Freitag, 27. Dezember 2013

Quo vadis Femen?



Zugegeben, das war nicht gerade ein Zeichen meiner menschlichen Reife; aber als ich zuerst davon hörte, daß Josephine Witt am ersten Weihnachtstag nackt auf Meisners Altar gesprungen ist, mußte ich lachen.
Die Komik ergibt sich einerseits aus dem Zusammenprall eines extrem mächtigen, konservativen und frauenfeindlichen Kardinals und dem was er offensichtlich hasst wie die Pest: Selbstbewußte junge Frauen.
Andererseits ist es für mich höchst amüsant zu sehen, wie eine Versammlung bei einem kanibalistischen Ritual (sie ESSEN den Leib des Herren und TRINKEN sein Blut) welches zudem auch noch unter einer grausamen Folterszene stattfindet (ein fast nackter ausgemergelter Mann wird von seinem eigenen Vater zu Tode gekreuzigt) ausgerechnet der für Sekunden zu sehende lebendige Oberkörper einer hübschen jungen Frau als „pietätslos“ und „provokant“ angesehen wird.
Die Femen-Aktivistin blieb im Gegensatz zu den Meisner-Leuten übrigens gewaltfrei.

Und noch eine kleine Anmerkung: Was über all dem Entsetzen über die Störung des Stille-Nacht-Taumels überhaupt nicht diskutiert wurde, ist die Brutalität, mit der die Domschweizer und zum Teil auch einzelne Besucher des Gottesdienstes gegen die Frau vorgegangen sind. Der KStA berichtet sogar heute: "Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der Körperverletzung gegen die Domschweizer." - das sieht so gar nicht nach jesuanischem "Auch-die-rechte-Wange-Hinhalten" aus ...
(David Berger aus Facebook 27.12.13)

In einer selbst für FJ Wagner-Verhältnisse selten dümmlichen Weise verurteilte der BILD-Chefkommentator diese Tat.

Soweit, so erwartet.
Eigentümlich wurde es, als ausgerechnet die Grünen, welche offensichtlich die neuen Schwarzen werden wollen, durch ihren Chefreligioten Volker Beck in das Boot mit Meisner und FJ Wagner sprangen.

Die Aktion war sicher nicht die Beste, aber das Aufregen der grünen Moralwächter finde ich schlimmer! Früher standen die Grünen mal für Spontanität, Provokation.... heute ist man doch als konservative Kirchentagspartei gelandet ...
(Kommentator M.B. auf Facebook 27.12.13)

Hiermit bekam das Thema einen anderen Spin.
Tatsächlich fing ich auch gerade an mich angesichts der Femen-Proteste zu langweilen. Wie lange kann man eigentlich irgendwo barbusig wie Kai aus der Kiste springen und auf einen großen Schock- und Lerneffekt hoffen?
Jetzt hat das jeder einmal gesehen und die Aufregung darüber erreicht maximal noch das müde Lachen, welches ein Flitzer vor einem Fußballspiel „erregt“.

Müßte Femen nicht dringend neue Protestformen entwickeln, wenn nahezu alle deutschen Pressekommentatoren von ganz links bis ganz rechts auf einmal den gleichen Gedanken runterschreiben?
 Nämlich „ist ja jetzt mal gut, ihr Weiber. Wir haben es begriffen und ihr nervt nur noch!“
Dieser Tenor findet sich genauso bei Katholiban wie bei Grünen.

Tatsächlich sind heutzutage echte römisch-katholische Erzbischöfe sogar milder gestimmt als die GRÜNEN. Erleben wir gerade einen Tradi-Rochade? Werden die Grünen bald für eine generelles Abtreibungsverbot und die Wiedereinführung des §175 streiten?

Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen (75) hat die Femen-Aktivistin Josephine Witt (20) nach ihrem umstrittenen Nackt-Protest während des Weihnachtsgottesdienstes im Kölner Dom zu einem Gespräch eingeladen - sie soll dabei aber bitte bekleidet sein...
Thissen erklärt seine Einladung wie folgt: „Wenn eine Hamburgerin im Kölner Dom demonstriert, dann betrifft mich das natürlich.“ Deshalb möchte er mit der Femen-Aktivistin gerne über ihr Verhältnis zur Kirche und zur Gesellschaft diskutieren.

Die Grünen haben das Thema FRAUENRECHTE offenbar gar nicht mehr auf der Agenda.
Daß die Kirchen als größter Arbeitgeber Deutschlands mit rund 1,3 Millionen Angestellten nach Herzenslust diskriminieren dürfen, indem sie mit 100% staatlichem Geld bezahlte Lehrer, Krankenschwestern oder Hausmeister rausschmeißen dürfen, sobald sie verdächtigt werden schwul, atheistisch oder geschieden zu sein, stört niemanden mehr.

Selbst die wirklich extrem gewalttätigen Linken-Proteste am 23.12.13 in Hamburg, als aus purer Zerstörungslust Autos mit zufällig vorbeifahrenden Familien mit Kleinkinder angegriffen und abgefackelt wurden, stießen auf Verständnis bei Teilen der Linken und Grünen.
Man kritisierte die Polizei und freute sich über die Umsatzrückgänge am verkaufsstärksten Tag „Konsumistans“.

Aber für eine friedliche Josephine Witt, die auf die Tatsache hinweist, daß in einer 1,2 Mrd-Mitgliederorganisation Frauen keinerlei geistliches Mitspracherecht haben und von der Regierungsgewalt des Vatikans vollständig ausgeschlossen sind, mag sich keiner mehr aussprechen.
Dabei sind die Femen-Forderung an die 100%-Männerkirche RKK absolut legitim und richtig.

Sextremist of FEMEN Germany Josephine foiled Christmas mass in the main cathedral Kölner Dom of Cologne. In the presence of thousands of audience activist climbed onto the altar of the cathedral, protesting against the Vatican propaganda about criminalization of abortion. FEMEN requires the Vatican elders and their fanatical followers to stop producing medieval chimeras and edit their rotten dogma in accordance with the modern world and human rights. Maniacal desire to control fertility ability of women have in common religion with national socialism, nationalism and other antediluvian anti-humanist ideologies.
Europe, wake up, you have to be an idiot to take seriously these sermons parody inquisitors. Everything smells of rot should be buried immediately! Long live woman! Long live the science!
MY PUSSY MY RULES! I AM GOD!

Was für eine ungeheuerliche Absurdität, daß eine Organisation aus 400.000 zölibatären Männern und keiner einzigen Frau der Welt diktiert, was eine Frau mit ihrem eigenen Uterus anfangen darf.
Das erscheint mir ebenso plausibel, wie die Vorstellung, daß zukünftig allein die Dixie Chicks zu entscheiden hätten, ob und wie sich ein katholischer Pfaff bei Prostata- oder Hodenkrebs behandeln lassen darf.

In den letzten 2000 Jahren hat es bisher ja offensichtlich noch nicht geklappt den Frauen endlich dieselben Rechte wie Männern zuzugestehen.

Daß ob dieser beschämenden Situation über neue Protestformen nachgedacht wird, halte ich für überfällig:

FEMEN’s Tactics Is Sextremism
Sextremism is a fundamentally new form of women’s feminist actionism developed by FEMEN.
Sextremism is female sexuality rebelling against patriarchy and embodied in the extremal political direct action events. Sexist style of the actions is a way to destruct the patriarchal understanding of what is the destination of female sexuality to the benefit of the great revolutionary mission. Extremal nature of sextremism demonstrates intellectual, psychological and physical superiority of female activists from FEMEN over the bandogs of patriarchy. Unsanctioned format of the sextremism events represents the historical right of the woman to make her protest anywhere at any time and not to concert her action with the patriarchal law-enforcing structures. Sextremism is the woman’s mockery of vulgar male extremism and its bloody mayhems and a cult of terror. Sextremism is a non-violent but highly aggressive form of provocation; it is an all-powerful demoralizing weapon undermining the foundations of the old political ethics and rotten patriarchal culture. […]
FEMEN movement stands to the principles of openness and commitment to media to ensure maximum coverage of its revolutionary and advocacy activities in mass media. The movement carries out aggressive awareness-raising and information campaign in the Internet and sees the World Web as an alternative broadcasting medium for its ideology. FEMEN is present in every important social network and internet community.
FEMEN is  responsible only for those acts of sextremism information of which is shared on official web resources of the movement.
Official primary sources on the activities of the women’s movement FEMEN are a website femen.org  and a Facebook page facebook.com/FEMEN.International


Donnerstag, 26. Dezember 2013

Die Grünen gehen mir auf den Sack!



Meine parteipolitische Ausrichtung ist eindeutig:
RotRotGrün, oder wie man heutzutage sagt, R2G.
Es ist natürlich viel leichter zu sagen, was man nicht will. Schwarzgelb will ich eindeutig nicht; so viel ist klar.
Es ist auch noch relativ leicht sich eine Wunschkonstellation vorzustellen, die Deutschland regieren sollte. Unangenehmerweise führt die Wahl der Wunschpartei mitunter zu dem Wahlergebnis, welches man am wenigsten haben wollte.
So unterstelle ich den Piraten- und Linke-Wählern, daß sie sicherlich nicht Frau Merkel als Bundeskanzlerin wollten.
Tatsächlich haben sie aber genau mit ihrer Wahlentscheidung Frau Merkels Position massiv gestärkt, indem sie die einzige derzeit mögliche parlamentarische Alternative, nämlich rot-grün, relativ geschwächt haben.

Die den Urnenpöbel in der Regel überfordernde Schwierigkeit  besteht darin, die Folgen seiner Wahl abzuschätzen.

Als 1998 Schröder und Fischer die Bundesregierung stellten, waren meine Parteipräferenzen übrigens ziemlich diffus.
Ich habe beiden Parteien den Erfolg gegönnt, hatte den Eindruck, daß man sich tatsächlich als „gemeinsames Projekt“ begriff und durchaus vertrauensvoll zusammen arbeitete.
Beide Parteien stellten sehr kompetentes Spitzenpersonal und bei Bundestagsdebatten gefielen mir die Grünen-Parlamentarier sogar noch besser als die der SPD. Da gab es richtig kompetente Profi-Parlamentarier, von denen man immer hochinteressante Debattenbeiträge erwarten konnte.
(Dafür war die Grünen-Basis umso gruseliger.)
Es kam regelmäßig vor, daß mich jemand (im prä-Internetzeitalter) anrief und hektisch rief „schalt ganz schnell Bundestag an  - Gerald Hefner tritt gerade ans Rednerpult!“

Damals machte Politik wirklich „Spaß“. Es stellte sich ein ganz anderer Stil ein und das wichtigste für mich war, daß man deutsche Regierungsmitglieder auf Auslandsreisen beobachten konnte, ohne sich zu schämen!
16 Jahre war man es gewohnt immer von Kohls peinlicher Provinzialität blamiert zu werden. Wann immer er auf große Reisen ging, stellte er irgendwas an, das einem so sehr zum Mitschämen brachte, daß einem nur noch Alkohol helfen konnte.
Kohl will auf den Anaberg, um die Polen zu ärgern, Kohl schlägt dem Tenno auf die Schulter, Kohl vergleicht Gorbatschow mit Goebbels, Kohl schleppt Reagan auf den SS-Friedhof Bitburg, etc pp.

Bei Schröder und Fischer schämte man sich nicht nur nicht mehr, sondern es stellte sich um 2002/2003 ein Gefühl ein, das ich noch nie erlebt hatte: Man war sogar ein bißchen stolz darauf, wie sich die Rotgrüne Bundesregierung Italien, Großbritannien, Spanien und den USA entgegenstemmte, um einen Irakkrieg zu verhindern.

Die Regierung Westerwelle/Merkel hat mich dann wieder an den Tiefpunkt zurück versetzt.
Entsetzen über ihr Handeln im Inland, grenzenlose Scham über ihre Außenpolitik.

Schwarzrot ist sicherlich besser als Schwarzgelb; schon allein, weil Steinmeier und nicht Guido Westerwave Deutschland im Ausland vertritt.
Aber von Euphorie kann natürlich keine Rede sein.
Von den sechs Sozi-Bundesministern gefällt mir nur Heiko Maas.
Die SPD ist nach den Jahren unter der Gabriel-Nahles-Führung in einem inhaltlich und personell desolaten Zustand.
Überhaupt kein Vergleich mit der kraftstrotzenden Lafontaine-Schröder-Verheugen-41%-SPD von 1998.
Ich bezweifele allerdings, daß eine RotGrüne Regierung 2013 noch einmal den Zauber von 1998 entfaltet hätte – selbst wenn sie mit ordentlichem Ergebnis Merkel aus dem Amt gejagt hätte.
Die Religioten sind in Form von Nahles, Steinmeier und Thierse nicht nur über die Sozis hereingefallen, sondern haben auch die Grünen zu einer schwachen, dämlichen Partei verkommen lassen.
Die Grünen haben sich nun trotz zweier massiver Fehlschläge in Hamburg und im Saarland ein drittes Mal an die CDU heran gewanzt. Ausgerechnet bei dem rechts-lastigsten Landesverband der CDU überhaupt – in Hessen!
Man fasst es nicht. Tarek Al-Wazir, den ich so oft so verteidigt habe wenn die Schwarzen und Gelben im hessischen Landtag über ihn herfielen – FDP-Spitzenfrau Wagner grölte ihn von der Regierungsbank aus als „Arschloch“ an und von der CDU-Bank schalt es „Geh doch zurück nach Saana!“ – steigt nun mit Volker Bouffier ins Bett.
Und die Grüne Basis segnet das auch sofort ohne Umstände ab.
PEINLICH.

Die Grünenbasis ist ein perfektes Beispiel dafür, weswegen ich gegen Plebiszite bin.
 Da hatten sie die freie Auswahl über ihre Bundestagswahlspitzenkandidaten und entscheiden sich für die Hardcore-Religiotin Kathrin Göring-Kirchentag, die in den bisherigen Jahren mit CSU-Rechstaußen Günter Beckmann in der EKD-Synode kuschelte und mit der intellektuell dramatisch unterbelichteten Margot Käßmann zusammen religiöse Plappermagazine herausbrachte.
PEINLICH.

In der Beschneidungsdebatte ließen sich die Grünen maßgeblich von einem abgebrochenen Lehramtsstudenten, der die Bibel mit dem Grundgesetz verwechselte, vertreten.
Dieser Volker Beck wandte sich damit eindeutig gegen das Kindeswohl und log dazu noch im Bundestag, daß sich die Balken bogen.
PEINLICH.

Genau diesen Aggro-Volker Beck, der sich 2012 voll auf die Seite der Bischöfe und Imame gestellt hatte, wählte die neue und zu Recht dezimierte Grünen-Bundestagsfraktion zum religionspolitischen Sprecher.
PEINLICH.

Als gestern eine Femen-Soloaktion gegen den extrem konservativen homophoben und misogynen Freunde der Nazi-Vergleiche Kardinal Meisner stattfand, waren es wiederum die Grünen, die dem intoleranten Fundamentalisten zur Seite sprangen und sich gegen die Frauenrechte positionierten.
PEINLICH.

Grüne verurteilen Femen-Aktion im Kölner Dom
Die Protestaktion einer nackten Aktivistin auf dem Altar des Kölner Doms während der Messe am ersten Weihnachtstag ist auf deutliche Kritik gestoßen. Der religionspolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck, bezeichnete sie als respektlos und "eine unnötige Störung der Gläubigen beim Gottesdienst". Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, nannte die Aktion einer Femen-Aktivistin verletzend und rücksichtslos.
[….]  Beck erklärte in Berlin, auch vor den Toren des Doms "hätte es genügend Möglichkeiten gegeben, Kritik an Kardinal Meisner oder auch der katholischen Kirche zu üben". Die Störung eines Gottesdienstes wie einen Hausfriedensbruch zu bestrafen, sei "angemessen". […]
Der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp nannte die Aktion in der Online-Ausgabe des "Kölner Stadt-Anzeigers" "indiskutabel". [….]
Nach dem Vorfall hätten Kardinal Meisner und der Domzeremoniar eine symbolische Reinigung des Altars vorgenommen. Meisner habe ein Gebet gesprochen und den Altar mit Weihwasser besprengt.

Eigentlich schade, daß die Grünen um Beck nicht der FDP in der APO Gesellschaft leisten!

Mittwoch, 25. Dezember 2013

Das Weihnachtswunder Teil II



Soso, Ex-NDP-Chef Holger Apfel, seines Zeichens dick, dumm und häßlich, ist also zudem auch noch schwul.




Im ersten Moment fragt man sich vielleicht, ob es so eine sinnvolle Idee ist als Schwuler bei den Nazis Karriere zu machen. Aber das ist ein sehr naiver Denkansatz.
Ich glaube zwar, daß unter Schwulen durch ihre persönliche Erfahrung mit Diskriminierung ein überdurchschnittliche Toleranz und Vorurteilsfreiheit herrscht, aber das bedeutet natürlich noch lange nicht, daß es nicht auch total Bekloppte unter ihnen gibt.

Wie wir ob der hinlänglich beschriebenen extrem hohen Schwulenquote unter katholischen Geistlichen wissen, gibt es auch unter Schwulen Homophobie.

Mitglied eines extrem homophoben Vereins zu sein, ist natürlich eine ideale Tarnung. Da kann man unter Männerbündischen Bedingungen fast frauenfrei agieren, ohne daß getuschelt wird.




Außerdem erfüllen die Dresscodes von Nazis und Pfaffen sicherlich einige Fetisch-Wunschträume, die unter Schwulen möglicherweise häufiger sind.





Rosa von Praunheims ausführlicher Dokumentationsfilm „Männer, Helden, schwule Nazis“ klärt auf.

Ähnlich wie bei den katholischen Priestern birgt die homosexuelle Lebensweise die Möglichkeit die Mitglieder „auf Linie“ zu halten, weil sie erpressbar sind.
Wer in Ungnade fällt, kann jederzeit mit den Homogerüchten ausgeschaltet werden.
Genau das scheint Holger Apfel passiert zu sein.
Das ging dann ganz schnell. Rücktritt vom Fraktionsvorsitz der Sächsischen Landtagsfraktion, Rücktritt vom NPD-Bundesvorsitz, Austritt aus der NDP.
Ein schwerer Verlust für die deutsche Parteienlandschaft. Mir kommen die Tränen.

Mit seinem Austritt kommt Apfel einem drohenden Parteiausschlussverfahren zuvor. Auf einer Krisensitzung am Sonntag hatte das NPD-Präsidium dem 42-Jährigen einen Austritt nahegelegt. In der Partei gab es Gerüchte, laut denen es im Sommer zu einem Vorfall gekommen sei, bei dem sich offenbar ein Anfang 20-jähriger NPD-Helfer von Apfel belästigt gefühlt habe. Bereits in der Vergangenheit hatte es in der Partei immer wieder Gerüchte über Apfels Privatleben gegeben, wie auch Sicherheitskreise bestätigen.
"Mit Befremden muss das Parteipräsidium zur Kenntnis nehmen, dass die zunächst von Apfel zur Begründung für seinen Rücktritt angeführten 'Krankheitsgründe' offenbar nur ein Teil der Wahrheit sind. Weitergehende Vorwürfe, die Verfehlungen in der Vergangenheit betreffen, hat Apfel bislang nicht entkräftet", hieß es am Wochenende in einer Erklärung des Parteivorstands. Auch Apfels Ehefrau soll am Dienstag aus der NPD ausgetreten sein.

Ein bißchen verblüfft war ich schon von der Homowendung um den Apfel-Rücktritt, denn die “gesundheitliche” Erklärung, die er zunächst verbreitet hatte, erschien sehr plausibel.

Die NPD gab heute bekannt, dass der bisherige Parteichef Holger Apfel von seinem Posten zurücktritt. Grund dafür ist eine schwere Erkrankung: Apfel hat offensichtlich mehrere hundert Gramm Fäkalien im Kopf.
Dass irgendwas mit Holger Apfel, bis heute Chef der Nationalsozialistischen Partei Deutschlands (NPD), nicht stimmt, war vielen schon lange klar: Komische Frisur, noch komischere Ansichten und krude Reden deuteten auf eine Erkrankung hin.  Nun hat Apfel Gewissheit: Bei einer Routineuntersuchung stellten Ärzte fest, dass Apfel mehrere hundert Gramm Fäkalien im Schädel hat. Erstaunlicherweise konnte Apfel trotzdem ein relativ normales Leben führen. Dabei liegt die Betonung auf relativ: Apfel umwehte stets ein Duft, der entfernt an ein Bahnhofs-WC erinnerte. Lange Zeit ging man davon aus, dass die ausgesprochenen Gedanken des dümmlich dreinschauenden Apfel den braunen Geruch manifestieren.

Soweit, so normal.

Das eigentliche Weihnachtswunder ist aber, daß ich heute aus der NPD das erste mal einen wirklich vernünftigen Vorschlag gehört habe. Ein Spitzenfunktionär entwickelte so überzeugende Strategien für NDP-Politiker, daß ich mich dessen Forderungen ausdrücklich anschließe-

[Apfel] beklagt, dass ein Funktionsträger ihn zuletzt bei Facebook sogar zum Selbstmord aufgefordert habe. Dabei soll es sich nach Angaben des Blogs Publikative.org um einen ehemaligen NPD-Bundestagskandidaten aus Sachsen-Anhalt halten. Dieser postete, wie ein Screenshot zeigt: "Der einzige Rat, den ich dem geschiedenen NPD-Parteivorsitzenden Holger Apfel auf den Tisch legen würde, besteht aus einer Pistole und exakt einer Patrone! M." Auch ein hochrangiger Spitzenfunktionär klickte "Gefällt mir".

Dienstag, 24. Dezember 2013

Geschlechterrollen




Es gibt einige Formen des Modus Vivendi, die mir sinniger als andere erscheinen.

In Gambia beispielsweise bedauere ich die christliche Landbevölkerung. Dort sind die Männer die Grundbesitzer (wie fast überall auf der Welt), aber die Feldarbeit ist reine Frauenarbeit.
Das Weib muß also morgens los ziehen, um den Familienacker umzugraben und möglichst viel schaffen, wEIL sie mittags zurück sein muß, um den Herrn der Schöpfung zu bekochen.
Mit Kindern wird es noch unpraktischer, weil sie die kleinen Bälger dann immer mit aufs Feld schleppen muß.
Sein Job ist es unterdessen vor seine  Hütte zu sitzen und zu relaxen.
Die Christinnen sind eindeutig die Verliererinnen dieses Arrangements, weil sie allein viel mehr Arbeit wuppen müsse, als eigentlich zu schaffen ist.
Der Vorteil ist, daß sie durch die enorme körperliche Anstrengung früh so ausgebrannt sind, daß sie tot umfallen. Man muß also keine Greisinnen durchfüttern und Papa kann sich dann eine jüngere Frau nehmen.

Die Moslems in Gambia praktizieren genau die gleiche Rollenverteilung – aber mit dem entscheidenden Unterschied, daß sie Polygynie betreiben; der Mann also in der Regel vier Ehefrauen hat.
So lassen sich die Aufgaben bestens verteilen; eine bleibt mit den Blagen zu Hause und kocht, eine sorgt für sein sexuelles Wohl und zwei erledigen die Feldarbeit.
Nur zu verständlich, daß die muslimischen Frauen ihre christlichen Nachbarinnen zutiefst bedauern, weil diese die ganze Arbeit allein schaffen müssen. Zu allem Übel auch noch während der meisten Zeit schwanger sind.

Ich weiß nicht sicher, ob in Gambia auch Polyandrie erlaubt ist; vermutlich nicht.
Eine Frau mit vier Ehemännern wäre bei der dortigen Aufgabenverteilung definitiv überfordert. Vier Häuser mit vier Mackern darin und vier Felder zu bewirtschaften, kann noch nicht einmal Wonderwoman schaffen.

Polyandrie hat unter anderen Bedingungen ihre Stärken. Fraternale Polyandrie gibt es beispielsweise in Tibet, wo unter chinesischem Einfluß die Einkindehe propagiert wird, oder in Nordindien, wo die indische Regierung größte Anstrengungen zur Geburtenkontrolle unternimmt. Wenn zudem Land und Arbeitsplätze knapp sind, ist es von großem Vorteil, wenn eine Frau, die mit ihrem Gör zu Hause sitzt, mehrere Ernährer hat. In der überwiegenden Zahl sind es zwei oder drei Brüder, von denen mindestens einer weiter weg einen Job übernehmen kann und alle gemeinsam zum Familieneinkommen beitragen.
Unter fraternalen Bedingungen wird auch die Frage nach der Weitergabe der eigenen Gene entschärft. Bei unklarer Vaterschaft, hat der Ehemann die Gewissheit zumindest der biologische Onkel zu sein und so indirekt seine Gene weiterzuvererben.

In letzter Zeit hörte ich wieder öfter vom Volk der Mosuo.
Zuletzt sah das RBB-TV-Team von der Roadmovie-Doku „Fernost“ (Sehr empfehlenswert!) bei den Mosuo im Südwesten der Volksrepublik China vorbei.

Die Provinz Yunnan liegt etwa 2.500 Meter über dem Meeresspiegel. Am höchstgelegenen See der Provinz lebt seit mehr als einem Jahrtausend das Volk der Mosuo - und genauso lange herrscht dort das Matriarchat. Nur die Mütter als Clanchefinnen bestimmen die Regeln des Alltagslebens.

Die 40.000-50.000 Mósuō sind ein chinesisches Volk mit tibetobirmanischer Sprache. Sie leben hauptsächlich am  Ufer des Lugu-Sees und gelten als relativ wohlhabend.
Das liegt möglicherweise an ihrer effektiven Form des Zusammenlebens.
Männer besitzen dort keinerlei Autorität und fügen sich der Autorität ihrer Mütter, die ihnen jeden Morgen die zu erledigenden Aufgaben zuweisen.

In der Regel bleiben Söhne, Neffen und Enkel im Haus der Clanchefin wohnen – dürfen aber über Nacht zu ihren diversen Liebhaberinnen gehen. Morgens haben sie aber wieder da zu sein und sich ihren Tagesbefehl abzuholen.
Gewalt ist unter den Mosuo unbekannt. Die Matriarchinnen üben ihre Autorität erheblich geschickter aus. Der Arzt und Journalist Ricardo Coler berichtet in einem Interview von seinen Erfahrungen bei den Mosuo.

Coler: Ich wollte wissen, was in einer Gesellschaft passiert, in der die Frauen bestimmen, wo es lang geht. Wie ticken Frauen, wenn sie bereits von Geburt an durch ihre gesellschaftliche Stellung alles bestimmen? […]  Ich hatte erwartet, auf ein umgekehrtes Patriarchat zu treffen. Aber damit hat das Leben der Mosuo absolut nichts zu tun. Frauen dominieren in einer anderen Art und Weise. Wenn Frauen herrschen, ist es Teil ihrer Arbeit. Ihnen gefällt es, wenn einfach alles läuft und es der Familie gut geht. Die Idee, Vermögen anzuhäufen oder viel Geld zu verdienen, kommt ihnen einfach nicht in den Sinn. Kapitalakkumulation scheint eine männliche Triebfeder zu haben. […]  

SPIEGEL ONLINE: Wie lebt es sich für einen Mann im Matriarchat?

Coler: Männer leben besser, wo die Frauen das Sagen haben: Du bist für fast nichts verantwortlich, du arbeitest viel weniger und du bist den ganzen Tag mit deinen Freunden zusammen. Jede Nacht bist du mit einer anderen Frau zusammen. Und obendrein kannst du für immer bei deiner Mutter leben. Die Frau bedient den Mann, und das in einer Gesellschaft, in der sie bestimmt und über das Geld verfügt. […]  

SPIEGEL ONLINE: Was hat Sie am meisten erstaunt?

Coler: Dass in der matriarchalen Gesellschaft keine Gewalt existiert. Ich weiß, das gleitet schnell in eine Idealisierung ab - jede menschliche Gesellschaft hat ihre Probleme. Aber den Mosuo-Frauen leuchtet einfach nicht ein, warum Konflikte mit Gewalt gelöst werden sollen. Da sie bestimmen, streitet niemand. Schuld- oder Rachegefühle kennen sie nicht, es ist einfach eine Schande, sich zu streiten. Sie schämen sich dafür, und es droht ihnen dann sogar der Verlust ihres sozialen Ansehens.

SPIEGEL ONLINE: Und wenn es für ein Problem keine Lösung gibt?

Coler: Dann wird jedenfalls nicht gestritten. Die Frauen bestimmen, wo es lang geht. Manche tun es etwas bestimmter, manche etwas freundlicher. Es sind starke Frauen, die klare Anweisungen erteilen. Von einem Mann wird erwartet, dass er es eingesteht, wenn er mit einer Sache nicht fertig geworden ist. Er wird nicht ausgeschimpft oder bestraft, sondern behandelt wie ein kleiner Junge, der seiner Aufgabe nicht gewachsen war.

[…]  SPIEGEL ONLINE: Was macht einen Mann für eine Mosuo-Frau attraktiv?

Coler: Wenn sie mit einem Mann reden können, Sex haben und ausgehen, dann sind sie verliebt. Für sie ist die Liebe wichtiger als die Partnerschaft. Sie wollen verliebt sein. Der einzige Grund, mit einer anderen Person zusammen zu sein, ist Liebe. Heiraten oder mit einem Mann eine Familie gründen, das interessiert sie nicht. Und wenn es vorbei ist, ist es vorbei. Sie bleiben nicht zusammen wegen der Kinder oder des Geldes oder sonst etwas.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es bei den Mosuo das Konzept der Heirat, der Ehe?

Coler: Ja, den Kindern wird sogar damit gedroht, 'Wenn du nicht brav bist, dann verheiraten wir dich'. Die Kinder kennen Verheiratetsein als Horrorgeschichte. Mich haben sie gefragt, wie wir das machen. Ich sagte: Mann trifft Frau, sie verlieben sich, haben Kinder und leben ihr ganzes Leben zusammen. Ah, sagten sie, das muss toll sein. Und du weißt, sie lachen sich darüber kaputt, dass wir ständig etwas wiederholen, von dem wir selbst wissen, dass es nicht funktioniert.[…]  

Das klingt alles sehr weise und einleuchtend.
Am liebsten möchte ich sofort das Matriarchat in Deutschland ausrufen.

Aber im Grunde haben wir ja mit von der Leyen und Merkel schon ein Matriarchat. Es funktioniert nur nicht.
Allerdings kann man den beiden auch beim besten Willen nicht diesen Satz zuschreiben:
„Es sind starke Frauen, die klare Anweisungen erteilen.“

Matriarchat funktioniert auch nur mit klugen Frauen.

Hoffentlich kommt niemand in Amerika auf solche Gedanken! Wenn Ann Coulter, Megyn Kelly, Sarah Palin und Michele Bachmann das Ruder übernehmen, kann Gott gleich für immer die Lichter über dem Planeten löschen!