Donnerstag, 16. Mai 2013

Deswegen SPD – Teil VIII




Zu Beginn dieser lockeren Pro-SPD-Reihe versuchte ich die Ausgangslage zu schildern. Das publizistische Jaucheloch, in dem die Sozis stecken. 
Das ist aber verdammt ungerecht, weil die korrumpierten Parteien eindeutig die Schwarzgelben sind.

Das waren noch Zeiten, als Ehre und Anstand in der Bundesregierung herrschten.
Man erinnert es zwar kaum noch, aber es gab tatsächlich Menschen in der Regierung, denen man voll vertrauen konnte, die nicht an persönliche Bereicherung und Pöstchen dachten. 
Helmut Schmidt und Gerhard Schröder setzten sich mit all ihrer Kraft für eine Politik ein, die sie für das Wohl des deutschen Volkes als notwendig erachteten. 
Sie scherten sich nicht darum, daß es unpopulär war und wußten, daß sie dafür vermutlich ihren Job verlieren würden.
Das diametrale Gegenteil dieses Politikstils führt Angela Merkel auf.
Jede noch so kleine Weichenstellung, die einen Wähler verärgern könnte, lehnt sie ab.
Sie regiert schlicht und ergreifend gar nicht, sondern versteht ihr Amt als PR-Maschine, um sich im guten Licht dastehen zu lassen.
Wenn dabei auch ganz Europa vor die Hunde gehen sollte, ist es ihr egal. 
Merkels Maxime lautet „nach mir die Sintflut“. Das betrifft sowohl zukünftige Regierungen, als auch zukünftige CDU-Parteiführer.
Im Regierungsapparat Merkel darf man sich ungeniert bedienen, Pöstchen ausknobeln, Parteifreunde protegieren und sich die Taschen füllen. 
Qualifikation und Fachkenntnis sind hingegen völlig irrelevant.
Ämterpatronage ist sowohl in den Unions-geführten Ministerien, als auch in den FDP-Häusern die Regel. Der Staat wird als Beute betrachtet.
 Insbesondere wenn der Machtverlust droht, wird noch mal aus dem Vollen geschöpft. In Massen werden in der freien Wirtschaft untaugliche Parteifreund-Luschen mit hochbezahlten verbeamteten Positionen versorgt. 
Ein klarer Fall von „DAS TUT MAN NICHT!“ Das ist unanständig.
Was sich nicht gehört, wußte Helmut Schmidt und hielt sich daran. 
Als ihm 1982 die Abwahl drohte, verdonnerte er alle Ministerien zu einem totalen Beförderungsstopp, so daß noch nicht einmal der Hauch eines Eindrucks entstehen könnte, die SPD wolle verdiente Parteigenossen mit Jobs versorgen.
Der Kontrast zu den Methoden seines Nachfolgers hätte nicht größer sein können.
 Der tumbe Oggersheimer betrieb ungeniert Parteipolitik, verschob Pöstchen, machte sich seine Anhänger mit Jobs und Geldspritzen gefügig. Viele Millionen D-Mark Schwarzgeld raffte er aus dubiosen Quellen zusammen, nur um seine Macht abzusichern.
Der Staat Bundesrepublik wurde unter Bundeskanzler Kohl zur Beute des CDU-Vorsitzenden Kohl. Und wie der Herr, so daß Gescherr.
Als nach 16 Jahren endlich ein Ende der bleiern-bräsigen Kohl-Ära anstand, hatten seine Untergebenen sein amoralisches Regierungsverständnis adaptiert und verteilten ohne jede Skrupel hochdotierte Jobs und sonstige Pfründe an ihre Parteigenossen.

Selten sind Schlüsselpositionen des Staates so ungeniert unter Parteifreunden aufgeteilt worden wie in diesem Jahr im Vorfeld der Wahl. Je näher die Entscheidung rückt und je pessimistischer die Vorhersagen für die Regierungsparteien ausfallen, desto heftiger grassiert in den Bonner Amtsstuben das Wechsel- und Beförderungsfieber. [….] Aber auch für die Zurückbleibenden wird gesorgt. Kohl scheint entschlossen, seinem Nachfolger eine Administration zu hinterlassen, die auf allen Ebenen von Christdemokraten seines Vertrauens durchsetzt ist.
Aktion "Maulwurf" nennt der Bonner Spott die planvolle Unterwanderung der Stellenkegel, die schon im Herbst vorigen Jahres unauffällig angelaufen ist. Wenn die SPD drankommt, werden überall CDU-Boote auf Tauchstation gehen.
Im Kanzleramt sorgt Bohl - ganz "ungeniert" - für seine Leute. [….] Nie zuvor spielte das richtige Parteibuch bei der Besetzung von Regierungsposten eine so wichtige Rolle wie in der 16jährigen Regentschaft Kohls.
1969 gab es einen Sturm der Entrüstung, als Horst Ehmke, Amtschef des ersten SPD-Kanzlers Willy Brandt, flapsig verkündete, er werde im Kanzleramt "mit dem Maschinengewehr" aufräumen. Die Bonner Beamtenschaft blieb auch in 13 sozial-liberalen Jahren konservativ. Brandts damaliger FDP-Innenminister Hans-Dietrich Genscher beließ sogar demonstrativ CDU-Beamte in Spitzenpositionen.
SPD-Kanzler Helmut Schmidt achtete pingelig auf strikte Trennung von Partei- und Regierungsgeschäften. Als sich im Sommer 1982 das Ende der sozial-liberalen Ära abzeichnete, gab er ausdrücklich Weisung: "Keine Beförderungen."
[….] Kohls Möglichkeiten, seine Getreuen mit Jobs zu entlohnen, sind nicht auf Bonner Ämter beschränkt. [….]
Sogar die Deutsche Bahn AG, obwohl inzwischen privatisiert und dem direkten Zugriff der Politik entzogen, muß Abstellgleise für CDU-Spezeln freihalten. Getreue, wie der frühere Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Werner Münch, der langjährige Kohl-Berater Johannes Ludewig und der Berliner Unionsmann Axel Nawrocki, kamen schon bei der Bahn unter. So schafft man sich loyale Freunde.

Als der Machtverlust Kohls in der Wahlnacht 1998 offensichtlich wurde, setzte der charakterlich höchst fragwürdige zukünftige Ex-Kanzler zur nächsten Sauerei an.
 Es begann das große Schreddern. Illegal-scheißegal, aber keiner sollte erfahren durch welche Einflüsse und Geldströme Entscheidungen der Kohl-Regierung, in der eine gewissen Angela Merkel acht Jahre als Ministerin diente, zustande kamen.
Über Wochen vernichteten Kohls Getreue massenhaft relevante Regierungsakten.
 Man spricht heute von den sogenannten „Bundeslöschtagen“.

15 Jahre später sind wir moralisch-politisch endgültig im Kellergeschoß angekommen.
Nun wird ungeniert der schon lange erlegte Staatsbär verteilt.
Merkel‘sche Machtworte sind ohnehin unbekannt, aber eine Anordnung à la Helmut Schmidt 1982, daß jetzt keine Parteifreunde mehr versorgt werden dürften, ist absolut undenkbar von ihr. 
Sie guckt gemächlich zu, wie sich ihre Minister bedienen.
Niebel ist womöglich der dreisteste Minister, der sein ganzes Ministerium zu einer einzigen Verwahrstelle und nutzlosen FDP-Altlasten umstrukturierte.
Aber die anderen sind nicht besser.
Beispiel Friedrich.

Berichte über fragwürdige Personaleinstellungen im Bundesinnenministerium von Minister Hans-Peter Friedrich (CSU) sind nun auch Thema im Bundestag. SPD und Grüne werfen dem Minister vor, bei der jüngsten Besetzung von 24 Stellen nicht allein nach der Eignung der Bewerber, sondern auch nach deren Parteizugehörigkeit und politischen Orientierung entschieden zu haben. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion, Volker Beck, sagte am Mittwoch in der Fragestunde des Bundestages, ihn hätten inzwischen informell Informationen über zweifelhafte Auswahlverfahren im Amt erreicht.
[…]   Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, erhob am Rande der Bundestagssitzung ebenfalls schwere Vorwürfe gegen Friedrich. 'Die Parteibuchwirtschaft schwappt über von Bayern nach Berlin', sagte Oppermann mit Blick auf die Affären um die Beschäftigung von engen Verwandten durch bayerische Landtagsabgeordnete. Die 24 Einstellungen könne man nicht mit der Eignung und der Befähigung der Kandidaten erklären, fügte der SPD-Politiker hinzu, der im Fall eines rot-grünen Wahlerfolges bei der Bundestagswahl am 22. September Nachfolger Friedrichs werden möchte.
(SZ vom 16.05.2013)

Aber natürlich ist Friedrich schon von seinem Parteibuch her unfähig Anstand zu wahren.
Für CSU’ler, die sich als Vertreter einer Staatspartei fühlen, ist es ohnehin üblich sich auf Steuerzahlerkosten zu bedienen.

In der Verwandtenaffäre im bayerischen Landtag stehen jetzt 34 Abgeordnete unter besonderem Verdacht: Offenbar schlossen sie noch schnell vor einem Verbot der Beschäftigung von Familienmitgliedern entsprechende Verträge mit Verwandten ab - um von einer Ausnahmereglung zu profitieren.
[…]  Seit dem Jahr 2000 hatten sich insgesamt 79 Abgeordnete eine Regelung zu Nutze gemacht und Familienangehörige auf Staatskosten beschäftigt - vor allem CSU-Politiker. […]  Der "Abendzeitung" zufolge trägt Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) nicht sonderlich zur Aufklärung der Angelegenheit bei. Auf eine entsprechende Anfrage reagierte sie mit dem Verweis, dass sich der Oberste Rechnungshof (ORH) der Sache angenommen habe. Während der Prüfzeit des ORH wird es "keine weiteren Verlautbarungen zu Einzelheiten des Prüfungsgegenstandes geben".

Mittwoch, 15. Mai 2013

Kriegsnotwendigkeiten



Meine deutsche Oma war eine sehr elegante Frau; eine Dame, nach der man sich umsah.
 In den 1930er Jahren fuhr sie ein Cabrio und zwar richtig flott. Hinten ließ sich eine kleine Notsitzbank ausklappen, auf der meine Tante und mein Onkel Platz nahmen.
Als Adolf Hitler ihr das Auto als „kriegsnotwendig“ konfiszierte, hieß es Bahn fahren, bzw zu Fuß gehen. 
Wieder.
Schon im ersten Weltkrieg, als meine Oma wirklich eine der ganz wenigen autofahrenden Frauen war, hatte man ihr das Auto weggenommen.
Meine Oma war eine jener Frauen, die bis ins hohe Alter Auto fuhren. Noch im 19. Jahrhundert geboren, hatte sie nie die Notwendigkeit erkannt das Autofahren aufzugeben. 
Als Kind liebte ich es mit ihr umher zu fahren. Sie besaß bis in die 1980er Jahre einen olivgrünen VW-Käfer, den ich äußert schick fand. 
Wie so viele Frauen ihrer Generation war meine Oma sehr sparsam; wenn ich mit ihr einkaufen fuhr kaufte sie immer nur kleinste Mengen. Aber ihr eigenes Auto wollte sie unbedingt behalten.
Allerdings bedauerte ich  ein wenig, daß der Käfer kein Cabrio war. Ich wäre auch gerne offen gefahren. 
Sie hatte mir oft erzählt, daß sie früher ein Cabrio gefahren war, das dann aber „im Krieg“ verloren ging.
Als Kind bekam ich den Ersten und Zweiten Weltkrieg durcheinander. Was wann stattfand, konnte ich nicht genau auseinander halten.
 Wir waren aber eine der Familien, in der über die Vergangenheit gesprochen wurde.
Vielleicht wurde das dadurch erleichtert, daß der deutsche Teil meiner Familie zufällig nicht zu denen gehörte, die Schuld auf sich geladen hatten. 
Heldenhafte Widerstandskämpfer waren sie nicht, aber mein Opa wurde denunziert, weil er sich mehrfach für das Wohl russischer Kriegsgefangenen eingesetzt hatte, sie mit besonderer Achtung behandelte und dafür sorgte, daß sie genug zu essen hatten. Meine Oma wurde zur Gestapo geladen, weil sie demonstrativ weiter in jüdischen Geschäften einkaufte, als das längst geächtet war.
Der amerikanische Teil meiner Familie stand logischerweise ohnehin auf der Seite der Hitlergegner.
Es war also leichter für meine Großeltern über „den Krieg“ zu sprechen.
Ich wunderte mich nur, daß meine Oma so gelassen ob ihrer konfiszierten Autos blieb. 
Als Kind fand ich das nämlich ungerecht und war der Meinung sie sollte das Cabrio wiederbekommen, so daß wir damit zusammen fahren könnten.
Erwachsene sind schon eigenartig, dachte ich.
Wieso stört es sie denn gar nicht, daß der schöne Wagen weg war?
Als Kind versteht man natürlich zeitliche Abstände nicht.
 Im  Garten meiner Oma gab es einen unterirdischen Bunker. Ziemlich verfallen und muffig. Er sah aus wie eine Erdhöhle, die Tür bestand aus verwitterten, morschem Holz und war verschlossen. Leider, denn so etwas entwickelt natürlich magische Anziehungskraft auf kleine Kinder. Innen gab es eigentlich nichts zu sehen, aber er hatte gemauerte Wände, bot also durchaus Stabilität. Mehr als der Keller im Haus.
Ich wußte aus Erzählungen welche Teile des Hauses durch Splitterbomben zerstört worden waren, daß meine Tante gelegentlich bei Fliegeralarmen zu faul war hinunter in den Bunker zu gehen und einfach in ihrem Bett liegen blieb. 
Auch das verstand ich nicht. Der Bunker war doch super – ich wäre dort gerne reingegangen.
Wie es sich auf die Psyche auswirkt, wenn man über Jahre andauernd in den Bunker rasen mußte, bedachte ich natürlich noch nicht. Auf mich wirkte das alles eher wie ein Abenteuer.
Früher war was los in dem Garten.
Richtig doof am Krieg war nur, daß das schöne Cabrio meiner Oma, ihr ganzer Stolz, weggenommen wurde.
Erst nach dem Tod meiner Oma ging mir so richtig auf, daß ihr das Auto relativ unwichtig war – verglichen mit dem Umstand, daß sie ihren ersten Sohn als Säugling im ersten Weltkrieg verloren hatte, weil sie keine Medikamente für ihn bekommen konnte und daß auch ihr zweiter Sohn 1944 im zweiten Weltkrieg blieb.
Aber meine beiden Onkel kannte ich natürlich nicht und konnte mir nicht so recht vorstellen, was das für Leute waren. 
Ein Cabrio war da viel konkreter.
 Und da meine Oma mich liebte, verschonte sie ihren kleinen Enkel eben doch mit ihrem Kummer über ihre verstorbenen Söhne.

Ich glaube, ich mußte erst erwachsen werden, um mir zu vergegenwärtigen wie beschissen es für die Generation meiner Oma gewesen sein muß Kinder zu verlieren.
Ein Schicksal, das perverserweise vollkommen üblich war. 
17-18 Millionen Menschen wurden im ersten Weltkrieg gekillt, gute 60 Millionen Tote produzierte der zweite Weltkrieg. Wer wie meine Großeltern Ende des 19. Jahrhunderts geboren worden ist, hatte eine richtig üble Zeit vor sich.
Lange Zeit habe ich gedacht, so ein sinnloses gegenseitiges Abschlachten wäre zumindest in der EU nicht mehr möglich. 
Würden nicht französische und deutsche Soldaten massenhaft desertieren, wenn Angie und Hollande sich gegenseitig den Krieg erklärten?
Das würde doch heutzutage keine Armee mehr mitmachen.
Ganz so sicher bin ich mir inzwischen allerdings nicht mehr, wenn ich betrachte wie sehr eine finanzielle Krise überall in der EU europafeindliche Stimmungen produziert, wie ein ganzen Land, nämlich Ungarn der rechtsextremen Politik anheimfällt, wie bereitwillig die Wähler überall tumb agitierenden Xenophoben ihre Stimmen geben, wie schnell Merkel zur meistgehassten Frau Europas avancieren konnte und wie wenig die Deutschen die Stimmungen in Südeuropa zur Kenntnis nehmen.
Und wie locker immer wieder zu Kriegseinsätzen gedrängt wird. 
 Mali, Libyen, bald Syrien und übermorgen der Iran?
Was ist mit dem Sudan?
Die vielen Waffen, die in immer größerer Zahl produzier und exportiert werden. 
Die angebliche Notwendigkeit für die Bundeswehr sich Kampfdrohnen zu verschaffen.
Wenn Deutschland in den nächsten Jahren in eine massive Rezession schlittern sollte, was angesichts der völligen Untätigkeit der Bundesregierung durchaus möglich ist, möchte ich nicht wissen wie radikalisiert hier die Stimmung werden könnte.
Was wäre hier los, wenn 50% oder 60% der jungen Leute ohne Job auf der Straße ständen und dann irgendwelche rechten Schreihälse gegen die anderen EU-Länder Stimmung machten?
Was dann wohl wieder alles als „kriegsnotwendig“ erachtet wird?

Auch 70 Jahren nach dem Ende des WK-II herrscht noch sehr bizarres Gedankengut in einigen Politköppen.
Osakas Bürgermeister Toru Hashimoto steckt noch mitten in der Gedankenwelt aus „Kriegsnotwendigkeiten.“
Ähnlich wie die angebliche so ehrenhafte deutsche Wehrmacht, hatte die kaiserlich-japanische Armee überall Bordelle eingerichtet, in denen die Frauen der überfallenen Länder zwangsprostituiert wurden. 
Rund 200.000 Frauen hauptsächlich aus China und Korea wurden als Sexsklavinnen der Japaner gehalten und wurden jahrelang von japanischen Soldaten vergewaltigt.
 Nicht unbedingt ein Ausweis kultureller Überlegenheit und menschlichen Anstandes, aber „notwendig“ – soweit Toru Hashimoto.

China zeigte sich darüber schockiert. Die in Japan euphemistisch "Trostfrauen" genannten Zwangsprostituierten aus Korea, China und anderen Ländern hätten der Wahrung der Disziplin im Militär gedient, sagte der nationalistische Bürgermeister der Millionenstadt Osaka, Toru Hashimoto, laut Medienberichten. "Wenn man Soldaten, die unter Bedingungen, bei denen Kugeln herumfliegen wie Regen und Wind, ihr Leben riskierten, ausruhen lassen will, war ein System der Trostfrauen notwendig. Das ist jedem klar", sagte der im Volk beliebte Hashimoto demzufolge am Vortag zu Reportern in Osaka.[…] China übte scharfe Kritik an den Äußerungen Hashimotos, der zusammen mit dem nationalistischen Ex-Gouverneur von Tokio, Shintaro Ishihara, eine konservative Partei anführt. Die Zwangsprostitution sei ein schweres Verbrechen gewesen, erklärte das Außenministerium in Peking und mahnte, Japans Zukunft hänge vom Umgang mit seiner Vergangenheit ab.

[…]  Sex zum Abbau von Stress für Soldaten hält der Bürgermeister von Osaka für notwendig. Kürzlich schlug er laut Medien sogar einem US-Kommandeur im südjapanischen Okinawa, wo es wiederholt zu Vergewaltigungen durch US-Soldaten gekommen war, vor, die US-Soldaten sollten von Japans legaler Sex-Industrie reichlich Gebrauch machen.

Wat mut, dat mut.

Dienstag, 14. Mai 2013

Loving Christians Teil II



1987 war ich mal ein paar Tage in Beograd, fuhr durch das noch nicht zerbombte Serbien.
Das war richtig nett. Im Gegensatz zu den Nachbarländern, war nach meinem Eindruck die Stimmung einfach prächtig.
Die Leute hatten gute Laune. Sogar die Fahrten in den Trabbi-Taxis machten Spaß, weil die Fahrer immer vor Geschichten sprudelten.
Abends feierte man und ließ es sich in der wunderschönen Altstadt gut gehen.
Nun ja, offenbar habe ich mich ein wenig blenden lassen. Die folgenden Jahre verliefen bekanntlich ein wenig suboptimal in der Gegend.
Aber es ist eigenartig, wie ein paar persönliche Eindrücke als nachhaltige Vorurteile hängen bleiben.
Ich bin immer noch von einer Grundsympathie gegenüber Serben durchdrungen und registriere vermutlich Meldungen, die in mein Vorurteil passen, stärker als andere.
Kürzlich blieb ich in der Süddeutschen Zeitung kurz im Sportteil hängen (ich schäme mich auch) und las einen Artikel über den serbischen Top-Ten-Spieler Janko Tipsarevic. Er sei „Feingeist der Tennisszene“!

Er selbst hat ein Faible für anspruchsvolle Literatur, trägt Tätowierungen mit Sprüchen von Schopenhauer und Dostojewski, seine gespiegelte Brille ist sein anderes Markenzeichen. Ein serbisches Männerheft kürte ihn jüngst zum "Man of the Year".

[…]  Tipsarevic ist Malocher und Feingeist. Patriot und Weltbürger. Verschlossen und offen. Er liest Bücher über Psychologie. Und den Herrn der Ringe. Er spielt mit der Presse. Und verdammt sie. Er hängt mit Star-DJs wie Steve Angello ab. Und setzt sich für krebskranke Kinder ein. "Das Leben ist nicht schwarz oder weiß", sagt er, "es ist grau." […]  Tipsarevic kann herrlich selbstkritisch sein. Auf seiner Homepage hat er mal eine Art Brief verfasst, der an den jungen Tipsarevic gerichtet war. Er liest ihm regelrecht die Leviten.  Ein andermal hat er eingeräumt, er müsse mit der schweren Literaturkost kürzer treten. Die schweren Gedanken würden nur Zweifel fördern, und das kann man sich bei ihm tatsächlich gut vorstellen: Wie es in ihm brütet. Wenn er redet, redet er wohlbedacht, formuliert auch in Englisch anspruchsvolle Sätze, die selten stereotyp wirken. Was aber nicht bedeutet, dass er schlanke Gedanken nicht auch draufhätte. Als er in München gefragt wird, wie es zu seiner Tätowierung des Dostojewski-Spruchs "Schönheit wird die Welt retten" kam, der in japanischer Schrift den Unterarm ziert, sagt er verschmitzt: "Ich habe damit begonnen und konnte ja schlecht mittendrin aufhören." Humor hat dieser formidable Typ auch.

In der Tennis-Top-Ten gibt es einen zweiten, noch sehr viel bekannteren Serben, nämlich die Nummer 1, Novak Đoković. 
Nein für Tennis, interessiere ich mich wirklich nicht, aber selbst ich habe mitbekommen, daß Đoković nicht mit den herkömmlich tumben deutschen Sportlern zu vergleichen ist. 
Er spricht sechs Sprachen (sic!) fließend, kennt sich mit Kunst und Mode aus, tritt als UNICEF-Botschafter auf, brilliert als Sänger, führt eine Restaurantkette, unterhält die Weltpresse mit genialen Statements und ist nebenher auch noch der mit Abstand komischste Tennisspieler, der mit seinen Parodien und Schauspieleinlagen die Menschen rund um den Globus in Verzückung geraten läßt.

Mit Grausen denkt man da an die Doofbratze Boris Becker, dessen Twittermitteilungsdrang in diametralen Gegensatz zu seiner Bildung steht, so daß er sich immer wieder als Depp der Sportlerwelt enttarnt.

Also, Beweisführung abgeschlossen: Serbien ist toll!

Allerdings. (Es gibt ja immer ein „aber“)
Allerdings gibt es da einen kleinen Wermutstropfen. 
Die Serben sind natürlich auch religiös. Zu den gut sieben Millionen Serben gehört auch die Serbisch-Orthodoxe Kirche (serbisch Српска Православна Црква/Srpska Pravoslavna Crkva, abgekürzt СПЦ/SPC) und die Leute haben schwer einen an der Waffel.

Das Patriarchat in Belgrad sieht sich immer noch als eine Art Nationalkirche Großserbiens, bzw Großjugoslawiens und läßt keine Gelegenheit unversucht Streit anzufangen.
Gegen Homosexuelle zu hetzen, ist da nur eine Fassette des Hasses, den serbisch-orthodoxe Popen und Bischöfe zu bieten haben.
Aber von vorn.
Als Kirche des Königreichs Jugoslawien hatte die SPC im zweiten Weltkrieg unter der extremen Brutalität der katholischen Ustascha-Faschisten in Kroatien zu leiden.
Die extra aus dem Vatikan angereisten Folterspezialisten der Kroaten gingen so unfassbar gewalttätig gegen die orthodoxen Serbenchristen vor, daß vereinzelt die deutsche SS eingriff, um das Morden zu stoppen. 
Was die Katholiken anrichteten, war selbst den Nazis unter dem Totenkopfsymbol zu grausam.
Hunderte Priester wurden von Katholiken zu Tode gefoltert.
Diese Opfer führten aber zu einem für den kommunistischen Teil der Welt extrem freundlichen Umgang der Tito-Sozialisten mit der SPC. 
Man hatte auf derselben Seite gegen die katholischen Faschisten gekämpft. 
Die SPC wurde im Jugoslawienkrieg der 1990er Jahre zu einem extrem nationalistischen Spieler.
Patriarch Pavle der serbisch-orthodoxen Kirche reichte den Hauptkriegsverbrechern Radovan Karadžić und Ratko Mladić nur wenige Tage nach dem Massaker von Srebrenica geweihtes Brot. 
Wie so oft in der Geschichte der Menschheit, stehen christliche Kirchen eher an der Seite von Unterdrückern und Diktatoren und agitieren gegen deren Opfer und Freiheitsbewegungen.
 Wir kennen das aus Südamerika und auch die Syrischen Christen unterstützen das Assad-Regime.

Inzwischen hat Serbien eine demokratisch gewählte Regierung und die mögen einige Bischöfe gar nicht. 
Sie stehen an der Seite der extremen Nationalisten.
 Elf Millionen Serben weltweit bekennen sich zu dieser SPC.
Zwei Bischöfe haben in Serbien einen handfesten Skandal ausgelöst: Die Geistlichen drohten der Regierung in Belgrad und dem Parlament mit dem Tod, unter anderem mit einer symbolischen Totenmesse. […] Es muss ein gespenstischer Auftritt gewesen sein: Die serbischen Bischöfe Amfilohije und Atanasije lasen am Freitag bei einer Demonstration von Nationalisten in Belgrad eine Totenmesse für die Regierung und das gesamte Parlament.

Sie beließen es nicht bei dem symbolischen Akt, sondern drohten Regierungschef Ivica Dacic direkt mit einem ähnlichen Schicksal wie dem vor zehn Jahren ermordeten ersten demokratischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic. Am Samstag legte Amfilohije nach: "In der Regierung soll alles das absterben, was krank ist", sagte er der Zeitung "Politika".
Ganz reizend. Aber wenig überraschend, denn schon immer waren hohe Kleriker Meister im Verdrehen von historischen Fakten, Erschaffen von Mythen und logen sich die Welt so zu Recht, wie man am besten Hass und Zerstörung verursachen kann. 
Versöhnung mit ehemaligen Kriegsgegnern bekämpfen die Antagonisten der Nächstenliebe mit allen Mitteln.
Serbische Nationalisten und die serbisch-orthodoxe Kirche hatten auf den Belgrader Platz der Republik gerufen. Unter der Losung 'Wir bleiben in Serbien!' protestierten am vergangenen Freitag rund 3500Menschen friedlich gegen ein Abkommen Serbiens mit Kosovo. Doch dann traten zwei Bischöfe auf - und lösten einen politischen Feuersturm aus. Bischof Amfilohije schimpfte über das Abkommen zwischen Serbien und Kosovo, das auf Druck der EU zustande gekommen war. […] Doch sein Bischofskollege Atanasije setzte noch eins drauf.  […] Der streitbare Bischof [zog] eine Parallele zwischen Regierungschef Dacic und dessen 2003 wegen entschlossener Reformen ermordeten Amtsvorgänger Zoran Djindjic. 'Dacic interessiert das himmlische Reich nicht. So hat auch Djindjic gesprochen, und wie er geendet ist, möge Gott richten.'  […] Der Einfluss [der SPC] auf viele der gut sieben Millionen Einwohner des EU-Beitrittskandidaten Serbien ist kaum zu überschätzen: Einer Politika-Umfrage zufolge genießt die Kirche das höchste Ansehen aller gesellschaftlichen Institutionen - weit vor Regierung, Justiz oder Armee. […] Niemand hat über Jahrhunderte den Opfermythos eines allzeit bedrohten Serbien so gepflegt und trat dabei oft gleichzeitig für serbische Vormacht und Expansion ein wie die orthodoxe Kirche. Sie steht in byzantinischer Tradition und sieht sich ausdrücklich als Staatskirche. […] Schon 1982 trommelten führende Kirchenvertreter - darunter der heutige Patriarch Irinej Bulovic - zum Widerstand gegen einen angeblichen 'langsamen, gut geplanten Genozid' am 'serbischen Volk in Kosovo'. […] Mit einer Hetzserie bereitete der Mönchstheologe Atanasije Jevtic - der heute so radikale Bischof - im Kirchenorgan Pravoslavije 1983/84 mit erfundenen Vergewaltigungen serbischer Frauen durch Kosovo-Albaner und anderen Genozid-Schauermärchen den geistigen Boden für den späteren Krieg in Kosovo mit vor. […] Auch den Krieg in Kroatien und in Bosnien-Herzegowina bereitete die Kirche mit vor und unterstützte ihn. Die Bischöfe sahen im Autokraten Slobodan Milosevic 'das Versprechen ihrer Fantasien über einen Großserbischen (und Orthodoxen) Staat', stellte die Serbienforscherin Sabrina Ramet in einer Studie über die 'Politik der Serbisch-Orthodoxen Kirche' fest. […] Als im Bosnienkrieg Srebrenica 1995 in die Hände serbischer Einheiten fiel und Kommandeure ankündigten, Moscheen zu zerstören, feierte der orthodoxe Bischof Vasilije-Kacavenda das 'Wunder und die Gnade Gottes, dass die tapferen Kämpfer in drei Tagen die serbische Erde befreit haben, die von Türken besetzt war'. Die Kirche trat auch gegen das Abkommen von Dayton auf, das den Krieg in Bosnien beendete, weil damit das Projekt Großserbien erst einmal gestoppt war.

Bis heute verbreitet die serbisch-orthodoxe Kirche ihre Mythen und Verfälschungen im Religionsunterricht, auch staatliche Fernsehsender und viele Zeitungen multiplizieren sie unreflektiert. […] Nicht nur radikale Bischöfe wie Amfilohije und Atanasije greifen gern in die Politik ein. Ihr Oberhaupt, der Patriarch selbst, steht kaum zurück, wenn es um homophobe Parolen geht oder darum, die EU zu geißeln, wenn sie von Serbien Verhandlungen über eine Normalisierung der Beziehungen mit Kosovo fordert. Anfang April zog Patriarch Irinej gegen eine Einigung mit Kosovo zu Felde. […]
 (Florian Hassel, SZ vom 14.05.2013)