen ins Verhältnis zu setzen. Im christlichen Ethos geht es stets auch um die Ordnung der Gesellschaft im Ganzen. Es beschränkt sich nicht auf die Menschen, die zu einer christlichen Gemeinschaft gehören, sondern tritt für die Achtung der Würde aller und die Wahrung ihrer Rechte ein.

Das ist der Nukleolus des religiösen Übels:
Sie kümmern sich nicht um ihren eigenen Mist, sondern fühlen sich allgemein zu ständig. Sie wollen auch das Leben von Humanisten und Agnostikern diktieren, weil sie von einer tiefen „Wir-sind-besser-als-die“-Ideologie durchdrungen sind. Darin liegt die Ursache von 16.000 religiös begründeten Kriegen, die seit dem Auftritt von Jesus geführt wurden.

[…] Richtige Liebe […]
Die Geschichte des christlichen Glaubens enthält beeindruckende Beispiele dafür, dass der Geist der Liebe sogar die Vorordnung des Richtigen vor das Gute infrage stellt. Wenn das Mitleid mit den Leidenden zu eigenem Opfer führt oder die Missachtung elementarer Menschenrechte einen Widerstand auslöst, der mit dem bewussten Einsatz des eigenen Lebens verbunden ist, gerät die Vorordnung des Richtigen vor das Gute ins Wanken. Solche Beispiele ermutigen dazu, nicht nur danach zu fragen, was wir anderen schulden, sondern uns über das Geschuldete hinaus für das einzusetzen, was uns wichtig ist. Sie schaffen eine Atmosphäre der Empathie, die dem schwachen und verletzlichen Nächsten besondere Aufmerksamkeit schenkt.  […] Theologische Ethik ist deshalb nicht nur für die Sphäre des Guten von Bedeutung, sondern auch für die des Richtigen. Die Reflexion menschlichen Verhaltens muss beides umfassen: das moralisch Richtige und das ethisch Gute.

Dazu fehlen mir die Worte. Theologen, die sich noch heute auf eine Schrift stützen, die Sklaverei, Prügelstrafe, Entrechtung von Frauen, Todesstrafe, Verdammung Homosexueller und das Verbot von Schalentieren-Speisen propagiert, wollen wissen was „richtig“ ist.

Das Beispiel Sexualethik […]
Moralisch richtig erscheinen Beziehungen, die durch Verlässlichkeit und Verantwortung geprägt sind, in denen keiner die oder den anderen zum bloßen Mittel macht, in denen sich Vertrauen und Treue entwickeln können.
Es geht nicht darum, bestimmte sexuelle Orientierungen zu diskriminieren.

Diese modifizierte Schwulenethik finde ich fast noch schlimmer als die alte Höllendrohung. Neuerdings akzeptieren die Evangelen also homosexuellen Sex – WENN ER DENN  möglichst weit an die monogame eheliche Form der Partnerschaft angepasst ist.
Wer ist Huber eigentlich, daß er Menschen die Moral abspricht, die nicht monogam („verlässlich“) leben? Wer in einer Dreierbeziehung lebt oder jede Woche einen anderen Sexualpartner hat, wer gerne in einen Dark Room geht oder drei Mal am Tag masturbiert, ist verdammt noch mal genauso moralisch wie alle anderen auch.
Auch Huber kann es nicht lassen seine unmaßgebliche Nase unter andere Bettdecken zu stecken.

Shame on you ZEIT für den wieder einmal vollkommen unkritischen Abdruck dieses Alt-Bischofs!

In der darauffolgenden ZEIT-Ausgabe vom 12.09.13 wird die Rubrik „Glauben und Zweifeln“ mit einem ganzseitigen Kardinal-Marx-Interview gefüllt.

Wurde auch ZEIT, daß die ZEIT mal wieder Kardinal Marx interviewt.
Zuletzt füllte er 2012 eine ganze Seite und die anderen Kardinäle sind auch schon alle einmal durchgenudelt und gelobhudelt worden.

Und nun der Hamburg-Teil.
In der Tat fehlt ja in Hamburg eine seriöse Nicht-Springer-Regionalzeitung.
Ich war gespannt.
Aber was muß ich gleich in der zweiten Ausgabe lesen?

Wieder eine ganze Seite christlicher Erweckungsjournalismus.

Es läuft gut mit Gott
Erst die Qual, dann die Erlösung: Wie ein früherer Lifestyle-Journalist beim Marathon das Himmelreich entdeckte. [….] Hofmann schwebt auf einer Wolke von Adrenalin durch den Park. Manchmal hört er Bach-Choräle durch die Kopfhörer, manchmal spricht er im Geiste das Vaterunser. Er wartet auf Antwort. Dann bilden sich Gewissheiten in ihm, sagt er. Er fühle sich erhört, beseelt.
Gläubig sein heißt für Hofmann: in Bewegung sein. Wer sich bewegt, von dem fallen Angst und Stress ab. Und er begegnet Menschen. Den Hörern im Herrensaal von St. Petri erzählt Hofmann nun von der Bibel als einem Buch der Bewegung: "Abraham lief 2500 Kilometer." Das Volk Israel war nach seinem Auszug aus Ägypten ganze 40 Jahre ins Gelobte Land Kanaan unterwegs, und Gott ging mit und führte den Zug an, als Wolke bei Tag, als Feuersäule bei Nacht. So steht es geschrieben: Ein Gott des Weges. "Heimat ist nicht da, wo wir herkommen", sagt Hofmann, "sondern da, wo wir hingehen." Immer geht es ums Ziel.

Damit Sie mich nicht falsch verstehen, Herr di Lorenzo:
Religion ist mein Leib- und Magenthema.
Darüber würde ich gerne mehr und ausführlicher lesen.
Aber wenn es so penetrant frömmelnd und noch dazu völlig unkritisch daher kommt, kann ich genauso gut Bibel-TV gucken.

Sie nennen eine Rubrik Glauben und Zweifeln und dann kommen aber ausschließlich Gläubige zu Wort und bis heute kein einziger Zweifler.

Mir reicht es jetzt.
Ich will kein Missionsblatt finanziell unterstützen.

Ich kündige mein Abonnement.

Mit freundlichen Grüßen…

Mittwoch, 7. Mai 2014

Auf jeden Topf passt ein Deckel….


Der konservative Kolumnist Alan Posener ist schon richtig bei der WELT mit den Kollegen Broder und Matussek.
Ich schlage gelegentlich die Füße über dem Kopf zusammen, wenn ich seine politischen Ansichten lese.
Posener besticht allerdings durch eine zum Religiotismus reziproke Inselbegabung; er ist Atheist und betrachtet religiöse Führungsfiguren vorurteilsfrei und vernünftig.
Wenn man aber nicht durch die lila-farbige Religiotenbrille sieht, dann muß eine Figur wie der Evangelenheilige Martin Luther abstoßen.

"Wenn ich einen Juden taufe, will ich ihn an die Elbbrücke führen, einen Stein an den Hals hängen und ihn hinabstoßen und sagen: Ich taufe dich im Namen Abrahams!"
(Martin Luther, Tischreden)

Daß sich Deutschlands beliebteste Bischöfin so für Luther (1483-1546), einen der übelsten Antisemiten der Weltgeschichte, dessen eleminatorischer Juden-Ausrottungswahn Hitler inspirierte, begeistert, sollte eigentlich verwundern, verwundert aber nicht.

So wenig wie sich Fleisch und Blut, Mark und Bein ändern können, so wenig können die Jüden sich ändern. Sie müssen bleiben und verderben.
(Martin Luther)

Im offiziellen Lebenslauf des Reformators, herausgegeben von der EKD, findet sich nicht ein einziger Hinweis auf sein Verhältnis zu den Juden, die er in zahlreichen Schriften zu vernichten trachtete.

Käßmann findet Luther toll.

Protestanten haben nach Ansicht der Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, viele Gründe, 2017 ein großes Reformationsjubiläum zu feiern.
Der Reformator Martin Luther habe Entscheidendes für die Sprachfähigkeit der Kirche, die Bildung und die Freiheit des Glaubens geleistet, sagte Käßmann am Freitag in Stuttgart beim "Kleinen Kirchentag". [….]

Luthers 7-Punkte-Plan zur Judenverfolgung: Originaltext
1.
"Erstlich, das man jre Synagoga oder Schule mit feur anstecke und, was nicht verbrennen will, mit erden überheufe und beschütte, das kein Mensch ein stein oder schlacke davon sehe ewiglich Und solches sol man thun, unserm Herrn und der Christenheit zu ehren damit Gott sehe, das wir Christen seien"
2.
“Zum anderen, das man auch jre Heuser des gleichen zerbreche und zerstöre, Denn sie treiben eben dasselbige drinnen, das sie in jren Schülen treiben Dafur mag man sie etwa unter ein Dach oder Stall thun, wie die Zigeuner, auff das sie wissen, sie seien nicht Herren in unserem Lande“
3.
“Zum dritten, das man jnen nehme all jre Betbüchlein und Thalmudisten, darin solche Abgötterey, lügen, fluch und lesterung geleret wird“
4.
“Zum vierten, das man jren Rabinen bey leib und leben verbiete, hinfurt zu leren“
5.
“Zum fünften, das man die Jüden das Geleid und Straße gantz und gar auffhebe“
6.
“Zum sechsten, das man jnen den Wucher verbiete und neme jnen alle barschafft und kleinot an Silber und Gold, und lege es beiseit zu verwaren“
7.
“Zum siebenden, das man den jungen, starcken Jüden und Jüdin in die Hand gebe flegel, axt, karst, spaten, rocken, spindel und lasse sie jr brot verdienen im schweis der nasen“
(Martin Luther, Von den Juden und ihren Lügen)

Es ist und bleibt eine Schande ersten Ranges, daß sich die protestantischen Kirchen nicht entschieden von diesem Apologten des Hasses distanzieren und immer noch stolz an jeder dritten Kirche „Lutherkirche“ prangen haben.

Darum wisse Du lieber Christ und zweifle nicht daran, daß Du nähest dem Teufel keinen giftigeren, bittereren, heftigeren Feind hast, denn einen rechten Juden.
(Martin Luther)

Nun werfen viele Lutheraner ein, ja gut Luther wäre am Ende seines Lebens ein Judenfeind, aber das mache doch nicht den ganzen Luther aus.

Richtig. Luther war auch in vielerlei anderer Hinsicht ein Arschloch. Hier kommt nun Posener ins Spiel, der diese Ansicht vor einem Monat in der WELT untermauerte.

Deutschland plant das Lutherjahr 1517 – und übersieht gern die dunkle Seite des Reformators: Fundamentalismus, Judenhass, Hexenwahn, Apokalyptik. […]
Die offiziöse Sicht auf den Reformator fasst die Luther-Botschafterin der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), Margot Käßmann, in ihrem Buch "Mehr als Ja und Amen" so zusammen: "Luthers Freiheitsbegriff hat große Konsequenzen nach sich gezogen. 'Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit' als Parole der Französischen Revolution hat im Gedanken der Freiheit eines Christenmenschen durchaus Wurzeln. Am Ende ist der Bogen bis zur Aufklärung zu spannen."
[…] Wie sein Biograf Richard Marius schrieb, bedeutete Luther "eine Katastrophe für die westliche Zivilisation".
1. Luther ist kein Aufklärer. Er ist ein religiöser Fundamentalist. . […]
"Wer den [Humanisten] Erasmus zerdrückt, der würget eine Wanze, und diese stinkt noch tot mehr als lebendig!"
Die Vernunft bezeichnet Luther als "des Teufels Hure". Die Astronomie des Kopernikus lehnt er ab, weil sie der Bibel widerspricht: "Der Narr will mir die ganze Kunst Astronomia umkehren! Aber wie die Heilige Schrift zeigt, hieß Josua die Sonne stillstehen und nicht die Erde!" Wo Schrift und Verstand einander widersprechen, ist Luther immer für die Schrift und "will doch meinen Verstand gefangen nehmen unter den Gehorsam Christi". Luther verhilft dem Fundamentalismus zum Sieg über den aufklärerischen Humanismus. […]
3. Luther hat die Frohe Botschaft in ihr Gegenteil verkehrt. […]. Luther will ja die totale Unterwerfung des Menschen, das Leben als Buße. Wie Luther schreibt: "Das ist die höchste Stufe des Glaubens, zu glauben, jener (Gott) sei gütig, der so wenige selig macht..."
4. Luther predigte einen eliminatorischen Antisemitismus.
[siehe oben] […]
Auch die Losung "die Juden sind unser Unglück" findet sich bereits bei Luther wieder: "Ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes, durchteufeltes Ding ist's um diese Juden, so diese 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen sind und noch sind. Summa, wir haben rechte Teufel an ihnen." […]
5. Luther identifiziert den Kapitalismus mit dem Wucher und den Wucher mit dem Judentum. […]
6. Luther begründet die Autoritätshörigkeit des Protestantismus.
[…] Mit Demokratie hat Luther nichts am Hut: "Der Esel will Schläge haben, und der Pöbel will mit Gewalt regiert sein. Das wusste Gott wohl; drum gab er der Obrigkeit nicht einen Fuchsschwanz, sondern ein Schwert in die Hand." Der große demokratische Aufstand des 16. Jahrhunderts ist der deutsche Bauernkrieg. Luther jedoch ruft im Interesse der Fürsten zum Kreuzzug "wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern" auf. "Man soll sie zerschmeißen, würgen, stechen, heimlich und öffentlich, wer da kann, wie man einen tollen Hund erschlagen muss." Das Scheitern der Bauern begründet Deutschlands politische Rückständigkeit auf Jahrhunderte. […]
7. Luther hat den Hexenwahn und die Hexenverfolgung gefördert. […]
8. Luther sieht den Platz der Frau unter dem Mann – in jeder Hinsicht. […]
9. Luther ist nicht unser Zeitgenosse, sondern Prophet der Endzeit. […]
9,5. Ach und übrigens: Der Ablasshandel war eine gute Sache. […]

Es erscheint wie Darwins Rache, daß die EKD ausgerechnet die intellektuell unterbelichtete Theologin Margot Käßmann zur Lutherbotschafterin erkor.
Die in erster Linie von sich selbst begeisterte Ex-Bischöfin treibt denkende Menschen durch ihre geistige Schlichtheit regelmäßig zur Verzweiflung.
Daß die evangelische Kirche in Deutschland selbst ohne Zölibat, Missbrauchsskandale und Frauenpriesterverbot noch mehr Mitglieder als die katholische Kirche verliert, dürfte zum großen Teil auf das Konto von selbstverliebten Plaudertaschen wie Huber und Käßmann gehen.

Einer ernsthaften historischen und intellektuellen oder gar EHRLICHEN Debatte über Luther ist die Lutherbotschafterin Käßmann natürlich nicht gewachsen.

Lieber erklärt sie wie es 1989 zum Mauerfall kommen konnte.
Die Gebete haben es möglich gemacht.

Käßmann: Gebete haben 1989 die Mauer zu Fall gebracht
Die Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, hat die besondere Bedeutung der Kirchen für die friedliche Revolution vor 25 Jahren in der DDR hervorgehoben.
Damals hätten "Gebete die Welt verändert", sagte Käßmann am Sonntagabend im ersten Eisenacher Luthergespräch. Die Berliner Mauer sei "nicht einfach so gefallen". Durch eine friedliche Revolution, "die ihren Ursprung im Gebet hatte, wurde sie zu Fall gebracht".
[…]  Nach dem Vorbild vom Herbst 1989 und dem Ruf "Keine Gewalt!" gelte es im Blick auf die Situation in der Ukraine, "die Stimme des Friedens zu erheben".

Genau, Margot!
Der Atheist Gorbatschow hingegen hatte gar nichts mit dem Fall des Warschauer Paktes zu tun!
Und was die homophob und national von den Kirchen aufgepeitschten Osteuropäer in Russland und der Ukraine brauchen, ist mehr Christentum.

Wieso ist eigentlich immer noch so ein Chaos in Afghanistan, obwohl Käßmann schon intensiv für Frieden am Hindukusch gebetet hat??

Als Atheist wünsche ich mir mehr Theologen der Käßmann-Qualität. Umso schneller werden sich die Kirchen leeren!

Dienstag, 6. Mai 2014

Der Karriere Lohn.



Die Ulmer Abiturientin Annette Schavan heimste kürzlich in Lübeck ihren fünften Ehrendoktortitel ein.

Volle 18 Jahre hatte die extrem fromme Katholikin, die täglich das Stundengebet durchführt und nun als erste Nichtakademikerin von Merkel mit dem Posten der Vatikanbotschafterin belohnt wird, die deutsche Bildungspolitik geprägt.
Von 1995-2005 war sie Kultusministerin in BW, 2005 -2013 war sie Merkels engste Kabinettsvertraute und Forschungsministerin.
In fast zwei Dekaden verteilte die Plagiatorin viele Milliarden Steuerzahlergeld in das deutsche Bildungssystem. Es ist also auch maßgeblich der Dauerbildungsministerin zu verdanken, daß wir in Deutschland eins der schlechtesten Bildungssysteme überhaupt haben.
Ein dreistufiges Selektionssystem, das dafür sorgt, daß arme Kinder gar nicht erst Zugang zu höherer Bildung bekommen. Sollte ein Habenichts dennoch Abitur machen und studieren wollen, wird er durch Studiengebühren und zerfallende Hochschulen abgeschreckt.
In keinem Land der OSZE hängt Bildung so sehr von Papas Portemonnaie ab, wie in Deutschland.
Insbesondere Migranten werden sogar aktiv aus der Bildung gedrängt. Herdprämie und mangelnde Sprachkurse sorgen dafür.

Politik à la Schavan bleibt nicht folgenlos.

Inzwischen sind nahezu 20% der erwachsenen Menschen in Deutschland Analphabeten.
Jeder Fünfte kann im Land der Dichter und Denker nicht richtig lesen und schreiben! Bravo! Das muß ein Schulsystem erst mal hinkriegen!
Da erfordert es schon enormes Geschick die Geldmittel der Bildungs-, Forschungs- und Familienausgaben von Bund und Ländern in genau die falschen Kanäle zu leiten! Kindergeld für Millionäre und Ehegattensplitting für Kinderlose – dumm, dümmer, deutsche Bildungspolitik.

[…]  Kategorie eins. Das ist die niedrigste Stufe bei der PIAAC-Studie der OECD. Vor einem halben Jahr ist diese kleine Schwester der PISA-Studie erschienen. Oder vielmehr die große Schwester: Es ging um die 16- bis 65-Jährigen. Etwa 18 Prozent der Bürger im erwerbsfähigen Alter sind demnach "funktionale Analphabeten". Sie können nicht oder kaum lesen und schreiben, ein paar Worte vielleicht, ihre eigene Unterschrift, bestenfalls Kurztexte. Fast neun Millionen Bürger, die Bevölkerung von Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt zusammen.
Doch die Reaktion war eine andere als bei der PISA-Studie, die Anfang des Jahrtausends den berühmten PISA-Schock ausgelöst hat. Es gab ein PIAAC-Schöckchen, kurzzeitige Aufregung. [….]
Eine klare Reaktion kam schon bald vom Deutschen Volkshochschul-Verband (DVV), dem Dach für die fast 1000 Einrichtungen bundesweit. Man sei inzwischen der "Hauptanbieter für Grundbildung", hieß es. […]
 [Andrea Kuhn-Bösch. Die Leiterin für Grundbildung an der VHS München]  unterrichtet zum Beispiel Schulabbrecher, die einen Hauptschulabschluss nachholen. Bundesweit 50 000 Jugendliche, sechs Prozent pro Jahrgang, schaffen keinen Abschluss. Viele von ihnen: funktionale Analphabeten. Doch der Blick auf die junge Generation lässt auch hoffen. Bei den unter 35-Jährigen fallen bei PIAAC nur 13 statt 18 Prozent in Kategorie eins. Schulpolitiker führen das auch auf die Arbeit nach dem PISA-Schock zurück. Ein PIAAC-Schock hätte wohl nicht geschadet.

Wenn neun Millionen Menschen in Deutschland prinzipiell gar nicht für Facharbeiterjobs oder gar akademische Berufe geeignet sind, wundert es wenig, daß sich die Wirtschaft immer dringender suchend an das Ausland wendet.
SOS, wegen massenhaft um sich greifender deutscher Verblödung werden nun griechische Ärzte, spanische Ingenieure oder portugiesische Architekten angelockt.

Angesichts eines drastischen Fachkräftemangels in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen wollen Hochschulen und Arbeitgeber systematisch Studenten aus dem Ausland anwerben - und fordern dafür Unterstützung von Bund und Ländern ein. Aktuell fehlten mehr als 50 000 Fachkräfte in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, den sogenannten MINT-Fächern, auch der künftige Bedarf sei allein mit Deutschen nicht zu decken. Dies geht aus Empfehlungen hervor, die das Nationale MINT-Forum auf einem Kongress am Donnerstag in Berlin beschließen wird und die der Süddeutschen Zeitung vorliegen. "Der Wohlstand des ganzen Landes steht auf dem Spiel", sagt Ellen Walther-Klaus, Koordinatorin des MINT-Forums.
[…] Die Unis [sollen] die Betreuung der neuen Zielgruppe verbessern. 2013 hatte die Anti-Diskriminierungsstelle des Bundes gemeldet, dass ausländische Studenten oft kaum integriert seien. Walther-Klaus sieht teils gar eine "Ghetto-Situation", die es zu vermeiden gelte. Zentren für internationales Publikum sollen auf jedem Campus entstehen, fordert der Kongress - für "eine Willkommenskultur" und den Übergang in den Beruf. [….]

Ein Armutszeugnis für das Billiglohnland Deutschland und eine langfristige Katastrophe für die Länder, die ihre Jugendlichen ausgebildet haben und nun die Besten ziehen lassen müssen.

Die Deutsche Doofheit geht aber noch viel weiter über die systematische Entbildung ihrer Jugendlichen hinaus.
Die Studenten ohne deutschen Pass, die auf hiesigen Unis genau die Abschlüsse machen, die so dringend nachgefragt werden, verscheucht man gleich anschließend wieder.

Die neue Debatte hat sich entsponnen, nachdem eine neue Studie über ausländische Studenten erschienen ist. Die Untersuchung des Forschungsbereiches beim Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) beleuchtet, wie viele ausländische Master-Studenten und Doktoranden in den fünf EU-Ländern Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Schweden bleiben wollen, wie viele tatsächlich geblieben sind - und was ihre Entscheidung beeinflusst.
Das Ergebnis: zwei Drittel der gut 6200 Befragten würden gerne im Studienland bleiben, in Deutschland sogar fast 80 Prozent. Tatsächlich aber lebt nur rund ein Viertel weiterhin dort, in Frankreich verbleibt immerhin ein Drittel.

Tausende in Deutschland ausgebildete Akademiker türkischer Herkunft gehen jedes Jahr unfreiwillig nach Istanbul, weil deutsche Betriebe die Menschen mit falscher Hautfarbe oder vielen „ü“s im Namen nicht gerne einstellen oder gar ihnen Wohnungen vermieten wollen.

Etwa 80 Prozent aller Masterstudenten aus dem Ausland würden gerne nach dem Abschluss in Deutschland arbeiten, doch tatsächlich bleibt nur knapp jeder vierte. So haben es Forscher ermittelt. Es ist offensichtlich, dass da etwas nicht rund läuft zwischen den internationalen Studenten und Deutschland, oder genauer: den deutschen Hochschulen und Arbeitgebern.
[…]  Interessenten aus dem Ausland gibt es reichlich, Deutschland nimmt international gesehen inzwischen einen Spitzenplatz ein. Doch das hilft wenig, wenn die Leute nicht bleiben. Hier sind vor allem die Unternehmen gefragt: Sie müssen früh um die Studenten werben, und sie müssen attraktive Jobangebote machen. Denn daran mangelt es oft, trotz des angeblich so großen Mangels an Ingenieuren, Mathematikern und Naturwissenschaftlern.
Und die Hochschulen sind gefordert, dort Erfolge zu liefern, wo am meisten Nachwuchskräfte auf der Strecke bleiben: in den Universitäten selbst, durch viele Studienabbrecher. Bessere Vorbereitung, bessere Betreuung, bessere Lehre, hier ist noch viel zu leisten – für ausländische wie einheimische Studenten.
(Roland Preuss, SZ, 06.05.2014)

Natürlich, deutsche Schulen könnten auch früher ansetzen und die hier lebenden Kinder für die MINT-Fächer begeistern.
Aber das würde Geld kosten und selbiges stecken deutsche Politiker wie Annette Schavan lieber überall dort hin wo es nichts nützt. Es fehlen 50.000 Lehrer in Deutschland, Grundschullehrer sind dramatisch unterbezahlt und die Ausstattung der Schulen ist indiskutabel. Neugier und Interesse kann so nicht frühzeitig geweckt werden. Da mutet es verzweifelt an, wenn Hochschulen und Volkshochschulen a posteriori in Aktionismus verfallen, um für technische Studiengänge zu werben.

Doch woran liegt es, dass der deutsche Nachwuchs ausbleibt, zumindest in der nötigen Masse? Der konkrete Nutzen vieler MINT-Initiativen steht oft gar nicht fest. So haben Wissenschaftler neulich erst begonnen, die Wirkung des Projekts „Haus der kleinen Forscher“ zu evaluieren – nachdem dieses sieben Jahre läuft. Noch mehr geraten die Schulen in den Blick: Trotz der Auslandsstrategie mahnt Ellen Walther-Klaus, Koordinatorin des MINT-Forums, „die heimischen Potenziale nicht aus den Augen zu verlieren“. Die promovierte Mathematikerin und Managerin sagt: „Die jungen Leute sind zwar technikaffin, aber zu wenig neugierig. Und in den Schulen wird diese Neugier oft nicht geweckt.“
So fehlten vielerorts MINT-Lehrer; es gebe veraltete Geräte und Unterrichtskonzepte – und eine Art Technik-Skepsis in der Gesellschaft. „Schlechte Leistungen in Mathematik oder fehlendes Interesse für MINT-Fächer werden gemeinhin akzeptiert. Da ist es für Jugendliche leichter, einen Bogen um die Fächer zu machen.“ Ähnliches schrieb der Stuttgarter Mathematik-Professor Christian Hesse in einem SZ-Beitrag: Man treffe „häufig auf Menschen, die damit kokettieren, dass sie in der Schule immer schlecht in Mathe waren und dass dennoch etwas aus ihnen geworden ist“.
Einen Wandel in den Schulen hatte das MINT-Forum bereits 2013 empfohlen, als man sich erstmals zu einem solchen Kongress traf. Gefordert wurden Reformen in der Lehrerausbildung – was freilich Zeit braucht. Nachwuchs aus dem Ausland kommt für den Arbeitsmarkt im Zweifelsfall schneller.
 (SZ vom 06.05.2014)