Mittwoch, 19. Dezember 2012

Das ist doof!


Man kann es auch ganz ohne Substanz und Hintergrundwissen weit bringen, hoch geachtet werden und auf Top-Positionen hocken.
Dazu braucht es nur Chuzpe, Kamerageilheit, Selbstverliebtheit und eine Begabung zum Blender.
Gauck, Wulff und Guttenberg sind solche Typen.
Drei, die sich mit heißer Luft aus ihren eigenen Fürzen zum Popanz aufgeblasen haben.

In Deutschland gibt es eine lange Historie der Adoration von Pfeifen, Pfaffen und Pfuschern.*
Gauck auf Guttenbergs Spuren
„Statt in Afghanistan für eine sofortige Beendigung der militärischen Auseinandersetzungen zu werben, propagiert Bundespräsident Gauck eine Fortsetzung des Krieges“, so Wolfgang Gehrcke, Mitglied im Vorstand der Fraktion DIE LINKE, zum Abschluss des Weihnachtsbesuchs von Bundespräsident Gauck in Afghanistan. Gehrcke weiter:
„Zum Kriegsgetöse gehörte zu allen Zeiten, dass Präsidenten und Oberbefehlshaber den ‚Soldaten im Felde‘ Tannenbäume und Weihnachtspost überbrachten. Zu Guttenberg als Verteidigungsminister verband seinen Weihnachtsbesuch mit einer Fernsehshow, Gauck hält in Afghanistan Predigten. Aber von der Weihnachtsbotschaft ‚Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen‘ ist er weit entfernt. In Afghanistan herrscht weder Friede, noch sind die Zustände in dem Land so, dass sie Menschen gefallen könnten.
Gaucks Afghanistanbesuch ist die präsidiale Begleitmusik zur Verlängerung des ISAF-Mandates durch den Bundestag. Darauf können die Menschen in Afghanistan und auch die deutschen Soldaten gut verzichten. Der Abzug der Bundeswehr ist die einzig sinnvolle Alternative. Und wäre eine wirklich gute Weihnachtsbotschaft nicht nur für die Soldatinnen und Soldaten.“ 

(Pressemitteilung der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, 19.12.2012)
Neben den üblichen CDU-Vollpfeifen hat gerade das Bundesverteidigungsministerium, welches als Schleudersitz gilt, erstaunlicherweise auch immer wieder sehr gute Minister hervorgebracht: Leber, Schmidt und Struck nämlich.

Als Peter Struck 2009 aus dem Bundestag ausschied, war er einer der wenigen Politiker, die ich wirklich vermisste.
Ich schrieb echte Lobeshymnen auf ihn und konstatierte, daß sogar die von Struck nicht unbedingt heiß geliebte Angela Merkel seine überragenden Qualitäten schätzte.

Seine politischen Erinnerungen, So läuft das. Politik mit Ecken und Kanten. Propyläen, Berlin 2010, bilden eins der wenigen Politikerbücher, die wirklich sehr aufschlußreich und kurzweilig sind.

Und nun das; heute hat ein Herzinfarkt den notorischen Raucher Struck wenige Tage vor seinem 70. Geburtstag weggerockert.

SHIT!
Er war einer von den Guten.

Genau das Gegenteil der oben genannten Mehr-Schein-als-Sein-Blender, die es im ständigen Bestreben sich selbst zu inszenieren vor jede Kamera drängt.
Struck hat eher weniger als mehr gesagt, sich komplett aus der Yellow-press herausgehalten und erkennbar nicht den geringsten Wert darauf gelegt sich in Partei und Volk beliebt zu machen.
 Er war Sachpolitiker, der rational und mit einem enormen Kenntnisstand agierte.
Es kam immer wieder vor, daß andere Politiker abfällig über diesen eher unnahbaren, wenig kumpelhaft wirkenden Hintergrundwerker sprachen. 
Auch Gerhard Schröder hat diese Gelassenheit lange mit Gleichgültigkeit oder Desinteresse verwechselt. Struck organisiere in der Bundeshauptstadt Bonn „das Kartell der Mittelmäßigkeit“, ätzte der damalige niedersächsische Ministerpräsident in den 90er Jahren über seinen Landsmann Struck, nachdem der ihm die Fähigkeit zum Kanzlerkandidaten abgesprochen hatte. Als Struck Fraktionschef und Verteidigungsminister war, schätzten sich die beiden dann allerdings sehr.
(Tagesspiegel 19.12.12)
Nach den Plantsche-Bildern auf Mallorca, die der liebestolle Scharping mit seiner „Gräfin“ in der Bunten abdrucken ließ, mußte Struck als Verteidigungsminister eine völlig verunsicherte Truppe übernehmen, die zudem auch noch das erste mal mit den Beinen in einem richtigen Krieg außerhalb Europas steckte.
Ihm gelang das eigentlich Ungelingbare: Struck erwarb enormes Vertrauen in der Generalität, bei den einfachen Soldaten und im Parlament.
Er wurde ein extrem beliebter Verteidigungsminister, den die Truppe mochte, weil er keine wolkigen Sprechblasen abließ. Auf sein Wort war absoluter Verlass. 

Ich werte es als besondere Ehre, daß die kriegerische US-Zicke Donald Rumsfeld sich über Jahre weigerte dem deutschen Amtskollegen die Hand zu geben.

 Seine Parlamentskollegen scheinen ehrlich „betroffen“ zu sein. CDU’ler äußern sich auffällig positiv. SPD’ler verehrten ihn sowieso. 
Wir verlieren nicht nur einen großen Politiker, einen der für viele Menschen im Land ein  Vorbild war. Wir verlieren einen Freund, einen engen Weggefährten, einen
Mann voller Herzenswärme, Humor und Lebensklugheit.
Zweimal wurde Peter Struck an die Spitze der Fraktion gewählt, als einziger
Fraktionsvorsitzender seit Gründung der Bundesrepublik. Er genoss von Anfang
an hohe Anerkennung in der Fraktion. Und über die Jahre wurde aus
Anerkennung tiefe Zuneigung. Die Menschen mochten ihn für seine Offenheit,
Geradlinigkeit und für seine klaren Ansagen.
(SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier)
 Aber auch die Kleinen sind selten einmütig:
In Peter Struck verliert unser Land einen großen Sozialdemokraten und leidenschaftlichen Parlamentarier. Sein Spruch, dass kein Gesetz den Bundestag so verlasse wie es hineingekommen sei, wurde als ,,Struck'sches Gesetz" zum geflügelten Wort. Als Vorsitzender der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag von 1998 bis 2002 und danach als Bundesminister der Verteidigung trug er entscheidend zum Zustandekommen und Erfolg der rot-grünen Regierungskoalition bei. Wir erinnern uns mit Dankbarkeit an eine faire und partnerschaftliche Zusammenarbeit.
(Die Grünen-Fraktionschefs Jürgen Trittin und Renate Künast 19.12.12)

Tiefe Trauer über den Tod von Peter Struck
Zum plötzlichen Tod von Peter Struck erklärt der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE, Gregor Gysi:
Über viele Jahre konnte und durfte ich mit Peter Struck zusammenarbeiten. Er war fleißig, engagiert und verlor nie das Gefühl für die Situation der Bevölkerung, für Menschen in Armut. Er konnte sich freundschaftlich, kollegial und solidarisch verhalten, inzwischen eher eine Rarität in der Politik. Er besaß auch Humor und war lebenslustig, fuhr – für mich völlig unverständlich – gerne Motorrad. Wir sollten versuchen, ihn mit seiner Lebenslust in Erinnerung zu behalten.
Seinen Angehörigen drücke ich mein tief empfundenes Beileid aus.
(Pressemitteilung der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, 19.12.2012)

Die Nachricht von Strucks Tod habe ihn und alle Fraktionsmitglieder "persönlich tief getroffen", sagte der FDP-Fraktionsvorsitzende Brüderle. Der ehemalige Verteidigungsminister und langjährige Vorsitzende der SPD-Fraktion bleibe "als leidenschaftlicher Parlamentarier und vorbildlicher Demokrat" in Erinnerung, der "fair und kollegial über Fraktions- und Koalitionsgrenzen hinweg" mit den Liberalen zusammengearbeitet habe. "Unsere Gedanken sind jetzt insbesondere bei seiner Familie."
(liberale.de 19.12.12)
 Kritische Töne sind auch in den Kommentaren kaum zu finden; die Journaille verneigt sich.
Die Beschreibungen als knorriger Typ, die gefielen ihm. Sein Charakter hob ihn auch ab von den jüngeren Abgeordneten in der eigenen Partei, aber auch im Parlament insgesamt, deren Glattheit und Karrierebewusstsein er mit wachsender Skepsis sah. […]

Parlamentarier war er mit Begeisterung: "Es gibt nichts Höheres", hat er einmal gesagt. Das Struck'sche Gesetz, wonach kein Gesetz aus dem Parlament so herauskommt, wie es als Entwurf hineingegangen ist, war auch Ausdruck des großen Selbstbewusstseins als Parlamentarier. […] Als Verteidigungsminister entließ er ohne viel Federlesens suspekte Traditionalisten aus der Bundeswehr, was ihm Respekt verschaffte. […]

Er hatte über all die Jahrzehnte einen Schlaganfall und zwei Herzinfarkte. Der Mann hätte sich auch mal schonen können, ja müssen. Aber das wollte er nicht. Einem dritten Herzinfarkt ist er am Mittwoch erlegen.

Peter Struck war sturmfest, erdverwachsen, ein Raubauz und feiner Kerl. Es gibt wohl wenige Akteure im Berliner Polit-Betrieb, die die überraschende Nachricht von Peter Strucks Tod nicht betroffen macht. Der langjährige SPD-Parlamentarier wirkte nach außen oft knorrig und unnahbar, in Wahrheit war er aber ein echter Kumpeltyp, einer, mit dem man Pferde stehlen konnte, wie es so schön heißt.

[…] Nur mit Angela Merkel wurde er nie warm. Mit der Kanzlerin legte sich Struck zu Zeiten der Großen Koalition als SPD-Fraktionschef oft und gerne an. Seine Poltereien gegen Merkel waren legendär und sorgten bei den Genossen in der sonst so freudlosen Koalition stets für beste Stimmung. Immer wieder warf er ihr öffentlich Führungsschwäche vor. Auch im Koalitionsausschuss gerieten sie aneinander. Struck gestand offen: "Sie kann mich nicht leiden und ich sie nicht."

[…] Obwohl es anfangs Zweifel gab, ob Struck der richtige Mann für den Schleudersitz auf der Hardthöhe war, verschaffte er sich schnell Respekt. Seine offene, direkte Art kam bei Offizieren und einfachen Soldaten gleichermaßen gut an. Struck war unentwegt bei der Truppe unterwegs und warb daheim für die Auslandseinsätze der Bundeswehr. Er war ein Kümmerer, einer, der die Sorgen der Soldaten ernst nahm. Wer ihn in seinem Büro besuchte, konnte da stets eine liebevoll aufgebaute Sammlung an Abzeichen, Wimpeln, Mützen und anderem Militär-Nippes bewundern. Wenn er über seine Truppenbesuche berichtete, geriet er regelrecht ins Schwärmen.

[…]  Im Gegensatz zu vielen anderen Politikern schaffte Struck ein elegantes Karriereende: Er wurde nicht aus dem Amt gedrängt, sondern bestimmte selbst den Zeitpunkt des Aufhörens. […] Eine andere von Strucks Passionen war das Motorradfahren. Es konnte einem passieren, dass man als Journalist zum Interview verabredet war und Struck erschien in voller Motorradmontur. "Los, stellt mal eure Fragen. Ich fahr gleich noch eine Runde", erklärte er dann trocken.

Jetzt hat Peter Struck seine letzte große Fahrt angetreten. Viel zu früh, leider.
 Zum Schluß noch ein paar echte Strucks:
     "Kein Gesetz verlässt den Bundestag so, wie es eingebracht wurde."
Struck als Fraktionschef im Jahr 1999

    "Diskussionsfreude finde ich gut. Eine stumme Partei ist 'ne dumme Partei."
SPD-Fraktionschef Peter Struck 2007 über die Debatten in seiner Fraktion

    "Jede Fraktionssitzung ist jetzt ein kleiner Parteitag."
Struck würdigt 1999 die neue Diskussionskultur in der SPD, nachdem Gerhard Schröder Parteichef geworden ist.

    "Die kann mich mal."
Struck als SPD-Fraktionschef 2008 an die Adresse der CDU, die forderte, er solle sich entschuldigen. Struck hatte Hessens Ministerpräsident Roland Koch unterstellt, über eine U-Bahn-Attacke ausländischer Jugendlicher auf einen Rentner froh zu sein.

    "Es ist schon ein hartes Brot, mit diesen Schwarzen da in Berlin zu regieren, das kann ich euch sagen!"
SPD-Fraktionschef Struck über die sozialpolitischen Forderungen der Linken

    "Sie kann mich nicht leiden und ich sie nicht."
Struck über Kanzlerin Merkel, 2009

    "Dafür hätte er nicht nach Amerika fahren müssen. Es sei denn, er hat Wert auf die Fotos am Times Square gelegt."
Struck im Jahr 2009 zu den Ergebnissen der Gespräche von Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) mit dem Opel-Mutterkonzern General Motors in den USA



*Das gilt übrigens auch für viele andere Berufe.
Man denke nur an die ungeheuer beliebten und viel beschäftigten Schauspieler, wie Veronica Ferres und Til Schwaiger, die beide ebenso Mimik- wie Talent-los mit ihrer extrem unangenehmen Persönlichkeit nerven.
Von deutschen Popmusikern will ich gar nicht erst anfangen.

Dienstag, 18. Dezember 2012

Theoretisches.....



Zu den schöneren Erinnerungen meines Studienbeginns gehört „die große AC“.
Angewandte und anorganische Chemie im großen Hörsaal A der Anorganischen Chemie.
Ich glaube, der Saal ist deutlich größer als das Audimax und im Gegensatz zu den rumpeligen Geisteswissenschaftlern funktionierte alles. Da waren keine Stühle kaputt, keine Bänke beschmiert. Die Licht- und Tonanlage waren topp.
Der Prof war einer der beliebtesten des Fachbereichs, weil er Vorlesungen so gestaltete, wie sie am Anfang sein sollten. Leicht genug, daß jeder folgen konnte, strukturiert, brillantes ordentliches Tafelbild und dazu gab es auch noch lustige Anekdoten. Das Beste waren natürlich die Experimente, die stets spektakulär waren und erstaunlicherweise immer klappten.
 Nachdem ich einmal eine Geschichtsstudentin und später einen Romanistikstudenten mitgenommen hatte, um ihnen zu zeigen, was ich geboten bekam, saßen immer wieder „Artfremde“ in unseren Reihen, die aus reinem Vergnügen zusahen.
(So eine Vorlesung ist natürlich noch viel entspannter, wenn man nicht in wöchentlichen Kolloquien über den Stoff ausgequetscht wird und nicht nachmittags im Labor selbst knallen, kochen und stinken mußte.)

In der allerersten Stunde wurden die verschiedenen Atommodelle vorgestellt.
Ein Teilchenmodell hatte schon vor 2500 Jahren Demokrit postuliert.
Dalton (1803), Philipp Lenard (1903), Hantaro (1904), Rutherford (1911), Bohr (1913), Bohr-Sommerfeld (1916) und weitere hatten die Theorien immer mehr verfeinert und durchdacht.

Es ist pädagogisch sinnvoll so anzufangen. Es gibt einen hübschen historischen Überblick über die eigene wissenschaftliche Disziplin und zeigt ganz nebenbei exemplarisch wie die Wissenschaft funktioniert.
Genaue Beobachtung der Natur und der Versuch diese Beobachtungen zu verstehen, zu beschreiben, indem man eine Theorie entwickelt, welche entsprechende Voraussagen machen kann.

Tatsächlich gelang es immer wieder, lange bevor man die Technik besaß irgendetwas wirklich sichtbar zu machen eine Vorstellung zu entwickelen, wie etwas aussehen müßte, um so zu reagieren, wie man es beobachtet.

Die Natur bleibt aber immer der Maßstab. 
Wenn etwas anders reagiert, als es nach der Theorie sollte, ist die Theorie falsch. Ein anderes Denkmodell muß her. Dabei gilt: Das Bessere ist der Feind des Guten.
So nähert man sich kontinuierlich immer mehr der Realität an, bis sie direkt beobachtet werden kann (und damit die Theorie bewiesen wird), weil man ein so ausgefeiltes Rasterelektronenmikroskop entwickelt hat, daß man atomare Strukturen direkt beobachten kann.
Oder aber es gibt eine solche Fülle von Belegen für eine Theorie und keine einzige Beobachtung, die der Theorie widerspricht, daß man sie als wahr erachten kann. 
Die Evolution ist so eine gesicherte „Theorie“.

Bis heute finde ich die Kombination aus theoretischer Wissenschaft mit ihrer praktischen Anwendung höchst faszinierend.

Weniger begeistern mich die eher empirischen Wissenschaften wie die Ökonomie, bei der sich einzelne Denkschulen ihr Weltbild aufgrund sehr weniger spezieller Parameter zurecht zimmern. Diese Parameter sind oft noch nicht einmal objektiv messbar, sondern nun durch Umfragen oder Stichproben abzuschätzen.
Deswegen funktioniert Wirtschaftswissenschaft auch so schlecht in der echten Realität.
Man hängt oft Moden an, die man mit der Realität verwechselt. 

Als vor 20 Jahren alle Wirtschaftsjournalisten und Ökonomen neoliberal dachten, galt es quasi als gesichert, daß totale Flexibilisierung und Deregulierung bei gleichzeitiger Steuersenklung und Privatisierung wie in GB und USA ein dauerhaftes stabiles Wachstum zum Wohle aller generieren würden.
Für die 1998 frisch ins Amt geplumpste Schröder-Fischer-Regierung gab es daher auch de facto keine Alternative, als Erleichterungen für die ach so strangulierten Unternehmer und Investoren zu schaffen. 
Bis auf ein paar ganz wenige linke Spinner, die niemand ernst nahm, gab es keine Zweifel daran, daß nur diese Methode Erfolg verspräche. 
Drastische Steuersenkungen und Steuerfreiheit für Aktiengewinne sollten ein Schlaraffenland für dynamisches Unternehmertum schaffen.

Blöd nur, daß sich die Realität eben nicht an diese allgemein akzeptierten Theorien hielt.

Blöd nur, daß all die als „Orakel“ und „Gurus“ in den Himmel der Weisheit gehobenen Ökonomen offenbar in ihrem Theoriewahn weite Teile der Realität ausgeblendet hatten. 

Psychologie, Zukunftsängste, Dotcom-Blase, Immobilienblase, Kriege, internationale Krisen, Naturkatastrophen, und vieles andere mehr hatten die schöne neoliberale Theoriewelt als untaugliches Konstrukt aus dem Wolkenkuckucksheim entlarvt.
Die großen wirtschaftlichen Zusammenbrüche im Jahr 2000 und 2008 hatte niemand voraus gesehen.

Das Erstaunliche an Ökonomen ist, daß sie nicht wie Chemiker oder Physiker in dem Fall zu dem Schluß kamen „gut, unsere Theorie taugt offensichtlich nichts, wir müssen neue Denkmodelle entwickeln“.
Im Gegenteil, sie hielten hartnäckig an den soeben widerlegten Modellen fest und spülten noch 2009, als wir schon voll von der durch Deregulierungen geschaffenen Finanzkrise getroffen waren, die neoliberale Deregulierungspartei FDP mit Rekordergebnis in die Bundesregierung.

Das ist in etwa so, als ob man einem Kranken, der an schwerer Anämie leidet, einen Arzt aus dem Mittelalter heranschafft, der ihn dauernd zur Ader läßt.

Deutschland krankt an sozialer Kluft, daran, daß es keine Aufstiegsmöglichkeiten gibt. 
Nirgendwo in den OECD-Staaten hängt Bildung so sehr vom Portemonnaie der Eltern ab; nirgendwo herrscht einer Kinderfeindlichere Einstellung, nirgendwo werden Reiche so schnell reicher und nirgendwo herrscht eine krassere Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern.
Nach gut drei Jahren Schwarzgelb sind die Probleme schlimmer denn je, da neoliberale Fundis in der Regierung weiterhin aktiv das Geld zu den Habenden schaufeln.

Es kann kein Zufall sein, dass Deutschland in diesen Tagen konsequent auf den letzten Plätzen landet, wenn soziale Studien den Vergleich zu anderen Ländern anstellen. Wirtschaftlich scheint Deutschland ein Musterschüler, in Sachen Sozialkompetenz jedoch ein Komplettversager zu sein.

Unter 34 OECD-Ländern liegt Deutschland auf dem drittschlechtesten Rang, was das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen betrifft, so eine neue Studie der Organisation. Bei den Einkommen beträgt die Gehaltslücke durchschnittlich 22 Prozent - das ist eine bittere Erkenntnis. Richtig finster sieht es dann beim Rentengefälle zwischen Mann und Frau aus. Hier liegt Deutschland in der Statistik auf dem allerletzten Platz.

Es ist kein Zufall, dass in diversen Studien zur ökonomischen und sozialen Lage der Geschlechter fast identische Gründe für Deutschlands Dasein am unteren Ende der Skala angegeben werden. Die OECD benennt ausdrücklich den Mangel an qualifizierter, liebevoller und bezahlbarer Kinderbetreuung (der die Frauen in schlechter bezahlte Teilzeitjobs treibt) sowie die fehlende Gleichstellung der Geschlechter - exakt so argumentiert auch das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in seiner soeben veröffentlichten Untersuchung zur konstant niedrigen Geburtenrate.

 Ökonomen und Schwarzgelbe halten es mit Theorien wie Theologen.

Das ist, verglichen mit der Naturwissenschaft, genau der umgekehrte Weg: 
Hier steht am Anfang das Dogma, die Ideologie ist also die Konstante. 
Erst anschließend wird beobachtet und wenn sich die Realität nicht in das Dogma fügt, wird sie entweder manipuliert oder ignoriert.

Das funktioniert erstaunlich gut und hält lange vor. 
Über Jahrhunderte konnten religiöse Machthaber das Dogma des Geozentrismus aufrecht erhalten, indem sie die gegenteiligen Befunde, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit für den Heliozentrismus‘ sprachen, als Ketzerei verurteilten.

Im Jahr 2012, über 200 Jahre nach der Geburt von Charles Darwin glauben die Hälfte der Amerikaner immer noch an den Creationismus und wehren sich gegen Evolution.

 Mit Verve kämpfen dieser Papst und Milliarden Religiöse weltweit gegen Homosexualität, die sie als un-NATÜRlich bezeichnen und für die Zerstörung der Gesellschaft verantwortlich machen. Dabei ist längst erwiesen, daß Homosexualität sogar absolut natürlich ist und bei allen Spezies vorkommt, daß sie einen evolutionären Nutzen hat, indem sie das Fortbestehen der Gene über Nichten und Neffen garantiert, wenn zu viele eigene Nachkommen die Ressourcen überfordern würden.
 Entsprechendes gilt bei Menschen: Schwule und Lesben sind ökonomisch deutlich leistungsfähiger und finanzieren durch ihre Steuern überdurchschnittlich stark die nächste Generation. Außerdem verbessern sie durch Vererbung die ökonomischen Bedingungen ihrer Neffen und Nichten, welche ohne schwule Onkel und lesbische Tanten schlechtere Voraussetzungen für ihre eigene Brut hätten.

Der Papst kann sich radikal gegen die offensichtliche Realität und Vernunft stellen, indem er beispielsweise behauptet Kondome verschlimmerten das AIDS-Problem und in den HIV-verseuchtesten Landstrichen der Erde gegen Safer Sex wettert.

Statt so einen Mann in eine Gummizelle zu stecken oder besser wegen Beteiligung am Totschlag nach Den Haag zu zerren, wird er aber im Bundestag mit standing ovations geehrt.

Aktuellstes Beispiel einer ideologisch gewonnenen „Theorie“ ist die hartnäckige Mehrheit der Amerikaner, die an freien Waffenbesitz glaubt.
 Nur er könne zur Sicherheit führen, obwohl die Realität mit einer hundertfach höheren Mordrate als in  Europa das Gegenteil beweist.

Great point by Keith Boykin (broadcaster, author and commentator) in response to Texas representative Louie Gohmert's suggestion that if the principal of Sandy Hook had had a gun, she could have taken off the attacker's head. Paraphrasing Keith: Adam Lanza's mom had guns--did they protect her? Guns are often turned on those who own them/have them in their households.

 Hartnäckig glaubt auch eine große Mehrheit der Amerikaner an die abschreckende Wirkung der Todesstrafe, obwohl die Anzahl der Gewaltverbrechen ein vielfaches der Rate in Europa beträgt - also Ländern, die alle die Todesstrafe abgeschafft haben.

Zum Schluß eine nette Theorie, die angeblich auch nicht bewiesen ist und der heftig widersprochen wird.

Ich lege mich aber schon aufgrund meiner jahrelangen Beobachtungen der politischen und religiösen Prozesse auf dieser Welt fest:

Die Theorie stimmt!

"Ich würde wetten, dass ein durchschnittlicher Bürger aus dem Athen vor 3000 Jahren, der plötzlich in unserer Zeit auftauchen würde, einer der hellsten und intellektuellsten Köpfe wäre. Mit einem guten Gedächtnis, einer großen Palette von Ideen und einem klaren Blick für das Wesentliche." Mit diesem Szenario beginnt der US-amerikanische Entwicklungsbiologe Gerald Crabtree einen zweiteiligen Fachartikel im Magazin "Trends in Genetics".

Crabtree stellt in dem Aufsatz die These auf, dass die Menschen bereits vor Jahrtausenden ihren intellektuellen Zenit erreicht hatten. Mit der Entwicklung eines sesshaften Lebensstils und verbesserten Überlebensbedingungen ging es langsam bergab. Denn seitdem konnten sich Mutationen im Erbgut ansammeln, die den Intellekt beeinträchtigen.
(Nina Weber 13.11.12)
 
Werden die Menschen immer dümmer?   Mit dieser Prognose verunsicherte US-Forscher kürzlich seine Spezies.

[…] Heiße Diskussionen um die Tendenz der Intelligenzentwicklung löste kürzlich der US-Forscher Gerald Crabtree aus. Der Entwicklungsbiologe von der kalifornischen Stanford University behauptete im Fachblatt "Trends in Genetics", dass die durchschnittliche Intelligenz des Menschen allmählich schwinde. Seine Theorie: Um zu Überleben und etwa bei der Jagd erfolgreich zu sein, war einst Intelligenz entscheidend. Wer nicht clever genug vorging, verhungerte. Nur die Schlauesten überlebten und vererbten ihre Intelligenz weiter. Rund 2000 bis 5000 Gene seien verantwortlich für die menschliche Intelligenz, so Crabtree.

Abwärts ging es vor einigen Tausend Jahren: Der Mensch ließ sich in größeren Gruppen nieder. Die Stärkeren fütterten die Schwächeren mit durch. Intelligenz war nicht mehr so entscheidend für das Überleben. Stattdessen rückte etwa die Widerstandskraft gegen Krankheiten in den Vordergrund. Weil dieser Selektionsdruck nachließ, begann die durchschnittliche Intelligenz langsam zu schwinden. Das gehe bis heute so, behauptet Crabtree.

Kein Crab!

Montag, 17. Dezember 2012

Schiffe, sinkende, Ratten, Flucht….



Vielleicht war es nur der Frust darüber, daß Europas begehrtester Mann, der italienische Adonis vergeben ist.

Silvio Berlusconi hat sich mit der 27-jährigen Francesca Pascale verlobt. Sie ist Mitglied der Initiative "Silvio, wir vermissen dich" und beweist schon damit ihren scharfen politisch-analytischen Verstand.

Guido Westerwelle ist möglicherweise eingeschnappt und reagiert aus enttäuschter Liebe so garstig auf den besten Italienischen Ministerpräsidenten aller Zeiten.


Sagenhaft.
Nun ist es passiert.
Glaubt er ernsthaft, er könne aus der Ferne die Themen des Wahlkampfes in einem anderen Staats diktieren?
Und ist er wirklich so verblödet, daß er annimmt in dieser Mega-Finanzkrise könne man ohne die Erwähnung des mächtigsten Akteurs der EU auskommen?

Aber Westerwelle  warnt eben überhaupt gerne alle und jeden.

Warnungen sind nämlich die optimale „Handlungsform“ für einen politisch Kastrierten wie ihn.
Ausrichten kann GaGa-Guido ohnehin nichts, weil ihn niemand in Deutschland ernst nimmt. Spätestens seit den Wikileaks-Veröffentlichungen weiß man mit Sicherheit, daß das in den Hauptstädten der Welt genauso gesehen wird.
Deutschlands Außenminister ist ein desinteressierter Politdarsteller ohne Hintergrundwissen und Durchblick. Auf internationaler diplomatischer Ebene also komplett zweckfrei.
Aus dieser unschönen Lage hat Gudio mit seiner Warn-Politik das Beste gemacht. 
Er warnt eben grundsätzlich. 
Und wenn es anschließend schief geht, kann er darauf verweisen wenigstens gewarnt zu haben. Geht es gut, ist es umso besser, dann kann er behaupten man hätte sich nach seinen Warnungen gerichtet.

Eine Win-Win-Situation im politischen Paralleluniversum des kleinen Diplomaten-Azubis Guido. 
»Ich kann das syrische Regime nur warnen: Ein Einsatz von Chemiewaffen wäre völlig inakzeptabel«

2012

»Ich warne vor dem Irrtum, Islam mit Gewalt gleichzusetzen und politischen Islam mit Fundamentalistischem Islamismus«

2012

»Ich warne davor, alle arabischen Länder in einen Topf zu werfen«

2012

»Ich warne davor, militärische Optionen in den Raum zu stellen. Das sind (...) Debatten, die die iranische Führung eher stärken als schwächen«

2011

»Ich warne davor, dass in Europa der Annäherungsprozess der Türkei als etwas Gönnerhaftes behandelt wird«

2011

»Ich warne davor, ein Land nach dem anderen ins Gerede zu bringen«

2011

»Ich warne davor, dass der Eindruck in Ägypten erweckt wird, der Westen wolle dem ägyptischen Volk vorschreiben, wer es führen soll«

2011

»Ich warne vor einem schleichenden Sozialismus in Deutschland«

2009
(Alles Westerwelle, zitiert nach ZEIT 13.12.12)
 Diese Regierung ist reine Comedy - bestenfalls.

Kann man über Guido wenigstens noch herzlich lachen, sind die anderen FDP-Minister, die eben nicht nur als Lobbyisten-Sockenpuppen Klientelbedienung betreiben, sondern auch noch kontinuierlich mehr Chaos anrichten, ein Grund um zu Antidepressiva zu greifen.

Daß alle FDP-Wahlversprechen vom einfacheren, niedrigeren und gerechteren Steuersystem längst Makulatur sind, muß gar nicht weiter erwähnt werden. 
Mit der FDP wird es aber eben nicht nur NICHT BESSER, sondern kontinuierlich schlimmer, weil sie an der Talibanisierung der deutschen Bildungs-, Sozial-, Steuer-, Euro-, Energie, Pflege-, Gesundheits- und Subventionspolitik mitwerkelt.
Sogar das Bildungsfernhaltegeld, die sogenannte Herdprämie wurde von der FDP beschlossen.

Das reicht inzwischen auch den hartgesottensten Neoliberalen.
Politik, die so schlecht und so chaotisch gemacht wird, können nicht einmal mehr die von der FDP beschenkten Lobbyisten ertragen.
Eric Schweitzer, designierter Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) ist aus der FDP ausgetreten. Nach Informationen des Handelsblatts (Montagausgabe) aus Parteikreisen will FDP-Generalsekretär Patrick Döring Anfang kommenden Jahres versuchen, den prominenten Unternehmer zu einer Rückkehr zu den Liberalen zu bewegen.

Der Abgang von Eric Schweitzer trifft die Partei zur Unzeit. Mit dem 47-jährigen Familienunternehmer, Mitinhaber der Berliner Recyclinggruppe Alba, ginge den in den Umfragen schwächelnden Liberalen ein wichtiges Aushängeschild für den Bundestagswahlkampf 2013 verloren. Der DIHK spricht für 3,6 Millionen Unternehmen, vor allem kleinere und mittlere Unternehmen.
 Die Rösler-Truppe ist ein derartiger Mühlstein um den Hals, daß selbst die FDP-affinsten Ratten nun das Weite suchen.
Vor dem Wahljahr 2013, mit den wichtigen Entscheidungen in Niedersachsen, Bayern und im Bund, will keiner mehr mit den Hepatitisgelben in Verbindung gebracht werden.

Die Talkshow-Ikone Hans-Olaf Henkel hatte als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) bis 2005 massiv für die FDP geworben, der Partei aber im Dezember 2011 aufgrund deren „Abkehr vom Prinzip des Liberalismus“ (zitiert nach Wikipedia) keine Zukunft bescheinigt. 
Nun vertritt Henkel die „freien Wähler“.

Tja Rösler, da jetzt auch die Arbeitgeberverbandschefs den Daumen gesenkt haben, würde ich empfehlen Deinen Laden zuzumachen.
Es hat ohnehin keinen Sinn mehr bei Wahlen anzutreten. Euch will niemand mehr. Und womit? Mit Recht!
 Der Vorgang ist symptomatisch für die verzweifelte Lage der FDP nur einen Monat vor der so wichtigen Landtagswahl in Niedersachsen. Den Liberalen geht die Stammkundschaft von der Fahne, und die Parteispitze versucht alles, um es zu verhindern. Die FDP kämpft um nicht weniger als das politische Überleben. Doch der Ausgang dieses Kampfes ist ungewisser denn je.
Fassungslos blickt die liberale Führung seit Monaten auf die Zahlen der Meinungsforscher. Es tut sich einfach nichts, die FDP krebst weiter im demoskopischen Keller herum. Auch das Institut GMS macht an diesem Montag keine Hoffnung: Bundesweit liegt die Partei bei vier Prozent. In Niedersachsen sieht es nicht besser aus. Linderung ist nicht in Sicht. Stattdessen stellt sich die Frage: Wer soll die FDP eigentlich noch wählen?

[….]  Beim letzten Elite-Panel des Wirtschaftsmagazins "Capital" äußerten sich mehr als 90 Prozent der befragten Führungskräfte unzufrieden über den FDP-Chef. […] Derweil sucht auch die Basis das Weite: Tausende Mitglieder haben die Freien Demokraten verloren, seit sie mit ihrem Rekordergebnis in die Bundesregierung eingezogen sind. Zum Jahreswechsel 2011/2012 zählte die Partei noch 63.123 Mitglieder, Ende Juni 2012 waren es nur noch 60.181 - ein Minus von fast fünf Prozent. Schon in den zwölf Monaten zuvor hatten sich 5400 Mitglieder verabschiedet. Immer wieder gab es in diesem Jahr Berichte aus der Provinz, dass ganze Orts- oder Kreisverbände geschlossen ausgetreten seien. Jüngst meldeten sich neun von 14 Freidemokraten im brandenburgischen Städtchen Templin ab - weil unter dem Label der FDP "kein Blumentopf mehr zu gewinnen" sei, wie es einer formulierte.
 (Florian Gathmann und Philipp Wittrock, Spon, 17.12.12)